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201702 · Dringlichkeitsentscheidung OB

Neuabschluss eines Fördervertrags zur Fortführung des Programms "Job Coach" in der Trägerschaft der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim gGmbH

Nummer
201702
Art
Dringlichkeitsentscheidung OB
Veröffentlicht
28.09.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Rates (konstituierende Sitzung) 05.11.2020 Genehmigung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 584,5 KB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 201702-01 1. Beanstandung des Ratsbeschlusses vom 05.11.2020, DS-Nr.: 201702 2. Erneute Genehmigung der Dringlichkeitsentscheidung betr. Neuabschluss eines Fördervertrags zur Fortführung des Programms "Job Coach" in der Trägerschaft der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim gGmbH

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Dringlichkeitsentscheidung OB
öffentlich
201702
Der Oberbürgermeister
Federführung:
51 Amt für Kinder, Jugend und Familie
Dezernat:
Dez. V
Neuabschluss eines Fördervertrags zur Fortführung
des Programms "Job Coach" in der Trägerschaft
der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim gGmbH
Beratungsfolge
Rat 05.11.2020 Genehmigung
Begründung der Dringlichkeit:
Da der bisher gültige Fördervertrag zum 31.07.2020 durch den Träger
gekündigt wurde, ist der Abschluss eines neuen Fördervertrages ab 01.08.2020
erforderlich. Aufgrund der Vertragsverhandlungen konnte die entsprechende
Vorlage erst jetzt erstellt werden, so dass eine rechtzeitige Einbringung in den
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie am 12.08.2020 nicht mehr möglich
war.
Beschlussvorschlag
Die nachstehende Dringlichkeitsentscheidung des Stadtdirektors in Vertretung
des Oberbürgermeisters wird genehmigt.
Dringlichkeitsentscheidung gem. § 60 GO NW
Die Verwaltung wird beauftragt:
1. einen neuen Vertrag mit der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim gGmbH
zur Fortführung des Programms „Job Coach“ bis zum 31.12.2022 fortzuführen
und das Programm finanziell zu fördern,
2. das Programm „Job Coach“ weiterhin in das aktuelle Projekt „Förderung der
Ausbildungsreife“ der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss,
Übergang Schule - Beruf“ einzubinden,
3. einen Zuschuss in Höhe von höchstens 379.596,00 Euro aus Mitteln der
Jugendhilfe pro Haushaltsjahr zur Verfügung zu stellen:
2020 158.165,00 Euro (August bis Dezember)
2021 379.596,00 Euro
2022 379.596,00 Euro
Die erforderlichen Mittel sind im Haushaltsplan für das Jahr 2020 sowie in den
Anmeldungen des Amtes 51 zum Haushalt 2021/2022ff. enthalten.Seite 1 von 26

Seite 2
Die Bewilligung des Zuschusses für die Jahre 2021 und 2022 steht unter dem
Vorbehalt der Einstellung der notwendigen Mittel sowie der Genehmigung des
jeweiligen Haushaltes durch die Bezirksregierung Köln.
4. Die Finanzierung des Projektes Job Coach durch die Bundesstadt Bonn
verlängert sich - unter den vereinbarten Bedingungen - bis zum 31.07.2023 für
den Fall, dass eine Beendigung der Maßnahme zum Ende der Förderlaufzeit
(31.12.2022) erfolgen soll, um den Teilnehmern*innen dennoch bis zum
Schuljahresende die Angebotsfortführung gewährleisten zu können.
Begründung
Der Abschluss eines neuen Fördervertrages mit der Evangelischen Jugendhilfe
Godesheim gGmbH für das Programm Job Coach ab dem 1.8.2020 ist
notwendig, da der Träger den bis zum 31.12.2020 gültigen Vertrag fristgerecht
vorzeitig zum 31.7.2020 (Ende des Schuljahres) gekündigt hat. Die Kündigung
begründete der Träger mit der nicht mehr auskömmlichen, vereinbarten
Förderhöhe. Gleichzeitig hat er deutlich gemacht, mit einer angepassten,
bedarfsgerechten Förderung das Angebot fortsetzen zu wollen. Die Verwaltung
hat die finanzielle Forderung des Trägers geprüft und kommt zu dem Ergebnis,
dass diese wirtschaftlich angemessen und nachvollziehbar ist.
Zu den Hintergründen und Erfahrungen zum Programm Job Coach der
Evangelischen Jugendhilfe Godesheim gGmbH wird auf die Drucksache Nr.
1811089 verwiesen. Die aktuellen Zahlen der aktuellen Vertragslaufzeit werden
im Folgenden dargestellt. Ausführlich können sie dem beigefügten Sachbericht
entnommen werden.
Im Jahr 2011 wurde das Job Coach-Programm der Evangelischen Jugendhilfe
Godesheim gGmbH entsprechend des Ratsbeschlusses vom 01.03.2011 (vgl.
Drucksachen-Nr. 1110387) vertraglich in das regionale Übergangsnetzwerk
und dessen Projekt „Förderung der Ausbildungsreife“ eingebunden. Das Projekt
„Förderung der Ausbildungsreife“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit
individuellem Förderbedarf. Durch eine intensive Zusammenarbeit von
Lehrkräften, Berufsberatern und sozialpädagogischen Fachkräften sollen im
Rahmen der so genannten „Entwicklungskonferenzen“ und durch den Einsatz
von „Entwicklungsplänen“ geeignete Hilfen für diejenigen Schülerinnen und
Schüler bereitgestellt werden, bei denen nach einer gemeinsamen
Einschätzung große Schwierigkeiten beim Übergang in den Beruf absehbar
sind. Ziel ist es, Jugendliche, die ohne eine besondere Förderung die
Ausbildungsreife am Ende der Sekundarstufe I voraussichtlich nicht erreichen,
bereits ab Ende der Klasse 8 individuell und kontinuierlich zu unterstützen.
Seitdem werden insgesamt 80 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10
pro Schuljahr aus allen Bonner Hauptschulen ganzjährig durch die Job
Coaches betreut, begleitet und gefördert. Die Zuweisung von
betreuungsbedürftigen Schülerinnen und Schülern erfolgt nach entsprechender
Beratung in den Schulen und wird durch die Beratungsstelle für
Jugendberufshilfe gesteuert. Die Job Coaches unterstützen und betreuen dieSeite 2 von 26

Seite 3
einzelnen Schülerinnen und Schüler daraufhin nach Maßgabe eines auf die
individuelle Situation abgestimmten Entwicklungsplanes.
Die Zusammenarbeit zwischen Job Coach und der Beratungsstelle für
Jugendberufshilfe hat sich ausgezeichnet durch:
 direkte Vermittlung von Schülerinnen und Schülern in das Job Coach-
Programm, sobald ein Teilnehmerplatz frei wurde,
 eine durchgängige Teilnehmerzahl von 80 Jugendlichen im Programm,
 inhaltliche Abstimmung der individuellen Entwicklungsplanung,
 Einbeziehung der Job Coaches in die Entwicklungskonferenzen
 eine geregelte und abgestimmte Übergabe der Entlassschüler*innen in
die jeweilige Anschlussperspektive und
 regelmäßigen Austausch auf Fachkräfteebene und durch gemeinsame
Dienstbesprechungen.
Zum 31.07.2019 haben insgesamt 87 Schülerinnen und Schüler am Job
Coach-Programm teilgenommen. 50 Schüler*innen befanden sich in Klasse 9,
35 in Klasse 10 und 2 in Nachbetreuung. Zum Schuljahresende haben 34
Schülerinnen und Schüler die Schule verlassen. Davon konnten 13 in eine
Ausbildung, 18 an eine Berufsfachschule und 2 in eine Berufsvorbereitende
Bildungsmaßnahme vermittelt werden. 1 Person wurde in die Jugendwerkstatt
übernommen. Alle der durch Job Coach betreuten Entlassschüler*innen
verließen die Schule mit einem Schulabschluss: 13 erreichten die
Fachoberschulreife und 19 den erweiterten Hauptschulabschluss.
Angesichts der oben beschriebenen Inhalte und Wirkungen wird die
Fortführung und Erweiterung der Maßnahme auf 100 Teilnehmerplätze
befürwortet. In den letzten Jahren überstieg der Bedarf bereits die zur
Verfügung stehenden Teilnehmer*innenplätze. Insbesondere nun auch vor dem
Hintergrund der Corona-Pandemie wird ein weiter erhöhter Bedarf und eine
eventuelle Erweiterung auf weitere Schulen gesehen. Die zusätzlichen
Teilnehmer*innenplätze werden wie bereits üblich in enger Abstimmung
zwischen der städtischen Beratungsstelle für Jugendberufshilfe, dem Projekt
Job Coach und der jeweiligen Schule vergeben.
Die Finanzierung des Projektes erfolgt aus Mitteln der Jugendhilfe. Die
erforderlichen Mittel sind im Haushaltsplan 2020 sowie den
Haushaltsanmeldungen 2021/2022 ff. enthalten. Grundlage der Berechnung
bildet ein pauschales monatliches Leistungsentgelt von 316,33 Euro pro
Teilnehmer*in (316,33 Euro X 100 Plätze X 12 Monate = 379.596,00 Euro
jährlich).
Die Verwaltung schlägt daher vor, dem Träger möglichst lange
Planungssicherheit zu verschaffen und das Projekt bis zum Ende des
kommenden Doppelhaushalts mit der Option der Verlängerung bis zum EndeSeite 3 von 26

Seite 4
des Schuljahres 2022/2023 fortzuführen. Die Umstellung auf die grundsätzlich
auf das Kalenderjahr bezogene Förderung erfolgt mit Blick auf die
Veranschlagung der Mittel bezogen auf ein Haushaltsjahr.
23.09.2020 /
28.09.2020
gez. i.V. Fuchs gez. Schröder
Datum Stadtdirektor Stadtverordnete/r
Finanzielle Auswirkungen: August bis Dezember 2020
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.06.05 Sonst. Leistungen zur
Förderung junger Menschen u.
Familien
1.06.05.05 Jugendsozialarbeit
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
158.165,00 151000605/
73.1000
2020
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
158.165,00
2021
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.06.05 Sonst. Leistungen zur
Förderung junger Menschen u.
Familien
1.06.05.05 Jugendsozialarbeit
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
379.596,00 151000605/
73.1000
2021
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
379.596,00
2022
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.06.05 Sonst. Leistungen zur
Förderung junger Menschen
1.06.05.05 JugendsozialarbeitSeite 4 von 26

Seite 5
und Familien
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
379.596,00 151000605/
73.1000
2022
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
379.596,00
Anlage/n
1 Anlage DE Neuabschluss eines Fördervertrages JobCoach (öffentlich)Seite 5 von 26

JOBCOACH-PROGRAMM
ÜBERGANGSMANAGEMENT
SCHULE – BERUF
ERFAHRUNGSBERICHT
FÜR DAS SCHULJAHR
2018/2019
Seite 6 von 26

INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG ........................................................................................ 05
2. WICHTIGE THEMEN IN DER ZUSAMMENARBEIT .................................. 06
2.1 SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER ............................................................................................ 06
2.2 ELTERN .................................................................................................................................... 09
2.3 SCHULEN ................................................................................................................................. 10
2.4 BETRIEBE ................................................................................................................................. 12
2.5 AGENTUR FÜR ARBEIT ............................................................................................................ 12
2.6 ARMUT ..................................................................................................................................... 13
3. DAS KONZEPT ................................................................................................. 16
3.1 ZIELSETZUNG, KOSTENTRÄGER UND TEILNEHMENDE SCHULEN ....................................... 16
3.2 DIE EINBETTUNG IN DAS PROJEKT „FÖRDERUNG DER AUSBILDUNGSREIFE“ ..................... 17
3.3 DER BETREUUNGSVERLAUF ............................................................................................................... 18
4. DIE ARBEITSSCHWERPUNKTE .......................................................................... 22
4.1 FALLBEISPIEL B: ENGAGEMENT UND ZUVERLÄSSIGKEIT KÖNNEN WICHTIGER
SEIN ALS SCHULNOTEN ................................................................................................. 22
4.2 FALLBEISPIEL A: AUCH DER BESTE RAT KANN INS LEERE LAUFEN ..................... 24
4.3 FALLBEISPIEL C: EINE GUTE PERSPEKTIVE AUCH OHNE ABSCHLUSS ................ 26
5. ZAHLEN UND FAKTEN ..................................................................................... 28
5.1 VERTEILUNG DER TEILNEHMENDEN IM SCHULJAHR ZU SCHULEN .................................... 28
5.2 STRUKTUR DER TEILNEHMENDEN NACH KLASSEN .............................................................. 29
5.3 VERMITTLUNG IM SCHULJAHR 2018/2019 ............................................................................ 30
5.4 ERREICHTE SCHULABSCHLÜSSE ............................................................................................ 31
5.5 STRUKTUR DER TEILNEHMENDEN ZUM JAHRESENDE ......................................................... 32
6. ZUSAMMENARBEIT MIT INSTITUTIONEN ......................................................... 33
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ............................................................. 35
ABKÜRZUNGEN ............................................................................................... 38Seite 7 von 26

1. EINLEITUNG
Jobcoach kann auf ein erfolgreiches Schuljahr
2018/2019 zurückblicken. Die pädagogischen
Fachkräfte unterstützten in diesem Zeitraum
87 Schülerinnen und Schüler (SuS). Bei den
meisten von ihnen konnten sie wertvolle Im-
pulse zur Berufsorientierung und relevante
Unterstützung bei der Entwicklung der Ausbil-
dungsreife leisten. In diesem Schuljahr konnten
13 von 34 SuS in Klasse 10 in Ausbildungen
vermittelt werden.
Bildquelle: mesh auf unsplash.com
1. Einleitung Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19
| 05Seite 8 von 26

06 | | 07
In den folgenden Ausführungen erhalten Sie einen Überblick über die
wichtigen Themen in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Perso-
nengruppen.
Elementare Kompetenzen, die für die Ausbildungsreife und die Anforderun-
gen des Ausbildungsmarktes erforderlich sind, müssen von einem Gros der
SuS kleinschrittig erlernt und gemeinsam mithilfe der Jobcoaches erprobt
ZHUGHQ'D]XJHK¸UHQXɋDGLH%HI¦KLJXQJGHU6X6]XU(LJHQVW¦QGLJNHLWXQG
Kommunikationsfähigkeit oder das Einüben von Computer-Grundkenntnis-
sen. Darüber hinaus ist ersichtlich, dass sich die Deutschkenntnisse (sprach-
lich und grammatikalisch) einer Mehrzahl der SuS im mangelhaften Bereich
EHȴQGHQ XQG ZLU EHL XQVHUHU =LHOJUXSSH HLQH 9HUVFKOHFKWHUXQJ LQ GLHVHP
Bereich beobachten. Diese Einschränkungen werden im Rahmen einer
vertrauensvollen Beziehung zwischen Schüler*in und Jobcoach in den Blick
genommen und ein geeignetes Vorgehen wird erarbeitet und gemeinsam
abgestimmt.
Zudem hat sich gezeigt, dass die Vorstellungen der Schüler*innen über die
Bedingungen und Möglichkeiten des Ausbildungsmarktes oft nicht mit der
Realität übereinstimmen. Jobcoach leistet diesbezüglich Aufklärungsarbeit
und gleicht wertschätzend und sensibel die jeweiligen Ressourcen eines*einer
Schüler*in methodisch mit den faktischen Chancen ab. Das Thematisieren der
Selbstwahrnehmung und deren Widerspruch zum erlebbaren Leistungsver-
mögen der SuS ist nach wie vor eine zentrale Aufgabe der Arbeit von Jobcoach.
Bei einigen SuS wurde im letzten Schuljahr ersichtlich, dass diese mit fami-
liären bzw. persönlichen Problemen belastet waren, die den Fortschritt in
der Berufsorientierung massiv beeinträchtigten und zudem den Verantwor-
tungsbereich der Jugendlichen deutlich überschritten haben. Dazu gehörten
2. WICHTIGE THEMEN IN DER ZUSAMMENARBEIT
2.1 SCHÜLERINNEN UUND SCHÜLER
Zu Beginn der Jobcoach-Begleitung steht das Herstellen einer Beziehung
zwischen Schüler*in und Jobcoach-Fachkraft. Die Entwicklung eines Mitwir-
kungswillens ist anfänglich ebenfalls sehr wichtig. Bereits bei diesen ersten
6FKULWWHQLQGHU%HJOHLWXQJZLUGK¦XȴJGHU:LGHUVSUXFKGHXWOLFKGDVV6X6
zwar gerne teilnehmen möchten, dabei aber nur wenig von der notwendigen
Mitwirkungsbereitschaft aufweisen, die für die Berufsorientierung sehr wichtig
LVW(UNHQQEDUZLUGGLHV]ɋ%GDUDQGDVV)UHL]HLWDNWLYLW¦WHQGHU7HLOQDKPHDQ
Terminen im Büro vorgezogen werden.
Die Jobcoach-Begleitung ist bei den teilnehmenden Schüler*innen nach wie
vor beliebt und wird überwiegend positiv angenommen und genutzt. Viele
SuS sind daran interessiert, während der Phase ihrer Berufsorientierung
eine verlässliche Unterstützung an der Seite zu haben.
Die Arbeit des vergangenen Schuljahres hat gezeigt, dass die Motivation
GHU 6FK¾OHU LQQHQ VLFK HLJHQLQLWLDWLY XQG HQJDJLHUW PLW LKUHU EHUXȵLFKHQ
Perspektive auseinander zu setzen, unterschiedlich ist und mitunter sehr
schwankend verläuft. Bei einem Großteil der SuS ist entwicklungsbedingt zu
EHREDFKWHQGDVVGDV'XUFKKDOWHYHUP¸JHQ ]ɋ%Z¦KUHQGHLQHV3UDNWLNXPV
oder in der Bewerbungsphase) unzureichend ist und den Prozess der Be-
rufsorientierung erschwert.
Kompetenzen, wie das zuverlässige Einhalten von Absprachen, das Wahr-
nehmen von Terminen sowie die Präsentationsfähigkeiten und Umgangs-
IRUPHQ GHU 6X6 VLQG K¦XȴJ QXU HLQJHVFKU¦QNW YRUKDQGHQ XQG ZHUGHQ LP
Einzelkontakt kontinuierlich besprochen und eingeübt. Die SuS benötigen im
individuellen Begleitungsprozess zunehmend ein hohes Maß der Ansprache,
Motivation und Hilfestellungen ‚um in die Spur‘ zu kommen sowie sich neben
ihren schulischen Leistungen, familiären Erfordernissen und Problemen auf
GLH%HUXIVȴQGXQJ]XIRNXVVLHUHQ
Bildquelle: Sam Balye auf unsplash.comSeite 9 von 26

08 | | 09
2.2 ELTERN
Der überwiegende Teil der Familien, aus denen die teilnehmenden SuS
stammen, hat einen migrantischen Hintergrund. Die deutschen Sprach-
NHQQWQLVVHGHU(OWHUQVLQGHUIDKUXQJVJHP¦¡K¦XȴJGHȴ]LW¦U(LQ$XVWDXVFK
zwischen den Eltern der teilnehmenden SuS und den Jobcoaches wird durch
die hohen Sprachbarrieren sehr beeinträchtigt. Schüler*innen müssen dann
oft als Übersetzende zwischen Fachkraft und ihren Eltern fungieren, damit
¾EHUKDXSW HLQH .RPPXQLNDWLRQ VWDWWȴQGHQ NDQQ 'LHVHU 8PVWDQG ELUJW
gleich mehrere Probleme: Einerseits gelingt die im Konzept verankerte Eltern-
arbeit der Jobcoaches in manchen Fällen nicht so, wie es wünschenswert
Z¦UH $QGHUHUVHLWV IHKOHQ GHQ EHWUR΋HQHQ (OWHUQ GLH K¦XȴJ HLQHQ XQXP-
stößlichen Abiturwunsch für ihre Kinder haben, ausreichende Kenntnisse
über das deutsche Bildungssystem und die Möglichkeiten, die dieses für die
SuS unabhängig vom Schulabschluss beinhalten kann. Ausbildungen werden
von den Eltern oftmals abgelehnt und die freie Berufswahl der SuS durch
die elterlichen Vorstellungen eingeschränkt. Die Fachkräfte müssen hierbei
(kultur-)sensibel zwischen den Vorstellungen der SuS und Eltern sowie den
realistischen Möglichkeiten auf dem Ausbildungsmarkt vermitteln und Auf-
klärungsarbeit leisten.
So unterschiedlich wie die religiöse Orientierung oder Herkunft ist auch der
sozioökonomische Status der Eltern der SuS. Für einige der SuS ist es eine
+HUDXVIRUGHUXQJLQGHU)LQGXQJHLQHUEHUXȵLFKHQ3HUVSHNWLYHHLQHQ*HZLQQ
für sich zu erkennen. Diese Jugendlichen bekommen es zu Hause nicht vor-
JHOHEWGDVVVLFK$UEHLWRGHU$XVELOGXQJȈORKQWȆ]ɋ%ZHQQVLFK6R]LDOOHLVWXQJHQ
und der Verdienst von Arbeit nur unwesentlich unterscheiden. Die Jobcoaches
fungieren somit auch als Rollenvorbilder für die Jugendlichen und unterstüt-
zen die SuS darin, eine andere Perspektive einnehmen zu können. Im letzten
Abschnitt der Einleitung (2.6 Armut) wird auf diesen Aspekt nochmals geson-
dert eingegangen.
Eine andere Schwierigkeit in der Zusammenarbeit mit einigen Familien stellen
die hohen Anforderungen an die familiäre Unterstützung dar, die Eltern an
ihre Töchter und Söhne richten. Die Jugendlichen übersetzen bei Terminen,
versorgen jüngere Geschwister oder sind in häusliche Arbeiten eingebunden.
Sowohl die zeitliche Einbindung als auch die Übernahme von Verantwortung
vor allem existenzielle Nöte wie der ungeklärte Aufenthaltsstatus von Ange-
K¸ULJHQ RGHU GHQ 6FK¾OHU LQQHQ VHOEVW VRZLH IDPLOL¦UH .RQȵLNWH XQGRGHU
ȴQDQ]LHOOH6RUJHQ'LH-REFRDFKHVIXQJLHUWHQKLHUEHLQLFKWQXUDOV([SHUWLQ-
QHQ LQ GHU %HUXIVZHJHEHJOHLWXQJ VRQGHUQ XQWHUVW¾W]WHQ GLH EHWUR΋HQHQ
Schüler*innen durch Vermittlung zu helfenden Stellen, Eltern- und Angehöri-
genarbeit und nicht zuletzt als verlässliche Ansprechpartnerinnen.
Im vergangenen Projektzeitraum ist zudem deutlich geworden, dass es für
die von uns begleiteten SuS im Laufe der Zeit schwieriger geworden ist, eine
3UDNWLNXPVVWHOOH]XȴQGHQ(LQHP¸JOLFKH8UVDFKHKLHUI¾ULVWHLQHUVHLWVGDVV
das unzuverlässige Verhalten einzelner SuS bei Praxisstellen zur zukünftigen
Ablehnung weiterer Praktika seitens der Betriebe führten. Andererseits sind
YLHOH6FK¾OHU LQQHQDXVNXOWXUHOOHQ*U¾QGHQ ]ɋ%EHL0¦GFKHQ+HLPZHJQXU
bei Tageslicht erlaubt) oder zu geringen Kenntnissen über das Stadtgebiet
und ÖPNV-Netz nicht in der Lage, weitere Fahrwege für ein Praktikum auf
sich zu nehmen (Bad Godesberg – Bonn Innenstadt). Andererseits gibt es
DEHUDXFKJXWH(UIDKUXQJHQ]ɋ%GDVVVLFKDXVJXWDXVJHZ¦KOWHQXQGRGHU
zusätzlichen freiwilligen Praktika erhöhte Chancen auf dem Ausbildungs-
markt ergeben können.
Das Thema Armut in strukturell benachteiligten Familien ist in der Arbeit
von Jobcoach immer wieder präsent und wird im letzten Abschnitt nochmal
gesondert beschrieben.
'LHVSH]LȴVFKHQ3UREOHPHLQGHU$UEHLWPLWPLJUDQWLVFKHQ-XJHQGOLFKHQ 78
von 87 SuS) beziehen sich mehrheitlich auf die Arbeit mit Herkunftsfamilien
und sind daher im nächsten Abschnitt beschrieben.
2. Wichtige Themen in der Zusammenarbeit Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 10 von 26

10 | | 11
'HU6FKXODOOWDJELUJWYLHOHVWUXNWXUHOOH+LQGHUQLVVH]ɋ%GDVXQWHUVFKLHGOLFKH
Bereitstellen (können) von Räumlichkeiten für die regelmäßigen Sprechstun-
den oder geringe zeitliche Kapazitäten der Lehrkräfte für den fachlichen
$XVWDXVFK'LHVHVLQGGXUFKYLHOI¦OWLJH9HUSȵLFKWXQJHQJHEXQGHQXQGVHKHQ
sich dann mit einer weiteren Zusatzaufgabe konfrontiert, die Jobcoaches in
den Schulalltag zu integrieren.
Wichtige Informationen wie tagesaktuelle Veränderungen (Stundenausfälle,
Vertretungen, Raumänderungen) können nicht immer rechtzeitig von den
Schulen zu den Jobcoaches weitergegeben werden, sodass es zu Störungen
des Unterrichts und Missverständnissen in der Kommunikation kommen
kann. Hinsichtlich dieser Problematik wird deutlich, wie wichtig der gute
Austausch und ein grundsätzlich vertrauensvoller Umgang zwischen Schulen
und Jobcoach sind.
Bei schulisch sehr schwachen Schüler*innen sind in Einzelfällen sehr wohl-
wollende Benotungen festzustellen. Führt dies aus Sicht der Jobcoaches zu
HLQHPXQJ¾QVWLJHQ(LQȵXVVDXIGLH6HOEVWZDKUQHKPXQJGHU6FK¾OHU LQQHQ
oder auch dazu, dass Zugangsvoraussetzung für bestimmte Anschlussmaß-
nahmen dann nicht erfüllt sind, suchen die Jobcoaches im Einzelfall das Ge-
spräch mit Lehrer*innen, um auf diese Problematik aufmerksam zu machen.
für die Familie sorgt dafür, dass sie sich so nicht ausreichend auf ihre Schul-
laufbahn, die Inhalte aus dem Unterricht und ihre eigene Entwicklung konzen-
trieren können. In der Elternarbeit versuchen wir, den Eltern diese Auswirkun-
gen klar zu machen und tragfähige Kompromisse im Sinne der Jugendlichen
]XȴQGHQ
Daneben ist der Eindruck entstanden, dass einige Eltern der SuS mehr
Interesse an einer Jobcoach-Begleitung haben als der*die Schüler*in selbst.
(LQLJH(OWHUQWHLOHP¸FKWHQ]ɋ%DQGHQ(LQ]HOWHUPLQHQLP%¾URSDUWL]LSLHUHQ
um einen Einblick in die Arbeit zu erhalten und ihre Vorstellungen für die
$XVELOGXQJVZDKOLKUHU.LQGHUHLQȵLH¡HQ]XODVVHQ'LHVNDQQGHQ)RUWVFKULWW
GHU$XVELOGXQJVUHLIHKHPPHQGDGLHEHWUR΋HQHQ6X6ZHQLJHUHLJHQVW¦QGLJH
und selbstwirksame Erfahrungen machen können – dies gilt auch für die
Anreise zum Büro, die von einem Teil der Eltern durch das Bringen mit dem
Auto vorgenommen wird. Die Entwicklung einer eigenständigen Mobilität
der SuS im Stadtgebiet kann durch die gut gemeinte Hilfestellung der Eltern
oft erschwert werden.
In der Summe hat sich aber gezeigt, dass das Miteinbeziehen der Eltern in die
$UEHLW GHU -REFRDFKHV ¾EHUZLHJHQG HLQHQ SRVLWLYHQ (΋HNW DXI GHQ 9HUODXI
des Begleitungsprozesses und damit letztlich auf das Ziel der Ausbildungs-
UHLIHXQGGHU6FKD΋XQJHLQHU$QVFKOXVVSHUVSHNWLYHGHU6X6KDW0LWGLHVHU
0D¡QDKPH NDQQ ]ɋ% PDQJHOQGHV 9HUWUDXHQ GHU (OWHUQ LQ GLH -REFRDFK
Begleitung wirksam ausgeräumt werden.
2.3 SCHULEN
Die gute Zusammenarbeit mit den Schulen ist eine wichtige Voraussetzung
für eine erfolgreiche Arbeit von Jobcoach. Nach einem weiteren Jahr der
Zusammenarbeit mit den verschiedenen Hauptschulen wird erneut deut-
lich, dass die Kooperation zwischen Lehrkräften und Jobcoaches das gute
*HOLQJHQ GHU %HUXIVZHJHEHJOHLWXQJ PD¡JHEOLFK EHHLQȵXVVHQ NDQQ 'LHVHV
Zusammenwirken macht ein Kernelement der Jobcoach-Arbeit aus. Insgesamt
ist die Bereitschaft der Schulen zur Zusammenarbeit hoch. Die Organisations-
strukturen der vier Bonner Hauptschulen sind sehr unterschiedlich und
erfordern viel Flexibilität seitens der Fachkräfte von Jobcoach.
2. Wichtige Themen in der Zusammenarbeit Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 11 von 26

12 | | 13
2.6 ARMUT
Verhältnisse relativer Armut in den Familien der teilnehmenden SuS werden
im Jobcoach-Programm seit Jahren beobachtet. Diese haben einen enormen
(LQȵXVVDXIGLH7HLOKDEHP¸JOLFKNHLWHQXQG3HUVSHNWLYHQDXIGHP$UEHLWV-
markt, was im Folgenden verdeutlicht wird.
Der sozioökonomische Status der Eltern, die sich oftmals in keinem oder in
SUHN¦UHQ %HVFK¦IWLJXQJVYHUK¦OWQLVVHQ EHȴQGHQ ZLUNW VLFK PDVVLY DXI GLH
Bildungs- und Teilhabechancen der SuS aus. Schüler*innen mit arbeitslosen
Eltern leben oftmals mit dem Vorbild, dass Arbeit sich nicht lohnt. Bestätigt
I¾KOHQVLHVLFKXɋDGXUFKGHQ8PVWDQGGDVV7HLOHGHU$XVELOGXQJVYHUJ¾WXQJ
mit dem Regelbedarf verrechnet werden. Ohne entsprechende Vorerfahrun-
JHQGHU(OWHUQIHKOWLKQHQGDQQK¦XȴJGDV:LVVHQZLHPDQHLQ9RUVWHOOXQJV-
gespräch führt, sich situationsangemessen kleidet oder Bewerbungsunterla-
gen erstellt.
'LHPHLVWHQ3UREOHPHHQWVSULQJHQGHPQDFKȴQDQ]LHOOHQXQGGDPLWH[LVWHQ-
ziellen Sorgen der Familien und deren Kindern. Diese Sorgen und Nöte werden
EHVRQGHUVJHSU¦JWGXUFKGLHVFKZLHULJH:RKQVLWXDWLRQYLHOHU)DPLOLHQ]ɋ%
in Asylbewerber*innen-Unterkünften oder in entsprechenden Quartieren
der Stadt. Teilnehmende Schüler*innen leben mit ihren Familien oft auf engem
Raum in Gebieten am Stadtrand. Ihnen fehlt so nicht nur ein eigenes Zimmer
und/oder ein Zugang zu einem PC und Internet. Auch diese Ortsrandlage
bringt weitere Nachteile.
$XVGHUȴQDQ]LHOOEHODVWHWHQ*HVDPWVLWXDWLRQOHLWHWVLFK]XGHPDEGDVVGLH
notwendigen Mittel für Bücher, Schulmaterial, Nachhilfe und sonstige schuli-
sche Fördermaßnahmen fehlen. Auch außerschulische Lernprozesse wie die
Teilnahme an Musik- oder Tanzunterricht, einem Sportverein oder Aktivitäten
zur kulturellen Teilhabe sind unter den gegebenen monetären Voraussetzun-
gen meist nicht umsetzbar. Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabe-Paket sind
NRPSOL]LHUWLQGHU%HDQWUDJXQJXQGI¾UHLQH9ROOȴQDQ]LHUXQJGHUJHQDQQWHQ
$QJHERWHLɋGɋ5QLFKWDXVUHLFKHQGΔQVEHVRQGHUHGHUKRKH%HGDUIDQ1DFK-
hilfe im Einzelsetting kann durch BuT-Mittel nicht gedeckt werden.
Diese beschriebenen Probleme wirken sich zudem sowohl auf die Möglich-
keiten der Kommunikation (kein Handyguthaben) außerhalb der Schulsprech-
stunden als auch auf die Mobilität im Stadtgebiet (kein Schüler-Ticket) aus.
2.4 BETRIEBE
Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, stellen wir fest, dass es zunehmend
VFKZLHULJHU ZLUG JHHLJQHWH 3UDNWLNXPVSO¦W]H EHL %HWULHEHQ ]X ȴQGHQ 'LH
KRKHQ $QVSU¾FKH DQ GDV $UEHLWVYHUKDOWHQ ]ɋ% ]HLWOLFKH )OH[LELOLW¦W LP
Schichtdienst oder in Handwerksberufen) bilden für unsere SuS eine hohe
Hürde und müssen erst erlernt werden. Die Bereitschaft, einen vermeintlich
„anstrengenden“ Ausbildungsberuf im Anschluss an ein Praktikum erlernen
zu wollen, muss sehr mühsam erarbeitet werden.
Eine Schwierigkeit ist immer öfter, dass viele Unternehmen zunehmend
Online-Bewerbungsverfahren mit Vorauswahltests einsetzen, welche einer-
seits viel Zeit zur gemeinsamen Bearbeitung in Anspruch nehmen und an-
dererseits inhaltlich eine hohe Schwelle bedeuten und die SuS in ihren Aus-
wahlmöglichkeiten einschränken.
Andererseits haben wir immer wieder Betriebe, welche kontinuierlich Prakti-
kant*innen aufnehmen – trotz der Vorurteile, mit denen Hauptschüler*innen
oftmals zu kämpfen haben und an denen Bewerbungsverfahren vermutlich
RIWVFKHLWHUQ+LHUHUOHEHQ6X62΋HQKHLWXQG:HUWVFK¦W]XQJGLHVLHEHLGHU
erfolgreichen Absolvierung ihrer Praktika sehr unterstützen.
2.5 AGENTUR FÜR ARRBEIT
Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit hat sich als unterstützend
erwiesen und ist sehr positiv. Die Teilnahme der Berufsberatenden an den
UHJHOP¦¡LJ VWDWWȴQGHQGHQ (QWZLFNOXQJVNRQIHUHQ]HQ LQ GHQ 6FKXOHQ LVW HLQ
KLOIUHLFKHV $UEHLWVPLWWHO 'LH %HUXIVEHUDWHQGHQ ]HLJHQ VLFK VWHWV R΋HQ I¾U
den Austausch mit den am Prozess beteiligten Akteur*innen. Die zeitnahe
und verlässliche Initiierung bzw. Umsetzung von gezielten Förderungen oder
Testungen sind hierbei das Ergebnis.
Eine größere Präsenz der Reha-Berater*innen, die in der Regel nicht an den
Konferenzen teilnehmen können und auch nur selten an der Schule eine
Sprechstunde anbieten, wäre wünschenswert.
2. Wichtige Themen in der Zusammenarbeit Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 12 von 26

14 | | 15
Jobcoach begegnet dieser komplexen Problematik mit materieller Unter-
VW¾W]XQJI¾UDOOHWHLOQHKPHQGHQ6X6]ɋ%GHU)LQDQ]LHUXQJXQGGHP%HUHLW-
stellen von:
Pass- und Bewerbungsfotos
Bewerbungsunterlagen
Zudem können im Rahmen des Jobcoach-Programms im Einzelfall weitere
materielle Sachwerte zur Verfügung gestellt werden:
Arbeitsschuhe, die für bestimmte Praktikumsstellen
Voraussetzung sind
Fahrkarten für den ÖPNV (Vorstellungsgespräche,
Termine bei Jobcoach, Probearbeiten etc.)
Begleitung zu wichtigen, schwer zu erreichenden oder
weiter entfernten Terminen mit dem Auto
Kostenlose Nachhilfe und Einzelförderung durch
Ehrenamtler*innen (vergl. dazu das Kapitel zur
Zusammenarbeit mit den Institutionen)
Mittel für Impfungen, Atteste, Erste-Hilfe-Kurse,
Führungszeugnisse, die für manche Praktikumsstellen
Voraussetzung sind
Bücher zum Leseverstehen
Computerkurse in den Jobcoach-Räumlichkeiten
Ohne diese Unterstützung wären es den teilnehmenden SuS aufgrund ihrer
gesellschaftlich benachteiligten Lage mitunter nicht möglich, den Anforde-
rungen des Ausbildungsmarktes gerecht zu werden. Mit der materiellen
Förderung erhöhen sich ihre Chancen, einen Zugang zu Ausbildungs- und
Weiterbildungsangeboten zu erhalten und eine tragfähige Zukunftsperspek-
tive zu entwickeln.
Bildquelle: Scott Webb auf unsplash.com
2. Wichtige Themen in der ZusammenarbeitSeite 13 von 26

3. DAS KONZEPT
3.1 ZIELSETZUNG, KOOSTENTRÄGER UNDD TEILNNEHMENDEE SCHULEN
Jobcoach betreut mit 3,2 pädagogischen Fachkräften gleichzeitig bis zu 80 SuS,
bei denen ohne die sozialpädagogische Maßnahme mit Schwierigkeiten beim
Übergang von der Schule ins Berufsleben zu rechnen wäre. Die Betreuung
ȴQGHWDQDOOHQ%RQQHU+DXSWVFKXOHQVWDWW
Da das Jobcoach-Programm präventiv arbeitet, werden im Programm aus-
VFKOLH¡OLFK6X6EHJOHLWHWGLHQRFKVFKXOSȵLFKWLJVLQG'LH%HJOHLWXQJVROODP
Ende der 8. Klasse bzw. spätestens im vorletzten Schulbesuchsjahr beginnen.
'DV3URMHNW-REFRDFKȴQDQ]LHUWVLFKDXV0LWWHOQGHV$PWHVI¾U.LQGHU-XJHQG
und Familie. Das Amt ist aber nicht nur Geldgeber: Die seit vielen Jahren enge
XQGH΋HNWLYH=XVDPPHQDUEHLWPLWGHU-XJHQGEHUXIVKLOIHGHU6WDGW%RQQLVW
ein wichtiger Baustein für unsere erfolgreiche Arbeit.
Ziel des Jobcoach-Programms ist die Sicherung und Verbesserung der Ausbil-
dungsfähigkeit solcher SuS, für die aufgrund ihrer bisherigen Schullaufbahn
zu erwarten ist, dass sie die Herausforderungen am Übergang von der Schule
LQGHQ%HUXIQLFKWDXVHLJHQHU.UDIWHUIROJUHLFKEHZ¦OWLJHQN¸QQHQ+¦XȴJLVW
kein oder nur ein schwacher Hauptschulabschluss zu erwarten und entspre-
chend gering sind die Chancen dieser SuS, auf dem Ausbildungsmarkt einen
Ausbildungsplatz zu erhalten und an dem vorhandenen Angebot teilzuhaben.
9LHOHGHU6X6]HLJHQHLQSDVVLYYHUZHLJHUQGHV9HUKDOWHQXQGNRPPHQK¦XȴJ
aus sog. bildungs- bzw. arbeitsfernen Milieus. Jobcoach betreut diese SuS mit
der Intention, eine passgenaue individualisierte Vermittlung zum Ende der
Schulzeit zu erreichen.
3.2 DIE EINBETTUNG IN DAS PROJEKT
„FÖRDERUNG DERR AUSBILDUNGSRREIFE“
Ziel des Konzeptes „Förderung der Ausbildungsreife“ ist es, mit einem frühen
prophylaktischen Ansatz eine Förderstruktur zu etablieren, die individuell,
bedarfsgerecht, strukturiert, konsequent und „eng“ an der*dem Schüler*in
Wirkung entfaltet. Jobcoach betreut SuS in Phase I der im Kooperationsver-
trag „Übergang Schule – Beruf“ festgehaltenen Phasen zur Förderung der Aus-
bildungsreife. Dabei wird unser institutionelles Fachwissen aus dem Bereich
GHU-XJHQGKLOIHVFKRQEHLGHUΔGHQWLȴ]LHUXQJGHV)¸UGHUEHGDUIVXQGEHLGHU
Erstellung des Förderplans genutzt. Durch eine frühe Betreuung wird eine
an den individuellen Interessen und Stärken orientierte Vermittlung nach
Beendigung der Schulzeit erreicht und im Idealfall so ein Bezug von Leis-
tungen nach dem SGB II perspektivisch vermieden. Jugendliche sollen Hilfe
]XU %HUXIVȴQGXQJ HUKDOWHQ LKUH $XVELOGXQJVUHLIH VROO JHI¸UGHUW XQG GDPLW
EHVWP¸JOLFKH%HGLQJXQJHQ]XP6WDUWLQGLH$UEHLWVZHOWJHVFKD΋HQZHUGHQ
Die Koordination der Förderung liegt bei der Jugendberufshilfe. Die Auswahl,
welche SuS eine Unterstützung durch das Projekt Jobcoach erhalten, wird von
GHU-XJHQGEHUXIVKLOIHGHQ/HKUNU¦IWHQXQG-REFRDFKJHPHLQVDPJHWUR΋HQ
Jobcoach wird nach Durchführung der Potenzialanalyse tätig. Vor dem Ein-
VWLHJLQGHQ$UEHLWVSUR]HVVGXUFK-REFRDFKȴQGHWHLQΔQIRUPDWLRQVJHVSU¦FK
mit den Lehrkräften statt, in dem der*die Jugendliche mit seinen*ihren Stär-
ken und Schwächen sowie der angedachten Unterstützung besprochen wird.
Der individuelle Unterstützungsbedarf der SuS wird in einem Entwicklungs-
plan festgehalten. Jobcoach betreut die SuS auf der Grundlage dieses Plans.
Dieser kann angepasst werden, wenn sich im Rahmen der Betreuung neue
Ziele ergeben.
Um die Ausbildungsreife zu fördern, sind bestimmte persönliche (individu-
elle) Einstellungen bzw. Verhaltensweisen unabdingbar, die eine große Anzahl
von SuS zu Beginn des Programms nicht oder nur unzureichend ausgeprägt
aufweisen.
16 | | 17
Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 14 von 26

Die Intensität der Betreuung ist an den Bedürfnissen der SuS ausgerichtet.
An folgendem Leitfaden zum Jobcoach-Prozess orientieren sich die Mitarbei-
tenden in ihrer Tätigkeit:
Um eine umfassende, intensive und transparente Beratung zu gewährleis-
ten, ist der Jobcoach-Prozess inhaltlich und im zeitlichen Ablauf eindeutig
strukturiert. Dabei gilt es, möglichst alle Prozessschritte und Ziele unter der
Maßgabe des Verhaltens der SuS umzusetzen.
Zunächst versucht die Jobcoach-Fachkraft eine ungestörte Gesprächsatmo-
sphäre mit der erforderlichen Empathie herzustellen. Dabei wirkt er*sie auf
die aktive Teilnahme und die Entwicklung der Gesprächskompetenz der SuS
HLQ'HUHQ%HȴQGOLFKNHLWHQZHUGHQGXUFKJ¦QJLJEHREDFKWHWXQGEHL%HGDUI
UHȵHNWLHUW'LH6X6N¸QQHQPLWHLJHQHQ9RUVWHOOXQJHQXQG:¾QVFKHQMHGHU-
]HLWDXIGHQ9HUODXI(LQȵXVVQHKPHQ
Um die Fähigkeit zur Selbstinformation als Arbeitsgrundlage zu stärken,
lernen die SuS nicht nur die entscheidenden Medien zur Berufserkundung
und -wahl kennen, sondern sie auch selbstständig zu nutzen.
Es folgt die Auswertung bisheriger berufsbezogener Eindrücke aus dem sozi-
alen Umfeld unter Einbezug der evtl. Berufspraxis und der seitens der Schule
HUVWHOOWHQ3RWHQ]LDODQDO\VHXQGGHV3HUV¸QOLFKNHLWVSURȴOV'LHLP9HUIDKUHQ
durchgeführten Neigungstests und eine Stärken-Schwächen–Bilanz bilden
die Grundlage für weitere Verhaltensanalysen und -auswirkungen, die mit
den SuS erörtert werden.
Die SuS werden ermutigt, ihre bisherigen Berufswünsche zu benennen, die
Gründe zu erläutern und kommen mit dem Anspruch an eine realistische
Perspektive in Kontakt. Vorschläge zur Berufswahl von außen (Elternhaus,
Verwandten- und Freundeskreis) werden berücksichtigt.
Die SuS erstellen eine Liste der für sie interessanten Berufe, deren Berufs-
ELOGHUVLHEHDUEHLWHQ'DEHL¾EHQVLH7H[WYHUVW¦QGQLVEHQXW]HQ)DFKEHJUL΋H
XQG)UHPGZ¸UWHU'LHVHUP¸JOLFKWEHUHLWVNO¦UHQGH6FKULWWH]XUΔGHQWLȴNDWLRQ
mit den typischen Tätigkeitsmerkmalen oder zu deren Ablehnung, so dass
eine Rangbildung bei den Berufswünschen erfolgt. Die benannten Berufe
werden auf ihre Voraussetzungen bezüglich schulischer und persönlicher
Hierzu gehören insbesondere:
Regelmäßige Teilnahme/mit Zu- und Absagen
von Terminen, Bereitschaft zu Terminen im Büro
Zuverlässigkeit in der Einhaltung von Absprachen
Selbstständiges zielgerichtetes Handeln
Selbstsicherheit/Selbstpräsentation.
An diesen sogenannten Softskills muss in der ersten Betreuungsphase des
Jobcoach-Prozesses intensiv gearbeitet werden. Auf dieser Grundlage lassen
sich anschließend weitere Kompetenzen entwickeln.
3.3 DER BETREUUNGSSVERLAUF
Die Teilnahme am Jobcoach-Programm beginnt mit der schriftlichen Anmel-
GXQJGHU GHV6FK¾OHU LQGXUFKGLH(OWHUQΔP9RUIHOGȴQGHWHLQΔQIRWHUPLQ
mit der*dem Schüler*in und in manchen Fällen auch mit den Eltern statt.
Dieser dient dazu, die Motivation zur Mitarbeit mit SuS (und Eltern) zu klä-
ren. Jobcoach setzt voraus, dass der*die Teilnehmende an einer Teilnahme
interessiert ist und motiviert mitarbeitet. Bei fehlender Motivation kann die
Teilnahme von Seiten des Trägers beendet werden. Auch der*die Schüler*in
hat die Möglichkeit, die Teilnahme in begründeten Fällen zu beenden.
In der Regel endet die Teilnahme mit der Vermittlung in eine Ausbildung oder
eine andere weiterführende Maßnahme. Die Teilnahme kann in Einzelfällen
auch über die Vermittlung hinaus weitergeführt werden, wenn zu erwarten ist,
dass dies der*dem Schüler*in nachhaltig bei der Bewältigung des Übergangs
von der Schule zur Berufswelt helfen kann. In diesem Fall kann der*die Schü-
ler*in bis zu einem halben Jahr nach Beendigung der Schule begleitet werden.
18 | | 19
3. Das Konzept Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 15 von 26

Einzelne Ablaufphasen können nach individuellen Bedarfen von SuS variiert,
DQJHSDVVWRGHUZLHGHUKROWZHUGHQXP'Hȴ]LWHDXI]XDUEHLWHQXQG9HUKDOWHQ
zu optimieren.
.RPSHWHQ]HQ¾EHUSU¾IWXQGPLWGHQYRUKDQGHQHQ6X63URȴOHQYHUJOLFKHQ
Spätestens hier sollen SuS zu realistischen Einschätzungen ihrer Berufswahl
kommen. Dabei werden auch die große Bedeutung von Zeugnisnoten und
die Auswirkungen von Praktika auf Personalentscheidende in Unternehmen
verdeutlicht.
Der Jobcoach unterstützt die SuS bedeutend bei der Vorbereitung und Aus-
wertung von Schulpraktika, damit für das Praktikum ein guter Verlauf initiiert
und die Wirkung auf den angestrebten Beruf verstanden wird. Die Bestäti-
gung oder Ablehnung eines Berufswunsches konkretisiert sich mit den Pra-
xisphasen.
In der Elternarbeit steht ein Austausch über die erarbeiteten Ergebnisse im
Mittelpunkt. Von den Eltern und anderen Seiten – insbesondere Lehrkräfte,
%HUXIVEHUDWHQGHȂLVWHLQH6WHOOXQJQDKPHE]Z%HVW¦WLJXQJGHUEHUXȵLFKHQ
Vorstellungen erforderlich.
Zum Bewerbungsverfahren auf einen Ausbildungsberuf, den Besuch eines
%HUXIVNROOHJV RGHU DXFK ]XU $XIQDKPH HLQHV EHUXȵLFKHQ )¸UGHUSURJUDP-
mes ist eine hohe Aktivität und tiefere Einsicht in die eigene Person gefragt.
Die SuS nehmen die Ausbildungsstellensuche auf, analysieren die Ausschrei-
bungen und bewerben sich auf weitgehend passgenaue Ausbildungsstellen
oder Bildungsgänge.
Sie werden in die Lage versetzt, einen Lebenslauf zu schreiben und – meist
unter großen Anstrengungen – das Bewerbungsanschreiben zu verfassen.
Sie erstellen dazu unter Anleitung der Jobcoaches sehr sorgfältig die erfor-
derlichen Bewerbungsunterlagen mit einem Deckblatt und Bewerbungsfoto,
Zeugnissen und Praktikumsbeurteilungen sowie eventuell weiteren Teilnah-
mebescheinigungen und Urkunden.
Die SuS werden gezielt auf Vorstellungsgespräche vorbereitet, in denen sie
dann auch in der Lage sein sollten, ihre bisherigen Leistungen und eigenen
Vorstellungen schlüssig darzustellen und auf das Unternehmen und den
konkreten Beruf einzugehen.
Bildquelle: Ben Mullins auf unsplash.com20 |
3. Das Konzept Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 16 von 26

Die Darstellung der Arbeits- und Aufgabenschwerpunkte der Jobcoaches
erfolgt exemplarisch anhand der Schilderung einiger Fallbeispiele, bei
denen die typischen Fragen und Betreuungsbedarfe der von uns be-
treuten Jugendlichen deutlich werden.
4. DIE ARBEITSSCHWERPUNKTE
4.1 FALLBEISPIEL B:
ENGAGEMENT UND ZZUVERLÄSSIGKEIT KKÖNNEEN WICHTIGGER
SEIN ALS SCHULNOTEEN
Dieses Fallbeispiel zeigt auf, dass nicht nur gute schulische Leistungen den
Weg in eine Berufsausbildung ebnen können, sondern dass auch Engagement
und Zuverlässigkeit entscheidende Faktoren sein können. Darüber hinaus
wird deutlich, dass auch SuS mit guten persönlichen Voraussetzungen auf
die sozialpädagogische Begleitung von Jobcoach angewiesen sind, um die
komplexen Anforderungen der Berufsorientierung bewältigen zu können.
Die Schülerin B. kommt 2014 mit ihren Eltern und ihren drei jüngeren
Geschwistern von Russland nach Deutschland. In der 9. Klasse erhält sie mit
15 Jahren die Unterstützung durch eine Jobcoach-Fachkraft. In den Haupt-
fächern liegen ihre schulischen Leistungen im ausreichenden Bereich.
Schon zu Beginn der Jobcoach-Begleitung stellt sich heraus, dass B. sehr
eigenständig ist. Sie hält sich an Absprachen und erscheint stets pünktlich
zu Terminen. Bei der Praktikumssuche hat sie ein gutes Gefühl dafür, was für
sie realistisch ist und entschließt sich zu einem Schülerpraktikum bei einem
Augenarzt als Medizinische Fachangestellte. Hier erhält sie durch ihr hilfsbe-
reites Wesen und ihre umsichtige Art, zu sehen wo Arbeit anfällt, sehr gute
Bewertungen. Zudem ist sie sehr ehrgeizig und scheint zu wissen, dass sie
ihre mittelmäßigen Noten durch Fleiß und Zuverlässigkeit ausgleichen kann.
Ihr zweites Praktikum absolviert sie bei einem Zahnarzt als Zahnmedizinische
Fachangestellte. Auch dieses Praktikum läuft sehr gut. Da sie sich unsicher
LVWLQZHOFKHP%HUHLFKVLHVLFKEHUXȵLFKHQWZLFNHOQP¸FKWHHQWVFKOLH¡WVLH
VLFK ]X HLQHP IUHLZLOOLJHQ 3UDNWLNXP LQ GHU 3ȵHJH Z¦KUHQG GHU 6FKXOIHULHQ
und schaut sich alle Abteilungen an.
Dabei nutzt sie das Unterstützungsangebot der Jobcoaches umfänglich, lässt
sich in den Bewerbungsphasen beraten und nimmt Vorschläge an. Sie macht
Z¦KUHQG GHV JHVDPWHQ %HUDWXQJVSUR]HVVHV HLQHQ UHȵHNWLHUWHQ (LQGUXFN
und verhält sich entscheidungsfreudig. Da sie sich nach ihren verschiedenen
Praktika noch immer unsicher und zudem neugierig auf weitere Berufsfelder
ist, entschließt sie sich zu einem weiteren freiwilligen Praktikum während der
Schulzeit am Nachmittag im Verkauf. Nachdem sie durch die unterschiedli-
chen Praxiseinsätze viele verschiedene Bereiche kennengelernt hat, festigt
sich ihr Wunsch, eine Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte zu
absolvieren. B. erreicht einen ausreichenden Hauptschulabschluss und be-
wirbt sich bei verschiedenen Zahnarztpraxen um eine Ausbildung. Innerhalb
kurzer Zeit wird sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, leistet Probe-
arbeit und erhält prompt einen Ausbildungsvertrag.
Da B.s Eltern nur wenig Deutsch sprechen, können sie ihrer Tochter bei den
Ausbildungsvorbereitungen nur eingeschränkt zur Seite stehen. B. erhält bei
der Durchsicht des Vertrags die Unterstützung ihrer Jobcoach-Begleitung.
Dabei fällt auf, dass der Ausbildungsvertrag in einer Zusatzvereinbarung die
Androhung einer Konventionalstrafe bei vorzeitigem Abbruch der Ausbil-
dung beinhaltet. Die Recherche ergibt, dass diese Klausel in einem Ausbil-
dungsvertrag unzulässig ist. Nach längerer Überlegung, Gesprächen mit der
Jobcoach-Begleitung und in Rücksprache mit ihren Eltern entschließt sich B.
dazu, diesen Vertrag nicht zu unterzeichnen und den Ausbildungsplatz nicht
anzutreten. Glücklicherweise erfolgt auch auf eine andere ihrer Bewerbungen
ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch. Sie erhält auch dort das Angebot
einer Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten.
B.s Engagement, zusätzliche freiwillige Praktika zu absolvieren sowie die
Eigenständigkeit und Zuverlässigkeit wurden von dem Zahnarzt als wichtige
Faktoren für eine erfolgreiche Ausbildung anerkannt. Ihre Noten allein waren
EHLGHU$XVZDKOHLQHU$XV]XELOGHQGHQR΋HQVLFKWOLFKQLFKWDXVVFKODJJHEHQG
Aufgrund B.s schulischer Schwierigkeiten wurden mithilfe von Jobcoach aus-
bildungsbegleitende Hilfen über die Agentur für Arbeit installiert. B.s per-
sönliche Ressourcen konnten durch die Begleitung einer Jobcoach-Fachkraft
gefördert und gefestigt werden. Sie wurde im Begleitungsprozess zuneh-
mend sicherer und sich ihrer Möglichkeiten bewusster. Zudem konnte sich B.
bei den kleinen ‚Stolperfallen‘ im Bewerbungsprozess auf die Hilfe und den
Rat ihrer Jobcoach-Ansprechpartnerin verlassen.
22 | | 23
Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 17 von 26

Ihr erstes Praktikum in der 9. Klasse absolviert sie wunschgemäß in einer
Bäckerei als Bäckereifachverkäuferin. A. wird nach dem Praktikum, für das
sie eine sehr gute Bewertung erhält, eine Ausbildung in diesem Betrieb in
Aussicht gestellt. A. lehnt dies mit der Begründung ab, die Tätigkeit sei ihr
zu anstrengend. Eine ähnliche Erfahrung macht sie im zweiten Praktikum in
GHU.ODVVHDOV.LQGHUSȵHJHULQLQHLQHU%RQQHU.LQGHUWDJHVVW¦WWH'LHVH
bescheinigt A. gute Eignung – A. entscheidet aus ähnlichen Gründen wie
jenen aus dem 1. Praktikum dagegen, sich weiterhin mit der Annäherung an
das Berufsbild zu beschäftigen.
Die Dringlichkeit der Berufsorientierung, die in der 10. Klasse ansteht, ist
A. durch den Jobcoach zunächst nicht ausreichend zu vermitteln. Erst sehr
spät äußert A. den Wunsch, den Tätigkeitsbereich einer Pharmazeutisch-
Kaufmännischen Angestellten in einer Apotheke kennenlernen zu wollen.
Mithilfe von Jobcoach bewirbt sie sich für ein dreitägiges freiwilliges Praktikum
in den Weihnachtsferien in einer Apotheke. Auch in diesem Praktikum ist die
Rückmeldung seitens der Praxisstelle positiv. A. ist begeistert und kann sich
den Beruf der PKA gut vorstellen. Gemeinsam mit ihrer Jobcoach-Begleitung
schickt sie fünf Bewerbungen ab. Parallel bewirbt sich A. zur Sicherheit als
„Plan B“ an einem Berufskolleg für die zweijährige Berufsfachschule für
Gesundheit und Soziales (Abschluss Fachhochschulreife) und erhält eine
Zusage. A. kann in zwei Apotheken Probetage absolvieren und erhält am
Ende das Angebot eines Ausbildungsplatzes.
A.s Mutter steht einer Ausbildung weiterhin kritisch gegenüber, da sie den
weiteren schulischen Werdegang ihrer Tochter zum Abitur präferieren würde.
Um ihre Unterstützung zu sichern, wird sie in einem gemeinsamen Gespräch
mit A., der zuständigen Apothekerin und der Jobcoach-Begleitung über die
5DKPHQEHGLQJXQJHQGHU$XVELOGXQJ]XU3.$DXIJHNO¦UW ȴQDQ]LHOOH$VSHNWH
und Konditionen wie Urlaubstage und zusätzliche Angebote spielen hierbei
die größte Rolle). Sie stimmt der Ausbildung als PKA jedoch zu. Zwischenzeitlich
hat A. unter großen Anstrengungen eine mittelmäßige Fachoberschulreife mit
GHU4XDOLȴNDWLRQ]XUJ\PQDVLDOHQ2EHUVWXIHHUKDOWHQ$HUK¦OWHLQHQ$XV-
bildungsvertrag. Alle erforderlichen Formalia werden mithilfe von Jobcoach
erledigt und A. startet mit der Ausbildung.
4.2 FALLBEISPIEL A:
AUCH DER BESTE RATT KANN INS LEERE LAUFEENN
Dieses Fallbeispiel zeigt auf, dass Jobcoach trotz engmaschiger Begleitung
XQG%HUDWXQJGHU6FK¾OHULQVRZLHGHU0XWWHUR΋HQVLFKWOLFKQLFKWYHUPLWWHOQ
konnte, dass eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Kaufmännischen Assisten-
WLQGLHEHVVHUH&KDQFHI¾ULKUHEHUXȵLFKH=XNXQIWK¦WWHVHLQN¸QQHQDOVGHU
von der Mutter angestrebte akademische Weg. Jobcoach-Fachkräfte können
viel tun, um einen realistischen Abgleich von Möglichkeiten und Vorstellungen
der SuS vorzunehmen, erforderliche Schritte zur Verwirklichung von Berufs-
Z¾QVFKHQLQGLH:HJH]XOHLWHQXQGHLQHQSRVLWLYHQ(LQȵXVVDXIGLHYRUKDQ-
denen Ressourcen der SuS zu nehmen. Ob die jungen Menschen und ihre
Eltern diesen Ratschlägen aber folgen, entzieht sich dem Handlungsspiel-
raum unserer Fachkräfte.
A. ist 16 Jahre alt. Sie ist im Sommer 2015 von Syrien mit ihrer Mutter und
zwei älteren Brüdern nach Bonn gekommen, ihr Vater und ihre Schwester
sind im Ausland verblieben. Zwischen dem Aufenthalt in der Grundschule in
Syrien und der Internationalen Vorbereitungsklasse an einer Bonner Real-
schule lagen ca. 1,5 Jahre, in denen A. keine Schule besuchte. Als die Beglei-
tung durch Jobcoach beginnt, ist A. seit 2017 Schülerin in einer Regelklasse
im 9. Schuljahr einer Bonner Hauptschule.
A.s Mutter ist gelernte Schneiderin und hat in Deutschland keine Beschäf-
tigung. Darüber hinaus verfügt sie nur über wenige soziale Kontakte und
spricht sehr wenig Deutsch. A. ist ein sehr freundliches und verträumtes
0¦GFKHQΔKUHVFKXOLVFKHQ/HLVWXQJHQEHȴQGHQVLFKLPPLWWOHUHQ%HUHLFK
mit Aussicht auf die Fachoberschulreife. A.s Mutter äußert den Wunsch, dass
ihre Tochter auf jeden Fall das Abitur machen solle. Die Berufsorientierung
verläuft eine Zeit lang ohne nennenswerte Ergebnisse: A. ist realistischen
Berufsperspektiven gegenüber sehr wählerisch und schließt die meisten
2SWLRQHQI¾UVLFKDXVGDNOHLQHUH'HWDLOVLKUHU9RUVWHOOXQJHLQHUEHUXȵLFKHQ
Tätigkeit nicht entsprechen.
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4. Die Arbeitsschwerpunkte Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 18 von 26

Mit Hilfe von Jobcoach bewirbt er sich bei einem Karosseriebetrieb und kann
dort ein Praktikum als Karosseriebauer machen. Zu Beginn des Praktikums
hat C. Anlaufschwierigkeiten, verspätet sich gelegentlich morgens und benötigt
viel Motivation der Jobcoach-Begleitung, um durchzuhalten. Nach dem vier-
ten Tag wird das Praktikum seitens des Betriebs beendet. Als Grund für den
Abbruch wird C. und der Jobcoach-Fachkraft mitgeteilt, C. habe ohne Abspra-
FKH]XIU¾KGHQ%HWULHEYHUODVVHQ1RWJHGUXQJHQVXFKWXQGȴQGHWHUPLWKLOIH
seiner Begleitung ein Praktikum als Verkäufer in einem großen Supermarkt.
Dieses Praktikum läuft gut. Die klaren Anweisungen im Praktikum kann C. gut
umsetzen, sodass er hier eine gute Bewertung erhält.
In der Schule hat C. weiterhin Schwierigkeiten mit den Leistungsanforderun-
gen. C.s Mutter ist sehr besorgt aufgrund der Situation ihres Sohnes. Für
die Mutter ist es sehr schwer zu akzeptieren, dass seine Noten für einen
+DXSWVFKXODEVFKOXVV QLFKW DXVUHLFKHQ N¸QQWHQ (V ȴQGHQ YLHOH *HVSU¦FKH
zwischen C.s Mutter und der Jobcoach-Begleitung statt, um sie mit den
Möglichkeiten vertraut zu machen, die ihrem Sohn mit einem Abgangszeug-
QLVR΋HQVWHKHQ
&VFKD΋WGLH.ODVVHWDWV¦FKOLFKQLFKWXQGHUK¦OWHLQ$EJDQJV]HXJQLV'D
er handwerklich interessiert ist, wird mit seinem Einverständnis über seine
Jobcoach-Begleitung ein Kontakt zur Jugendwerkstatt hergestellt. Da C.s
Mutter aber weiterhin skeptisch ist, wird über die Jobcoach-Fachkraft ein ge-
meinsamer Termin in der Jugendwerkstatt vereinbart. C.s Mutter ist nach dem
Gespräch mit den Mitarbeiter*innen und dem Besuch der Räumlichkeiten der
Jugendwerkstatt von der Planung überzeugt und stimmt einer Teilnahme ihres
Sohnes zu.
C. wird im Bereich der Fahrradtechnik aufgenommen und erhält somit die Chan-
ce, seinen Hauptschulabschluss zu erreichen. C. kommt dort gut an und kann
sich in dem niederschwelligen Rahmen der Jugendwerkstatt gut integrieren.
Nach einer Woche bricht A. die Ausbildung plötzlich ab. Die Apothekerin ist
verärgert. Nicht nur, dass ihre Bemühungen umsonst waren, sie muss sich
nun im bereits begonnenen Ausbildungsjahr um eine Nachbesetzung des
Ausbildungsplatzes kümmern. A. meldet zurück, dass sie sich in den ersten
Tagen der Ausbildung umentschieden habe, doch lieber weiter zur Schule
gehen zu wollen. Die Ausbildung sei ihr zu anstrengend gewesen und
habe doch nicht ihrer anfänglichen Vorstellung entsprochen. Entgegen der
Absprache mit der Jobcoach-Begleitung hatte sie den Schulplatz am Berufs-
kolleg vor Beginn der Ausbildung nicht abgesagt und diesen etwas verspätet
angetreten. Nach dem 1. Quartal an der Berufsfachschule des Berufskollegs
wird Jobcoach von der zuständigen sozialpädagogischen Fachkraft des Be-
rufskollegs mitgeteilt, dass A. den Anforderungen des Bildungsgangs nicht
JHZDFKVHQLVWGLH.ODVVHQLFKWVFKD΋HQZLUGXQGGDV%HUXIVNROOHJPLWJUR¡HU
Wahrscheinlichkeit daher wird verlassen müssen.
4.3 FALLBEISPIEL C:
EINE GUTE PERSPEKTIIVE AUCH OHNE AABSCHLUSS
Anhand des Beispiels von C. wird ersichtlich, dass trotz sozialpädagogischer
Unterstützung nicht alle Probleme gelöst werden können, die Hauptschü-
ler*innen bewältigen müssen. Umso wichtiger sind daher Angebote wie
das der Jugendwerkstatt, welches C. trotz seiner problematischen Situation
einen Anschluss bieten konnte. Ohne die Jobcoach-Begleitung wäre in C.s Fall
der Weg in eine weitere Bildungsmöglichkeit aufgrund der Unkenntnis über
die Angebote für SuS mit Abgangszeugnis sicher erschwert und die Beantra-
gung von Sozialleistungen damit sehr wahrscheinlich gewesen.
C. migrierte 2015 mit seiner Mutter und seinen zwei älteren Geschwistern
von Tschetschenien nach Deutschland. Zu C.s Vater besteht kein Kontakt. C.
ist ein sehr schüchterner und in sich gekehrter Junge.
In der 9. Klasse beginnt die Begleitung durch Jobcoach. Seine schulischen
Leistungen sind im ausreichenden bis mangelhaften Bereich. Er beteiligt
sich sowohl am Unterricht als auch am Schulleben nur wenig. Im Laufe der
Berufsorientierung stellt sich heraus, dass C. sich gerne im handwerklichen
Bereich erproben möchte.
26 | | 27
4. Die Arbeitsschwerpunkte Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 19 von 26

AUGUST MACKE
19*
SuS
ST. HEDWIG
24
SuS
JOHANNES RAU
26
SuS 18*
SuS
* Davon 1 NB
5. ZAHLEN UND FAKTEN
5.1 VERTEILUNG DER TEILNEHMENDENN IM SCCHHULJAHR ZU SCHULENN
Die nachfolgenden statistischen Angaben beziehen sich auf den Zeitraum
vom 1. August 2018 bis zum 31. Juli 2019. In dieser Zeit haben insgesamt
87 Schülerinnen und Schüler am Jobcoach-Programm teilgenommen. 78 SuS
hatten einen Migrationshintergrund.
Das Geschlechterverhältnis war mit 44 weiblichen Teilnehmerinnen im Ver-
gleich zu 43 männlichen Teilnehmern sehr ausgeglichen.
Am Programm teilgenommen haben die 4 Bonner Hauptschulen. Die 80 Be-
treuungsplätze wurden den Schulen möglichst gleichmäßig angeboten (ca.
20 Plätze pro Schule).
Dieses Jahr verließen nur 7 SuS das Programm aus unterschiedlichen Grün-
den (Umzug, Missverständnisse über den Umfang der Jobcoach-Begleitung;
.ROOLVLRQ]ɋ%PLW)X¡EDOO7UDLQLQJ]XKRKH8Q]XYHUO¦VVLJNHLWHWF 
5.2 STRUKTUR DER TEEILNEHMENDEN NNACH KKLLASSEN
Von den 87 Schülerinnen und Schülern befanden sich zum Schuljahresende
2018/2019 50 SuS in Klasse 9, 35 in Klasse 10, 2 wurden nachbetreut.
87 SuS
5
0
*
3
5
*
*
2
* 3 vorzeitig ausgeschieden
**2 Abgänge (1 Ausbildung, 1 Jugendwerkstatt)
10. Klasse Nachbetreut9. Klasse
| 29
Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 20 von 26

13 Ausbildung
18 Berufsfachschule
1 Jugendwerkstatt
2 BVB
5.3 VERMITTLLUNG IM SCCHUULLJAHR 22018/22019
Zum Schuljahreswechsel haben 34
SuS, die am Jobcoach-Programm
teilgenommen haben, nach der 10.
Klasse die Schule verlassen. Hier-
von konnten 13 in eine Ausbildung
vermittelt werden. Das ist erneut
ein sehr gutes Ergebnis. Eine Beson-
derheit war, dass eine Schülerin der
9. Klasse in einem Blumenladen ein
so gutes Praktikum als Floristin ge-
macht hat, dass ihr dort sofort eine
Ausbildung angeboten wurde. Die
Schülerin entschied sich daraufhin,
die Schule nach der 9. Klasse zu ver-
lassen und begann die Ausbildung.
18 SuS wechselten auf ein Berufs-
kolleg, da sie die für eine Ausbildung
erforderliche Ausbildungsreife noch
nicht erlangt haben. Hier wurde im
Vorfeld erarbeitet, welches Berufs-
kolleg „das Richtige“ ist, damit es
zu dem angestrebten Beruf passt
und zur Berufsvorbereitung wirklich
sinnvoll ist. 2 Schüler wechselten in
eine BvB, 1 Schüler entschied sich,
nach der 9. Klasse die Schule zu ver-
lassen und wechselte in die Jugend-
werkstatt.
5.4 ERREICHTE SCHULABSCHLÜSSE
In diesem Jahr musste kein*e Schüler*in die Schule ohne Schulabschluss
verlassen. 13 SuS erreichten die Fachoberschulreife und 19 den erweiterten
Hauptschulabschluss. Die besseren Schulabschlüsse führen wir auch darauf
zurück, dass wir im letzten Jahr regelmäßige Einzelnachhilfe durch Ehren-
amtler*innen in unseren Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnten.
Durch die Einzelfallbegleitung der Jobcoaches und die in-
tensive Beschäftigung mit den angestrebten Berufsbildern
konnten passgenaue Berufe für jede*n Einzelne*n erarbei-
tet werden und so die Arbeit erfolgreich beendet werden.
August-Macke-HS Karl-Simrock-HS St. Hedwig-HS Johannes-Rau-HS
FOR 2 3 2 6
Klasse 10 3 4 5 7
Klasse 9 1 1
7
5
14
8
30 | | 31
5. Zahlen und Fakten Erfahrungsbericht für das Schuljahr 2018/19Seite 21 von 26

5.5 STRUKTUR DER TEEILNEHMENDEN ZZUM JAAHHRESENDE
Im Dezember 2019 wurden 83 Jugendliche betreut. Es wurden im Dezember
drei SuS zusätzlich aufgenommen und mit der Begleitung begonnen, da
abzusehen ist, dass im Januar 2020 drei SuS ausscheiden werden (Umzug,
Schulwechsel). Der Bedarf ist nach wie vor sehr hoch. Durch die langjährige
Tätigkeit der Jobcoaches an den Schulen haben sich die Vorteile von deren
Betreuung unter den SuS herumgesprochen. Dadurch hat sich eine hohe
Akzeptanz für das Programm entwickelt, sodass die SuS überwiegend gerne
daran teilnehmen.
Im Dezember 2019 waren 38 SuS in der Klasse 10, 45 in Klasse 9. Das bedeu-
tet, dass diese SchülerInnen auch im kommenden Schuljahr dringend auf Be-
gleitung angewiesen sind, damit der Übergang Schule – Beruf gelingen kann.
AUGUST MACKE
1
0
1
1
21 SuS
JOHANNES RAU
1
5
8
23 SuS
ST. HEDWIG
1
3
1
1
24 SuS
KARL SIMROCK
7
8
15 SuS
Die verbindliche und systematische Zusammenarbeit mit zahlreichen Institu-
tionen stellt einen wichtigen Wirkfaktor der Arbeit von Jobcoach dar. Einerseits
erhalten die Mitarbeitenden dadurch wertvolle Einblicke in das Bild, welches
andere Akteur*innen von den Stärken und Bedarfen der Jugendlichen haben.
Außerdem besteht nur so die Möglichkeit, die Bemühungen um die Zielgruppe
möglichst gut miteinander abzustimmen und in Einklang zu bringen. Beides
trägt zur möglichst passgenauen Förderung und Vermittlung der jungen Men-
schen bei. Hervorzuheben ist dabei die gute Zusammenarbeit mit der Jugend-
berufshilfe als Grundlage für unsere gelingende Zusammenarbeit.
6. ZUSAMMENARBEIT MIT INSTITUTIONEN
SCHULISCHE UNTERSTÜTZUNG DANKK
EHRENAMTLICHEN EENGAGEMENTS
Aufgrund der guten Erfahrungen haben wir im Berichtszeitraum die
Zusammenarbeit mit dem Verein „Studenten bilden Schüler e.V.“ sowie
der „Freiwilligenagentur Bonn“ intensiviert. Die Vermittlung von Ehren-
amtler*innen, die in den Büroräumen von Jobcoach Einzelnachhilfen an-
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Ehrenamtler*innen so hoch wie nie zuvor.
Diese individuelle Unterstützung der schulischen Leistungen ist für die
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neben der eigentlichen Berufswegebegleitung durch die Jobcoaches. SuS
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erhöhen.
Neben dieser Tatsache sind die ehrenamtlichen Nachhilfelehrer*innen für
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Hinsicht als auch bezüglich personeller Kompetenzen wie Zuverlässigkeit,
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10. Klasse9. Klasse
| 3332 |
5. Zahlen und FaktenSeite 22 von 26

Mit folgenden Institutionen konnte die Zusammenarbeit fortgesetzt und
auch aufgenommen werden:
Bonner Hauptschulen:
August-Macke-Schule
St. Hedwig-Schule
Johannes-Rau-Schule
Karl-Simrock-Schule
Jugendberufshilfe
AK Jugendberufshilfe
Praktikums-/Ausbildungsbetriebe
Berufsberatung der Arbeitsagentur/Reha-Beratung
Berufskollegs:
Friedrich-List-Berufskolleg
Heinrich-Hertz-Europakolleg
Ludwig-Erhard-Berufskolleg
Robert-Wetzlar-Berufskolleg
Berufskolleg Bonn-Duisdorf
Bildungsträger:
Caritas (Jugendwerkstatt und Schulwerkstatt)
DAA (BVB)
Vesbe (BVB, BVB – Pro)
AsA – Ausbildung statt Abschiebung e.V.
Jugendmigrationsdienst Bad Godesberg
Heimstatt e.V. Bonn
INTRA (Gemeinnützige Bonner Gesellschaft zur
Förderung der gesellschaftlichen Integration
und Rehabilitation behinderter Menschen mbH)
Internationale Begegnungsstätte
Freiwilligenagentur Bonn
Studenten bilden Schüler e.V.
Im Schuljahr 2018/2019 haben die 4 pädagogischen Fachkräfte von Jobcoach
87 SuS kennengelernt und dabei Einblicke in 87 Biographien gewonnen. Die
besondere Herausforderung besteht immer wieder aufs Neue darin, sich in
der konkreten Jobcoach-Arbeit auf die eigentlichen Aufträge der Förderung
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In den zurückliegenden Schuljahren mussten wir immer wieder feststellen,
dass die Berufserkundung und persönliche Erprobung von möglichen Be-
rufsfeldern durch die jetzige Regelung zu Praktika nicht zufriedenstellend
gewährleistet wird. Wir sind daher dazu übergegangen, den jungen Menschen
verstärkt freiwillige und individuell planbare Praktika in den Ferien und in der
unterrichtsfreien Zeit nahezulegen, um weitere Berufsfelder auszuprobieren
und sich für eine Ausbildung zu empfehlen. Die guten Erfolge hierbei bestär-
ken uns in dem Vorgehen.
Nach wie vor gibt es einige Hürden in Bewerbungsverfahren, die für unsere Kli-
ent*innen besondere Herausforderungen darstellen: Dazu gehören persön-
liche Bewerbungsgespräche ebenso wie kurze Eignungstest, die bei Online-
Bewerbungsverfahren eingebaut sind. Die ehrenamtliche Unterstützung
durch eine Personalagentur kommt sowohl den SuS als auch uns hierbei sehr
zugute.
Durch die wirklich sehr gute Erfahrungen mit den ehrenamtlichen Nachhilfe-
lehrer*innen wollen wir im nächsten Schuljahr versuchen, die sprachlichen
Barrieren in der Zusammenarbeit mit vielen Eltern mit Unterstützung von
ehrenamtlichen Übersetzer*innen zumindest punktuell zu überwinden.
Zusammen mit diesen möchten wir Informationsabende über das bundes-
deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem gestalten, sodass mehr Eltern
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erhalten.
Abschließend ist hervorzuheben, dass die intensive persönliche Betreuung
mit vielen 1:1-Kontakten, die im Jobcoach-Programm vorgesehen sind, auch
im Schuljahr 2019/2020 eine Besonderheit darstellt. Die SuS haben die Mög-
lichkeit, über den Begleitungszeitraum eine verlässliche Beziehung zu einer
erwachsenen Person entwickeln zu können. Neben der eher praktischen
Unterstützung bei der Praktikums- und Ausbildungsstellensuche stärken
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
| 3534 |
6. Zusammenarbeit mit InstitutionenSeite 23 von 26

Jobcoach-Fachkräfte im Rahmen der individuellen Begleitung die persönlichen
Fähig- und Fertigkeiten der SuS und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur
Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit – auch in Zukunft.
Für uns steht fest: Der Bedarf junger Menschen nach Unterstützung bei ihrer
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in Ausbildung oder weiterführende Maßnahmen ist weiterhin groß und wird
tendenziell eher mehr als weniger. Wir werden uns weiterhin engagiert und
kompetent dieser Aufgabe stellen.
Dorothee Serrano Mundorf
Team Jobcoach
Susanne Heyd
Fachbereichsleitung Projekte
und Kooperationen
36 |
7. Zusammenfassung und AusblickSeite 24 von 26

ABKÜRZUNGEN
AK Arbeitskreis
AVK Ausbildungsvorbereitungsklasse
BK Berufskolleg
BVB Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme
BuT Bildungs- und Teilhabepaket
EQ (LQVWLHJVTXDOLȴ]LHUXQJȂ/DQJ]HLWSUDNWLNXPGDVLQHLQH$XVELOGXQJ
mündet
FOR Fachoberschulreife
FSJ Freiwilliges Soziales Jahr
StuBos Koordinatorinnen und Koordinatoren für
Berufs- und Studienorientierung
SuS Schülerinnen und Schüler
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Datenstand: 02.11.2026, 18:16 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de