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201775-02 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Bürgerantrag: Aktion: Weg mit der Haselnuss-Monokultur und hin zu mehr Baumvielfalt

Nummer
201775-02 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
08.12.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 17.03.2021 Kenntnisnahme
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  1. 201775 Bürgerantrag: Aktion: Weg mit der Haselnuss-Monokultur und hin zu mehr Baumvielfalt

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Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
201775-02 ST
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Bürgerantrag: Aktion: Weg mit der Haselnuss-
Monokultur und hin zu mehr Baumvielfalt
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bad Godesberg 16.12.2020 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
Die Antragstellenden haben auf die Stellungnahme der Verwaltung reagiert. Zu
diesen Ausführungen teilt die Verwaltung in einer ergänzenden Stellungnahme
zu DS 201775-1 ST Folgendes mit :
Zum Thema Allergien:
Die Pollen einer Vielzahl von Pflanzen gelten als allergen. Neben vielen
Gräser- und Kräuterarten trifft dies auch auf verschiedene Bäume und
Sträucher zu. Die bekanntesten sind sicher Erle, Esche, Birke und Hasel. Aber
auch Pappel, Buche, Hainbuche, Ulme, Weide, Eiche, Edelkastanie und
Platane gehören zu potentiell allergieauslösenden Gehölzen. Zusammen mit
den ebenfalls allergenen Pollen der Gräser und Kräuter sind sie zur Blütezeit
der jeweiligen Pflanzen überall vorhanden, wenn auch in unterschiedlicher
Konzentration. Nicht abschließend geklärt sind die Gründe für die Zunahme von
Allergien auf Pollen in den letzten Jahrzehnten. Ursache der Allergie sind aber
nicht die natürlich vorkommenden Pflanzenpollen, denn diese kommen seit
Jahrtausenden in der Umgebung von Menschen vor.
Bei Pflanzenpollen handelt es sich daher um eine natürliche Auswirkung der
Existenz von Gräsern, Kräutern und Gehölzen. Sie werden vom Wind auch
über große Entfernungen übertragen. Die Entfernung des Pollenemittenten in
unmittelbarer Nachbarschaft eines Allergikers vermag daher die Erkrankung
nicht zu heilen. Es ist meist nicht einmal eine Linderung zu spüren, solange
nicht in großem Umkreis alle Pollenspender entfernt werden. Da jedoch viele
Pflanzenarten als Allergieauslöser in Frage kommen, ist gerade im Hinblick auf
die aus klimatischen Gründen erforderliche bessere Durchgrünung der Städte
eine Entfernung aller potentieller Gräser, Kräuter und Gehölze nicht möglich.
Selbst eine vollständige Beseitigung der Baumhasel würde daher das Problem
der Allergien nicht lösen.
Durch die frühe Blütezeit im Jahr, die schon nach wenigen Wochen, i. d. R. bis
Ende März, abgeschlossen ist, erfolgt der Pollenflug des Hasels noch zu einer
Zeit, in der es leichter fällt, die Fenster nicht ständig zum Lüften offen, sondern
geschlossen zu halten.Seite 1 von 5

Seite 2
Zur Eignung der Baumhasel als Straßenbaum:
Es ist zutreffend, dass sich die Empfehlungen der GALK zur Eignung von
Straßenbäumen im Lauf der Jahre durchaus verändern können. Daher stützt
sich die Verwaltung auf aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen weit über die
Publikationen der GALK hinaus, die regelmäßig mit eigenen Erfahrungen
abgeglichen werden. Diese Empfehlungen entwickeln sich unter
Berücksichtigung u.a. des Klimawandels jährlich weiter, ebenso die
Erfahrungen der eigenen Fachkollegen/innen. Schon seit vielen Jahren testet
die Bundestadt Bonn verschiedenste Baumarten auf ihre Fähigkeit, sich an den
fortschreitenden Klimawandel sowie neue Schädlinge und Krankheiten
anzupassen und gleicht damit wissenschaftliche Erkenntnisse mit der lokalen
Standortsituation ab.
Es ist aber nicht sinnvoll, mit jeder neuen Erkenntnis die Bäume, die vor 10, 20
oder 30 Jahren mit damaliger Kenntnis gepflanzt wurden, zu fällen und die
aktuell in der Hitliste an der Spitze liegenden Arten zu pflanzen, die dann im
Zuge des Klimawandels oder bei Auftreten neuer Krankheiten und Schädlinge
oder neuer Allergien wieder gefällt werden müssen. Genauso wenig ist es
sinnvoll, sich innerhalb des Stadtgebiets auf zehn ausgewählte Arten zu
beschränken und auf - nach derzeitigem Kenntnisstand - potentiell Allergien
auslösende Baumarten gänzlich zu verzichten. Sinnvoll ist es dagegen sich
innerhalb einer Straße auf eine einheitliche Baumart festzulegen, die der
Straße ein homogenes Erscheinungsbild gibt.
Derzeit müssen im Stadtgebiet viele Bäume gefällt werden, weil sie nicht mehr
verkehrssicher sind. Dies ist auf zunehmende Hitze und Trockenheit
zurückzuführen, i. V. m. verstärkt an den dadurch geschwächten Bäumen
auftretenden Krankheiten und Schädlingen. Im vergangenen Sommer kam eine
ganze Reihe von Sturmschäden dazu, was den städtischen Baumbestand
weiter reduziert hat. Schon jetzt reichen finanzielle und personelle Kapazitäten
der Verwaltung kaum dazu aus, alle erforderlichen Ersatzpflanzungen zeitnah
durchzuführen. Daher muss jeder gesunde und verkehrssichere Baum erhalten
und geschützt werden. Es wäre sehr kontraproduktiv, gesunde und
verkehrssichere Bäume zum Austausch zu fällen.
Der ablehnende Beschlussvorschlag bleibt daher bestehen.
Anlage/n
1 Auszug E-Mail zur DS 201775 (öffentlich)
2 Replik auf die Stellungnahme der Verwaltung (öffentlich)Seite 2 von 5

Rückfragen zur freigegebenen Stellungnahme der Verwaltung DS 201775-1
Auszug E-Mail
Von: Dieter Kiel <Dieter.Kiel@gmx.de>
Gesendet: Dienstag, 24. November 2020 15:25
An: VL_01-1_buergerbuero_bonn <buergerbuero@bonn.de>
Cc: Claus Müller <cspfmueller@icloud.com>; quaybonn@t-online.de
Betreff: Aw: Unser Az.: 9174/2020 - Beratung Ihres Bürgerantrages
Priorität: Hoch
Sehr geehrte Frau Rosen,
es geht um die Beratung unseres Bürgerantrages 201775 am 16.12.2020 durch die
Bezirksvertretung Bad Godesberg.
Die Stellungnahme der Verwaltung geht mit keinem Wort auf die im Bürgerantrag als Kernanliegen
vorgetragenen
Gesundheitsbelange und nur teilweise auf die angesprochenen Unfallgefahren ein. Wir möchten
daher diese beiden Kernanliegen untermauern (Datenanhang: 201775ReplikuVorschlag) und einen
eigenen Beschlussvorschlag für die Bezirskvertretung unterbreiten. Bitte nehmen Sie den
Datenanhang mit zu den Unterlagen des Bürgerantrages,
damit die Bezirksvertretung entsprechend unterrichtet und vorbereitet ist, wenn die Beratung
stattfindet.
Wir freuen uns auf die Einladungsunterlagen und werden noch klären, wer von uns aqn der Sitzung
teilnimmt.
Mit freundlichen Grüßen
XXXXXXXXXXXXXX
AnlageSeite 3 von 5

Bürgerantrag 201775
Aktion: Weg mit der Haselnuss-Monokultur und hin zu mehr Baumvielfalt
hier: Replik auf die Stellungnahme der Stadtverwaltung
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Kriterien der Empfehlungsliste GALK (Zitat)
Die Empfehlungsliste der Ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter beim Deutschen Städtetag (GALK)
kommentiert und bewertet 178 Baumarten unter dem Blickwinkel der Eignung als Straßenbaum,
gestützt vor allem auf, Zitat:
morphologische und physiologische Eigenschaften wie Wuchskraft, Wurzel-, Stamm- und
Kronenbildung, Habitus oder Lichtdurchlässigkeit,
Standortansprüche an Klima, Boden, Wasser und Lichtbedarf
Erfahrungen über Lebenserwartung, Pflegeaufwand, Widerstandsfähigkeit gegen
Umweltbelastungen, Krankheiten und Schädlinge,
Verkehrssicherheit mit Blick auf Stand- und Bruchsicherheit, Totholzbildung oder Lichtraumprofil
regionale Besonderheiten und Erfahrungen sowie regionale Einschränkung ihrer
Verwendungsbereiche
Als Grundsatz gilt dabei: Je anspruchsloser die Baumarten vor allem in Bezug auf Boden, Nährstoffe und
Klima sind, desto besser sind sie in der Regel für die Verwendung im städtischen Straßenraum geeignet.
(Zitatende)
Nicht erwähnt sind wichtige Eignungskriterien, die im Bürgerantrag thematisiert sind
Es ist nachvollziehbar, dass sich die Herangehensweise der Gartenamtsleiter auf ihre eigene spezifische
Disziplin und Fachkenntnis konzentriert. Aber reicht das aus? Nein.
Monokultur an Haselnussbäumen bewirkt gesundheitliche Beschwerden bei den Anwohnern
Auch wenn gegenwärtig die Corona-Pandemie als neue gesundheitliche Bedrohung im Fokus steht,
sind dadurch andere vorhandene Probleme und Bedrohungen nicht vom Tisch: Konkret geht es hier um
die hohe Pollenbelastung durch die Haselbäume, die als Monokultur an der Etzelstraße, Oberaustraße
etc. auf mehr als 1,2 km Länge gepflanzt sind. Haselpollen zählen bekanntlich zu den wichtigsten
Allergieerregern. Nach der Birke sind sie zweithäufigster Auslöser. Im Nahbereich der Bäume ist der
Polleneintrag exorbitant konzentriert und gesteigert
Allergien sind keineswegs harmlos, sondern eine ernst zu nehmende chronische Erkrankung.
Unbehandelt verschlimmern sie sich stetig. Weltweit stellen Allergien laut WHO ein zunehmendes
Gesundheitsproblem mit pandemischen Ausmaßen dar. In Europa sind mehr als 60 Millionen Menschen
allergisch, davon allein in Deutschland 20-30 Millionen Bundesbürger. Das ist rund jeder dritte
Deutsche! Tendenz steigend. Bitte helfen Sie uns, indem sie schrittweise vorhandene Monokulturen von
Haselbäumen auflockern und durch Baumvielfalt ersetzen. Wenn man die gesundheitlichen Belange
nicht ausblendet, sondern einbezieht und ernst nimmt als Kriterium, müssen Haselbäume für den
Straßenraum Wir würden es sehr begrüßen,
wenn mit dem politischen Wechsel in Bonn auch eine neue Kultur im Umgang mit Bürgerinteressen und
ökologisch ausgewogener Straßenbegrünung einhergeht.
Das Verwaltungs-
und vermag nicht wirklich zu überzeugen nachdem die Verwaltung selbst die Artenvielfalt als
überzeugendes Kriterium zum Schutz vor kostspieligen Baumkrankheiten ins Feld geführt hat.
Unfallgefahren für gangunsichere Fußgänger und Fahrradfahrer durch übergroße Nussmengen
Nicht überzeugend ist auch die Begrenzung des Aspektes der Verkehrssicherheit auf gesundheitliche
Aspekte des Baumwuchses (Stand- und Bruchsicherheit, Totholzbildung oder Lichtraumprofil).
Sollte hier nicht Gesundheit u. Sicherheit der Verkehrsteilnehmer im Mittelpunkt stehen? Anders als inSeite 4 von 5

Bürgerantrag 201775
Aktion: Weg mit der Haselnuss-Monokultur und hin zu mehr Baumvielfalt
hier: Replik auf die Stellungnahme der Stadtverwaltung
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den ersten Jahren produzieren die Haselbäume heute in teils stattlicher Größe ein Übermaß an Nüssen
und bewirken damit Unfallgefahren insbesondere für gangunsichere Fußgänger aber auch für
Fahrradfahrer. Wir würden es begrüßen, wenn auch diese Erfahrungen dazu beitragen, dass künftig
keine Haselbäume als Straßenbäume gepflanzt werden. Die Empfehlungsliste der GALK benennt
immerhin zehn Baumarten, die selbst aus der rein fachlichen Sicht der Gartenamtsleiter deutlich besser
.
(Purpurerle, Dornenlose Gleditschie, Zerreiche, Robinie, Amerikanische Stadtlinde, Silberlinde etc.)
Abschließend sei erwähnt, dass die Empfehlungsliste GALK den Baumhasel aktuell nicht mehr als
Bewertungswandel von ursprünglich bis hin zu nur noch
https://www.galk.de/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/strassenbaumliste
https://www.galk.de/arbeitskreise/stadtbaeume/themenuebersicht/strassenbaumtest-2
Appell an Verwaltung und frisch gewählte Bürgerschaftsvertreter
Bitte folgen Sie dem Wandel des Qualitätssiegels ergänzt um unsere Erfahrungen als Anwohner.
Gesundheitsbelange und Verkehrssicherheit sprechen gegen den Baumhasel. Unter dem Strich ist der
Baumhasel wohl nicht geeignet, insbesondere nicht, wenn er als massive Monokultur auf ca. 1,2 km
Straßenlängen gepflanzt ist. Im Gleichschritt mit dem Baumwachstum steigen die verheerend wirkenden
Pollenbelastungen im Frühjahr permanent an; im Herbst kommen Unfallgefahren hinzu durch stetigen
Nussregen, Schlafstörungen durch Knalleffekte von Autoreifen, unerwünschtes Taubenfutter/
Nagerfutter etc.
Bitte lassen Sie uns nicht allein mit dieser sich selbst verstärkenden Fehlentwicklung. Wir brauchen eine
Entschärfung durch einen aktiv gestalteten Richtungswechsel hin zu mehr Baumvielfalt. Aussitzen kann
man dieses Problem nicht. Wir haben 20 Unterschriften gesammelt in der Hoffnung, dass dieses Signal
wirkt, nicht weil die Zahl der Befürworter damit vollständig abgebildet wäre. Wir vertrauen auf Ihre
Umsicht, Ihren Sachverstand und Ihren Willen, Fehlentwicklungen aktiv zu unterbinden und einen
Hoffnung schenkenden Richtungswechsel behutsam in Gang zu bringen. Vielen Dank für Ihr Verständnis
und Ihre Unterstützung des folgenden Vorschlages.
Beschlussvorschlag
Im Hinblick auf überzeugend vorgetragene gesundheitliche Belange der Anwohner und zusätzlich
beachtliche Kriterien der Verkehrssicherheit beschließt die Bezirksvertretung, dass die Monokultur von
Haselbäumen an der Etzelstraße und Oberaustraße, Bonn-Mehlem, im Falle von Ersatzpflanzungen und
Neupflanzungen in Richtung zu mehr Baumvielfalt umgestaltet wird. Vorzugsweise sind Baumarten zu
berücksichtigen, die in der jeweils aktuell geltenden Fassung der Ständigen Konferenz der
Zur Entschärfung der massiven Pollenproblematik wird pro Straßenzug (Etzelstraße,Oberaustraße etc)
ab 2021 im zeitlichen Rhythmus von jeweils drei Jahren von der Verwaltung je ein Haselbaum
ausgewählt und aktiv ersetzt, unabhängig von einer Baumerkrankung. Den Vorzug erhalten Haselbäume,
die aufgrund ihrer Kronengröße besonders viele Nüsse und Pollen also Probleme für Gesundheit und
Verkehrssicherheit - produzieren.Seite 5 von 5

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Datenstand: 02.11.2026, 21:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de