201324 · Beschlussvorlage
Rahmenplanung Bundesviertel
Kerndaten
- Nummer
- 201324
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 15.02.2021
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz Empfehlung
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Beschlussvorlage
öffentlich
201324
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
Rahmenplanung Bundesviertel
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 18.08.2020 Empfehlung
Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz
26.08.2020 Empfehlung
Rat 10.12.2020 Entscheidung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 03.03.2021 Empfehlung
Beschlussvorschlag
Der Überarbeitung der Rahmenplanung Bundesviertel mit einer Erhöhung des
Wohnanteils von bisher rd. 40 % auf rd. 59 % bezogen auf den Zuwachs an
Geschossfläche wird zugestimmt.
Begründung
Der Hauptausschuss hat anstelle des Rates nach § 60 Abs. 1 Satz 2
Gemeindeordnung NRW am 07.05.2020 die Rahmenplanung Bundesviertel
beschlossen, mit der Maßgabe den Wohnanteil deutlich zu erhöhen. Das
Planungsbüro Cityförster wurde hierzu mit einer Überarbeitung der Planung
beauftragt.
Ausgangslage
Für die künftige Entwicklung des Bundesviertels werden in der Rahmenplanung
verschiedene Entwicklungsziele vorangestellt; u. a. „das Bun(t)esviertel…ist
Stadt und Arbeitsplatz“. Mit der Rahmenplanung als Steuerungsinstrument soll
dabei künftig im Bundesviertel ein urbaner Nutzungsmix entstehen, mehr und
vielfältiger Wohnraum geschaffen, der Wirtschaftsstandort gestärkt, die
Verkehrswende gefördert und der öffentliche Raum umgestaltet und die
Grünräume aufgewertet und vernetzt werden. Die Rahmenplanung wurde als
städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen, das bei der Aufstellung
oder Änderung von Bauleitplänen gemäß § 1 Abs. 6, Nr. 11 BauBG mit seinen
Zielen und Vorgaben zu berücksichtigen ist.
Geleitet von den definierten Entwicklungszielen, allen vorangestellt, das bisher
überwiegend durch Bürodienstleistung geprägte Bundesviertel zu einemSeite 1 von 126
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gemischten Quartier zu entwickeln, zeigt das Strukturkonzept für bauliche
Veränderungen und Verdichtungen die hierzu möglichen Potentiale auf. Bei
einer Bewahrung bzw. Stärkung von Identitäten, einer qualitativen und
quantitativen Weiterentwicklung des Arbeitsplatzschwerpunktes Bundesviertel
ohne dabei die unterschiedlichen Bereiche grundlegend zu überformen, werden
als mögliche bauliche Zuwachsfläche in der beschlossenen Rahmenplanung
ca. 900.000 m² neue Geschossfläche (GF) herausgearbeitet. Dabei entfallen
auf das Wohnen ca. 360.000 m² (rd. 40 %) und auf die unterschiedlichen Nicht-
Wohnnutzungen ca. 540.000 m² Fläche (rd. 60 %). Die dem Nicht-Wohnen
zugewiesenen Flächen sind als Bürostandorte, aber auch als Flächen u. a. für
die Nahversorgung und Gastronomie, für neuartiges Gewerbe wie die
Kreativwirtschaft oder urbane Produktion, für Forschungs- und
Bildungseinrichtungen wie auch für sonstige soziale und kulturelle Infrastruktur
vorgesehen.
Ergebnis der Überarbeitung entsprechend der Maßgabe des
Hauptausschusses
Unter der Prämisse, dass die Maßgabe nicht auf eine grundlegende Änderung
des Struktur- und Nutzungskonzeptes und des damit verbundenen räumlichen
Konzeptes der Rahmenplanung abzielte, bieten sich in dem gegebenen
Kontext zwei Möglichkeiten zur Erhöhung des Wohnanteils:
1. Erhöhung des Wohnanteils in den Kategorien des Nutzungsmodells
2. Umwidmung von Baublöcken.
Zu 1. Erhöhung des Wohnanteils in den Kategorien des Nutzungsmodells:
Das Nutzungskonzept, geprägt von der strategischen Ausrichtung des
„Mischen“, weist den unterschiedlichen Flächen bzw. Baublöcken abhängig von
der räumlichen Lage und dem baulichen Kontext sowie der künftigen
Bestimmung unterschiedliche Nutzungskategorien zu. Das Nutzungsspektrum
für die einzelnen Baublöcke - ausgehend von dem durch Dienstleistung
geprägten Bestand - ist von den Zielen eines urbanen Nutzungsmix, einer
Diversität der Branchen, mehr und unterschiedliches Wohnen sowie durch
Lagequalitäten bestimmte hochwertige Bürostandorte zu sichern und zu
entwickeln, geleitet. Vor diesem Hintergrund ist den einzelnen Baublöcken ein
unterschiedliches Nutzungsspektrum zugewiesen.
Mit Blick auf die gewollte Erhöhung des Wohnanteils wurde bei der
Überarbeitung die Nutzungsbestimmung der einzelnen Kategorien überprüft
und unter Berücksichtigung der grundsätzlichen Entwicklungsziele
entsprechend neu angepasst.
In der Kategorie Hybrid Wohnen wurde der Wohnanteil von bisher 66 % auf 85
% erhöht, bei den „Mitten“ auf 60 % (vorher 33 %) und in der Kategorie Hybrid
Büro wurde der Wohnanteil von 10 auf 33 % angehoben. Damit wird der
Wohnanteil in den einzelnen Kategorien gegenüber der beschlossenenSeite 2 von 126
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Rahmenplanung deutlich erhöht. Das Ziel, das Wohnen im Bundesviertel zu
stärken, erhält somit bei künftigen Entwicklungen noch einmal eine besondere
Bedeutung ohne die beschlossenen Inhalte der Rahmenplanung dabei in Frage
zu stellen.
Hinsichtlich des grundsätzlich als Hybrid Büro mit entsprechendem Wohnanteil
vorgesehenen Baublocks zwischen Ludwig-Erhard-Allee und dem BMU / Carlo-
Schmid-Straße ist darauf hinzuweisen, dass das im Nutzungsmodell für diesen
Baublock definierte Nutzungsspektrum nur dann weiter verfolgt werden
kann, falls die Bewerbung der Stadt Bonn um die Ansiedlung des Europäischen
Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) erfolglos bleiben sollte
(s. DS 201167).
Zu 2. Umwidmung von Baublöcken:
Eine weitere Möglichkeit zur Erhöhung des Wohnanteils bietet die Umwidmung
von Baublöcken für eine erweiterte bzw. reine Wohnnutzung.
Diese Variante stellt sich bei näherer Betrachtung allerdings als nur bedingt
möglich dar. Ein großer Anteil der künftigen Zuwachsfläche ist bereits durch
konkrete bzw. in Planung befindliche Projekte, wie beispielsweise das
Neubauvorhaben der DPDHL an der Baunscheidtstraße, das Neubauvorhaben
BSI oder den Planungen für das Miesen-Gelände belegt, deren Inhalte
feststehen bzw. nur noch bedingt steuerbar sind und die einen Wohnanteil
ausschließen. Diese Projekte belegen ca. 260.000 m² Geschossfläche und
damit etwa 20 % der gesamten Zuwachsfläche. Damit ist für eine mögliche
Flächenumwidmung zur Erhöhung des Wohnanteils nur noch ein begrenztes
Flächenpotential gegeben. Auch eine Umwidmung der Fläche des Bundes
zwischen Umweltministerium und Ludwig-Erhard-Allee, die sich als Fortführung
der angedachten Wohnbebauung entlang der Petra-Kelly-Allee anschließen
könnte, steht wegen der Planungsabsichten des Bundes, für eine deutliche
Ausrichtung auf eine überwiegende Wohnnutzung nicht zur Verfügung.
Im Zuge der Überarbeitung wurden vier Baublöcke (Genscherallee, Peter-
Hensen-Straße, Dreizehnmorgenweg, Teilbereich Süd-Tor) identifiziert, die von
der Kategorie Hybrid Büro in die Kategorie Hybrid Wohnen umgewidmet
wurden; dem Wohnen wird so noch einmal ein großer Anteil gewidmet ohne
dennoch den inhaltlichen und baulichen Kontext der Rahmenplanung zu
verlassen.
Gesamtschau
Durch eine Erhöhung des Wohnanteils in den verschiedenen
Nutzungskategorien sowie durch eine deutliche Ausrichtung zusätzlicher
Baublöcke für eine Wohnnutzung kann der Wohnanteil von rd. 40 % in der
beschlossenen Rahmenplanung auf ca. 59 % erhöht werden. Durch die
stärkere Ausrichtung auf eine Wohnnutzung im Bundesviertel kann 543.500 m²
der insgesamt für eine bauliche Entwicklung zur Verfügung stehenden rd.
920.000 m² Zuwachsfläche dem Wohnen gewidmet werden. Gegenüber derSeite 3 von 126
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beschlossenen Rahmenplanung ist dies ein deutlicher Anstieg von zusätzlichen
rd. 185.400 m² Geschossfläche. Umgerechnet bedeutet dies in der Summe ein
Plus von ca. 5.400 Wohneinheiten (WE) und bei einer Belegungskennzahl von
1,9 Personen/ WE ein Mehr von ca. 10.300 Einwohnern. Die Einwohnerzahl
könnte sich demnach langfristig von derzeit 4.000 Einwohnern im Bundesviertel
auf insgesamt 14.300 Einwohner erhöhen.
Ein weiterer Spielraum zur Erhöhung des Wohnanteils ist im Kontext der
beschlossenen Rahmenplanung nicht mehr gegeben.
Für Nicht-Wohnnutzungen sind dementsprechend ca. 41 % der
Gesamtzuwachsfläche, rd. 376.000 m², vorgesehen. Davon sind im
Nutzungsmodell ca. 32 % für gewerbliche Nutzungen (Büro, Forschung und
Wissensökonomie und Kreativwirtschaft) und 9 % für Versorgung, Handel und
sozio-kulturelle Infrastruktur berücksichtigt. Umgerechnet bedeutet dies einen
Zuwachs von rd. 11.400 Arbeitsplätzen.
Bei der Gesamtbetrachtung gilt immer zu berücksichtigen, dass die
Rahmenplanung die Leitlinien und Entwicklungsziele vorgibt und somit den
Rahmen für die künftigen Entwicklungen im Bundesviertel definiert. Für konkret
anstehende Vorhaben sind diese Maßgaben jeweils Standort- und
Projektbezogen zu schärfen und zu überprüfen.
Mit der Erhöhung des Wohnanteils ergeben sich auch neue Bedarfe im
Bundesviertel hinsichtlich Versorgungseinrichtungen und soziokultureller
Infrastruktur, die bei der Überarbeitung neu bzw. zusätzlich verortet wurden und
bei der weiteren Entwicklung mit zu betrachten sind.
Die Rahmenplanmung ist als langfristiges Entwicklungskonzept auf einen
Umsetzungshorizont von ca. 15 - 20 Jahren angelegt. Unter der Annahme, die
prognostizierte Zahl von ca. 10.300 zusätzlichen Einwohnern kann bis zum
Ende des Umsetzungszeitraumes tatsächlich erreicht werden, würde sich bis
dahin rechnerisch ein zusätzlicher Bedarf an ca. 600 Kinderbetreuungsplätzen
und einer sechszügigen Grundschule ergeben. Desweiteren würde dies für die
Nahversorgungssituation rechnerisch zu einem Bedarf von ca. 6.200 m²
Geschossfläche im Einzelhandel führen. Während das Angebot an
Kinderbetreuungsplätzen dezentral den neuen Wohnstandorten zugeordnet
wird, sollen die Bedarfe der sonstigen Infrastruktureinrichtungen vorwiegend in
den "Mitten", den Orten, die sich durch einen hohen Nutzungsmix
auszeichnen, untergebracht werden. Dabei ist die "Mitte Labor" aufgrund der
guten Erreichbarkeit, ÖPNV-Anbindung und der zentralen Lage hierfür
besonders geeignet.
Anlage/n
1 Bericht Stand Juli 2020 BILDTEIL (öffentlich)
2 Bericht Stand Juli 2020 TEXTTEIL (öffentlich)Seite 4 von 126
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Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 1Seite 98 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 2
Inhalt
1. Präambel
a. Aufbau der Arbeit
b. Planungsgrundlagen
2. Talente + Herausforderungen
3. Ziele + Leitbild der Rahmenplanung
a. Entwicklungsziele
b. Leitbild
4. Entwicklungskonzepte + -strategien
a. Strukturkonzept
i. Verdichten
ii. Freiräumen
iii. Dichtemodell
b. Nutzungskonzept
i. Mischen
ii. Nutzungsmodell
iii. Pulsieren
iv. Öffnen
c. Hochhauskonzept
i. Gesamtstädtische Einbindung
ii. Ankommen + Ausstrahlen
iii. Leitlinien Gestalt und Programm
iv. Sichtfeld- und Schattenstudien
d. Mobilitätskonzept
i. Umsteigen. Stadt + Region
ii. Umsteigen. Nahmobilität
iii. Umsteigen. Langsamverkehr
e. Umsetzungskonzept
i. Priorisieren. Schlüsselprojekte
ii. Priorisieren. Städtische Projekte
iii. Priorisieren. Impulsprojekte
iv. Priorisieren. Pionierprojekte
v. Verpflichten
5. Rahmenplan M 1:2.000
a. Gesamtplan
b. Bereiche Nord (inkl. Schemaschnitte)
c. Bereich Mitte (inkl. Schemaschnitte)
d. Bereich Süd (inkl. Schemaschnitte)
e. Kennwerte
6. Vertiefungsbereiche
a. StadtHUB UN Campus
b. Labor
c. Busdepot
d. Grünbrücke
e. Community Space
7. Resümee. Beitrag zum KlimaschutzSeite 99 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 3
1. Präambel
Das Bundesviertel blickt auf einen erfolgreichen Strukturwandel seit
den 1990er Jahren zurück. Nach dem Bonn-Berlin-Beschluss 1991
und der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes von Bonn
nach Berlin (1999), hat sich das Bundesviertel zu einem erfolgreichen
Wirtschaftsstandort und Sitz der Vereinten Nationen gewandelt.
Heute steht das Bundesviertel vor neuen Herausforderung, um als
Standort für Unternehmen, Politik, internationale Institutionen und
Kongresse und gleichzeitig als ein „Stück Stadt“ attraktiv zu bleiben
und zu werden.
Das Ziel der Rahmenplanung für das Bundesviertel ist es, einen
integrierten Ansatz zur zukünftigen Entwicklung aufzuzeigen. Denn
die Herausforderungen sind komplex: Es besteht eine Nachfrage
nach geeigneten Flächen zur Bebauung: Der Wirtschaftsstandort „will
wachsen“1; gleichzeitig gibt es einen Bedarf nach (bezahlbarem)
Wohnraum. Eine bauliche Verdichtung kann nur gelingen, wenn
zugleich das Mobilitätsangebot erweitert und verändert wird: Es gilt,
ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten zu fördern. Im Hinblick auf
stadtklimatische, ökologische und stadtgestalterische Belange sollen
die Freiräume im Bundesviertel gestärkt und aufgewertet werden.
Nicht zuletzt hängt eine erfolgreiche Entwicklung des Bundesviertel
für die Unternehmer- und Bürgerschaft davon ab, die urbanen
Qualitäten des Standortes zu stärken: Es sollen mehr Menschen im
Bundesviertel wohnen können. Der programmatische Mix soll erhöht
werden; Gastronomie, Handel, Nahversorgung, Freizeitangebote etc.
sollen mehr Raum bekommen. Eine erhöhte bauliche Dichte schafft
so Mehrwerte - auch für die, die schon das sind. Für einen robusten,
da vielfältigen Branchenmix im Bundesviertel sollen neben dem
Dienstleistungssektor auch die Kultur- und Kreativwirtschaft, die
Wissensökonomie mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen und
„urbane Produktion“ verortet werden.
1 IRI. Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand,
Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 11, 14f, 38f, 70f
Zusammenfassend skizziert die Rahmenplanung im Sinn einer
mehrfachen Innenentwicklung, wie das Bundesviertel baulich-
freiräumlich, programmatisch und verkehrlich verdichtet, diversifiziert
und qualifiziert werden kann.
a. „Mehr als ein Rahmenplan, eine Rahmenplanung“
Aufbau der Arbeit
Die Rahmenplanung ist als strategische Planung konzipiert und baut
auf verschiedene Formate auf wie Leitbild, Entwicklungskonzepte
und –strategien, Rahmenplan im Maßstab 1:2.000, Planschemata,
Schemaschnitte und Modelle.
Im ersten Teil der Arbeit werden Talente und Herausforderungen des
Bundesviertels zusammengefasst, um darauf aufbauend die Ziele
und ein Leitbild der zukünftigen Entwicklung herauszustellen.
Im Hauptteil der Arbeit werden fünf, miteinander in Bezug stehende
Entwicklungskonzepte zu den Themen „Struktur, Nutzung, Mobilität,
Hochhaus, Umsetzung“ beschrieben. Die Konzepte zeigen
Setzungen und Spielräume der Entwicklung auf: Als Strategien
bezeichnete Imperative („verdichten, freiräumen, mischen,
umsteigen“ etc.) formulieren Leitlinien zur Erreichung der
Entwicklungsziele, die in (Plan-)Diagrammen räumlich-strukturell
dargestellt werden. Der Rahmenplan im Maßstab 1:2.000 entwirft
beispielhaft, wie die Entwicklungskonzepte und -strategien integrativ
zusammenwirken und ist als ein Szenario der zukünftigen
Entwicklung zu verstehen.
Im letzten Teil der Arbeit werden ausgewählte Bereiche
(„Schlüsselprojekte“) im Bundesviertel vertiefend ausgearbeitet und in
Schemaschnitten, -plänen und einem Steckbrief illustriert.Seite 100 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 4
b. Planungsgrundlagen
Die Rahmenplanung baut auf vorhandene Planungen auf und
integriert Vorgaben und Vorhaben für das Bundesviertel aus
folgenden Fachplanungen und Gutachten:
- Integriertes Freiraumsystem der Stadt Bonn 2012 (IFS)
- Zielkonzept Radschnellrouten und Mobilstationen
- Viergleisiger Ausbau der linksrheinischen Bahntrasse
- Machbarkeitsstudie Niveaufreie Bahnquerung Dottendorfer
Straße (Unterführung, Kreisverkehr mit zwei Brücken)
- Studien Verlauf Seilbahn
- Laufende Planungsprojekte (z.B. Neubau DHL Campus
Baunscheidstraße, BSI-Komplex Ludwig-Erhard-Allee)
2. Talente + Herausforderungen
Das Bundesviertel ist gleichermaßen durch die Zeit als
Regierungssitz und durch den Strukturwandel in den 1990/2000er
Jahren geprägt. Es hat eine starke Identität als Sitz der Vereinten
Nationen, als Wirtschafts-, Kongress- und Regierungsstandort.
Regional bedeutsam sind zudem die Institutionen der Museumsmeile.
Gleichzeitig spielt das Bundesviertel im Alltag der Bonner
Bevölkerung eine nur untergeordnete Rolle - die Einwohnerzahl liegt
stark unter Durchschnitt. Das Johanniterviertel und das Berliner
Ringviertel bilden Wohnenklaven in der „Bürobaulandschaft“ des
Bundesviertels. Zum Vergleich: Die Einwohnerzahl liegt bei knapp
4.000, die Beschäftigtenanzahl bei ca. 45.000.2 Das Wohnen im
2 Bundesstadt Bonn, Statistikstelle, Bevölkerungsstatistik, Stichtag 31.12.2018, 16
https://www2.bonn.de/statistik/dl/ews/Bev%C3%B6lkerungsstatistik_2018.pdf; Stadt Bonn / Amt für
Wirtschaftsforderung, Liegenschaften und Tourismus (Hg.), Jahreswirtschaftsbericht 2018, 50,
https://www.bonn.de/medien-global/amt-03/Jahreswirtschaftsbericht_2018_.pdf
3 Vgl. IRI. Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn.
Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 11, 14f, 38f, 70f
Bundesviertel soll durch die Rahmenplanung eine neue Perspektive
bekommen.
Als gefragter „B+-Standort“ auf dem deutschen Büromarkt entwickelt
sich das Bundesviertel dynamisch.3 Die Flächennachfrage ist hoch.4
Die Rahmenplanung soll aufzeigen, wie und in welchen Lagen das
Bundesviertel quantitativ, aber auch qualitativ wachsen kann. Vor
dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche
Intelligenz stellt sich zudem die Frage, wie in dem durch den
Dienstleistungssektor geprägten Standort5 ein robuster Branchenmix
gefördert werden kann, also weitere Wirtschaftszweige wie Kultur-
und Kreativszene, Wissensökonomie oder auch wissens- und
kreativwirtschaftsaffine Produktion angesiedelt werden können.
Die Ansprüche der Beschäftigten, insbesondere der
WissensarbeiterInnen, an das Arbeitsumfeld werden höher. Als
zukunftsfähiger Standort muss sich das Bundesviertel vom
Bürostandort zur Arbeitslandschaft wandeln („Work-Life-Blending“):
Dazu gehören das Ausbalancieren eines „urbanen“ Nutzungsmix von
Wohnen, Arbeiten, Freizeit, ein attraktiver Wohnungsmarkt, eine
hohe Architekturqualität, aber auch das Gestalten von hochwertigen,
verteilten und vernetzten Freiräume für Pausenzeiten und für
informelles Arbeiten, sowie eine leistungsstarke
Verkehrsinfrastruktur, die eine schnelle Erreichbarkeit des
Bundesviertels und eine gute interne Vernetzung garantiert.
Die infrastrukturelle Anbindung des Bundesviertels per MIV (A562,
B9), ÖPNV (DB, Stadtbahn, Bus) und Rad (Radschnellwege in
Teilbereichen) ist überregional, regional und stadtweit zunächst gut
angelegt, stößt jedoch bereits heute an Kapazitätsgrenzen.
4 Büroflächen-Neubaubedarf bis 2030 Bonn gesamt: ca. 467.000 m² / 27.500 m² pro Jahr (Stand 2014);
Anteil Bundesviertel zurzeit 30%, entspricht ca. 140.000 m² bis 2030 / 8.200m² pro Jahr, vgl. ibid., 60
5 Branchenhomogenität: Anteil der Bonner Beschäftigten im Dienstleistungssektor 2017 (zum 30.06.2017):
91,9 %, https://www.bonn.de/service-bieten/aktuelles-zahlen-fakten/bonn-in-zahlen.php, 20.07.2019Seite 101 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 5
Wachstum und Mobilität müssen gleichermaßen entwickelt werden.
Eine weitere Herausforderung ergibt sich durch die Gleisanlagen und
bahnparallele Straße, die das Bundesviertel von den westlich
gelegenen Stadtteilen Kessenich, Dottendorf und Friesdorf trennen
und damit auch den Zugang zu Rheinauenpark und Rhein für die
BürgerInnen dieser Stadtteile erschweren.
Die Lage an Rhein und Rheinauenpark ist für das Bundesviertel ein
Standortvorteil, der zurzeit noch nicht voll ausgeschöpft wird. Die
Hauptstraßen in Nord-Süd-Richtung (B9, bahnparallele Straße,
Franz-J.-Strauß-/L.-Erhard-Allee) bilden Zäsuren in den fußläufigen
und Rad-Verbindungen Richtung Rhein und Park. Größere öffentliche
Plätze am Rhein sind nicht vorhanden. Die großen Grünräume des
UN-Campus und des Bereiches um Kanzlerbungalow, Villa
Hammerschmidt und Palais Schaumburg sind nicht betretbar
(„exterritorial“) und bilden somit eher weitere Barrieren zum Rhein
aus.
3. Ziele + Leitbild der Rahmenplanung
a. Entwicklungsziele (vgl. Bildteil, S.2)
Auf Grundlage der Talente und Herausforderungen werden folgende
Entwicklungsziele für das Bundesviertel gesetzt:
Das …
… Bonndesviertel gehört zu Bonn. Es macht Angebote an die
Bonner Bürgerschaft und ist räumlich an die westlich gelegenen
Stadtteile angebunden.
… Buntesviertel ist Stadt und Arbeitsplatz. Es ist urban gemischt,
bietet bezahlbaren Wohn- und Arbeitsraum, zeichnet sich durch
soziale und kulturelle, Sport-, Freizeit- und Versorgungsangebote
sowie hochwertige Freiräume aus. Durch ein Mehr und eine Vielfalt
an Wohnraum sind Einpendler sind Einwohnern geworden.
… Bund@sviertel ist offen für die Wissensökonomie. Es hat einen
krisensicheren und innovationsförderlichen Branchenmix und bietet
den Beschäftigten ein attraktives Arbeitsumfeld.
… Bundes~~viertel liegt am Rhein. Die fußläufigen und
Radverbindungen zum Rhein sind gut gestaltet. Es gibt neue
öffentliche Plätze und Freizeitangebote am Rhein, die von den
Einwohnern des Bundesviertel und der benachbarten Stadtteile gern
genutzt werden. Der östliche Rand des Bundesviertels zum
Rheinauenpark ist durch Wohngebäude neu gefasst worden.
… Bundesooviertel steigt um und sattelt auf. Es ist Vorbild für die
Verkehrswende: Rad- und Fußwege sind ausgebaut und der ÖPNV
gestärkt. Bereits vor den Toren der Stadt steigen Pendler vom Auto
auf die Schiene und Pendlerbusse um. Ohne das eigene Auto sind
die Bonner und Einpendler schneller und entspannter geworden.
… BundesviertelX verbindet verschiedene Welten. Es überwindet
innere und äußere Ränder, rückt näher an die Stadt, rückt näher an
Rhein und Rheinauenpark und schafft den Schulterschluss zwischen
den verschiedenen Teilräumen.Seite 102 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 6
b. Leitbild (vgl. Bildteil, S.3)
Das Leitbild illustriert wesentliche räumliche Elemente, die das
Bundesviertel in Zukunft prägen sollen. Dazu gehören die drei nord-
südlich verlaufenden Achsen „Meile, Magistrale und Allee“ (dunkelrot)
als starke Adressen. „Querachsen“ (gelb) in Ost-West-Richtung
binden das Bundesviertel an die westlichen Stadtteile und – nach
Osten – an Rhein und Rheinauenpark an. „Mitten“ (rote Kreise) bilden
Anziehungspunkte für AnwohnerInnen und Beschäftigte
gleichermaßen. Ein Park entlang der A562 bindet Rhein und
Rheinauenpark in das großräumige Freiraumsystem ein und schlägt
eine „grüne Brücke“ (grüner Pfeil) zu Südfriedhof und Venusberg bis
zum Kottenforst. Ein Freiraumband in Nord-Süd-Richtung zwischen
Magistrale und Meile, das „Community Space“ (grüne Punktlinie),
stellt eine neue Fußgänger und Radfahrer freundliche Verbindung
innerhalb des Bundesviertels dar.
4. Entwicklungskonzepte + -strategien
Die Rahmenplanung beruht im Wesentlichen auf fünf, miteinander in
Bezug stehenden Entwicklungskonzepten zu den Themen „Struktur,
Nutzung, Hochhaus, Mobilität, Umsetzung“, die im Folgenden
beschrieben werden. Die Konzepte zeigen Setzungen und
Spielräume der Entwicklung auf: Jedem Entwicklungskonzept sind
Strategien zugeordnet, die Leitlinien zur Erreichung der
Entwicklungsziele formulieren: Das Strukturkonzept beruht auf den
Strategien des „Verdichtens und Freiräumens“, das Nutzungskonzept
auf den Strategien des „Mischens, Pulsierens und Öffnens“, das
Hochhauskonzept auf dem „Ankommen und Ausstrahlen“, das
Mobilitätskonzept fordert das „Umsteigen“ und das
Umsetzungskonzept wird durch „Priorisieren und Verpflichten“
getragen.
Die Entwicklungskonzepte und -strategien werden als
Plandiagramme dargestellt und teils durch weitere Formate wie
Schemaschnitte vertiefend erläutert.
a. Strukturkonzept (vgl. Bildteil, S.4,5)
Zu den grundlegenden Zielen des Strukturkonzept gehört es, 1. die
Identität stiftenden Bereiche zu bewahren bzw. zu stärken sowie 2.
die inneren Potentialflächen baulich und freiräumlich zu entwickeln.
Die als „Fundamente“ bezeichneten Bereiche tragen das
Bundesviertel in wirtschaftlicher, kultureller und stadtidentitärer Sicht.
Sie weisen keine wesentlichen Transformationspotentiale bzw. -
bedarfe auf, sondern sollen lediglich in ihrer bestehenden Struktur
und Funktionalität gestärkt werden.
Strategie „Verdichten“ (vgl. Bildteil, S.6)
Die Strategie „Verdichten“ illustriert die Leitlinien einer zukünftigen
baulichen Arrondierung des Bundesviertels. Ziele: Die bauliche
Verdichtung soll das Bundesviertel in seiner gesamten Ausdehnung
entwickeln. Das bedeutet, dass nicht nur die bestehenden etablierten
Lagen, wie die B9 oder der UN Campus, als Entwicklungsräume in
Betracht gezogen werden, sondern auch neue, bisher weniger
ausgenutzte Lagen wie die bahnparallele Straße - die sogenannte
„Meile“ - und der gesamte Südbereich aktiviert werden sollen. Die
Ränder des Bundesviertels sollen prägnanter geformt und effizienter
genutzt werden. Bauliche Verdichtungen sollen zudem dazu
beitragen, infrastrukturelle Barrieren zu überwinden, beispielsweise
näher an die westlich gelegenen Stadtteile heranzurücken und damit
die Verbindung über die Gleise hinweg zu vereinfachen.
Das Plandiagramm zeigt als Hauptverdichtungsraum den Bereich
zwischen Bahntrasse und B9: Der „Rücken“ des Bundesviertel bietetSeite 103 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 7
auf Grund von größeren, zur Zeit nicht genutzten oder wenig effizient
genutzten Arealen (u.a. ehemaliges Landesbehördenhaus,
Miesengelände, In der Raste) ein hohes Transformationspotential mit
der Chance neue Standorte zu adressieren. Weitere
Verdichtungsräume („Spicken“) befinden sich punktuell im Großraum
zwischen B9 und Rhein, wie das Areal des Busdepots (Godesberger
Allee 120) oder das Areal südlich des BMZ (Willy-Brandt-Allee /
Welckerstraße). Zum Rheinauenpark bildet die Baustruktur entlang
der Petra-Kelly- und Ludwig-Erhard-Allee einen klaren „Parkrand“
aus.
Strategie „Freiräumen“ (vgl. Bildteil, S.7)
Komplementär zu der Strategie des „Verdichtens“ wirkt die Strategie
„Freiräumen“. Die Freiräume im Bundesviertel sollen aufgewertet und
besser vernetzt werden. Es sollen multicodierte Freiräume entstehen
für Bewegung, Sport, Erholung, Freizeit, für
Regenwassermanagement und weitere stadtklimatische Funktionen,
für urbanes Gärtnern, für informelles Arbeiten, Bewegung und
Pausenzeiten sowie als „Verbinder“, also als Wegräume für den
Fußgänger- und Radverkehr. Die hochwertigen Freiräume sollen
insbesondere für die BewohnerInnen und im Bundesviertel
Beschäftigten, aber auch für die Bonner Bürgerschaft attraktiv sein.
Die Hauptelemente der Strategie „Freiräumen“ sind im Plandiagramm
dargestellt: Die Infrastrukturrestflächen beidseitig der A562 werden
„gekapert“ und als großer ostwestlich ausgerichteter Park - als
„Grünbrücke“ - gestaltet. So wird die Lücke im großräumigen
Freiraumsystem geschlossen und Rhein und Rheinauenpark werden
über den Südfriedhof und Venusberg an den Kottenforst
6 Das sind: 1. Rheinweg / Genscherallee / Heussallee; 2. Dottendorfer Straße / Ollenhauer Straße /
Zitelmannstraße; 3. Annaberger Straße / Heinemannstraße; 4. Hochkreuzallee / Kennedyallee
7 Die Freiraumstrategie unterstützt die Ziele des Integrierten Freiraumsystems der Stadt Bonn 2012 (IFS) für
den Bereich des Bundesviertels (Teilraum VIII): Der „Park 562“ stärkt den Grünzug Dottendorf (ehemalige
Südtangente) als großräumige Verbindung zur Rheinaue. „Querachsen“ und „Community Space“ stellen
angebunden. In Nord-Süd-Richtung entsteht innerhalb des
verdichteten „Rückens“ eine Sequenz öffentlicher und halböffentlicher
Freiräume: Der sogenannte „Community Space“ vernetzt das
Bundesviertel über eine Länge von knapp drei Kilometern und bietet
Plätze, Grünräume, Gemeinschaftsgärten, Sport- und Spielplätze und
verkehrsberuhigte Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger
und Fahrradfahrer. Die großen Straßenachsen in Nord-Süd-Richtung
„Meile“, „Magistrale“ und „Allee“ sind bereits in Teilen als Baum
bestandene Straßen ausgebildet und sollen entsprechend ergänzt
werden. In Ost-West-Richtung sollen „Querachsen“6 das
Bundesviertel, aber auch die jenseits der Gleise liegenden Stadtteile
mit dem Rhein und Rheinauenpark verbinden und als Straßen mit
großzügigen Fußgänger- und Radwegen sowie Baumbestand
ausgebaut werden. Als Vorbild dient die Heussallee.7
Dichtemodell (vgl. Bildteil, S.8-10)
Die Inhalte der Strategien „Verdichten und Freiräumen“ werden durch
ein Dichtemodell vertieft. Mit Hilfe des Dichtemodells kann ein
Spielraum für die bauliche Arrondierung formuliert werden. Es
werden 96 Baublöcke definiert, die sich jeweils strukturell und
programmatisch als Einheit zusammenfassen lassen. Für jeden
Baublock wird in Relation zu den Zielen des Strukturkonzeptes eine
Dichtespanne festgelegt, auf die eine zukünftige bauliche
Entwicklung abzielen sollte und die in Bebauungsplänen konkretisiert
wird.
Bauliche Dichte im Bestand
Die Kartierung der Bestandsdichte verdeutlicht, dass im Bestand
knapp 75 Baublöcke (d.h. knapp 75%) eine Dichte unter GFZ 1,5
lineare Umfeldverbesserungen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung dar und stärken das Ziel der Vernetzung
großer Grünflächen in die benachbarten Quartiere (z.B. entlang Heussallee - Verbindung Museumsmeile zum
Rhein - und entlang Kennedyallee - Verbindung Godesberger Straße zur Rheinaue). Vgl. IFS 2012
Kurzbericht, 22-25, 35, 36; Abb. F-29, 39Seite 104 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 8
aufweisen. Nur fünf Baublöcke liegen bei einer Dichte von über GFZ
2,5. Die bauliche Dichte im südlichen Bereich des Bundesviertels
(südlich der A562) ist geringer als im Norden, wo die
Gebäudekomplexe des Posttowers (GFZ 5,2), des Neuen
Kanzlerplatzes (GFZ 3,8) und des Marriotthotels (GFZ 4,1) deutlich
verdichtete Areale bilden. Der Gesamtdichtewert des
Planungsgebietes liegt im Bestand bei GFZ 1,1.8
Dichtemodell
Das Dichtemodell der Rahmenplanung zeigt, wo und wie die bauliche
Dichte im Bundesviertel erhöht werden kann. Die Gesamtdichte des
Planungsgebietes wird von GFZ 1,1 auf GFZ 1,5 erhöht.9 Die Anzahl
der Baublöcke mit einer GFZ 1,5-2,5 wird von 16 auf 33 verdoppelt.
Die Anzahl der Baublöcke mit einer Dichte von über GFZ 2,5 wird von
fünf auf zehn verdoppelt. Als neue Verdichtungen mit einer GFZ über
3,0 kommen die Bauvorhaben des BSI und des DHL Campus, das
Süd-Tor und der Telekom-Komplex an der Kreuzung B9/A562 dazu.
Dichtezuwachs
Die Kartierung des Dichtezuwachses veranschaulicht, wo die
Hauptverdichtungsräume im Bundesviertel liegen: Die Ränder zum
Rheinauenpark und zu den Gleisen werden dichter und damit klarer
strukturiert. Die Eingänge in das Bundesviertel – die „Tore“ an Meile,
Magistrale und Allee – sind als Verdichtungsräume ebenso
erkennbar. Großräumig treten der „Rücken“ und der
„Entwicklungsraum Süd“ (Bereich südlich der A562) mit deutlichem
Dichtezuwachs in Erscheinung.
8 Berechnet als Gesamtgeschossfläche Bestand in Bezug auf die Gesamtfläche aller Baublöcke: GF gesamt /
Baublockfläche gesamt
b. Nutzungskonzept
Vorwiegende Nutzungen des Bundesviertel im Bestand
(vgl. Bildteil, S.12)
Die Kartierung der Bestandsnutzungen zeigt das einführend
beschriebene Profil des Bundesviertels als Sitz der Vereinten
Nationen, Kongressstandort, Sitz von Ministerien und Einrichtungen
des Bundes und Wirtschaftsstandort mit einem dominierenden
Dienstleistungssektor. Das Johanniterviertel und das Berliner
Ringviertel bilden Wohnenklaven in der „Bürobaulandschaft“ des
Bundesviertels. Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 4.000 - das ist
entspricht ca. 1,2% der Gesamtstadt -, die Beschäftigtenanzahl liegt
bei 45.000 – das entspricht ca. 20% der Gesamtstadt.10 Um die
Herausforderungen klar zu benennen: Das Bundesviertel ist ein stark
auf das Arbeiten ausgerichteter Stadtteil mit geringem Wohnanteil
und den entsprechend fehlenden Wohnfolgeeinrichtungen. Es ist
durch eine Branchenhomogenität geprägt, die vor dem Hintergrund
von Digitalisierung, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz nicht
unproblematisch ist.
Strategie „Mischen“ (vgl. Bildteil, S.13)
In Zukunft soll das Bundesviertel bunter werden. Zu den Zielen der
Strategie „Mischen“ gehört es, 1. einen urbanen Nutzungsmix zu
fördern, 2. die Branchendiversität zu erhöhen, 3. „mehr, andere,
bezahlbare“ Wohnangebote zu schaffen sowie 4. hochwertige
Bürostandorte mit Lagequalitäten zu sichern und neu zu erschließen.
9 Berechnet als Gesamtgeschossfläche Bestand + Neubau in Bezug auf die Gesamtfläche aller Baublöcke:
GF gesamt / Baublockfläche gesamt
10 Vgl. Informationsdienst Bundesstadt Bonn 2018 und Statistik aktuell Bundesstadt Bonn 2018Seite 105 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 9
Es sollen neue Gebietstypen entstehen: Neben reinen Wohn- und
Bürostandorten sollen in großen Teilen gemischte Gebiete – „Hybrid
Wohnen“ und „Hybrid Büro“ - entwickelt werden. An den „Mitten“ soll
der programmatische Mix mit Wohnen, Handel, Versorgung,
Gastronomie etc. besonders hoch sein. Darüber hinaus werden
Gebiete für Branchen vorgesehen, die im Bundesviertel bisher (zu)
wenig vertreten sind und in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wie die
Kultur-, Kreativ-, und Wissensökonomie oder die urbane Produktion.
(KK = Kultur- und Kreativwirtschaft, WÖ/FB = Wissensökonomie /
Forschung+Bildung, UP=Urbane Produktion).
Die angestrebte Mischung soll innerhalb eines Baublocks, aber auch
innerhalb eines Gebäudes realisiert werden. So entstehen hybride
Block- und Gebäudestrukturen im Neubau, aber auch durch
Umnutzung im Bestand.
Die Magistrale wird als Unternehmensstandort mit Anteilen für
Wohnen und öffentliche Nutzungen weiterentwickelt. Die großen
Wohngebiete Johanniter Viertel und Berliner Ringviertel werden
durch gemischte Wohnschollen arrondiert. Im geografischen Zentrum
des Bundesviertels – an der Kreuzung von A562 und B9 – ist ein
neuer Nutzungsschwerpunkt, das „Labor“, vorgesehen als Inkubator
für einen erweiterten Branchenmix und neue kombinierte Wohn- und
Arbeitsformen: Hier – am Standort des ehemaligen
Landesbehördenhauses - soll ein belebtes und autoarmes Quartier
entstehen für Versorgung, Bildung, Wohnen, für die Kultur- und
Kreativszene, Wissensökonomie oder auch wissens- und
kreativwirtschaftsaffine Produktion.
Nutzungsmodell (vgl. Bildteil, S.14)
Das Nutzungsmodell zeigt das Nutzungsspektrum je Baublock als
Entwicklungsziel auf. Die Gebietskategorien sind wie folgt definiert:
Wohnen Wohnen (Ausnahme: EG)
Hybrid Wohnen ca. 85% Wohnen; ca. 15% Nicht-Wohnen,
davon ca. 5% soz.-kult. Infrastruktur (z.B. Kita,
Jugendeinrichtungen, Tagespflege) und/oder
Versorgung (z.B. Ladengeschäft, Café),
ca. 10% Gewerbe/Büro
Büro Büro (Ausnahme: EG)
Hybrid Büro ca. 33% Wohnen, ca. 67% Nicht-Wohnen,
davon Großteil Büro/Gewerbe (Ziel Branchen-
mix: DL, KK, WÖ/FB, UP etc.) mit nutzungs-
gemischten, halböffentlichen Erdgeschossen
z.B. Kantine, Betriebskita, Ladengeschäft, Café
Hybrid Mitte ca. 60% Wohnen, ca. 40% Nicht-Wohnen,
davon ca. 30% Büro/Gewerbe, ca. 10%
Versorgung, soz.-kult. Infrastruktur, Handel,
Hotel, Gastronomie etc., EG: keine Wohn- oder
Büronutzung
Hybrid
KK, WÖ/FB, UP Kultur-, Kreativwirtschaft und/oder Wissens-
ökonomie, Forschung, Bildung und/oder
Gewerbe als verträgliche urbane Produktion;
mind. 20% Wohnen; soz.-kult. Einrichtungen,
Gastronomie möglich
Bildung,
Soziales, Kultur in eigenem Gebäude, z.B. Schule, Kita,
Mediathek, KongressSeite 106 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 10
Nutzungsverpflichtung
Hochhäuser Kategorie L und M (ü. 60m) = 20% BGF
Wohn- / wohnähnliche Nutzungen
Kategorie S = 30% bis 50% BGF Wohn-
/ wohnähnliche Nutzungen
sowie Integration sozialer und kultureller
Nutzungen (Vgl. Hochhauskonzept)
Alle Werte sind standort- und projektbezogen zu prüfen.
Verkehrsinfrastrukturen wie Tief- und Hochgaragen sind in den
jeweiligen Nutzungskategorien enthalten und müssen projektweise
nachgewiesen werden.
Abweichungen von den definierten Nutzungsanteilen
(vgl. Bildteil, S.15)
Für einige Baublöcke sind Abweichungen und Ausnahmen von den
im Nutzungsmodell definierten Nutzungsanteilen in Bezug auf Lage
und/oder bestehende Planungen bereits berücksichtigt worden. Dazu
gehören u.a. das Miesenareal (BB N03) und das Telekomgelände
(BB N02), bei denen kein Wohnanteil angerechnet wurde aufgrund
von Emissionen bzw. bestehendem Planungsrecht.
Anteil Wohnen / Nicht-Wohnen. Zuwachs Einwohner +
Beschäftigte
Die Anwendung des Nutzungsmodells im Rahmenplan M 1:2.000
dient zur Berechnung des Zuwachses an Nutzflächen im Vergleich
zum Bestand.
59% der Zuwachsflächen, die der Rahmenplan M 1:2.000 ausweist,
sind demnach dem Wohnen gewidmet, das entspricht ca. 543.500m²
GF. Umgerechnet bedeutet das ein Plus von ca. 5.435
Wohneinheiten (WE) und bei einer Belegungskennzahl von 1,9
P./WE ein Mehr von ca. 10.327 Einwohnern im Vergleich zum
Bestand.
41% der Gesamtzuwachsfläche sind für Nicht-Wohnnutzungen
vorgesehen: ca. 375.766 m² GF. Davon sind im Nutzungsmodell ca.
32% (entspricht ca. 297.849 m² GF) für Gewerbe/Büro (Branchenmix
Dienstleistung, Forschung und Wissensökonomie, Kultur- und
Kreativwirtschaft, Urbane Produktion) und ca. 9% (entspricht ca.
77.918 m² GF) für Versorgung, Handel, Gastronomie, sozio-kulturelle
Infrastruktur (z.B. Kita, Jugendeinrichtung, Grundschule) bestimmt.
Umgerechnet bedeutet das einen Zuwachs an Arbeitsplätzen von ca.
11.387 (Kennziffer 33m²/AP).
Die Anzahl der Einwohner im Bundesviertel könnte sich demnach
langfristig von derzeit 4.000 um 10.327 auf insgesamt 14.327
erhöhen; die Anzahl der Beschäftigten von derzeit 45.000 um 11.387
auf insgesamt 56.387.
Zuwachswerte Rahmenplan Anteil
Zuwachs Gesamt GF in m² 919.266
Zuwachs Wohnen GF in m² 543.500 59%
Zuwachs WE (Wohneinheiten 100m2) 5.435
Zuwachs EW (Einwohner 1,9EW / WE) 10.327
Zuwachs Nicht-Wohnen GF in m² 375.766 41%
Zuwachs AP (Arbeitsplätze 33m2/AP) 11.387
davon Büro / Gewerbe GF in m² 297.849
davon Versorg., Handel, soz.-kult.Infra., Gastro etc. GF in m² 77.918Seite 107 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 11
Bedarfe Nahversorgung und sozio-kulturelle Infrastruktur
Mit der Erhöhung des Wohnanteils im Bundesviertel von derzeit ca.
4.000 auf ca. 14.327 Einwohner ergeben sich neue Bedarfe im
Bundesviertel hinsichtlich Versorgung und sozio-kultureller
Infrastruktur. Im Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008
sind im gesamten Bundesviertel keine zentralen Bereiche
vorgesehen, es gibt derzeit einen Verbrauchermarkt (Langer
Grabenweg). Der Schulentwicklungsplan 2016/17 Grundschulen der
Bundesstadt Bonn weist keinen Grundschulstandort aus; an der
Ollenhauerstraße befindet sich das Friedrich-Ebert-Gymnasium. Die
nächstgelegenen Schulstandorte sind die Bonn International School,
Gotenschule / Nicolaus-Cusanus-Gymnasium, Gesamtschule Bad
Godesberg, Bodelschwinghschule, Servatiusschule und die Erich-
Kästner-Schule.
Bei einem Zuwachs von 10.327 Einwohnern ergibt sich nach
Rücksprache mit dem Dezernat V - Dezernat für Schule, Soziales
und Jugend, Schulamt ein Bedarf für eine 6-zügige Grundschule
(Ganztag) für ca. 600 SchülerInnen. Des Weiteren ist von einem
deutlich wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder bis zur
Einschulung auszugehen und damit ist ein weiterer Ausbau an
Kindertageseinrichtungen zu berücksichtigen. Ausgehend von der
Kennziffer 0,11 Kitaplätze/WE und einem Platzbedarf von 10m²/Kind
ergibt sich ein Bedarf an 597 Plätzen und ca. 5.979m² GF.
Für Jugendeinrichtungen (Jugendhilfe / Jugendfreizeit) wird ein
Bedarf von 0,2m²/EW angesetzt, das entspricht 2.065m² GF.
Die Nahversorgungssituation ist ebenfalls zu verbessern. Für einen
Zuwachs von 5.435 WE bzw. 10.327 EW ergibt sich bei einem
Flächenansatz von 0,6m²/WE ein Bedarf von ca. 6.196m² GF.
[Weitere Bedarfe und Angebote – Handel, Gastronomie, Hotels, gesundheitliche und weitere
soziale oder kulturelle Einrichtungen – sind standort- und projektbezogen zu prüfen und
entwickeln. Verkehrsinfrastrukturen wie Tief- und Hochgaragen sind in den jeweiligen
Nutzungskategorien des Nutzungsmodells enthalten und müssen projektweise nachgewiesen
werden.]
Verortung Nahversorgung und sozio-kulturelle Einrichtungen
(vgl. Bildteil, S.16)
Nahversorgung
Das Nutzungskonzept sieht sogenannte „Mitten“ vor, die sich durch
hochwertige öffentliche Räume – „Stadtplätze“ – und einen hohen
Nutzungsmix auszeichnen: Wohnen, Büro, Handel, Gastronomie etc.
Standortabhängig haben die Mitten unterschiedliche Profile und einen
spezifischen Nutzungsmix. Die „Mitte Labor“ (BB55, ehemaliges
Landesbehördenhaus) erscheint aufgrund der guten Erreichbarkeit,
ÖPNV-Anbindung (Haltestelle Olof-Palme-Allee) und Lage als
zentraler Bereich geeignet; ein Großteil des
Nahversorgungsangebotes kann hier gebündelt verortet werden, wie
z.B. ein Vollsortimenter (2.000-2.500m² BGF) in Kombination mit
Biomarkt, Drogerie o.ä.. Mittlere und kleine Läden (z.B. Bekleidung,
Schuhe, Bäcker, Blumen, Kiosk, Apotheke, Bücher, Feinkost,
Optiker) ergänzen das Angebot an diesem Standort. Einzelne
Ladengeschäfte sind ebenfalls im Bereich der anderen „Mitten“
vorstellbar.
Sozio-kulturelle Einrichtungen
Der Bereich „Mitte Labor“ ist aufgrund der guten Erreichbarkeit,
ÖPNV-Anbindung und Nähe zu bestehenden und neuen
Wohngebieten sowie der Nähe zur Sportanlage „Wasserland“ als
Grundschulstandort geeignet. Im Rahmenplan M 1:2.000 ist eine
Fläche von ca. 1,1 ha vorgesehen mit einem Gebäudekomplex (ca.
21.600m² GF) für eine Grundschule mit Sporthalle, eine Kita und ein
Jugendtreff sowie ggf. für weitere soziale oder kulturelle Nutzungen.
Die skizzierten Freiflächen („Schulhof“) umfassen ca. 3.935m².
Die Kitas sind dezentral in den Wohnquartieren zu verorten –
integriert in Wohngebäude, als Solitär oder in Kombination mit
anderen geeigneten Nutzungen wie Jugendeinrichtungen. Bei einem
Bedarf von ca. 597 Plätzen (ca. 33 Gruppen) in zwei- bis
sechsgruppigen Einrichtungen ergeben sich zwischen ca. 8-12Seite 108 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 12
Einrichtungen (Standorte). Mögliche Standorte sind im Rahmenplan
M 1:2.000 markiert.
Jugendfreizeit- und Jugendhilfeeinrichtungen sind dezentral im
Planungsgebiet zu verorten. Mögliche Standorte sind ebenfalls im
Rahmenplan M 1:2.000 markiert.
Skizze Freiraumbedarfe und -angebot
Mit der Grünbrücke (14 ha) und dem Community Space (15 ha)
werden neue große Grün- und Freiflächen im Bundesviertel angelegt,
die als wohnungsnahe Grünräume nutzbar sind. Hier sollen Sport-
und Spielplätze angelegt werden, wie der Rahmenplan M 1:2.000
und die Vertiefungsbereiche skizzenhaft aufzeigen. Spielplätze sind
darüber hinaus innerhalb der Wohngebiete anzulegen. (Diese sind im
Rahmenplan M 1:2.000 aufgrund des Detailierungsgrads nicht
dargestellt.) Es gilt die Spielplatzsatzung der Stadt Bonn.11
Des Weiteren entstehen 12 neue Stadtplätze (4,5 ha) als Aufenthalts-
und Erholungsorte. Mit dem Rheinauenpark, Südfriedhof und
Zentralfriedhof stehen bereits große siedlungsnahe Grünflächen zur
Verfügung.
Exkurs: „mehr, anders, bezahlbar“ Wohnen
Das bestehende Wohnangebot des Bundesviertels ist durch
Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und ähnliche Wohnformen geprägt.
In Zukunft soll das Angebot erhöht und diversifiziert werden, um den
Ansprüchen verschiedener Lebensmodelle und Lebensphasen
gerecht zu werden.
11 In der Charta für das Berliner Stadtgrün (Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, 2020) ist
beispielsweise als Zielvorgabe definiert, dass „jede Bürgerin und jeder Bürger innerhalb von 500 Metern eine
wohnungsnahe Grünanlage erreichen kann. Für die Erholung sollen jeder Einwohnerin und jedem Einwohner
6 m² wohnungsnahe und 7 m² siedlungsnahe Erholungsfläche sowie 1 m² Spielplatzfläche zur Verfügung
stehen.“ Die Rahmenplanung Bundesviertel hält mit der Grünbrücke und dem Community Space (gesamt
29ha) wohnungs- und siedlungsnahe Erholungsflächen mit Spiel- und Sportanlagen von 20m² je
bestehendem und neuem Einwohner (gesamt 14.327 EW) vor.
Dazu gehört die Förderung des gemeinschaftlichen Wohnens durch
Mehrgenerationenhäuser, Baugruppenprojekte oder
Wohngemeinschaften (Cluster-/ Satellitenwohnen, Senioren-WGs
etc.), die Schaffung von temporären Wohnangeboten wie
Boardinghäuser oder Mikroapartments, die Bereitstellung von Kleinst-
und Starterwohnungen sowie Live-Work-Einheiten wie Studio, Atelier,
Duplex.
Mehr bezahlbarer Wohnraum soll durch die konsequente Anwendung
des Bonner Baulandmodells entstehen.12
Für Hochhausbauvorhaben im Bundesviertel empfiehlt die
Rahmenplanung eine Integration von Wohnnutzungen: Bei
Hochhäusern der Kategorie L und M (ü. 60m) sollte 20% der
Bruttogrundfläche für Wohn- oder wohnähnliche Nutzungen
vorgesehen werden, bei Hochhäusern der Kategorie S sollten es
zwischen 30% und 50% sein - je nach Lage. (Vgl. Hochhauskonzept)
Strategie „Pulsieren“ (vgl. Bildteil, S.17)
Die Strategie „Pulsieren“ zielt darauf, das öffentliche Leben im
Bundesviertel zu stärken durch die Entwicklung von „Mitten“ in
verschiedenen Teilbereichen und die Schaffung von großen
Grünräumen.
Die „Mitten“ sind Anziehungspunkte: Orte mit einem hohen
Nutzungsmix, Versorgungs- und Mobilitätsangeboten und hochwertig
gestalteten, öffentlichen Räumen mit Aufenthaltsqualität
(„Stadtplätze“). Je nach Lage werden die „Mitten“ eine stadtweite
(„Hub“, „Labor“), meist eher eine Quartier oder Nachbarschaft
bezogene Bedeutung generieren („Strahlkraft“ vgl. Diagramm) und
12 Für Wohnungsbauvorhaben im Rahmen der Aufstellung oder Anpassung eines Bebauungsplans und wenn
Planungsrecht für mehr als 24 Wohneinheiten oder 2.200 m² Bruttogrundfläche Wohnen geschaffen wird,
wird eine Quote von 40% der für Wohnzwecke geplanten Bruttogrundfläche für geförderten Wohnungsbau
(davon mind. 20% im Förderweg A) festgelegt. Darüber hinaus sollen sich die Wohnungsbauinvestoren an
den Kosten zur Herstellung von Plätzen in Kindertagesstätten beteiligen.
https://www.bonn.de/vv/produkte/wohnungsmarktentwicklung-bonner-baulandmodell.phpSeite 109 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 13
entsprechend sollte das Nutzungsspektrum konzipiert werden. Die
Titel der „Mitten“ – Plaza, Kiez, Höfe, Markt, Amphi, Rheinkultur, Süd-
Park, Treff - weisen auf diese kontextspezifische Profilierung hin.
Die „Mitten“ sind innerhalb des „Rückens“ jeweils an der Schnittstelle
der „Querachsen“ und des „Community Space“ verortet – als
Anlaufstelle für Bewohner und Beschäftigte des Bundesviertels, aber
auch der benachbarten, westlich gelegenen Stadtteile. Im Großraum
zwischen „Magistrale“ und „Allee“ sind vier weitere „Mitten“ im
Bestand geplant: „Markt“ und „Amphi“ sollen die Aufenthalts- und
Versorgungsqualität im Bereich des südlichen UN Campus bzw. der
Ministerienlandschaft am Robert-Schuman-Platz verbessern. Zwei
„Treffs“ werden als Nachbarschaftsplätze mit Kleingastronomie und
Spielflächen innerhalb des Johanniter Viertels und Berliner
Ringviertels vorgeschlagen.
Als große neue Grünräume sind die „Grünbrücke“ und der
„Community Space“ (Folien anpassen) geplant. Beides sind
multicodierte Freiräume, die das Arbeits- und Wohnumfeld durch
Sport-, Spiel- und Erholungsangebote aufwerten, die die Nahmobilität
mit großzügigen Fuß- und Radwegen verbessern und die das
Stadtklima als Retentions- und Kaltluftschneisen positiv
beeinflussen.13
Strategie „Öffnen“ (vgl. Bildteil, S.18)
Das Bundesviertel ist durch großflächige Komplexbauten (z.B.
Kreuzbauten, Telekomgelände) geprägt, die meist nicht öffentlich
zugänglich sind und teils als Barrieren im Stadtraum wahrgenommen
werden. Das Ziel der Strategie „Öffnen“ ist es, sowohl die
Durchwegung dieser Bereiche als auch die Zugänglichkeit der
13 Die Bereiche “Mitte Labor”, “Mitte HUB UN-Station”, “Grünbrücke” und “Community Space” werden im
letzten Teil der Arbeit vertiefend ausgearbeitet und in Schemaschnitten, -plänen, Steckbrief illustriert.
Gebäude, also insgesamt das öffentliche Leben in diesen Arealen zu
stärken. Die Rahmenplanung empfiehlt zu prüfen, ob sich Wege
durch ausgewählte Teilbereiche der dargestellten Komplexe
zugänglich machen lassen, ob Kantinen für die Öffentlichkeit geöffnet
werden können, ob Erdgeschoss-, Sockel- oder Dachgeschosszonen
mit publikumswirksamen Nutzungen (Gastronomie, Veranstaltungen)
- z.B. auch nur zeitweise - belegt werden können. Die Strategie
„Öffnen“ richtet sich auf beides - die Transformation des Bestandes
und die Konzeption von Neubauten.
c. Hochhauskonzept
Das Hochhauskonzept ergänzt die Leitlinien des Strukturkonzeptes,
das die Hauptbereiche einer baulichen und freiräumlichen
Entwicklung aufzeigt. Hochhäuser bieten städtebaulich das Potential,
dem Flächenbedarf des Wohnungs- und Büromarktes zu begegnen14
und gleichzeitig besondere Stadtbausteine zu setzen: Sie wirken als
Landmark und bei entsprechender Programmierung als
Anziehungspunkt und Katalysator für öffentliches Leben - auch in bis
dato weniger attraktiven oder gar untergenutzten Gebieten. Aufgrund
der baulichen Höhe und Dichte beanspruchen Hochhäuser ihr Umfeld
jedoch auch stärker als andere Gebäudetypen (u.a. Infrastruktur,
Mikroklima, Verschattung und -windung, Privatheit) und müssen mit
besonderer Sorgfalt in den Kontext integriert werden:
Hochhausstandorte und -architekturen sollten daher besonderen
Planungsansprüchen, Objekt- und Prozessqualitäten gerecht werden,
um die Beanspruchung des Umfeldes nicht nur auszugleichen,
sondern Mehrwerte für die Allgemeinheit zu schaffen. Es ist
obligatorisch, für Hochhausvorhaben Wettbewerbe durchzuführen
14 Die Büromarkterhebung 2014 stützt diese Annahme: „Angesichts der hohen Attraktivität des Standortes
[Bundesviertel] ist zudem eine weitere Verdichtung denkbar und sollte auch ermöglicht werden. Die
Ermöglichung größerer Gebäudehöhen ist dabei eine Option.“ IRI. Institut für Raumforschung und
Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn,
Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 71Seite 110 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 14
(Vgl. Umsetzungskonzept, Kap.4e). Das Hochhauskonzept setzt
Leitlinien für die Hochhausvorhaben im Bundesviertel fest.
Hochhausbestand Gesamtstadt (vgl. Bildteil, S.20)
Die Kartierung zeigt, dass die Anzahl, die Höhe und die Stadtbild
prägende Wirkung der bestehenden Hochhäuser in der Gesamtstadt
eher gering sind.15 Es gibt keine Hochhauscluster, lediglich
vereinzelte Ensembles, weitestgehend handelt es sich um Solitäre.
Die Standorte liegen in Rheinnähe und an großen
Hauptverkehrsstraßen, das Stadthaus prägt die City. Es ist deutlich
erkennbar: Bonn ist keine Hochhausstadt, aber das Bundesviertel
hat, anders als die Struktur der Gesamtstadt, bereits eine erkennbare
Prägung. Hier finden sich relativ zur Fläche die meisten und auch die
höchsten der bestehenden und im Bau befindlichen Hochhäuser (3x
über 100m, mehrere über 60m).
Gesamtstädtische Einbindung (vgl. Bildteil, S.21)
Zu den Zielen des Hochhauskonzeptes im Hinblick auf die
gesamtstädtische Einbindung gehört es, die Stadtbild prägende
Wirkung der Hochhäuser im Bundesviertel deutlich auszuformulieren.
Die Setzung von Hochhäusern soll das Bundesviertel wahrnehmbar
rahmen, seine Fernwirkung sowie die Lesbarkeit des Gebietes
klären. Es sollen zudem Impulse an den Rändern und untergenutzten
Orten gesetzt werden. Insgesamt werden zwölf neue
Hochhausstandorte vorgeschlagen. Damit würde sich die Zahl der
Hochhäuser von derzeit acht auf zwanzig (davon 7x Kategorie S =
40m) erhöhen.
15 Kartiert sind Hochhäuser mit mehr als 12 Geschossen bzw. über 40m.
Exkurs: Was ist ein Hochhaus? (vgl. Bildteil, S.22)
Die Musterbauordnung (MBO § 2 Abs. 4 Nr. 1) definiert als Hochhaus
ein Gebäude, bei dem der Fußboden eines Aufenthaltsraumes mehr
als 22m über Terrain liegt. Diese Definition ist brandschutztechnisch
begründet. Städtebaulich greift die Definition zu kurz, da ein hohes
Gebäude nur in Relation zum Kontext als solches erkennbar wird. Für
das Hochhauskonzept wird daher definiert, dass ein Hochhaus ein
Gebäude ist, das deutlich höher als die umgebenden Gebäude
wahrgenommen wird. Die prägende Bestandshöhe im Bundesviertel
liegt bei ca. 15-20m (IV-V Geschosse). Ein Gebäude mit der
doppelten Höhe, also 40m (Oberkante Dach), wird daher als (kleines)
Hochhaus festgesetzt. Das höchste Gebäude im Bundesviertel ist der
Posttower mit ca. 162m. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass das
Hochhauskonzept neben der Bestimmung von Standorten auch
Höhenspannen für Hochhäuser definieren muss.
Strategie „Ankommen und Ausstrahlen“ (vgl. Bildteil, S.23-30)
Die Strategie „Ankommen und Ausstrahlen“ formuliert die Ziele einer
baulichen Ergänzung des Bundesviertels durch Hochhäuser:
Hochhäuser sollen als Landmarks die Orientierung verbessern,
wichtige Orte wie „Mitten“ und „Tore“ (Gebietseingänge) markieren
und durch die Ausbildung einer Skyline die Identität des
Bundesviertels stärken. Die Setzung der Hochhäuser soll die Nord-
Süd-Achsen „Magistrale“ und „Meile“ rhythmisieren und in einer
ausbalancierten Verteilung das Bundesviertel in seine Gesamtheit
ablesbar rahmen.Seite 111 von 126
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2020, TEXTTEIL 15
Für Hochhausstandorte werden folgende Leitlinien festgelegt:
1. Hochhäuser sollen in geeigneten Zonen realisiert werden (vgl.
Punkt 4+5).
2. Je Zone entsteht ein Hochhaus (Solitärwirkung) - mit
Ausnahme des Kreuzes B9/A562.
3. Je Zone wird eine Höhenkategorie (S, M, L) definiert -
orientiert an Bestandshöhen und Lage (vgl. Punkt 5). Die
Höhenkategorien definieren Höhenspannen für die
Ausbildung der Gebäudehöhe (Oberkante Dach über Terrain).
Es werden drei Kategorien definiert:
a. L = 100-120m
b. M = 60-80m
c. S = 40m
Die Höhenspannen leiten sich aus den Höhen der
bestehenden Hochhäuser im Bundesviertel ab: An den
Gebäuden „Neuer Kanzlerplatz“ (101m) und „Langer Eugen“
(115m) orientiert sich die Höhenspanne der Kategorie L (100-
120m). An den Gebäuden „Marriot Hotel“ (68m), „UN
Hochhaus“ (65m), „Tulpenfeld“ (67m) und den „Kreuzbauten“
(55m) orientiert sich die Höhenspanne der Kategorie M (60-
80m). Die Kategorie S (40m) begründet sich aus der eingangs
beschriebenen Hochpunktwirkung in Relation zu den
prägenden Bestandshöhen im Bundesviertel.
4. Eignungszonen werden nach Lage, Anbindung und
Angemessenheit bestimmt.
a. Eignungszonen befinden sich an den großen Straßen
und Hauptadressen des Bundesviertels:
„Allee“ (Parkstraße)
„Magistrale“ (B9)
„Meile“ (Bahnparalle)
b. Eignungszonen liegen an wichtigen Orten; hier dienen
die Hochhäuser als Landmark und Orientierungspunkt:
„Tore“
„Kreuz“ / „Herz“
„Mitten“
c. Eignungszonen sind fußläufig von Stationen des
schienengebundenen Personennahverkehrs (SPNV)
erreichbar. (Entfernung: 300-600m)
5. Die Höhenkategorien werden wie folgt für die
Hochhausstandorte festgelegt:
a. Standorte der Kategorie L sind das „Ost-Tor“ und das
„Kreuz“. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 100
bis 120m (27-32 Geschosse) entstehen. Diese Orte
zeichnen sich durch ihre übergeordnete Strahlkraft,
ihre weiträumige Sichtbarkeit, die hohe
Geschwindigkeit und den großmaßstäblichen Kontext
(Rheinauenpark, A-562, Grünbrücke) aus. Das Ost-
Tor wird als wichtiger (regionaler) Eingang in das
Bundesviertel markiert. Das „Kreuz“ als geografische
Mitte des Bundesviertels erhält eine adäquate
Fernwirkung; hier sind zwei mögliche
Hochhausstandorte vorgesehen, um die Ost-West-
Achse (A562) und die Nord-Süd-Achse (B9)
städtebaulich zu fassen.
b. Standorte der Kategorie M sind das Nord- und Süd-
Tor. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 60 bis
80m (15-21 Geschosse) entstehen. Nord- und Südtor
werden als stadtinterne Hauptzugänge des
Bundesviertels markiert, sie bilden den Auftakt für die
„Meile“ und die „Magistrale“.Seite 112 von 126
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