201443-02 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Auswirkungen des BREXIT auf die Bundesstadt Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 201443-02 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 15.03.2021
- Letzte Änderung
- 19.09.2026
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 201443-02 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 03 Amt für Wirtschaftsförderung Dezernat: Dez. OB Auswirkungen des BREXIT auf die Bundesstadt Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 16.03.2021 Stellungnahme Inhalt der Stellungnahme: Zu 1) Wie stark sind aktuell a) die kulturellen, b) die wirtschaftlichen, und c) die wissenschaftlichen Verflechtungen der Bundesstadt Bonn mit Großbritannien? Im Rahmen der Städtepartnerschaft des Stadtbezirks Bonn mit der englischen Universitätsstadt Oxford, die mit dem Stadtbezirk Bonn seit 1947 verbunden ist, bestehen Kontakte in Bereichen verschiedener Organisationen und Institutionen. Neben Künstlergruppen der bildenden Kunst, Musikern und Musikerinnen und Tanzgruppen tauschen sich auch verschiedene Fakultäten der Universität miteinander aus. Schulaustausche bestehen teilweise seit Jahrzehnten regelmäßig. Aber auch aus ganz anderen Bereichen der Bürgerschaft und der Verwaltung werden regelmäßige Kontakte gepflegt. Die Wirtschaftsförderung hat die Wirtschaftsförderung von Oxford vor 4 Jahren besucht und es besteht seitdem ein partnerschaftlicher Kontakt. Derzeit wird auf Basis der dort geknüpften Kontakte mit der regionalen Wirtschaftsförderung Oxford (Oxfordshire Local Enterprise Partnership) überlegt, in welchen Bereichen aktuelle Anknüpfungsmöglichkeiten bestehen könnten. Die Wirtschaftsförderung des Landes NRW, NRW Global Business, wurde ebenfalls hier einbezogen. Die Städtepartnerschaft des Stadtbezirks Bad Godesberg mit Windsor & Maidenhead besteht seit 1960. Darüber hinaus pflegt Bad Godesberg Städtepartnerschaften mit Kortrijk (B), Saint Cloud (F) und Frascati (I). Alle fünf Partnerstädte sind in Form eines „Städtepartnerschaftsrings“ miteinander verbunden. In der Vergangenheit hat jedes Jahr im Wechsel entweder ein Fußballturnier oder ein Jugendsportfest abwechselnd in den Partnerstädten stattgefunden. Das für 2020 geplante Jugendsportfest in Saint Cloud wurde bereits im letzten Jahr aus Budgetgründen abgesagt – hätte zu Coronazeiten vermutlich ohnehin abgesagt werden müssen. Darüber hinaus gibt es einen regelmäßigen wechselseitigen Austausch des Frauenkreises für europäische Freundschaften e.V. mit den Städten des Partnerschaftsringes.Seite 1 von 5 Seite 2 Im Frühjahr 2020 sollte ein Treffen mit Vertretern aller Mitglieder des Städtepartnerschaftsringes in Windsor & Maidenhead stattfinden, um die künftige Ausrichtung der städtepartnerschaftlichen Aktivitäten, bspw. auf wirtschaftlicher Basis, zu besprechen. Dieses Treffen wurde wegen Terminschwierigkeiten abgesagt und am 9. März 2021 in Form einer Video- Konferenz nachgeholt. Hierbei hat die englische Partnerstadt Windsor & Maidenhead deutlich gemacht, dass trotz des Brexit die partnerschaftlichen Beziehungen zu den Städten in EU-Ländern unverändert bestehen bleiben und fortgeführt werden sollen. Zur Unterstützung der in Bonn ansässigen nationalen und internationalen Unternehmen mit Wirtschaftsbeziehungen nach Großbritannien führt die IHK Bonn Rhein-Sieg spezielle Informationsveranstaltungen zu wirtschaftlich wichtigen Themen, den Brexit betreffend, durch (bspw. Gesetzesänderungen, Zollbestimmungen etc.). 2. Welche kommunalen Folgen/Auswirkungen hat der Brexit voraussichtlich speziell für die Bundesstadt Bonn, insbesondere für: die Städtepartnerschaften mit Oxford und Windsor-Maidenhead (Wie können diese Städtepartnerschaften erhalten, intensiviert und besonders gefördert werden, um auch zukünftig den Austausch zwischen Menschen und Organisationen aus den betreffenden Städten mit Bonn im Sinne Europas und im Sinne guter deutsch-britischer Beziehungen voran zu bringen?) - SchülerInnen/Studenten Austausch, - wissenschaftliche Zusammenarbeit, - kulturellen Austausch, - Wirtschaftsbeziehungen mit UK, einschließlich des Waren- und Dienstleistungsverkehrs, - Förderung von Britischen Firmen bei einer Umsiedlung aus England - Anwerbung von Kongressen - Anwerbung von Firmen, die ihre Produktion/Dienstleistung auf das Festland verlegen möchten einschl. Hilfen bei u.a. Beschaffung von Büro/Gewerbeflächen/Wohnraum. und - welche konkreten Auswirkungen in den erwähnten Bereichen sind schon eingetreten. Ausweislich einer von der IHK Bonn/Rhein-Sieg im Dezember 2019 veröffentlichten Studie zu den ausländischen Unternehmen in Bonn/Rhein-Sieg verzeichnete die Anzahl der Unternehmen aus Großbritannien ab 2016 ein starkes Wachstum. Wuchs die Zahl der britischen Unternehmen im Zeitraum von 2013-2016 lediglich um 11 %, waren es von 2016-2019 bereits 60% im Kammerbezirk. In Gesamtzahlen heißt dies 2019 immerhin 77 Unternehmen aus Großbritannien gegenüber 40 im Jahr 2013, davon haben 2019 insgesamt 34 Unternehmen ihren Sitz im Bonner Stadtgebiet. Diese Entwicklung wird in der IHK-Studie wie folgt beschrieben: „Da diese deutliche Zunahme nach dem Brexit-Referendum begann ist zu vermuten, dass britische Unternehmen eine Alternative gesucht haben, den EU-Markt ohne Grenzabfertigung/-kontrollen weiter bedienen zu können.Seite 2 von 5 Seite 3 Mit Stand vom 27.08.2020 sind im Gewerberegister der Stadt Bonn insgesamt 103 Gewerbetreibende und Geschäftsführer*innen von Unternehmen mit britischer Staatsangehörigkeit angemeldet. Standortwerbung um britische Firmen führt die Wirtschaftsförderung bislang nicht alleine durch. Hier arbeitet sie mit dem Land und der Landeswirtschaftsförderung NRW Global Business zusammen. Es ist wenig zielführend, im Alleingang um Unternehmen zu werben. Hierfür wäre beispielsweise ein Vertriebsbüro vor Ort in Großbritannien oder die Zusammenarbeit mit einer vor Ort tätigen Unternehmensberatung nötig, was kostenintensiv wäre. Das Land NRW hat ein eigenes Vertriebsbüro im Vereinigten Königreich, von welchem aus Akquise für Nordrhein-Westfalen mit seinen Standorten betrieben wird. Nach Aussage von NRW Global Business gibt es eine Vielzahl von am Standort NRW interessierten Unternehmen. Leider ist es aber gegenwärtig NRW Global Business aufgrund von Corona in einem zweiten Schritt nicht möglich, am Standort interessierte Unternehmen dazu zu bewegen, nach Deutschland zu reisen und sich den Standort vor Ort persönlich anzuschauen. Wie sich dies aufgrund der derzeitigen Bewegung in der Brexit Diskussion entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Neben der Werbung um den Standort steht die Wirtschaftsförderung den an Bonn interessierten Unternehmen mit Angeboten für Büro/Gewerbeflächen jederzeit zur Verfügung. Darüber hinaus gehende Unterstützung wie bspw. bei der Suche nach Wohnraum wird von der Wirtschaftsförderung in die Verwaltung koordiniert. Die Bonner Wirtschaftsförderung betreibt seit Anfang 2011 in der Godesberger Allee 139 das BonnProfits Innovations- und Gründungszentrum (IGZ). Zu den beworbenen Zielgruppen gehören neben Start-Ups und Jungunternehmen aus dem Bereich der wissensbasierten Dienstleistungen auch deutsche und internationale Unternehmen, die ihren Sitz oder eine Niederlassung in Bonn wählen, um hier Investitionen zu tätigen und Arbeitsplätze zu schaffen. Rund ein Drittel der seit der Eröffnung im IGZ angesiedelten Selbstständigen haben einen Migrationshintergrund. Als Herkunftsregionen sind vor allem China, Afrika und Südost-Europa zu nennen. Bislang hat jedoch erst eine britische Unternehmerin das Angebot im IGZ genutzt und sich dort angesiedelt obwohl die Wirtschaftsförderung hierfür in international besetzten Start-Up- Communities, in Universität und Hochschulen sowie über ihre Kooperationspartner in Banken und Kammern oder auch über den Digital Hub wirbt. Die Bonner Wirtschaftsförderung steht mit der Wirtschaftsförderung Oxford in unregelmäßigem Austausch. Der Brexit hat keine Auswirkungen auf die Mitgliedschaft im Europäischen Städtenetzwerk EUROCITIES. In diesem Netzwerk sind Städte aus 39 europäischen Ländern vertreten, es geht also über die 27 Mitgliedsstaaten der EU hinaus. Aktuell sind in EUROCITIES 19 Städte aus Großbritannien vertreten, die zum großen Teil bereits signalisiert haben, dass sie ihr Engagement bei EUROCITIES auch unabhängig vom Brexit fortsetzen wollen. Aufgrund der derzeitigen Corona-Situation gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Erkenntnisse, wie weit der Brexit die Aktivitäten der Städtepartnerschaft beeinflussen wird. Seit März 2020 finden pandemie-bedingt keineSeite 3 von 5 Seite 4 Austauschprogramme statt. Die Stadt Oxford hat aber bereits vor dem endgültigen Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union betont, an dem bisherigen Vorgehen festhalten zu wollen und unterstützt die Beteiligten an den Austauschprogrammen auf Oxforder Seite. Dies betrifft insbesondere den SchülerInnenaustausch sowie kulturelle und wissenschaftliche Kontakte. Auch seitens Windsor Maidenhead wurde signalisiert, dass die Städtepartnerschaft trotz Brexit fortbestehen wird. Die Organisation von Programmen zum Austausch von Schülerinnen und Schülern ist eine innere Schulangelegenheit, die die Schulen eigenständig durchführen. Die Verwaltung kann daher keine Aussagen dazu treffen, welche Auswirkungen der „Brexit“ für diesen Bereich hat. 3. Wie ist die Bundesstadt Bonn vorbereitet, Chancen des BREXITs zum Vorteil von Bürgerinnen und Bürger der Stadt zu ergreifen, u.a. durch Anwerbung von britischen Firmen und Institutionen? Sind Maßnahmen in diesem Sinn schon getroffen worden, z. B. auch bei Anwerbung von Fachkräften und bei der Erleichterung oder Beratung für die Anstellung solcher Personen, Firmen und Institutionen? Grundsätzlich verfügt die Verwaltung über langjährige Erfahrungen mit der Anwerbung internationaler Organisationen und Unternehmen. Diese beinhalten stets auch die Unterstützung für die internationalen Fach- und Führungskräfte und deren Familien. Im Ausländeramt gibt es eine zentrale Anlaufstelle, die sich eigens um die Belange der Mitarbeiter internationaler Organisationen/Unternehmen und ihrer Familien kümmert und in allen Fragen des Aufenthaltsrechts informiert. Zu den Beratungsleistungen des Büros gehört selbstverständlich auch die frühzeitige Klärung von Fragen zu Einreiseformalitäten und Visumsanträgen für ausländische Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen. Auch im Kontext des Brexits verfügt die Verwaltung bereits über Erfahrungen mit Ansiedlungswerbung und dem Angebot von passenden Unterstützungsmaßnahmen. Neben den allgemeinen Beratungsleistungen werden für jede Bewerbung individuelle und gezielt auf die Bedürfnisse des am Standort interessierten Unternehmens bzw. der Institution Maßnahmen angeboten. So hat sich Bonn bereits 2017/2018 intensiv um die Ansiedlung der Europäischen Arzneimittelagentur in Bonn beworben und einen für die Bedürfnisse der EMA zugeschnittenen Welcome Service angeboten. 2020 hat sich die Bundesrepublik Deutschland unter Beteiligung der Stadt Bonn und des Landes NRW um einen Standort des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) beworben, das derzeit seinen Hauptsitz in Reading hat. Sowohl bei der Bewerbung um die EMA als auch bei der Bewerbung um das EZMW wurden seitens der Verwaltung umfassende Unterstützungsmaßnahmen zugesagt. Hierzu zählt bspw. ein temporärer mehrsprachiger Vermittlungsdienst, der eine Navigatorfunktion für die verschiedenen Dienstleistungen der Verwaltung übernimmt. Den nach Bonn umziehenden Mitarbeitenden werden bspw. Unterstützung im Umgang mit Behörden (Meldewesen, Ausländerrecht, Wohnen, Schulen, KFZ usw.) angeboten. Selbstverständlich werden bei Bedarf auchSeite 4 von 5 Seite 5 Informationsveranstaltungen in englischer Sprache bei dem Unternehmen/der Institution vor Ort durchgeführt. Der Rat des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) hat im Dezember 2020 entschieden, dass ab 2021 in Bonn ein neuer Standort der europäischen Behörde mit ca. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgebaut wird. Anlage/n KeineSeite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:47 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de