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200731 · Mitteilungsvorlage

Projekt „Demokratie aktiv!“

Nummer
200731
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
27.04.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen 13.05.2020 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Integrationsrates 12.05.2020 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
200731
Der Oberbürgermeister
Federführung:
Stabsstelle Integration
Dezernat:
Dez. OB
Projekt „Demokratie aktiv!“
Beratungsfolge
Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit
und Wohnen
13.05.2020 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Mit dem demokratiebildenden Projekt Demokratie aktiv! der Stabsstelle
Integration (siehe DS 1911382) werden seit dem Sommer 2019 Kinder und
Jugendliche mit Migrations- und Fluchtgeschichte in ihrer Identitätsbildung
unterstützt und ihre gesellschaftliche und politische Integration und Partizipation
gestärkt. Damit das gelingen kann, müssen im Projekt Kompetenzen und
Sensibilität bezüglich ihrer Themen, Lebenswelten und Bedürfnisse präsent
sein. Das Projekt richtet sich aber selbstverständlich an Kinder und Jugendliche
mit und ohne Migrationsgeschichte und findet bewusst an Schulen statt, deren
Klassen die Zusammensetzung der Stadtgesellschaft widerspiegeln.
Die Förderung der Demokratiekompetenz der Schüler:innen erfolgt durch
diversitätsbewusste erfahrungsorientierte Methoden der Demokratiebildung.
In Zusammenarbeit mit Fachreferent:innen der Demokratie- und Jugendbildung
qualifiziert die Stabsstelle Integration Studierende für ihre ehrenamtliche
Tätigkeit als Demokratie‐Buddies. Anschließend arbeiten jeweils zwei Buddies
als Tandem mit Kleingruppen von max. 15 Kindern bzw. Jugendlichen. So ist
sichergestellt, dass Vorbehalte, Ängste und Sorgen stets wahrgenommen und
kommuniziert und familiäre Traditionen oder Ambivalenzen analysiert und
identitätsbildend bearbeitet werden können. Jede Gruppe wird von einem/einer
weiteren Demokratie‐Buddy unterstützt, der/die eine hospitierende Rolle
einnimmt und wöchentlich zwischen den Gruppen wechselt. Dieser Buddy
springt auch für die Buddies des Tandems ein, wenn diese erkrankt oder
verhindert sind.
Die Schulungen der Studierenden umfassen insgesamt 12 Seminartage. Nach
einem Wochenendauftakt, der die jungen Erwachsenen erst einmal durch einen
eigenen Demokratiekompetenzen-überprüfenden und im Anschluss
demokratiebildenden Prozess schickt, finden weitere Schulungstage über das
Schuljahr verteilt statt.
Während des gesamten Schuljahres werden die Demokratie‐Buddies von der
Stabsstelle Integration kontinuierlich begleitet und unterstützt. Es werden
regelmäßige Arbeitsgruppentreffen angeboten, bei denen dieSeite 1 von 4

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Demokratie‐Buddies sich über ihre Erfahrungen untereinander austauschen,
Lösungen erarbeiten oder bei Bedarf Rat suchen können. Jeder
Demokratie‐Buddy erhält für die wöchentlichen Gruppenstunden (inkl. Vor‐
und Nachbereitung) eine Aufwandsentschädigung von je 40 €. Bonner
Lehramtsstudierende sowie Studierende der Philosophischen Fakultät in Bonn
können sich die Teilnahme am Projekt auch als Praktikum anerkennen lassen.
Im Schuljahr 2019/20 startete das Projekt – nach gründlicher Vorbereitung mit
den Schulen – in der Gemeinschaftsgrundschule Medinghoven (3. Klasse),
dem Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bad Godesberg (6. Klasse) und der
Katholischen Hauptschule St. Hedwig in Auerberg (7. Klasse). Die Aufteilung
der jeweiligen Klasse in zwei Arbeitsgruppen oblag den jeweiligen
Klassenlehrer:innen, hier spielten vor allem gruppendynamische Aspekte eine
Rolle. Heterogenität in verschiedener Hinsicht (z.B. Migrations-
/Fluchthintergrund, familiäre Situation, soziale Benachteiligung,
Religionszugehörigkeit u.a.) ist in allen Gruppen zu finden, da dies den
Klassenzusammensetzungen entspricht. Auch wenn das Projekt sich an alle
Kinder und Jugendlichen wendet, so ist es doch gerade für Schüler:innen aus
Familien mit Zuwanderungsgeschichte ein besonderer Gewinn. Sie haben oft
mit weit mehr Facetten der Identitätsfindung und Persönlichkeitsentwicklung zu
tun als Kinder ohne familiäre Migrationserfahrung. Auch haben sie sehr oft das
Gefühl „nicht dazuzugehören“ und „nie gut genug zu sein“. Hier kann das
Projekt positive Impulse setzen und beispielsweise das manchmal raue Klima
in den Schulklassen, in denen sich die Polarisierungen der Stadtgesellschaft
widerspiegeln, weiterentwickeln zu Diversitätsbewusstsein und der Akzeptanz
von Unterschieden. Die Schulen sehen selbst den Bedarf für Demokratie- und
Wertebildung bei ihren Schüler:innen und schätzen das Projekt und seine
Wirkungen.
Eine Besonderheit ist, dass die Stabsstelle Integration Demokratie aktiv! ganz
bewusst nicht nur in weiterführenden Schulen, sondern auch in einer
Grundschule umsetzt. Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren beginnen sich
selbst als Individuum unter anderen zu erfahren. Ab diesem Zeitpunkt setzen
sie sich damit auseinander auf der einen Seite eine persönliche Identität zu
wahren und auf der anderen eine gesellschaftliche Zugehörigkeit zu entwickeln.
Daher ist es wichtig, den Prozess der Demokratie- und Wertebildung hier
anzusetzen. Die Methoden, mit denen das Projekt arbeitet, sind vom Grundsatz
her altersunabhängig einsetzbar und werden dann in der konkreten Ausführung
an die entsprechende Altersgruppe angepasst.
Die Gruppenstunden mit den Demokratie-Buddies finden in Klassenräumen,
Bibliothek oder Mensa statt. Wichtig ist, dass die Räume geeignet sind für
einen Stuhlkreis, für die Arbeit in Kleingruppen und groß genug sind, sich etwas
bewegen zu können.
Thematisch begannen die Gruppen im ersten Projektjahr nach einer
Kennenlernphase mit Aktivitäten zum Thema Identität. In dieser Phase wurden
auch verschiedene Werte wie Toleranz, Respekt, Fairness, (familiärer)
Zusammenhalt u.a. aufgegriffen und besprochen. In einer Gruppe wurde einSeite 2 von 4

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Wertebaum erstellt, in einer anderen mit Bildern gearbeitet, die anhand von
unterschiedlichen Situationen die einzelnen Werte darstellten. Einen konkreten
Zugang zu dem Thema fanden die Schüler:innen, indem sie sich damit
auseinandersetzten, was ihnen ganz persönlich in ihren Freundschaften wichtig
ist. Darauf aufbauend fanden Teambuilding-Übungen und Aktivitäten statt, bei
denen sie erkannten, dass die Bedürfnisse der anderen genauso relevant sind
wie die eigenen und stellten sich der Herausforderung Lösungen zu finden, die
für alle akzeptabel waren. Die Schüler:innen beschäftigten sich mit Fragen zu
Gleichheit und Gerechtigkeit, Begriffe wie Mehrheit und Minderheit wurden mit
Inhalten gefüllt sowie der Umgang von Mehrheiten mit Minderheiten diskutiert.
Im diesem Zusammenhang wurden auch Diskriminierung und Mobbing
behandelt. Bei sog. Dilemmata-Übungen standen moralisch nicht eindeutig zu
lösende Aufgaben im Mittelpunkt. Die Schüler:innen wurden so nicht nur für
ihre eigenen Vorurteile sensibilisiert, sondern auch dafür, dass es mehr als eine
Lebenssituation gibt und dass diese auch nicht immer sofort in Gänze
ersichtlich ist. Ergänzt wurde diese Arbeit an den Demokratiekompetenzen der
Schüler:innen mit Wissenserweiterung um demokratische Begriffe, wie
Abgeordnete, Bundestag, Wahlen, unterschiedliche Mehrheitsverhältnisse u.a.,
auch mit Hilfe von Visualisierungen, Pantomimik oder einem „Demokratie-
Tabu“.
Neben der persönlichen Entwicklung Einzelner, wie einer stärkeren Beteiligung,
einer mutigeren Eigenbehauptung vormals zurückhaltender Schüler:innen oder
einer beginnenden Eigenreflexion, haben sich in den Gruppen Veränderungen
im Miteinander ergeben. Der Zusammenhalt als Gruppe ist besser,
Schuldzuweisungen und Beleidigungen finden wesentlich seltener statt und
wenn es sie gibt, werden sie von den Schüler:innen untereinander kritisiert.
Außenseiter- und Sündenbockrollen werden erkannt und teilweise
aufgebrochen. Es findet eine Differenzierung zwischen persönlich
unvorteilhaften, aber für die Gruppe fairen Regeln statt. Auch scheint es, dass
die Gespräche mit den Buddies über deren Werdegang den Schüler:innen ein
wenig die Zukunftsängste genommen und das Zutrauen in die eigenen
Fähigkeiten gestärkt haben. Vom Projekt zusätzlich aufgegriffene
Themenwünsche sind „Beruf und Zukunft“ und „Nationalsozialismus“.
Nach den Osterferien sollte es um die Auseinandersetzung mit Grundrechten
wie Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit und um die Schritte einer
demokratischen Entscheidungsfindung sowie um Formen konkreter
Partizipationsmöglichkeiten für Schüler:innen in der Kommune gehen.
Aufgrund der Corona-bedingten Schulschließungen war dies nicht möglich und
das Projekt kann bis zum Schuljahresende vermutlich nicht wie geplant zu
Ende geführt werden, womit voraussichtlich auch die feierliche
Zertifikatsübergabe an die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen im Alten
Rathaus entfallen wird (dann aber natürlich nachgeholt oder in anderer Form
vorgenommen wird).
Derzeit erstellen die Demokratie-Buddies daher Arbeitshefte zu den
Projektthemen. So ist bereits für die Schüler:innen der St. Hedwig HauptschuleSeite 3 von 4

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ein Arbeitsheft Kinderrechte entstanden. Die Hefte berücksichtigen auch die
besondere Situation und beinhalten daher auch ein sogenanntes
Stimmungstagebuch mit einem Stimmungsbarometer, einem täglichen High-
und Lowlight sowie einer Gefühlschaos-Wolke.
Das Projekt wird im Schuljahr 2020/21 fortgesetzt. Zusätzlich sind dann
ergänzend Schulungstage für die Lehrer:innen geplant, um für sie die
demokratiebildende Arbeit der Buddies mit den Schüler:innen noch
transparenter zu gestalten. Zudem können die Lehrkräfte im Unterricht so
konkret zu Projektthemen Bezug nehmen und auch nach Projektende
demokratiebildende Übungen in ihre eigenen Stunden einbauen.
Anlage/n
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Datenstand: 02.11.2026, 17:15 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de