202175-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Terrorismus und Gewaltprävention
Kerndaten
- Nummer
- 202175-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 21.05.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Integrationsrates Kenntnisnahme
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 202175-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: Stabsstelle Integration Dezernat: Dez. OB Terrorismus und Gewaltprävention Beratungsfolge Integrationsrat 23.06.2021 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: zu 1. Gibt es in der Verwaltung ein Konzept zur Gewaltprävention insbesondere im Hinblick auf die sich häufenden Terrorakte in der letzten Zeit? Der Präventionsarbeit wird seitens der Stadtverwaltung seit vielen Jahren ein hoher Stellenwert eingeräumt. Unter anderem deshalb wurde bereits im Jahr 2006 der Rat zur Kriminalprävention ins Leben gerufen, der sich in der Präambel seiner Geschäftsordnung die Wahrnehmung der folgenden Aufgaben zum Ziel gesetzt hat: „Sicherheit und Ordnung gehören zu den wichtigsten Grundbedürfnissen der Menschen und sind Bestandteil ihrer Lebensqualität. Zur Eindämmung von Kriminalität ist gegen ihre vielfältigen Ursachen in gleicher Weise vorzugehen, wie gegen die kriminellen Handlungen selbst. Kriminalitätsängste und Beeinträchtigungen der öffentlichen Ordnung sind ernst zu nehmen. Eine nachhaltig wirkende Strategie der Kriminalprävention muss deshalb der Ursachenvielfalt Rechnung tragen. Dies erfordert ein übergreifendes Gesamtkonzept. Kriminalprävention ist somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für die insbesondere der Rat der Stadt Bonn, die Stadtverwaltung, die Polizei, die Justiz, andere staatliche und nichtstaatliche Stellen, die Wirtschaft, die Medien sowie die Bevölkerung selbst Verantwortung tragen und ihre spezifischen Beiträge dazu leisten. Präventionsmaßnahmen bestimmen regelmäßig den Aufgabenbereich verschiedener Organisationen und sonstiger Gruppierungen. Sie müssen daher wirksam vernetzt und koordiniert werden. Kriminalprävention umfasst die Gesamtheit aller Bemühungen, Programme und Maßnahmen, die Kriminalität als gesellschaftliches Phänomen oder als individuelles Ereignis verhüten, mindern oder in ihren Folgen gering halten sollen. Die organisatorische Umsetzung gesamtgesellschaftlicher Kriminalprävention ist eine wichtige Zukunftsaufgabe aller staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen.Seite 1 von 8 Seite 2 Die Stadt Bonn und die Bonner Polizei betreiben nachhaltig Kriminalprävention und beziehen hierbei alle relevanten Präventionsträger mit ein.“ Mitglieder des Rates zur Kriminalprävention sind gem. § 2 der Geschäftsordnung: - - die Oberbürgermeisterin / der Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn und - - die Polizeipräsidentin / der Polizeipräsident Bonn als gemeinsame Vorsitzende des Gremiums außerdem: - - die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen - - die Direktorin / der Direktor des Kriminologischen Seminars der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn - - die Vorsitzende / der Vorsitzende des Kreispolizeibeirates - - die Leiterin / der Leiter der Staatsanwaltschaft - - die Präsidentin / der Präsident des Landgerichts Bonn - - die Vorsitzende / der Vorsitzende des Integrationsrates - - die Hauptgeschäftsführerin / der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer - - der Stadtdechant der katholischen Kirche in Bonn - - eine Vertreterin / ein Vertreter der evangelischen Kirche (Superintendentin / Superintendent) - - die Regionsvorsitzende / der Regionsvorsitzende des DGB Dieser Rat hat seit seiner Gründung insgesamt 22 Sitzungen durchgeführt. Die letzte Sitzung hat am 30.01.2020 stattgefunden. Seither konnte – Corona bedingt – leider keine weitere Sitzung stattfinden. Planungen/Perspektiven für die Arbeit des Rates für Kriminalprävention Seit der Gründung des Rates im Jahr 2006 haben sich die Anforderungen im Bereich der Präventionsarbeit ständig erhöht und erweitert. Hierdurch sind sowohl Aufgaben entstanden, die bisher noch nicht-ausreichend- bearbeitet werden konnten, als auch, sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Stadt¬verwaltung Fachstellen, die sich mit der Präventionsarbeit befassen, deren Arbeit koordiniert werden sollte. Diese Anforderung ist auch innerhalb der Stadtverwaltung erkannt worden und daher befindet sich bei den Bürgerdiensten seit Anfang 2021 eine entsprechende Geschäftsstelle zur Koordinierung und Unterstützung der Präventionsarbeit im Aufbau. Sie soll auch als Geschäftsstelle für den „Rat zur Kriminalprävention“ dienen. Ein entsprechendes Konzept zu den Aufgaben der Geschäftsstelle ist zurzeit in Arbeit und wird, nach Fertigstellung, den politischen Gremien vorgestellt. Schon jetzt ist absehbar, dass die Präventionsarbeit nicht nur erheblich verstärkt, sondern auch öffentlicher gemacht werden muss. Daher wird auch ein Konzept zur Öffentlichkeitsarbeit Bestandteil der Neukonzeption sein.Seite 2 von 8 Seite 3 Die Stabsstelle Integration hat ab 2012 verschiedene Projekte zur Prävention des gewaltbereiten Salafismus entwickelt und umgesetzt. So gab es zunächst an ausgewählten Bonner Schulen das interreligiöse Gesprächsangebot „Ich und Du“, bei dem mit Expert:innen Themen und Fragen, aber auch Konflikte rund um Religion aufgegriffen werden konnten. Dieses Projekt wurde weiterentwickelt zum Angebot eines interreligiösen Beratungsteams, das Schulen und Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, in religiösen Konfliktfällen unterstützt. Darüber hinaus gab und gibt es seit 2012 bis heute zahlreiche Veranstaltungen, Workshops, Fortbildungen, die die Stabsstelle Integration mit Präventionsexpert:innen rund um das Thema Salafismus/Islamismus für pädagogische Fachkräfte und Mitarbeiter:innen in Jugendhilfe und Schule, aber u.a. auch für Haupt- und Ehrenamtliche in der Integrations- und Flüchtlingsarbeit durchgeführt hat. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie wurden zwei Fachtage zum Thema extremistischer Salafismus/Islamismus angeboten. Auch für muslimische Jugendliche wurden von der Stabsstelle und in Zusammenarbeit mit weiteren Akteur:innen Workshops durchgeführt. Ab 2015 fanden auch Infoveranstal¬tungen für die Flüchtlingshilfe statt. Aktuell bietet die Stabsstelle weiterhin Veranstaltungen und Workshops zu den Themenfeldern Islam und Islamismus, aber auch zu einzelnen Aspekten islamistischer Ideologien wie Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit an. Das Thema IS- Rückkehrer:innen wird ebenfalls weiter auf der Agenda stehen. Darüber hinaus fördert die Stabsstelle Integration Projekte im Bereich Empowerment und Extremismusprävention und arbeitet dabei mit muslimischen Akteuren zusammen. Beispielhaft genannt seien hier das Projekt „Ma’an – Miteinander“ des Vereins Haus der Generationen und der Otto- Benecke-Stiftung in Mehlem (siehe DS 201433) und das über mehrere Jahre geförderte Projekt „180° Wende“. Seit mehr als einem Jahr fördert die Stabsstelle mit „Champs – Ein Projekt für Integration und Gleichberechtigung“ des Trägers Hennamond e.V. ein weiteres Präventionsprojekt für junge Menschen, das sich neben dem Thema des extremistischen Salafismus auch mit Fragen von Tradition, Geschlechterrollen und Gewalterfahrung beschäftigt. Da Bonn seit langem einer der Schwerpunktorte des extremistischen und zum Teil gewaltorientierten Salafismus (sog. Dschihadismus) in Deutschland ist, hat sich die Stabsstelle Integration ab 2012/2013 intensiv um weitere Programme bemüht. Bonn gehörte dann 2014 zu den ersten drei Kommunen, die Träger des NRW-Programms „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ wurden. Neben der allgemeinen Beratung zum Themenfeld Islamismus/Salafismus bieten die „Wegweiser“-Berater:innen auch gezielte Hilfe für junge, von Radikalisierung bedrohte Menschen und deren soziales Umfeld an. Im Bereich der Deradikalisierung konnte die Stabsstelle 2015 mit dem Zentrum Demokratische Kultur den erfahrenen Träger der Beratungsstelle „Hayat“, die sich vor allem an bereits straffällig gewordene Personen wie beispielsweise Dschihad-Rückkehrer:innen aus Syrien und Somalia wendet und Teil des bundesweiten Netzwerks Radikalisierung des BAMF ist, für Bonn gewinnen. Inzwischen ist der Verein Grüner Vogel e.V. der Träger der Beratungsstelle, die jetzt „Beratungsstelle Leben“ heißt. Vernetzung ist in der Präventionsarbeit sehr wichtig. Seit vielen Jahren findenSeite 3 von 8 Seite 4 daher auf Initiative der Stabsstelle Integration Vernetzungstreffen der Bonner Akteure in den o.g. Themenfeldern statt. Diese pausieren aufgrund der Corona- Pandemie. Auch in NRW und auf Bundesebene ist die Stabsstelle gut vernetzt. Im Bereich des Antisemitismus haben diverse Aktivitäten und Kooperationen stattgefunden. So fand nach dem Angriff auf einen jüdischen Professor im Hofgarten auf Initiative des früheren OB Sridharan der „Tag der Kippa“ auf dem Marktplatz statt und auf Anregung der Stabsstelle erstmals im Rahmen der bundesweiten „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ der Besuch eines OB in einer Synagoge statt. Dem sind auf Empfehlung der bundesweiten Koordinierungsstelle inzwischen etliche Kommunen gefolgt. Des Weiteren fördert die Stabsstelle Integration Projekte wie z.B. „Juden kennen lernen – anhand des Schabbats“, das aufgrund der Pandemie online an Schulen stattfindet, und die Ausstellung und das Projekt „Juden in Deutschland haben wieder Angst“ der Ev. Migrations- und Flüchtlingsarbeit EMFA, das sich ebenfalls an Schulen wendet und aufgrund der Pandemie von der EMFA um ein Anschlussprojekt mit Aufstellern und einer Postkartenaktion ergänzt wurde. Für Lehrkräfte von Integrationskursen hat die Stabsstelle Integration in Zusammenarbeit mit der Synagogengemeinde einen Besuch in der Synagoge mit einem Austausch zum Thema „Umgang mit Antisemitismus“ angeboten; dies war für weitere Zielgruppen geplant und wird wegen der Pandemie zunächst Lehrkräften aller Schulformen als Online-Workshop angeboten. Zuletzt fand die Online-Veranstaltung „Was tun bei rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt? Die Opferberatung Rheinland stellt sich und ihre Arbeit vor“ statt. Im Juni folgt „Rechtsradikale Inhalte in Social Media: Was ist strafbar und was müssen Eltern und pädagogische Fachkräfte wissen“. zu 2. Welche Konzepte und Initiativen verfolgt die Verwaltung um Jugendliche und junge Erwachsene, z.B. in Jugendzentren, Kitas, OGS und Schulen, über die gesellschaftliche Ordnung und das friedliche Zusammenleben zu informieren? Gibt es eine Statistik für die letzten Jahre? Das OGS-Stadtbüro bietet regelmäßig Fortbildungen an, die der Gewalt¬prävention dienen, beispielsweise zu Themenstellungen wie Deeskalation, Sozialkompetenz, Mobbing usw. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wird die Teilnahme der Offenen Ganztagsschulen an Projekten der Gewalt¬prävention gefördert. So nehmen ca. ein Viertel der Offenen Ganztagsschulen an einem Projekt gegen Sexualisierte Gewalt teil. Auch der seit 5 Jahren bestehende Qualitätszirkel „Herausforderung Schüler¬verhalten“, an dem Pädagogische Leitungen und Schulleitungen teilnehmen, beschäftigt sich mit dem Thema Prävention. Die Inhalte der Treffen werden von Mitarbeiter*innen der Schulpsychologie, der Schulaufsicht und der OGS-Fachberatung vorbereitet. Mit der Sozialarbeit an Bonner Schulen wird ein permanentes niedrig¬schwelli¬ges Angebot vor Ort vorgehalten um auf ALLE Fragestellungen zeitnah regieren zu können. So können anlassbezogen eigenen Projekte zur Gewalt¬prävention angeboten werden oder es wird zielgerichtet in bereits bestehende Angebote der Stadt vermittelt.Seite 4 von 8 Seite 5 Für die Stadt Bonn wurde in enger Zusammenarbeit mit den freien Trägern der Jugendhilfe ein gemeinsames Rahmenkonzept für die Offene Jugendarbeit erstellt, welches 2016 politisch beschlossen wurde und seitdem bindend umgesetzt wird. Das Rahmenkonzept beschreibt das Ziel, den Auftrag und die Prinzipien der pädagogischen Arbeit. Wesentliches Ziel der Offenen Jugend¬arbeit ist die Förderung von Lebenskompetenz junger Menschen. Darunter sind unter anderem die Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln, gesell¬schaftlicher Mitwirkung und demokratischer Teilhabe zu verstehen. Politische und soziale Bildung sollen im Rahmen der Offenen Jugendarbeit das Interesse an politischen Prozessen und an politischer Beteiligung frühzeitig herausbilden sowie die Fähigkeit zu kritischer Beurteilung politischer Vorgänge und Konflikte entwickeln. Auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungen werden in diesem Zusammenhang thematisiert. Darüber hinaus ist auch die gezielte Prävention von Gewalt ein Angebot der Offenen Jugendarbeit der Stadt Bonn. So werden Präventionsprogramme und Angebote jedoch nicht nur in der Offenen Jugendarbeit, sondern auch im Bereich der Kindertagesbetreuung oder den Schulen umgesetzt. Diese werden in erster Linie durch die pädagogischen Fachkräfte der Einrichtungen geplant und umgesetzt. Unterstützung bekommen die Einrichtungen hierbei von verschiedenen Verwaltungsabteilungen und –ämtern (51-1 Städt. Tagesein¬richtungen für Kinder; 51-3 Soziale Dienste; 51-4 Psychologische Familien- und Erziehungsberatung; 51-5 Städt. Jugendeinrichtungen und Jugendförderung; 40-3 Planung, Entwicklung, Beratung von Eltern und Schulen) ebenso wie durch die Bonner Polizei (Kriminalkommissariat Kriminalprävention und Opferschutz). Gewaltprävention gehört zudem originär zum Bildungsauftrag des Kinder¬gartens. Kinder werden zu einem fairen Umgang miteinander, zu demokra¬tischem Verhalten und zur Wertschätzung gegenüber sich selbst und anderen angeleitet. Im Rahmen von Partizipation werden in Reflexion von und mit Kindern entsprechende Situationen aufgearbeitet und eingeordnet. Viele Kitas thematisieren dieses wichtige Thema zusätzlich im Rahmen von Projekten oder langfristig angelegten Programmen. In den Kitas der Stadt Bonn zählen hierzu insbesondere die Programme „Spielend streiten lernen“ und „Faustlos“. Das Kinderschutzkonzept für die städtischen Kitas bezieht sich ganz aus¬drücklich auf einen gewaltfreien Umgang innerhalb der Kitas. Auch die Konzepte anderer Träger setzen sich mit dem Thema auseinander. Des Weiteren wurde im Rahmen der Entwicklung eines gesamtstädtischen Gewaltpräventionskonzepts durch die Philipps-Universität Marburg, in Bonn ein gemeinsamer Gewaltbegriff festgelegt. Darauf aufbauend wurden verschiedene Handlungsempfehlungen formuliert, mit deren Umsetzung gerade begonnen wurde. Die Einrichtung einer Fach- und Koordinierungsstelle für Gewalt¬prävention gehört hier beispielsweise dazu. zu 3. Existiert eine Art Frühwarnsystem innerhalb der Verwaltung und in Kooperation mit Freien Trägern sowie der Polizei, in dem auffällige Beobachtungen gemeldet und Mitarbeitende geschützt werden können? Das bei der Stabsstelle Integration angesiedelte Programm „Wegweiser –Seite 5 von 8 Seite 6 gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ arbeitet im Bedarfsfall eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen. Dabei wird zunächst auf die Wahrung des Datenschutzes geachtet, denn Ratsuchenden soll in erster Linie ein geschützter Raum geboten werden. Wenn jedoch bei der Beratung von Klient:innen bzw. deren sozialem Umfeld strafrechtlich relevante Anhaltspunkte zutage treten oder sich eine Sicherheitsrelevanz für die Öffentlichkeit ergibt, sind die „Wegweiser“-Berater gehalten, das Innenministerium bzw. die Polizei einzuschalten. Darüber hinaus tauscht sich die Stabsstelle Integration im Bereich Salafismus-/Islamismusprävention unter Berücksichtigung des Datenschutzes bei Anhaltspunkten für die Gefährdung der öffentlichen Ordnung mit der Bonner Polizei aus. Im Rahmen des gesamtstädtischen Gewaltpräventionskonzeptes sind Arbeits¬gruppen geplant, in denen ein regelmäßiger Austausch zur präventiven Arbeit und deren Bedarfe in Sozialräumen und Einrichtungen. Diese Arbeits¬gruppen sollen darüber hinaus in eine städtische Organisationsstruktur eingebunden werden, zu der auch der kriminalpräventive Rat der Stadt Bonn gehört. In der Offenen Jugendarbeit werden regelmäßige Wirksamkeitsdialoge zwischen Fachkräften der Abteilung Jugendförderung und den Trägern und Fachkräften der Offenen Jugendeinrichtungen geführt werden. Beobachtungen und Veränderungen werden hier thematisiert und bei Bedarf gemeinsam Ziele und Handlungsoptionen entwickelt. Darüber hinaus fördert die Verwaltung auch den Austausch der Akteure in den Sozialräumen über die flächendeckend bestehenden Stadtteilarbeitskreise. zu 4. Werden von den Sozialarbeitern in den Flüchtlingsunterkünften Gespräche über die Regeln, Sitten und notwendigen Kompetenzen des Zusammenlebens in Bonn mit den Geflüchteten geführt? In welcher Regelmäßigkeit/Häufigkeit? Gibt es ein spezielles Programm/Konzept dafür? Regelmäßige Hinweise auf Verhaltensnormen in Form von Sitten und Regeln werden als Bestandteil des Integrationsprozesses gesehen. Die Gespräche finden zumeist anlassbezogen statt. Anlässe können Regelverstöße in und außerhalb der Unterkunft sein (verbale und tätliche Gewaltausübung, Besuchsverbot, Maskenpflicht, Störungen der Nachtruhe, Verhalten bei Behördengängen, Strafen nach Fahrten ohne Fahr¬ausweis etc., Annäherungsverbot nach häuslicher Gewalt etc.). Zu den Kompetenzen des Zusammenlebens zählt zunächst der Erwerb von Sprachkompetenz, da es unerlässlich ist, sich in Wort und Schrift auf Deutsch verständigen zu können. Ein weiteres Beispiel ist die Arbeitsplatzsuche. Hier werden Themen wie Verhaltensregeln beim Vorstellunggespräch, erforderliche Qualifikationen oder auch allgemeine Informationen zum „Arbeitssystem“ angesprochen. Außerdem werden mit Bewohnerinnen und Bewohnern, die in eine eigene Wohnung ziehen, Abschlussgespräche beim Auszug geführt, um Konflikten mit Vermieter und Nachbarschaft vorzubeugen. In welcher Regelmäßigkeit/Häufigkeit?Seite 6 von 8 Seite 7 Das unterscheidet sich je nach Unterkunft, findet aber durchschnittlich mehrfach wöchentlich statt. In Unterkünften mit vorwiegend Alleinstehenden ist die Frequenz dieser Gespräche höher als in Häusern, in denen vorwiegend Familien leben. Gibt es ein spezielles Programm/Konzept dafür? Für diesen Zweck existiert kein besonderes Konzept. Diese Tätigkeit ist viel¬mehr fester Bestandteil des Arbeitsalltags in der Sozialen Arbeit mit Geflüch¬teten. Inhaltlich dient unter anderem die Hausordnung in den Unterkünften als Richtschnur für die zu vermittelnden Inhalte. Je nach Bedarf finden einzelne Veranstaltungen oder Projekte auch von Externen oder anderen Stellen der Verwaltung in den Unterkünften statt. Als ein Angebot wäre die Veranstaltungsreihe der Stabsstelle Integration „Neue Heimat- Neue Fragen“ in 2017/ 2018 in unseren Unterkünften zu nennen. Hier wurde gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern über Erwartungen, allgemeine Regeln im Zusammenleben etc. diskutiert. Darüber hinaus haben Sozialbetreuerinnen und Sozialbetreuer zum Beispiel vor Beginn des neuen Schuljahres Familien zum Schulsystem informiert oder eine Aktion zum Thema Wohnen durchgeführt. Auch wurde ein Projekt mit männlichen Bewohnern und einem Sexual¬pädagogen initiiert, in dem über ein gemeinsames Kochen unter anderem die gesellschaftliche Stellung der Frau in verschiedenen Kulturen und das Thema „Gewalt“ angesprochen wurde. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie setzt pädagogische Fachkräfte in Sammelunterkünften für Geflüchtete ein, die sowohl jungen Menschen wie auch deren Eltern verschiedene-(Beratungs-) Angebote bieten. Insbesondere bei den Brückenangeboten für junge Erwachsene werden dabei auch regelmäßig Angebote zur Förderung der Lebenskompetenz inklusive der Klärung von Fragen zu Regeln, Sitten und Gebräuchen in Bonn und Deutschland allgemein durchgeführt. Diese Angebote werden durch die Zielgruppe gut angenommen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Integration. zu 5. Gibt es bei der Verwaltung eine Möglichkeit, z.B. im Rahmen von Projektwochen das Thema Gewalt- und Terrorismusprävention intensiv anzugehen und die Expertise des Integrationsrates dafür einzusetzen? Mit dem Programm „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ bietet die Stabsstelle Integration Schulen die Teilnahme der Wegweiser-Berater:innen an Projektwochen an. Zielgruppe der Berater:innen sind dabei nicht nur Jugendliche, sondern auch pädagogische Fachkräfte. Es ist geplant, in der praktischen Umsetzung des Gewaltpräventionskonzeptes vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten sowohl von Politik als auch von Fach¬kräften zu initiieren. Darüber hinaus wird im Jahr 2021 eine öffent¬lich¬keitswirksame Werbekampagne zur Gewaltprävention geplant und umgesetzt.Seite 7 von 8 Seite 8 zu 6. Welche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bonner Religionseinrichtungen werden unternommen? Werden diese Maßnahmen täglich und öffentlich erkennbar durchgeführt und welche Erfahrungen haben die zuständigen Sicherheitsorgane bisher gemacht? Werden die Gemeindemitglieder über die Sicherheitsmaßnahmen unterrichtet? Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Bonner Religionsgemeinschaften sind Angelegenheit der Bonner Polizei. zu 7. Hat die Verwaltung Kenntnis darüber, inwieweit es in Moscheen, Kirchen¬gemeinden und in der Synagoge Gespräche über Terror, das Leben in der Gemeinschaft oder Gewaltprävention gibt und inwieweit die Verwaltung solche Gespräche unterstützt oder sogar initiiert? Wie kann die Stadt ein Teil von diesen Gesprächen werden? Wie oft und wie weit gibt es Kooperation zwischen der Stadt und religiösen Einrichtungen? Durch ihre Zusammenarbeit mit Religionsgemeinschaften ist die Stabsstelle Integration in Kontakt mit diesen. In der Corona-Pandemie ruhen aktuell die Aktivitäten. Den Religionsgemeinschaften und speziell den Moscheegemeinden ist das breite Angebot an Präventionsprogrammen zur Bekämpfung der verschiedenen Formen von gewaltbereitem Salafismus und Islamismus bekannt. Bei Bedarf organisiert die Stabsstelle Integration auch Vorträge und Workshops zu Themen wie Antisemitismus und Rechtsextremismus und ist gerne bereit, dies in Kooperation mit den verschiedenen Religionsgemein¬schaften durchzuführen. Anlage/n KeineSeite 8 von 8
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