201763-1 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Bürgerantrag: Erweiterung Personenkreis für Fortsetzung des 365-Euro-Tickets im Stadtgebiet Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 201763-1 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 17.11.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 201763-1 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III 05.10.2020 Bürgerantrag: Erweiterung Personenkreis für Fortsetzung des 365-Euro-Tickets im Stadtgebiet Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Zum Bürgerantrag „Erweiterung Personenkreis für Fortsetzung des 365-Euro- Tickets im Stadtgebiet Bonn“ nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung: Die Stadt Bonn und die Stadtwerke Verkehrs-GmbH gehören dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) an, der für den ÖPNV-Tarif im gesamten Verbundraum zuständig ist. Die Tarife werden in der VRS- Verbandsversammlung beschlossen. Die Einflussmöglichkeiten der Stadtverwaltung Bonn auf die Tarifgestaltung im VRS sind entsprechend begrenzt. Der VRS hat allerdings die Tarif-Problematik erkannt und erprobt zurzeit in einem Pilotversuch den eTarif als neues Tarifmodell. Auch weitere Optimierungen der Tarifsituation sind beim VRS in Planung. Eine uneingeschränkte Nutzung eines 365-Euro-Tickets für das Stadtgebiet Bonn für alle Bürger*innen würde sicherlich stark nachgefragt werden. Hierdurch würden die Absatzzahlen anderer Ticketarten einbrechen und damit ein wesentliches Standbein der Finanzierung des ÖPNV in Bonn und der Region entfallen. Die SWB haben allein für die Preisstufe 1b (Stadtgebiet Bonn) ca. 29.000 Abonnent*innen von Monats Tickets (inklusive der aktuellen 365- Euro-Ticket Kund*innen). Der Preis für diese MonatsTickets liegt derzeit bei 87,20 Euro, d.h. 1.046,40 Euro pro Jahr. Würde man diesen Preis auf 365 Euro reduzieren, entstünde ein Zuschussbedarf von 681,40 Euro pro Ticket. Bei 29.000 Tickets wären das ca. 20 Mio. Euro pro Jahr. Hinzu kämen weitere Verluste z.B. bei JobTickets. Ob durch eine Preissenkung höhere Absatzzahlen diesen Verlust teilweise kompensieren könnten, kann nicht sicher prognostiziert werden. Im Zuge der Lead City Förderung wurde daher im Jahr 2018 per Ratsbeschluss beschlossen, dass das 365-Euro-Ticket nur für das Stadtgebiet Bonn und nur für Neukund*innen angeboten wurde, da die vom Bund gewährte Fördersumme begrenzt ist (DS 1811853). Nach Ablauf der Förderung durch den Bund müssten die Mittel vom städtischen Haushalt bereitgestellt werden.Seite 1 von 2 Seite 2 Neben der Finanzierung eines 365-Euro-Tickets für alle Bonner Bürgerinnen und Bürger, ergibt sich eine weitere Problemstellung. Die zusätzliche (zu erwartende) Nachfrage kann durch die aktuell vorhandene ÖPNV-Infrastruktur perspektivisch nicht aufgenommen werden. Die hiermit absehbar verbundenen negativen Begleiterscheinungen wie überfüllte Busse und Bahnen, zunehmende Unpünktlichkeit aufgrund längerer Fahrgastwechselzeiten an den Stationen u.a. würden den erhofften Anreizeffekt zur Nutzung des ÖPNV wahrscheinlich ins Gegenteil verkehren. Es gibt noch keine gesicherten Prognosen, ob aufgrund der Corona-Pandemie die Lage in den Spitzenzeiten dauerhaft etwas entspannter bleibt oder sich das Mobilitätsverhalten mittelfristig wieder dem Niveau vor der Pandemie annähert. Die Verwaltung sieht insbesondere auch Handlungsbedarf in der Infrastruktur. Mit ÖPNV- Projekten wie dem Stadtbahnkonzept 2023, der Westbahn, der Stadtbahn Niederkassel und der Seilbahn plant die Verwaltung derzeit mehrere Großprojekte, die die Kapazitäten im Bonner ÖPNV deutlich steigern werden. Auch in der Stadt Wien, die immer wieder als Beispiel für das 365-Euro-Ticket genannt wird, wurde zunächst die ÖPNV-Infrastruktur und das Angebot verbessert, bevor den Nutzer*innen das 365-Euro-Ticket angeboten wurde. Daher sollten aus Sicht der Verwaltung die begrenzten finanziellen Mittel insbesondere in die Verbesserung der Infrastruktur und des Angebots investiert werden, um den ÖPNV in Bonn und der Region attraktiver zu gestalten. Eine grundsätzlich wünschenswerte dauerhafte Preissenkung im ÖPNV in der Form eines 365-Euro-Tickets ist zum aktuellen Stand, auch weil es keine diesbezüglichen Finanzierungszusagen von Bund und Land gibt, unter den aktuellen haushalterischen Rahmenbedingungen und unklarer Positionierung des VRS und seiner Mitglieder derzeit nicht darstellbar. Die Verwaltung wird im VRS weiter dafür werben, auch unter Inanspruchnahme von Bundes- und Landesmitteln, schrittweise Verbesserungen bei den ÖPNV-Tarifen zu erreichen. Beschlussvorschlag für den Bürgerausschuss: Der Bürgerantrag wird abgelehnt, der Antragstellende wird entsprechend den Ausführungen in der Stellungnahme der Verwaltung informiert. Mit diesem Beschluss ist das in § 24 GO NRW für die formelle Beratung von Bürgeranträgen vorgesehene Verfahren zum Abschluss gelangt. Anlage/n KeineSeite 2 von 2
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 03:21 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de