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210021 · Mitteilungsvorlage

Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Biodiversität der Bundesstadt Bonn

Nummer
210021
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
01.03.2021
Letzte Änderung
19.09.2026
  1. Sitzung des Hauptausschusses anstelle des Rates nach § 60 Abs. 2 GO NRW 18.03.2021 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 01.06.2021 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
210021
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Weiterentwicklung des Aktionsprogramms
Biodiversität der Bundesstadt Bonn
Beratungsfolge
Rat 18.03.2021 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Die Untere Naturschutzbehörde im Amt für Umwelt und Stadtgrün plant das im
Jahr 2010 beschlossene und auf einen Zeitraum von 10 Jahren angelegte
Aktionsprogramm Biodiversität (DS-Nr. 0912026/ 0912026AA4)
weiterzuentwickeln.
Mit dem geplanten Aktionsprogramm Biodiversität der Bundesstadt Bonn
(2021-2031) sollen die Erkenntnisse und Entwicklungen der letzten Dekade zur
Förderung und zum Erhalt der biologischen Vielfalt berücksichtigt und neue
Anforderungen und Rahmenbedingungen aufgegriffen werden (z.B. Thema
Insektenschutzgesetz, Natur auf Zeit). Es ist geplant, die Neufassung bis zum
Ende des 4. Quartals 2021 zu erarbeiten und in die politische Beratung
einzubringen.
Evaluation
Das Aktionsprogramm wurde 2014 redaktionell überarbeitet und um zwei
Handlungsfelder ergänzt (DS-Nr. 1312015NV6). Insgesamt umfasste das
Aktionsprogramm damit 50 Projekte, die den folgenden sieben
Handlungsfeldern zugeordnet waren:
1. Internationales/Netzwerke,
2. Wissensbasis/Grundlagen,
3. Bildung und Öffentlichkeitsarbeit
4. Stadt- und Freiraumentwicklung
5. Kulturpflanzen
6. Praktischer Naturschutz
7. Gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben und deren Umsetzung
Mit dem Ende der zehnjährigen Laufzeit wurde das Aktionsprogramm im Jahre
2020 ämterübergreifend evaluiert. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass
über 80% der im Aktionsprogramm beschriebenen Projekte entweder
vollständig oder in Teilen umgesetzt sind bzw. sich in der aktiven Umsetzung
befinden (vgl. Abb. 1). Mehr als die Hälfte dieser Maßnahmen haben sich
darüber hinaus zu dauerhaften Aufgaben entwickelt, die beständig fortgeführt
werden. Die Projekte verteilen sich dabei über das gesamte Bonner Stadtgebiet
(vgl. Karte im Anhang).Seite 1 von 6

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Etwa ein Fünftel der im Jahr 2010 geplanten Projekte wurde nicht umgesetzt.
Neben fehlender Personalressourcen zu dieser Zeit sind die Gründe auch auf
geänderte Rahmenbedingungen zurückzuführen:
Änderungen in naturschutzfachlichen Rechtsvorschriften machten
beispielsweise Projekte im Handlungsfeld „Gesetzliche Aufgaben und deren
Umsetzung“ obsolet, ein Projektformat im Handlungsfeld „Bildung und
Öffentlichkeitsarbeit“ wurde aufgrund veränderter Nachfrage eingestellt.
Abb. 1: Umsetzungstand der 50 Projekte des Aktionsprogrammes Biodiversität
Ausblick
Unter Berücksichtigung der Aktivitäten der letzten Jahre, geänderter
Rahmenbedingungen und neuen Anforderungen soll das weiterentwickelte,
restrukturierte Aktionsprogramm den perspektivischen Weg der Stadt Bonn für
die kommende Dekade (2021-2031) aufzeigen. Mit dem Aktionsprogramm
Biodiversität 2.0 wird das Biodiversitätsmanagement der Stadt Bonn für die
kommende Dekade fortgeschrieben und damit dem Thema Förderung und
Erhaltung der Biodiversität als dauerhafte, kommunale Aufgabe Rechnung
getragen. Um mögliche Anpassungen und übergreifende Abstimmungen
frühzeitig vornehmen zu können, sollen die bestehenden, laufenden und
geplanten Biodiversitätsprojekte der gesamten Stadtverwaltung im Rahmen
eines regelmäßigen Projekt-Monitorings übergeordnet zusammengeführt
werden. Hierbei kommt einer ämter- und dezernatsübergreifenden Beteiligung
besondere Bedeutung zu. Im Rahmen des Projekt-Monitorings ist eine
Zwischenevaluation in einem dreijährigen Turnus vorgesehen, um eine amts-
und dezernatsübergreifende Koordination der Maßnahmen zu gewährleisten.
Für die Weiterentwicklung und Betreuung des Aktionsprogramms entstehen
keine zusätzlichen Kosten für externe Aufträge, da dies mit eigenem Personal
in der Verwaltung und vorhandenen Haushaltsmitteln im Bereich Biodiversität
(67-6) durchgeführt werden soll. Es ist geplant, Fördermittel für die Umsetzung
gemeinsam mit den beteiligten Dienststellen in der Stadtverwaltung zu
akquirieren, so bald detaillierte Ziele und Maßnahmen definiert sind und die
Beschlussfassung zum weiterentwickelten Aktionsprogramm gefasst ist.Seite 2 von 6

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Im Rahmen der Weiterentwicklung des Aktionsprogrammes ist es vorgesehen
die derzeit sieben Handlungsfelder auf drei Handlungsschwerpunkte,
sogenannte Zukunftssäulen zu konzentrieren. Jede Säule kann dabei in
verschiedene Bereiche untergliedert werden, denen alle relevanten
Biodiversitätsprojekte zugeordnet sind.
Das Aktionsprogramm Biodiversität 2.0. ist Teil der Umsetzung der
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn aus dem Jahr 2019 und folgt
ihrem ganzheitlichen Anspruch in Umsetzung und Kommunikation (auch
übergreifend in der Kommunikation der nachhaltigen Entwicklungsziele/SDGs).
Es geht auf aktuelle Entwicklungen zum Beispiel durch die Weiterentwicklung
der Digitalisierung, veränderte Anforderungen an Datenerhebung, in
Berichterstattung und Wissensmanagement zur Biodiversität (zum Beispiel
auch durch global anschlussfähige Berichtssysteme zur Biodiversität, aber
auch im Kontext der Nachhaltigen Entwicklungsziele) und Paradigmenwechseln
durch globalen Wandel und eine globale Pandemie ein. Der Bereich des
Austauschs, der Netzwerke und Kooperationen erstreckt sich sowohl
geographisch (regional, national, europäisch, global) wie hierarchisch (vertikal
über Regierungsebenen). Interdisziplinäre Kooperationen und Netzwerke
haben zunehmend Bedeutung. Hier wird die besondere Situation der
Bundesstadt Bonn als deutsche Stadt der Vereinten Nationen und
"Sustainability Hub" mit ausgeprägter Wissenschaftslandschaft und
zivilgesellschaftlichen Akteuren als großes Potenzial gesehen.
Zukunftssäule I „Ökologische Landnutzung & Stadt-Land-Entwicklung“
Auch die Stadt Bonn steht den Herausforderungen von steigenden
Landnutzungskonflikten gegenüber. Insbesondere im Außenbereich
konkurrieren naturschutzfachlich wertvolle Biotope mit dem Bedürfnis nach
mehr Wohnraum, Infrastruktur und einer intensiven Landwirtschaft. Im
bebauten Innenbereich zeigen sich die Nutzungskonflikte besonders deutlich:
einerseits gehen durch Nachverdichtungsprojekte Grünflächen verloren und
gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach Erholungsräumen und urbanen
Grünstrukturen. Andererseits ist die weitere bauliche Entwicklung des
Innenbereichs vor dem Hintergrund der ökologisch und stadtplanerisch
gewollten Schonung des Außenbereichs die einzige Chance, dem bestehenden
Nutzungsdruck zu begegnen und bspw. dringend benötigten zusätzlichen
Wohnraum zu schaffen.
Die Vernetzung der urban und ländlich geprägten Räume und eine möglichst
ökologische Nutzung der vorhandenen Frei- und Agrarräume sollen im
Mittelpunkt der ersten Zukunftssäule stehen. In den letzten Jahren hat die
Stadtverwaltung dazu bereits einige Projekte auf den Weg gebracht. Um dem
Verlust der Artenvielfalt entgegen zu wirken, wurde z.B. das Grüne C als
Freiraumprojekt etabliert oder die Nutzung von regionalem Saatgut als
Daueraufgabe implementiert. Dieser Bereich soll aufgrund des Klimawandels
und dessen Folgen (starke Trockenheit der letzten drei Jahre,
Borkenkäferbefall, etc.) weiter ausgebaut und gestärkt werden. Es sind
Analysen zum Freiraum als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie für die
Erfüllung der Belange des Klimaschutzes und der Biodiversität vorgesehen
sowie eine konzeptionelle Weiterentwicklung der städtischen Freiraumplanung
mittels des Integrierten Freiraumsystems (IFS). Das Freiraum-Monitoring stellt
eine gute Daten- und Bewertungsgrundlage für eine nachhaltigeSeite 3 von 6

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Stadtentwicklung dar und fließt in die Abwägungsprozesse der Bauleitplanung
sowie weiteren Fachplanungen und lokalpolitischen Entscheidungen ein.
Zukunftssäule II „Urbane Natur“
Städte bieten auf kleinstem Raum einer außergewöhnlich hohen Anzahl von
Pflanzen und Tieren verschiedenste Lebensräume und können somit Hotspots
der Biodiversität darstellen. Gleichzeitig besteht ein hoher Nutzungsdruck durch
den Menschen, sodass der Schutz verbleibender Freiflächen und urbaner Natur
für die biologische Vielfalt an immer größerer Bedeutung gewinnt. Die Stadt
Bonn hat bereits Projekte wie z.B. die Baumsatzung für Bäume auf
Privatgrundstücken als Daueraufgabe implementiert, um dem Verlust der
Artenvielfalt entgegen zu wirken. Dieser Bereich soll aufgrund des
fortschreitenden Klimawandels und dessen Folgen weiter ausgebaut und
gestärkt werden. Daran anknüpfend plant die Verwaltung u.a. die Bonner
Friedhöfe zu einem Handlungsschwerpunkt der Zukunftssäule „Urbane Natur“
zu erheben.
Den 40 Friedhöfen im Stadtgebiet von Bonn kommt mit einer Gesamtfläche von
ca. 120 ha eine bedeutsame ökologische Funktion im urbanen Raum zu. Sie
sind ein wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna, fungieren als
Trittsteinbiotop und Refugium für gefährdete und seltene Tier- und
Pflanzenarten und wirken als bioklimatische Ausgleichsräume. Friedhöfe
produzieren als Grünflächen in Folge der Verdunstungskühlung Kaltluft in der
Nacht und können somit spürbar zu einer Abkühlung der angrenzenden
Siedlungsbereiche beitragen. Unter dem Begriff „Insektenfreundlicher Friedhof“
werden z.B. auf dem Südfriedhof seit 2018 nicht mehr zur Belegung benötigte
Flächen mit Regiosaatgut eingesät, extensiv gepflegt und zusätzliche Flächen
mit Blumenzwiebeln bepflanzt. Neben dem optischen Aspekt fördern diese
Maßnahmen das Nahrungsangebot für Insekten (DS-Nr. 190952: Punkt 5.1.3).
Die ökologische Aufwertung der Friedhöfe ist elementarer Bestandteil der
Maßnahmenliste im Zertifizierungsverfahren „Labeling Stadtgrün Naturnah“, in
dem die Stadt Bonn im September 2019 als beste Großstadt in diesem
Auszeichnungsjahr mit dem Label „Silber“ ausgezeichnet wurde.
Zukunftssäule III „Naturbewusstseinsförderung & Kooperationen“
Die Stadtverwaltung kann wichtige Impulse, Rahmenbedingungen und
Zielweichen für die Förderung und den Erhalt der Biodiversität stellen. Zur
nachhaltigen Umsetzung ist es entscheidend, dass die Maßnahmen von der
Stadtgesellschaft mitgetragen und gelebt werden. Vor allem im
Innenstadtbereich bergen private Gärten, Balkone sowie Grün- und Freiflächen
ein enormes Potenzial für die biologische Vielfalt in der Stadt. In den letzten
Jahren konnte eine immer stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung für
Themen der biologischen Vielfalt (Insektensterben etc.) und ein zunehmendes
Bedürfnis nach aktiver Mitgestaltung beobachtet werden. Hier ergeben sich
zahlreiche Anknüpfungspunkte, die im Rahmen der dritten Zukunftssäule
verstärkt verfolgt werden sollen. Die Stadt hat bereits Projekte wie z.B. das
Haus der Natur und den Lehrpfad „Artenvielfalt in der Stadt“ etabliert, um
aufzuklären und zu motivieren.
Im Rahmen des Ausbaus dieses Handlungsschwerpunktes ist beispielhaft das
KiTa-Projekt „Blüten für Insekten“ zu nennen, in dessen Rahmen die Untere
Naturschutzbehörde gemeinsam mit der Biologischen Station seit 2019 Bonner
KiTas bei der Anlage von Blühflächen mit gebietsheimischen PflanzenSeite 4 von 6

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unterstützt und berät. Das Ziel ist es, bei der jungen Generation ein
Bewusstsein und eine Wertschätzung für die bedrohte Insektenwelt zu schaffen
und sie zu motivieren einen eigenen Beitrag zum Schutz der biologischen
Artenvielfalt zu leisten. Im August 2020 wurde „Blüten für Insekten“ als Projekt
der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Das Projekt erhielt zudem
die Auszeichnung im Rahmen des Sonderwettbewerbs „Soziale Natur – Natur
für alle“. Damit würdigt die UN-Dekade vorbildliche Projekte, die mit ihren
Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, welche die Natur mit ihrer
biologischen Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bietet. Im Sinne eines
Zusammenhaltes soll die Bildung von Kooperationen und regelmäßigen
Austauschmöglichkeiten inner- und außerhalb der Verwaltung zur Förderung
der biologischen Vielfalt weiter fokussiert werden.
Anlage/n
1 Anlage MV Biodiversität (öffentlich)Seite 5 von 6

Anmerkung: Es handelt sich um eine grobe Verortung ohne flächenscharfe Abgrezung. Projekte, die über das gesamte Stadtgebiet sowie alle Friedhöfe, Streuobstwiesen, NSGs
und LSGs verteilt sind, wurden nicht eingezeichnet.
Legende
2.2 Kooperation Fledermauskonzept Siegmündung 4.10 Straßenbeleuchtung gezielt nutzen
3.3 Erlebnistag „Stadtwald“ 4.11 Gebäudebeleuchtung analysieren
3.4 Weg der Artenvielfalt 4.12 Gläserne Wartehäuschen entschärfen (Vogelschutzstreifen)
3.5 Haus der Natur 4.14 Verminderung von (weiteren) Gefahrenquellen für Tiere
3.6 Lehrpfad Stadtökologie 5.1 Beschaffung von Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft unter besonderer
Berücksichtigung einheimischer Baumarten
3.7 Informationen über die Bonner Naturschutzgebiete 5.4 Naturland- Zertifizierung Stadtwald
4.5 Schaffung von Sukzessions- und Wildnisgebieten 6.1 Prioritäre Arten schützen
4.6 Grünes C 6.2 Kooperation Fledermauskonzept Siegmündung: Umsetzung
4.7 Landschaftsplan Kottenforst (Umsetzung) 6.3 Höhlen- und Horstbäume bewahren
4.8 Gewässerentwicklung an der Unteren Sieg 6.9 Ausdünnung des Wegenetzes in Naturschutzgebieten
3.3 – 3.5Seite 6 von 6

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Datenstand: 02.11.2026, 19:57 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de