201091 · Bürgerantrag § 24 GO - Öffentlich
Bürgerantrag: Alternative Standortwahl Stadtarchiv
Kerndaten
- Nummer
- 201091
- Art
- Bürgerantrag § 24 GO - Öffentlich
- Veröffentlicht
- 05.06.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Stand im Verfahren i
- Einreichung
- Terminierung
- Sitzung
Soweit erfasst. Das Ergebnis der Beratung ist in den Daten nicht enthalten. Das vollständige Verfahren →
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda Entscheidung federführend
Dateien
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Bürgerantrag § 24 GO - Öffentlich öffentlich 201091 Der Oberbürgermeister Federführung: Bürgerbüro/Bürgerbeteiligung/Ombudsstelle Dezernat: Dez. OB Bürgerantrag: Alternative Standortwahl Stadtarchiv Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda 25.06.2020 Entscheidung Inhalt des Bürgerantrages Der Antrag hat folgenden Wortlaut: Ich beantrage, dass die Stadt Bonn die Planung für die Verlagerung des Stadtarchivs an den Standort ehem. Pestalozzischule nicht weiterverfolgt und alternative Standorte ins Auge fasst. Einzelheiten zur Begründung ergeben sich aus dem beigefügten Bürgerantrag. Anlage/n 1 Bürgerantrag (öffentlich) 2 Bürgerantrag komplett (nichtöffentlich)Seite 1 von 5 Bürgerantrag – Prüfung alternative Standorte für das Stadtarchiv Ich beantrage, dass die Stadt Bonn die Planung für die Verlagerung des Stadtarchivs an den Standort ehem. Pestalozzischule nicht weiterverfolgt und alternative Standorte ins Auge fasst. Begründung: 1. Ökologischer Fußabdruck: Ein kompletter Neubau mit zwei Tief- und vier Hochgeschossen in Stahlbeton dürfte über die Nutzungsdauer betrachtet ein Gebäude mit der schlechtesten möglichen Energiebilanz für einen Neubau darstellen. Und dies nicht nur für den Typus einer Bewahrungsarchitektur. Bevor einer Entwicklung des Pestalozziareals abschließend zugestimmt wird, sollte nochmals bestätigt werden, dass auch nach Projektbeginn laufend alle Alternativen der Entwicklung im Bestand geprüft wurden. Es werden in den nächsten Jahren in der Bonner Innenstadt absehbar Bauwerke ihrer Nutzung entfallen. Dies betrifft zumeist Bausubstanz ab den 1970er Jahren, welche nicht zwangsläufig die bekannten Probleme der Entwicklung von Bausubstanz der vorherigen Jahrzehnte mit sich bringt. So ist die Zukunft des Kaufhauses Karstadt ungewiss. Der Galeria Kaufhof Karstadt Konzern betreibt in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Filialen, eines der Gebäude an der Poststraße ist fremdgemietet. Kaufhäuser sind schon längst aus der Mode gekommen, deren Architektur mit tiefen Geschossflächen bietet im Kern der Geschosse wenig Aufenthaltsqualität, aber dafür umso besser geeignete Bedingungen für die Lagerung von Archivgut. Eine Nachverhandlung sowohl von bestehenden Miet- als auch Pachtverträgen sollte nicht ausgeschlossen werden. Während in vielen anderen Städten Parkhäuser zurückbauen, weist Bonn eine unterirdisch in Beton gegossene Parkinfrastruktur auf, die bei konsequenter Verfolgung der Verkehrswende schnell Überkapazitäten auch zu Stoßzeiten haben wird, aber sich nicht beliebig umnutzen lässt. Hier liegen potenzielle Lagerflächen für Archivgut z. B. unterhalb des Münsterplatzes, das oberste Parkdeck ließe sich zum Platz hin öffnen um ein Foyer und eine lichtdurchflutete Museumsfläche anzulegen. Es werden bei genauerer Betrachtung noch weitere derartige Beispiele existieren. 2. Lage im Stadtgefüge: Das Pestalozziareal liegt in einer Randlage der Innenstadt. Die geplanten Zugänge sind nur schwerlich erreichbar durch enge Gehwege und verbaut durch den Stadtbahntrog. Der KFZ-Verkehr an der Stelle des geplanten Zugangs wird tendenziell zunehmen mit Leitung des Verkehrs über die neue Rampe der Viktoriabrücke an der Thomasstraße. Eine Reduzierung der KFZ-Fahrspuren und damit mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr, auf welchen die Einrichtung ohne eigene Parkflächen angewiesen sein wird, scheint in weite Ferne gerückt. Die öffentlichen Räume um das Areal werden bisher nur wenig genutzt, da sie wenig bis keine Aufenthaltsqualität bieten. Zwar soll der Baukörper über einen engen Pfad von der Noeggerathstraße aus erreichbar sein, dieser stellt aber keinen repräsentativen Zugang dar. Die Wiederbelebung der über das Areal verlaufenden historischen Wegebeziehung zwischen Poppelsdorf und er Nordstadt wird langfristig durch den Bau des Magazins verhindert (s. Abbildung 1). Die räumliche Nähe zum Haus der Bildung (Synergie/ Bildungscampus, 300 m entfernt) und den benachbarten ÖPNV-Haltestellen (Thomas-Mann-Straße, Stadtbahn Hauptbahnhof jew. 250 m entfernt) wird nicht genutzt. Bei einer avisierten Nutzungsdauer von schätzungsweise 100 Jahren für ein Gebäude dieser Art, erscheint es zweifelhaft, ob der einst dort verlaufende und wegen eines Autobahnbaus ausSeite 2 von 5 der Innenstadt abschließend entfernte Lauf des Endenicher Bachs in diesem Zeitraum sein ursprüngliches Bett zurückgegeben werden kann. Er verliefe immerhin unmittelbar neben der Abdichtung der unterirdischen Geschosse. Abbildung 1: Luftbild Westliche Innenstadt 1956. In rot gekennzeichnet die Durchwegung zwischen Thomas-Mann-Straße (Straßenbezeichnungen jew. nach aktuellen Namen) und Franzstraße über den Schulhof der Pestalozzischule. Die Wegeverbindung zwischen Poppelsdorf und der Nordstadt ginge langfristig verloren. Das stadthistorische Zentrum hätte an dieser Stelle auch ein Bindeglied zwischen angrenzenden Stadtteilen funktionieren können, um verloren gegangene Verbindungen wieder zu beleben. Parallel zu dieser Wegeverbindung verlief der Endenicher Bach bis zu seiner Kanalisierung und später Umlegung. [Quelle: Eigene Darstellung, Zeichnungsgrundlage: stadtplan.bonn.de, Luftbild 1956]Seite 3 von 5 3. Innere Erschließung: Die beiden am Standort Pestalozzischule geplanten Kultureinrichtungen erhalten gem. Vorplanung keinen gemeinsamen Eingang. Der Charakter eines Zentrums für Stadtgeschichte kann sich ohne gemeinsame Anlaufstelle (Foyer) für die Stadtbevölkerung nicht entwickeln. Die günstige Lage des Innenhofes als von beiden Seiten zu erreichender Kern des Areals wird nur für den Veranstaltungsort der ehem. Turnhalle als Zugang genutzt. Die übrigen Zugänge erfolgen gesondert von der Straße „Am Alten Friedhof“ aus. Der Zugang Abbildung 2: Die räumliche Nähe zwischen Haus der Bildung (Stadtbibliothek und VHS) und dem neuen Standort von Stadtarchiv und Stadtmuseum wird nicht genutzt. Das Areal öffnet sich lediglich nach Norden zur Budapester Straße, welche ein hohes KFZ-Verkehrsaufkommen hat und keinen attraktiven Zugang bietet. [Quelle: Eigene Darstellung, Zeichungsgrundlage: stadtplan.bonn.de, Luftbild 2019] Abbildung 3: Erdgeschoss des Vorentwurfs. Links sind die Zugänge zum Archiv (Norden) und zum Museum (Windfang Treppenhaus, Süden), mit Pfeilen gekennzeichnet zu erkennen. Im Süden des Grundstücks der Fußweg via Anlieferhof um das Magazin herum zur Noeggerathstraße. Es gibt kein gemeinsames Foyer und in keinem Bauteil eine Anlaufstelle für die Öffentlichkeit. [Abbildungsnachweis: Stadt Bonn, Ratsinformationssystem, DS 1910641ED2, Seite 12]Seite 4 von 5 des Stadtmuseums verspricht hier sogar noch unattraktiver als am jetzigen Standort (Viktoriabad) zu sein, da er vom Straßenraum in ein Treppenhaus mit Empfang im 1. OG erfolgt (s. Abbildung 4) 4. Erweiterungsmöglichkeiten: Die neu zu errichtenden Magazinräume für Archivgut sind auf lediglich weitere 30 Jahre Zuwachs ausgelegt. Danach sind die Kapazitäten ausgeschöpft. Wo die Erweiterung lokal erfolgen soll, ist unklar. Der Standort Pestalozzischule lässt aufgrund mangelnder Ausweichflächen vor Ort nur die Errichtung von weiteren Außenmagazinen zu, die sich nicht in der Nähe des Objektes befinden. Grundsätzlich sollte jedoch so lange wie möglich vermieden werden, die stetig wachsenden Bestände in Außenmagazinen unterbringen zu müssen, da eine dezentrale Struktur u.a. ein erhöhtes Gefahrenpotential für das Archivgut durch regelmäßige Transporte in den Lesesaal verursacht und für die Benutzer zu langen Wartezeiten führt. Hier gilt es bereits jetzt zu überlegen, ob andere Standorte mehr Flächen für Erweiterungen bieten könnten, welche vorerst auch anderweitigen Nutzungen zur Verfügung stehen könnten. 5. Bedarf eines Zwischenarchivs: Wurde in den bisherigen Planungen die Nutzung eines Zwischenarchivs bedacht, in dem die Unterlagen aufbewahrt werden, deren Aufbewahrungsfristen noch nicht abgelaufen sind und die noch nicht endgültig bewertet wurden? Für den Fall, dass ein Magazinraum diese Funktion übernehmen sollte, würde sich die übrige Magazinfläche zur Aufbewahrung des Archivguts (Endarchiv) entsprechend reduzieren, was gegebenenfalls zu einem früheren Zeitpunkt zu weiteren Magazinbedarfen führen wird. 6. Kurzfristige Zwischenlagerung: Wenn die vielfach wiederholte Dringlichkeit besteht, wieso wird das besonders gefährdete Archivgut nicht bereits während der Planungsphase eines neuen Archivs in klimatisierten Containern oder möglicherweise geeigneten bzw. dazu ertüchtigten anderen Räumlichkeiten wie z. B. anderen Archiven mit kurzfristiger Kapazität zwischengelagert? Mit Wegfall der akuten Dringlichkeit wird Zeit geschaffen, um eine dem Thema angemessene langfristige Lösung der Unterbringung damit befassender Einrichtungen zu finden. Der Standort der ehemaligen Pestalozzischule scheint bei abschließender Betrachtung aus oben genannten Gründen nur unzureichend geeignet. Es haben sich bereits in dieser frühen Planungsphase des Vorentwurfs derart viele Zwänge aus den räumlichen Bedingungen ergeben, dass die dortige Neuansiedlung einer auf per Definition expandierenden Institution dringend einer erneuten Prüfung unterzogen werden sollte.Seite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 02:33 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de