202312 · Beschlussvorlage
ISEK östlich des Beueler Bahnhofs - Konzept und Maßnahmen
Kerndaten
- Nummer
- 202312
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 08.06.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Empfehlung
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Anhörung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Anhörung
- Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 202312 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III ISEK östlich des Beueler Bahnhofs - Konzept und Maßnahmen Beratungsfolge Bezirksvertretung Beuel 22.06.2021 Empfehlung Ausschuss für Mobilität und Verkehr 18.08.2021 Empfehlung Beirat Bürgerbeteiligung 20.08.2021 Anhörung Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 25.08.2021 Empfehlung Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 26.08.2021 Anhörung Ausschuss für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 26.08.2021 Empfehlung Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 02.09.2021 Empfehlung Rat 16.09.2021 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) für das nach § 171b BauGB abgegrenzte Gebiet östlich des Beueler Bahnhofs wird in der Fassung von Januar 2021 zugestimmt. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, die im ISEK enthaltenen Maßnahmen weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für eine Umsetzung der beschriebenen Projekte zu schaffen sowie hierzu auch Förderanträge zu den jeweils anwendbaren Förderprogrammen zu stellen. Zur Begleitung der Umsetzung wird der Verwaltung zusätzliches Personal entsprechend der Ausführungen in der Begründung bereitgestellt. 3. Soweit die Maßnahmen nicht im Rahmen bereits bestehender Budgets umgesetzt werden können, steht der Auftrag zur Umsetzung der Maßnahmen unter dem Vorbehalt der Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel. Begründung Mit Beschluss des Hauptausschusses (DS.Nr. 1712472NV8) wurde dieSeite 1 von 142 Seite 2 Konzepterarbeitung und das Moderationsverfahren zur Quartiersentwicklung östlich des Beueler Bahnhofes an das externe Büro Plan lokal aus Dortmund vergeben. Das Büro unterstützte die Stadtverwaltung bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Planungsprozesses und der organisatorischen Begleitung einer umfassenden Akteurs- und Öffentlichkeitsbeteiligung. In den Sitzungen der BV Beuel am 16.06.2020 (DS-Nr. 200949) und 11.08.2020 (DS-Nr. 201380) erfolgten Sachstandsberichte zum Projektverlauf und eine Vorstellung zum Entwurf des Maßnahmenpakets. Das finale Konzept liegt nun der Beschlussvorlage im Entwurf bei (siehe Anlage). Bei Bedarf kann eine Ergebnisvorstellung des finalen Konzeptes durch das Planungsbüro Plan-lokal erfolgen. Zielsetzung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes östlich des Beueler Bahnhofs Mit dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) wird eine Zukunftsperspektive für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofes aufgezeigt. Mit der Konzepterarbeitung wird zudem die Grundlage geschaffen, um in den Folgejahren städtische Mittel zielgerichtet einsetzen zu können und um eine Voraussetzung zur Beantragung von Fördermitteln zu erhalten. Das ISEK beinhaltet zukünftige Entwicklungsziele, Handlungsfelder und schließlich konkrete Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung des Quartiers östlich des Beueler Bahnhofs. Aus der städtebaulichen Analyse, der Akteurs- und Öffentlichkeitsbeteiligungen sind neben den Defiziten und Handlungsbedarfen auch Stärken und Potenziale im Prozessverlauf hervorgegangen, auf die in Zukunft aufgebaut werden soll. Auf diesen insgesamt gewonnenen Erkenntnissen baut das erarbeitete ISEK auf. Beteiligungsbausteine Während der Konzeptbearbeitung bildete eine umfassende Akteurs- und Öffentlichkeitbeteiligung in allen Bearbeitungsphasen einen wichtigen Bestandteil. Die in der Beteiligung eingebrachten Hinweise und Anregungen wurden in den Zielsetzungen und Entwicklung der Maßnahmen berücksichtigt. Die eingebrachten Hinweise aus der Öffentlichkeitsbeteiligung sind im Bericht schriftlich in den Maßnahmensteckbriefen unter „Stimmen der Beteiligung“ zu finden. Erläuterungen zum Ablauf der einzelnen Beteiligungsbausteine sind ebenfalls im Bericht enthalten (S. 7ff.). Folgende Beteiligungsbausteine wurden durchgeführt: 11.07.2019 Verwaltungsrunde (Auftakt) 25.09.2019 BV BeuelSeite 2 von 142 Seite 3 30.10.2019 Planungsausschuss 01.11.2019 Quartiersrundgang mit Akteuren vor Ort Dez 19/Jan 20 Akteursgespräche 30.01.2020 Arbeitsgespräch mit Gewerbetreibenden Mai 2020 Haushaltsbefragung Mai 2020 2. Verwaltungsrunde (digitaler Workshop) 16.06.2020 BV Beuel 11.08.2020 BV Beuel 23.09.2020 Öffentliches Forum 23.09.- 07.10.2020 Beteiligung über Bonn macht mit 23.11.2020 3. Verwaltungsrunde mit den beteiligten Fachämtern Der ISEK Bericht stellt mit seinen konzeptionellen Aussagen die Richtschnur der weiteren Entwicklung für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs dar. Dabei werden die verschiedenen Ansprüche und Belange, die von unterschiedlichen Akteuren im Planungs- und Beteiligungsprozess geäußert wurden, berücksichtigt. Leitidee und Handlungsräume Aktuell kennzeichnet sich das Quartier mit seiner Lage im Gewerbegebiet durch eine sehr heterogene Struktur, in der eine einmalige Nachbarschaft aus gewerblichen Unternehmen, privaten Wohnungen, kulturellen Einrichtungen, kreativen Produktionsstätten sowie sport- und freizeitlichen Angeboten existiert. Diese Nutzungen lassen sich in verschiedene Teilräume verorten und werden im ISEK als "Talente bzw. Cluster Räume im Quartier" bezeichnet. Diese umfassen - einen Ankunftsraum am Beueler Bahnhof, - ein Kreativ Cluster rund um die Räumlichkeiten der Tapetenfabrik, - ein Kultur Cluster in und um das Gelände der Theaterwerkstätten, - einen Showroom entlang der Siegburger Straße. Hierdurch ergibt sich die Leitidee der zukünftigen Entwicklung des Quartiers unter dem Slogan „Stärkung der Talente im Beueler Osten“. Im Sinne dieser Leitidee gilt es, die Teilräume funktional und gestalterisch aufzuwerten sowie vorhandene Angebote weiterzuentwickeln und zu ergänzen. Zur Umsetzung der Leitidee gibt es für jeden der obengenannten TeilräumeSeite 3 von 142 Seite 4 zusätzlich die unterstützenden Initiativen: - Gewerbe profilieren, - verkehrliche Erschließung verbessern, - Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität fördern, - Wohnen und Wohnumfeld qualifizieren, - Umsetzung begleiten und evaluieren. In den benannten „Clustern“ soll die zukünftige Entwicklung mit geeigneten Handlungsfeldern gelenkt und gefördert werden. Die vorhandenen Flächenpotentiale zum Ausbau der Kreativ- und Kulturwirtschaft sollen genutzt werden. Hierdurch kann einerseits die Identität des Kreativquartiers durch Sichtbarmachung des Vorhandenen gestärkt werden (Theaterwerkstätten und Tapetenfabrik). Aber auch Magnetwirkungen der Angebote zu einer Frequenzsteigerung und Vermarktung im Quartier beitragen. Weiterhin gilt es die Gewerbestandorte zu erhalten und zu profilieren. Hierzu zählt neben einer baulichen Aufwertung ebenso die Verbesserung der Auffindbarkeit von Einrichtungen und die Vermarktung bestehender Angebote. Gleichzeitig gilt es aber auch im Quartier die Aufenthaltsqualität zu verbessern und Erholungsmöglichkeiten für Bewohner und Besucher zu schaffen. Zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität gehört ebenso die Gestaltung von Ankunftsräumen u.a. des Beueler Bahnhofs und der Ortseingänge sowie die Verbesserung der Erreichbarkeit für den Fuß- und Radverkehr im Quartier. Aufgrund der Lage im Gewerbegebiet spielt der motorisierte Individualverkehr sowie die Anlieferungen für den LKW Verkehr eine wichtige Rolle. Zukünftig soll eine effizientere Abwicklung von Ziel- und Durchgangsverkehren sowie eine Reduzierung der Belastung von Konflikten zwischen Anwohnern und Verkehrsteilnehmern erzeugt werden. Die Wohnnutzung spielt aufgrund der Dominanz der gewerblichen Betriebe eine untergeordnete Rolle. Es bestehen punktuelle Leerstände und Sanierungsbedarfe an den Wohngebäuden. Als Zielsetzung wird es angestrebt den Bestand zu schützen und mit Sanierungsmaßnahmen die Erhaltung des Wohnbestandes zu sichern. In Hinblick auf die gesetzten Ziele zum Klimaschutz und der Klimaanpassung sollen auch im Quartier Maßnahmen zur Reduzierung der CO2 Emissionen sowie biodiversitätsfördernde Maßnahmen Einbindung finden. Maßnahmenprogramm Zur Umsetzung der Leitidee mit den genannten Handlungsfeldern wurde ein umfassendes Maßnahmenkonzept mit insgesamt 54 konkreten Einzelprojekten für das Programmgebiet östlich des Beueler Bahnhofs erarbeitet. Das Programmgebiet wird begrenzt durch den Bröltalbahnweg im Norden, den Pfaffenweg im Osten, die Röhfelstraße und Maarstraße einschließlich der Feuerwache im Süden und durch den Beueler Bahnhof bis zur Oberen Wilhelmstraße einschließlich der Brotfabrik im Westen (vgl. Anlage 6). Zu den Maßnahmen zählen sowohl von der Stadt oder privat Agierenden geplante und bereits teilweise realisierte Maßnahmen als auch neue Maßnahmenvorschläge. Eine Auflistung des Maßnahmenpakets ist als AnlageSeite 4 von 142 Seite 5 2 beigefügt. Eine ausführliche Erläuterung der Maßnahmen ist im ISEK Bericht im Kapitel 5 (ab S. 44) nachzulesen. Die einzelnen Maßnahmen werden mit jeweils einzelnen Steckbriefen dargestellt. Diese enthalten neben dem Maßnahmentitel eine Kurzbeschreibung der Maßnahme in der die Ausgangslage sowie zentrale Ziele, Beteiligte, die geschätzten Kosten mit Finanzierungszugängen und Umsetzungszeiträume dargelegt werden. Die Bundesstadt Bonn beabsichtigt im Jahr 2022 eine Förderung zu beantragen, daher ist das erste Jahr der Förderung 2023. Personalbedarf Die Begleitung der Umsetzung von einzelnen Maßnahmen wird insbesondere in der Verantwortung des Dez. III im Stadtplanungsamt und dem Tiefbauamt des Dez. IV mit dem Kulturamt und der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Theater liegen. Zur Vorbereitung und Umsetzung der im ISEK enthaltenen Maßnahmen wird im Stadtplanungsamt und im Tiefbauamt sowie im Kulturamt und Theater dringend zusätzliches Personal benötigt. Die in den Fachämtern beschäftigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind bereits voll ausgelastet und können die zusätzlich anfallenden umfangreichen Aufgaben der ISEK Umsetzung nicht leisten. Die Umsetzung der Maßnahmen wird ab dem Jahr 2023 erfolgen und kann daher nur vorbehaltlich zusätzlicher personeller Unterstützung beim Theater sowie in den Ämtern 61 und 66, die noch genauer auszuführen und zu beziffern ist, erfolgen. Hierzu wird nach Inkrafttreten des Haushaltes 2021/ 2022 –auch unter Berücksichtigung der Beantragung der Städtebaufördermittel im Herbst 2022 sowie der voraussichtlichen Gewährung dieser im Sommer 2023 – eine Vorlage zur Einrichtung der Stellen inkl. der Benennung der Bereitstellung der Mittel für die überplanmäßigen Ausgaben seitens der Verwaltung eingebracht. Anlage/n 1 Auflistung der Einzelmaßnahmen (öffentlich) 2 Übersichtsplan Gebietsabgrenzung (öffentlich) 3 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept östlich des Beueler Bahnhofs (öffentlich)Seite 5 von 142 MAßNAHMENÜBERSICHT Teilraum A: Ankunftsraum Bahnhof Beuel A1 Übergeordnete Qualifizierungsstrategie für das Bahnhofsumfeld��������������������������������������������������������������� 50 A1�1 Aufwertung und Instandsetzung des westlichen Bahnhofsvorplatzes �������������������������������������������������������� 51 A1�2 Nachnutzungsstrategie für das Bahnhofsgebäude ��������������������������������������������������������������������������������� 52 A1�3 Nachnutzungsstragie für den translozierten Güterschuppen ������������������������������������������������������������������� 53 A1�4 Schaffung eines östlichen Bahnhofsvorplatzes �������������������������������������������������������������������������������������� 54 A1�5 Planung eines zentralen Omnibusbahnhofs auf der Ostseite der Bahngleise ������������������������������������������� 55 A1�6 Durchstich des Verteilertunnels Bahnhof Beuel �������������������������������������������������������������������������������������� 56 A1�7 Ausbau der Königswinterer Straße ������������������������������������������������������������������������������������������������������� 57 A2 Realisierung einer Eckbebauung an der Ecke Königswinterer Straße und Maarstraße ���������������������������������� 58 A3 Künstlerische Gestaltung der Quartierseingänge ������������������������������������������������������������������������������������� 59 A4 Verlängerung und Ausbau der S13 �������������������������������������������������������������������������������������������������������� 60 Teilraum B: Showroom Siegburger Straße B1 Ermittlung des Instandsetzung- und Sanierungsbedarf entlang der Siegburger Straße ���������������������������������� 63 B2 Ausbaukonzeption für die Siegburger Straße ������������������������������������������������������������������������������������������� 64 B3 Realisierung von denkmalgerechten Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen in der Brotfabrik ������������� 65 B4 Sanierung und Nachnutzungskonzeption für die Problemimmobilie an der Ecke Obere Wilhelmstraße und Gustav-Kessler-Straße ���������������������������������������������������������������������������������������������� 66 B5 Aufwertung der Gleisunterführung auf Höhe der Siegburger Straße ����������������������������������������������������������� 67 B6 Wohnbauentwicklung im Umfeld der Pauluskirche auf der Siegburger Straße ��������������������������������������������� 68 B7 Einrichtung eines „Talentmanagements“ für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs und die Obere Wilhelmstraße ��������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 69 B8 Einrichtung eines Quartiersbeirats sowie eines Verfügungsfonds für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs ����������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 70 B9 Inszenierung von Kultur und Kreativwirtschaft entlang der Siegburger Straße ���������������������������������������������� 71 Teilraum C: Kreativ-Cluster Tapetenfabrik C1 Nachnutzung der Evonik-Brache ������������������������������������������������������������������������������������������������������������ 74 C2 Aufwertung des Straßenraums entlang der Auguststraße �������������������������������������������������������������������������� 75 C3 Tiefbaumaßnahmen am Siebenmorgenweg mit gleichzeitiger Aufwertung des Straßenraums Marquartstraße ��������������������������������������������������������������������������������������������������������� 76 C4 Errichtung eines Ergänzungsbaus der Tapetenfabrik neben der Marquart-Villa ������������������������������������������� 77 C5 Nachnutzung der Marquart-Villa ������������������������������������������������������������������������������������������������������������ 78 Teilraum D: Kultur-Cluster Theatergelände Siegburger Straße D1 Optimierung der Räumlichkeiten auf dem Theatergelände Siegburger Straße �������������������������������������������� 81Seite 6 von 142 D1�1 Verlagerung der Freiwilligen Feuerwehr ��������������������������������������������������������������������������������������������� 82 D1�2 Denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen an den Theaterwerkstätten �������������������������������������������������� 83 D2 Nutzungskonzeption für den Innenhof des Theatergeländes Siegburger Straße ����������������������������������������� 84 D2�1 Herstellung einer Wegeverbindung zwischen Theaterwerkstätten und Markthallen ��������������������������������� 85 D2�2 Herstellung der Erschließung der Theaterwerkstätten über die Fläche der Markthallen ��������������������������� 86 D3 Einbeziehung der Pauluskirche in das kulturelle Konzept des Theatergeländes Siegburger Straße ��������������� 87 D4 Öffnung der Markthallen �������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 88 Initiative E: Wohnen und Wohnumfeld qualifizieren E1 Aufwertung des Blockbereichs Josef-Thiebes-Straße, Paulusstraße, Siegburger Straße �������������������������������� 90 E2 Klärung der Realisierbarkeit von Betriebswohnungen für Künstlerinnen und Künstler sowie Kreative ������������ 91 Initiative F: Gewerbe profilieren F1 Einrichtung eines Infopfades über die industrielle und gewerbliche Geschichte und Entwicklung von Beuel-Ost ���������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������� 93 F2 Anlassbezogene Klärung der Realisierbarkeit von Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen im Quartier Beuel-Ost������������������������������������������������������������������������������������������������������������������������ 94 Initiative G: verkehrliche Erschließung verbessern G1 Realisierung eines Autobahnanschlusses an der Maarstraße ������������������������������������������������������������������ 96 G2 Aufstellen eines Verkehrskonzepts zur Änderung der Verkehrsführung im Quartier ������������������������������������ 97 G2�1 Realisierung eines Durchstichs zwischen Paulusstraße und Christian-Kölbach-Straße ����������������������������� 98 G2�2 Realisierung einer öffentlichen Wegeverbindung zwischen Königswinterer Straße und Paulusstraße ��������� 99 G2�3 Beschilderungssystem für Parkflächen im Umfeld des Theatergeländes an der Siegburger Straße����������� 100 G3 Aufstellung eines Nahmobilitätskonzepts für das Quartier �������������������������������������������������������������������� 101 G4 Aufwertung der Anbindungen an den Bröltalbahnradweg �������������������������������������������������������������������� 102 Initiative H: Klimaschutz und Klimaanpassung fördern H1 Hof- und Fassadenprogramm ����������������������������������������������������������������������������������������������������������� 104 H2 Klimaschutzprojekt Gewerbegebiet Beuel-Ost ������������������������������������������������������������������������������������� 105 H3 Integriertes quartiersbezogenes Klimaschutzkonzept����������������������������������������������������������������������������� 106 H4 Energetische Sanierung im Quartier��������������������������������������������������������������������������������������������������� 107 H5 Integriertes quartiersbezogenes Klimaanpassungskonzept �������������������������������������������������������������������� 108 Initiative I: Umsetzung begleiten und evaluieren I1 Erstellung eines integrierten Entwicklungskonzeptes ������������������������������������������������������������������������������� 110 I2 Einrichtung einer Prozessbegleitung ����������������������������������������������������������������������������������������������������� 111 I3 Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung ������������������������������������������������������������������������������������������ 112 I4 Beauftragung eines Quartiersarchitekten ��������������������������������������������������������������������������������������������� 113 I5 Durchführung der Evaluation und Fortschreibung des ISEK �������������������������������������������������������������������� 114Seite 7 von 142 3IDϑHQZHJ 5|KIHOGVWUDH 0DDUVWUDH *RHWKHDOOHH )HXHUZDFKH 2EHUH:LOFKHOPVWUDH 6LHJEXUJHU6WUDH $XJXVWVWUDH -RVHI7LHEHV6WUDH 3DXOXVVWUDH &KULVWLDQ.|OEDFK6WUDH 6LHJEXUJHU6WUDH 5|KIHOGVWUDH 3W]FKHQV&KDXVVHH *DUWHQVWUDH .|QLJVZLQWHUHU6WUDH .|QLJVZLQWHUHU6WUDH .|QLJVZLQWHUHU6WUDH )ULHGULFK%UHXHU6WUDH 0DDUVWUDH 3IDϑHQZHJ 6LHJEXUJHU6WUDH .UHX]VWUDH 1HXVWUDH +HUEHUW5DELXV6WU %DKQJHOlQGH (LVHQEDKQ %HXHOHU %DKQKRIVSODW] 1HXVWUDH 6WDGWEH]LUN%HXHO %XQGHVVWDGW%RQQ $PW $EJUHQ]XQJ0DQDKPHQJHELHWJHPlE%DX*% ,QWHJULHUWHVVWlGWHEDXOLFKHV(QWZLFNOXQJVNRQ]HSW IUGDV4XDUWLHU|VWOLFKGHV%HXHOHU%DKQKRIVSeite 8 von 142 BUNDESSTADT BONN Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für das Quartier östlich des Beueler BahnhofsSeite 9 von 142 2 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 plan lokal Körbel + Scholle Stadtplaner PartmbB Bovermannstraße 8 44141 Dortmund 0231.952083.0 www.plan-lokal.de Alfred Körbel Olaf Kasper Jan Niklas Lenßen März 2021 AUFTRAGGEBER AUFTRAGNEHMER Bundesstadt Bonn Stadtplanungsamt Berliner Platz 2 53111 Bonn Kerstin Hemminger Katharina Blümel projekt2508 GmbH Riesstraße 10 53113 Bonn 0228.184967.0 www.projekt2508.de Hans Helmut Schild Matthias Burzinski Helena Sykosch Alle Fotos und Abbildungen stammen – sofern nicht an- ders angegeben – von plan-lokal. ABBILDUNGSHINWEIS IMPRESSUMSeite 10 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 3 projekt2508 l plan-lokal INHALT 1 EINLEITUNG 6 1.1 Ausgangssituation und Aufgabe 6 1.2 Arbeits- und Dialogprozess 7 2 RAHMENBEDINGUNGEN 10 2.1 Planungsraum 10 2.2 Nutzungsstruktur 12 2.3 Demografische und soziale Situation 13 3 BESTANDSANALYSE UND -BEWERTUNG 15 3.1 Gewerbe, Einzelhandel und Gastronomie 15 3.2 Kreativwirtschaft und Quartierskultur 19 3.3 Wohnen und Wohnumfeld 22 3.4 Freiraum und Stadtgestalt 23 3.6 Verkehr und Mobilität 28 3.7 Bildung, soziale und GesundheitsInfrastruktur 31 3.8 Bestandsbewertung und Handlungsbedarfe 32 4 ZIELE, LEITBILD UND HANDLUNGSFELDER 36 4.1 Übergeordnete Leitlinien und Ziele 36 4.2 Leitidee 37 4.3 Handlungsfelder und Ziele 38 4.4 Räumliches Leitbild 42 5 MAßNAHMENKONZEPT 44 6 UMSETZUNGSKONZEPT 116 6.1 Umsetzung und Verstetigung 116 6.2 Monitoring und Evaluation 117 6.3 Abgrenzung des Programmgebietes 119 6.4 Kosten- und Finanzierungsübersicht 120 QUELLEN 128 ANHANG 131Seite 11 von 142 4 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 ABBILDUNGSVERZEICHNIS ABBILDUNG 1: ÜBERSICHT ÜBER INHALTLICHE UND DIALOGISCHE KONZEPTBAUSTEINE 9 ABBILDUNG 2: GESAMTSTÄDTISCHE EINORDNUNG 11 ABBILDUNG 3: ABGRENZUNG DES UNTERSUCHUNGSGEBIETS 12 ABBILDUNG 4: STÄRKEN-SCHWÄCHEN-CHANCEN-RISIKEN IM QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 33 ABBILDUNG 6: LEITIDEE FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 37 ABBILDUNG 7: RÄUMLICHES LETBILD FÜR DIE QUARTIERSENTWICKLUNG ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 43 ABBILDUNG 8: TEILRÄUME UND INITIATIVEN IM ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 45 ABBILDUNG 9: MAßNAHMENVERORTUNG IM QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS 47 ABBILDUNG 10: MAßNAHMENVERORTUNG TEILRAUM ANKUNFTSRAUM BAHNHOF BEUEL 49 ABBILDUNG 11: MAßNAHMENVERORTUNG TEILRAUM SHOWROOM SIEGBURGER STRAßE 62 ABBILDUNG 12: MAßNAHMENVERORTUNG KREATIV-CLUSTER TAPETENFABRIK 73 ABBILDUNG 13: MAßNAHMENVERORTUNG KULTUR-CLUSTER THEATERGELÄNDE SIEGBURGER STRAßE 80 ABBILDUNG 14: ABGRENZUNG DES PROGRAMMGEBIETES FÜR DAS ISEK ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS (VORSCHLAG) 119Seite 12 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 5 projekt2508 l plan-lokal Leerseite ist arbeitsbedingt, wird im finalen Layout entferntSeite 13 von 142 6 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 1 EINLEITUNG 1.1 AUSGANGSSITUATION UND AUFGABE Der Stadtbezirk Beuel umfasst alle rechtsrheini- schen Ortsteile Bonns und wird von mehreren, parallel zum Rhein verlaufenden Infrastrukturbän- dern gegliedert. Im mittleren Teil des Stadtbezirks befindet sich auf der Fläche westlich der Bahnstre- cke und der Königswinterer Straße bis zum Rhein, das Beueler Zentrum mit seinem zentralen Versor- gungsbereich, zahlreichen öffentlichen Einrichtun- gen und weitläufigen Wohnquartieren. Der Bereich östlich der Bahnstrecke bis zur Autobahn 59 ist hingegen überwiegend von gewerblichen Nutzun- gen geprägt, bevor sich nördlich der Straße „Pütz- chens Chaussee“ die Wohngebiete des Ortsteils Vilich anschließen. Diese Zweiseitigkeit prägender Nutzungen spiegelt sich auch in den funktionalen und stadträumli- chen Qualitäten wider: Während die dem Rhein zugewandte Seite ein attraktives Stadtquartier des rechtsrheinischen Bonns darstellt und auch die Einzelhandelsbereiche auf dieser Seite eine ange- messene Aufwertung erfahren haben, bildet das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs in vielerlei Hinsicht die „Rückseite“. Dem Gewerbegebiet mangelt es bislang an einem klar ablesbaren Profil. Weiterhin führt das stellen- weise dichte Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen zu einer Belastung der Wohnquartiere durch gewerblichen Ziel- und Quellverkehr. Positiv zu bewerten ist hingegen, dass die sehr heterogene Struktur besonders bei Betriebsverlagerungen oder -aufgaben Flächenpotenziale und Nischen für Zwischen- und Nachnutzungen unterschiedlicher Nutzungsbedarfe bieten kann. Stellenweise bieten aufgelassene Gewerbekomplexe Nutzenden, insbesondere aus dem kulturellen und kreativen Milieu, Räumlichkeiten für eine Vielzahl an Kunst- und Kulturangeboten sowie für die beherber- gung von Unternehmen der „Kreativen-Branche“. Gewerbekomplexe wie etwa das Pantheon Theater, das Werkstättengelände des Theaters Bonn oder die ehemalige Tapetenfabrik sind zu nennen. Wesentliche Aufgaben der Quartiersentwicklung östlich des Beueler Bahnhofs werden darin gese- hen, gemeinsam mit zentralen Akteurinnen und Akteuren sowie Interessensvertretungen die aktu- ellen Rahmenbedingungen sowie die zukünftigen Erfordernisse im Quartier zu bewerten. Hierfür soll einerseits der städtebauliche Qualifizierungsbe- darf benannt werden, andererseits aber auch die akteursbezogenen Strukturen der Gewerbetrei- benden und Kulturschaffenden weiterentwickelt werden (Netzwerke, Unterstützungsangebote,Seite 14 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 7 projekt2508 l plan-lokal Marketing etc.). Eine große Herausforderung ist dabei, dass sich insbesondere die „kreative Szene“ in sehr informellen Strukturen entwickelt – dies gilt gleichermaßen in städtebaulicher sowie in insti- tutioneller Hinsicht („Nischen“). Hier gilt es, dem Vorhandenen keine Strukturen „überzustülpen“, sondern vielmehr vielfältige Möglichkeitsräume zu eröffnen. Die Erstellung des integrierten Entwicklungskon- zeptes ist dabei eng mit einem Kommunikations- prozess verzahnt, der die breite Öffentlichkeit sowie private und öffentliche Akteurinnen und Akteure des Bezirks beteiligt. 1.2 ARBEITS - UND DIALOGPRO - ZESS Stadtentwicklung ist ein kommunikativer Prozess, in dem die Bürgerschaft, Fachakteure, Politik und Verwaltung gleichermaßen zu Wort kommen. Dementsprechend setzte sich der Erstellungspro- zess des Stadtentwicklungskonzeptes nicht nur aus planerischen, sondern auch aus dialogischen Bausteinen zusammen. Aus planerischer Sicht glie- derte sich der Prozess in eine Analyse-, eine Strate- gie- und eine Konzeptphase (s. Abbildung 1). In der Analysephase diente die Bestandsaufnahme einer Standortbestimmung über relevante planerische und meinungsprägende Aspekte. Diese bestimm- ten die Ausgangssituation und die Rahmenbe- dingungen des Planungs- und Dialogprozesses. Hierzu erforderliche Informationen wurden über eine Grundlagenauswertung, ergänzende Fachge- spräche und Ortsbegehungen gesammelt. Dieser Schritt mündete, in Form eines Stärken und Schwä- chenprofils, in eine Bestandsbewertung des Quar- tiers im Beueler Osten. Darauf aufbauend wurden Leitbilder für die Stadtentwicklung angefertigt sowie Handlungsfelder und Ziele definiert. In der abschließenden Konzeptphase flossen die bisheri- gen Erkenntnisse in die Erstellung eines Maßnah- menkonzeptes für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs ein. Begleitet wurden diese Phasen von kommunikativen Bausteinen, die den Prozess mit Anregungen, kritischen Reflexionen, Ortskenntnis- sen und Ideen für die Stadtentwicklung anreicher- ten (s. Abbildung 1). Verwaltungsrunden Im Laufe des ISEK-Prozesses fanden drei Verwal- tungsrunden mit Vertretungen der Fachbereiche, Ämter und städtischen Gesellschaften statt. Die erste Runde diente dazu, projektrelevante Infor- mationen der verschiedenen Stellen bezüglich der Quartiersentwicklung zusammenzutragen. Dadurch konnten fachspezifische Grundlagenin- formationen gewonnen, Handlungsbedarfe iden- tifiziert sowie bereits vorliegende Planungen oder vorgesehene Maßnahmen im Ortsteil im Rahmen des Ortsteilentwicklungskonzeptes sinnvoll koor- diniert werden. In der zweiten Verwaltungsrunde wurde der aktuelle Planungsstand bestehend aus Bestandsanalyse, Handlungsfeldern und Ziel- setzungen sowie erste Ansätze für eine Leitidee und Maßnahmen zur Diskussion gestellt. In einer abschließenden Verwaltungsrunde gegen Ende des Erstellungsprozesses wurden die Maßnahmen des ISEK auf Zuständigkeiten, Kostenschätzungen und Finanzierungszugänge untersucht. Die Beteiligung der städtischen Verwaltung hatte insbesondere, die sicherstellung der zukünftigen Umsetzung des Entwicklungskonzeptes, zum Ziel. Akteursgespräche Für die qualitative Untersuchung der Situation im Quartier und um wichtige Akteurinnen und Akteu- re für einen Umsetzungsprozess zu identifizieren, wurden Akteursgespräche in verschiedenen Forma- ten durchgeführt. Damit konnten Erkenntnisse über das Quartier speziell aus der Perspektive relevan- ter Personen und Interessensvertretungen zusam- mengetragen werden. Aufgrund der hohen Anzahl fanden neben Einzelgesprächen auch Gruppenge- spräche und ein Quartiersrundgang statt.Seite 15 von 142 8 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 Der Quartiersrundgang diente dazu, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Projektge- meinschaft und der Verwaltung, die Qualitäten vor Ort zu erkennen und gleichzeitig Orte mit Handlungsbedarfen zu identifizieren. Kernanlie- gen des Rundgangs war der Besuch bei vorher ausgewählten Gewerbetreibenden. So konnten nicht nur die Meinungen und Sichtweisen aufge- nommen, sondern auch ein Blick hinter die Kulis- sen ermöglicht werden. Folgende Standorte und Unternehmen waren Anlaufpunkte beim Quartiers- rundgang: Markthallen (Christian-Kölbach Straße), Werkstätten der Lebenshilfe Bonn (Röhfeldstraße), Firma Holzwurm und Blattlaus (Paulusstraße), Boulders Habitat (Paulusstraße), Firma Kessko (Königswinterer Straße), Sportfabrik (Auguststraße). Einzelgespräche fanden mit Vertretern der Tape- tenfabrik, dem Jungen Theater, der Firma Evonik, dem Pantheon, dem Theater, der Pauluskirche und der Deutschen Bahn (DB Immobilien) statt. Darüber hinaus fanden Gespräche mit der Initi- ative Quartiersentwicklung Beuel-Ost und ein Arbeitsgespräch mit etwa 30 Gewerbetreibenden und -eigentümern in Beuel-Ost statt. Haushaltsbefragung Im Mai 2020 wurden, im Zuge der Haushaltsbe- fragung, 598 Fragebögen an alle Personen mit Erst- oder Zweitwohnsitz im Untersuchungsgebiet sowie den Grundstücksdreiecken Röhfeldstra- ße/Maarstraße/Pfaffenweg sowie Pfaffenweg/ Röhfeldstraße/Pützchens Chausee geschickt. 28 Fragebögen konnten nicht zugestellt werden. 94 Fragebögen wurden ausgefüllt zurückgesendet, was einer Rücklaufquote von ca. 16 % entspricht. Der Fragebogen umfasste Fragen zur Wohns- tandortwahl, zum Wohnumfeld, der Wohnsituati- on sowie zu kulturellen Angeboten innerhalb des Quartiers (s. Anhang). Die Anwohnerinnen und Anwohner waren aufgefordert ihr Quartier im Hinblick auf verschiedene Aspekte zu bewerten und eine Einschätzung abzugeben, welche Aspek- te es primär zu verbessern gilt. Die Ergebnisse der Befragung sind direkt in die Bestandsbewertung eingeflossen und finden sich in den jeweiligen Kapiteln des Berichts (s. Kapitel 3). Beteiligung der Politik Im Laufe des Erstellungsprozesses wurde die lokale Politik, in Form der Bezirksvertretung Beuel, regel- mäßig über den aktuellen Planungsstand informiert. Gleichzeitig erhielten die politischen Vertreterinnen und Vertreter die Möglichkeit, Fragen zu stellen sowie Anregungen und Meinungen zu äußern. Öffentliches Forum am 23.09.2020 Arbeitsgespräch mit Gewerbetreibenden am 30.01.2020Seite 16 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 9 projekt2508 l plan-lokal Öffentliches Forum Im Rahmen eines öffentlichen Forums am 23. September 2020 erhielt die interessierte Öffent- lichkeit die Möglichkeit, sich über Inhalte des ISEK zu informieren, Fragen zu stellen sowie Meinungen und Anregungen zu konkreten Inhalten (Bestands- analyse, Ziele, Leitbild, Maßnahmenansätze) zu äußern. An der Veranstaltung nahmen rund 50 Bürgerinnen und Bürger teil. Die Anregungen wurden gesammelt, dokumentiert und sind in die Erstellung des ISEK eingeflossen. Online-Beteiligung Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Anforderungen an Hygiene- und Abstandsregeln für Veranstaltungen sowie als Ergänzung zum öffentlichen Forum wurde eine weitere Beteiligungsmöglichkeit für die Öffentlich- keit auf der städtischen Internetseite „Bonn macht mit“ durchgeführt. Schwerpunkt der Online-Betei- ligung waren die Maßnahmenansätze des ISEK, die in Form von Kurzbeschreibungen sowie einer Kartenanwendung präsentiert und kommentiert wurden. Insgesamt wurden 117 Kommentare verfasst und 431 Bewertungen von Maßnahmen- vorschlägen sowie Kommentaren vorgenommen, die insbesondere in die Ausfertigung der Maßnah- men für das ISEK eingeflossen sind. Quartiersrundgang 01.11.2019 Präsentationen BV Beuel/Planungsausschuss 25.09.2019/30.10.2019 Akteursgespräche Dezember 2019 / Januar 2020 Haushaltsbefragung Juni 2020 Verwaltungsrunde Mai 2020 ANALYSE BESTANDSANALYSE BESTANDSBEWERTUNG („SWOT“) LEITBILD KONZEPT STRATEGIE MAßNAHMENKONZEPT UMSETZUNGSKONZEPT Verwaltungsrunde 23.11.2020 Onlinebeteiligung über Bonn macht mit 23.09. – 07.10.2020 Öffentliches Forum 23.09.2020 Information / Beratung in politischen Gremien 1./2. Quartal 2021 Präsentationen in der BV Beuel 16.06.2020 und 11.08.2020 Abbildung 1: Übersicht über inhaltliche und dialogische Konzeptbausteine HANDLUNGSFELDER UND ZIELE Arbeitsgespräch mit Gewerbetreibenden 30.01.2020 Verwaltungsrunde 11.07.2019Seite 17 von 142 10 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 2 RAHMENBEDINGUNGEN 2.1 PLANUNGSRAUM Gesamtstädtische Einordnung und Orts- teilprofil Das Untersuchungsgebiet liegt im Osten der Bundesstadt Bonn im rechtsrheinischen Stadtbezirk Beuel. Beuel ist einer von insgesamt vier Stadtbe- zirken und umfasst alle Bonner Ortsteile östlich des Rheins. Der Stadtbezirk Beuel ist mit etwa 67.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der kleinste der vier Stadtbezirke Bonns (Stadt Bonn 2020A). Kern des Stadtbezirks bildet das urbane Quartier um die B56 und die Friedrich-Breuer-Straße in Beuel-Mitte (s. Abbildung 2). Mit dem Bürgeramt Beuel, dem Sitz der Bezirksvertretung und einem vielfältigen Angebot an Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie Wohnraum bildet das urbane Quartier das Zentrum des Stadtbezirks. Der Ortsteil Beuel-Mitte erstreckt sich entlang der Friedrich-Breuer-Straße bis zum Bahnhof Beuel als zentralen Knotenpunkt im Nahverkehr. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bahngleise tren- nen Beuel-Mitte vom angrenzenden Quartier in Beuel-Ost. Das im Rahmen dieses ISEK zu untersu- chende Quartier, befindet sich östlich des Beueler Bahnhofs. Im Gegensatz zum Beueler Zentrum ist das Quartier im Beueler Osten durch gewerbli- che Nutzungen geprägt. Neben den gewerblichen Betrieben spielen kulturelle und kreative Angebo- te, wie das Pantheon-Theater, die Theaterwerkstät- ten oder die Tapetenfabrik eine wichtige Rolle im Quartier. Abgrenzung des Untersuchungsgebiets Das Untersuchungsgebiet befindet sich überwie- gend östlich des Beueler Bahnhofs, beinhaltet jedoch zusätzlich den westlich gelegenen Bahn- hofsvorplatz sowie den Bereich an der Gleisunter- führung der Oberen Wilhelmstraße (s. Abbildung 3). Östlich der Bahngleise erstreckt sich das Unter- suchungsgebiet bis zum Pfaffenweg. Die nördliche Grenze des Untersuchungsgebiets bildet der Bröl- talbahnweg, während die Röhfeldstraße und die Maarstraße die südliche Gebietsgrenze bilden. Nicht zum engeren Untersuchungsraum zählt das von Wohn- und Einzelhandelsnutzungen dominier- te Zentrum Beuels, wobei Übergangsbereiche wie die Obere Wilhelmstraße oder Anknüpfungspunk- te an verschiedene Kultureinrichtungen berücksich- tigt wurden.Seite 18 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 11 projekt2508 l plan-lokal Beuel Mitte Ramersdorf Oberkassel Holtorf Holzlar Beuel Ost Pützchen Geislar Schwarzrheindorf B56 B56 A59 A59 Siegburger Straße Pützchens Chausee Königswinterer Straße Bahnhof Beuel Vilich Bonn Zentrum Abbildung 2: Gesamtstädtische Einordnung Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-lokal auf Basis des digitalen Basis-Landschaftsmodells (Basis-DLM) und der digitalen Verwaltungsgrenzen NW, Stand Mitte 2019, Herausgeber: Geobasis NRW, Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0.Seite 19 von 142 12 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 2.2 NUTZUNGSSTRUKTUR Aus der Kartierung der Nutzungen im Quartier wird die gewerbliche Prägung deutlich. Klein- und großflächige Gewerbenutzungen sind sowohl innerhalb als auch in direkter Nähe zum Unter- suchungsraum angesiedelt. Dabei handelt es sich neben klassischen Gewerbebetrieben beson- ders um Kfz-Betriebe und Großhändler. Neben vereinzelten Wohn- und Einzelhandelsnutzungen ziehen sich Kultur- und Freizeitangebote durch das Gebiet. Das Pantheon Theater sowie das Theater Bonn liegen beispielsweise recht zentral im Unter- suchungsgebiet. Die westliche Grenze des Unter- suchungsraumes bildet der Bahnhof Bonn-Beuel. Die Nutzungskartierung des Gewerbequartiers zeigt eine durchaus kleinteilige Parzellierung der ansässigen Betriebe. Die flächenintensivste Nutzung stellt das Theater Bonn (inkl. Pantheon- Theater) dar. Daneben ist der überwiegende Teil der ansässigen Unternehmen im produzierenden Gewerbe sowie im Baugewerbe tätig. Auffällig ist Realnutzung im Untersuchungsgebiet Grundlage: Stadt Bonn; Bearbeitung: plan-lokal Abbildung 3: Abgrenzung des Untersuchungsgebiets Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-loka auf Basis von openstreetmap (© OpenStreetMap-Mitwirkende) ohne MaßstabSeite 20 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 13 projekt2508 l plan-lokal das Nebeneinander von Wohn- und Gewerbenut- zungen im Untersuchungsgebiet, insbesondere entlang der Siegburger Straße. Der rechtsgültige Flächennutzungsplan der Bundesstadt Bonn weist den überwiegenden Teil des Untersuchungsgebiets als Gewerbegebiet aus. Ein Streifen südlich der Siegburger Straße ist als Mischgebiet ausgewiesen. Dieser Streifen umfasst den Wohnblock zwischen der Siegburger Straße, der Königswinterer Straße, der Paulusstraße und der Josef-Thiebes-Straße sowie das Theatergelän- de im weiteren Verlauf der Siegburger Straße. 2.3 DEMOGRAFISCHE UND SOZIALE SITUATION Mit ca. 330.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Bonn die neuntgrößte Stadt in Nordrhein-West- falen. Seit der Jahrtausendwende verzeichnet die Bundesstadt Bonn kontinuierlich Bevölkerungs- zuwächse und wird auch in Zukunft voraussicht- lich weiter wachsen. Das Bevölkerungswachstum kommt in der Stadt insbesondere durch ein posi- tives Wanderungssaldo, vor allem durch junge Bildungswanderer, zustande (Stadt Bonn 2019A). Räumlich detailliertere Daten zur Bevölkerungs- entwicklung werden für die Bundesstadt Bonn für die Ebenen der statistischen Bezirke zusammen- gestellt. Das Untersuchungsgebiet liegt im Statisti- schen Bezirk Beuel-Ost. Hierzu gehört neben dem Gewerbegebiet Beuel-Ost ebenfalls das Wohnge- biet Neu-Villich. Konkretere Daten allein für das Untersuchungsgebiet liegen nicht vor, auch weil der Großteil des Gebiets von gewerblichen Nutzungen geprägt ist und das Wohnen eine untergeordnete Rolle einnimmt. Obwohl sich die beiden Gebiete in ihrer Typologie und Nutzung stark unterschei- den, ist es sinnvoll einen Blick auf die Bevölke- rungsdaten und die demografische Entwicklung des Bezirkes zu werfen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die potenziellen Nutzenden von kultu- rellen oder sonstigen Angeboten in Neu-Villich, Beuel-Zentrum oder Beuel-Ost selbst. Im Statistischen Bezirk Beuel-Ost wohnten zum Stichtag 31.12.2018 etwa 6.000 Personen in 2.854 Haushalten. Im Zuge der Haushaltsbefra- gung wurden nahezu 600 Haushalte im geringfü- gig erweiterten Untersuchungsgebiet identifiziert. Legt man den Durchschnittswert von Personen pro Haushalt zum letzten Stichtag zu grunde (2,1), erhält man etwa 1.260 wohnhafte Personen im Untersuchungsgebiet. Diese Zahl stellt lediglich einen Annäherungswert dar. Mit durchschnittlich 41 Jahren war die Bevölkerung im Statistischen Bezirk Beuel-Ost zudem etwas jünger als die Bevöl- Flächennutzungsplan Bundesstadt Bonn (Ausschnitt) Quelle: Stadt BonnSeite 21 von 142 14 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 kerung der Gesamtstadt, wobei in etwa die Hälf- te der Einwohnerinnen und Einwohner zwischen 30 und 65 Jahren alt war. Der Altenquotient lag sowohl unter dem Durchschnitt der Stadt, als auch unter dem des Stadtbezirks Beuel und dem Statistischen Bezirk Beuel-Zentrum, in welchem knapp 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben. 5,2% der Einwohnerinnen und Einwoh- ner von Beuel-Ost waren zum Stichtag arbeits- los. Die Arbeitslosenquote lag damit unter dem städtischen Durchschnitt, aber etwas höher als im Bezirk Beuel-Zentrum. Der Anteil der Perso- nen im erwerbsfähigen Alter, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen, lag im Statisti- schen Bezirk Beuel-Ost mit ca. 13% etwa auf dem Niveau der Gesamtstadt, war jedoch doppelt so hoch wie im Bezirk Beuel-Zentrum. Die Anzahl der Ein-Personen- und Mehr-Personen-Haus- halte waren in Beuel-Ost nahezu gleich. Hierin unterschied sich das Gebiet sowohl stark vom Beueler Zentrum, als auch von der Gesamtstadt, wo jeweils die Zahl der Ein-Personen-Haushalte deutlich überwiegt. Bei mehr als einem Fünftel aller Haushalte in Beuel-Ost handelte es sich um Haushalte mit Kindern. Der Bezirk liegt in diesem Punkt über dem städtischen Durchschnitt und weit über dem Wert des Bezirks Beuel-Zentrum. (Stadt Bonn 2019B und 2019C) Es wird deutlich, dass trotz der gewerblichen Prägung des Untersuchungsgebiets (s. Kapi- tel 2.2) eine erhebliche Wohnbevölkerung vorhanden ist. Auch wenn die Wahrnehmung schwerpunktmäßig nicht auf der Wohnbevölke- rung sondern auf den gewerblichen Nutzungen liegt, ergibt sich aus der Betrachtung der sozio- demographischen Situation der Bedarf eine zukunftsfähige und vernünftige Wohnsituatio- nen sicherzustellen. Gleichzeitig ist das Gebiet nach Einschätzung des Amtes für Soziales und Wohnen der Bundesstadt Bonn sozial unauffällig und erfordert diesbezüglich keine entsprechen- den Maßnahmen.Seite 22 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 15 projekt2508 l plan-lokal 3 BESTANDSANALYSE UND -BEWERTUNG Wo steht das Quartier östlich des Beueler Bahn- hofs ? Auf welcher Ausgangssituation basiert die Stadtentwicklung der nächsten 15 bis 20 Jahre? Auf welche Strukturen lässt sich aufbauen und welche Strukturen gilt es neu aufzubauen oder anzupassen? Diese Fragen spannen den inhaltli- chen Rahmen der Bestandsanalyse und -bewer- tung und erfordern dabei einen integrierten Ansatz der Betrachtung. Integriert bedeutet dabei, dass sämtliche Handlungsfelder der Stadtentwicklung (u.a. Wohnen, Gewerbe, Mobilität, Freiraum, öffentlicher Raum, Städtebau, Kultur, Kreativ- wirtschaft, ...) im Kontext zu einander betrachtet werden, harte und weiche Standortfaktoren glei- chermaßen berücksichtigt werden sowie die Inhalte gemeinsam mit der Öffentlichkeit, der Verwaltung, Fachakteuren und der Politik erarbeitet bzw. disku- tiert werden. Die Bestandsanalyse stellt die Ergebnisse der Eindrücke und Erkenntnisse aus den stattgefun- denen Beteiligungsformaten, der Auswertung von Gutachten und Konzepten dar. Die Erkenntnisse eigener Ortsbegehungen und fachlichen Einschät- zungen fließen in die Darstellung mit ein. 3.1 GEWERBE, EINZELHANDEL UND GASTRONOMIE Bedeutung des Gewerbegebietes Beuel-Ost ist als größtes zusammenhängendes Gewerbegebiet von besonderer Bedeutung für die Bundesstadt Bonn. Aufgrund seiner Größe und der gewachsenen kleinteiligen Nutzungsstruk- tur ist das Gebiet besonders flexibel und weniger anfällig gegenüber negativen Effekten struktureller Veränderungen (Rat der Stadt Bonn 2009). Ergeb- nisse aus den Arbeitsgesprächen mit gewerbli- chen Akteurinnen und Akteuren zeigten weiterhin, dass für die Ansiedlung der aktuell ansässigen Gewerbeunternehmen oftmals historische Gründe ausschlaggebend waren. Gemäß dem Fachbeitrag für Gewerbe- und Indus- trieflächen der Bundesstadt Bonn aus dem Jahr 2018 werden in der Bundesstadt bis zum Jahr 2035 etwa 59 ha an Industrieflächen und 194 ha Gewerbeflächen benötigt. Der hohe Bedarf steht relativ geringen Flächenreserven gegenüber. Hieraus ergibt sich ein Fehlbedarf von über 30 ha an Industrieflächen und 140 ha für gewerbliche Nutzungen. Bei der Entwicklung neuer Gewer- beflächen ist der Gestaltungsspielraum der Stadt jedoch begrenzt, da es sich bei den meisten Potenzialflächen um Areale in privatem EigentumSeite 23 von 142 16 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 handelt. Dies gilt auch für die Verbleibenden 1,8 ha Reserveflächen im Gewerbegebiet Beuel-Ost. (Stadt Bonn 2017A) Um dennoch auch in Zukunft Flächen für gewerbliche und industrielle Nutzun- gen vorhalten zu können, soll das Gewerbegebiet Beuel-Ost in seiner heutigen Form größtenteils gesichert werden. Dies gilt insbesondere für die Flächen, die zurzeit bereits industriell oder durch klassisches Gewerbe genutzt werden. Diese sind planungsrechtlich als Gewerbe- bzw. Industriege- biete ausgewiesen und werden als solche auch in Zukunft benötigt, um die, auch regional bedeut- same, Ansiedlung von entsprechenden Betrieben weiterhin zu ermöglichen. Gewerbe Das Gewerbegebiet im Beueler Osten weist eine vielfältige Nutzungsmischung in einer überwie- gend kleinteiligen Parzellierung auf. Den größten Anteil machen Betriebe aus, welche im klassischen Gewerbe tätig sind. Hierzu gehören Betriebe des produzierenden Gewerbes, Logistikunternehmen, Werkstätten sowie Lagerplätze und -hallen. Letzte- re bilden, neben den Betriebsflächen der Firmen Evonik und Kessko sowie dem Theaterareal, die flächenintensivsten Nutzungen. Etwa ein Drittel der ansässigen Betriebe ist im Dienstleistungssektor tätig und über das gesamte Gewerbegebiet verteilt. Größere bzw. prägende Unternehmen dieser Art fehlen, was den Schwerpunkt des Gebietes im klassischen Gewerbe unterstützt. Eine Ausnah- me hiervon bilden einige Bereiche innerhalb der Quartiersabgrenzung wie die Auguststraße, der Siebenmorgenweg und der Bröltalbahnweg. Hier sind, in und um die alte Tapetenfabrik, verschie- denste Dienstleister und kleinere Unternehmen angesiedelt. Fast ein Viertel der ansässigen Betrie- be im Gewerbegebiet sind im weitesten Sinne im Automobilsektor tätig. Hierunter fallen Neu- und Gebrauchtwagenhändler, Kfz-Werkstätten sowie Automobilverwertungen. (Stadt Bonn 2019D) Die Anteile der Gewerbearten spiegeln sich auch in den Beschäftigtenzahlen des Bezirks Beuel-Ost wider. 37% der Beschäftigten sind im verarbeiten- den Gewerbe tätig, etwa ein Viertel im Kfz-Handel und der Lagerei (Stadt Bonn 2013). Unternutzung, Leerstände und Brachflächen Einige Flächen im Gewerbegebiet sind zurzeit untergenutzt oder liegen brach. Beispielhaft zu nennen sind die Flächen zwischen den Bahnglei- sen und der Königswinterer Straße, die größten- teils als Unterstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge genutzt werden. Insbesondere an dieser promi- nenten Lage vermitteln die Flächen eine mindere Standortqualität. Die Vielzahl an flächenintensiven Autoverwertern im gesamten Untersuchungsgebiet, verstärken diesen Eindruck. Des Weiteren entsteht Unterbringungen für Kraftfahrzeuge entlang der Königswinterer Straße Autohändler im UntersuchungsgebietSeite 24 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 17 projekt2508 l plan-lokal ein ungeordnetes Erscheinungsbild des Gebietes. Eine weitere bedeutende Brachfläche stellt das Grundstück der Firma Evonik an der Kreuzung der Siegburger Straße und der Königswinterer Stra- ße dar. Da sich die Brachfläche am Eingang zum Quartier östlich des Beueler Bahnhofs ebenfalls in einer prominenten Lage befindet, vermittelt auch sie eine mindere Standortqualität. Zudem bleiben Potenziale zur Schaffung eines attraktiven Quar- tierseingang ungenutzt. Einzelhandel Durch einen Ratsbeschluss im Jahr 2012 wurde das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Bundesstadt Bonn von 2008 dahingehend geän- dert, dass das B-Zentrum Beuel über die Bahnlinie hinaus erweitert wird (Rat der Stadt Bonn 2012). Laut Einzelhandels- und Zentrenkonzept besitzen B-Zentren Einzelhandelsangebote in allen Bedarfs- bereichen, auch in Wettbewerbssituation, sowie ein breites einzelhandelsnahes Dienstleistungsangebot wie Apotheken oder Reisebüros. B- Zentren oder auch Stadtbezirkszentren stellen das Bindeglied zwischen dem A-Zentrum (Innenstadt Bonn) und den C-Zentren (Ortsteilzentren) dar (Stadt Bonn 2008). Das Zentrum Beuel umfasst nun, ausge- hend von der Bahnunterführung, beiderseitig die Grundstücke entlang der Siegburger Straße (bis zum Theatergelände) und der Königswinterer Stra- ße (bis zur Maarstraße). Dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept entsprechend (Stadt Bonn 2008) sind die Flächen im Quartier für die Ansiedlung von Betrieben mit zentren- und nahversorgungsre- levanten Sortimenten vorgesehen. Großflächiger Lebensmitteleinzelhandel ist im Bereich östlich der Bahnlinie jedoch ausgeschlossen. Gleiches gilt für den Rest des Gewerbegebietes, in welchem jeglicher großflächiger Einzelhandel unzulässig ist. Ausgenommen hiervon sind die Grundstücke entlang der Königswinterer Straße (südlich Maar- straße). Diese sind im Einzelhandels- und Zentren- konzept als Eignungsflächen für nicht zentren- und nicht nahversorgungsrelevanten Einzelhandel dargestellt. Ausnahmesweise sollen zentrenrele- vante Sortimente hier maximal als Randsortiment auf 10% der Verkaufsfläche bzw. maximal 800m² eines Marktes mit nicht zentrenrelevanten und nicht nahversorgungsrelevanten Sortiment angeboten werden. (Stadt Bonn 2008) Der Einzelhandel spielt im Untersuchungsgebiet lediglich eine untergeord- nete Rolle. Entlang der Siegburger Straße und der Königswinterer Straße sind vereinzelt Einzelhan- delsbetriebe in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gewerbebetrieben oder Wohnnutzungen angesie- delt. Im bzw. unmittelbar angrenzend an das Unter- suchungsgebiet sind drei Lebensmittel-Discounter (Aldi, Lidl, Penny) angesiedelt. Diese überneh- men eine Versorgungsfunktion für die Anwohner- schaft sowie im Quartier arbeitende Personen. Zur Versorgung der Bevölkerung dient zudem noch das D-Zentrum an der Siegburger Straße mit vorhan- denem kleinflächigem Einzelhandelsbesatz (Stadt Bonn 2008). Der Kern des zentralen Versorgungs- bereichs liegt allerdings im östlich angrenzenden Ortsteil Beuel-Mitte. Das Gebiet erstreckt sich westlich der Bahnlinie über die Friedrich-Breuer- Straße und den Konrad-Adenauer-Platz bis hin zur Kennedybrücke und stellt ein für umliegende Ortsteile bedeutsames Einzelhandelszentrum dar.Zentrumsbereich des Einzelhandels um den Bahnhof Beuel Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-loka auf Basis von openstreetmap (© OpenStreetMap-Mitwirkende)Seite 25 von 142 18 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 Die Verbindung zwischen dem Zentrumskern in Beuel-Mitte und dem Quartier östlich des Beueler Bahnhofs stellt die obere Wilhelmstraße dar. Die Verknüpfung der Einzelhandelslagen wird aller- dings durch die Bahnlinie beeinträchtigt, die eine Barriere darstellt. Entlang der oberen Wilhelmstra- ße sind erste Anzeichen einer Revitalisierung, nach zwischenzeitlichen Trading-Down-Effekten durch verstärkte Leerstände erkennbar. Durch die Nähe zu Beuel-Mitte und den vorhandenen Lebensmit- teln-Discountern ist das Quartier östlich des Beue- ler Bahnhofs einzelhandelstechnisch gut versorgt. Gastronomie Das gastronomische Angebot im Untersuchungs- gebiet und im direkten Umfeld besteht aus Schnellimbissen, Filialen großer Fast-Food-Ketten und wenigen inhabergeführten Restaurants. Die entsprechenden Einrichtungen sind in und um das gesamte Untersuchungsgebiet verteilt und liegen überwiegend an den Hauptzufahrtsstraßen Königs- winterer Straße oder Pützchens Chaussee. Damit befindet sich das vorhandene Angebot abseits der, auch in den Abendstunden frequentierten, Einrich- tungen wie z.B. dem Theatergelände oder den Sporteinrichtungen. Qualitätsvolle und attraktive gastronomische Betriebe, die über ihre Versor- gungsfunktion im Mittags- und Abendbereich hinaus einen sozialen Treffpunkt für die im Gebiet wohnenden oder arbeitenden Menschen bilden, gibt es im Quartier allerdings nicht. Ebenfalls findet keine Kombination aus gastronomischen Angebo- ten und den ansässigen kulturellen oder gewerbli- chen Unternehmen, Akteurinnen und Akteuren im Quartier statt. Ein Potenzial bieten diesbezüglich die Markthal- len an der Christian-Kölbach-Straße. Durch einen aktuell bestehenden Erbbaurechtsvertrag und den damit verbundenen Nutzungsbeschränkungen können Waren dort nur an Großhändler verkauft werden. Seitens der Erbbaurechtsnehmer besteht ein Interesse an einer Nutzungsausweitung. Das relativ einseitige gastronomische Angebot wird auch von Teilnehmenden der Haushaltsbefragung, des Arbeitsgespräch Gewerbe und des öffentlichen Forums bemängelt. Eine Ausweitung des gastrono- mischen Angebotes wurde mehrfach angeregt.Schnellimbiss an der Königswinterer Straße Schnellimbiss an der Kreuzung Siegburger Straße / Pützchens ChausseeSeite 26 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 19 projekt2508 l plan-lokal 3.2 KREATIVWIRTSCHAFT UND QUARTIERSKULTUR Exkurs: Kultur- und Kreativwirtschaft Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird auf einem durch die Wirtschaftskonferenz der Länder beschlossenen Abgrenzungsmodell in zwölf Teil- märkte eingeteilt. Dazu zählen die Musik-, Film-, Rundfunk-, Design- und Architekturwirtschaft, der Buch-, Kunst-, Presse- und Werbemarkt sowie der Markt für darstellende Künste und die Software- bzw. Gamesindustrie (Büro für Kulturwirtschafts- forschung 2016). Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine leistungsfähige Wirtschaftsbranche in NRW und ein wichtiger Beschäftigungsmarkt in der Region: Die Unternehmen und Selbstständi- gen der Branche erwirtschaften mit einen Umsatz von rund 39 Milliarden Euro pro Jahr, knapp ein Viertel des Gesamtvolumens der bundesweiten Kultur- und Kreativwirtschaft. Gleichzeitig arbei- ten rund 300.000 Erwerbstätige und damit 3,8% der Gesamtbeschäftigung in NRW in dieser Bran- che. Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 20,5 Milliarden Euro tragen sie mit einem Anteil von 22,7% zur Wertschöpfung der bundeswei- ten Kultur- und Kreativwirtschaft bei. In NRW setzte sich der Wachstumstrend von Umsatz und Beschäftigung des ersten Berichts 2015 bis zum aktuellen Bericht 2018 fort. Die Umsätze stiegen in dieser Zeit jährlich um 2,2%, die Erwerbstätigen um jeweils 1,3% an. Gleichzeitig nahm die Anzahl geringfügig Beschäftigter zugunsten der Gruppe der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ab (-3,0% pro Jahr). (Creativ Report 2019) Dies ist nur ein Ausschnitt der Zahlen und Daten, die die Stärke und wirtschaftliche Bedeutung der Branche in Nordrhein-Westfalen verdeutlichen. Zahlreiche Städte und Bundesländer in Deutsch- land (z.B. Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Bayern, Sachsen) oder Staaten für ihr gesamtes Gebiet (z.B. Österreich) lassen regel- mäßig Kreativwirtschaftsberichte erstellen, um den wirtschaftlich bedeutenden Markt besser beobach- ten und gegebenenfalls unterstützen zu können. Die starken Verflechtungen innerhalb der Krea- tivwirtschaft mit anderen Wirtschaftszweigen führt dazu, dass sich die entsprechenden Unternehmen oftmals als Schlüsselfaktoren für die Dynamisie- rung der Wirtschaft darstellen. Regionalpolitiker und Stadtplaner weltweit sind sich, spätestens seit den ersten Publikationen Richard Floridas 2002 und 2005 zu diesem Thema, einig, dass Kreativwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Städten und Ortsteilen spielen kann (Florida 2002 und Florida 2005). Kreativi- tät braucht Kultur und eine städtische Kulturpolitik, der es gelingt, ein attraktives Umfeld für Kreative zu schaffen. Daraus ergeben sich aufgrund wirt- schaftlicher Prosperität neue Handlungsspielräu- me, so die Thesen Floridas. Auch wenn die Ideen teils kritisch zu beurteilen sind und sich nicht unmit- telbar auf deutsche Städte (oder andere europä- ische Länder) übertragen lassen, so hat er doch zum Bewusstsein der wirtschaftlichen Bedeutung der „kreativen Milieus“ beigetragen (und die Erstel- lung von Kreativwirtschaftsberichten ausgelöst). Bis dahin hatte die Kulturpolitik für die regionale oder städtische Wirtschaftsförderung nur randliche Bedeutung. Mittlerweile herrscht Konsens darüber, dass durch die Schaffung von Entfaltungsräumen für Kreative Städte, ihr wirtschaftliches und kultu- relles Profil verstärken. Gleichzeitig sorgen sie, durch die Ansiedlung innovativer Unternehmen für die Sicherung ihrer ökonomischen Zukunft. Kultur- und Kreativwirtschaft im Beueler Osten Neben der starken gewerblichen Nutzung des Viertels, lässt sich eine ausgeprägte Präsenz kultu- reller Institutionen und Kreativschaffender feststel- len. Das Zentrum der kulturellen Einrichtungen ist das Theatergelände Siegburger Straße, einSeite 27 von 142 20 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 aus mehreren Gebäuden bestehendes Ensemble zwischen der Siegburger Straße und der Christi- an-Kölbach-Straße. Das ehemalige Fabrikgelän- de wird bereits seit den 1980er Jahren von der Bundesstadt Bonn für kulturelle Zwecke genutzt. Die ehemalige Jutespinnerei wird größtenteils von dem Theater Bonn betrieben. Namentlich sind das heute die ehemalige Maschinenhalle („Lampenla- ger“ und „Alter Malersaal“), die Werkstattgebäu- de, das Kesselhaus, das Verwaltungsgebäude, sowie der gegenüberliegende „Alte Malersaal“, der heute hauptsächlich als Material- und Tech- niklager genutzt wird. In diesem langgestreckten Bau werden aktuell zudem die Karnevalswägen der Bundesstadt Bonn untergestellt. In der Vergan- genheit wurden diese beschriebenen Bereiche vom Theater der Stadt Bonn aktiv genutzt (z.B. Probebe- trieb). Aufgrund ausstehender erforderlicher Sanie- rungen, können diese Gebäude aktuell lediglich als Lagerflächen genutzt werden. Nichtsdestotrotz sind die genannten Räumlichkeiten im bestehen- den Umfang für die Aufrechterhaltung des Spiel- betriebs unerlässlich und werden daher langfristig benötigt. Akteursgespräche, im Rahmen des Erstel- lungsprozesses des integrierten Stadtentwicklungs- konzeptes, offenbarten das Bestreben des Theaters, die als Lagerflächen genutzten Räumlichkeiten bei entsprechender Sanierung oder Neubau mit kultu- rellen Nutzungen zu bespielen. Gleichzeitig seien an dieser Stelle auch gastronomische Angebote oder Wohnraum vorstellbar. Die im Volksmund namensgebende Theaterhalle („Halle Beuel“) wird seit Oktober 2016 von dem Bonner Pantheon Theater betrieben, nachdem Theaterwerkstätten auf dem Theatergelände Siegburger Straße Alter Malersaal und die freiwillige Feuerwehr auf dem Theatergelände Ehemalige Tapetenfabrik an der Auguststraße Innenhof der ehemaligen TapetenfabrikSeite 28 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 21 projekt2508 l plan-lokal die bis dahin genutzte Spielstätte im Bonn-Center durch den Abriss entfallen war. Das Verwaltungsge- bäude an der Geländeeinfahrt teilt sich das Thea- ter mit der Freiwilligen Feuerwehr, die dort ein Büro eingerichtet hat; die Löscheinheit der Freiwilligen Feuerwehr Beuel befindet sich ebenfalls auf dem Gelände. Der Umzug des Pantheon Theaters auf das Gelände der Jutespinnerei gab dem Gelände einen weiteren Aufschwung. Die Veranstaltungen des Theaters wurden in die Kammerspiele Bad Godesberg verlegt. Neben den Schauspielstätten des Theaters befinden sich die Werkstätten dessel- ben in direkter Nachbarschaft, sodass neben den dort Arbeitenden der beiden Einrichtungen glei- chermaßen Besuchende und Gäste den Weg in das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs finden. Dies führt zu abendlichen Stoßzeiten gerade bei Veranstaltungen des Pantheon Theaters und zu teils kritischen Parksituationen (s. Kapitel 3.6). Neben diesem kulturellen Zentrum haben sich im Laufe der letzten Jahre vermehrt Kulturschaffende, Start-Ups und Kreativschaffende Betriebe in der sogenannten Tapetenfabrik, entlang der August- straße und dem Siebenmorgenweg angesiedelt. Beispielhaft seien genannt: Sportfabrik, Popfarm, KUNSTraum Theater, Klavierhaus Klavins, die Start-Ups Suckit und true fruits, die Ballettschule Bonn-Beuel, die Opposition Studios und weitere. Voraussetzung dafür waren und sind erschwing- liche Mietpreise und das Streben der Eigentüme- rinnen und Eigentümer, Räumlichkeiten an dieser Nutzergruppen zu vermieten. Neben dieser räum- lichen Konzentration von Kreativen in der Tapeten- fabrik, findet man im gesamten Quartier immer wieder kreativ wirkende Unternehmen, die sich zwischen Gewerbebetrieben oder in den Erdge- schosszonen von Wohngebäuden niedergelassen haben. Exemplarisch zu nennen sind die Bonner Malschule und der handwerkliche Betrieb „Holz- wurm und Blattlaus“ in der Paulusstraße. Vor dem Hintergrund der Vielzahl an kulturellen und kreativen Angeboten und Veranstaltungen im Untersuchungsgebiet mangelt es an einer Beschil- derung des öffentlichen Raums, die eine Orientie- rungs- und Informationsfunktion für Besuchende übernimmt, öffentliche Räume qualitativ aufwer- tet sowie Wegebeziehungen herstellen kann. Des Weiteren findet keine Vernetzung zwischen den Kultur- und Kreativschaffenden statt. Sport- und Freizeitmöglichkeiten Trotz der überwiegenden Nutzung des Areals durch klassisches Gewerbe, befinden sich einige Sport- und Freizeitangebote im Quartier: die Sportfab- rik auf dem Gelände der alten Tapetenfabrik, die Kletterhalle zwischen Königswinterer Straße und Paulusstraße sowie der Sporttreff Beuel an der Königswinterer Straße gehören zu den dominieren- den Angeboten. Ergänzt wird dieses Angebot durch Angebote aus dem kreativen Milieu, insbesondere in der alten Tapetenfabrik. Hierzu zählen Angebo- te aus dem handwerklichen Bereich, Tanzschulen und Einrichtungen, die Aus- und Fortbildungen im Kreativbereich anbieten.Seite 29 von 142 22 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 3.3 WOHNEN UND WOHNUMFELD Gesamtstädtischer Wohnungsmarkt Die Lage auf dem Bonner Wohnungsmarkt ist, wie in vielen deutschen Großstädten, angespannt. Insbesondere in den letzten Jahren sind Mieten und Kaufpreise kontinuierlich angestiegen. Schon heute gehört Bonn, hinsichtlich der Miet- und Kaufpreise, zu den teuersten Städten in NRW. Zwischen 2008 und 2018 sind die Nettokaltmieten im Durchschnitt um ca. 21% gestiegen, der mittlere Kaufpreis für Bauland sogar um mehr als 56%. Gleiches lässt sich auch für die Kaufpreise von Eigenheimen feststellen (NRW.Bank 2018). Durch die zeitgleich anhaltende Zunahme an Bevölkerung und die geringen Flächenreserven für Wohnungsneubau, wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter fortsetzen. Hieraus ergibt sich in Zukunft vor allem ein Bedarf an bezahlba- rem Wohnraum (Stadt Bonn 2019E). Auch in der Haushaltsbefragung wurden bezahl- bare Mieten als wichtiger Faktor für die Wohn- standortwahl genannt. Fast zwei Drittel der Teilnehmenden gaben an, das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs aufgrund günstiger Miet- und Kaufpreise als Wohnort gewählt zu haben. Der Erhalt bzw. die Schaffung von bezahlbarem Wohn- raum wurde zusätzlich als wichtiges Handlungsfeld hervorgehoben. Die demografische Struktur des statistischen Bezirks Beuel-Ost spiegelt sich auf dem Wohnungsmarkt wieder. Über 82 % des Bestandes im Bezirk sind Gebäude mit maximal zwei Wohnungen. Hierbei handelt es sich vor allem um die Bebauung im Wohngebiet nördlich des Untersuchungsgebietes. Dies erklärt auch die relativ hohe durchschnittliche Wohnungsgröße. Diese liegt im Statistischen Bezirk Beuel-Ost bei fast 84 m² und damit deutlich höher als im angrenzenden Bezirk Beuel-Zentrum (Stadt Bonn 2019B; Stadt Bonn 2019C). Wohnen im Quartier Aufgrund der bestehenden gewerblichen Struk- turen spielt die Wohnnutzung im Untersuchungs- gebiet flächenmäßig eine untergeordnete Rolle. Lediglich im Straßenblock der Königswinterer Stra- ße, der Siegburger Straße, der Paulustraße und derJosef-Thiebes-Straße dominiert die Wohnnut- zung. Bei der dortigen Wohnbebauung handelt es sich teilweise um Arbeitersiedlungen der ehema- ligen Jutespinnerei an der Siegburger Straße. Weitere Wohnnutzungen ziehen sich entlang der Siegburger Straße nach Osten. Hierbei handelt es sich überwiegend um zwei-bis dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser. Entlang der Straße sind stellenweise auch Wohnnutzungsleerstän- de und Baulücken anzutreffen. Ungeachtet der geringen Flächenintensität der Wohnbebauung Baulücke und sanierungsbedürftiges Wohnhaus an der Siegburger Straße Wohnhäuser an der Siegburger StraßeSeite 30 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 23 projekt2508 l plan-lokal hat diese, aufgrund der teils konfliktreichen Nähe zu Gewerbetrieben eine hohe Relevanz für die Stadtentwicklung im Untersuchungsgebiet. Konflik- treiche Gemengelagen entstehen beispielsweise entlang der Paulusstraße und der Josef-Thiebes- Straße. Dort liegt die Firma Kessko in unmittelba- rer Nachbarschaft zu Wohngebäuden. Konflikte entstehen insbesondere durch den Lieferverkehr der Firma Kessko, der während der Anlieferung, durch die engen Straßen an den Wohngebäuden der Paulusstraße vorbei muss. Durch parkende Autos beengte Straßenräume stellen Probleme für die LKWs dar. Gleichzeitig ist die Anwohnerschaft Lärm- und Luftemissionen ausgesetzt. Eine weitere Gemengelage stellt die Siegburger Straße, insbe- sondere auf dem Abschnitt zwischen der Kreuzung Königswinterer Straße und dem Theatergelände, dar. Die Siegburger Straße wird regelmäßig von unverträglichen Verkehrsmengen frequentiert, die eine Belastung für die Anwohnerschaft darstellen und häufig zu Verkehrsproblemen führen. Aufgrund der Gemengelagen und der Nähe von Wohnen und Gewerbe rückt die Schaffung von neuen klassischen Wohnnutzungen in den Hinter- grund, um keine nachteiligen Auswirkungen auf das Gewerbegebiet auszulösen. Gleichzeitig haben Kultur- und Kreativschaffende im Rahmen unterschiedlicher Beteiligungsformate während des Erstellungsprozesses des ISEK den Wunsch nach Wohnraum in Verbindung mit von ihnen genutzten Räumlichkeiten (z.B. Ateliers, Proberäume) geäu- ßert. Der Fokus der Quartiersentwicklung im Beue- ler Osten liegt allerdings auf einer Verbesserung der Bestandssituation der vorhandenen Wohnbe- bauung. Diese Bestrebung wurde im Rahmen der Beteiligungsformate von Teilnehmenden bekräftigt. 3.4 FREIRAUM UND STADTGESTALT Grünversorgung der Bevölkerung Aufgrund der historischen Dominanz von gewerb- lichen und industriellen Nutzungen im Quartier, ist der Anteil an Grünanlagen im gesamten Gebiet sehr gering. Ausnahmen bilden Straßenbegleitgrün sowie eine unbebaute und bewachsene Fläche mit einem Wohnhaus an der Christian-Kölbach-Straße. Bedeutsam ist weiterhin der Spielplatz im Blockin- nenbereich der Wohnbebauung an der Josef- Thiebes-Straße, der Paulusstraße, der Siegburger Straße und der Königswinterer Straße. Bis auf die genannten Ausnahmen ist der Versiegelungsgrad, charakteristisch für ein Gewerbegebiet, sehr hoch. Darüber hinaus ist die Erreichbarkeit von kleinen Grünflächen in einem Radius von unter 500 m im Untersuchunsgebiet schlecht. Im südlichen Teil des Gewerbegebietes (südlich der Maarstraße) ist die Erreichbarkeit größere Grünräume in einem 750 m Radius, für das Untersuchungsgebiet liegt die Entfernung aber in einem 1.000 m Radius. (Stadt Bonn 2018A) Das Angebot von Grün- und Spielflächen wird laut Haushaltsbefragung sowie Anmerkungen im Zuge des Öffentlichen Forums und der Online-Beteiligung ebenfalls als schlecht eingeschätzt. Über die Hälfte der Teilnehmen- den der Haushaltsbefragung sieht u.a. in diesem Bereich den größten Handlungsbedarf im Gebiet. Straßenräume und Wege Die dominierende Gewerbenutzung im Untersu- chungsgebiet hat einen großen Einfluss auf die Art und die Gestaltqualität des öffentlichen Raums. Dieser Einfluss äußert sich neben der geringen Zahl an Grünanlagen auch im Fehlen von öffent- lichen Plätzen. Stark geprägt wird das Quartier demnach durch öffentliche Straßenräume. Folglich erfüllt der öffentliche Raum im Untersuchungsge- biet überwiegend die Funktion der Fortbewegung und Verbindung. Flächen, die eine Aufenthalts- funktion erfüllen oder als Treffpunkte dienen sind nicht vorhanden.Seite 31 von 142 24 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 In dieser Funktion wird der öffentliche Raum mitun- ter durch den gewerblichen und privaten Verkehr im Quartier beeinträchtigt. Davon ist insbesondere der Fuß- und Radverkehr negativ betroffen. Prob- leme im Radverkehr stellen teilweise schmale und nicht markierte Fahrradwege dar. Weiterhin führen parkende Autos und Zufahrten zu Gewerbebe- trieben zu gefährlichen (Kreuzungs-)Situationen mit Radfahrenden. Auch für Fußgängerinnen und Fußgänger ist der öffentliche Raum durch schmale Gehwege, wenig Straßenbegleitgrün, Baulücken und einsehbare Gewerbebetriebe wenig attraktiv. Die Wegebeziehungen im gesamten Quartier sind kaum erkennbar ausgestaltet und unattrak- tiv. Zu den wichtigen Wegebeziehungen gehören die Bahnunterführungen auf Höhe der Siegburger Straße und der Friedrich-Breuer-Straße. Die Bahn- gleise bilden eine stark wahrnehmbare Barriere im Ortsteil. Diesbezüglich sind die Unterführungen der Bahngleise von Bedeutung, die ein großes Aufwertungspotenzial aufweisen. Derzeit werden die Unterführungen am Bröltalbahnweg sowie auf Höhe der Friedrich-Breuer-Straße erneuert. Die Gleisunterführung an der Oberen Wilhelmstraße bietet aufgrund gestalterischer und städtebaulicher Mängel keine attraktive Wegebeziehung zwischen Beuel-Ost und Beuel-Zentrum und kann als Angstraum bezeichnet werden. Sie trägt dadurch zu der Barrierewirkung der Bahngleise bei und beeinträchtigt die Erreichbarkeit von Angeboten und Einrichtungen im Beueler Osten negativ. Die Barrierewirkung ist inbesonders für Jugendliche mit negativen Folgen verbunden, da die Erreich- barkeit von Einrichtungen der Jugendförderung im Beueler Osten erschwert wird. Im Zuge der Verlän- gerung der S13 durch die Deutsche Bahn, ist ein Umbau der Unterführung mit nach Norden gerich- teten Rampen und beidseitigen Treppenanlagen geplant. Durch diesen Umbau würde die Unter- führung baulich erheblich aufgewertet werden und die Barrierewirkung reduziert. Eine weitere wichtige Verbindungsachse zur Überwindung der Bahnlini- en stellt der Bröltalbahnweg dar, der als Fuß- und Radverkehrstrasse eine schnelle und attraktive Wegeverbindung ins Zentrum Beuels und zum Rheinufer darstellt. Im Quartier östlich des Beue- ler Bahnhofs gibt es drei Anknüpfungspunkte an den Bröltalbahnweg: über den Siebenmorgenweg, am Ende der Auguststraße und an der Kreuzung Siegburger Straße und Pützchens Chaussee. Diese Anknüpfungspunkte sind aktuell weder ausge- schildert noch repräsentativ oder ansprechend gestaltet. Die Marquartstraße stellt eine wichti- ge Verbindung innerhalb des Quartiers zwischen dem Bahnhof Beuel und den Einrichtungen in der alten Tapetenfabrik dar. Die derzeitige Gestaltung der Straße wird diesem Stellenwert ebenfalls nicht gerecht (u.a. unzureichende Beleuchtung). Der Weiterentwicklung und Qualifizierung des öffent- Zugang zum Bröltalbahnweg von der Siegburger Straße Marquartstraße als Anbindung an die TapetenfabrikSeite 32 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 25 projekt2508 l plan-lokal lichen Raums (Straßen, Wege) wird, von Teilneh- menden der Beteiligungsformaten, eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Soziale Kontrolle im öffentlichen Raum Aufgrund der Vielzahl an Gewerbebetrieben findet kaum soziale Kontrolle der öffentlichen (Straßen-) Räume, speziell im südlichen Untersuchungsge- biet statt. Dies scheint, im Hinblick auf die über das Gebiet verteilten und auch am Abend und in der Nacht frequentierten Kultur- und Freizeitange- bote, problematisch. Beispielsweise durch Veran- staltungen des Pantheon-Theaters oder durch das Boulders Habitat erlebt das Quartier auch in den Stunden außerhalb der üblichen Geschäftszeiten eine Passantenfrequentierung, für die eine sozi- ale Kontrolle des Gebietes relevant ist. Einerseits sorgen solche Nutzungen und Angebote für mehr Passanten im öffentlichen Raum, andererseits sind auch diese auf soziale Kontrolle angewie- sen. Die Problematik setzt sich auch entlang der Siegburger Straße und Königswinterer Straße fort. Dort erschweren Baulücken eine soziale Kontrol- le. Auch die schlecht beleuchtete Marquartstraße, der es bislang an einer genutzten Randbebauung fehlt, wird in den Abendstunden von den Besuche- rinnen und Besuchern der Sportfabrik / Tapeten- fabrik als Angstraum empfunden. Die unattraktive Gestaltung und die fehlende soziale Kontrolle der Gleisunterführung an der Oberen Wilhelmstraße verstärken zudem die Barrierewirkung der Bahn- gleise. Eingangssituation Neben schwach ausgestalteten Wegebeziehungen zu den bedeutenden Zielen im Quartier, sind die Eingänge in das Quartier ebenfalls aufwertungs- bedürftig. Im öffentlichen Raum sind diese Orts- eingänge an prominenten und stark frequentierten Orten, wie beispielsweise der Kreuzung Siegburger Straße und Königswinterer Straße, an der Kreuzung Maarstraße und Königswinterer Straße oder an der Kreuzung Siegburger Straße und Pützchens Chaus- see nicht markiert. Hinweise auf die Qualitäten und Angebote im Quartier bleiben aus, ebenso eine identitätsstiftende Wirkung auf die Anwohner- schaft und Besuchende. Weiterhin ist der Bahnhof Beuel als Ortseingang und Ankunftsort aufzuwer- ten. In diesem Zusammenhang ist der geplante Durchstich des Verteilertunnels des Bahnhofs zur Ostseite, im Zuge des S13-Ausbaus, zu berück- sichtigen. Dieser würde die Scharnierfunktion des Bahnhofs zwischen der West- und Ostseite stärken. Als Eingänge in das Quartier sind weiterhin die bereits oben genannten Gleisunterführungen zu berücksichtigen, die besonders für den Fuß- und Radverkehr wichtige Verbindungspunkte bilden. Stadtgestalt und Denkmäler Im Untersuchungsgebiet prägen insbesondere Autoverwerter das Stadtbild. Weiterhin auffällig sind ein hoher Versiegelungsgrad, uneinheitliche Fassaden und Baufluchten, stellenweise sanie- rungsbedürftige Gebäude und Fassaden sowie Baulücken. Exemplarisch für die genannten Aspek- te steht die Siegburger Straße. Entlang dieser treten immer wieder Leerstände und Baulücken sowie sanierungsbedürftige Gebäude auf. Des Weiteren ist der Straßenzug durch ein Wechsel von Wohn- gebäuden, Einzelhandel im Erdgeschoss sowie gewerblichen Betrieben geprägt, die das Stadtbild uneinheitlich erscheinen lassen. Positiv hervorzuhe- ben sind einzelne gut erhaltene Gebäudefassaden und Strukturen, die teilweise denkmalgeschützt sind. Dazu zählen die Arbeitersiedlungen an der Paulusstraße und Josef-Thiebes-Straße. Als Denk- mäler eingetragen sind weiterhin die Fassaden der ehemaligen Jutespinnerei an der Siegburger Straße sowie der Turm des Kesselhauses, die Pfarrkirche St. Paulus an der Siegburger Straße, Gebäude der ehemaligen rheinischen Tapetenfabrik entlang der Auguststraße, die Marquart-Villa an der Marquart- straße sowie der Güterschuppen inkl. Ladestraße am Bahnhof Beuel. Dem Bahnhof Beuel selbstSeite 33 von 142 26 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 wird ebenfalls ein Denkmalwert zugeschrieben. Die beschriebenen Gebäude und Strukturen stel- len Anlagen von geschichtlicher, künstlerischer und teilweise städtebaulicher Bedeutung dar, die einen positiven identitätsstiftenden Einfluss auf das Stadt- bild haben. Eine vollständige Liste aller eingetra- genen Denkmäler im Untersuchungsgebiet ist dem Anhang dieses Berichts zu entnehmen. 3.5 KLIMA UND UMWELT Klimatische Situation Die auf einer gesamtstädtischen Klimaanalyse basierende Planungshinweiskarte für Bonn stellt für den Bereich Beuel-Ost in der Nacht in weiten Teilen bereits heute eine ungünstige bioklimatische Situation dar. Am Tag stellt sich in besonders stark versiegelten und direkt sonnenexponierten Berei- chen sogar eine sehr ungünstige bioklimatische Situation ein. Für den Bereich Beuel- Ost formuliert die Planungshinweiskarte daher, dass Maßnah- men zur Verbesserung der thermischen Situation notwendig sind. In Anbetracht des sehr hohen Versiegelungsanteils im gewerblich geprägten Quartier, eignen sich insbesondere Maßnahmen zur Entsiegelung und Begrünung, zur Bauwerks- begrünung sowie zur Verschattung von Außenbe- reichen, um die Wärmebelastung zu reduzieren. (Stadt Bonn 2020B) Altlasten Große Teile des Untersuchungsgebiets sind als Altstandorte registriert. Nach § 2 Abs. 5 Nr. 2 des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) sind Altstandorte Grundstücke stillgelegter Anlagen auf denen mit umweltgefährlichen Stoffen umgegan- gen worden ist. Dies gilt für weite Teile der Fläche zwischen Auguststraße und Siegburger Straße sowie zwischen Siegburger Straße und Maarstraße. Auch das Gelände der Theaterwerkstätten einschließlich des Pantheon-Theaters gilt als Altstandort (Stadt Bonn 2019F). Während dies in einigen Bereichen keinen dringenden Handlungsbedarf aufwirft, gibt es Bereiche von denen eine potenzielle Boden- und Grundwassergefährdung ausgeht. Zu nennen sind diesbezüglich das Evonik-Gelände zwischen der Siegburger Straße und der Auguststraße, das durch frühere Einträge ins Grundwasser belastet ist sowie das Gelände der ehemaligen Jutefabrik, auf dem Weichmacher unterirdisch ausgetreten sind (Stadt Bonn 2019F). Aufgrund der Altlasten- Teilweise denkmalgeschützte Arbeitersiedlung an der Paulusstraße Denkmalgeschütztes Gebäude der ehemaligen JutefrabrikSeite 34 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 27 projekt2508 l plan-lokal problematik sollen, aus Sicht der Umweltbehörde der Bundesstadt Bonn, Flächenentsiegelungen in weiten Teilen des Untersuchungsgebietes vermie- den werden. In Einzelfällen sollte die Möglichkeit zur Entsiegelung allerdings geprüft werden. Luftemissionen Das Untersuchunsgebiet wird durch den starken privaten und gewerblichen Verkehr lufthygienisch belastet. Eine stark prägende Emissionsquelle stellt die Firma Atlantic GmbH nördlich des Bröl- talbahnwegs dar. Das Unternehmen produziert Schleifmittel, die dabei entstehenden Lärm- und Luftemissionen reichen bis in das Untersuchungs- gebiet hinein. Weitere Lärmquellen sind die Betriebsanlagen der Firma Evonik sowie die Betrie- be, welche in der alten Tapetenfabrik unterge- bracht sind. Die hier entstehenden Lärmemissionen reichen über die Siegburger Straße hinaus bis zur Wohnbebauung entlang der Josef-Thiebes-Straße. Eine weitere Quelle von Luftemissionen stellt die Firma Kessko dar. Die unmittelbar angrenzende Wohnbebauung ist den dort entstehenden Geruch- semissionen direkt ausgesetzt. (Stadt Bonn 2017B) In der Gesamtbetrachtung lösen die emittierenden Gewerbebetriebe Abstandserfordernisse aus, die abgesehen von Bestandsgebäuden die Neuaus- weisung von klassischen Wohnnutzungen oder urbanen Gebieten (MU) verhindern. Verkehrslärm Verkehrslärm stellt insbesondere an den Haupt- verkehrsstraßen (s. Kapitel 3.6) eine Belastung der Anwohner- und Besucherschaft dar. An der Siegburger Straße, Königswinterer Straße und Maarstraße werden im täglichen Durchschnitt Lärmwerte zwischen 70 und 75 dB(A) erreicht, an der Siegburger Straße stellenweise über 75 dB(A). Demnach kann von einer sehr hohen Belastung gesprochen werden, insbesondere für Nutzungen direkt an diesen Straßen. In den Nachtstunden (zwischen 22 und 6 Uhr) liegen die gemessenen Durchschnittswerte zwischen 60 und 70 dB(A) und damit immer noch sehr hoch. (Stadt Bonn 2017C) Auch die Bahngleise stellen eine relevante Lärm- quelle für den Beueler Osten dar. Im unmittelba- ren Gleisbereich sind im täglichen Durchschnitt Werte von über 75 dB(A) gemessen worden. Die Schallausbreitung führt dazu, dass zu beiden Seiten der Schienen über mehrere hundert Meter Werte zwischen 60 und 70 dB(A) erreicht wurde. In den Nachtstunden ist die Lärmbelastung entspre- chend etwas geringer. In den Wohnbereichen an der Paulusstraße und Josef-Thiebes-Straße wurden Werte zwischen 55 und 65 dB(A) gemessen. (Stadt Bonn 2017C) Die Lärmbelastung im Gebiet wird auch von den Teilnehmenden der Haushaltsbefra- gung bemängelt.Seite 35 von 142 28 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 3.6 VERKEHR UND MOBILITÄT Hauptverkehrsstraßen Die Zufahrt in das Untersuchunsgebiet erfolgt insbesondere über die Königswinterer Straße und die Siegburger Straße. Über Letztere ist ein einseiti- ger Anschluss an die Autobahn 59 in und aus Rich- tung Norden gegeben. Über die Königswinterer Straße besteht zudem ein Anschluss an die A565 im Norden und die A562 im Süden. Aufgrund der Bedeutung der Autobahnanschlüsse für die ansässigen Gewerbebetriebe sind die Zubringer zur Autobahn verkehrlich stark belastet. Gleich- zeitig bedingen die Autobahnanschlüsse entspre- chende Verkehrsflüsse im Quartier, insbesondere entlang der Königswinterer Straße und der Sieg- burger Straße. Für die zukünftigen Verkehrsflüsse im Quartier östlich des Beueler Bahnhofs ist der geplante Wegfall des Autobahnanschlusses über die Siegburger Straße bedeutsam. Dieser soll in den nächsten Jahren komplett entfallen und durch einen beidseitigen Anschluss an die A59 über die Maarstraße ersetzt werden. (Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz 2019) Über die A59 wird dann eine Nord-Süd-Verbindung in umliegen- de Städte und Regionen hergestellt. Mit der Schlie- ßung des Autobahnanschlusses an der Siegburger Straße ist mit einer Verlagerung der Verkehrsströ- me im Untersuchungsgebiet, insbesondere entlang der Siegburger Straße und Königswinterer Straße zu rechnen. In Zukunft wird voraussichtlich weniger gewerblicher Verkehr über den westlichen Teil der Siegburger Straße geführt, obwohl weiterhin Liefer- verkehre der Evonik-Betriebsstätte an der Sieg- burger Straße erhalten bleiben. Für die Königswinterer Straße gibt es Pläne für einen Umbau auf dem Abschnitt zwischen Sieg- burger Straße und Maarstraße. Diese Pläne sehen eine Neuordnung der Verkehrsflächen für den Auto-, Bus- und ruhenden Verkehr sowie für zu Fuß Gehende und Radfahrende vor. Innerhalb des beschriebenen Abschnitts soll der Radverkehr getrennt vom Autoverkehr auf beidseitigen Radwe- gen geführt werden. Zudem wird der ruhende Verkehr durch die Markierung von Parkständen geordnet. (Stadt Bonn 2011) Die Umbaumaßnah- men entlang der Königswinterer Straße stehen im Zusammenhang mit weiteren Baumaßnahmen wie der Einrichtung eines Kreisverkehrs an der Kreu- zung Siegburger Straße und der Verlagerung des zentralen Omnibusbahnhofs auf die Ostseite der Bahngleise. Im Zuge der Haushaltsbefragung wird die verkehr- liche Anbindung des Gebietes durchweg gut bewertet. Über die Hälfte der Teilnehmenden gibt an, sich aufgrund der guten verkehrlichen Anbin- dung für Beuel als Wohnstandort entschieden zu haben. Allerdings gaben mehrere TeilnehmendeSiegburger Straße Königswinterer StraßeSeite 36 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 29 projekt2508 l plan-lokal an, sich eine Reduzierung des Verkehrs im Gebiet zu wünschen. Insbesondere die Siegburger Straße wird bezüglich Verkehrsbelastung und -sicherheit häufiger genannt. Demgegenüber wiesen Gewer- betreibende daraufhin, dass die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes zur Anbindung mit dem PKW und LKW sicherzustellen ist. Ruhender Verkehr Die Parkplatzsituation im Quartier ist insbeson- dere bei Veranstaltungen des Pantheon-Theaters eingeschränkt und konfliktträchtig, da in solchen Fällen keine größeren Parkflächen zur Verfügung stehen. Dies könnte im schlimmsten Fall auch zu Problemen im Betriebsablauf der auf dem Gelände ansässigen Feuerwehr führen. Eben- falls konfliktreich ist die Parksituation im Bereich der Wohnbebauung an der Paulusstraße und der Josef-Thiebes-Straße. Bedingt durch den gewerbli- chen Lieferverkehr der Firma Kessko ergeben sich sehr beengte Situationen. Teilweise sind Anwohner und Anwohner*innen gezwungen mit voller Brei- te auf dem Grünstreifen bzw. Fußweg zu parken, um den Fahrbahnquerschnitt nicht einzuengen. Weitere Konflikte werden seitens der Anlieger mit Fertigstellung der S-Bahnlinie13 befürchtet, wenn durch die Herstellung einer Zugverbindung nach Köln, Berufspendler verstärkt den Bahnhof Beuel nutzen und mit dem privaten PKW anreisen. In den aktuellen Planungen sind keine Parkplätze am Bahnhof Beuel vorgesehen, es soll lediglich eine Kiss-and-Ride-Zone geben. Seitens der Verkehrs- planung werden diese Befürchtungen nicht geteilt, da andere Haltepunkte entlang der S-Bahnlinie in einer großräumigeren Betrachtung als die geeig- neteren und voraussichtlich bevorzugt angefahre- nen P+R-Stationen angesehen werden. Die Parkplatzsituation wird von den Teilnehmen- den der Haushaltsbefragung sehr unterschiedlich bewertet, wobei gute und schlechte Bewertungen etwa gleich häufig vertreten sind. Dies variierte wahrscheinlich je nach Wohnort der Teilnehmen- den. Für Gewerbetreibende stellen Parkplätze einen wichtigen Standortfaktor dar. Größere betriebliche Parkplätze im Quartier stellen bei entsprechenden Vereinbarungen grundsätzlich ein Potenzial zur Entschärfung der Situation außer- halb der Betriebszeiten dar (z.B. an den Markthal- len). Öffentlicher Verkehr Der Bahnhof Beuel stellt den zentralen Mobilitäts- knotenpunkt für Beuel dar. Dieser konzentriert regi- onale und lokale Streckenverbindungen. So besteht vom Bahnhof Beuel mittels des Rhein-Erft-Expresses und der Rhein-Erft-Bahn Anschluss nach Mönchen- gladbach über Köln sowie in Richtung Koblenz. Zudem wird der Bahnhof von zwei Straßenbahnli- nien bedient, die Beuel an das Bonner Zentrum im Westen sowie an weitere Ortsteile Bonns im Süden (Ramersdorf, Oberkassel) anbinden. Zuletzt ist der Bahnhof Beuel ein Knotenpunkt für das Buslini- ennetz und wird von insgesamt fünf Buslinien ange- fahren. Im denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude befindet sich ein Reisezentrum der Deutschen Bahn sowie ein Kiosk. Die vorhandene Bahnhofshalle ist derzeit ungenutzt. Im Zuge des geplanten Ausbaus der S-Bahn-Linie S13 von Troisdorf über Beuel bis nach Bonn-Oberkassel erhält der Bahnhof Beuel zwei neue S-Bahn-Gleise. Dafür müssen bestehen- de Gleise des Güterverkehrs zurückgebaut sowie das denkmalgeschützte Güterbahnhofsgebäude nach Osten versetzt werden (DB Netz AG 2016). Durch den Anschluss des Bahnhofs Beuel an das S-Bahn-Netz wird der Nahverkehrsanschluss im Ortsteil weiter gestärkt sowie die Attraktivität der Standorte gesteigert. Im Zuge der Erweiterung des Bahnhofs soll eine beidseitige Zugänglichkeit der Bahngleise hergestellt werden. Bis dahin ist der Bahnhof weiterhin nur von der westlichen Seite aus erreichbar.Seite 37 von 142 30 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 Am Bahnhofsvorplatz befindet sich der zentrale Omnibus Bahnhof in Beuel. Dieser soll im Zuge des S-Bahn-Ausbaus auf die Ostseite der Gleise an der Königswinterer Straße Höhe Siegburger Straße verlegt werden. Dadurch wird die Anbindung von Beuel-Ost an den Bahnhof attraktiviert. Gleichzei- tig entstehen Handlungsbedarfe hinsichtlich einer städtebaulichen Neuordnung der östlichen Bahn- hofsseite. Die Bedienung des Busliniennetzes orientiert sich an den eingangs beschriebenen Hauptver- kehrsstraßen. Busse verkehren demnach über die Königswinterer Straße, die Siegburger Straße, die Maarstraße und die Röhfeldstraße. Das Buslini- ennetz ermöglicht eine direkte Verbindung vom Bahnhof Beuel zum Beueler Zentrum sowie der Innenstadt von Bonn. Weiterhin hervorzuheben ist die Haltestelle Pantheon Beuel, die sich auf Höhe des Theatergeländes auf der Siegburger Straße befindet und die Erreichbarkeit des Theaters und des Pantheon ermöglicht. Fuß- und Radverkehr Die Fahrradnutzung in Beuel ist im gesamtstädti- schen Vergleich höher als in den Ortsteilen Godes- berg und Hardtberg und ebenso stark ausgeprägt wie im Bezirk Bonn (Stadt Bonn 2010). Besonde- re Bedeutung im Radverkehr hat im Quartier der Radweg auf der Trasse der ehemaligen Bröltalbahn, der eine Verbindung von der nördlichen Grenze des Untersuchungsgebiets zum Rheinufer darstellt. Anknüpfungspunkte an den Bröltalbahnweg befin- den sich an der Kreuzung Siegburger Straße und Pützchens Chaussee sowie über Rampen am Ende der Auguststraße und des Siebenmorgen- wegs. Der Rad- und Fußverkehr wird im gesamten Untersuchungsgebiet durch den starken Güter- und PKW-Verkehr beeinträchtigt. Die Situation des Radverkehrs wird weiterhin durch fehlende Radfahrstreifen bzw. Schutzstreifen entlang der Hauptverkehrsstraßen (Siegburger Straße und Königswinterer Straße) verschlechtert. Der Mangel wirkt sich negativ auf die Sicherheit und die Attrak- tivität des Radverkehrs aus. In der Auguststraße sind es vor allem die parkenden Autos, welche den Rad- und Fußverkehr beeinträchtigen. So müssen Fußgängerinnen und Fußgänger oftmals auf die Fahrbahn ausweichen, wenn parkende Autos den Bürgersteig blockieren. Eine Verbesserung der Situation für zu Fuß Gehende und Radfahrende im Gebiet wurde von vielen Teilnehmenden der Betei- ligungsformate gewünscht. Anlieferungsverkehr Paulusstraße Kreuzungsbereich Siegburger / Königswinterer StraßeSeite 38 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 31 projekt2508 l plan-lokal 3.7 BILDUNG, SOZIALE UND GE- SUNDHEITSINFRASTRUKTUR Bildungseinrichtungen Im Untersuchungsgebiet selbst gibt es keine allge- meinbildenden Schulen, in einem Radius von etwa anderthalb Kilometern sind jedoch alle Schul- formen vorhanden. Die nächstgelegene Schule stellt die Paul-Gerhardt-Grundschule westlich des Bahnhofs Beuel dar. Auf der Siegburger Straße ist eine Berufsfachschule für Kosmetologie angesiedelt. Auf Höhe der Thea- terwerkstätten an der Siegburger Straße befindet sich zudem ein Veranstaltungsort für Seminare zu IT und Telekommunikation. An der Paulusstraße entsteht zurzeit ein Seminar- und Trainingszentrum für Zahnärzte und zahnmedizinische Angestellte. Kinderbetreuung Im Untersuchungsgebiet gibt es den katholischen Kindergarten St. Paulus an der Siegburger Straße sowie die Kindertagesstätte Pfiffikus an der August- straße. Weitere Angebote zur Kinderbetreuung (Kindergarten, Kita) befinden sich westlich des Bahnhofs Beuel. Der stadtweite Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten ist auch in Beuel-Ost ausge- prägt. Gesundheitliche Einrichtungen Gesundheitliche Einrichtungen wie Ärzte oder Apotheken sind im Untersuchungsgebiet nicht vertreten. Die Versorgung übernimmt das Beueler Zentrum im Westen des Bahnhofs. Weitere Einrichtungen und Angebote Für die Betreuung von älteren Menschen stehen im Untersuchungsgebiet die Residenz Vital sowie weitere Seniorenwohnungen neben der Pauluskir- che an der Siegburger Straße zur Verfügung. Am Siebenmorgenweg befinden sich der Aben- teuer Leben e.V. sowie die Einrichtung „barriere- frei kommunizieren“. Letztere setzen sich für eine erfolgreiche Inklusion sämtlicher Bevölkerungs- gruppen durch barrierefreie Kommunikation ein. Der Verein Abenteuer Leben bietet Angebote für Kinder und Jugendliche zum Anstoß nachhaltiger Bildungsprozesse.Seite 39 von 142 32 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 3.8 BESTANDSBEWERTUNG UND HANDLUNGSBEDARFE Abgeleitet aus den Ergebnissen der vorangegan- gen Situations- und Strukturanalyse, den Resultaten und Einschätzungen aus den durchgeführten Betei- ligungsformaten sowie der eigenen gutachterlichen Sichtweise auf den Planungsraum werden die Stär- ken und Schwächen sowie Chancen und Risiken (Strengths, Weaknesses, Opportunities,Threats) des Planungsraums stichpunktartig und themen- übergreifend in der folgenden Tabelle dargestellt (s. Abbildung 4). Anknüpfend an die Ergebnisse der SWOT-Analyse erfolgt eine Beschreibung der zentralen Handlungs- bedarfe sowie Potenziale im Untersuchungsgebiet. Dies stellt die Grundlage für die Identifizierung von Handlungsfeldern des ISEK dar (s. Kapitel 4). Die wesentlichen hieraus identifizierbaren räum- lichen Aspekte wurden in einer Bewertungskar- te zusammengeführt (s. Abbildung 5). In dieser Gesamtbetrachtung beschreibt die Bewertungskar- te impulsgebende Räume, potenziell impulsgeben- de Räume sowie hemmende Räume aus Sicht der Quartiersentwicklung. Zu den zentralen Handlungsbedarfen zählt sicher- lich eine Neugestaltung und Aufwertung des öffentlichen Raums, die an geeigneten Stellen Aufenthaltsqualität schafft und weiterhin zu besse- ren Wegebeziehungen und Verknüpfungen, insbe- sondere der kreativen, freizeitlichen und kulturellen Angeboten, beiträgt. Gleichzeitig gilt es, identitäts- stiftende Eingangssituationen in das Quartier zu schaffen, um vor allem zu einer besseren Verbin- dung zwischen West- und Ostseite des Bahnhofs Beuel beizutragen. Weiterhin soll so allen Nutzer- gruppen eine verbesserte und sichere Zugänglich- keit in das Quartier geschaffen werden. Bei einer Gestaltung des öffentlichen Raums ist zudem auf den Mangel an Frei- und Grünflächen zu reagie- ren, auch um einen Beitrag zur Klimaanpassung und Biodiversität im Quartier zu leisten. Weiterer Handlungsbedarf besteht hinsichtlich einer Redu- zierung und verträglichen Abwicklung des motori- sierten Verkehrs, der eine Beeinträchtigung für die Anwohnerschaft sowie den Fuß- und Radverkehr darstellt. Neben dem Benennen von Herausfor- derungen und Handlungsbedarfen gilt es, Hand- lungspotenziale (Stärken/Chancen) aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Zu den zentralen Potenzi- alen gehören die gute Anbindung an das Auto- bahn- und ÖPNV-Netz mit dem Bahnhof Beuel als nahegelegenen Mobilitätsknotenpunkt, die Nähe zum Beueler Zentrum als urbanes attraktives Stadtquartier und die einmalige Konzentration von Einrichtungen und Akteurinnen und Akteuren im kulturellen und kreativen Milieu. Gleichzeitig gibt es im Quartier eine Reihe von ehemaligen Indus- triearealen, deren identitätsstiftendes Potenzial im Rahmen der derzeitigen Nutzung der Flächen stär- ker sichtbar und erlebbar zu machen ist. Durch die Adressierung der genannten Hand- lungsbedarfe und die Förderung und Ausnutzung von Handlungspotenzialen ergibt sich eine große Chance zur Qualifizierung und Profilierung des Quartiers im Beueler Osten.Seite 40 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 33 projekt2508 l plan-lokal STÄRKEN SCHWÄCHEN + räumliche Konzentration von Einrichtungen und Akteurinnen und Akteuren im kreativen Milieu + überrregionale Bedeutsamkeit der Gewerbe- betriebe (größtes Gewerbegebiet Bonns) + kleinteilige Gewerbestrukturen bieten Flexibili- tät für zukünftige Entwicklungen + Bahnhof Beuel als nahegelegener Mobilitäts- knoten; gute Anbindung an das ÖPNV-Netz + Rheinanbindung über Bröltahlbahnweg + Bedarfsdeckung im Bereich Einzelhandel + Werkssiedlung Paulusstraße/ Josef-Thiebes-Straße + Nähe zum Beueler Zentrum als urbanes attrak- tives Stadtquartier - mangelnde Verbindung zwischen West- und Ostseite des Bahnhofs Beuel - wenig attraktive/identitätsstiftende Eingangssitua- tionen in das Quartier - Unterführungen als Angsträume - Fehlen eines klar ablesbaren Profils des Gewer- begebiets - Fehlen von qualitätsvollen und attraktiven Gast- ronomiebetrieben - Fast vollständiges Fehlen von öffentlichen Grün- flächen bedingt durch Altlasten - uneinheitliche Entwicklung des Gewerbegebiets aufgrund kleinteiliger Grundstückszuschnitte - gemindertes Erscheinungsbild durch einsehbare Kfz-Betriebe - Untergenutzte Gewerbehallen entlang Königs- winterer Str. zwischen Bahngleisen - Gemengelagen Wohnen-Gewerbe (u.a. Ge- ruchsemmissionsbelastung) - vereinzelte Baulücken und (Wohn-)Leerstände entlang der Siegbuger Str. - starke Verkehrsbelastung durch Pkw- und ge- werblichen Verkehr - mangelhafte Wegebeziehungen zu Kulturein- richtungen für Fuß- und Radverkehr durch das Fehlen von Sicherheit und sozialer Kontrolle - Nutzungen innerhalb des Versorgungsbereichs entsprechen nicht den Anforderungen - mangelhafte Verkehrssituation entlang der Au- guststraße - Ungenutzte Räumlichkeiten durch Sanierungsstau auf dem Theatergelände und in der Brotfabrik Abbildung 4: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken im Quartier östlich des Beueler BahnhofsSeite 41 von 142 34 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 CHANCEN RISIKEN + Stärkung des Einzelhandels durch Vernetzung von Beuel-Mitte und Beuel-Ost + Nähe zum Beueler Zentrum mit Einzelhandels-, Bildungs- und Gesundheitsangeboten + Ausbau S-Bahn-Linie, mit beidseitiger Erreich- barkeit des Bahnhofs (West/Ost) + Neugestaltung der Siegburger Str. durch Verle- gung des Autobahnanschlusses + Neugestaltung der Königswinterer Straße durch Entwicklungen am Bahnhof Beuel + geplante Verbreiterung der Königswinterer Str. mit Neuordnung der Verkehrsfläche + neuer ZOB auf der Ostseite des Bahnhofs + Nutzung der Markthallen für Endverbraucher + Netzwerkaufbau zwischen Kultur- und Kreativ- schaffenden - zunehmende Verkehrsbelastung durch Wegfall des Autobahnanschlusses an der Siegburger Str. - Sanierungsstau von Gebäuden in Nutzung des Theaters - steigende Parkplatzproblematiken durch Thea- tereinrichtungen - Großteil des Untersuchungsgebiets umfasst Altlastenverdachtsflächen - problematische Randlagen (Obere Wilhelm- straße, Königswinterer Straße) - hoher Versiegelungsgrad und schlechte luftkli- matische Situation Abbildung 4: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken im Quartier östlich des Beueler BahnhofsSeite 42 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 35 projekt2508 l plan-lokal Abbildung 5: Bewertungskarte für das Quartier östlich des Beueler Bahnhofs Kartengrundlage und Bearbeitung: plan-lokal auf Basis von openstreetmap (© OpenStreetMap-Mitwirkende)Seite 43 von 142 36 I ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS plan-lokal l projekt2508 4 ZIELE, LEITBILD UND HANDLUNGSFELDER Während die Bestandsanalyse von Fragen nach der Ausgangssituation und bestehenden Strukturen im Beueler Osten geleitet wurde, spannen im Folgen- den Fragen nach der zukünftigen Entwicklung des Ortsteils den inhaltlichen Rahmen auf. Welche Strukturen müssen weiterentwickelt werden? Wo möchten wir in den nächsten Jahren hin? Was wollen wir ändern oder erreichen? Die Erarbeitung von Handlungsfeldern und Zielen sowie einer Leitidee soll dabei helfen Entwicklun- gen zu leiten und zu fördern. Grundlage für die Ziele, Leitbilder und Handlungsfelder sind die Ergebnisse aus der Bestandsanalyse sowie insbe- sondere Erkenntnisse aus den kommunikativen und dialogischen Prozessbausteinen. Die Ergeb- nisse aus diesem Kapitel münden in ein räumliches Leitbild, welches ein themenfeldübergreifendes Zielkonstrukt für die Quartiersentwicklung östlich des Beueler Bahnhofs darstellt (s. Kapitel 4.4). 4.1 ÜBERGEORDNETE LEITLINIEN UND ZIELE Für die Entwicklung von Handlungsfeldern und Zielen für die Entwicklung des Quartiers im Beue- ler Osten sind einige übergeordnete Leitlinien und Ziele rahmengebend, die Handlungsfeld über- greifend und überwiegend räumlich unspezifisch sind. Dazu zählen neben den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung auch Aspekte der Nachhaltigkeit, die Förderung von Gleichstellung, Diversität, Inklusion und Barrie- refreiheit sowie die Einbindung aller Menschen in die Stadtentwicklung. Die Relevanz des Klima- schutzes für die Stadtentwicklung wurde mit dem Ausrufen des Klimanotstands durch den Bonner Stadtrat im Juli 2019 bekräftigt (Rat der Stadt Bonn 2019A). Darüber hinaus hat sich die Stadt Bonn dazu verpflichtet bis 2035 klimaneutral zu werden (Rat der Stadt Bonn 2019B). Zu diesem Ziel soll auch das Quartier im Beueler Osten einen Beitrag leisten. In Anlehnung an das Leitbild der Stadt Bonn zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung (Rat der Stadt Bonn 2019C) gilt es insbesondere, energieffizientes Bauen und Sanieren, die Förde- rung und Nutzung von erneuerbaren Energien sowie die Erhöhung von Klimaresilienz und Reduk- tion von sommerlicher Wärmebelastung durch Maßnahmen an Gebäuden (Dach- und Fassa-Seite 44 von 142 ISEK FÜR DAS QUARTIER ÖSTLICH DES BEUELER BAHNHOFS I 37 projekt2508 l plan-lokal denbegrünung) und im Quartier (Entsiegelung und Begrünung, Verschattungselemen
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 18:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de