201977-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Gewerbekonzept Brüser Berg
Kerndaten
- Nummer
- 201977-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 02.12.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Kenntnisnahme
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 201977-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 03 Amt für Wirtschaftsförderung Dezernat: Dez. OB Gewerbekonzept Brüser Berg Beratungsfolge Bezirksvertretung Hardtberg 08.12.2020 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Zu 1. Gibt es ein Gewerbekonzept für den Brüser Berg und wenn nein, wann legt die Verwaltung ein solches vor? Der Brüser Berg ist ein Wohngebiet aus der zweiten Hälfte der 1970er Jahre, Gewerbe ist dort - mit Ausnahme der Nahversorgung der Bevölkerung - nicht vorgesehen. Daher liegt konsequenterweise auch kein Gewerbekonzept für das Nahversorgungszentrum Brüser Berg vor. Im gesamtstädtischen Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept von 2008 (überarbeitet 2013) wird die Einkaufsstraße Brüser Berg als zentraler Versorgungsbereich dargestellt. Durch diese Festlegung im städtebaulichen Entwicklungskonzept genießt der Bereich einen Schutz gegenüber Planungsvorhaben des Einzelhandels, die außerhalb dieses Bereiches liegen. zu 2. Wie wird die Situation des Einzelhandels- und Dienstleistungsgewerbes auf dem Brüser Berg beurteilt? Die Entwicklung des Handels war und ist weiterhin durch permanente Veränderungen zu beschreiben: „Handel ist Wandel“! Seit dem Jahr 2002 ist bundesweit die Zahl der Unternehmen im Einzelhandel bereits von 418.000 um 19 Prozent auf 339.000 gesunken (Quelle: https://de.statista.com/infografik/22987/...). Durch die Corona-Krise sind viele Entwicklungen beschleunigt worden. Beispielsweise hat die Digitalisierung zu einer breiteren Nutzung von Home- Office oder der Sichtbarkeit und Erreichbarkeit der Unternehmen im Internet (Online-Bestellungen) geführt. Damit wurde der bereits vor der Corona-Krise begonnene Strukturwandel im Einzelhandel extrem beschleunigt (Insolvenzen, Schutzschirmverfahren …). Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums hatte das Institut für Handelsforschung IfH im Mai 2019 – also noch vor der Corona-Pandemie - die „Handelsszenarien Nordrhein- Westfalen 2030“ vorgestellt. Demnach würden je nach Szenario in den kommenden zehn Jahren zwischen 4.000 und 25.000 Einzelhandelsunternehmen alleine in Nordrhein-Westfalen aus dem Markt ausscheiden. Die beiden wahrscheinlichsten Szenarien rechneten für ganzSeite 1 von 4 Seite 2 Nordrhein-Westfalen in der Summe mit 20.000 bis 25.000 weggefallenen Einzelhandelsunternehmen (Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Handelsszenarien Nordrhein-Westfalen 2030 - Einzelhandel in Nordrhein- Westfalen im digitalen Zeitalter, Düsseldorf 2019). Diese marktwirtschaftlichen Entwicklungen betreffen insbesondere kleinere Gemeinden im ländlichen Raum und die Subzentren in hoch verdichteten Städten. Diese Entwicklung wurde bereits im Jahr 2008 prognostiziert: „Das Zentrum im Ortsteil Brüser Berg auf der Edison-/Borsig- und von Guericke Allee ist trotz seiner städtebaulichen Gestaltung als Fußgängerzone neben dem nachlassenden Geschäftsbesatz und der wegbrechenden Nahversorgung durch Lebensmittelmärkte insbesondere durch den neuen Nahversorgungsstandort an der Julius-Leber-Straße / Ecke Am Kirchbüchel (Baskets-Halle) sowie der Agglomeration in Alfter-Oedekoven gefährdet“ (Einzelhandels- und Zentrenkonzept, S. 54). Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, malte gegenüber der dpa am 15.7.2020 ein düsteres Bild der aktuellen Lage, da die Verbraucher im „Krisenmodus“ seien: Die Sparquote steigt, und der private Konsum bricht weg. Diese Veränderungen sind bisher und werden auch weiter nicht spurlos an Bonn vorbei gehen. Durch Corona wird sich der Strukturwandel für die Unternehmen im Einzelhandel und der Gastronomie weiter beschleunigen mit nachgelagerten Folgen für die Immobilieneigentümer. Zu 3. Wie werden die Gewerberaummieten eingeschätzt? Der Verwaltung liegen keine Erkenntnisse über die Miethöhe einzelner Objekte vor, da diese dem Datenschutz zwischen den Vertragsparteien unterliegen 4. Wie werden Sauberkeit und Infrastruktur in der Fußgängerzone beurteilt und gibt es Verbesserungsbedarf? Der Verwaltung liegen keine Meldungen über außerordentliche "Müll-Hotspots" in der Fußgängerzone Brüser Berg vor. Montags und dienstags erfolgt die Reinigung durch eine Kompaktkehrmaschine von BonnOrange, dienstags wird zusätzlich eine Handreinigung durchgeführt. Bei der Handreinigung erfolgt die Reinigung über Handbesen, überall dort, wo die Kehrmaschine nicht hinkommt, z.B. aufgrund parkender Autos. 5. Was sind die Gründe für den Leerstand von Gewerberäumen in der Fußgängerzone und was wird dagegen unternommen? Aus dem unter den Punkten 1 bis 3 Gesagten resultiert, dass Leerstände von Gewerberäumen die Folge marktwirtschaftlicher Prozesse sind. Ein Einzelhandelsunternehmen wird sich nicht an einem Ort ansiedeln, an dem es nicht genügend Umsätze erwirtschaften kann, um nachhaltig zu überleben.Seite 2 von 4 Seite 3 Gerade für die Anbieter von Sortimenten des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Drogerieartikel etc.), die die Magneten in den kleinen Zentren wie den Brüser Berg waren, ist festzustellen, dass die Ansiedlung von großen Unternehmen derselben Branche in direkter Nachbarschaft (hier rund 4.500 qm Verkaufsfläche für Vollsortimenter, Discounter und Drogeriemarkt an der Baskets-Halle) dem Wettbewerb nicht gewachsen sein können. Vgl. hierzu auch Drucksachen-Nr. 1712337ST2, die in der Bezirksvertratung Hardtberg am 17.10.2017 behandelt wurde: „Inwieweit die durch politischen Beschluss im Zuge der Fortschreibung des Zentrenkonzeptes 2012 erfolgte Aufwertung der Einzelhandelsstandorte Auf dem Kirchbüchel und Basketsring bis hin zum Standort der ehemaligen BGS-Sporthalle vor dem Hintergrund der gewünschten Stärkung der Einzelhandelsfunktion in den Bereichen Duisdorf, Brüser Berg und Lengsdorf hilfreich war, sei dahin gestellt.“ Ähnlich hat es Bernhard Schmuck, der Vorsitzende des Unternehmerverbunds Brüser Berg, im General-Anzeiger am 17.11.2020 ausgedrückt: „Ein Bekleidungs- und ein Schuhgeschäft sowie ein Drogeriemarkt fehlen uns hier oben immer noch“. Er sei jedoch Realist genug, um zu wissen, dass sich durch die Nähe zum großen Vollversorger, Discounter und Drogeriemarkt am nahen Basketsring die Investion für weitere Anbieter an der Borsigallee nicht rechnen würde.“ Zum Amt für Wirtschaftsförderung gehört der Immobilienservice, der sowohl Anbietern als auch für Nachfragern von Gewerberäumen kostenfrei zur Verfügung steht. Ob aus den vermittelten Kontakten später tatsächlich Mietverträge resultieren, ist dann wiederum alleinige Angelegenheit der Vertragspartner. zu 6. Führt die Wirtschaftsförderung mit dem Unternehmerverband Brüser Berg Gespräche, wie die Situation verbessert werden könnte? Die Wirtschaftsförderung hat Kontakt zum Vorsitzenden des Unternehmerverbundes. zu 7. Wie könnte für den Gewerbestandort Brüser Berg besser geworben werden und wie könnte die Stadt dabei unterstützen? Die ansässigen Unternehmen kennen Ihre Kundschaft in der Nachbarschaft am Besten, daher richten sie ihre Werbemaßnahmen auch an den Bedürfnissen der Bevölkerung aus. Darüber räumlich hinaus reichende Werbemaßnahmen wären nicht zielführend, da dies lediglich zu Umsatzverlagerungen aus anderen Nahversorgungszentren wie Duisdorf oder Lengsdorf und zu vermeidbaren Verkehren führen würde.Seite 3 von 4 Seite 4 Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:12 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de