201211 · Mitteilungsvorlage
Digitale Medien und Medienbildung in städtischen Kindertageseinrichtungen
Kerndaten
- Nummer
- 201211
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 06.07.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
Dateien
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Volltext
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Mitteilungsvorlage öffentlich 201211 Der Oberbürgermeister Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. V Digitale Medien und Medienbildung in städtischen Kindertageseinrichtungen Beratungsfolge Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 12.08.2020 Kenntnisnahme Mitteilung: Digitale Medien sind selbstverständlicher Bestandteil von Kindheit. Medienerziehung und die Entwicklung von Medienkompetenz gehören deshalb zwingend zum Bildungsauftrag der Elementarbildung. In den für NRW verpflichtenden Bildungsgrundsätzen für Kinder bis 10 Jahre lautet einer der 10 Bildungsbereiche „Medien“. Die Verwaltung verfolgt seit längerem den Ansatz, die städtischen Kitas sowohl technisch als auch pädagogisch inhaltlich für eine digitale Zukunft besser aufzustellen. Derzeit verfügen die 70 städtischen Kitas weder über Wlan noch über eine angemessene technische Ausstattung. In der Regel steht den Einrichtungen ein Arbeitsplatz mit Zugang zum städtischen Netz zur Verfügung. Wenn es räumlich möglich ist, gibt es einen zweiten Arbeitsplatz im Büro oder im Personalraum. Derzeit ist es nicht möglich, dass zeitgleich zwei Personen am PC arbeiten, die pädagogischen Fachkräfte haben keine eigene E-Mailadresse und keinen Zugang zum Intranet. Für die Kinder besteht ohnehin keine Möglichkeit, das Internet zu nutzen. Nicht alle Kitas verfügen über ein modernes Medienkonzept. Fortbildungen für Fachkräfte sind erforderlich. Für Verwaltungsaufgaben, Recherche, Kommunikation mit Eltern sowie im Rahmen von Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren ist ein selbstverständlicher Zugriff auf internetfähige Rechner erforderlich. Ebenso werden Tablets in den Gruppen, Apps, Spiele und Lernsoftware benötigt. Bezogen auf die pädagogische Arbeit ergeben sich folgende Erfordernisse: Neben ergänzender digitaler Adaption von Spielen, Apps zu verschiedenen Spielbereichen und Interessengebieten der Kinder ist Lernsoftware sinnvoll, die z.B. die Sprachbildung unterstützt. Informationen können über die Nutzung von Suchmaschinen für Kinder, gemeinsame Internetrecherchen von Erwachsenen und Kindern gewonnen werden. Die Kinder sollen erste Erfahrungen mit E- Mails, Präsentationen, Fotodokumentationen etc. machen. Vor dem Hintergrund eines inklusiven Bildungsverständnisses, bei dem es um den Abbau von Bildungsbarrieren und einen Zugang zu Bildung unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Vermögen oder sozialen Verhältnissen geht, werden unter dem Stichwort „Bildung für die Welt von morgen“ bezogen auf den Elementarbereich derzeit zwei Stränge verfolgt:Seite 1 von 6 Seite 2 BONNEUM (Bildung in der digitalen Welt): hier geht es primär darum, die pädagogischen Fachkräfte systematisch „fit zu machen“ für das Lehren und Lernen mit Unterstützung digitaler Medien, damit eine durchgängige digitale Bildung gelingen kann. Hier gibt es schon eine Zusammenarbeit zwischen Kitas und Schulen. Die Weiterentwicklung (dezentrale Forscherwerkstätten und eine zentrale Anlaufstelle im Medienzentrum) sind lediglich aufgrund der Beschränkungen durch die Corona Pandemie verzögert worden. Di!Kita: Das Konzept wurde im Rahmen der Bewerbung der Stadt Bonn 2019 „ …“ entwickelt und gibt einen groben Überblick über die Anforderungen, die von der Fachabteilung gesehen werden. Leider ist Bonn im ersten Durchlauf nicht als eine der Kommunen ausgewählt worden, die modellhaft Projekte umsetzen kann. Die Projektskizze hat auch ein Jahr später noch Gültigkeit. Auf der Grundlage eines ämterübergreifenden Konsenses, dass die technische Ausstattung und damit die digitale Bildung in städtischen Kindertageseinrichtungen vorangetrieben werden muss, wurde der Ansatz weiterverfolgt. So hat es gemeinsam mit der Stabsstelle Interne Kommunikation mehrere Sichtungen von Programmen zur Kommunikation zwischen Kita und Eltern gegeben. Leider entsprach bisher keines den Anforderungen. Gerade die augenblickliche Situation macht deutlich, dass die Möglichkeit, mit Eltern und Kindern digital kommunizieren zu können, erforderlich ist und dass es notwendig ist, Kinder an digitales Lernen heranzuführen – auch damit sie in der Schule unabhängig vom Elternhaus gleiche Chancen haben. Im Jahr 2021 wird ein inhaltlicher Schwerpunkt bei Leitungskonferenzen und Fortbildungen auf dem Bereich Medienbildung liegen. Da es sich um ein komplexes Unterfangen handelt, bei dem inhaltlich-fachliche und technische sowie finanzielle Aspekte zu berücksichtigen sind, schlägt die Fachverwaltung vor, ein entsprechend besetztes Projektteam zu bilden, das die bisherigen Konzeptideen konkretisiert und priorisiert. Die Ergebnisse werden den politischen Gremien vorgelegt. Anlage/n 1 Anlage Di! Kita (öffentlich)Seite 2 von 6 Di! Kita – Die Kita für die Zukunft 1. Die Zeit ist reif für die digitale Kita Digitale Medien sind selbstverständlicher Bestandteil von Kindheit. Medienerziehung und damit die Entwicklung von Medienkompetenz gehört zwingend zum Bildungsauftrag der Elementarbildung. „Die Bildungs- und Erziehungsarbeit wirkt darauf hin, dass Kinder zu gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen.“ (Kinderbildungsgesetz §123 (6)) In den für NRW verpflichtenden Bildungsgrundsätzen für Kinder bis 10 Jahre ist einer der 10 Bildungsbereiche „Medien“. „Die lebensweltlichen Ist-Stände von Familien und Kindern zu ignorieren ist angesichts sich wandelnder Herausforderungen und Gefahren und angesichts des bildungsbezogenen und kreativen Potentials von Medien mehr als unangebracht.“ „Kitas benötigen eine (technische) Ausstattungs- und Supportplanung. Medienbildung ist als Aufgabe der Organisationsentwicklung wahrzunehmen.“ Aus: Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur: Positionspapier der GMK-Fachgruppe Kita. 2017 2019 feiert die UN- Kinderechtskonvention ihren 30. Geburtstag. Heute kann das Recht auf Bildung nicht ohne eine gezielte Medienbildung und - Erziehung erfolgen. Die Verwirklichung von Meinungs- und Informationsfreiheit braucht den kritischen Umgang mit dem WWW. Partizipation im Sinne einer aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist ohne Medienkompetenz nicht möglich „Die Staaten sollten aktiv in die Möglichkeiten des digitalen Umfelds investieren und diese fördern, um das Recht der Kinder auf Bildung zu verwirklichen. Ziel der Bildung ist die bestmögliche Entfaltung der Persönlichkeit, der Talente und der geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes und die Vorbereitung des Kindes auf ein eigenverantwortliches Leben in einer freien Gesellschaft. Zur Unterstützung dieses Ziels ist es wichtig, dass das Wissen und die Ressourcen des digitalen Umfelds allen Kindern in einer inklusiven Weise zur Verfügung stehen, die die sich entwickelnden Fähigkeiten der Kinder und die besonderen Umstände von Kindern in gefährdeten Situationen berücksichtigt.“ „Die Staaten sollten die Entwicklung der digitalen Kompetenz, einschließlich der Medien- und Informationskompetenz und des digitalen Bürgersinns fördern, um sicherzustellen, dass Kinder über die Kompetenz verfügen, sich umsichtig im digitalen Umfeld zu engagieren, und die Resilienz besitzen, mit den damit verbundenen Risiken umzugehen. Die Erziehung zur digitalen Kompetenz sollte von Anfang an in den grundlegenden Bildungsplan aufgenommen werden, wobei den sich entwickelnden Fähigkeiten der Kinder Rechnung zu tragen ist.“ Aus: Leitlinien zur Achtung, zum Schutz und zur Verwirklichung der Rechte des Kindes im digitalen Umfeld, Europarat. 2018Seite 3 von 6 Gutes Aufwachsen ist Aufwachsen mit digitalen Medien - auch für Kinder unter sechs Jahren. Frühe Bildung ist nicht ohne Medien zu denken - das gilt auch für den Elementarbereich. Als erster institutioneller Bildungsort kommt der Kita eine hohe Verantwortung zu, allen Kindern eine entsprechende Lebensweltorientierung zu vermitteln. Ein chancengerechtes Aufwachsen, das eine aktive und selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die entsprechende Übernahme von Verantwortung für sich selbst und das Gemeinwesen ermöglicht, beinhaltet eine frühe und qualitativ hochwertige mediale Bildung. Es ist konzeptionelle Aufgabe der Kindertageseinrichtungen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um Medien zu einem bereichernden Element im Bildungsangebot werden zu lassen. Als kommunaler Träger mit derzeit 70 Kitas und circa 4.600 Kindern kommt der Stadt Bonn die besondere Verantwortung zu, diesen neuen Anforderungen an Bildung gerecht zu werden, um so einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung leisten zu können. Viel zu häufig ist die Kita medienfreie Zone – zumindest was digitale Medien angeht. Viele Erzieher*innen haben ein eher zurückhaltendes Verhältnis zum Umgang mit neuen Medien im Kindergartenalltag. Der Umgang mit digitalen Techniken bedeutet für die sozialpädagogischen Fachkräfte eine Herausforderung, mit den neuen Mittel frühkindliche Bildung mit neuen Mitteln zu gestalten und die Kommunikation mit Eltern, Kolleginnen und Kollegen und Schulen auf eine neue Plattform zu stellen. Es geht deshalb darum, Digitalisierung bewusst und kritisch zu gestalten, „damit sie zur lebenswerten Gesellschaft für alle beiträgt.“ (Aus: Kita digital. Chancen der Digitalisierung für das Bildungssystem Kita. Staatsinstitut für Frühpädagogik. 2018) 2. Die digitale Kita bringt Gewinn für alle Die wesentlichen Chancen der Digitalisierung für das Bildungssystem Kita liegen insbesondere in folgenden Bereichen: 1. Di! Kita macht Kinder fit, selbstbestimmt mit Medien umzugehen. Mit der Umsetzung von Medienbildung im Kita-Alltag ist die Chance verbunden, Kinder an eine frühe, kritische Auseinandersetzung mit digitalen Medien heranzuführen, damit sie die Kompetenz erwerben, selbstbestimmt mit diesen Medien umzugehen. Bezogen auf die pädagogische Arbeit ergeben sich folgende Erfordernisse: - Spiel und Unterhaltung: Ergänzende digitale Adaption von Spielen, Apps zu verschiedenen Spielbereichen und Interessengebieten der Kinder etc. - Lernen / Training: z.B. USB-Mikroskop, Sprachförderung etc. - Information: Gemeinsame Recherchen zu Themen, Nutzung von Suchmaschinen für Kinder etc. - Kommunikation: Erste Erfahrungen mit E-Mails, Präsentationen, Fotodokumentationen etc. 2. Di! Kita liefert einen Beitrag zu Inklusion und trägt zu Bildungsgerechtigkeit bei.Seite 4 von 6 Digitale Kompetenz ist Voraussetzung für soziale Teilhabe. Nur medienkompetente Kinder, die gelernt haben, die digitalen Möglichkeiten kritisch und kreativ zu nutzen, sind in der Lage sich selbständig, ihren Möglichkeiten entsprechend zu bilden. Die Kita ist die erste Institution in der Bildungskette, die hier insbesondere für Kinder aus bildungsfernen Familien Verantwortung übernehmen muss. Hier wird die Grundlage zum lebenslangen Lernen gelegt. Es werden zusätzliche Zugänge zu Bildung geschaffen, die helfen, in zunehmend heterogenen Kindergruppen, individuelle Lernzugänge zu schaffen. Gerade für Kinder mit besonderen Bedarfen (Flüchtlinge, Kinder mit Behinderungen) erschließen sich neue Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs. 3. Di! Kita erweitert die pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten und schafft zusätzliche Lernmöglichkeiten Digitale Medien schaffen ergänzende Erfahrungsräume, können und sollen aber die Erfahrungsräume der Kinder im Spiel miteinander, der Natur, beim Experimentieren etc. nicht ersetzen, sondern immer nur bereichern. Auch Kinder, die noch nicht lesen können, sind schon in der Lage sich Informationen (mit Hilfe von kompetenten Erwachsenen) selbständig zu erarbeiten. Gerade forschendes Lernen und Erfahrungen mit allen Sinnen werden mit Hilfe von digitalen Medien gefördert. 4. Di! Kita erleichtert die Arbeit der Fachkräfte 5. Für Verwaltungsaufgaben und zu Recherche- und vor allem Dokumentationszwecken (z.B. muss regelmäßig der Sprachstand erhoben und die allgemeine Entwicklung eines jeden Kindes dokumentiert werden) ist ein problemloser Zugriff auf das Internet und auf Tablet-basierte Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren notwendig. E spart ganz nebenbei auch Papier, wenn z.B. ein einheitliches online-basiertes Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren durchgeführt werden kann. Die Vorbereitung der Fachkräfte wird erleichtert, wenn Sie unmittelbaren Zugang zum Internet haben. Sie können direkt auf Fragen und Anregungen von Kindern reagieren, auch wenn sie selbst inhaltlich nicht mit dem Thema vertraut sind. Hier ist mit einer deutlichen Arbeitsentlastung des Fachpersonals zu rechnen. Di! Kita stärkt die Zusammenarbeit von Kitas mit den Familien Auch für die Zusammenarbeit mit den Eltern ist eine entsprechende Ausstattung der Kitas erforderlich. Der kritische Umgang mit Medien und die Anleitung, welche Spiele, Apps etc. in welchem Alter sinnvoll sind, kann mit den Eltern viel besser thematisiert werden, wenn im Kindergarten der Umgang „vorgelebt“ wird. Auch können Eltern, z.B. über Fotos auf dem Tablet, unmittelbar in den Alltag ihrer Kinder einbezogen werden. Für die sozialpädagogischen Fachkräfte ist dies eine neue, oder mindestens veränderte Aufgabenstellung. Eine fortlaufende online abrufbare Bildungsdokumentation schafft Transparenz über pädagogische Inhalte und die Entwicklung des eigenen Kindes. 6. Di! Kita ermöglicht eine bessere Kooperation der Einrichtungen untereinander.Seite 5 von 6 „Good Practice“-Beispiele aus anderen Einrichtungenkönnen online über Netzwerke zugänglich gemacht werden. Das erleichtert den Fachkräften, sich fortzubilden und stärkt die Kooperationskultur. Es wird eine selbstverständliche Kultur des Austausches entstehen. 7. Di! Kita optimiert die Zusammenarbeit der Kitas mit dem Träger. Die Kolleg*innen in den Einrichtungen haben einen direkten Zugang zum Intranet der Stadt Bonn und erhalten so zeitnah Informationen, z.B. über Fortbildungen, Sportangebote, freie Stellen etc. Über eigene E-Mail-Adressen können Informationen vom Träger unmittelbar zugeleitet werden. Damit wird der Aufwand der Leitungen verringert und die Identifikation mit dem Träger erhöht. 3. Das braucht es zur Umsetzung von Di! Kita Die Kitas müssen mit folgender Hard- bzw. Software ausgestattet werden: Aufbau einer zeitgemäßen Netzwerkinfrastruktur Anschaffung von Tabletts für jede Fach- und Ergänzungskraft, mit Zugang zum Internet Personalisierte E-Mailadresse für alle Mitarbeiter*innen in Kitas Anschaffung von Lizenzen für ausgewählte Spiele und Apps Digitalkamera Mikrophon Farbdrucker Minibeamer Egg-Mikroskop Die teilnehmenden Einrichtungen entwickeln ein Medienkonzept, das auf den Vorgaben des Trägers beruht. Verbindliche Regelungen zum Datenschutz müssen entwickelt werden. Um das Projekt erfolgreich umsetzen zu können, bedarf es intensiver Fortbildungen, in denen die Kompetenzen von pädagogischen Fachkräften ausgebaut und gesichert werden. Hier sollten auch E- Learning - Formate genutzt werden. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Medienzentrum werden entsprechende Module entwickelt. Die Eltern werden frühzeitig einbezogen, um die Ziele von Di! Kita zu erläutern und eventuelle Vorbehalte abzubauen. Hier bedarf es professionell moderierter Elternabende. -Seite 6 von 6
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