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200572 · Mitteilungsvorlage

Maßnahmen zum Mikroklima, Artenschutz und zur besseren Versickerung durch Umgestaltung von (Klein-) Flächen in der Bonner Innenstadt; Ergebnis zum Prüfauftrag der DS-Nr. 1912296

Nummer
200572
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
18.05.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz 03.06.2020 Kenntnisnahme
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 16.06.2020 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
200572
Der Oberbürgermeister
Federführung:
68 Amt für Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Maßnahmen zum Mikroklima, Artenschutz und zur
besseren Versickerung durch Umgestaltung von
(Klein-) Flächen in der Bonner Innenstadt; Ergebnis
zum Prüfauftrag der DS-Nr. 1912296
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 03.06.2020 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Bonn 16.06.2020 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Die nachfolgende Mitteilungsvorlage geht zurück auf den Beschluss der
Bezirksvertretung Bonn vom 03. September 2019 (vgl. DS-Nr. 1912296). Die
Verwaltung wurde beauftragt, Kleinstflächen der Bonner Innenstadt zu
ermitteln, welche in Hinblick auf das innerstädtische Mikroklima, die heimische
Artenvielfalt sowie den lokalen Wasserhaushalt aufgewertet werden können.
In der vorliegenden Mitteilungsvorlage schlägt die Verwaltung Maßnahmen zur
Verbesserung für die konkret im Beschluss benannten Flächen im Innenhof
zwischen Oxfordstraße und Stiftsgasse, am Wilhelms- und Stiftsplatz, im
Innenhof hinter der Stiftsgarage (Am Marthashof) sowie im Umgebungsbereich
der Oper vor. Die vorgeschlagenen Maßnahmen können auch auf weitere
Flächen mit ähnlichen Standortbedingungen übertragen werden. Die Prüfung
weiterer innerstädtischer Flächen, die sich zur Entsiegelung oder anderer
Gestaltung hinsichtlich Klimaanpassung eignen, ist in Vorbereitung; die Prüfung
bedarf eines umfangreicheren Abstimmungsprozesses, der noch nicht
abgeschlossen ist.
Bezüglich der Begrünung am Stadthaus sei darauf verwiesen, dass diese im
Zusammenhang mit der Zukunft des Stadthauses separat zu betrachten sind.
Es werden überwiegend Vorschläge für die Optimierung vorhandener Grün-
und Freiflächen wie beispielsweise Baumscheiben, Verkehrsbegleitgrün und
Rasenflächen dargestellt. Ziel ist es,
 die Arten- und Strukturvielfalt durch eine heimische Bepflanzung als
Nahrungs-, Fortpflanzungs- und Ruhestätte zu fördern, sowie
 das lokale Mikroklima durch eine erweiterte Beschattung, vermehrte
Verdunstungskühlung infolge intensiverer Bepflanzung zu verbessern.
Die Maßnahmenplanung erfolgt auf Grundlage der Ergebnisse des Labeling-
Verfahrens Stadtgrün naturnah (vgl. DS-Nr. 1911819), bei dem die Bundesstadt
Bonn mit dem Label in Silber ausgezeichnet wurde (vgl. DS-Nr. 190478). DieSeite 1 von 5

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hier dargestellte Idee gründet sich auf den Ergebnissen eines Workshops vom
11. Februar 2020 gemeinsam mit den Expertinnen und Experten der
projektbegleitenden Label-Arbeitsgruppe. Darüber hinaus wurden die einzelnen
Aufwertungsmöglichkeiten hinsichtlich der lokalen Standortbedingungen
(Beschattung, Bodenfeuchte, etc.) und in Absprache mit den operativen
Ebenen vor Ort geprüft.
Im Hinblick auf die Biodiversitätsförderung steht bei allen Maßnahmen die
Verwendung von heimischen und gebietseigenem Saat- und Pflanzmaterial im
Vordergrund. Manche der innerstädtischen Flächen sind jedoch durch ein
extremes Stadtklima geprägt, sodass im Einzelfall auf eine angepasste,
hitzeresistente Bepflanzung mit wärmeliebenden Arten zurückgegriffen werden
sollte. Dabei handelt es sich zwar nicht um heimische, aber dafür um
standortgerechte Arten, welche sich nicht nachteilig auf die heimische
Artenzusammensetzung auswirken oder gar invasiv wären.
Die Möglichkeit zur Entsiegelung ist aufgrund der vielen Flächenansprüche in
der Innenstadt nur kleinräumig und punktuell gegeben. So wird beispielsweise
bei jeder Baumersatzpflanzung eine Vergrößerung der Baumscheibe gemäß
den Empfehlungen der FLL-Richtlinien „Empfehlungen für Baumpflanzungen –
Teil 1 „Planung, Pflanzarbeiten, Pflege (2015)“ und Teil 2
„Standortvorbereitungen für Neupflanzungen, Pflanzgruben und
Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate (2010)“ angestrebt.
Großflächigere Entsiegelungen, wie sie unter anderem am Stiftsplatz
vorstellbar wären, werden in übergeordneten Planungen wie dem Masterplan
Innere Stadt weiterverfolgt und sind aufgrund der großen Komplexität und
langfristigen Planung nicht Teil dieser Vorlage. Grundsätzlich ist darauf
hinzuweisen, dass mit den nachfolgend vorgeschlagenen Maßnahmen sehr
wohl eine ökologische und klimatische Aufwertung erzielt wird, diese jedoch
aufgrund der geringen Flächengröße begrenzt ist. Insbesondere für die
Verbesserung von Versickerungsraten für eine höhere Resilienz bei
Extremwetterereignissen, sind großflächige Entsiegelungen und weitere
Maßnahmen nötig.
Im Nachfolgenden werden alle konkret zur Prüfung vorgeschlagenen Flächen
kurz charakterisiert, die jeweils empfohlenen Aufwertungsmaßnahmen
aufgeführt und die Schätzkosten benannt.
Innenhof zwischen Oxfordstraße und Stiftsgasse
Die aktuellen Grün- und Freiflächen im Innenhof zwischen Oxfordstraße und
Stiftsgasse sind räumlich sehr stark begrenzt und im Rahmen der
Parkplatznutzung stark beeinträchtigt. Die dort aktuell wachsenden Bäume
befinden sich bereits im fortgeschrittenen Alter, verfügen jedoch nur über sehr
begrenzte Baumscheiben. Aufgrund der daraus resultierenden starken
Wurzelbildung an der Oberfläche ist eine Aufwertung der Baumbeete durch
Substrataustausch und Neuanpflanzung nicht möglich. In diesem Fall wird für
die Zukunft eine vollständige Sanierung der Pflanzfläche mit deutlicher
Vergrößerung der Baumscheiben durch Entsiegelung angrenzender Parkplätze
angestrebt, vergleichbar mit den seit Jahren schon an vielen Stellen
durchgeführten Sanierungen der Baumstandorte.Seite 2 von 5

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Als kurzfristige Aufwertungsmöglichkeit kann über das Aufstellen von mobilem
Grün (lineare Pflanzkübel) mit ausreichend Volumen (ca. 10m x 1m x 1m) auf
drei Außenseiten des Parkplatzes mit ausreichend Verkehrsraum sowie der
Einsaat mit einer heimischen, artenreichen Blühmischung nachgedacht werden.
Somit wird eine erste Zunahme an Grünfläche erwirkt, das Angebot an
Blühpflanzen gesteigert und zusätzlich zu den bestehenden Bäumen weitere
Nahrungsflächen für Insekten geboten. Dies ist aber nur über den Abschluss
einer langfristigen und zuverlässigen Patenschaft für die Pflanzkübel
durchführbar, da die Unterhaltung von mobilem Grün extrem hohe
Unterhaltungsaufwendungen verursacht.
Für die Aufwertung an diesem Standort ist mit Bruttoherstellungskosten in Höhe
von rund 18.500,- EUR zu rechnen.
Stiftsplatz
Im Rahmen des Masterplans „Innere Stadt“ ist die Planung für eine
Neugestaltung des Stiftsplatzes vorgesehen. Im Rahmen des vorliegenden
Prüfauftrages werden aus diesem Grund kurzfristig durchzuführende
Maßnahmen betrachtet. Der Hauptbereich des Stiftsplatzes bietet aufgrund der
intensiven Parkplatznutzung im aktuellen Zustand nur begrenztes
Aufwertungspotential. Die östlichen Baumbeete sowie das Verkehrsgrün eignen
sich für die Pflanzung heimischer Geophyten (als Zwiebel) und bilden so einen
frühzeitigen Blühaspekt (Februar/März) zum später aufblühenden Mittelstreifen
der Welschnonnenstraße, welcher bereits durch eine Mischpflanzung
einheimischer Stauden aufgewertet wurde.
Die Bruttoherstellungskosten für diese Maßnahmen betragen voraussichtlich
2.300,- EUR.
Innenhof hinter der Stiftsgarage / Am Marthashof
Im Innenhof hinter der Stiftsgarage und „Am Marthashof“ befinden sich im
Bestand eine große Baumscheibe sowie drei weitere zurzeit unbepflanzte
Beete. Aufgrund einer massiven Rattenproblematik wurde in Abstimmung mit
verschiedenen Ämtern beschlossen, die Baumscheibe beim Durchgang zum
Bertha-von-Suttner-Platz zu schließen. Im Bereich der weiteren Beete kann
eine Pflanzung mit heimischen Stauden bevorzugt mit Pfahlwurzeln wie Wilde
Malve, Salbei, Nacht- und Königskerzen versucht werden. Aufgrund des hohen
Nutzungsdrucks ist der langfristige Bestand einer solchen Pflanzung fraglich,
daher wird zur Sicherung eine Schutzvorrichtung notwendig.
Weiterhin befinden sich auf der Parkplatzfläche noch zwei weitere Beete, die
nicht städtisch sind. In Absprache mit den Eigentümern könnten diese
gegebenenfalls mit in die Planung integriert werden. Die
Bruttoherstellungskosten für die Maßnahmen wurden mit rund 16.000,- EUR
geschätzt.
Wilhelmsplatz
Am Wilhelmsplatz eignen sich die nördlichen und südwestlichen Rasenflächen
der Baumscheiben besonders für eine Anpflanzung blühender Geophyten wie
Krokus, Narzisse oder Buschwindröschen.Seite 3 von 5

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Die zentrale Rasenfläche des Wilhelmsplatzes wird durch die Einsaat einer
artenreichen Blühwiese mittels regionalem Saatgut aufgewertet. Im neuen
Lehrpfad „Artenvielfalt in der Stadt“ ist diese Blühfläche als Station „Blühende
Verkehrsinseln“ vorgesehen. Die Bruttoherstellungskosten für die
Aufwertungsmaßnahmen betragen voraussichtlich 3.400,- EUR.
Opernplatz inkl. Sichtachse Brüdergasse
Die zentrale Rasenfläche auf dem Hauptplatz vor der Oper dient als
Veranstaltungsfläche und ist daher als Freifläche mit einem widerstandsfähigen
Rasen zu erhalten. Alle angrenzenden Grünflächen bieten jedoch großes
Aufwertungspotential. Die nördlichen Teilflächen eigenen sich aufgrund der
südexponierten Lage besonders für eine Staudenmischpflanzung. Im
westlichen Böschungsbereich angrenzend zur zentralen Rasenfläche werden
Baumpflanzungen möglicherweise in Verbindung mit einer begleitenden
Strauchpflanzung aus heimischen Kulturgehölzen wie Hasel, Hartriegel oder
Liguster vorgenommen. Darüber hinaus ist ein staudenreicher Wiesensaum am
Böschungsfuß als Übergang zur intensiv genutzten Rasenfläche denkbar.
Die Sichtachse zur Oper, ausgehend von den Böschungen der Anlage `Am
Boeselagerhof´ kann durch eine Anpflanzung markanter Blühpflanzen und
heimischer Stauden aufgewertet werden, wobei der gestalterische Gedanke im
Vordergrund stehen sollte. Die schattige Rasenfläche direkt westlich des
Opernhauses eignet sich wiederum zur Anpflanzung heimischer Geophyten.
Die Bruttoherstellungskosten für die Realisierung der genannten Maßnahmen
beträgt voraussichtlich 51.000,00 EUR.
---
Die Verwaltung hat für die ökologische und mikroklimatische Aufwertung von
Kleinstflächen in der Bonner Innenstadt insgesamt 130.000,- EUR
(Bruttoherstellungskosten, Baunebenkosten, Planungskosten) für den
kommenden Doppelhaushalt 2021 / 2022 angemeldet.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
13.01 Öffentliches Grün 13.01.01 Grün- und Parkanlagen
Investive Kosten der Maßnahme
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen 130.000,00 5680613010100/
78.5200
130.000,00 Haushalt
2021/2022
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
130.000,00Seite 4 von 5

Seite 5
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
Anlage/n
KeineSeite 5 von 5

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Datenstand: 02.11.2026, 19:56 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de