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201169 · Mitteilungsvorlage

Kindergarten Erich Hoffmann-Straße; Passivhausstandard

Nummer
201169
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
06.07.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Betriebsausschusses SGB 26.08.2020 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 01.06.2021 Kenntnisnahme
  3. Sitzung noch nicht verknüpft Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
201169
Der Oberbürgermeister
Federführung:
85 Städtisches Gebäudemanagement Bonn
Dezernat:
Kindergarten Erich Hoffmann-Straße;
Passivhausstandard
Beratungsfolge
Betriebsausschuss SGB 26.08.2020 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Der Kindergarten Erich-Hoffmann-Str. wurde 2012 als bisher einziges Gebäude
vollständig nach dem Passivhaus-Standard fertiggestellt und zertifiziert. Da der
Aufwand und die Kosten deutlich über den gesetzlichen Standard nach der
EnEV hinausgehen, wurde entschieden, ein detailliertes Monitoring aller
Energiekennzahlen durchzuführen, um eine Entscheidungsgrundlage für
zukünftige Neubaustandards herbeizuführen.
Mit der abgeschlossenen Aufschaltung auf die Gebäudeleittechnik lagen mit
Ablauf des Jahres 2014 erstmals vollständige Energiebezugsdaten eines
kompletten Jahres vor. Auffallend war insbesondere, dass der
witterungsbereinigte Heizenergiebezugskennwert mit 42 kWh / m² a (Bezug
18.973 kWh, Energiebezugsfläche 454 m²) deutlich vom Sollwert von 15 kWh /
m² a, der die Basis der Planung bildete, abweicht.
Um die Ursachen dieser erheblichen Abweichung zu ergründen, wurde
das Ing.-Büro, die BOB efficiency design AG aus Aachen, mit einer
vertiefenden Untersuchung beauftragt. In deren Abschlussbericht vom
18.05.2015 wurde u.a. festgestellt:
 Die Raumtemperatur lag abweichend zur Planung von 19,6 °C in
allen Räumen bei 24 °C, was insbesondere im U3-Betrieb aber
zwingend erforderlich ist.
 Die Thermostatventile aller Heizkörper waren beim Stellwert „5“ voll
aufgedreht.
 Der direkt an den Gruppenräumen liegende Außenbereich wird
genutzt und über die sich am Gruppenraum befindende Tür von den
Kindern selbständig erschlossen. Grade in den Außenspielpausen
erhöht sich die Infiltration so stark, dass sich bei einer 60 min.
Öffnung der Türen der Heizenergiebedarf nahezu verdoppelt.
 Undichtigkeiten der Außentüren an den Gruppenräumen sowie der
Haupteingangstür.Seite 1 von 61

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Als Reaktion auf die Ergebnisse wurde nachfolgendes veranlasst:
 Alle Türen wurden überprüft, sind nachgestellt und Dichtungen
erneuert worden.
 Die Regelkomponente aus der Fernwärmestation wurde entfernt
und die Funktion in die übergeordneten DDC integriert. Die
Lüftungsgeräte wurden per Bus-System mit der DDC verbunden,
seitdem ist gewährleistet, dass Heizung und Lüftung nicht mehr
gegeneinander arbeiten. Zusätzlich wurden die freie Nachtkühlung
und die Regelparameter im Betrieb optimiert.
 Die Nutzer wurden wiederholt über die Funktionsweise der
Anlagentechnik und die Prinzipien eines Passivhauses geschult.
Die Auswertung der Energiedaten des Jahres 2015 führte daher schon zu
einem deutlich verbesserten Kennwert von 36 kWh / m² a (Heizenergiebezug
witterungsbereinigt 16.203 kWh), obwohl die eingeleiteten Maßnahmen erst in
der zweiten Jahreshälfte Auswirkungen zeigen konnten. Das Folgejahr 2016
bestätigte dann mit 33 kWh / m² a (Verbrauch bereinigt 14.970 kWh) den Erfolg
der eingeleiteten Maßnahmen, aber auch, dass die Sollwerte nach PHPP
weiterhin deutlich verfehlt werden, was im Wesentlichen an den bewusst
abweichenden Raumtemperaturen, als auch an den durch das Raumkonzept
bedingten erhöhten Lüftungsverlusten begründet ist.
Diese Erfahrung haben auch andere Kommunen gemacht. So hat die
Landeshauptstadt Hannover acht Passivhaus-Kitas im Rahmen eines
Forschungsprojektes untersuchen lassen und sowohl mittlere
Raumtemperaturen von 23-24 °C, als auch resultierende
Heizwärmeverbräuche von 30-39 kWh / m² a festgestellt.
Die Errichtung eines Kindergartens im Passivhausstandard macht daher nur
Sinn, wenn „Benutzungsregeln“ stringent eingehalten werden können. Dieses
ist jedoch bei einem Kindergarten – und auch einer Schule – unrealistisch.
Da der Aufwand und die Kosten zur Errichtung eines Kindergartens auf
Passivhausniveau unverhältnismäßig hoch sind, die Ergebnisse aber in Folge
der Nutzung nicht annähernd im Bereich der Planwerte liegen, wurde
verwaltungsintern - auch in Abstimmung mit dem Umweltamt -entschieden,
künftige Neubauten auf Basis des KfW55-Standards zu errichten, was die
gesetzlichen Vorgaben der EnEV um 45% unterschreitet.Seite 2 von 61

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Anlage/n
1 Monitoringbericht der BOB efficiency design AG aus Aachen vom 18.05.2015
(öffentlich)
2 Forschungsprojekt Evaluation von acht Passivhaus-Kitas in Hannover vom
18.04.2015 (öffentlich)Seite 3 von 61

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Datenstand: 02.11.2026, 20:09 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de