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202312 · Beschlussvorlage

ISEK östlich des Beueler Bahnhofs - Konzept und Maßnahmen

Nummer
202312
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
08.06.2021
Letzte Änderung
19.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 25.08.2021 Empfehlung
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 22.06.2021 Empfehlung
  3. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 20.08.2021 Anhörung
  4. Sitzung des Rates 16.09.2021 Entscheidung federführend
  5. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 26.08.2021 Anhörung
  6. Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr 18.08.2021 Empfehlung
  7. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 02.09.2021 Empfehlung
  8. Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 26.08.2021 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 202312-02 ST ISEK östlich des Beueler Bahnhofs - Konzept und Maßnahmen Antrag zur Vorlage 202312
  2. 202312-01 AA ISEK östlich des Beueler Bahnhofs - Konzept und Maßnahmen Antrag zur Vorlage 202312

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Beschlussvorlage
öffentlich
202312
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
ISEK östlich des Beueler Bahnhofs - Konzept und
Maßnahmen
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Beuel 22.06.2021 Empfehlung
Ausschuss für Mobilität und Verkehr 18.08.2021 Empfehlung
Beirat Bürgerbeteiligung 20.08.2021 Anhörung
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
25.08.2021 Empfehlung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
26.08.2021 Anhörung
Ausschuss für Europa, Internationales,
Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit
26.08.2021 Empfehlung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 02.09.2021 Empfehlung
Rat 16.09.2021 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) für das
nach § 171b BauGB abgegrenzte Gebiet östlich des Beueler Bahnhofs
wird in der Fassung von Januar 2021 zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die im ISEK enthaltenen Maßnahmen
weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für eine Umsetzung der
beschriebenen Projekte zu schaffen sowie hierzu auch Förderanträge
zu den jeweils anwendbaren Förderprogrammen zu stellen. Zur
Begleitung der Umsetzung wird der Verwaltung zusätzliches Personal
entsprechend der Ausführungen in der Begründung bereitgestellt.
3. Soweit die Maßnahmen nicht im Rahmen bereits bestehender Budgets
umgesetzt werden können, steht der Auftrag zur Umsetzung der
Maßnahmen unter dem Vorbehalt der Bereitstellung der erforderlichen
Haushaltsmittel.
Begründung
Mit Beschluss des Hauptausschusses (DS.Nr. 1712472NV8) wurde dieSeite 1 von 142
Seite 2
Konzepterarbeitung und das Moderationsverfahren zur Quartiersentwicklung
östlich des Beueler Bahnhofes an das externe Büro Plan lokal aus Dortmund
vergeben. Das Büro unterstützte die Stadtverwaltung bei der inhaltlichen
Ausgestaltung des Planungsprozesses und der organisatorischen Begleitung
einer umfassenden Akteurs- und Öffentlichkeitsbeteiligung. In den Sitzungen
der BV Beuel am 16.06.2020 (DS-Nr. 200949) und 11.08.2020 (DS-Nr. 201380)
erfolgten Sachstandsberichte zum Projektverlauf und eine Vorstellung zum
Entwurf des Maßnahmenpakets.
Das finale Konzept liegt nun der Beschlussvorlage im Entwurf bei (siehe
Anlage).
Bei Bedarf kann eine Ergebnisvorstellung des finalen Konzeptes durch das
Planungsbüro Plan-lokal erfolgen.
Zielsetzung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes
östlich des Beueler Bahnhofs
Mit dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) wird eine
Zukunftsperspektive für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofes aufgezeigt.
Mit der Konzepterarbeitung wird zudem die Grundlage geschaffen, um in den
Folgejahren städtische Mittel zielgerichtet einsetzen zu können und um eine
Voraussetzung zur Beantragung von Fördermitteln zu erhalten.
Das ISEK beinhaltet zukünftige Entwicklungsziele, Handlungsfelder und
schließlich konkrete Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung des Quartiers
östlich des Beueler Bahnhofs. Aus der städtebaulichen Analyse, der Akteurs-
und Öffentlichkeitsbeteiligungen sind neben den Defiziten und
Handlungsbedarfen auch Stärken und Potenziale im Prozessverlauf
hervorgegangen, auf die in Zukunft aufgebaut werden soll. Auf diesen
insgesamt gewonnenen Erkenntnissen baut das erarbeitete ISEK auf.
Beteiligungsbausteine
Während der Konzeptbearbeitung bildete eine umfassende Akteurs- und
Öffentlichkeitbeteiligung in allen Bearbeitungsphasen einen wichtigen
Bestandteil. Die in der Beteiligung eingebrachten Hinweise und Anregungen
wurden in den Zielsetzungen und Entwicklung der Maßnahmen berücksichtigt.
Die eingebrachten Hinweise aus der Öffentlichkeitsbeteiligung sind im Bericht
schriftlich in den Maßnahmensteckbriefen unter „Stimmen der Beteiligung“ zu
finden. Erläuterungen zum Ablauf der einzelnen Beteiligungsbausteine sind
ebenfalls im Bericht enthalten (S. 7ff.).
Folgende Beteiligungsbausteine wurden durchgeführt:
11.07.2019 Verwaltungsrunde (Auftakt)
25.09.2019 BV BeuelSeite 2 von 142
Seite 3
30.10.2019 Planungsausschuss
01.11.2019 Quartiersrundgang mit Akteuren vor Ort
Dez 19/Jan 20 Akteursgespräche
30.01.2020 Arbeitsgespräch mit Gewerbetreibenden
Mai 2020 Haushaltsbefragung
Mai 2020 2. Verwaltungsrunde (digitaler Workshop)
16.06.2020 BV Beuel
11.08.2020 BV Beuel
23.09.2020 Öffentliches Forum
23.09.- 07.10.2020 Beteiligung über Bonn macht mit
23.11.2020 3. Verwaltungsrunde mit den beteiligten Fachämtern
Der ISEK Bericht stellt mit seinen konzeptionellen Aussagen die Richtschnur
der weiteren Entwicklung für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs dar.
Dabei werden die verschiedenen Ansprüche und Belange, die von
unterschiedlichen Akteuren im Planungs- und Beteiligungsprozess geäußert
wurden, berücksichtigt.
Leitidee und Handlungsräume
Aktuell kennzeichnet sich das Quartier mit seiner Lage im Gewerbegebiet durch
eine sehr heterogene Struktur, in der eine einmalige Nachbarschaft aus
gewerblichen Unternehmen, privaten Wohnungen, kulturellen Einrichtungen,
kreativen Produktionsstätten sowie sport- und freizeitlichen Angeboten existiert.
Diese Nutzungen lassen sich in verschiedene Teilräume verorten und werden
im ISEK als "Talente bzw. Cluster Räume im Quartier" bezeichnet. Diese
umfassen
- einen Ankunftsraum am Beueler Bahnhof,
- ein Kreativ Cluster rund um die Räumlichkeiten der Tapetenfabrik,
- ein Kultur Cluster in und um das Gelände der Theaterwerkstätten,
- einen Showroom entlang der Siegburger Straße.
Hierdurch ergibt sich die Leitidee der zukünftigen Entwicklung des Quartiers
unter dem Slogan „Stärkung der Talente im Beueler Osten“. Im Sinne dieser
Leitidee gilt es, die Teilräume funktional und gestalterisch aufzuwerten sowie
vorhandene Angebote weiterzuentwickeln und zu ergänzen.
Zur Umsetzung der Leitidee gibt es für jeden der obengenannten TeilräumeSeite 3 von 142
Seite 4
zusätzlich die unterstützenden Initiativen:
- Gewerbe profilieren,
- verkehrliche Erschließung verbessern,
- Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität fördern,
- Wohnen und Wohnumfeld qualifizieren,
- Umsetzung begleiten und evaluieren.
In den benannten „Clustern“ soll die zukünftige Entwicklung mit geeigneten
Handlungsfeldern gelenkt und gefördert werden. Die vorhandenen
Flächenpotentiale zum Ausbau der Kreativ- und Kulturwirtschaft sollen genutzt
werden. Hierdurch kann einerseits die Identität des Kreativquartiers durch
Sichtbarmachung des Vorhandenen gestärkt werden (Theaterwerkstätten und
Tapetenfabrik). Aber auch Magnetwirkungen der Angebote zu einer
Frequenzsteigerung und Vermarktung im Quartier beitragen. Weiterhin gilt es
die Gewerbestandorte zu erhalten und zu profilieren. Hierzu zählt neben einer
baulichen Aufwertung ebenso die Verbesserung der Auffindbarkeit von
Einrichtungen und die Vermarktung bestehender Angebote. Gleichzeitig gilt es
aber auch im Quartier die Aufenthaltsqualität zu verbessern und
Erholungsmöglichkeiten für Bewohner und Besucher zu schaffen. Zur
Verbesserung der Aufenthaltsqualität gehört ebenso die Gestaltung von
Ankunftsräumen u.a. des Beueler Bahnhofs und der Ortseingänge sowie die
Verbesserung der Erreichbarkeit für den Fuß- und Radverkehr im Quartier.
Aufgrund der Lage im Gewerbegebiet spielt der motorisierte Individualverkehr
sowie die Anlieferungen für den LKW Verkehr eine wichtige Rolle. Zukünftig soll
eine effizientere Abwicklung von Ziel- und Durchgangsverkehren sowie eine
Reduzierung der Belastung von Konflikten zwischen Anwohnern und
Verkehrsteilnehmern erzeugt werden. Die Wohnnutzung spielt aufgrund der
Dominanz der gewerblichen Betriebe eine untergeordnete Rolle. Es bestehen
punktuelle Leerstände und Sanierungsbedarfe an den Wohngebäuden. Als
Zielsetzung wird es angestrebt den Bestand zu schützen und mit
Sanierungsmaßnahmen die Erhaltung des Wohnbestandes zu sichern. In
Hinblick auf die gesetzten Ziele zum Klimaschutz und der Klimaanpassung
sollen auch im Quartier Maßnahmen zur Reduzierung der CO2 Emissionen
sowie biodiversitätsfördernde Maßnahmen Einbindung finden.
Maßnahmenprogramm
Zur Umsetzung der Leitidee mit den genannten Handlungsfeldern wurde ein
umfassendes Maßnahmenkonzept mit insgesamt 54 konkreten Einzelprojekten
für das Programmgebiet östlich des Beueler Bahnhofs erarbeitet. Das
Programmgebiet wird begrenzt durch den Bröltalbahnweg im Norden, den
Pfaffenweg im Osten, die Röhfelstraße und Maarstraße einschließlich der
Feuerwache im Süden und durch den Beueler Bahnhof bis zur Oberen
Wilhelmstraße einschließlich der Brotfabrik im Westen (vgl. Anlage 6).
Zu den Maßnahmen zählen sowohl von der Stadt oder privat Agierenden
geplante und bereits teilweise realisierte Maßnahmen als auch neue
Maßnahmenvorschläge. Eine Auflistung des Maßnahmenpakets ist als AnlageSeite 4 von 142
Seite 5
2 beigefügt.
Eine ausführliche Erläuterung der Maßnahmen ist im ISEK Bericht im Kapitel 5
(ab S. 44) nachzulesen. Die einzelnen Maßnahmen werden mit jeweils
einzelnen Steckbriefen dargestellt. Diese enthalten neben dem Maßnahmentitel
eine Kurzbeschreibung der Maßnahme in der die Ausgangslage sowie zentrale
Ziele, Beteiligte, die geschätzten Kosten mit Finanzierungszugängen und
Umsetzungszeiträume dargelegt werden. Die Bundesstadt Bonn beabsichtigt
im Jahr 2022 eine Förderung zu beantragen, daher ist das erste Jahr der
Förderung 2023.
Personalbedarf
Die Begleitung der Umsetzung von einzelnen Maßnahmen wird insbesondere
in der Verantwortung des Dez. III im Stadtplanungsamt und dem Tiefbauamt
des Dez. IV mit dem Kulturamt und der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung
Theater liegen. Zur Vorbereitung und Umsetzung der im ISEK enthaltenen
Maßnahmen wird im Stadtplanungsamt und im Tiefbauamt sowie im Kulturamt
und Theater dringend zusätzliches Personal benötigt. Die in den Fachämtern
beschäftigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind bereits voll ausgelastet und
können die zusätzlich anfallenden umfangreichen Aufgaben der ISEK
Umsetzung nicht leisten. Die Umsetzung der Maßnahmen wird ab dem Jahr
2023 erfolgen und kann daher nur vorbehaltlich zusätzlicher personeller
Unterstützung beim Theater sowie in den Ämtern 61 und 66, die noch genauer
auszuführen und zu beziffern ist, erfolgen. Hierzu wird nach Inkrafttreten des
Haushaltes 2021/ 2022 –auch unter Berücksichtigung der Beantragung der
Städtebaufördermittel im Herbst 2022 sowie der voraussichtlichen Gewährung
dieser im Sommer 2023 – eine Vorlage zur Einrichtung der Stellen inkl. der
Benennung der Bereitstellung der Mittel für die überplanmäßigen Ausgaben
seitens der Verwaltung eingebracht.
Anlage/n
1 Auflistung der Einzelmaßnahmen (öffentlich)
2 Übersichtsplan Gebietsabgrenzung (öffentlich)
3 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept östlich des Beueler
Bahnhofs (öffentlich)Seite 5 von 142
MAßNAHMENÜBERSICHT
Teilraum A: Ankunftsraum Bahnhof Beuel
A1 Übergeordnete Qualifizierungsstrategie für das Bahnhofsumfeld��������������������������������������������������������������� 50
A1�1 Aufwertung und Instandsetzung des westlichen Bahnhofsvorplatzes �������������������������������������������������������� 51
A1�2 Nachnutzungsstrategie für das Bahnhofsgebäude ��������������������������������������������������������������������������������� 52
A1�3 Nachnutzungsstragie für den translozierten Güterschuppen ������������������������������������������������������������������� 53
A1�4 Schaffung eines östlichen Bahnhofsvorplatzes �������������������������������������������������������������������������������������� 54
A1�5 Planung eines zentralen Omnibusbahnhofs auf der Ostseite der Bahngleise ������������������������������������������� 55
A1�6 Durchstich des Verteilertunnels Bahnhof Beuel �������������������������������������������������������������������������������������� 56
A1�7 Ausbau der Königswinterer Straße ������������������������������������������������������������������������������������������������������� 57
A2 Realisierung einer Eckbebauung an der Ecke Königswinterer Straße und Maarstraße ���������������������������������� 58
A3 Künstlerische Gestaltung der Quartierseingänge ������������������������������������������������������������������������������������� 59
A4 Verlängerung und Ausbau der S13 �������������������������������������������������������������������������������������������������������� 60
Teilraum B: Showroom Siegburger Straße
B1 Ermittlung des Instandsetzung- und Sanierungsbedarf entlang der Siegburger Straße ���������������������������������� 63
B2 Ausbaukonzeption für die Siegburger Straße ������������������������������������������������������������������������������������������� 64
B3 Realisierung von denkmalgerechten Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen in der Brotfabrik ������������� 65
B4 Sanierung und Nachnutzungskonzeption für die Problemimmobilie an der Ecke Obere
Wilhelmstraße und Gustav-Kessler-Straße ���������������������������������������������������������������������������������������������� 66
B5 Aufwertung der Gleisunterführung auf Höhe der Siegburger Straße ����������������������������������������������������������� 67
B6 Wohnbauentwicklung im Umfeld der Pauluskirche auf der Siegburger Straße ��������������������������������������������� 68
B7 Einrichtung eines „Talentmanagements“ für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs
und die Obere Wilhelmstraße ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 69
B8 Einrichtung eines Quartiersbeirats sowie eines Verfügungsfonds für das Quartier
östlich des Beueler Bahnhofs ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 70
B9 Inszenierung von Kultur und Kreativwirtschaft entlang der Siegburger Straße ���������������������������������������������� 71
Teilraum C: Kreativ-Cluster Tapetenfabrik
C1 Nachnutzung der Evonik-Brache ������������������������������������������������������������������������������������������������������������ 74
C2 Aufwertung des Straßenraums entlang der Auguststraße �������������������������������������������������������������������������� 75
C3 Tiefbaumaßnahmen am Siebenmorgenweg mit gleichzeitiger Aufwertung
des Straßenraums Marquartstraße ��������������������������������������������������������������������������������������������������������� 76
C4 Errichtung eines Ergänzungsbaus der Tapetenfabrik neben der Marquart-Villa ������������������������������������������� 77
C5 Nachnutzung der Marquart-Villa ������������������������������������������������������������������������������������������������������������ 78
Teilraum D: Kultur-Cluster Theatergelände Siegburger Straße
D1 Optimierung der Räumlichkeiten auf dem Theatergelände Siegburger Straße �������������������������������������������� 81Seite 6 von 142
D1�1 Verlagerung der Freiwilligen Feuerwehr ��������������������������������������������������������������������������������������������� 82
D1�2 Denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen an den Theaterwerkstätten �������������������������������������������������� 83
D2 Nutzungskonzeption für den Innenhof des Theatergeländes Siegburger Straße ����������������������������������������� 84
D2�1 Herstellung einer Wegeverbindung zwischen Theaterwerkstätten und Markthallen ��������������������������������� 85
D2�2 Herstellung der Erschließung der Theaterwerkstätten über die Fläche der Markthallen ��������������������������� 86
D3 Einbeziehung der Pauluskirche in das kulturelle Konzept des Theatergeländes Siegburger Straße ��������������� 87
D4 Öffnung der Markthallen �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 88
Initiative E: Wohnen und Wohnumfeld qualifizieren
E1 Aufwertung des Blockbereichs Josef-Thiebes-Straße, Paulusstraße, Siegburger Straße �������������������������������� 90
E2 Klärung der Realisierbarkeit von Betriebswohnungen für Künstlerinnen und Künstler sowie Kreative ������������ 91
Initiative F: Gewerbe profilieren
F1 Einrichtung eines Infopfades über die industrielle und gewerbliche Geschichte und Entwicklung
von Beuel-Ost ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 93
F2 Anlassbezogene Klärung der Realisierbarkeit von Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen
im Quartier Beuel-Ost������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������ 94
Initiative G: verkehrliche Erschließung verbessern
G1 Realisierung eines Autobahnanschlusses an der Maarstraße ������������������������������������������������������������������ 96
G2 Aufstellen eines Verkehrskonzepts zur Änderung der Verkehrsführung im Quartier ������������������������������������ 97
G2�1 Realisierung eines Durchstichs zwischen Paulusstraße und Christian-Kölbach-Straße ����������������������������� 98
G2�2 Realisierung einer öffentlichen Wegeverbindung zwischen Königswinterer Straße und Paulusstraße ��������� 99
G2�3 Beschilderungssystem für Parkflächen im Umfeld des Theatergeländes an der Siegburger Straße����������� 100
G3 Aufstellung eines Nahmobilitätskonzepts für das Quartier �������������������������������������������������������������������� 101
G4 Aufwertung der Anbindungen an den Bröltalbahnradweg �������������������������������������������������������������������� 102
Initiative H: Klimaschutz und Klimaanpassung fördern
H1 Hof- und Fassadenprogramm ����������������������������������������������������������������������������������������������������������� 104
H2 Klimaschutzprojekt Gewerbegebiet Beuel-Ost ������������������������������������������������������������������������������������� 105
H3 Integriertes quartiersbezogenes Klimaschutzkonzept����������������������������������������������������������������������������� 106
H4 Energetische Sanierung im Quartier��������������������������������������������������������������������������������������������������� 107
H5 Integriertes quartiersbezogenes Klimaanpassungskonzept �������������������������������������������������������������������� 108
Initiative I: Umsetzung begleiten und evaluieren
I1 Erstellung eines integrierten Entwicklungskonzeptes ������������������������������������������������������������������������������� 110
I2 Einrichtung einer Prozessbegleitung ����������������������������������������������������������������������������������������������������� 111
I3 Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung ������������������������������������������������������������������������������������������ 112
I4 Beauftragung eines Quartiersarchitekten ��������������������������������������������������������������������������������������������� 113
I5 Durchführung der Evaluation und Fortschreibung des ISEK �������������������������������������������������������������������� 114Seite 7 von 142
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BUNDESSTADT BONN
Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept
für das Quartier östlich des Beueler BahnhofsSeite 9 von 142
2 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
plan lokal Körbel + Scholle
Stadtplaner PartmbB
Bovermannstraße 8
44141 Dortmund
0231.952083.0
www.plan-lokal.de
Alfred Körbel
Olaf Kasper
Jan Niklas Lenßen
März 2021
AUFTRAGGEBER
AUFTRAGNEHMER
Bundesstadt Bonn
Stadtplanungsamt
Berliner Platz 2
53111 Bonn
Kerstin Hemminger
Katharina Blümel
projekt2508 GmbH
Riesstraße 10
53113 Bonn
0228.184967.0
www.projekt2508.de
Hans Helmut Schild
Matthias Burzinski
Helena Sykosch
Alle Fotos und Abbildungen stammen – sofern nicht an-
ders angegeben – von plan-lokal.
ABBILDUNGSHINWEIS
IMPRESSUMSeite 10 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 3
projekt2508 l plan-lokal
INHALT
1 EINLEITUNG 6
1.1 Ausgangssituation und Aufgabe 6
1.2 Arbeits- und Dialogprozess 7
2 RAHMENBEDINGUNGEN 10
2.1 Planungsraum 10
2.2 Nutzungsstruktur 12
2.3 Demografische und soziale Situation 13
3 BESTANDSANALYSE UND -BEWERTUNG 15
3.1 Gewerbe, Einzelhandel und Gastronomie 15
3.2 Kreativwirtschaft und Quartierskultur 19
3.3 Wohnen und Wohnumfeld 22
3.4 Freiraum und Stadtgestalt 23
3.6 Verkehr und Mobilität 28
3.7 Bildung, soziale und GesundheitsInfrastruktur 31
3.8 Bestandsbewertung und Handlungsbedarfe 32
4 ZIELE, LEITBILD UND HANDLUNGSFELDER 36
4.1 Übergeordnete Leitlinien und Ziele 36
4.2 Leitidee 37
4.3 Handlungsfelder und Ziele 38
4.4 Räumliches Leitbild 42
5 MAßNAHMENKONZEPT 44
6 UMSETZUNGSKONZEPT 116
6.1 Umsetzung und Verstetigung 116
6.2 Monitoring und Evaluation 117
6.3 Abgrenzung des Programmgebietes 119
6.4 Kosten- und Finanzierungsübersicht 120
QUELLEN 128
ANHANG 131Seite 11 von 142
4 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABBILDUNG 1: ÜBERSICHT ÜBER INHALTLICHE UND DIALOGISCHE KONZEPTBAUSTEINE 9
ABBILDUNG 2: GESAMTSTÄDTISCHE EINORDNUNG 11
ABBILDUNG 3: ABGRENZUNG DES UNTERSUCHUNGSGEBIETS 12
ABBILDUNG 4: STÄRKEN-SCHWÄCHEN-CHANCEN-RISIKEN IM QUARTIER
ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 33
ABBILDUNG 6: LEITIDEE FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 37
ABBILDUNG 7: RÄUMLICHES LETBILD FÜR DIE QUARTIERSENTWICKLUNG
ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 43
ABBILDUNG 8: TEILRÄUME UND INITIATIVEN IM ISEK FÜR DAS QUARTIER
ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 45
ABBILDUNG 9: MAßNAHMENVERORTUNG IM QUARTIER ÖSTLICH
DES BEUELER BAHNHOFS 47
ABBILDUNG 10: MAßNAHMENVERORTUNG TEILRAUM ANKUNFTSRAUM
BAHNHOF BEUEL 49
ABBILDUNG 11: MAßNAHMENVERORTUNG TEILRAUM SHOWROOM
SIEGBURGER STRAßE 62
ABBILDUNG 12: MAßNAHMENVERORTUNG KREATIV-CLUSTER TAPETENFABRIK 73
ABBILDUNG 13: MAßNAHMENVERORTUNG KULTUR-CLUSTER
THEATERGELÄNDE SIEGBURGER STRAßE 80
ABBILDUNG 14: ABGRENZUNG DES PROGRAMMGEBIETES FÜR DAS
ISEK ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS (VORSCHLAG) 119Seite 12 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 5
projekt2508 l plan-lokal
Leerseite ist arbeitsbedingt, wird im finalen Layout
entferntSeite 13 von 142
6 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
1 EINLEITUNG
1.1 AUSGANGSSITUATION UND
AUFGABE
Der Stadtbezirk Beuel umfasst alle rechtsrheini-
schen Ortsteile Bonns und wird von mehreren,
parallel zum Rhein verlaufenden Infrastrukturbän-
dern gegliedert. Im mittleren Teil des Stadtbezirks
befindet sich auf der Fläche westlich der Bahnstre-
cke und der Königswinterer Straße bis zum Rhein,
das Beueler Zentrum mit seinem zentralen Versor-
gungsbereich, zahlreichen öffentlichen Einrichtun-
gen und weitläufigen Wohnquartieren. Der Bereich
östlich der Bahnstrecke bis zur Autobahn 59 ist
hingegen überwiegend von gewerblichen Nutzun-
gen geprägt, bevor sich nördlich der Straße „Pütz-
chens Chaussee“ die Wohngebiete des Ortsteils
Vilich anschließen.
Diese Zweiseitigkeit prägender Nutzungen spiegelt
sich auch in den funktionalen und stadträumli-
chen Qualitäten wider: Während die dem Rhein
zugewandte Seite ein attraktives Stadtquartier des
rechtsrheinischen Bonns darstellt und auch die
Einzelhandelsbereiche auf dieser Seite eine ange-
messene Aufwertung erfahren haben, bildet das
Quartier östlich des Beueler Bahnhofs in vielerlei
Hinsicht die „Rückseite“.
Dem Gewerbegebiet mangelt es bislang an einem
klar ablesbaren Profil. Weiterhin führt das stellen-
weise dichte Nebeneinander von Gewerbe und
Wohnen zu einer Belastung der Wohnquartiere
durch gewerblichen Ziel- und Quellverkehr. Positiv
zu bewerten ist hingegen, dass die sehr heterogene
Struktur besonders bei Betriebsverlagerungen oder
-aufgaben Flächenpotenziale und Nischen für
Zwischen- und Nachnutzungen unterschiedlicher
Nutzungsbedarfe bieten kann. Stellenweise bieten
aufgelassene Gewerbekomplexe Nutzenden,
insbesondere aus dem kulturellen und kreativen
Milieu, Räumlichkeiten für eine Vielzahl an Kunst-
und Kulturangeboten sowie für die beherber-
gung von Unternehmen der „Kreativen-Branche“.
Gewerbekomplexe wie etwa das Pantheon Theater,
das Werkstättengelände des Theaters Bonn oder
die ehemalige Tapetenfabrik sind zu nennen.
Wesentliche Aufgaben der Quartiersentwicklung
östlich des Beueler Bahnhofs werden darin gese-
hen, gemeinsam mit zentralen Akteurinnen und
Akteuren sowie Interessensvertretungen die aktu-
ellen Rahmenbedingungen sowie die zukünftigen
Erfordernisse im Quartier zu bewerten. Hierfür soll
einerseits der städtebauliche Qualifizierungsbe-
darf benannt werden, andererseits aber auch die
akteursbezogenen Strukturen der Gewerbetrei-
benden und Kulturschaffenden weiterentwickelt
werden (Netzwerke, Unterstützungsangebote,Seite 14 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 7
projekt2508 l plan-lokal
Marketing etc.). Eine große Herausforderung ist
dabei, dass sich insbesondere die „kreative Szene“
in sehr informellen Strukturen entwickelt – dies gilt
gleichermaßen in städtebaulicher sowie in insti-
tutioneller Hinsicht („Nischen“). Hier gilt es, dem
Vorhandenen keine Strukturen „überzustülpen“,
sondern vielmehr vielfältige Möglichkeitsräume zu
eröffnen.
Die Erstellung des integrierten Entwicklungskon-
zeptes ist dabei eng mit einem Kommunikations-
prozess verzahnt, der die breite Öffentlichkeit
sowie private und öffentliche Akteurinnen und
Akteure des Bezirks beteiligt.
1.2 ARBEITS - UND DIALOGPRO -
ZESS
Stadtentwicklung ist ein kommunikativer Prozess,
in dem die Bürgerschaft, Fachakteure, Politik und
Verwaltung gleichermaßen zu Wort kommen.
Dementsprechend setzte sich der Erstellungspro-
zess des Stadtentwicklungskonzeptes nicht nur
aus planerischen, sondern auch aus dialogischen
Bausteinen zusammen. Aus planerischer Sicht glie-
derte sich der Prozess in eine Analyse-, eine Strate-
gie- und eine Konzeptphase (s. Abbildung 1). In der
Analysephase diente die Bestandsaufnahme einer
Standortbestimmung über relevante planerische
und meinungsprägende Aspekte. Diese bestimm-
ten die Ausgangssituation und die Rahmenbe-
dingungen des Planungs- und Dialogprozesses.
Hierzu erforderliche Informationen wurden über
eine Grundlagenauswertung, ergänzende Fachge-
spräche und Ortsbegehungen gesammelt. Dieser
Schritt mündete, in Form eines Stärken und Schwä-
chenprofils, in eine Bestandsbewertung des Quar-
tiers im Beueler Osten. Darauf aufbauend wurden
Leitbilder für die Stadtentwicklung angefertigt
sowie Handlungsfelder und Ziele definiert. In der
abschließenden Konzeptphase flossen die bisheri-
gen Erkenntnisse in die Erstellung eines Maßnah-
menkonzeptes für das Quartier östlich des Beueler
Bahnhofs ein. Begleitet wurden diese Phasen von
kommunikativen Bausteinen, die den Prozess mit
Anregungen, kritischen Reflexionen, Ortskenntnis-
sen und Ideen für die Stadtentwicklung anreicher-
ten (s. Abbildung 1).
Verwaltungsrunden
Im Laufe des ISEK-Prozesses fanden drei Verwal-
tungsrunden mit Vertretungen der Fachbereiche,
Ämter und städtischen Gesellschaften statt. Die
erste Runde diente dazu, projektrelevante Infor-
mationen der verschiedenen Stellen bezüglich
der Quartiersentwicklung zusammenzutragen.
Dadurch konnten fachspezifische Grundlagenin-
formationen gewonnen, Handlungsbedarfe iden-
tifiziert sowie bereits vorliegende Planungen oder
vorgesehene Maßnahmen im Ortsteil im Rahmen
des Ortsteilentwicklungskonzeptes sinnvoll koor-
diniert werden. In der zweiten Verwaltungsrunde
wurde der aktuelle Planungsstand bestehend aus
Bestandsanalyse, Handlungsfeldern und Ziel-
setzungen sowie erste Ansätze für eine Leitidee
und Maßnahmen zur Diskussion gestellt. In einer
abschließenden Verwaltungsrunde gegen Ende des
Erstellungsprozesses wurden die Maßnahmen des
ISEK auf Zuständigkeiten, Kostenschätzungen und
Finanzierungszugänge untersucht. Die Beteiligung
der städtischen Verwaltung hatte insbesondere,
die sicherstellung der zukünftigen Umsetzung des
Entwicklungskonzeptes, zum Ziel.
Akteursgespräche
Für die qualitative Untersuchung der Situation im
Quartier und um wichtige Akteurinnen und Akteu-
re für einen Umsetzungsprozess zu identifizieren,
wurden Akteursgespräche in verschiedenen Forma-
ten durchgeführt. Damit konnten Erkenntnisse über
das Quartier speziell aus der Perspektive relevan-
ter Personen und Interessensvertretungen zusam-
mengetragen werden. Aufgrund der hohen Anzahl
fanden neben Einzelgesprächen auch Gruppenge-
spräche und ein Quartiersrundgang statt.Seite 15 von 142
8 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
Der Quartiersrundgang diente dazu, gemeinsam
mit Vertreterinnen und Vertretern der Projektge-
meinschaft und der Verwaltung, die Qualitäten
vor Ort zu erkennen und gleichzeitig Orte mit
Handlungsbedarfen zu identifizieren. Kernanlie-
gen des Rundgangs war der Besuch bei vorher
ausgewählten Gewerbetreibenden. So konnten
nicht nur die Meinungen und Sichtweisen aufge-
nommen, sondern auch ein Blick hinter die Kulis-
sen ermöglicht werden. Folgende Standorte und
Unternehmen waren Anlaufpunkte beim Quartiers-
rundgang: Markthallen (Christian-Kölbach Straße),
Werkstätten der Lebenshilfe Bonn (Röhfeldstraße),
Firma Holzwurm und Blattlaus (Paulusstraße),
Boulders Habitat (Paulusstraße), Firma Kessko
(Königswinterer Straße), Sportfabrik (Auguststraße).
Einzelgespräche fanden mit Vertretern der Tape-
tenfabrik, dem Jungen Theater, der Firma Evonik,
dem Pantheon, dem Theater, der Pauluskirche und
der Deutschen Bahn (DB Immobilien) statt.
Darüber hinaus fanden Gespräche mit der Initi-
ative Quartiersentwicklung Beuel-Ost und ein
Arbeitsgespräch mit etwa 30 Gewerbetreibenden
und -eigentümern in Beuel-Ost statt.
Haushaltsbefragung
Im Mai 2020 wurden, im Zuge der Haushaltsbe-
fragung, 598 Fragebögen an alle Personen mit
Erst- oder Zweitwohnsitz im Untersuchungsgebiet
sowie den Grundstücksdreiecken Röhfeldstra-
ße/Maarstraße/Pfaffenweg sowie Pfaffenweg/
Röhfeldstraße/Pützchens Chausee geschickt. 28
Fragebögen konnten nicht zugestellt werden. 94
Fragebögen wurden ausgefüllt zurückgesendet,
was einer Rücklaufquote von ca. 16 % entspricht.
Der Fragebogen umfasste Fragen zur Wohns-
tandortwahl, zum Wohnumfeld, der Wohnsituati-
on sowie zu kulturellen Angeboten innerhalb des
Quartiers (s. Anhang). Die Anwohnerinnen und
Anwohner waren aufgefordert ihr Quartier im
Hinblick auf verschiedene Aspekte zu bewerten
und eine Einschätzung abzugeben, welche Aspek-
te es primär zu verbessern gilt. Die Ergebnisse der
Befragung sind direkt in die Bestandsbewertung
eingeflossen und finden sich in den jeweiligen
Kapiteln des Berichts (s. Kapitel 3).
Beteiligung der Politik
Im Laufe des Erstellungsprozesses wurde die lokale
Politik, in Form der Bezirksvertretung Beuel, regel-
mäßig über den aktuellen Planungsstand informiert.
Gleichzeitig erhielten die politischen Vertreterinnen
und Vertreter die Möglichkeit, Fragen zu stellen
sowie Anregungen und Meinungen zu äußern.
Öffentliches Forum am 23.09.2020
Arbeitsgespräch mit Gewerbetreibenden am 30.01.2020Seite 16 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 9
projekt2508 l plan-lokal
Öffentliches Forum
Im Rahmen eines öffentlichen Forums am 23.
September 2020 erhielt die interessierte Öffent-
lichkeit die Möglichkeit, sich über Inhalte des ISEK
zu informieren, Fragen zu stellen sowie Meinungen
und Anregungen zu konkreten Inhalten (Bestands-
analyse, Ziele, Leitbild, Maßnahmenansätze) zu
äußern. An der Veranstaltung nahmen rund 50
Bürgerinnen und Bürger teil. Die Anregungen
wurden gesammelt, dokumentiert und sind in die
Erstellung des ISEK eingeflossen.
Online-Beteiligung
Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit
einhergehenden Anforderungen an Hygiene- und
Abstandsregeln für Veranstaltungen sowie als
Ergänzung zum öffentlichen Forum wurde eine
weitere Beteiligungsmöglichkeit für die Öffentlich-
keit auf der städtischen Internetseite „Bonn macht
mit“ durchgeführt. Schwerpunkt der Online-Betei-
ligung waren die Maßnahmenansätze des ISEK,
die in Form von Kurzbeschreibungen sowie einer
Kartenanwendung präsentiert und kommentiert
wurden. Insgesamt wurden 117 Kommentare
verfasst und 431 Bewertungen von Maßnahmen-
vorschlägen sowie Kommentaren vorgenommen,
die insbesondere in die Ausfertigung der Maßnah-
men für das ISEK eingeflossen sind.
Quartiersrundgang
01.11.2019
Präsentationen BV Beuel/Planungsausschuss
25.09.2019/30.10.2019
Akteursgespräche
Dezember 2019 / Januar 2020
Haushaltsbefragung
Juni 2020
Verwaltungsrunde
Mai 2020
ANALYSE
BESTANDSANALYSE
BESTANDSBEWERTUNG („SWOT“)
LEITBILD
KONZEPT STRATEGIE
MAßNAHMENKONZEPT
UMSETZUNGSKONZEPT
Verwaltungsrunde
23.11.2020
Onlinebeteiligung über Bonn macht mit
23.09. – 07.10.2020
Öffentliches Forum
23.09.2020
Information / Beratung in politischen Gremien
1./2. Quartal 2021
Präsentationen in der BV Beuel
16.06.2020 und 11.08.2020
Abbildung 1: Übersicht über inhaltliche und dialogische Konzeptbausteine
HANDLUNGSFELDER UND ZIELE
Arbeitsgespräch mit Gewerbetreibenden
30.01.2020
Verwaltungsrunde
11.07.2019Seite 17 von 142
10 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
2 RAHMENBEDINGUNGEN
2.1 PLANUNGSRAUM
Gesamtstädtische Einordnung und Orts-
teilprofil
Das Untersuchungsgebiet liegt im Osten der
Bundesstadt Bonn im rechtsrheinischen Stadtbezirk
Beuel. Beuel ist einer von insgesamt vier Stadtbe-
zirken und umfasst alle Bonner Ortsteile östlich des
Rheins. Der Stadtbezirk Beuel ist mit etwa 67.000
Einwohnerinnen und Einwohnern der kleinste der
vier Stadtbezirke Bonns (Stadt Bonn 2020A). Kern
des Stadtbezirks bildet das urbane Quartier um die
B56 und die Friedrich-Breuer-Straße in Beuel-Mitte
(s. Abbildung 2). Mit dem Bürgeramt Beuel, dem
Sitz der Bezirksvertretung und einem vielfältigen
Angebot an Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit-
und Kultureinrichtungen sowie Wohnraum bildet
das urbane Quartier das Zentrum des Stadtbezirks.
Der Ortsteil Beuel-Mitte erstreckt sich entlang der
Friedrich-Breuer-Straße bis zum Bahnhof Beuel
als zentralen Knotenpunkt im Nahverkehr. Die in
Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bahngleise tren-
nen Beuel-Mitte vom angrenzenden Quartier in
Beuel-Ost. Das im Rahmen dieses ISEK zu untersu-
chende Quartier, befindet sich östlich des Beueler
Bahnhofs. Im Gegensatz zum Beueler Zentrum ist
das Quartier im Beueler Osten durch gewerbli-
che Nutzungen geprägt. Neben den gewerblichen
Betrieben spielen kulturelle und kreative Angebo-
te, wie das Pantheon-Theater, die Theaterwerkstät-
ten oder die Tapetenfabrik eine wichtige Rolle im
Quartier.
Abgrenzung des Untersuchungsgebiets
Das Untersuchungsgebiet befindet sich überwie-
gend östlich des Beueler Bahnhofs, beinhaltet
jedoch zusätzlich den westlich gelegenen Bahn-
hofsvorplatz sowie den Bereich an der Gleisunter-
führung der Oberen Wilhelmstraße (s. Abbildung
3). Östlich der Bahngleise erstreckt sich das Unter-
suchungsgebiet bis zum Pfaffenweg. Die nördliche
Grenze des Untersuchungsgebiets bildet der Bröl-
talbahnweg, während die Röhfeldstraße und die
Maarstraße die südliche Gebietsgrenze bilden.
Nicht zum engeren Untersuchungsraum zählt das
von Wohn- und Einzelhandelsnutzungen dominier-
te Zentrum Beuels, wobei Übergangsbereiche wie
die Obere Wilhelmstraße oder Anknüpfungspunk-
te an verschiedene Kultureinrichtungen berücksich-
tigt wurden.Seite 18 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 11
projekt2508 l plan-lokal
Beuel Mitte
Ramersdorf
Oberkassel
Holtorf
Holzlar
Beuel Ost
Pützchen
Geislar
Schwarzrheindorf B56
B56
A59
A59
Siegburger Straße
Pützchens Chausee
Königswinterer Straße
Bahnhof
Beuel
Vilich
Bonn Zentrum
Abbildung 2: Gesamtstädtische Einordnung
Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-lokal auf Basis des digitalen Basis-Landschaftsmodells (Basis-DLM) und der digitalen Verwaltungsgrenzen NW, Stand Mitte 2019,
Herausgeber: Geobasis NRW, Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0.Seite 19 von 142
12 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
2.2 NUTZUNGSSTRUKTUR
Aus der Kartierung der Nutzungen im Quartier
wird die gewerbliche Prägung deutlich. Klein- und
großflächige Gewerbenutzungen sind sowohl
innerhalb als auch in direkter Nähe zum Unter-
suchungsraum angesiedelt. Dabei handelt es
sich neben klassischen Gewerbebetrieben beson-
ders um Kfz-Betriebe und Großhändler. Neben
vereinzelten Wohn- und Einzelhandelsnutzungen
ziehen sich Kultur- und Freizeitangebote durch das
Gebiet. Das Pantheon Theater sowie das Theater
Bonn liegen beispielsweise recht zentral im Unter-
suchungsgebiet. Die westliche Grenze des Unter-
suchungsraumes bildet der Bahnhof Bonn-Beuel.
Die Nutzungskartierung des Gewerbequartiers
zeigt eine durchaus kleinteilige Parzellierung
der ansässigen Betriebe. Die flächenintensivste
Nutzung stellt das Theater Bonn (inkl. Pantheon-
Theater) dar. Daneben ist der überwiegende Teil
der ansässigen Unternehmen im produzierenden
Gewerbe sowie im Baugewerbe tätig. Auffällig ist
Realnutzung im Untersuchungsgebiet
Grundlage: Stadt Bonn; Bearbeitung: plan-lokal
Abbildung 3: Abgrenzung des Untersuchungsgebiets
Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-loka auf Basis von openstreetmap (© OpenStreetMap-Mitwirkende)
ohne MaßstabSeite 20 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 13
projekt2508 l plan-lokal
das Nebeneinander von Wohn- und Gewerbenut-
zungen im Untersuchungsgebiet, insbesondere
entlang der Siegburger Straße.
Der rechtsgültige Flächennutzungsplan der
Bundesstadt Bonn weist den überwiegenden Teil
des Untersuchungsgebiets als Gewerbegebiet aus.
Ein Streifen südlich der Siegburger Straße ist als
Mischgebiet ausgewiesen. Dieser Streifen umfasst
den Wohnblock zwischen der Siegburger Straße,
der Königswinterer Straße, der Paulusstraße und
der Josef-Thiebes-Straße sowie das Theatergelän-
de im weiteren Verlauf der Siegburger Straße.
2.3 DEMOGRAFISCHE UND
SOZIALE SITUATION
Mit ca. 330.000 Einwohnerinnen und Einwohnern
ist Bonn die neuntgrößte Stadt in Nordrhein-West-
falen. Seit der Jahrtausendwende verzeichnet die
Bundesstadt Bonn kontinuierlich Bevölkerungs-
zuwächse und wird auch in Zukunft voraussicht-
lich weiter wachsen. Das Bevölkerungswachstum
kommt in der Stadt insbesondere durch ein posi-
tives Wanderungssaldo, vor allem durch junge
Bildungswanderer, zustande (Stadt Bonn 2019A).
Räumlich detailliertere Daten zur Bevölkerungs-
entwicklung werden für die Bundesstadt Bonn für
die Ebenen der statistischen Bezirke zusammen-
gestellt. Das Untersuchungsgebiet liegt im Statisti-
schen Bezirk Beuel-Ost. Hierzu gehört neben dem
Gewerbegebiet Beuel-Ost ebenfalls das Wohnge-
biet Neu-Villich. Konkretere Daten allein für das
Untersuchungsgebiet liegen nicht vor, auch weil der
Großteil des Gebiets von gewerblichen Nutzungen
geprägt ist und das Wohnen eine untergeordnete
Rolle einnimmt. Obwohl sich die beiden Gebiete
in ihrer Typologie und Nutzung stark unterschei-
den, ist es sinnvoll einen Blick auf die Bevölke-
rungsdaten und die demografische Entwicklung
des Bezirkes zu werfen. Dies gilt insbesondere im
Hinblick auf die potenziellen Nutzenden von kultu-
rellen oder sonstigen Angeboten in Neu-Villich,
Beuel-Zentrum oder Beuel-Ost selbst.
Im Statistischen Bezirk Beuel-Ost wohnten zum
Stichtag 31.12.2018 etwa 6.000 Personen in
2.854 Haushalten. Im Zuge der Haushaltsbefra-
gung wurden nahezu 600 Haushalte im geringfü-
gig erweiterten Untersuchungsgebiet identifiziert.
Legt man den Durchschnittswert von Personen pro
Haushalt zum letzten Stichtag zu grunde (2,1),
erhält man etwa 1.260 wohnhafte Personen im
Untersuchungsgebiet. Diese Zahl stellt lediglich
einen Annäherungswert dar. Mit durchschnittlich
41 Jahren war die Bevölkerung im Statistischen
Bezirk Beuel-Ost zudem etwas jünger als die Bevöl-
Flächennutzungsplan Bundesstadt Bonn (Ausschnitt)
Quelle: Stadt BonnSeite 21 von 142
14 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
kerung der Gesamtstadt, wobei in etwa die Hälf-
te der Einwohnerinnen und Einwohner zwischen
30 und 65 Jahren alt war. Der Altenquotient lag
sowohl unter dem Durchschnitt der Stadt, als
auch unter dem des Stadtbezirks Beuel und dem
Statistischen Bezirk Beuel-Zentrum, in welchem
knapp 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner
leben. 5,2% der Einwohnerinnen und Einwoh-
ner von Beuel-Ost waren zum Stichtag arbeits-
los. Die Arbeitslosenquote lag damit unter dem
städtischen Durchschnitt, aber etwas höher als
im Bezirk Beuel-Zentrum. Der Anteil der Perso-
nen im erwerbsfähigen Alter, die Leistungen nach
dem Sozialgesetzbuch II beziehen, lag im Statisti-
schen Bezirk Beuel-Ost mit ca. 13% etwa auf dem
Niveau der Gesamtstadt, war jedoch doppelt so
hoch wie im Bezirk Beuel-Zentrum. Die Anzahl
der Ein-Personen- und Mehr-Personen-Haus-
halte waren in Beuel-Ost nahezu gleich. Hierin
unterschied sich das Gebiet sowohl stark vom
Beueler Zentrum, als auch von der Gesamtstadt,
wo jeweils die Zahl der Ein-Personen-Haushalte
deutlich überwiegt. Bei mehr als einem Fünftel
aller Haushalte in Beuel-Ost handelte es sich um
Haushalte mit Kindern. Der Bezirk liegt in diesem
Punkt über dem städtischen Durchschnitt und
weit über dem Wert des Bezirks Beuel-Zentrum.
(Stadt Bonn 2019B und 2019C)
Es wird deutlich, dass trotz der gewerblichen
Prägung des Untersuchungsgebiets (s. Kapi-
tel 2.2) eine erhebliche Wohnbevölkerung
vorhanden ist. Auch wenn die Wahrnehmung
schwerpunktmäßig nicht auf der Wohnbevölke-
rung sondern auf den gewerblichen Nutzungen
liegt, ergibt sich aus der Betrachtung der sozio-
demographischen Situation der Bedarf eine
zukunftsfähige und vernünftige Wohnsituatio-
nen sicherzustellen. Gleichzeitig ist das Gebiet
nach Einschätzung des Amtes für Soziales und
Wohnen der Bundesstadt Bonn sozial unauffällig
und erfordert diesbezüglich keine entsprechen-
den Maßnahmen.Seite 22 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 15
projekt2508 l plan-lokal
3 BESTANDSANALYSE
UND -BEWERTUNG
Wo steht das Quartier östlich des Beueler Bahn-
hofs ? Auf welcher Ausgangssituation basiert die
Stadtentwicklung der nächsten 15 bis 20 Jahre?
Auf welche Strukturen lässt sich aufbauen und
welche Strukturen gilt es neu aufzubauen oder
anzupassen? Diese Fragen spannen den inhaltli-
chen Rahmen der Bestandsanalyse und -bewer-
tung und erfordern dabei einen integrierten Ansatz
der Betrachtung. Integriert bedeutet dabei, dass
sämtliche Handlungsfelder der Stadtentwicklung
(u.a. Wohnen, Gewerbe, Mobilität, Freiraum,
öffentlicher Raum, Städtebau, Kultur, Kreativ-
wirtschaft, ...) im Kontext zu einander betrachtet
werden, harte und weiche Standortfaktoren glei-
chermaßen berücksichtigt werden sowie die Inhalte
gemeinsam mit der Öffentlichkeit, der Verwaltung,
Fachakteuren und der Politik erarbeitet bzw. disku-
tiert werden.
Die Bestandsanalyse stellt die Ergebnisse der
Eindrücke und Erkenntnisse aus den stattgefun-
denen Beteiligungsformaten, der Auswertung von
Gutachten und Konzepten dar. Die Erkenntnisse
eigener Ortsbegehungen und fachlichen Einschät-
zungen fließen in die Darstellung mit ein.
3.1 GEWERBE, EINZELHANDEL UND
GASTRONOMIE
Bedeutung des Gewerbegebietes
Beuel-Ost ist als größtes zusammenhängendes
Gewerbegebiet von besonderer Bedeutung für
die Bundesstadt Bonn. Aufgrund seiner Größe
und der gewachsenen kleinteiligen Nutzungsstruk-
tur ist das Gebiet besonders flexibel und weniger
anfällig gegenüber negativen Effekten struktureller
Veränderungen (Rat der Stadt Bonn 2009). Ergeb-
nisse aus den Arbeitsgesprächen mit gewerbli-
chen Akteurinnen und Akteuren zeigten weiterhin,
dass für die Ansiedlung der aktuell ansässigen
Gewerbeunternehmen oftmals historische Gründe
ausschlaggebend waren.
Gemäß dem Fachbeitrag für Gewerbe- und Indus-
trieflächen der Bundesstadt Bonn aus dem Jahr
2018 werden in der Bundesstadt bis zum Jahr
2035 etwa 59 ha an Industrieflächen und 194
ha Gewerbeflächen benötigt. Der hohe Bedarf
steht relativ geringen Flächenreserven gegenüber.
Hieraus ergibt sich ein Fehlbedarf von über 30 ha
an Industrieflächen und 140 ha für gewerbliche
Nutzungen. Bei der Entwicklung neuer Gewer-
beflächen ist der Gestaltungsspielraum der Stadt
jedoch begrenzt, da es sich bei den meisten
Potenzialflächen um Areale in privatem EigentumSeite 23 von 142
16 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
handelt. Dies gilt auch für die Verbleibenden 1,8
ha Reserveflächen im Gewerbegebiet Beuel-Ost.
(Stadt Bonn 2017A) Um dennoch auch in Zukunft
Flächen für gewerbliche und industrielle Nutzun-
gen vorhalten zu können, soll das Gewerbegebiet
Beuel-Ost in seiner heutigen Form größtenteils
gesichert werden. Dies gilt insbesondere für die
Flächen, die zurzeit bereits industriell oder durch
klassisches Gewerbe genutzt werden. Diese sind
planungsrechtlich als Gewerbe- bzw. Industriege-
biete ausgewiesen und werden als solche auch in
Zukunft benötigt, um die, auch regional bedeut-
same, Ansiedlung von entsprechenden Betrieben
weiterhin zu ermöglichen.
Gewerbe
Das Gewerbegebiet im Beueler Osten weist eine
vielfältige Nutzungsmischung in einer überwie-
gend kleinteiligen Parzellierung auf. Den größten
Anteil machen Betriebe aus, welche im klassischen
Gewerbe tätig sind. Hierzu gehören Betriebe des
produzierenden Gewerbes, Logistikunternehmen,
Werkstätten sowie Lagerplätze und -hallen. Letzte-
re bilden, neben den Betriebsflächen der Firmen
Evonik und Kessko sowie dem Theaterareal, die
flächenintensivsten Nutzungen. Etwa ein Drittel der
ansässigen Betriebe ist im Dienstleistungssektor
tätig und über das gesamte Gewerbegebiet verteilt.
Größere bzw. prägende Unternehmen dieser Art
fehlen, was den Schwerpunkt des Gebietes im
klassischen Gewerbe unterstützt. Eine Ausnah-
me hiervon bilden einige Bereiche innerhalb der
Quartiersabgrenzung wie die Auguststraße, der
Siebenmorgenweg und der Bröltalbahnweg. Hier
sind, in und um die alte Tapetenfabrik, verschie-
denste Dienstleister und kleinere Unternehmen
angesiedelt. Fast ein Viertel der ansässigen Betrie-
be im Gewerbegebiet sind im weitesten Sinne im
Automobilsektor tätig. Hierunter fallen Neu- und
Gebrauchtwagenhändler, Kfz-Werkstätten sowie
Automobilverwertungen. (Stadt Bonn 2019D)
Die Anteile der Gewerbearten spiegeln sich auch
in den Beschäftigtenzahlen des Bezirks Beuel-Ost
wider. 37% der Beschäftigten sind im verarbeiten-
den Gewerbe tätig, etwa ein Viertel im Kfz-Handel
und der Lagerei (Stadt Bonn 2013).
Unternutzung, Leerstände und
Brachflächen
Einige Flächen im Gewerbegebiet sind zurzeit
untergenutzt oder liegen brach. Beispielhaft zu
nennen sind die Flächen zwischen den Bahnglei-
sen und der Königswinterer Straße, die größten-
teils als Unterstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge
genutzt werden. Insbesondere an dieser promi-
nenten Lage vermitteln die Flächen eine mindere
Standortqualität. Die Vielzahl an flächenintensiven
Autoverwertern im gesamten Untersuchungsgebiet,
verstärken diesen Eindruck. Des Weiteren entsteht
Unterbringungen für Kraftfahrzeuge entlang der Königswinterer Straße
Autohändler im UntersuchungsgebietSeite 24 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 17
projekt2508 l plan-lokal
ein ungeordnetes Erscheinungsbild des Gebietes.
Eine weitere bedeutende Brachfläche stellt das
Grundstück der Firma Evonik an der Kreuzung der
Siegburger Straße und der Königswinterer Stra-
ße dar. Da sich die Brachfläche am Eingang zum
Quartier östlich des Beueler Bahnhofs ebenfalls in
einer prominenten Lage befindet, vermittelt auch
sie eine mindere Standortqualität. Zudem bleiben
Potenziale zur Schaffung eines attraktiven Quar-
tierseingang ungenutzt.
Einzelhandel
Durch einen Ratsbeschluss im Jahr 2012 wurde
das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der
Bundesstadt Bonn von 2008 dahingehend geän-
dert, dass das B-Zentrum Beuel über die Bahnlinie
hinaus erweitert wird (Rat der Stadt Bonn 2012).
Laut Einzelhandels- und Zentrenkonzept besitzen
B-Zentren Einzelhandelsangebote in allen Bedarfs-
bereichen, auch in Wettbewerbssituation, sowie ein
breites einzelhandelsnahes Dienstleistungsangebot
wie Apotheken oder Reisebüros. B- Zentren oder
auch Stadtbezirkszentren stellen das Bindeglied
zwischen dem A-Zentrum (Innenstadt Bonn) und
den C-Zentren (Ortsteilzentren) dar (Stadt Bonn
2008). Das Zentrum Beuel umfasst nun, ausge-
hend von der Bahnunterführung, beiderseitig die
Grundstücke entlang der Siegburger Straße (bis
zum Theatergelände) und der Königswinterer Stra-
ße (bis zur Maarstraße). Dem Einzelhandels- und
Zentrenkonzept entsprechend (Stadt Bonn 2008)
sind die Flächen im Quartier für die Ansiedlung
von Betrieben mit zentren- und nahversorgungsre-
levanten Sortimenten vorgesehen. Großflächiger
Lebensmitteleinzelhandel ist im Bereich östlich der
Bahnlinie jedoch ausgeschlossen. Gleiches gilt
für den Rest des Gewerbegebietes, in welchem
jeglicher großflächiger Einzelhandel unzulässig
ist. Ausgenommen hiervon sind die Grundstücke
entlang der Königswinterer Straße (südlich Maar-
straße). Diese sind im Einzelhandels- und Zentren-
konzept als Eignungsflächen für nicht zentren- und
nicht nahversorgungsrelevanten Einzelhandel
dargestellt. Ausnahmesweise sollen zentrenrele-
vante Sortimente hier maximal als Randsortiment
auf 10% der Verkaufsfläche bzw. maximal 800m²
eines Marktes mit nicht zentrenrelevanten und nicht
nahversorgungsrelevanten Sortiment angeboten
werden. (Stadt Bonn 2008) Der Einzelhandel spielt
im Untersuchungsgebiet lediglich eine untergeord-
nete Rolle. Entlang der Siegburger Straße und der
Königswinterer Straße sind vereinzelt Einzelhan-
delsbetriebe in unmittelbarer Nachbarschaft zu
Gewerbebetrieben oder Wohnnutzungen angesie-
delt. Im bzw. unmittelbar angrenzend an das Unter-
suchungsgebiet sind drei Lebensmittel-Discounter
(Aldi, Lidl, Penny) angesiedelt. Diese überneh-
men eine Versorgungsfunktion für die Anwohner-
schaft sowie im Quartier arbeitende Personen. Zur
Versorgung der Bevölkerung dient zudem noch das
D-Zentrum an der Siegburger Straße mit vorhan-
denem kleinflächigem Einzelhandelsbesatz (Stadt
Bonn 2008). Der Kern des zentralen Versorgungs-
bereichs liegt allerdings im östlich angrenzenden
Ortsteil Beuel-Mitte. Das Gebiet erstreckt sich
westlich der Bahnlinie über die Friedrich-Breuer-
Straße und den Konrad-Adenauer-Platz bis hin
zur Kennedybrücke und stellt ein für umliegende
Ortsteile bedeutsames Einzelhandelszentrum dar.Zentrumsbereich des Einzelhandels um den Bahnhof Beuel
Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-loka auf Basis von openstreetmap (© OpenStreetMap-Mitwirkende)Seite 25 von 142
18 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
Die Verbindung zwischen dem Zentrumskern in
Beuel-Mitte und dem Quartier östlich des Beueler
Bahnhofs stellt die obere Wilhelmstraße dar. Die
Verknüpfung der Einzelhandelslagen wird aller-
dings durch die Bahnlinie beeinträchtigt, die eine
Barriere darstellt. Entlang der oberen Wilhelmstra-
ße sind erste Anzeichen einer Revitalisierung, nach
zwischenzeitlichen Trading-Down-Effekten durch
verstärkte Leerstände erkennbar. Durch die Nähe
zu Beuel-Mitte und den vorhandenen Lebensmit-
teln-Discountern ist das Quartier östlich des Beue-
ler Bahnhofs einzelhandelstechnisch gut versorgt.
Gastronomie
Das gastronomische Angebot im Untersuchungs-
gebiet und im direkten Umfeld besteht aus
Schnellimbissen, Filialen großer Fast-Food-Ketten
und wenigen inhabergeführten Restaurants. Die
entsprechenden Einrichtungen sind in und um das
gesamte Untersuchungsgebiet verteilt und liegen
überwiegend an den Hauptzufahrtsstraßen Königs-
winterer Straße oder Pützchens Chaussee. Damit
befindet sich das vorhandene Angebot abseits der,
auch in den Abendstunden frequentierten, Einrich-
tungen wie z.B. dem Theatergelände oder den
Sporteinrichtungen. Qualitätsvolle und attraktive
gastronomische Betriebe, die über ihre Versor-
gungsfunktion im Mittags- und Abendbereich
hinaus einen sozialen Treffpunkt für die im Gebiet
wohnenden oder arbeitenden Menschen bilden,
gibt es im Quartier allerdings nicht. Ebenfalls findet
keine Kombination aus gastronomischen Angebo-
ten und den ansässigen kulturellen oder gewerbli-
chen Unternehmen, Akteurinnen und Akteuren im
Quartier statt.
Ein Potenzial bieten diesbezüglich die Markthal-
len an der Christian-Kölbach-Straße. Durch einen
aktuell bestehenden Erbbaurechtsvertrag und den
damit verbundenen Nutzungsbeschränkungen
können Waren dort nur an Großhändler verkauft
werden. Seitens der Erbbaurechtsnehmer besteht
ein Interesse an einer Nutzungsausweitung.
Das relativ einseitige gastronomische Angebot wird
auch von Teilnehmenden der Haushaltsbefragung,
des Arbeitsgespräch Gewerbe und des öffentlichen
Forums bemängelt. Eine Ausweitung des gastrono-
mischen Angebotes wurde mehrfach angeregt.Schnellimbiss an der Königswinterer Straße
Schnellimbiss an der Kreuzung Siegburger Straße / Pützchens ChausseeSeite 26 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 19
projekt2508 l plan-lokal
3.2 KREATIVWIRTSCHAFT UND
QUARTIERSKULTUR
Exkurs: Kultur- und Kreativwirtschaft
Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird auf einem
durch die Wirtschaftskonferenz der Länder
beschlossenen Abgrenzungsmodell in zwölf Teil-
märkte eingeteilt. Dazu zählen die Musik-, Film-,
Rundfunk-, Design- und Architekturwirtschaft, der
Buch-, Kunst-, Presse- und Werbemarkt sowie der
Markt für darstellende Künste und die Software-
bzw. Gamesindustrie (Büro für Kulturwirtschafts-
forschung 2016). Die Kultur- und Kreativwirtschaft
ist eine leistungsfähige Wirtschaftsbranche in
NRW und ein wichtiger Beschäftigungsmarkt in
der Region: Die Unternehmen und Selbstständi-
gen der Branche erwirtschaften mit einen Umsatz
von rund 39 Milliarden Euro pro Jahr, knapp ein
Viertel des Gesamtvolumens der bundesweiten
Kultur- und Kreativwirtschaft. Gleichzeitig arbei-
ten rund 300.000 Erwerbstätige und damit 3,8%
der Gesamtbeschäftigung in NRW in dieser Bran-
che. Mit einer Bruttowertschöpfung von rund
20,5 Milliarden Euro tragen sie mit einem Anteil
von 22,7% zur Wertschöpfung der bundeswei-
ten Kultur- und Kreativwirtschaft bei. In NRW
setzte sich der Wachstumstrend von Umsatz und
Beschäftigung des ersten Berichts 2015 bis zum
aktuellen Bericht 2018 fort. Die Umsätze stiegen
in dieser Zeit jährlich um 2,2%, die Erwerbstätigen
um jeweils 1,3% an. Gleichzeitig nahm die Anzahl
geringfügig Beschäftigter zugunsten der Gruppe
der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ab
(-3,0% pro Jahr). (Creativ Report 2019) Dies ist
nur ein Ausschnitt der Zahlen und Daten, die die
Stärke und wirtschaftliche Bedeutung der Branche
in Nordrhein-Westfalen verdeutlichen.
Zahlreiche Städte und Bundesländer in Deutsch-
land (z.B. Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt,
Düsseldorf, Bayern, Sachsen) oder Staaten für ihr
gesamtes Gebiet (z.B. Österreich) lassen regel-
mäßig Kreativwirtschaftsberichte erstellen, um den
wirtschaftlich bedeutenden Markt besser beobach-
ten und gegebenenfalls unterstützen zu können.
Die starken Verflechtungen innerhalb der Krea-
tivwirtschaft mit anderen Wirtschaftszweigen führt
dazu, dass sich die entsprechenden Unternehmen
oftmals als Schlüsselfaktoren für die Dynamisie-
rung der Wirtschaft darstellen.
Regionalpolitiker und Stadtplaner weltweit sind sich,
spätestens seit den ersten Publikationen Richard
Floridas 2002 und 2005 zu diesem Thema, einig,
dass Kreativwirtschaft eine wichtige Rolle bei der
Entwicklung von Städten und Ortsteilen spielen
kann (Florida 2002 und Florida 2005). Kreativi-
tät braucht Kultur und eine städtische Kulturpolitik,
der es gelingt, ein attraktives Umfeld für Kreative
zu schaffen. Daraus ergeben sich aufgrund wirt-
schaftlicher Prosperität neue Handlungsspielräu-
me, so die Thesen Floridas. Auch wenn die Ideen
teils kritisch zu beurteilen sind und sich nicht unmit-
telbar auf deutsche Städte (oder andere europä-
ische Länder) übertragen lassen, so hat er doch
zum Bewusstsein der wirtschaftlichen Bedeutung
der „kreativen Milieus“ beigetragen (und die Erstel-
lung von Kreativwirtschaftsberichten ausgelöst).
Bis dahin hatte die Kulturpolitik für die regionale
oder städtische Wirtschaftsförderung nur randliche
Bedeutung. Mittlerweile herrscht Konsens darüber,
dass durch die Schaffung von Entfaltungsräumen
für Kreative Städte, ihr wirtschaftliches und kultu-
relles Profil verstärken. Gleichzeitig sorgen sie,
durch die Ansiedlung innovativer Unternehmen für
die Sicherung ihrer ökonomischen Zukunft.
Kultur- und Kreativwirtschaft im Beueler
Osten
Neben der starken gewerblichen Nutzung des
Viertels, lässt sich eine ausgeprägte Präsenz kultu-
reller Institutionen und Kreativschaffender feststel-
len. Das Zentrum der kulturellen Einrichtungen
ist das Theatergelände Siegburger Straße, einSeite 27 von 142
20 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
aus mehreren Gebäuden bestehendes Ensemble
zwischen der Siegburger Straße und der Christi-
an-Kölbach-Straße. Das ehemalige Fabrikgelän-
de wird bereits seit den 1980er Jahren von der
Bundesstadt Bonn für kulturelle Zwecke genutzt.
Die ehemalige Jutespinnerei wird größtenteils von
dem Theater Bonn betrieben. Namentlich sind das
heute die ehemalige Maschinenhalle („Lampenla-
ger“ und „Alter Malersaal“), die Werkstattgebäu-
de, das Kesselhaus, das Verwaltungsgebäude,
sowie der gegenüberliegende „Alte Malersaal“,
der heute hauptsächlich als Material- und Tech-
niklager genutzt wird. In diesem langgestreckten
Bau werden aktuell zudem die Karnevalswägen
der Bundesstadt Bonn untergestellt. In der Vergan-
genheit wurden diese beschriebenen Bereiche vom
Theater der Stadt Bonn aktiv genutzt (z.B. Probebe-
trieb). Aufgrund ausstehender erforderlicher Sanie-
rungen, können diese Gebäude aktuell lediglich
als Lagerflächen genutzt werden. Nichtsdestotrotz
sind die genannten Räumlichkeiten im bestehen-
den Umfang für die Aufrechterhaltung des Spiel-
betriebs unerlässlich und werden daher langfristig
benötigt. Akteursgespräche, im Rahmen des Erstel-
lungsprozesses des integrierten Stadtentwicklungs-
konzeptes, offenbarten das Bestreben des Theaters,
die als Lagerflächen genutzten Räumlichkeiten bei
entsprechender Sanierung oder Neubau mit kultu-
rellen Nutzungen zu bespielen. Gleichzeitig seien
an dieser Stelle auch gastronomische Angebote
oder Wohnraum vorstellbar.
Die im Volksmund namensgebende Theaterhalle
(„Halle Beuel“) wird seit Oktober 2016 von dem
Bonner Pantheon Theater betrieben, nachdem
Theaterwerkstätten auf dem Theatergelände Siegburger Straße
Alter Malersaal und die freiwillige Feuerwehr auf dem Theatergelände Ehemalige Tapetenfabrik an der Auguststraße
Innenhof der ehemaligen TapetenfabrikSeite 28 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 21
projekt2508 l plan-lokal
die bis dahin genutzte Spielstätte im Bonn-Center
durch den Abriss entfallen war. Das Verwaltungsge-
bäude an der Geländeeinfahrt teilt sich das Thea-
ter mit der Freiwilligen Feuerwehr, die dort ein Büro
eingerichtet hat; die Löscheinheit der Freiwilligen
Feuerwehr Beuel befindet sich ebenfalls auf dem
Gelände. Der Umzug des Pantheon Theaters auf
das Gelände der Jutespinnerei gab dem Gelände
einen weiteren Aufschwung. Die Veranstaltungen
des Theaters wurden in die Kammerspiele Bad
Godesberg verlegt. Neben den Schauspielstätten
des Theaters befinden sich die Werkstätten dessel-
ben in direkter Nachbarschaft, sodass neben den
dort Arbeitenden der beiden Einrichtungen glei-
chermaßen Besuchende und Gäste den Weg in
das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs finden.
Dies führt zu abendlichen Stoßzeiten gerade bei
Veranstaltungen des Pantheon Theaters und zu teils
kritischen Parksituationen (s. Kapitel 3.6).
Neben diesem kulturellen Zentrum haben sich im
Laufe der letzten Jahre vermehrt Kulturschaffende,
Start-Ups und Kreativschaffende Betriebe in der
sogenannten Tapetenfabrik, entlang der August-
straße und dem Siebenmorgenweg angesiedelt.
Beispielhaft seien genannt: Sportfabrik, Popfarm,
KUNSTraum Theater, Klavierhaus Klavins, die
Start-Ups Suckit und true fruits, die Ballettschule
Bonn-Beuel, die Opposition Studios und weitere.
Voraussetzung dafür waren und sind erschwing-
liche Mietpreise und das Streben der Eigentüme-
rinnen und Eigentümer, Räumlichkeiten an dieser
Nutzergruppen zu vermieten. Neben dieser räum-
lichen Konzentration von Kreativen in der Tapeten-
fabrik, findet man im gesamten Quartier immer
wieder kreativ wirkende Unternehmen, die sich
zwischen Gewerbebetrieben oder in den Erdge-
schosszonen von Wohngebäuden niedergelassen
haben. Exemplarisch zu nennen sind die Bonner
Malschule und der handwerkliche Betrieb „Holz-
wurm und Blattlaus“ in der Paulusstraße.
Vor dem Hintergrund der Vielzahl an kulturellen
und kreativen Angeboten und Veranstaltungen im
Untersuchungsgebiet mangelt es an einer Beschil-
derung des öffentlichen Raums, die eine Orientie-
rungs- und Informationsfunktion für Besuchende
übernimmt, öffentliche Räume qualitativ aufwer-
tet sowie Wegebeziehungen herstellen kann. Des
Weiteren findet keine Vernetzung zwischen den
Kultur- und Kreativschaffenden statt.
Sport- und Freizeitmöglichkeiten
Trotz der überwiegenden Nutzung des Areals durch
klassisches Gewerbe, befinden sich einige Sport-
und Freizeitangebote im Quartier: die Sportfab-
rik auf dem Gelände der alten Tapetenfabrik, die
Kletterhalle zwischen Königswinterer Straße und
Paulusstraße sowie der Sporttreff Beuel an der
Königswinterer Straße gehören zu den dominieren-
den Angeboten. Ergänzt wird dieses Angebot durch
Angebote aus dem kreativen Milieu, insbesondere
in der alten Tapetenfabrik. Hierzu zählen Angebo-
te aus dem handwerklichen Bereich, Tanzschulen
und Einrichtungen, die Aus- und Fortbildungen im
Kreativbereich anbieten.Seite 29 von 142
22 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
3.3 WOHNEN UND WOHNUMFELD
Gesamtstädtischer Wohnungsmarkt
Die Lage auf dem Bonner Wohnungsmarkt ist,
wie in vielen deutschen Großstädten, angespannt.
Insbesondere in den letzten Jahren sind Mieten und
Kaufpreise kontinuierlich angestiegen. Schon heute
gehört Bonn, hinsichtlich der Miet- und Kaufpreise,
zu den teuersten Städten in NRW. Zwischen 2008
und 2018 sind die Nettokaltmieten im Durchschnitt
um ca. 21% gestiegen, der mittlere Kaufpreis für
Bauland sogar um mehr als 56%. Gleiches lässt
sich auch für die Kaufpreise von Eigenheimen
feststellen (NRW.Bank 2018). Durch die zeitgleich
anhaltende Zunahme an Bevölkerung und die
geringen Flächenreserven für Wohnungsneubau,
wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren
voraussichtlich weiter fortsetzen. Hieraus ergibt
sich in Zukunft vor allem ein Bedarf an bezahlba-
rem Wohnraum (Stadt Bonn 2019E).
Auch in der Haushaltsbefragung wurden bezahl-
bare Mieten als wichtiger Faktor für die Wohn-
standortwahl genannt. Fast zwei Drittel der
Teilnehmenden gaben an, das Quartier östlich des
Beueler Bahnhofs aufgrund günstiger Miet- und
Kaufpreise als Wohnort gewählt zu haben. Der
Erhalt bzw. die Schaffung von bezahlbarem Wohn-
raum wurde zusätzlich als wichtiges Handlungsfeld
hervorgehoben.
Die demografische Struktur des statistischen Bezirks
Beuel-Ost spiegelt sich auf dem Wohnungsmarkt
wieder. Über 82 % des Bestandes im Bezirk sind
Gebäude mit maximal zwei Wohnungen. Hierbei
handelt es sich vor allem um die Bebauung im
Wohngebiet nördlich des Untersuchungsgebietes.
Dies erklärt auch die relativ hohe durchschnittliche
Wohnungsgröße. Diese liegt im Statistischen Bezirk
Beuel-Ost bei fast 84 m² und damit deutlich höher
als im angrenzenden Bezirk Beuel-Zentrum (Stadt
Bonn 2019B; Stadt Bonn 2019C).
Wohnen im Quartier
Aufgrund der bestehenden gewerblichen Struk-
turen spielt die Wohnnutzung im Untersuchungs-
gebiet flächenmäßig eine untergeordnete Rolle.
Lediglich im Straßenblock der Königswinterer Stra-
ße, der Siegburger Straße, der Paulustraße und
derJosef-Thiebes-Straße dominiert die Wohnnut-
zung. Bei der dortigen Wohnbebauung handelt es
sich teilweise um Arbeitersiedlungen der ehema-
ligen Jutespinnerei an der Siegburger Straße.
Weitere Wohnnutzungen ziehen sich entlang der
Siegburger Straße nach Osten. Hierbei handelt
es sich überwiegend um zwei-bis dreigeschossige
Wohn- und Geschäftshäuser. Entlang der Straße
sind stellenweise auch Wohnnutzungsleerstän-
de und Baulücken anzutreffen. Ungeachtet der
geringen Flächenintensität der Wohnbebauung
Baulücke und sanierungsbedürftiges Wohnhaus an der Siegburger Straße
Wohnhäuser an der Siegburger StraßeSeite 30 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 23
projekt2508 l plan-lokal
hat diese, aufgrund der teils konfliktreichen Nähe
zu Gewerbetrieben eine hohe Relevanz für die
Stadtentwicklung im Untersuchungsgebiet. Konflik-
treiche Gemengelagen entstehen beispielsweise
entlang der Paulusstraße und der Josef-Thiebes-
Straße. Dort liegt die Firma Kessko in unmittelba-
rer Nachbarschaft zu Wohngebäuden. Konflikte
entstehen insbesondere durch den Lieferverkehr
der Firma Kessko, der während der Anlieferung,
durch die engen Straßen an den Wohngebäuden
der Paulusstraße vorbei muss. Durch parkende
Autos beengte Straßenräume stellen Probleme für
die LKWs dar. Gleichzeitig ist die Anwohnerschaft
Lärm- und Luftemissionen ausgesetzt. Eine weitere
Gemengelage stellt die Siegburger Straße, insbe-
sondere auf dem Abschnitt zwischen der Kreuzung
Königswinterer Straße und dem Theatergelände,
dar. Die Siegburger Straße wird regelmäßig von
unverträglichen Verkehrsmengen frequentiert, die
eine Belastung für die Anwohnerschaft darstellen
und häufig zu Verkehrsproblemen führen.
Aufgrund der Gemengelagen und der Nähe von
Wohnen und Gewerbe rückt die Schaffung von
neuen klassischen Wohnnutzungen in den Hinter-
grund, um keine nachteiligen Auswirkungen auf
das Gewerbegebiet auszulösen. Gleichzeitig
haben Kultur- und Kreativschaffende im Rahmen
unterschiedlicher Beteiligungsformate während des
Erstellungsprozesses des ISEK den Wunsch nach
Wohnraum in Verbindung mit von ihnen genutzten
Räumlichkeiten (z.B. Ateliers, Proberäume) geäu-
ßert. Der Fokus der Quartiersentwicklung im Beue-
ler Osten liegt allerdings auf einer Verbesserung
der Bestandssituation der vorhandenen Wohnbe-
bauung. Diese Bestrebung wurde im Rahmen der
Beteiligungsformate von Teilnehmenden bekräftigt.
3.4 FREIRAUM UND STADTGESTALT
Grünversorgung der Bevölkerung
Aufgrund der historischen Dominanz von gewerb-
lichen und industriellen Nutzungen im Quartier, ist
der Anteil an Grünanlagen im gesamten Gebiet
sehr gering. Ausnahmen bilden Straßenbegleitgrün
sowie eine unbebaute und bewachsene Fläche mit
einem Wohnhaus an der Christian-Kölbach-Straße.
Bedeutsam ist weiterhin der Spielplatz im Blockin-
nenbereich der Wohnbebauung an der Josef-
Thiebes-Straße, der Paulusstraße, der Siegburger
Straße und der Königswinterer Straße. Bis auf die
genannten Ausnahmen ist der Versiegelungsgrad,
charakteristisch für ein Gewerbegebiet, sehr hoch.
Darüber hinaus ist die Erreichbarkeit von kleinen
Grünflächen in einem Radius von unter 500 m
im Untersuchunsgebiet schlecht. Im südlichen Teil
des Gewerbegebietes (südlich der Maarstraße) ist
die Erreichbarkeit größere Grünräume in einem
750 m Radius, für das Untersuchungsgebiet liegt
die Entfernung aber in einem 1.000 m Radius.
(Stadt Bonn 2018A) Das Angebot von Grün- und
Spielflächen wird laut Haushaltsbefragung sowie
Anmerkungen im Zuge des Öffentlichen Forums
und der Online-Beteiligung ebenfalls als schlecht
eingeschätzt. Über die Hälfte der Teilnehmen-
den der Haushaltsbefragung sieht u.a. in diesem
Bereich den größten Handlungsbedarf im Gebiet.
Straßenräume und Wege
Die dominierende Gewerbenutzung im Untersu-
chungsgebiet hat einen großen Einfluss auf die Art
und die Gestaltqualität des öffentlichen Raums.
Dieser Einfluss äußert sich neben der geringen
Zahl an Grünanlagen auch im Fehlen von öffent-
lichen Plätzen. Stark geprägt wird das Quartier
demnach durch öffentliche Straßenräume. Folglich
erfüllt der öffentliche Raum im Untersuchungsge-
biet überwiegend die Funktion der Fortbewegung
und Verbindung. Flächen, die eine Aufenthalts-
funktion erfüllen oder als Treffpunkte dienen sind
nicht vorhanden.Seite 31 von 142
24 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
In dieser Funktion wird der öffentliche Raum mitun-
ter durch den gewerblichen und privaten Verkehr
im Quartier beeinträchtigt. Davon ist insbesondere
der Fuß- und Radverkehr negativ betroffen. Prob-
leme im Radverkehr stellen teilweise schmale und
nicht markierte Fahrradwege dar. Weiterhin führen
parkende Autos und Zufahrten zu Gewerbebe-
trieben zu gefährlichen (Kreuzungs-)Situationen
mit Radfahrenden. Auch für Fußgängerinnen und
Fußgänger ist der öffentliche Raum durch schmale
Gehwege, wenig Straßenbegleitgrün, Baulücken
und einsehbare Gewerbebetriebe wenig attraktiv.
Die Wegebeziehungen im gesamten Quartier
sind kaum erkennbar ausgestaltet und unattrak-
tiv. Zu den wichtigen Wegebeziehungen gehören
die Bahnunterführungen auf Höhe der Siegburger
Straße und der Friedrich-Breuer-Straße. Die Bahn-
gleise bilden eine stark wahrnehmbare Barriere im
Ortsteil. Diesbezüglich sind die Unterführungen
der Bahngleise von Bedeutung, die ein großes
Aufwertungspotenzial aufweisen. Derzeit werden
die Unterführungen am Bröltalbahnweg sowie auf
Höhe der Friedrich-Breuer-Straße erneuert. Die
Gleisunterführung an der Oberen Wilhelmstraße
bietet aufgrund gestalterischer und städtebaulicher
Mängel keine attraktive Wegebeziehung zwischen
Beuel-Ost und Beuel-Zentrum und kann als
Angstraum bezeichnet werden. Sie trägt dadurch
zu der Barrierewirkung der Bahngleise bei und
beeinträchtigt die Erreichbarkeit von Angeboten
und Einrichtungen im Beueler Osten negativ. Die
Barrierewirkung ist inbesonders für Jugendliche
mit negativen Folgen verbunden, da die Erreich-
barkeit von Einrichtungen der Jugendförderung im
Beueler Osten erschwert wird. Im Zuge der Verlän-
gerung der S13 durch die Deutsche Bahn, ist ein
Umbau der Unterführung mit nach Norden gerich-
teten Rampen und beidseitigen Treppenanlagen
geplant. Durch diesen Umbau würde die Unter-
führung baulich erheblich aufgewertet werden und
die Barrierewirkung reduziert. Eine weitere wichtige
Verbindungsachse zur Überwindung der Bahnlini-
en stellt der Bröltalbahnweg dar, der als Fuß- und
Radverkehrstrasse eine schnelle und attraktive
Wegeverbindung ins Zentrum Beuels und zum
Rheinufer darstellt. Im Quartier östlich des Beue-
ler Bahnhofs gibt es drei Anknüpfungspunkte an
den Bröltalbahnweg: über den Siebenmorgenweg,
am Ende der Auguststraße und an der Kreuzung
Siegburger Straße und Pützchens Chaussee. Diese
Anknüpfungspunkte sind aktuell weder ausge-
schildert noch repräsentativ oder ansprechend
gestaltet. Die Marquartstraße stellt eine wichti-
ge Verbindung innerhalb des Quartiers zwischen
dem Bahnhof Beuel und den Einrichtungen in der
alten Tapetenfabrik dar. Die derzeitige Gestaltung
der Straße wird diesem Stellenwert ebenfalls nicht
gerecht (u.a. unzureichende Beleuchtung). Der
Weiterentwicklung und Qualifizierung des öffent-
Zugang zum Bröltalbahnweg von der Siegburger Straße
Marquartstraße als Anbindung an die TapetenfabrikSeite 32 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 25
projekt2508 l plan-lokal
lichen Raums (Straßen, Wege) wird, von Teilneh-
menden der Beteiligungsformaten, eine hohe
Bedeutung zugeschrieben.
Soziale Kontrolle im öffentlichen Raum
Aufgrund der Vielzahl an Gewerbebetrieben findet
kaum soziale Kontrolle der öffentlichen (Straßen-)
Räume, speziell im südlichen Untersuchungsge-
biet statt. Dies scheint, im Hinblick auf die über
das Gebiet verteilten und auch am Abend und in
der Nacht frequentierten Kultur- und Freizeitange-
bote, problematisch. Beispielsweise durch Veran-
staltungen des Pantheon-Theaters oder durch das
Boulders Habitat erlebt das Quartier auch in den
Stunden außerhalb der üblichen Geschäftszeiten
eine Passantenfrequentierung, für die eine sozi-
ale Kontrolle des Gebietes relevant ist. Einerseits
sorgen solche Nutzungen und Angebote für mehr
Passanten im öffentlichen Raum, andererseits
sind auch diese auf soziale Kontrolle angewie-
sen. Die Problematik setzt sich auch entlang der
Siegburger Straße und Königswinterer Straße fort.
Dort erschweren Baulücken eine soziale Kontrol-
le. Auch die schlecht beleuchtete Marquartstraße,
der es bislang an einer genutzten Randbebauung
fehlt, wird in den Abendstunden von den Besuche-
rinnen und Besuchern der Sportfabrik / Tapeten-
fabrik als Angstraum empfunden. Die unattraktive
Gestaltung und die fehlende soziale Kontrolle der
Gleisunterführung an der Oberen Wilhelmstraße
verstärken zudem die Barrierewirkung der Bahn-
gleise.
Eingangssituation
Neben schwach ausgestalteten Wegebeziehungen
zu den bedeutenden Zielen im Quartier, sind die
Eingänge in das Quartier ebenfalls aufwertungs-
bedürftig. Im öffentlichen Raum sind diese Orts-
eingänge an prominenten und stark frequentierten
Orten, wie beispielsweise der Kreuzung Siegburger
Straße und Königswinterer Straße, an der Kreuzung
Maarstraße und Königswinterer Straße oder an der
Kreuzung Siegburger Straße und Pützchens Chaus-
see nicht markiert. Hinweise auf die Qualitäten
und Angebote im Quartier bleiben aus, ebenso
eine identitätsstiftende Wirkung auf die Anwohner-
schaft und Besuchende. Weiterhin ist der Bahnhof
Beuel als Ortseingang und Ankunftsort aufzuwer-
ten. In diesem Zusammenhang ist der geplante
Durchstich des Verteilertunnels des Bahnhofs zur
Ostseite, im Zuge des S13-Ausbaus, zu berück-
sichtigen. Dieser würde die Scharnierfunktion des
Bahnhofs zwischen der West- und Ostseite stärken.
Als Eingänge in das Quartier sind weiterhin die
bereits oben genannten Gleisunterführungen zu
berücksichtigen, die besonders für den Fuß- und
Radverkehr wichtige Verbindungspunkte bilden.
Stadtgestalt und Denkmäler
Im Untersuchungsgebiet prägen insbesondere
Autoverwerter das Stadtbild. Weiterhin auffällig
sind ein hoher Versiegelungsgrad, uneinheitliche
Fassaden und Baufluchten, stellenweise sanie-
rungsbedürftige Gebäude und Fassaden sowie
Baulücken. Exemplarisch für die genannten Aspek-
te steht die Siegburger Straße. Entlang dieser treten
immer wieder Leerstände und Baulücken sowie
sanierungsbedürftige Gebäude auf. Des Weiteren
ist der Straßenzug durch ein Wechsel von Wohn-
gebäuden, Einzelhandel im Erdgeschoss sowie
gewerblichen Betrieben geprägt, die das Stadtbild
uneinheitlich erscheinen lassen. Positiv hervorzuhe-
ben sind einzelne gut erhaltene Gebäudefassaden
und Strukturen, die teilweise denkmalgeschützt
sind. Dazu zählen die Arbeitersiedlungen an der
Paulusstraße und Josef-Thiebes-Straße. Als Denk-
mäler eingetragen sind weiterhin die Fassaden der
ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Straße
sowie der Turm des Kesselhauses, die Pfarrkirche
St. Paulus an der Siegburger Straße, Gebäude der
ehemaligen rheinischen Tapetenfabrik entlang der
Auguststraße, die Marquart-Villa an der Marquart-
straße sowie der Güterschuppen inkl. Ladestraße
am Bahnhof Beuel. Dem Bahnhof Beuel selbstSeite 33 von 142
26 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
wird ebenfalls ein Denkmalwert zugeschrieben.
Die beschriebenen Gebäude und Strukturen stel-
len Anlagen von geschichtlicher, künstlerischer und
teilweise städtebaulicher Bedeutung dar, die einen
positiven identitätsstiftenden Einfluss auf das Stadt-
bild haben. Eine vollständige Liste aller eingetra-
genen Denkmäler im Untersuchungsgebiet ist dem
Anhang dieses Berichts zu entnehmen.
3.5 KLIMA UND UMWELT
Klimatische Situation
Die auf einer gesamtstädtischen Klimaanalyse
basierende Planungshinweiskarte für Bonn stellt
für den Bereich Beuel-Ost in der Nacht in weiten
Teilen bereits heute eine ungünstige bioklimatische
Situation dar. Am Tag stellt sich in besonders stark
versiegelten und direkt sonnenexponierten Berei-
chen sogar eine sehr ungünstige bioklimatische
Situation ein. Für den Bereich Beuel- Ost formuliert
die Planungshinweiskarte daher, dass Maßnah-
men zur Verbesserung der thermischen Situation
notwendig sind. In Anbetracht des sehr hohen
Versiegelungsanteils im gewerblich geprägten
Quartier, eignen sich insbesondere Maßnahmen
zur Entsiegelung und Begrünung, zur Bauwerks-
begrünung sowie zur Verschattung von Außenbe-
reichen, um die Wärmebelastung zu reduzieren.
(Stadt Bonn 2020B)
Altlasten
Große Teile des Untersuchungsgebiets sind als
Altstandorte registriert. Nach § 2 Abs. 5 Nr. 2 des
Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) sind
Altstandorte Grundstücke stillgelegter Anlagen auf
denen mit umweltgefährlichen Stoffen umgegan-
gen worden ist. Dies gilt für weite Teile der Fläche
zwischen Auguststraße und Siegburger Straße sowie
zwischen Siegburger Straße und Maarstraße. Auch
das Gelände der Theaterwerkstätten einschließlich
des Pantheon-Theaters gilt als Altstandort (Stadt
Bonn 2019F). Während dies in einigen Bereichen
keinen dringenden Handlungsbedarf aufwirft, gibt
es Bereiche von denen eine potenzielle Boden-
und Grundwassergefährdung ausgeht. Zu nennen
sind diesbezüglich das Evonik-Gelände zwischen
der Siegburger Straße und der Auguststraße, das
durch frühere Einträge ins Grundwasser belastet
ist sowie das Gelände der ehemaligen Jutefabrik,
auf dem Weichmacher unterirdisch ausgetreten
sind (Stadt Bonn 2019F). Aufgrund der Altlasten-
Teilweise denkmalgeschützte Arbeitersiedlung an der Paulusstraße
Denkmalgeschütztes Gebäude der ehemaligen JutefrabrikSeite 34 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 27
projekt2508 l plan-lokal
problematik sollen, aus Sicht der Umweltbehörde
der Bundesstadt Bonn, Flächenentsiegelungen in
weiten Teilen des Untersuchungsgebietes vermie-
den werden. In Einzelfällen sollte die Möglichkeit
zur Entsiegelung allerdings geprüft werden.
Luftemissionen
Das Untersuchunsgebiet wird durch den starken
privaten und gewerblichen Verkehr lufthygienisch
belastet. Eine stark prägende Emissionsquelle
stellt die Firma Atlantic GmbH nördlich des Bröl-
talbahnwegs dar. Das Unternehmen produziert
Schleifmittel, die dabei entstehenden Lärm- und
Luftemissionen reichen bis in das Untersuchungs-
gebiet hinein. Weitere Lärmquellen sind die
Betriebsanlagen der Firma Evonik sowie die Betrie-
be, welche in der alten Tapetenfabrik unterge-
bracht sind. Die hier entstehenden Lärmemissionen
reichen über die Siegburger Straße hinaus bis zur
Wohnbebauung entlang der Josef-Thiebes-Straße.
Eine weitere Quelle von Luftemissionen stellt die
Firma Kessko dar. Die unmittelbar angrenzende
Wohnbebauung ist den dort entstehenden Geruch-
semissionen direkt ausgesetzt. (Stadt Bonn 2017B)
In der Gesamtbetrachtung lösen die emittierenden
Gewerbebetriebe Abstandserfordernisse aus, die
abgesehen von Bestandsgebäuden die Neuaus-
weisung von klassischen Wohnnutzungen oder
urbanen Gebieten (MU) verhindern.
Verkehrslärm
Verkehrslärm stellt insbesondere an den Haupt-
verkehrsstraßen (s. Kapitel 3.6) eine Belastung
der Anwohner- und Besucherschaft dar. An der
Siegburger Straße, Königswinterer Straße und
Maarstraße werden im täglichen Durchschnitt
Lärmwerte zwischen 70 und 75 dB(A) erreicht, an
der Siegburger Straße stellenweise über 75 dB(A).
Demnach kann von einer sehr hohen Belastung
gesprochen werden, insbesondere für Nutzungen
direkt an diesen Straßen. In den Nachtstunden
(zwischen 22 und 6 Uhr) liegen die gemessenen
Durchschnittswerte zwischen 60 und 70 dB(A) und
damit immer noch sehr hoch. (Stadt Bonn 2017C)
Auch die Bahngleise stellen eine relevante Lärm-
quelle für den Beueler Osten dar. Im unmittelba-
ren Gleisbereich sind im täglichen Durchschnitt
Werte von über 75 dB(A) gemessen worden. Die
Schallausbreitung führt dazu, dass zu beiden
Seiten der Schienen über mehrere hundert Meter
Werte zwischen 60 und 70 dB(A) erreicht wurde. In
den Nachtstunden ist die Lärmbelastung entspre-
chend etwas geringer. In den Wohnbereichen an
der Paulusstraße und Josef-Thiebes-Straße wurden
Werte zwischen 55 und 65 dB(A) gemessen. (Stadt
Bonn 2017C) Die Lärmbelastung im Gebiet wird
auch von den Teilnehmenden der Haushaltsbefra-
gung bemängelt.Seite 35 von 142
28 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
3.6 VERKEHR UND MOBILITÄT
Hauptverkehrsstraßen
Die Zufahrt in das Untersuchunsgebiet erfolgt
insbesondere über die Königswinterer Straße und
die Siegburger Straße. Über Letztere ist ein einseiti-
ger Anschluss an die Autobahn 59 in und aus Rich-
tung Norden gegeben. Über die Königswinterer
Straße besteht zudem ein Anschluss an die A565
im Norden und die A562 im Süden. Aufgrund
der Bedeutung der Autobahnanschlüsse für die
ansässigen Gewerbebetriebe sind die Zubringer
zur Autobahn verkehrlich stark belastet. Gleich-
zeitig bedingen die Autobahnanschlüsse entspre-
chende Verkehrsflüsse im Quartier, insbesondere
entlang der Königswinterer Straße und der Sieg-
burger Straße. Für die zukünftigen Verkehrsflüsse
im Quartier östlich des Beueler Bahnhofs ist der
geplante Wegfall des Autobahnanschlusses über
die Siegburger Straße bedeutsam. Dieser soll in
den nächsten Jahren komplett entfallen und durch
einen beidseitigen Anschluss an die A59 über die
Maarstraße ersetzt werden. (Ausschuss für Planung,
Verkehr und Denkmalschutz 2019) Über die A59
wird dann eine Nord-Süd-Verbindung in umliegen-
de Städte und Regionen hergestellt. Mit der Schlie-
ßung des Autobahnanschlusses an der Siegburger
Straße ist mit einer Verlagerung der Verkehrsströ-
me im Untersuchungsgebiet, insbesondere entlang
der Siegburger Straße und Königswinterer Straße
zu rechnen. In Zukunft wird voraussichtlich weniger
gewerblicher Verkehr über den westlichen Teil der
Siegburger Straße geführt, obwohl weiterhin Liefer-
verkehre der Evonik-Betriebsstätte an der Sieg-
burger Straße erhalten bleiben.
Für die Königswinterer Straße gibt es Pläne für
einen Umbau auf dem Abschnitt zwischen Sieg-
burger Straße und Maarstraße. Diese Pläne sehen
eine Neuordnung der Verkehrsflächen für den
Auto-, Bus- und ruhenden Verkehr sowie für zu
Fuß Gehende und Radfahrende vor. Innerhalb
des beschriebenen Abschnitts soll der Radverkehr
getrennt vom Autoverkehr auf beidseitigen Radwe-
gen geführt werden. Zudem wird der ruhende
Verkehr durch die Markierung von Parkständen
geordnet. (Stadt Bonn 2011) Die Umbaumaßnah-
men entlang der Königswinterer Straße stehen im
Zusammenhang mit weiteren Baumaßnahmen wie
der Einrichtung eines Kreisverkehrs an der Kreu-
zung Siegburger Straße und der Verlagerung des
zentralen Omnibusbahnhofs auf die Ostseite der
Bahngleise.
Im Zuge der Haushaltsbefragung wird die verkehr-
liche Anbindung des Gebietes durchweg gut
bewertet. Über die Hälfte der Teilnehmenden gibt
an, sich aufgrund der guten verkehrlichen Anbin-
dung für Beuel als Wohnstandort entschieden zu
haben. Allerdings gaben mehrere TeilnehmendeSiegburger Straße
Königswinterer StraßeSeite 36 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 29
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an, sich eine Reduzierung des Verkehrs im Gebiet
zu wünschen. Insbesondere die Siegburger Straße
wird bezüglich Verkehrsbelastung und -sicherheit
häufiger genannt. Demgegenüber wiesen Gewer-
betreibende daraufhin, dass die Leistungsfähigkeit
des Straßennetzes zur Anbindung mit dem PKW
und LKW sicherzustellen ist.
Ruhender Verkehr
Die Parkplatzsituation im Quartier ist insbeson-
dere bei Veranstaltungen des Pantheon-Theaters
eingeschränkt und konfliktträchtig, da in solchen
Fällen keine größeren Parkflächen zur Verfügung
stehen. Dies könnte im schlimmsten Fall auch
zu Problemen im Betriebsablauf der auf dem
Gelände ansässigen Feuerwehr führen. Eben-
falls konfliktreich ist die Parksituation im Bereich
der Wohnbebauung an der Paulusstraße und der
Josef-Thiebes-Straße. Bedingt durch den gewerbli-
chen Lieferverkehr der Firma Kessko ergeben sich
sehr beengte Situationen. Teilweise sind Anwohner
und Anwohner*innen gezwungen mit voller Brei-
te auf dem Grünstreifen bzw. Fußweg zu parken,
um den Fahrbahnquerschnitt nicht einzuengen.
Weitere Konflikte werden seitens der Anlieger mit
Fertigstellung der S-Bahnlinie13 befürchtet, wenn
durch die Herstellung einer Zugverbindung nach
Köln, Berufspendler verstärkt den Bahnhof Beuel
nutzen und mit dem privaten PKW anreisen. In
den aktuellen Planungen sind keine Parkplätze am
Bahnhof Beuel vorgesehen, es soll lediglich eine
Kiss-and-Ride-Zone geben. Seitens der Verkehrs-
planung werden diese Befürchtungen nicht geteilt,
da andere Haltepunkte entlang der S-Bahnlinie in
einer großräumigeren Betrachtung als die geeig-
neteren und voraussichtlich bevorzugt angefahre-
nen P+R-Stationen angesehen werden.
Die Parkplatzsituation wird von den Teilnehmen-
den der Haushaltsbefragung sehr unterschiedlich
bewertet, wobei gute und schlechte Bewertungen
etwa gleich häufig vertreten sind. Dies variierte
wahrscheinlich je nach Wohnort der Teilnehmen-
den. Für Gewerbetreibende stellen Parkplätze
einen wichtigen Standortfaktor dar.
Größere betriebliche Parkplätze im Quartier stellen
bei entsprechenden Vereinbarungen grundsätzlich
ein Potenzial zur Entschärfung der Situation außer-
halb der Betriebszeiten dar (z.B. an den Markthal-
len).
Öffentlicher Verkehr
Der Bahnhof Beuel stellt den zentralen Mobilitäts-
knotenpunkt für Beuel dar. Dieser konzentriert regi-
onale und lokale Streckenverbindungen. So besteht
vom Bahnhof Beuel mittels des Rhein-Erft-Expresses
und der Rhein-Erft-Bahn Anschluss nach Mönchen-
gladbach über Köln sowie in Richtung Koblenz.
Zudem wird der Bahnhof von zwei Straßenbahnli-
nien bedient, die Beuel an das Bonner Zentrum im
Westen sowie an weitere Ortsteile Bonns im Süden
(Ramersdorf, Oberkassel) anbinden. Zuletzt ist der
Bahnhof Beuel ein Knotenpunkt für das Buslini-
ennetz und wird von insgesamt fünf Buslinien ange-
fahren. Im denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude
befindet sich ein Reisezentrum der Deutschen Bahn
sowie ein Kiosk. Die vorhandene Bahnhofshalle ist
derzeit ungenutzt. Im Zuge des geplanten Ausbaus
der S-Bahn-Linie S13 von Troisdorf über Beuel bis
nach Bonn-Oberkassel erhält der Bahnhof Beuel
zwei neue S-Bahn-Gleise. Dafür müssen bestehen-
de Gleise des Güterverkehrs zurückgebaut sowie
das denkmalgeschützte Güterbahnhofsgebäude
nach Osten versetzt werden (DB Netz AG 2016).
Durch den Anschluss des Bahnhofs Beuel an das
S-Bahn-Netz wird der Nahverkehrsanschluss im
Ortsteil weiter gestärkt sowie die Attraktivität der
Standorte gesteigert. Im Zuge der Erweiterung des
Bahnhofs soll eine beidseitige Zugänglichkeit der
Bahngleise hergestellt werden. Bis dahin ist der
Bahnhof weiterhin nur von der westlichen Seite aus
erreichbar.Seite 37 von 142
30 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
Am Bahnhofsvorplatz befindet sich der zentrale
Omnibus Bahnhof in Beuel. Dieser soll im Zuge
des S-Bahn-Ausbaus auf die Ostseite der Gleise an
der Königswinterer Straße Höhe Siegburger Straße
verlegt werden. Dadurch wird die Anbindung von
Beuel-Ost an den Bahnhof attraktiviert. Gleichzei-
tig entstehen Handlungsbedarfe hinsichtlich einer
städtebaulichen Neuordnung der östlichen Bahn-
hofsseite.
Die Bedienung des Busliniennetzes orientiert
sich an den eingangs beschriebenen Hauptver-
kehrsstraßen. Busse verkehren demnach über die
Königswinterer Straße, die Siegburger Straße, die
Maarstraße und die Röhfeldstraße. Das Buslini-
ennetz ermöglicht eine direkte Verbindung vom
Bahnhof Beuel zum Beueler Zentrum sowie der
Innenstadt von Bonn. Weiterhin hervorzuheben ist
die Haltestelle Pantheon Beuel, die sich auf Höhe
des Theatergeländes auf der Siegburger Straße
befindet und die Erreichbarkeit des Theaters und
des Pantheon ermöglicht.
Fuß- und Radverkehr
Die Fahrradnutzung in Beuel ist im gesamtstädti-
schen Vergleich höher als in den Ortsteilen Godes-
berg und Hardtberg und ebenso stark ausgeprägt
wie im Bezirk Bonn (Stadt Bonn 2010). Besonde-
re Bedeutung im Radverkehr hat im Quartier der
Radweg auf der Trasse der ehemaligen Bröltalbahn,
der eine Verbindung von der nördlichen Grenze
des Untersuchungsgebiets zum Rheinufer darstellt.
Anknüpfungspunkte an den Bröltalbahnweg befin-
den sich an der Kreuzung Siegburger Straße und
Pützchens Chaussee sowie über Rampen am
Ende der Auguststraße und des Siebenmorgen-
wegs. Der Rad- und Fußverkehr wird im gesamten
Untersuchungsgebiet durch den starken Güter-
und PKW-Verkehr beeinträchtigt. Die Situation
des Radverkehrs wird weiterhin durch fehlende
Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen entlang der
Hauptverkehrsstraßen (Siegburger Straße und
Königswinterer Straße) verschlechtert. Der Mangel
wirkt sich negativ auf die Sicherheit und die Attrak-
tivität des Radverkehrs aus. In der Auguststraße
sind es vor allem die parkenden Autos, welche den
Rad- und Fußverkehr beeinträchtigen. So müssen
Fußgängerinnen und Fußgänger oftmals auf die
Fahrbahn ausweichen, wenn parkende Autos den
Bürgersteig blockieren. Eine Verbesserung der
Situation für zu Fuß Gehende und Radfahrende im
Gebiet wurde von vielen Teilnehmenden der Betei-
ligungsformate gewünscht.
Anlieferungsverkehr Paulusstraße
Kreuzungsbereich Siegburger / Königswinterer StraßeSeite 38 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 31
projekt2508 l plan-lokal
3.7 BILDUNG, SOZIALE UND GE-
SUNDHEITSINFRASTRUKTUR
Bildungseinrichtungen
Im Untersuchungsgebiet selbst gibt es keine allge-
meinbildenden Schulen, in einem Radius von etwa
anderthalb Kilometern sind jedoch alle Schul-
formen vorhanden. Die nächstgelegene Schule
stellt die Paul-Gerhardt-Grundschule westlich des
Bahnhofs Beuel dar.
Auf der Siegburger Straße ist eine Berufsfachschule
für Kosmetologie angesiedelt. Auf Höhe der Thea-
terwerkstätten an der Siegburger Straße befindet
sich zudem ein Veranstaltungsort für Seminare zu
IT und Telekommunikation. An der Paulusstraße
entsteht zurzeit ein Seminar- und Trainingszentrum
für Zahnärzte und zahnmedizinische Angestellte.
Kinderbetreuung
Im Untersuchungsgebiet gibt es den katholischen
Kindergarten St. Paulus an der Siegburger Straße
sowie die Kindertagesstätte Pfiffikus an der August-
straße. Weitere Angebote zur Kinderbetreuung
(Kindergarten, Kita) befinden sich westlich des
Bahnhofs Beuel. Der stadtweite Bedarf an Plätzen
in Kindertagesstätten ist auch in Beuel-Ost ausge-
prägt.
Gesundheitliche Einrichtungen
Gesundheitliche Einrichtungen wie Ärzte oder
Apotheken sind im Untersuchungsgebiet nicht
vertreten. Die Versorgung übernimmt das Beueler
Zentrum im Westen des Bahnhofs.
Weitere Einrichtungen und Angebote
Für die Betreuung von älteren Menschen stehen
im Untersuchungsgebiet die Residenz Vital sowie
weitere Seniorenwohnungen neben der Pauluskir-
che an der Siegburger Straße zur Verfügung.
Am Siebenmorgenweg befinden sich der Aben-
teuer Leben e.V. sowie die Einrichtung „barriere-
frei kommunizieren“. Letztere setzen sich für eine
erfolgreiche Inklusion sämtlicher Bevölkerungs-
gruppen durch barrierefreie Kommunikation ein.
Der Verein Abenteuer Leben bietet Angebote für
Kinder und Jugendliche zum Anstoß nachhaltiger
Bildungsprozesse.Seite 39 von 142
32 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS
plan-lokal l projekt2508
3.8 BESTANDSBEWERTUNG UND
HANDLUNGSBEDARFE
Abgeleitet aus den Ergebnissen der vorangegan-
gen Situations- und Strukturanalyse, den Resultaten
und Einschätzungen aus den durchgeführten Betei-
ligungsformaten sowie der eigenen gutachterlichen
Sichtweise auf den Planungsraum werden die Stär-
ken und Schwächen sowie Chancen und Risiken
(Strengths, Weaknesses, Opportunities,Threats)
des Planungsraums stichpunktartig und themen-
übergreifend in der folgenden Tabelle dargestellt
(s. Abbildung 4).
Anknüpfend an die Ergebnisse der SWOT-Analyse
erfolgt eine Beschreibung der zentralen Handlungs-
bedarfe sowie Potenziale im Untersuchungsgebiet.
Dies stellt die Grundlage für die Identifizierung von
Handlungsfeldern des ISEK dar (s. Kapitel 4).
Die wesentlichen hieraus identifizierbaren räum-
lichen Aspekte wurden in einer Bewertungskar-
te zusammengeführt (s. Abbildung 5). In dieser
Gesamtbetrachtung beschreibt die Bewertungskar-
te impulsgebende Räume, potenziell impulsgeben-
de Räume sowie hemmende Räume aus Sicht der
Quartiersentwicklung.
Zu den zentralen Handlungsbedarfen zählt sicher-
lich eine Neugestaltung und Aufwertung des
öffentlichen Raums, die an geeigneten Stellen
Aufenthaltsqualität schafft und weiterhin zu besse-
ren Wegebeziehungen und Verknüpfungen, insbe-
sondere der kreativen, freizeitlichen und kulturellen
Angeboten, beiträgt. Gleichzeitig gilt es, identitäts-
stiftende Eingangssituationen in das Quartier zu
schaffen, um vor allem zu einer besseren Verbin-
dung zwischen West- und Ostseite des Bahnhofs
Beuel beizutragen. Weiterhin soll so allen Nutzer-
gruppen eine verbesserte und sichere Zugänglich-
keit in das Quartier geschaffen werden. Bei einer
Gestaltung des öffentlichen Raums ist zudem auf
den Mangel an Frei- und Grünflächen zu reagie-
ren, auch um einen Beitrag zur Klimaanpassung
und Biodiversität im Quartier zu leisten. Weiterer
Handlungsbedarf besteht hinsichtlich einer Redu-
zierung und verträglichen Abwicklung des motori-
sierten Verkehrs, der eine Beeinträchtigung für die
Anwohnerschaft sowie den Fuß- und Radverkehr
darstellt. Neben dem Benennen von Herausfor-
derungen und Handlungsbedarfen gilt es, Hand-
lungspotenziale (Stärken/Chancen) aufzugreifen
und weiterzuentwickeln. Zu den zentralen Potenzi-
alen gehören die gute Anbindung an das Auto-
bahn- und ÖPNV-Netz mit dem Bahnhof Beuel
als nahegelegenen Mobilitätsknotenpunkt, die
Nähe zum Beueler Zentrum als urbanes attraktives
Stadtquartier und die einmalige Konzentration von
Einrichtungen und Akteurinnen und Akteuren im
kulturellen und kreativen Milieu. Gleichzeitig gibt
es im Quartier eine Reihe von ehemaligen Indus-
triearealen, deren identitätsstiftendes Potenzial im
Rahmen der derzeitigen Nutzung der Flächen stär-
ker sichtbar und erlebbar zu machen ist.
Durch die Adressierung der genannten Hand-
lungsbedarfe und die Förderung und Ausnutzung
von Handlungspotenzialen ergibt sich eine große
Chance zur Qualifizierung und Profilierung des
Quartiers im Beueler Osten.Seite 40 von 142
ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 33
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STÄRKEN SCHWÄCHEN
+ räumliche Konzentration von Einrichtungen
und Akteurinnen und Akteuren im kreativen
Milieu
+ überrregionale Bedeutsamkeit der Gewerbe-
betriebe
(größtes Gewerbegebiet Bonns)
+ kleinteilige Gewerbestrukturen bieten Flexibili-
tät für zukünftige Entwicklungen
+ Bahnhof Beuel als nahegelegener Mobilitäts-
knoten; gute Anbindung an das ÖPNV-Netz
+ Rheinanbindung über Bröltahlbahnweg
+ Bedarfsdeckung im Bereich Einzelhandel
+ Werkssiedlung Paulusstraße/
Josef-Thiebes-Straße
+ Nähe zum Beueler Zentrum als urbanes attrak-
tives Stadtquartier
- mangelnde Verbindung zwischen West- und
Ostseite des Bahnhofs Beuel
- wenig attraktive/identitätsstiftende Eingangssitua-
tionen in das Quartier
- Unterführungen als Angsträume
- Fehlen eines klar ablesbaren Profils des Gewer-
begebiets
- Fehlen von qualitätsvollen und attraktiven Gast-
ronomiebetrieben
- Fast vollständiges Fehlen von öffentlichen Grün-
flächen bedingt durch Altlasten
- uneinheitliche Entwicklung des Gewerbegebiets
aufgrund kleinteiliger Grundstückszuschnitte
- gemindertes Erscheinungsbild durch einsehbare
Kfz-Betriebe
- Untergenutzte Gewerbehallen entlang Königs-
winterer Str. zwischen Bahngleisen
- Gemengelagen Wohnen-Gewerbe (u.a. Ge-
ruchsemmissionsbelastung)
- vereinzelte Baulücken und (Wohn-)Leerstände
entlang der Siegbuger Str.
- starke Verkehrsbelastung durch Pkw- und ge-
werblichen Verkehr
- mangelhafte Wegebeziehungen zu Kulturein-
richtungen für Fuß- und Radverkehr durch das
Fehlen von Sicherheit und sozialer Kontrolle
- Nutzungen innerhalb des Versorgungsbereichs
entsprechen nicht den Anforderungen
- mangelhafte Verkehrssituation entlang der Au-
guststraße
- Ungenutzte Räumlichkeiten durch Sanierungsstau
auf dem Theatergelände und in der Brotfabrik
Abbildung 4: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken im Quartier östlich des Beueler BahnhofsSeite 41 von 142
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CHANCEN RISIKEN
+ Stärkung des Einzelhandels durch Vernetzung
von Beuel-Mitte und Beuel-Ost
+ Nähe zum Beueler Zentrum mit Einzelhandels-,
Bildungs- und Gesundheitsangeboten
+ Ausbau S-Bahn-Linie, mit beidseitiger Erreich-
barkeit des Bahnhofs (West/Ost)
+ Neugestaltung der Siegburger Str. durch Verle-
gung des Autobahnanschlusses
+ Neugestaltung der Königswinterer Straße
durch Entwicklungen am Bahnhof Beuel
+ geplante Verbreiterung der Königswinterer Str.
mit Neuordnung der Verkehrsfläche
+ neuer ZOB auf der Ostseite des Bahnhofs
+ Nutzung der Markthallen für Endverbraucher
+ Netzwerkaufbau zwischen Kultur- und Kreativ-
schaffenden
- zunehmende Verkehrsbelastung durch Wegfall
des Autobahnanschlusses an der Siegburger
Str.
- Sanierungsstau von Gebäuden in Nutzung des
Theaters
- steigende Parkplatzproblematiken durch Thea-
tereinrichtungen
- Großteil des Untersuchungsgebiets umfasst
Altlastenverdachtsflächen
- problematische Randlagen (Obere Wilhelm-
straße, Königswinterer Straße)
- hoher Versiegelungsgrad und schlechte luftkli-
matische Situation
Abbildung 4: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken im Quartier östlich des Beueler BahnhofsSeite 42 von 142
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Abbildung 5: Bewertungskarte für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs
Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-lokal auf Basis von openstreetmap (© OpenStreetMap-Mitwirkende)Seite 43 von 142
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4 ZIELE, LEITBILD UND
HANDLUNGSFELDER
Während die Bestandsanalyse von Fragen nach der
Ausgangssituation und bestehenden Strukturen im
Beueler Osten geleitet wurde, spannen im Folgen-
den Fragen nach der zukünftigen Entwicklung des
Ortsteils den inhaltlichen Rahmen auf. Welche
Strukturen müssen weiterentwickelt werden? Wo
möchten wir in den nächsten Jahren hin? Was
wollen wir ändern oder erreichen?
Die Erarbeitung von Handlungsfeldern und Zielen
sowie einer Leitidee soll dabei helfen Entwicklun-
gen zu leiten und zu fördern. Grundlage für die
Ziele, Leitbilder und Handlungsfelder sind die
Ergebnisse aus der Bestandsanalyse sowie insbe-
sondere Erkenntnisse aus den kommunikativen
und dialogischen Prozessbausteinen. Die Ergeb-
nisse aus diesem Kapitel münden in ein räumliches
Leitbild, welches ein themenfeldübergreifendes
Zielkonstrukt für die Quartiersentwicklung östlich
des Beueler Bahnhofs darstellt (s. Kapitel 4.4).
4.1 ÜBERGEORDNETE LEITLINIEN
UND ZIELE
Für die Entwicklung von Handlungsfeldern und
Zielen für die Entwicklung des Quartiers im Beue-
ler Osten sind einige übergeordnete Leitlinien und
Ziele rahmengebend, die Handlungsfeld über-
greifend und überwiegend räumlich unspezifisch
sind. Dazu zählen neben den Erfordernissen des
Klimaschutzes und der Klimaanpassung auch
Aspekte der Nachhaltigkeit, die Förderung von
Gleichstellung, Diversität, Inklusion und Barrie-
refreiheit sowie die Einbindung aller Menschen
in die Stadtentwicklung. Die Relevanz des Klima-
schutzes für die Stadtentwicklung wurde mit dem
Ausrufen des Klimanotstands durch den Bonner
Stadtrat im Juli 2019 bekräftigt (Rat der Stadt Bonn
2019A). Darüber hinaus hat sich die Stadt Bonn
dazu verpflichtet bis 2035 klimaneutral zu werden
(Rat der Stadt Bonn 2019B). Zu diesem Ziel soll
auch das Quartier im Beueler Osten einen Beitrag
leisten. In Anlehnung an das Leitbild der Stadt
Bonn zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung
(Rat der Stadt Bonn 2019C) gilt es insbesondere,
energieffizientes Bauen und Sanieren, die Förde-
rung und Nutzung von erneuerbaren Energien
sowie die Erhöhung von Klimaresilienz und Reduk-
tion von sommerlicher Wärmebelastung durch
Maßnahmen an Gebäuden (Dach- und Fassa-Seite 44 von 142
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projekt2508 l plan-lokal
denbegrünung) und im Quartier (Entsiegelung
und Begrünung, Verschattungselemen

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Datenstand: 02.11.2026, 18:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de