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200531-2 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Sanierung des Rheinauensees

Nummer
200531-2 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
07.05.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz 03.06.2020 Kenntnisnahme
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 6,4 MB Öffnen ↗

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  1. 200531 Sanierung des Rheinauensees

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Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
200531-2 ST
Der Oberbürgermeister
Federführung:
68 Amt für Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Sanierung des Rheinauensees
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 20.05.2020 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
1. Welche Erstmaßnahmen wurden seit deren Beginn im 1. Quartal
2018 bis heute durchgeführt?
Ab 2018 sind folgende Maßnahmen unternommen worden:
 Zweimaliger Einsatz eines Mähbootes zur Beseitigung der Algen.
Ausführung Frühjahr und Sommer 2018
 Weiterer Einsatz im Sommer 2019
 Permanenter Wasseraustausch im See.
Kühlwasser aus dem Posttower wird über 7 Speier in den See
eingeleitet und anschließend über Düker in den Rhein abgeleitet. So
kommt es zu einem andauernden Wasseraustausch im See.
 Im Uferbereich wurde eine Einsaat mit Margeriten vorgenommen. Diese
Pflanzen sollen geeignet sein, Wasservögel zu verdrängen. Unabhängig
davon bedingt die Wuchshöhe der Einsaat, dass der Uferbereich für
Wasservögel nicht mehr nutzbar ist und somit der Koteintrag in den
See minimiert wird.
 Es wurde ein eigenes Boot für die notwendigen Kontroll- und
Probenfahrten auf dem See beschafft.
 Regelmäßige Kontrollgänge bzw. Kontrollfahrten werden durchgeführt.
 Beauftragung eines Fachbüros zur Erstellung eines Gutachtens mit
Empfehlungen der weiteren Vorgehensweise.
 Ein Fütterungsverbot für Nutrias und Wasservögel wurde vom Rat am
07.02.2019 (DS:.Nr. 1910053) erlassen.
o Artikel I: Die ordnungsbehördliche Verordnung über die
Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im
Gebiet der Bundesstadt Bonn vom 19. Dezember 2008, in der
Fassung vom 09.02.2017(Amtsblatt der Bundesstadt Bonn,
S.89),wird wie folgt geändert:
 1. in §5wird folgender Absatz 4 neu eingefügt:
„Wasservögel und Nutria dürfen im Gebiet der StadtSeite 1 von 73

Seite 2
Bonn an öffentlichen Wasserflächen –insbesondere an
und in Teichen, Seen, Flüssen und Weihern – nicht
gefüttert werden. Für sie darf auch kein Futter ausgelegt
oder ihnen Futter in sonstiger Weise angeboten werden.“
 Ein Sauerstoffüberwachungs- und Frühwarnsystem im online-Betrieb
wurde entwickelt
und eingerichtet. Fischkritische Sauerstoffsituationen sowie
anhaltende Phasen von Anoxie über dem Sediment, die üblicherweise
fördernde
Voraussetzung von Botulismus und damit dem Sterben von
Wasservögeln sind,
werden mit diesem System frühzeitig erkannt um ggf.
Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.Seite 2 von 73

Seite 3
 Die Grundlagenermittlung wurde nach den u.a. Parametern
aufgenommen.
2. Ist die Grundlagenermittlung wie geplant im 3. Quartal 2019
abgeschlossen worden und auf welche Ursachen führt sie den
regelmäßig beklagenswerten Zustand des Rheinauensees zurück?
Die Grundlagenermittlung ist abgeschlossen und das Gutachten liegt
vor (s. Anlage)Seite 3 von 73

Seite 4
In der Folge werden die Vorschläge und Maßnahmen zusammengefasst
und komprimiert beschrieben.
Nach Aussage der Gutachter liegt die wesentliche Ursache der
schlechten Wasserqualität im hohen Phosphorgehalt des Wassers.
Ursachen dafür sind einerseits das Sediment, welches Phosphor
freisetzt, andererseits die Zuflüsse, welche einen hohen Phosphorgehalt
aufweisen.
Die Analyse eines Belastungsmusters aus dem Zufluss wurde
beauftragt um auf dieser Grundlage Rückschlüsse auf Maßnahmen zur
Reduzierung des Phosphors vorzunehmen.
3. Welche Maßnahmen schlägt der Gutachter vor, um derartige
Entwicklungen für die Zukunft auszuschließen und um die
Wasserqualität des Sees zu stabilisieren?
Seitens der Gutachter werden verschiedene Maßnahmen
vorgeschlagen, welche diese in interne und externe Maßnahmen
unterscheiden. Die externen, welche vorrangig das Ziel haben, den
Nährstoffzufluss zu minimieren, sind Folgende:
Zuflussbeschaffenheit untersuchen und daraus resultierende
Vorschläge zur Verbesserung der Qualität ein- und umsetzen: Die
Untersuchungen wurden beauftragt.
Laubfall reduzieren: Dieser Vorschlag wird aus verschiedenen
Gründen (Landschaftsschutz, Klimaschutz, Denkmalschutz,
ästhetisch/ gestalterische Gründe) nicht weiter verfolgt.
Management der Population der Wasservögel: Durch die in Pkt. 1.
beschriebene Einsaat und das Verbot der Fütterung wurden die
Vorschläge umgesetzt.
Die internen Maßnahmen werden in 2 Varianten vorgeschlagen:
Die in Variante 1 beschriebenen Maßnahmen, welche Aktionen unter
den aktuellen nährstoffreichen Bedingungen beschreiben, wurden
vorbereitet und zum Teil umgesetzt. Im Einzelnen sind das, neben den
schon installierten Geräten zum Sauerstoffmonitoring (s. Pkt. 1), die in
Folge beschriebenen Vorschläge:
1. Der Einsatz von Belüftungsgeräten zur Sauerstoffanreicherung des
Wassers
2. Der Einsatz von Ultraschall zur Reduzierung der Blaualgen
3. Die Auslegung von Sandvlies in den Eckbereichen zur
Reduzierung der Phosphorfreisetzung aus dem SedimentSeite 4 von 73

Seite 5
4. Einsatz des Mähbootes
Zu 1. Bei diesem Einsatz muss von zwei verschiedenen Systemen
gesprochen werden. Es gibt Belüftungsgeräte, welche durch den
Eintrag atmosphärischer Luft Sauerstoff in das Gewässer bringen und
Umwälzpumpen, welche eine Belüftung durch Umwälzung erreichen.
Beide Typen müssen gezielt eingesetzt werden, da sie bei
falscher Anwendung auch negative Einflüsse auf die Wasserqualität
haben können.
Es ist beabsichtigt, verschiedene Geräte einzusetzen und in einem
gesteuerten Modus zu betreiben.
Zu 2. In mehreren Gewässern in NRW wurde der Einsatz von
Ultraschall zur Bekämpfung der Cyanobakterien erfolgreich erprobt.
Das Anwendungsverfahren hat seinen Ursprung in einem vom BMBF
beauftragten Forschungsprojekt.
Zum Einsatz im Rheinauensee sind Voruntersuchungen notwendig,
welche im Mai beauftragt werden.
Zu 3. Sandvliese haben die Eigenschaft, dass sich auf ihnen
Makrophyten ansiedeln können, diese aber nur Nährstoffe aus dem
Wasser aufnehmen und nicht aus dem Sediment. Somit ist der
Bewuchs geringer als in anderen Seebereichen. Zusätzlich verhindern
sie die Diffusion von Schadstoffen aus dem Sediment ins Wasser. Die
Vliese sollen in Bereichen ausgelegt werden (flache Uferrandstellen),
in denen der Einsatz von Mähbooten nicht möglich ist.
Nach einer Sedimententfernung ist auch die Belegung des gesamten
Seegrundes mit Vlies denkbar.
Zu 4. Bei übermäßigem Pflanzenwuchs wird auch der Einsatz des
Mähbootes empfohlen. Dies bleibt jedoch eine Symptom- und ist keine
Ursachenbekämpfung.
Für 2021 empfiehlt das Gutachten als Variante 2 eine vollständige
Entschlammung des Sees. Diese Maßnahme ist, wie u.a. Kostenaufstellung
verdeutlicht, eine aufwendige, aber die beste Variante, um das Wasser des
Sees langfristig in einem stabilen, d.h. oligo-mesotrophen (nährstoffarm)
Gleichgewicht zu halten.
Die unter Zu 1. (Belüftung) und Zu 2. (Ultraschall) beschriebenen Installationen
werden zur Stabilisierung weiter betrieben.Seite 5 von 73

Seite 6
4. Kann die Umsetzung der dafür notwendigen Maßnahmen wie
vorgesehen im 2. Quartal dieses Jahres begonnen werden, wenn nicht,
wann ist mit deren Beginn und deren Beendigung zu rechnen?
Unter Punkt 2. und 3. sind der Umsetzungsstand bzw. die Vorbereitung zur
Umsetzung der diversen vorgeschlagenen Maßnahmen ausführlich
beschrieben. Die gesamte Seesanierung wird voraussichtlich bis Ende 2021
dauern. Haushaltsmittel sind für den Haushalt 2021/22 angemeldet.
Anlage/n
1 Grundlagen Management Rheinauensee Bonn (öffentlich)Seite 6 von 73

Grundlagenerhebungen im Rheinauensee in Bonn als Grundlage
für Empfehlungen zum Management des Rheinauensees in Bonn
20.12.2019
Auftraggeber:
Stadt Bonn
Amt für Stadtgrün
Stadthaus, Berliner Platz 2
53111 Bonn
Bearbeitung:
Dr. Klaus van de Weyer (Leitung)
Dr. Sebastian Meis
lanaplan, Lobbericher Str. 5, D-41334 Nettetal
Tel 02153-97 19 20, Fax 02153-97 19 21
E-Mail: klaus.vdweyer@lanaplan.de
www.lanaplan.deSeite 7 von 73

Inhalt
1 Anlass ............................................................................................................. 2
2 Plangebiet ...................................................................................................... 2
3 Grundlagen ................................................................................................... 3
4 Chemisch-physikalische Untersuchungen der Zu- und Abflüsse ................ 6
4.1 Temperatur ........................................................................................................................... 6
4.2 Phosphor ............................................................................................................................... 7
4.2.1 Gesamtphosphor ........................................................................................................ 7
4.2.2 Ortho-Phosphat-P ...................................................................................................... 7
5 Chemisch-physikalische Untersuchungen des Rheinauensees ................. 8
5.1 Methoden .............................................................................................................................. 8
5.1.1 Sedimentuntersuchungen .......................................................................................... 8
5.1.2 Untersuchungen im Freiwasser ................................................................................. 9
5.1.3 Trophiebewertung ................................................................................................... 10
5.2 Ergebnisse .......................................................................................................................... 10
5.2.1 Sediment .................................................................................................................. 10
5.2.2 Freiwasser................................................................................................................ 12
5.2.3 Trophiebewertung ................................................................................................... 20
6 Wasserpflanzen (aquatische Makrophyten) ............................................ 22
7 Chlorophyll und Phytoplankton ............................................................... 23
7.1 Chlorophyllmessungen ....................................................................................................... 23
7.2 Phytoplankton..................................................................................................................... 24
8 Fische ........................................................................................................... 28
8.1 Material & Methoden ......................................................................................................... 28
8.1.1 Elektrobefischung.................................................................................................... 30
8.1.2 Stellnetzbefischung ................................................................................................. 31
8.2 Ergebnisse der Fischbestandsuntersuchungen ................................................................... 32
8.2.1 Nachgewiesenes Fischartenspektrum und Schutz- und Gefährdungsstatus der
nachgewiesenen Arten ...................................................................................................... 32
8.2.2 Ergebnisse der Elektrobefischungen im Rheinauen-See Bonn .............................. 36
8.2.3 Ergebnisse der Stellnetzbefischungen im Rheinauen-See Bonn ........................ 41
8.2.4 Kombinierte Darstellung der Ergebnisse von Elektro- und Stellnetzbefischungen im
Rheinauen-See Bonn ........................................................................................................ 43
8.3 Diskussion und Bewertung........................................................................................... 45
9 Vögel und Säugetiere .................................................................................. 48Seite 8 von 73

10 Invasive Arten ............................................................................................. 49
11 Zielsetzungen für den Rheinauensee ........................................................ 50
12 Zusammenfassende Auswertung als Grundlage für
Maßnahmenvorschläge ..................................................................................... 51
12.1 Externe Maßnahmen ........................................................................................................ 53
12.1 Zuflüsse .................................................................................................................... 53
12.2 Laub .......................................................................................................................... 54
12.3 Gänse ........................................................................................................................ 54
12.2 Interne Maßnahmen .......................................................................................................... 55
12.2.1 Variante 1: Management eines nährstoffreichen Sees durch Mahd/Sohlbelegung,
Belüftung bzw. Ultraschall ....................................................................................................... 55
12.2.2 Variante 2: Entwicklung eines Management eines nährstoffarmen Sees durch
Entschlammung, Sohlbelegung mit Sand und Bepflanzung mit Armleuchteralgen (Konzept
PHOENIX See) ........................................................................................................................ 57
13 Weiteres Vorgehen ..................................................................................... 57
14 Literatur ...................................................................................................... 58
AnhangSeite 9 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
1 Anlass
Im Rheinauensee traten im Jahr 2018 Fisch- und Vogelsterben auf (https://www.ex-
press.de/bonn/bonner-rheinauensee-fuettern-wir-enten-und-fische-zu-tode--30645664). Diese
Vorkommnisse wiederholten sich nicht im Jahr 2019.
Außerdem war die Bootsnutzung in den Jahren 2018 und 2019 beeinträchtigt, so dass ein Mäh-
boot eingesetzt wurde. Darüber hinaus befindet sich auf den angrenzenden Grünflächen starker
Koteintrag von nicht heimischen Nil-, Grau- und Kanadagänsen, die die Nutzung der Grünflä-
chen einschränkt. Im Jahr 2018 wurde ein erstes Gutachten „Empfehlungen zum Management
des Rheinauensees in Bonn“ erstellt (LANAPLAN 2018). In diesem Gutachten wurde herausge-
stellt, dass weitere Grundlagenerhebungen erforderlich sind, damit belastbare Maßnahmen-
Empfehlungen abgeleitet werden können.
Am 09.01.2019 beauftragte die Stadt Bonn das Büro lanaplan mit der Erhebung von Grundla-
generhebungen. Auf Basis dieser Erhebungen und der bereits vorliegenden Untersuchungen
(LANAPLAN 2018) werden unter Berücksichtigung der Zielsetzungen (s. Kap. 11) nachfolgend
auch Maßnahmen-Empfehlungen gegeben.
2 Plangebiet
Der Rheinauensee wurde im Rahmen der Bundesgartenschau im Jahr 1979 angelegt. Er hat eine
Fläche von 15 ha und eine mittlere Tiefe von 1 m. Der Rheinauensee ist ein künstliches Gewäs-
ser. Das Substrat besteht aus Teer mit Kies- und Schlammauflagen. Die Wasserzufuhr erfolgt
nach ILKON (2007) durch eine Druckleitung mit fünf Einlässen (s. Abb. 2-1). Nach ILKON
(2007) besitzt der Rheinauensee sieben Überläufe und fünf Ablasschieber. Bei dem Wasser
handelt es sich um Uferfiltrat des Rheins, das als Kühlwasser genutzt wird. Für weitere Anga-
ben sei auf ILKON (2007) und IGH (2003) verwiesen.
Abb. 2-1: Hydrologie und Tiefen im Rheinauensee (Stadt Bonn, unveröff. Daten)Seite 10 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
3 Grundlagen
Tab. 3-1 gibt einen Überblick auf die im Jahr 2019 durchgeführten Grundlagenerhebungen.
Angegeben sind auch die Lokalitäten, die Parameter, die Methoden, die Bearbeitung und die
bedeutung in Hinblick auf die Nutzungseinschränkungen (s. Kap. 1).
Die Messungen in den Zu- und Abflüssen erfolgte durch die Stadt Bonn. Die Untersuchung des
Phytoplanktons wurde durch das Büro Wassmann, Hohen Neuendorf (Bearbeitung: Dr. Gunkel,
Dr. Kosmac) durchgeführt. Die Fische wurden vom Büro LimnoPlan – Fisch- und Gewäs-
serökologie (Inhaber: Dr. Stefan Staas) untersucht. Die Wasser- und Sedimentproben wurden
vom Büro lanaplan im Gelände entnommen. Die Analyse der Proben erfolgt durch das akkre-
ditierte Labor SEWA Laborbetriebsgesellschaft mbH, Essen, Akkreditierung nach: DIN/EN
ISO/IEC 17025 Vertrags-Nummer: DAP-PL-1236.00.
Die Lage der Probestellen ist in Abb. 3-1 dargestellt.
Abb. 3-1: Lage der drei Probestellen (West, Mitte, Ost) im Rheinauensee (Hintergrundkarte
DTK10 NRW 1:10.000 © Geobasis NRW 2019)Seite 11 von 73

Stadt Bonn 4
__________________________________________________________________________________________
lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Lokalität Methode Bearbeitung Algen/
Bootsnut-
zung
Fisch- und
Vogelster-
ben
Zu- und Ab-
flüsse
Wassermengen Stadt Bonn X (X)
Zu- und Ab-
flüsse
Gesamt-Phos-
phor und Ortho-
Phosphat
ISO 6878-
D11:2004-
09
Stadt Bonn X (X)
Zuflüsse Temperaturen DIN 38404-
C4:1976-12
Stadt Bonn X X
Rheinau-
ensee, Frei-
wasser: Ost,
Mitte, West
Sichttiefe Sec-
chi
ISO 7027-
C2:2000-04
lanaplan X
Wassertempera-
tur
DIN 38404-
C4:1976-12
lanaplan X (X)
Sauerstoff und
Sauerstoffsätti-
gung
ISO
5814:2013-
02
EN 25814-
G22:1992-
10
lanaplan X X
Chlorophyll-a DIN 38412-
L16:1985-
12
lanaplan X X
Gesamt-Phos-
phor und Ortho-
Phosphat
ISO 6878-
D11:2004-
09
lana-
plan/SEWA
X (X)
Rheinau-
ensee, Sedi-
ment: Ost,
Mitte, West
Gesamt-Phos-
phor
DIN ISO
11466:1995-
03, DIN EN
ISO
11885:2009-
09
lana-
plan/SEWA
X (X)
Phytoplank-
ton: Ost,
Mitte, West
Phytoplankton-
Bestimmung
halbquantitativ
DIN EN
15204
(Utermöhl-
Tech-
nik):2006
Büro Wass-
mann
(X) X
Cyano-Chloro-
phyll-Überwa-
chung mit dem
Algae Torch
z.B. Fluoro-
Probe (bbe
moldaenke)
Büro Wass-
mann
(X) X
Fische Elektrobefi-
schung, Netzbe-
fischung
DIN
14011:2003-
07, DIN EN
14757:2015-
08
Limnoplan X X
Außerdem liegen weitere Grundlagen vor, die in Hinblick auf das Management des Rheinau-
ensees von Bedeutung sind (LANAPLAN 2018), s. Tab. 3-2.
Tab. 3-2: Übersicht weiterer Grundlagen
Inhalt Anmerkungen Quelle
Tiefenkarte grob ILKON 2007, GEWÄSSERSCHUTZ
& AQUAKULTUR 2018Seite 12 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Hydraulik/Hydrologie: Wasserfüh-
rung, Übersicht Zu- und Abflüsse
nicht aktuell ILKON 2007
Füllwasser, limnologische Daten nicht aktuell ILKON 2007
Sediment, und Mächtigkeit
Reststoffe/Abfälle (LAGA)
aktuell GEWÄSSERSCHUTZ & AQUAKUL-
TUR 2018
Makrophyten, Bestand Grobe Erfassung 2018, 2019 lanaplan
Makrophyten, Unterhaltung Mahd Daten Stadt Bonn
Vögel, Bestand Beobachtungen Stadt Bonn Daten Stadt Bonn
Vögel und Fische, verendete Tiere Bisher kein Nachweis von Botuli-
num-Neuro-Toxinen
Daten Stadt Bonn, Städtisches Ve-
terinäramtSeite 13 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
4 Chemisch-physikalische Untersuchungen der Zu- und Abflüsse
Die Messungen zu Temperatur, Phosphor und Ortho-Phosphat-P erfolgten im Zeitraum von
November 2018 bis Oktober 2019 an jeweils einer Zu- und einem Ablauf, s. Abb. 4-1.
Messungen der Wassermengen wurde nicht durchgeführt, daher kann auch keine Mengenbilan-
zierung erfolgen.
Abb. 4-1: Lage der Probestellen für die Messungen von Temperatur, Phosphor und Ortho-Phos-
phat-P
4.1 Temperatur
Temperaturmessungen erfolgten im Zeitraum von Januar bis November 2019. Von Januar –
April 2019 lagen die Temperaturen im Zufluss höher als höher als im Abfluss, ab Mai 2019 war
es umgekehrt.
Abb. 4-2: Temperatur im Ab- und ZuflussSeite 14 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
4.2 Phosphor
4.2.1 Gesamtphosphor
Abb. 4-3: Gesamtphosphor (μg L-1) im Ab- und Zufluss
Die Gesamt-Phosphorgehalt des Zuflusses liegen mit 115,8 μg L-1 (Mittelwert) erheblich über
dem Orientierungswert der OGewV, der mit 55 μg L-1 angegeben ist. Die Zuläufe sind somit
auch eine wichtige Nährstoffquelle. Aus Abb. 4-3 wird zudem deutlich, dass die Gesamt-Phos-
phorgehalte im Ablauf deutlich höher sind als in den Zuläufen, was auf eine Freisetzung von
Phosphor aus dem Sediment hinweist.
4.2.2 Ortho-Phosphat-P
Abb. 4-4: Ortho-Phosphat-P (μg L-1) im Ab- und Zufluss
Abb. 4-4 zeigt die Werte für Ortho-Phosphat-P (μg L-1) im Ab- und Zufluss. Die Werte sind
deutlich geringer als der Gesamt-Phosphorgehalt (s. Kap. 4.2.1), was darauf hindeutet, dass der
größte Teil des Ortho-Phosphat-P von den Wasserpflanzen und Algen aufgenommen wird.
Große Unterschiede zwischen Ab- und Zufluss sind nicht erkennbar.Seite 15 von 73

Stadt Bonn 8
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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
5 Chemisch-physikalische Untersuchungen des Rheinauensees
5.1 Methoden
Gemäß den „Empfehlungen zum Management des Rheinauensees“ (LANAPLAN 2018) erfolgten
die Untersuchungen an drei Probestellen getrennt für die Seeteile West, Mitte und Ost (Abb.
3-1). Details zu den Probestellen, welche hiernach als Probestelle West, Mitte und Ost bezeich-
net wurden, finden sich im Anhang.
Abb. 5-1: Lage der drei Probestellen (West, Mitte, Ost) im Rheinauensee (Hintergrundkarte
DTK10 NRW 1:10.000 © Geobasis NRW 2019)
Alle Untersuchungen wurden im Zeitraum von März bis September 2019 durchgeführt.
5.1.1 Sedimentuntersuchungen
Die Entnahme von Sedimentproben zur Untersuchung des Gesamtphosphorgehaltes im Sedi-
ment erfolgte am 20.03.2019 an den Probestellen West, Mitte und Ost (Abb. 3-1). Die Ent-
nahme der Sedimentproben erfolgte mit Hilfe eines Sedimentstechrohrs (Durchmesser 7 cm,
Länge 60 cm, Hydro-Bios). Im Anschluss an die Entnahme der intakten Sedimentkerne wurden
die obersten 5 cm des Sediments mit Hilfe eines Kolbens aus dem Stechrohr herausgeschoben.
Die entnommenen Sedimentproben wurden bis zum Transport ins Labor kühl (<4 °C) und dun-
kel in verschließbaren Plastiktüten gelagert. Die Analyse der Sedimentproben erfolgte zeitnah
durch ein akkreditiertes Labor (SEWA Laborbetriebsgesellschaft m.b.H, Essen, Akkreditierung
nach: DIN/EN ISO/IEC 17025 Vertrags-Nummer: DAP-PL-1236.00). Hierzu erfolgte zunächstSeite 16 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
ein Königswasseraufschluss (DIN EN 13657:2003-01) und eine anschließende Bestimmung
des Gesamtphosphorgehaltes (DIN EN ISO 11885:2009-09). Darüber hinaus wurde der Trok-
kenrückstand der Proben bestimmt (DIN EN 12880:2001-02). Basierend auf den Parametern
Gesamtphosphorgehalt, Trockenrückstand und der Seefläche wurde eine einfache Massenbi-
lanz für den Rheinauensee aufgestellt.
5.1.2 Untersuchungen im Freiwasser
5.1.2.1 Probenahme und Probenanalyse chemisch-physikalischer und biologischer Parameter
Die Entnahme von Wasserproben und die Messung chemisch-physikalischer Parameter erfolgte
an den Probestellen West, Mitte und Ost (Abb. 3-1) an insgesamt fünf Terminen (20.03.2019,
13.06.2019, 10.07.2019, 06.08.2019, 10.09.2019). An den Probestellen wurden Wasserproben
aus verschiedenen Wassertiefen (0 m, 0,5 m, 1 m, 1,5 m, 2 m) mit einem Ruttner-Schöpfer
entnommen, zu einer Mischprobe vereint und bis zum Transport ins Labor kühl und dunkel
gelagert. Zusätzlich erfolgte die Entnahme einer Wasserprobe aus der maximalen Wassertiefe
mit einem Ruttner Schöpfer; die maximal beprobbaren Wassertiefen betrugen an den Probe-
stellen West und Mitte jeweils 2,25 m und an der Probestelle Ost 2,0 m.
Des Weiteren erfolgte an den Probestellen Profilmessungen der Parameter Temperatur, Sauer-
stoff, Redoxpotential, pH-Wert und Leitfähigkeit mit einer Multiparametersonde (HQ40d,
HACH Lange GmbH) in verschiedenen Wassertiefen (0 m, 0,5 m, 1 m, 1,5 m, 2 m, ±2,25 m).
Die Messung der Sichttiefe erfolgte mit einer Secchi-Scheibe (Ø = 24 cm). Allgemeine Bedin-
gungen (u.a. Witterung, Wassertrübung) und besondere Vorkommnisse wurden in einem Feld-
protokoll notiert (s. Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. im Anhang). Die
Probenanalyse erfolgte zeitnah nach der Probennahme durch ein akkreditiertes Labor (SEWA,
Essen). Die folgenden Parameter wurden Vor-Ort erfasst (Tab. 5-1) bzw. im Labor analysiert
(Tab. 5-2):
Tab. 5-1: Vor-Ort Parameter und verwendete Messmethoden
Parameter Einheit Methode
Temperatur (Wasser) °C DIN 38404-4:1976-12
Sauerstoff, gelöst mg L-1 DIN EN ISO 5814:2013-02
Sauerstoffsättigung % DIN EN 25814:1992-10
Redoxpotential mV DIN 38404-6:1984-05
pH-Wert - DIN EN ISO 10523:2012-04
Leitfähigkeit μS cm-1 DIN EN 27888:1993-11
Sichttiefe, Secchi m DIN EN ISO 7027:2000-04
Tab. 5-2: Im Labor analysierte Parameter und Analysemethoden
Parameter Einheit Methode
Bestim-
mungs-
grenze*
Angenommener
Wert**
Chlorophyll a μg L-1 DIN 38412 L16: 1984-05 3 μg L-1 1,5 μg L-1
Gesamtphosphor μg L-1 DIN EN ISO 6878: 2004-09 - -
ortho-Phosphat-P μg L-1 DIN EN ISO 6878: 2004-09 3 μg L-1 1,5 μg L-1
*, Bestimmungsgrenze der verwendeten Methode; **, angenommener Wert bei Unterschreitung der Bestim-
mungsgrenze; -, Bestimmungsgrenze nicht unterschrittenSeite 17 von 73

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__________________________________________________________________________________________
lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
5.1.3 Trophiebewertung
Die Untersuchung und Klassifikation des trophischen Ist-Zustandes erfolgte in Anlehnung an
LAWA (2003) anhand der Kenngrößen Gesamtphosphorkonzentration, Chlorophyll a-Konzen-
tration und der Sichttiefe. Die Probenahme erfolgte jeweils an den Probestellen West, Mitte und
Ost (Abb. 3-1). Die obligatorischen Probenahmen erfolgte einmalig im Frühjahr (20.03.2019)
und viermalig in den Sommermonaten (13.06.2019, 10.07.2019, 06.08.2019, 10.09.2019). Die
Analyse der Gesamtphosphor- und der Chlorophyll a-Konzentration erfolgte durch ein akkre-
ditiertes Labor (SEWA, Essen). Die Messung der Sichttiefe erfolgte mit einer Secchi-Scheibe
(Ø = 24 cm).
5.2 Ergebnisse
5.2.1 Sediment
Der Gesamtphosphorgehalt im Sediment von Probestelle West lag bei 910 mg Phosphor pro kg
Sediment (Tab. 5-3, Abb. 5-2). Im Gegensatz zum Freiwasser (z.B. LAWA 2003) liegen in
Deutschland keine Klassifikationen für Phosphorgehalte im Sediment vor. Aus den Erfahrungs-
werten anderer Projekte (LANAPLAN, unveröff.) lässt sich jedoch aussagen, dass 910 mg Phos-
phor pro kg Sediment als mittlere Nährstoffversorgung bezeichnet werden kann (mittlere Nähr-
stoffversorgung ca. 500-1000 mg kg-1). Im Gegensatz hierzu lag der Gesamtphosphorgehalt im
Sediment von Probestelle Mitte bei 1300 mg Phosphor pro kg Sediment. Dies ist als hohe Nähr-
stoffversorgung einzustufen (hohe Nährstoffversorgung ca. 1000-2500 mg kg-1). Der Gesamt-
phosphorgehalt an Probestelle Ost war mit 960 mg Phosphor pro kg Sediment ähnliche wie an
Probestelle West als mittlere Nährstoffversorgung einzustufen. Im Mittel betrug der Gesamt-
phosphorgehalt im Rheinauensee circa 1057 mg Phosphor pro kg Sediment. Dies entspricht
einer hohen Nährstoffversorgung.
Tab. 5-3: Gesamtphosphorgehalt und Trockenrückstand der im Rheinauensee entnommenen
Sedimentproben
Probestelle Gesamt-
phosphorgehalt
(mg kg-1)
Trockenrückstand
(%)
West 910 11,7
Mitte 1300 18,3
Ost 960 10,5
Mittelwert
(± Standardabweichung)
1057
(± 212)
13,5
(± 4,2)Seite 18 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Abb. 5-2: Gesamtphosphorgehalt im Sediment an den drei Probestellen (West, Mitte, Ost) im
Rheinauensee (Hintergrundkarte DTK10 NRW 1:10.000 © Geobasis NRW 2019)
Zur Veranschaulichung der Menge an Phosphor im Sediment des gesamten Rheinauensees
wurde eine einfache Massenbilanz aufgestellt, welche die obersten 5 cm des Sedimentes be-
trachtet. Im Rheinauensee sind demzufolge etwa 1,1 t Phosphor allein in den obersten 5 cm des
Sedimentes enthalten. Während ein Teil dieses Phosphors ± permanent im Sediment gebunden
bleibt (BOSTRÖM et al. 1988, SØNDERGAARD 1990, 2007), kann es unter bestimmten chemisch-
physikalischen Bedingungen zur Freisetzung eines Teiles des Phosphors aus dem Sediment in
die Wassersäule kommen (EINSELE 1936, VOLLENWEIDER 1968, MORTIMER 1971, JENSEN &
ANDERSEN 1992, SPEARS et al. 2012). Dieser freigesetzte oder mobilisierte Phosphor steht dann
dem Wachstum von Algen- und/oder Blaualgen zur Verfügung. Unter der theoretischen An-
nahme, dass nur 1% des Phosphors aus den obersten 5 cm des Sedimentes mobilisierbar wäre,
könnte dies im Rheinauensee bereits einen Konzentrationsanstieg im Freiwasser um plus 70 μg
L-1 verursachen.Seite 19 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
5.2.2 Freiwasser
Die Profilmessungen der Wassertemperatur zeigten, dass der Rheinauensee im Untersuchungs-
zeitraum keinerlei Temperaturschichtung aufwies (Abb. 5-3). Die Wassertemperatur unter-
schied sich zwischen den drei Probestellen nur sehr geringfügig. Die Temperaturdifferenz zwi-
schen zwei Probestellen betrug, am selben Untersuchungstermin und in derselben Wassertiefe,
weniger als 1°C.
Abb. 5-3: Profilmessungen der Wassertemperatur an den Probestellen West (a), Mitte (b) und
Ost (c) im Rheinauensee im Jahr 2019
(c) Ost
(b) Mitte
(a) WestSeite 20 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Im Gegensatz zur Wassertemperatur wiesen die drei Probestellen z.T. deutliche Unterschiede
bezüglich des Sauerstoffgehaltes auf (Abb. 5-4). An Probestelle West wurden überwiegend hö-
here Sauerstoffgehalten als an den anderen beiden Probestellen gemessen, während die gering-
sten Sauerstoffgehalte zumeist an Probestelle Mitte gemessen wurden (für Details s. Anhang).
An keiner der drei Probestellen wurden zu den Untersuchungszeitpunkten (Messung am Tage)
fischkritische Sauerstoffgehalte von <4 mg L-1 gemessen.
Abb. 5-4: Profilmessungen des Sauerstoffgehaltes an den Probestellen West (a), Mitte (b) und
Ost (c) im Rheinauensee im Jahr 2019
(b) Mitte
(a) West
(c) OstSeite 21 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Das gemessene Redoxpotential war an den drei Probestellen ± vergleichbar (Abb. 5-5 5-5). Zu
den Untersuchungszeitpunkten (Messung am Tage) wurden, mit Ausnahme einer Messung,
ausschließlich Redoxpotentiale im positiven Bereich gemessen.
Abb. 5-5: Profilmessungen des Redoxpotentials an den Probestellen West (a), Mitte (b) und Ost
(c) im Rheinauensee im Jahr 2019
Der pH-Wert unterschied sich zwischen den Probestellen insgesamt nur geringfügig (Abb.-6).
Auffällig war, dass die Messungen an Probestelle West geringere Unterschiede zur Probestelle
Ost aufwiesen als zur Probestelle Mitte. Ähnliches galt für den Vergleich der Probestelle Ost
zur Probestelle Mitte. Somit wies die Probestelle Mitte die größten Unterschiede zu den anderen
beiden Probestellen auf; dies machte sich auch in der ermittelten Schwankungsbreite des pH-
Wertes bemerkbar (West = pH 7,4-7,9; Mitte = pH 7,1-8,0; Ost = pH 7,3-7,8).
(a) West
(a) Mitte
(a) OstSeite 22 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Abb. 5-6: Profilmessungen des pH-Wertes an den Probestellen West (a), Mitte (b) und Ost (c)
im Rheinauensee im Jahr 2019
Die Leitfähigkeit wies eine leicht abnehmende Tendenz von West nach Ost auf (Abb.7). Dies
spiegelte sich im Mittelwert aller Messungen der einzelnen Probestellen deutlich wider; hier
nahm die Leitfähigkeit von 833 ± 29 μS cm-1 (West) auf 804 ± 23 μS cm-1 (Mitte) bzw. 809 ±
18 μS cm-1 (Ost) ab.
(a) West
(b) Mitte
(c) OstSeite 23 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Abb. 5-7: Profilmessungen der Leitfähigkeit an den Probestellen West (a), Mitte (b) und Ost
(c) im Rheinauensee im Jahr 2019
Die Gesamtphosphorkonzentrationen im Freiwasser unterschied sich zwischen den drei Probe-
stellen deutlich (s. Abb. 5-8). Die höchsten Gesamtphosphorkonzentrationen wurden an Probe-
stelle Mitte gemessen (Mittelwert 72,8 ± 21,5 μg L-1), während die geringsten Konzentrationen
an Probestelle West gemessen wurden (Mittelwert 30,8 ± 9,2 μg L-1). Die Gesamtphosphor-
konzentrationen an Probestelle Ost waren intermediär (Mittelwert 41,2 ± 17,3 μg L-1). Insge-
samt vier Werte liegen über dem Orientierungswert der Oberflächen-Gewässerverordnung der
mit 55 μg L-1 angegeben ist (OGewV 2016, Seetyp 11).
Auffällig war, dass die Gesamtphosphorkonzentration an Probestelle Mitte vom Frühjahr zum
Sommer hin anstieg und ihr Maximum im Juli erreichte (s. Abb. 5-8). Dies deutet auf die Frei-
setzung von Phosphor aus dem Sediment in die Wassersäule hin, was auch durch die Messun-
(a) West
(b) Mitte
(c) OstSeite 24 von 73

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gen der ortho-Phosphat-Phosphorkonzentrationen unmittelbar über dem Sediment an Probe-
stelle Mitte indiziert wurde (s. Abb. 5-105-9). An den Probestellen West und Ost war ein solcher
Trend in der Gesamtphosphorkonzentration nicht zu beobachten.
Abb. 5-8: Gesamtphosphor-Konzentration in der Wassersäule an den Probestellen West (a),
Mitte (b) und Ost (c) im Rheinauensee im Jahr 2019
Die ortho-Phosphat-Phosphorkonzentrationen zwischen 0 und 2 m Wassertiefe (Abb. ) und in
der maximalen Wassertiefe (Abb. 5-10) lagen an allen Probestellen überwiegend unterhalb der
Nachweisgrenze. Dies weist darauf hin, dass in der Wassersäule verfügbarer Phosphor unmit-
telbar in die Biomasse (Makrophyten und/oder Algen) aufgenommen wurde. Auffällig waren
die leicht erhöhten Werte an Probestelle Mitte (Abb. 5-8, Abb. 5-105-9). Dies deutete darauf
hin, dass an dieser Probestelle die Freisetzung von Phosphor aus dem Sediment höher war alsSeite 25 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
an den anderen beiden Probestellen oder dass weniger Makrophyten und/oder Algen (geringere
Biomasse) vorhanden waren, welche Phosphor aufnahmen.
Abb. 5-9: ortho-Phosphat-P-Konzentration in der Wassersäule an den Probestellen West (a),
Mitte (b) und Ost (c) im Rheinauensee im Jahr 2019
Abb. 5-10: ortho-Phosphat-P-Konzentration im Wasser unmittelbar über dem Sediment an den
Probestellen West (a), Mitte (b) und Ost (c) im Rheinauensee im Jahr 2019Seite 26 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Die Chlorophyll a–Konzentration, als Maß für die Gesamtheit der planktischen Algenbiomasse,
wies an den drei Probestellen deutliche Unterschiede auf (Abb.5-11). Die höchsten Werte und
die höchste Schwankungsbreite wurden an Probestelle Mitte gemessen (Mittelwert 26,6 ± 28,5
μg L-1), während die geringsten Konzentration an Probestelle West gemessen wurden (Mittel-
wert 5,1 ± 3,7 μg L-1). Ähnlich wie bei der Gesamtphosphorkonzentration wies die Probestelle
Ost intermediäre Konzentration auf (Mittelwert 12,2 ± 11,6 μg L-1).
Abb. 5-11: Chlorophyll a - Konzentration in der Wassersäule an den Probestellen West (a),
Mitte (b) und Ost (c) im Rheinauensee im Jahr 2019
Abb. 5-12 : Sichttiefe an den Probestellen West (a), Mitte (b) und Ost (c) im Rheinauensee im
Jahr 2019 (* = Secchi-Sichttiefe nicht exakt ermittelbar da Secchi-Sichttiefe > Wassertiefe
oder dichter Bewuchs mit Wasserpflanzen)
Da die Sichttiefe u.a. unmittelbar durch die Biomasse an planktischen Algen (gemessen als
Chlorophyll a – Konzentration) beeinflusst wird, zeigte sich hier ein ähnliches Muster (Abb.5-
12). Die stärkste Trübung (geringsten Sichttiefen) wurde an Probestelle Mitte gemessen (Mit-
telwert 1,0 ± 0,5 m), während die geringste Trübung (höchste Sichttiefe) an Probestelle West
* *
*
*
*Seite 27 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
gemessen wurde (Mittelwert 2,3 ± 0,2 m). Die Werte der Sichttiefenmessung an Probestelle Ost
lagen zwischen denen der beiden anderen Probestellen (Mittelwert 1,5 ± 0,4 m).
5.2.3 Trophiebewertung
Die Klassifikation des trophischen Ist-Zustandes wurde in Anlehnung an LAWA (2003) durch-
geführt, wobei die Zuordnung in Anlehnung an den Gewässertyp „flache, ungeschichtete Bag-
gerseen >5 ha“ erfolgte. Die Bewertung führte für die Probestelle West zum Trophiegrad „eu-
troph 1“ (Trophie-Index 2,6; Klassengrenze eutroph 1/mesotroph bei Trophie-Index 2,6/2,5).
Hierzu ist anzumerken, dass die Sichttiefe auf Grund der maximalen Wassertiefe an der Probe-
stelle nur an einem Probenahmetermin belastbar ermittelt werden konnte; auf Grund der sehr
geringen Trübung an Probestelle West ist von höheren Sichttiefen auszugehen. Aus gutachter-
licher Sicht erscheint die Bewertung „mesotroph“ daher plausibler.
Für die Probestelle Mitte führte die Bewertung zum Trophiegrad „polytroph 1“ (Trophie-Index
3,6; Klassengrenze polytroph 1/eutroph 2 bei Trophie-Index 3,6/3,5). Die Bewertung erscheint
plausibel. Das Bewertungsergebnis ist insbesondere durch die z.T. sehr hohen Chlorophyll a-
und Gesamtphosphor-Konzentrationen im Sommer begründet.
Für die Probestelle Ost führte die Bewertung zum Trophiegrad „eutroph 2“ (Trophie-Index 3,2;
Klassengrenze eutroph 2/eutroph 1 bei Trophie-Index 3,1/3,0). Die Bewertung erscheint plau-
sibel. Das Bewertungsergebnis ist insbesondere durch die hohen Chlorophyll a- Konzentratio-
nen im Sommer begründet.
Tab. 5-2: Untersuchte Kenngrößen zur Klassifikation des trophischen Ist-Zustandes des
Rheinauensees
Probestelle Datum Gesamtphosphor-
Konzentration
(μg L-1)
Chlorophyll a
–
Konzentration
(μg L-1)
Secchi-
Sichttiefe
(m)
Trophie-
grad (Tro-
phie-In-
dex)
Trophiegrad
fachgut-ach-
terliche Ein-
schätzung
West
20.03.2019 29 4,8 >2,4*
eutroph 1
(2,6)
mesotroph
13.06.2019 27 8,9 >2,3*
10.07.2019 24 8,8 2,4
06.08.2019 27 1,5 >2,0*
10.09.2019 47 1,5 >2,5*
Mitte
20.03.2019 50 1,5 1,7
polytroph 1
(3,6)
polytroph 1
13.06.2019 80 31,0 1,2
10.07.2019 95 28,0 0,6
06.08.2019 89 71,0 0,7
10.09.2019 50 1,5 0,8
Ost
20.03.2019 58 1,5 >2,1*
eutroph 2
(3,2)
eutroph 2
13.06.2019 53 12,0 1,3
10.07.2019 45 29,0 1,4
06.08.2019 36 17,0 1,4
10.09.2019 14 1,5 1,1
Mittelwert
± Standard-
abweichung
20.03.2019 46 ± 15 2,6 ± 1,9 2,1 ± 0,4
eutroph 2
(3,2)
eutroph 2/ eu-
troph 1
13.06.2019 53 ± 27 17,3 ± 12,0 1,6 ± 0,6
10.07.2019 55 ± 36 21,9 ± 11,4 1,5 ± 0,9
06.08.2019 51 ± 34 29,8 ± 36,5 1,4 ± 0,6
10.09.2019 37 ± 20 1,5 ± 0,0 1,5 ± 0,9
* = Secchi-Sichttiefe nicht exakt ermittelbar (Secchi-Sichttiefe > Wassertiefe an Probestelle oder dichter Bewuchs
mit Wasserpflanzen)Seite 28 von 73

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Die Gesamtbewertung des Rheinauensees, auf Basis der gemittelten Werte der drei Probestel-
len, führte zum Trophiegrad „eutroph 2“ (Trophie-Index 3,2; Klassengrenze eutroph 2/eutroph
1 bei Trophie-Index 3,1/3,0). Berücksichtigt man, dass die Sichttiefe an Probestelle West - wie
oben dargelegt - nicht belastbar ermittelt werden konnte, so ist aus gutachterlicher Sicht eine
Gesamtbewertung von „eutroph2“ im Übergang zu „eutroph1“ plausibler.
Abb. 5-13: Ergebnisse der fachgutachterlichen Trophiebewertung für die drei Probestellen
(West, Mitte, Ost) im Rheinauensee (Hintergrundkarte DTK10 NRW 1:10.000 © Geobasis
NRW 2019)Seite 29 von 73

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6 Wasserpflanzen (aquatische Makrophyten)
Im Zuge der Geländeuntersuchungen wurden verschiedene höhere Makrophytenarten (Cera-
tophyllum demersum, Ceratophyllum submersum, Lemna spp., Myriophyllum spicatum, Spiro-
dela polyrhiza) sowie eine Armleuchteralgenart (Chara globularis) nachgewiesen (s.a. An-
hang). Hochwüchsige Makrophytenbestände fanden sich insbesondere im westlichen und öst-
lichen Teil des Rheinauensees, während flächige Bestände hochwüchsiger Makrophyten im
mittleren Seeteil nicht beobachtet wurden. Insbesondere im Juli und August bedeckten z.T.
dichte Wasserlinsenbestände und ausgedehnte Bestände fädiger Grünalgen Teile des Rheinau-
ensees (s. Abb. 6-1, 6-2).
Die nachgewiesenen Arten weisen auf eine hohe Nährstoffversorgung bzw. hohe Trophie hin
(LANUV 2017, LUA 2006).
Abb. 6-1, 6-2: Dichte Wasserlinsenbestände (Lemna sp.) unterhalb der Autobahnbrücke im Juli
2019 (links) und große Bestände fädiger Grünalgen im östlichen Seeteil des Rheinauensees im
Juli 2019 (rechts)Seite 30 von 73

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7 Chlorophyll und Phytoplankton
Chlorophyll und Phytoplankton wurde vom Büro Wassmann bearbeitet.
7.1 Chlorophyllmessungen
Der Chlorophyllgehalt wurde in den drei Kompartimenten West, Mitte und Süd an fünf Tagen
ermittelt; darunter eine Frühjahrsbeprobung im März und vier weitere Beprobungen monatlich
ab Mai in den Sommermonaten. Dieses Überwachungsmuster entspricht den Mindestvorgaben
der LAWA zur Bewertung von Seen (LAWA 2003).
Die Entwicklung der Chlorophyllkonzentrationen (Abb. 7-1) wird daher von März bis Juni
nicht durch vorliegende Daten beschrieben. In dieser Zeit sind allerdings Blaualgenentwicklun-
gen kaum zu erwarten, da hierfür üblicherweise sowohl besondere Nährstoffbedingungen als
auch erhöhte Wassertemperaturen vorliegen müssen, die in aller Regel unter den derzeitigen
klimatischen Bedingungen nicht erreicht werden. Zum Beginn der Vegetationsperiode sind die
Chlorophyllkonzentrationen an allen drei Messstellen annähernd gleich gering. Im weiteren
Jahresverlauf entwickeln sie sich deutlich unterschiedlich.
Abb. 7-1: Chlorophyllgehalte in den drei Kompartimenten des Rheinauensees im Jahresverlauf
Auffällig ist die durchgehend geringe bis mäßige Chlorophyllkonzentration im Westen mit
schwachen Maxima im März und Ende Juli. Die Bakteriochlorophyllkonzentrationen bleiben
ganzjährig gering.
Im Osten steigen die Chlorophyllwerte bis zum Frühsommer nur wenig an. Sie erreichen hier
Anfang Juli ihr Maximum und verharren bis zum Ende der Beobachtungszeit etwa auf diesem
Niveau. Bakteriochlorophyll stellt in dieser Zeit etwa die Hälfte des Gesamtchlorophylls. Das
Maximum wird im September mit „moderaten“ 14,1 μg/L Chl erreicht.
In der Mitte des Gewässers verläuft die Gesamtentwicklung deutlich heftiger, hier sind die
Chlorophyllkonzentrationen ab Juni an allen Messtagen am höchsten. Von März bis Juni steigt
der Chlorophyllgehalt auf mehr als das Doppelte an. Das Maximum wird Anfang August mit
nahezu 100 μg/L Chl erreicht. Der Anteil des Bakteriochlorophylls bleibt bis dahin noch recht
unbedeutend, steigt im September aber deutlich auf 35 μg/L an und stellt damit 55 % des Ge-
samtchlorophylls.
Mit Blick auf die Bewertungskriterien für Badegewässer des Umwelt-Bundesamtes ist die
Messstelle im Osten des Gewässers der Warnstufe zuzuordnen. Aufgrund des Messwertes im
September erreicht die Messstelle in der Mitte des Gewässers zu diesem Zeitpunkt die Alarm-
stufe. Da das Gewässer nicht zu Badezwecken genutzt wird, ist ein reales GefährdungspotenzialSeite 31 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
in dieser Hinsicht im Bereich der Messstellen nicht gegeben. Am 10.09.2019 wurden ergän-
zende Chlorophyllmessungen auch im Uferbereich auf Höhe der mittleren Messstelle durchge-
führt. Die auffallend hohen Messwerte implizieren hier mögliche Gefährdungspotenziale für
spielende Kinder oder Tiere (z. B. Hunde), die Wasser aus dem Gewässer trinken.
Schon im Hinblick auf den Chlorophyllgehalt weisen die drei Kompartimente deutlich Unter-
schiede auf. Die Konzentrationen des Chlorophylls charakterisieren das Gewässer in der Mitte
als deutlich eutroph, im Osten ist es eutroph und im Westen mesotroph. Die Chlorophyllgehalte
fließen in die Trophiebewertung (s. Kap. 5.2.3) ein.
7.2 Phytoplankton
Die Phytoplanktondaten (siehe Anhang und Abb. 7-2 bis 7-4) spiegeln die Entwicklungen des
Chlorophylls. Auch diese Daten sind bezüglich der Frühjahrsentwicklung von März bis Juni
aufgrund der geringeren Datenbasis nicht vollständig zu bewerten. Für die Fragestellung der
Blaualgenentwicklung ist dieser Sachverhalt aber ohne Belang. In der zweiten Hälfte der Ve-
getationsperiode steigen die Besiedungsdichte und die Zahl der Arten an allen drei Messstellen
deutlich, aber auch mit klaren Unterschieden an.
Die Planktongemeinschaft zeigt sich im Osten und Westen insgesamt arten- und individuenär-
mer als in der Mitte des Gewässers. Dabei bleiben die Daten für die Messstelle Ost niedriger
als die der Messstelle West. Auffällig ist, dass im Frühjahr die Kieselalgen (Diatomeae) an allen
drei Messstellen nur schwach entwickelt sind und auch im weiteren Jahresverlauf keine größere
Bedeutung erreichen. Cryptophyceen stellen im Frühjahr zwischen 30 und 60 % der Individuen
des Phytoplanktons. Im Herbst übernehmen Blaualgen und Grünalgen die hervorragende Stel-
lung, Cryptophyceen nehmen in der Gesamtbedeutung ab.Seite 32 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Abb. 7-2: Zusammensetzung des Phytoplanktons an der Messstelle West
Die weiteren Einzelbetrachtungen beschränken sich für alle drei Messstellen weitgehend auf
den Spätsommer und Herbst.
Im Westen sind die Artenzahlen und die Besiedlungsdichten am geringsten. Im Frühjahr konn-
ten nur 8 Taxa nachgewiesen werden, das Maximum wurde mit 19 Taxa im September erreicht.
Die geringe Summe der Häufigkeitsstufen (Abb. 5) von nur 12 (im März) bzw. 28 (im Septem-
ber) zeigt an, dass viele Arten nur mit den Bewertungen selten (1) oder wenig (2)auftraten.
Cryptophyceen stellen im März 60% aller Individuen. Ab Mai liegt ihr Anteil bis zum Jahres-
ende relativ konstant knapp über 20%. Als ergänzende Nahrungsgrundlage war für diese mixo-
trophe Gruppe fast durchgängig bakterielles Pikoplankton vorhanden.
Eine stärkere Dominanz der Grünalgen tritt erst ab August ein. Blaualgen sind Ende Juni und
im September codominant. Ihr Artenspektrum ist gegenüber den beiden anderen Messstellen
deutlich eingeschränkt. So fehlen hier die toxinbildenden Gattungen Anabaena und Aphanizo-
menon.
Für diesen Teil des Gewässers liegen keine Nutzungseinschränkungen aufgrund von Gefähr-
dungen durch Blaualgen vor.Seite 33 von 73

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Abb. 7-3: Zusammensetzung des Phytoplanktons an der Messstelle Ost
Im Osten des Gewässers bestimmen Grünalgen (Chloropyceae) und Blaualgen (Cyanobakte-
rien, Cyanophyceae) die Planktongemeinschaft von der Vielfalt der Arten her, ab Ende Juli sind
sie auch von der Individuendichte her dominant. Sie lösen die im Frühjahr und Frühsommer
mäßig dominanten Cryptophyceen ab. Alle anderen Großgruppen des Phytoplanktons sind eher
unbedeutend.
Bei den Grünalgen wurden - wie bei den beiden anderen Messstellen - überwiegend nur klein-
wüchsige bis mittelgroße Arten festgestellt.
Die Gattung Cryptomonas (durchgehend vorhanden, massenhaft im Juli) ernährt sich mixo-
troph, d.h., sie kann auch Bakterien als Nahrung aufnehmen. Eine entsprechende Nahrungs-
grundlage (bakterielles Pikoplankton) wurde in den mikroskopischen Analysen nachgewiesen.
Bei den Blaualgen treten besonders Arten aus den Gattungen Anabaena/Dolchiospermum (mit-
tel bis häufig im August) und Pseudanabaena (häufig im August und mittel im September)
hervor. Erstere sowie die ebenfalls vorhandenen Arten der Gattungen Aphanizomenon und
Oscillatoria (selten im August und September) gehören zu den potenziell toxinbildenden
Blaualgen.Seite 34 von 73

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Abb. 7-4: Zusammensetzung des Phytoplanktons an der Messstelle Mitte
Die Messstelle Mitte weist an jedem der Messtage die stärkste Planktonentwicklung aller Mess-
stellen auf. Die Artenzahlen steigen von 14 im März auf 26 im September kontinuierlich an,
ebenso die Gesamtplanktondichte. Bereits im März erreichen einzelne Arten mittlere Häufig-
keiten, im August und September treten einige Arten (Pseudanabaena catenata, Aphanizo-
menon flos-aquae; beides Cyanobakterien) in Massenentwicklungen ein. Das Dominanzmuster
verschiebt sich von Grünalgen im Frühjahr zu Blaualgen im Spätsommer und Herbst.
Cryptophyceen sind die gesamte Vegetationsperiode hindurch relativ konstant vertreten. Sie
können aufgrund ihrer mixotrophen Lebensweise in ihrer Ernährung auf bakterielle Pikoplank-
ton ausweichen, das nahezu durchgängig und z. T. in bedeutender Dichte in den mikroskopi-
schen Proben vorhanden war.
Wie bei den beiden anderen Messstellen wurden bei den Grünalgen überwiegend nur klein-
wüchsige bis mittelgroße Arten festgestellt.
Bei den Blaualgen treten neben der bereits oben genannten Art Anabaena flos-aquae weitere
Arten aus den Gattungen Anabaena/Dolchiospermum, Aphanizomenon und Microcystis auf, die
zu den potenziell toxinbildenden Blaualgen gehören. Etliche dieser Arten erreichen mittlere bis
hohe Artendichten. Insgesamt ist damit das Toxinpotenzial gegenüber der Messstelle Ost ge-
steigert.Seite 35 von 73

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8 Fische
Die Fische wurden von Limnoplan (Dr. Staas) bearbeitet.
8.1 Material & Methoden
Die Standardmethodik der Fischbestandsuntersuchung ist die Elektrofischerei, bei der Fische
schonend gefangen, erfasst und unbeschadet ins Gewässer zurückgesetzt werden können. Die
Technik der Elektrobefischung und die Art der Ausübung können dabei den jeweiligen Gewäs-
serbedingungen angepasst werden (durch die Wahl verschieden leistungsstarker Geräte, von
batterie- oder motorbetriebenen Geräten, Tragegeräten für Watbefischungen oder Stationärge-
räten für bootsgestützte Befischungen, die Verwendung von Impuls- oder Gleichstrom, die An-
zahl der Elektrofischer, die Art der Anodenanordnung etc.).
Die Elektrofischerei ist jedoch grundsätzlich nur für den Einsatz in flachen Gewässern und den
Uferzonen von großen Fließgewässern und Stillgewässern geeignet. In tiefen, strukturlosen
Freiwasserbereichen liefert die Elektrofischerei dagegen keine verwertbaren Ergebnisse. In
Stillgewässern, in denen tiefere Freiwasserbereiche als Teillebensraum für die Fischfauna von
Bedeutung sind, ist eine repräsentative Fischbestandsuntersuchung nur durch eine Kombination
von Erhebungsmethoden möglich, wobei neben der Elektrofischerei auch passive Fangmetho-
den wie Kiemennetze (oder Fangreusen) eingesetzt werden müssen.
Da Kiemennetzbefischungen jedoch zwangläufig immer auch letale Schädigungen eines Teils
der gefangenen Fische bedingen, sollte vor dem Hintergrund der Fragestellung der jeweiligen
Untersuchung eine sorgfältige Abwägung von Nutzen (zu erwartender Erkenntnisgewinn) und
Schaden erfolgen. Die Schädigung kann durch eine möglichst geringe und der Fragestellung
angepasste Anzahl von Netzen und die Verwendung von sog. Multimaschenkiemennetzen ge-
mäß DIN EN 14757:2015 (vgl. Kap. 3.2) minimiert werden.Seite 36 von 73

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Abb. 8-1: Untersuchungsgebiet Rheinauensee Bonn und Lage der Befischungstrecken S-1 – S-
6 für die Elektrobefischungen am 23.09.2019 und Verortung der Stellnetzexpositionen (MM1-
MM5 und EM 1)Seite 37 von 73

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8.1.1 Elektrobefischung
Die Elektrobefischungen wurden als standardisierte Streckenbefischungen bootsgestützt unter
Verwendung eines Elektromotors und eines leistungsstarken batteriebetriebenen Elektrofische-
reigerätes vom Typ Bretschneider EFGI 4000 im Gleichstrombetrieb durchgeführt. Die Befi-
schung wurde von einem einzelnen Elektrofischer unter Verwendung eines Anodenkeschers
durchgeführt, als Kathode wurde der Bootsrumpf verwendet. Die im elektrischen Feld narkoti-
sierten Fische wurden grundsätzlich abgekeschert, in belüfteten Wannen zwischengehältert, am
Ende der Befischungsstrecke bestimmt und vermessen bzw. in Größenklassen gem. LANUV-
Standarddatenbogen protokolliert und wieder freigelassen.
Es wurden Befischungsstrecken in allen Teilbereichen des (reichhaltig durch verschiedene mit-
einander verbundene Teilwasserflächen) strukturierten Rheinauensees festgelegt, wobei die
Streckenlängen den Gegebenheiten des Uferlinienverlaufs angepasst wurden, aber immer min-
destens 300 m betrugen (siehe Abb. 8-1). Die genaue Streckenlänge und der Streckenverlauf
wurden mittels GPS-Geräten eingemessen und aufgezeichnet. Die ermittelten Streckenlängen
dienten der Berechnung eines standardisierten Abundanz-Maßes (CPUE=Individuen pro 500
m Befischungsstrecke).
Die Befischungen wurden immer in Ufernähe durchgeführt, wobei die Uferdistanz bzw. Tie-
fenbereiche so gewählt wurden, dass der Wirkbereich des elektrischen Feldes möglichst noch
bis auch den Gewässergrund reichte (d.h. bis maximal ca. 1,5 m Wassertiefe).
Die Elektrobefischungen wurden am 23. September 2019 durchgeführt und erfolgten damit im
üblichen Zeitfenster für Fischbestandserhebungen, bei denen auch das Jungfischaufkommen
des Jahres miterfasst werden soll.
Da bei einer Elektrobefischung Fische nur bis in eine Tiefe von ca. 1,5 m erfasst werden kön-
nen, ist die Methode in Seen grundsätzlich nur für den Einsatz in flachen Uferbereichen geeig-
net. Für einen Einsatz in tieferen Freiwasserbereichen (tieferes Litoral und Pelagial von Seen)
ist die Methode hingegen ungeeignet. Die Methode der Elektrobefischung liefert in Stillgewäs-
sern in erster Linie Erkenntnisse über das Vorkommen von Kleinfischarten und Jungfischen,
die eine vergleichsweise starke Bindung an den Uferbereich und an Deckungsstrukturen wie
z.B. Makrophytenbestände aufweisen. Da der Rheinauensee am Untersuchungstermin sehr aus-
gedehnte Unterwasserpflanzenbestände aufwies und fast vollständig zugekrautet war, war die
Effizienz der Elektrofischerei generell und auch in uferferneren Bereichen relativ gut.Seite 38 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
8.1.2 Stellnetzbefischung
Die Stell- oder Kiemennetzbefischung ist eine Fangmethode, bei der großflächige Netzwände
(mit bestimmten Maschenweiten) im Wasserkörper „aufgespannt“ werden und Fische, die sich
mit den Kiemen (oder anderen Hartstrukturen) in den Maschen verfangen, erfasst werden. Es
handelt es sich um eine passive Fangmethode, deren Erfolg außer von der Wahl der Fangplätze
auch vom Verhalten und dem Aktivitätsmuster der Fischarten bestimmt wird. Die höchste
Fangeffektivität weist diese Methode grundsätzlich bei einer Exposition der Netze über die
Dämmerungsphasen bzw. die gesamte Nacht auf. Grundsätzlich sind Kiemennetze stark grö-
ßenselektiv, da die Maschenweite die Größe der Fische bestimmt, die sich in ihnen verfangen.
Für Fischbestandsuntersuchungen sollen daher gemäß DIN EN 14757:2015 sog. Multima-
schen-Kiemennetze verwendet werden, die eine vergleichsweise geringe Gesamtnetzfläche auf-
weisen (30 m Länge x 1,5 m Höhe) und aus 12 verschiedenen Netzblättern (mit Flächen von je
2,5 m Länge x 1,5 m Höhe) mit Maschenweiten von 5 – 55 mm bestehen (wobei die Maschen-
weiten einer geometrischen Reihe mit dem Faktor 1,25 folgen). Multi-Maschen-Kiemennetze
dienen der standardisierten, repräsentativen Erfassung aller Größenklassen der vorkommenden
Fischarten und bedingen durch die vergleichsweise geringen Netzflächen entsprechend geringe
Beeinträchtigungen oder Schädigungen des Fischbestandes.
Einzelmaschennetze (einwandige Kiemennetze aus monofilem Nylon) fangen nur Fische be-
stimmter Größenklassen entsprechend der Selektivität der gewählten Maschenweite und besit-
zen i.d.R. eine wesentlich größere Netzfläche (z.B. 50 m x 1,8 m oder 100 m x 3 m). Die hiermit
zu erzielenden höheren Fangzahlen bedingen eine entsprechend höhere Beeinträchtigung oder
Schädigung des Fischbestandes.
Für die Untersuchung des Rheinauensees wurden in der Nacht vom 03. auf den 04 Oktober
2019 insgesamt 5 Multimaschenkiemennetze und zusätzlich ein Einzelmaschennetz mit 25 mm
Maschenweite eingesetzt. Das Einzelmaschennetz wurde zusätzlich aufgrund der Erkenntnisse
aus den Elektrobefischungen eingesetzt, bei denen keine mittelgroßen „Weißfische“
(Cypriniden wie Rotauge, Brassen, Güster etc.) gefangen werden konnten. Da dies ein für Park-
gewässer eher untypischer Befund war, sollte dem durch den zusätzlichen Einsatzes eines für
diese Fische selektiven größeren Netzes nachgegangen werden.
Alle Stellnetze wurden als benthische Netze (d.h. sinkend, auf Grund) und über Nacht (mit 14-
stündiger Expositionsdauer) in den verschiedenen Teilbecken des Rheinauensees verschiede-
nen Stellen im Übergangsbereich zwischen Litoral und Pelagial gestellt (siehe Abb. 1).Nach
Leerung der Netze am 04.10.2019 konnte ein Großteil der gefangenen Fische relativ unbescha-
det zurückgesetzt werden.
Tab. 4: Übersicht über die im Rheinauensee am 03./04.10.2019 eingesetzten StellnetzeSeite 39 von 73

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Netz-Nr. Art Maschenweiten [mm] Länge [m] Höhe [m]
MM 1-
MM 5 Multimasche 5 bis 55 mm (gemäß DIN 14757) 30 m 1,5 m
EM 1 Einzelmasche 25 mm 30 m 1,5 m
Aus den Fangergebnissen der Stellnetzbefischungen wurde ein standardisiertes Abundanz-Maß
(CPUE) berechnet, wobei in die Berechnung die Größe der eingesetzten Netzfläche und die
Expositionsdauer eingehen (Formel 1):
𝐶𝑃𝑈𝐸 =
(𝐴𝑠
𝐴𝑛 ∗ 𝐶𝑛)
𝑡
(mit Cn = Nominalfang, As = Standardnetzfläche [219,3 m2], An = Fläche des eingesetzten
Netzes [m2], t = Expositionsdauer [Std])
Auf Grundlage der Größenverteilungen wurden die mit beiden Erhebungsmethoden gefangenen
Individuen den Altersgruppen AG 0 (=diesjährige Jungfische) und AG > 0 (=ältere, subadulte
und adulte Fische) zugeordnet. Die Angaben zum Vorkommen der AG 0 und deren Häufigkeit
geben Aufschluss über den Reproduktionserfolg der jeweiligen Art im Gewässer. Bei der Dar-
stellung von Dominanzen im Ergebnisteil wird die jeweilige Altersgruppenverteilung mit dar-
gestellt.
8.2 Ergebnisse der Fischbestandsuntersuchungen
8.2.1 Nachgewiesenes Fischartenspektrum und Schutz- und Gefährdungssta-
tus der nachgewiesenen Arten
Im Rahmen der Elektrobefischungen in insgesamt 6 Befischungsstrecken im Rheinauensee
Bonn am 23.09.2019 wurden insgesamt 8 verschiedene Fischarten erfasst, eine weitere Art
(Karpfen) konnte ausschließlich durch Sichtbeobachtungen nachgewiesen werden. Die Kie-
mennetzbefischungen mit insgesamt 6 Kiemennetzen am 03./04.10.2019 erbrachten keine zu-
sätzlichen Artnachweise. Somit wurden durch die Untersuchungen insgesamt 9 verschiedene
Fischarten im Rheinauensee nachgewiesen.
Tab. 8-1 zeigt das nachgewiesene Artenspektrum mit Angaben zum Schutz- und Gefährdungs-
status der Arten nach Roten Listen sowie zu den Häufigkeiten der Arten in den Gesamtfängen
von Elektro- und Stellnetzbefischungen.
Die Ergebnisse der beiden Erhebungsmethoden werden in den Kap. 8.2.3 und 8.2.4 ausführli-
cher dargestellt.
Mit dem Aal (Anguilla anguilla) ist eine der nachgewiesenen Arten in der Roten Liste NRW in
der Gefährdungskategorie 2 („stark gefährdet“) gelistet (in der Roten Liste BRD ist der Aal
nicht enthalten, da er nicht im Süßwasser reproduziert). Da der Rheinauensee ein abgeschlos-
senes Parkgewässer darstellt, ist es unwahrscheinlich, dass Aale das Gewässer auf natürlichem
Wege besiedelt haben (sofern keine vereinzelte Einwanderung aus dem Rhein bei HochwasserSeite 40 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
erfolgt ist); wahrscheinlicher ist, dass sie durch Besatz eingebracht wurden. Aufgrund der eu-
ropaweit kritischen Situation der Aalbestände unterliegt die Art einer EU-Schutzverordnung1,
vor deren Hintergrund die Länder Flusseinzugsgebiets-bezogene Bewirtschaftungspläne um-
setzen. Im Zuge des Aalbewirtschaftungsplanes für den Rhein erfolgen seit 2010 regelmäßig
Besatzmaßnahmen mit Farm- oder Glasaalen im Rhein-Hauptstrom und in verschiedenen na-
türlichen Rheinauengewässern (nicht jedoch im Rheinauensee!). Neben diesen Besatzmaßnah-
men im „Artenschutzprogramm“ des LANUV wurden/werden Aale häufig von Fischereipäch-
tern in ihre Pachtgewässer eingesetzt. Inwieweit dies auch für den Rheinauensee gilt, ist nicht
bekannt. Die Gesamtfangzahl von 2 Individuen zeigt jedoch, dass Aale im Reinauensee allen-
falls vereinzelt vorkommen und nicht mit einem größeren Bestand.
1
„Verordnung (EG) des Rates 1100/2007 vom 18. September 2007 mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Be-
stande des Europäischen Aals“Seite 41 von 73

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Tab. 1: Übersicht über das im Rheinauensee Bonn mittels Elektrobefischungen (am
23.09.2019) und Kiemennetzbefischungen (am 03./04.10.2019) nachgewiesene Fischarten-
spektrum mit Angabe zur Häufigkeit der Arten im Gesamtfang von Elektro- und Kiemennetz-
befischung sowie in der Methodenkombination (Dominanzklasse nach Mühlenberg 1993) und
(mit Angaben zu Artstatus, Rote Liste-Status (BRD nach FREYHOF 2009 und NRW nach KLIN-
GER et al. 2011)
* Karpfen wurden nicht gefangen; es konnten jedoch einzelne Exemplare beobachtet werden
2) Rote Liste-Staus gilt nur für die Karpfen –Wildform; in Parkgewässern handelt es sich in
aller Regel jedoch um Karpfen-ZuchtformenLegende: 1) Art nicht Bestandteil der Liste
 ungefährdet
V Vorwarnliste
2 stark gefährdet
3 gefährdet
 nicht bewertet (Neozoen)Legende:
Häufigkeitsklasse Dominanzwerte [%]
eudominant > 10 %
dominant > 5 – 10 %
subdominant > 2 – 5 %
rezedent > 1 – 2 %
subrezedent > 0 – 1 %Systematik / Familie
Fischart Status
Rote
Liste
BRD
Rote
Liste
NRW (TL)
Elektro-
befischung
Dominanz
[%]
Stellnetz-
befischung
Dominanz
[%]
gesamt
Dominanz
[%]
Anguillidae
Aal (Anguilla anguilla) 1) 2 0,3 0,2
Cyprinidae
Brassen (Abramis brama)  V 4,0 7,5 5,1
Karpfen (Cyprinus carpio)  D2) * * *
Rotfeder (Scardinius erytrophthalmus)  V 5,6 0,3 3,9
Schleie (Tinca tinca)   28,9 0,3 19,9
Esocidae
Hecht (Esox lucius)  V 9,9 1,7 7,4
Percidae
Flussbarsch (Perca fluviatilis)   9,9 88,1 34,4
Gobiidae
Marmorgrundel (Proterorhinus semilunaris) allochthon   4,7 3,2
Centrarchidae
Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus) allochthon   36,7 2,0 25,8Seite 42 von 73

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Abb. 8-3, 8-4: Adulter Hecht (> 1 m , links) und adulte Marmorgrundel (rechts) aus dem
Rheinauensee Bonn
Abb. 85, 8-6: Teil des Gesamtfangs von Sonnenbarschen (links), adulter Flussbarsch (rechts)Seite 43 von 73

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8.2.2 Ergebnisse der Elektrobefischungen im Rheinauen-See Bonn
Tab. 8-2 gibt eine Übersicht über den bei den Elektrobefischungen im Rheinauensee Bonn am
23.09.2019 erzielten Gesamtfang und die Ergebnisse in den einzelnen Befischungsstrecken. Es
wurde ein Gesamtfang von 644 Individuen erzielt, wobei die Fangzahlen in den einzelnen Be-
fischungsstrecken zwischen minimal 68 Individuen (S-2) und maximal 221 (S-1) Individuen
variierten.
Es wurden 2 Fischarten als eudominante Arten (mit Dominanzen > 10%) nachgewiesen, der
Sonnenbarsch (eine gebietsfremde, allochthone Art) als mit Abstand häufigste Art mit einer
Individuen-Dominanz von 36,7 % und die Schleie mit einer Dominanz von 28,9%. Die Schleie
ist ein typischer Bewohner stark verkrauteter Stillgewässer (Abb. 8-3).
Mit gleicher Häufigkeit von 9,9 % kamen Flussbarsch und Hecht als dritt- bzw. viert-häufigste
Arten vor. Es ist bemerkenswert, dass damit Raubfische (Hecht als piscivorer Top-Prädator und
Flussbarsch zumindest mit älteren/größeren Individuen piscivor) zu den häufigsten Arten im
Gewässer gehören.
Als Vertreter aus der Gruppe sog. „Weißfische“ wurden Brassen und Rotfedern mit relativ ge-
ringen Häufigkeiten von 4,0 % bzw. 5,6 % nachgewiesen. Bemerkenswert ist, dass von diesen
Arten ausschließlich Jungfische der AG 0 nachgewiesen werden konnten und das jeweils nur
in einem bestimmten Seebereich. Das nachgewiesene Jungfischaufkommen belegt aber, dass
im Gewässer auch (zumindest geringer) Bestand von Laichtieren vorkommen muss.
Als zweite gebietsfremde Art kam die Marmorgrundel mit einem Dominanzanteil von 4,7 %
vor.
Als seltenste Art wurde der Aal mit zwei Einzelindividuen (entsprechend einem Dominanzan-
teil von 0,3 %) nachgewiesen.
Die differenzierte Betrachtung der Ergebnisse in den einzelnen Befischungsstrecken (Abb. 8-
4) zeigt, dass die Fischbesiedlung in allen Teilbereichen (Becken) des Rheinauensees hinsicht-
lich des Vorkommens der häufigen Arten (Sonnenbarsch, Schleie, Hecht) sehr ähnlich war, in
einzelnen Aspekten aber auch auffällige Unterschiede aufwiesen. So wurden Brassen (als Ver-
treter der „Weißfische“) ausschließlich im Bereich des nördlichen Beckens (Strecke 6) nachge-
wiesen (jedoch nur in Form eines großen Schwarmes diesjähriger Jungfische (aus dem eine
Stichprobe von 26 Individuen gefangen werden konnte), irgendwo im Gewässer müssen sich
demnach auch nicht erfasste Elterntiere aufhalten). Rotfedern wurden ebenfalls nur in Form
diesjähriger Jungfische, aber ausschließlich im mittleren Bereich (Strecke 4) nachgewiesen,
auch hier müssen sich nicht erfasste Elterntiere irgendwo im Gewässer aufgehalten haben.Seite 44 von 73

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Tab. 8-2: Übersicht über die Ergebnisse der Elektrobefischungen im Rheinauensee Bonn
am 23.09.2019 - Fangzahlen und Dominanzen (relative Häufigkeit in %) in den ein-
zelnen Befischungsstrecken) (Verortung der Befischungen im Gewässer siehe Abb. 1)
Abb. 8-3: Dominanzstruktur des Gesamtfangs (relative Häufigkeit der Arten in %) aus den
Elektrobefischungen im Rheinauensee Bonn am 23.09.2019N % N % N % N % N % N % N %
Aal 1 0,9 1 1,1 2 0,3
Flussbarsch 5 2,3 10 14,7 17 14,5 24 34,3 8 9,2 64 9,9
Brassen 26 29,9 26 4,0
Hecht 22 10,0 5 7,4 15 18,5 13 11,1 5 7,1 4 4,6 64 9,9
Rotfeder 36 30,8 36 5,6
Schleie 80 36,2 17 25,0 38 46,9 20 17,1 6 8,6 25 28,7 186 28,9
Sonnenbarsch 110 49,8 24 35,3 27 33,3 27 23,1 35 50,00 13 14,9 236 36,6
Marmorgrundel 4 1,8 12 17,6 1 1,2 3 2,6 10 11,5 30 4,7
Summe 221 100 68 100 81 100 117 100 70 100 87 100 644 100
Strecke 5 Strecke 6
Fischart SummeStrecke 1 Strecke 2 Strecke 3 Strecke 4Seite 45 von 73

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Abb. 8-4: Dominanzstruktur
der Teilfänge (relative Häu-
figkeit der Arten in %) in
den einzelnen Befischungs-
strecken S-1 bis S-6 der
Elektrobefischungen im
Rheinauensee Bonn am
23.09.2019Seite 46 von 73

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Abb. 8-5 zeigt die ermittelten Abundanzen (CPUE als Individuen pro 500 m Befischungstrecke)
in den einzelnen Strecken, die naturgemäß eine gewisse Varianz aufwiesen. Die höchsten
Abundanzen wurden in Strecke 1 dokumentiert, hier betrug die Abundanz von Sonnenbarschen
183,3 [Ind./500m] und von Schleien 133,3 [Ind./500m].
Tab. 8-3: Übersicht über die Ergebnisse der Elektrobefischungen im Rheinauensee Bonn am
23.09.2019 - Abundanzen (CPUE = Individuen pro 500 m Befischungsstrecke) in
den einzelnen Befischungsstrecken)Strecke 1 Strecke 2 Strecke 3 Strecke 4 Strecke 5 Strecke 6 Mittel
CPUE CPUE CPUE CPUE CPUE CPUE CPUE
Aal 1,7 1,7 0,6
Flussbarsch 8,3 20,0 28,3 40,0 13,3 18,3
Brassen 1,7 0,3
Hecht 36,7 10,0 27,3 21,7 8,3 6,7 18,4
Rotfeder 60,0 10,0
Schleie 133,3 34,0 69,1 33,3 10,0 41,7 53,6
Sonnenbarsch 183,3 48,0 49,1 45,0 58,3 21,7 67,6
Marmorgrundel 6,7 24,0 1,8 5,0 16,7 9,0
Summe 368,3 136,0 147,3 195,0 116,7 103,3 177,8
FischartSeite 47 von 73

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Abb. 8-5: Vergleich der In-
dividuendichten (Individuen
pro 500 m Befischungs-
strecke) der nachgewiese-
nen Fischarten in den ein-
zelnen Befischungsstrecken
bei den Elektrobefischun-
gen im Rheinauensee Bonn
am 23.09.2019Seite 48 von 73

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8.2.3 Ergebnisse der Stellnetzbefischungen im Rheinauen-See Bonn
Tab. 8-4: Übersicht über die Ergebnisse der Stellnetznetzbefischungen im Rheinauensee Bonn
am 03./04.10.2019 - Fangzahlen und Dominanzen (relative Häufigkeit in %) in den
einzelnen Stellnetzen (Verortung der Stellnetzexpositionen im Gewässer siehe Abb.
1)
Abb. 8-6: Dominanzstruktur des Gesamtfangs (relative Häufigkeit der Arten in %) aus den
Stellnetzbefischungen im Rheinauensee Bonn am 03./04.10.2019
Tab. 8-4 gibt eine Übersicht über den bei den Stellnetzbefischungen im Rheinauensee Bonn am
03./04.10.2019 erzielten Gesamtfang und die Fangergebnisse der einzelnen Stellnetze. Es
wurde ein Gesamtfang von 294 Individuen erzielt, wobei die Fanzahlen in den einzelnen Netzen
zwischen minimal 12 Individuen (N-1) und maximal 163 (N-4) Individuen variierten.N % N % N % N % N % N % N %
Flussbarsch 10 83,3 18 94,7 16 84,2 160 98,2 42 65,6 13 76,5 259 88,1
Brassen 21 32,8 1 5,9 22 7,5
Hecht 1 8,3 2 1,2 2 11,8 5 1,7
Rotfeder 1 8,3 1 0,3
Schleie 1 5,9 1 0,3
Sonnenbarsch 1 5,3 3 15,8 1 0,6 1 1,6 6 2,0
Summe 12 100 19 100 19 100 163 100 64 100 17 100 294 100
Fischart Netz 1 Netz 2 Netz 3 Netz 4 Netz 5 Netz 6 SummeSeite 49 von 73

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Mit den Stellnetzbefischungen konnten keine zusätzlichen Arten nachgewiesen werden, alle
gefangenen Arten waren bereits durch die Elektrobefischungen dokumentiert worden.
Der Gesamtfang der Stellnetzbefischungen (Abb. 8-6) wies erwartungsgemäß jedoch eine stark
abweichende Dominanzstruktur auf und es konnten teilweise andere Größenklassen der vor-
kommenden Arten dokumentiert werden (Abb. 8-7). Wesentliches Ergebnis der Stellnetzbefi-
schungen ist die sehr hohe Dominanz des Flussbarsches (88,1 %), der damit in den tieferen
Freiwasserbereichen des Rheinauensees anders als in den Uferbereichen die mit Abstand häu-
figste Art war.
Tab. 8-5: Übersicht über die Ergebnisse der Stellnetznetzbefischungen im Rheinauensee Bonn
am 03./04.10.2019 - Errechnete Abundanzen (CPUE nach Formel 1, S. 6) (Verortung
der Stellnetzexpositionen im Gewässer siehe Abb. 1)
Die Fangergebnisse der einzelnen Netze werden nicht separat grafisch dargestellt, da aufgrund
der sehr hohen Dominanz des Flussbarsches in den Fängen keine nennenswerten Unterschiede
in der Zusammensetzung der Fänge zu verzeichnen waren.Netz 1 Netz 2 Netz 3 Netz 4 Netz 5 Netz 6 Mittel
CPUE CPUE CPUE CPUE CPUE CPUE CPUE
Flussbarsch 3,5 6,3 5,6 55,7 14,6 4,5 15,0
Brassen 7,3 0,3 1,3
Hecht 0,3 0,7 0,7 0,3
Rotfeder 0,3 0,1
Schleie 0,3 0,1
Sonnenbarsch 0,3 1,0 0,3 0,3 0,3
Summe 4,2 6,6 6,6 56,7 22,3 5,9 17,1
FischartSeite 50 von 73

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8.2.4 Kombinierte Darstellung der Ergebnisse von Elektro- und Stellnetzbefi-
schungen im Rheinauen-See Bonn
Abb. 8-7 zeigt eine Kombination der Ergebnisse von Elektro- und Stellnetzbefischungen im
Rheinauensee Bonn im Herbst 2019 (als Mittel der Dominanzen im Gesamtfang von Elektro
und Stellnetzbefischungen)2. Demnach ist der Flussbarsch als häufigste Fischart im Gewässer
einzustufen. In der Häufigkeit folgen die übrigen Arten wie in Kap. 8.2.2 beschrieben.
Abb. 8-7: Dominanzstruktur des Gesamtfangs beider Erhebungsmethoden (Elektrofischerei
und Stellnetzbefischungen) als Mittel von Elektro- und Stellnetzbefischungen im Rheinauensee
Bonn im Herbst 2019
Hinsichtlich der Größenklassenverteilung in den jeweiligen Gesamtfängen von Elektro- und
Stellnetzbefischung ist festzustellen, dass wie erwartet durch die Stellnetze teilweise höhere
Größen- bzw. Altersklassen nachgewiesen wurden. Dabei gelang mit den Stellnetzen insbeson-
dere der Nachweis auch von älteren Barschen (bis zur Größenklasse >30-40 cm) (Abb. 2.4) und
von älteren Brassen (bei den Elektrobefischungen wurde die Art ausschließlich in Form von
Brutfischen der AG 0 nachgewiesen) (Abb. 7).
2 Damit werden die beiden Erhebungsmethoden Elektrobefischung und Stellnetzbefischung gleich gewichtet, un-
abhängig davon wie hoch der jeweils erzielte Gesamtfang ist, was maßgeblich vom jeweiligen Befischungsauf-
wand bestimmt wird)Seite 51 von 73

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Abb. 8-8 Vergleich der Größenklassenverteilung der häufigeren Arten in den Gesamtfängen
der Elektrobefischungen und der Stellnetzbefischungen im Rheinauensee Bonn (Herbst 2019)Seite 52 von 73

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8.3 Diskussion und Bewertung
Die durch die Untersuchungsergebnisse dokumentierte Fischfauna im Rheinauensee umfasst
insgesamt 9 Arten und ist damit vergleichsweise artenarm.
Die nachfolgenden Ausführungen zu Häufigkeiten begründen sich auf die Gesamt-Dominanz
in der Methodenkombination von Elektro- und Stellnetzbefischungen. Hinsichtlich der men-
genmäßigen Zusammensetzung sind einige Besonderheiten hervorzuheben:
Häufigste Fischart im Rheinauensee war der der Flussbarsch. Bei den Elektrobefischungen wur-
den ausschließlich kleine Individuen der Altersgruppen 0 und 1 gefangen, dabei war der Fluss-
barsch zusammen mit dem Hecht die dritt-häufigste Art im Gesamtfang (Abb. 8-3). Der Fluss-
barsch ist eine anspruchslose Art, die in nährstoffbelasteten Parkgewässern ähnlich wie die
„Weißfische“ zu Massenvorkommen kleinwüchsiger Individuen neigt. Die kleineren Indivi-
duen sind i.d.R. plankti- und benthivor und erst die größeren Exemplare nehmen eine räuberi-
sche Lebensweise an. Bei den Elektrobefischungen wurden tatsächlich fast ausschließlich
kleine Individuen gefangen, jedoch erbrachten die Netzbefischungen dann davon abweichend
auch vermehrt Nachweise größerer Individuen. Insgesamt zeigen die Befischungsergebnisse
aber, dass der Flussbarsch wenn auch insgesamt als häufigste Art (Abb. 8-7) im Rheinauensee
nur in moderater Bestandsstärke vorkommt.
Zweit-häufigste Fischart im Rheinauensee war der Sonnenbarsch (Lepomis gibbous), eine ge-
bietsfremde, ursprünglich aus Nordamerika stammende Kleinfischart, die in hiesigen Gewäs-
sern Körpergrößen von maximal 15 cm erreicht. Die Art ist relativ wärmeliebend und in Park-
gewässern und Auengewässern in der Rheinschiene relativ weit verbreitet. Sonnenbarsche be-
treiben Brutpflege und häufig können in den Sommermonaten die Männchen, die Nester in
sandigen Flachwasserzonen betreuen, gut beobachtet werden. Die Art ist wie alle Barschartigen
räuberisch und dürfte mit den dokumentierten hohen Besiedlungsdichten einen Einfluss auf das
Makrozoobenthos und das Brutaufkommen der heimischen Fischarten im Gewässer haben. Es
wurden sowohl große, adulte Tiere als auch zahlreich diesjährige Brut nachgewiesen. Die Art
wurde fast ausschließlich bei den Elektrobefischungen erfasst, deren Gesamtfang sie als häu-
figste Art dominierte. Die bei den Untersuchungen gefangenen Sonnenbarsche wurden als ge-
bietsfremde Arten (die nicht ausgesetzt und verbreitet werden dürfen) nicht wieder in das Ge-
wässer zurück gesetzt, sondern entnommen und einer sinnvollen Verwertung zugeführt. Der
Sonnenbarsch ist der EU-Unionsliste der invasiven Arten aufgeführt (s. Kap. 10).
Insgesamt dritt-häufigste Art im Gewässer war die Schleie, eine Cypriniden-Art, die sehr stark
an Unterwasserpflanzen-Bestände gebunden ist und die typischerweise pflanzenreiche Stillge-
wässer (insbesondere Flachseen) besiedelt. Die Art ist zudem wärmeliebend und scheint unter
den gegebenen Bedingungen mit den sehr gut entwickelten Unterwasserpflanzenbeständen im
Rheinauensee gute Lebensraumbedingungen vorzufinden. Es wurden wenige adulte, aber sehr
zahlreich subadulte Individuen und auch diesjährige Jungfische gefangen, die eine erfolgreiche
natürliche Reproduktion der Art im Gewässer belegen. Schleien wurden ähnlich wie die Son-
nenbarsche fast ausschließlich in den Deckungsstrukturen der dichten Unterwasservegetation
bei den Elektrobefischungen gefangen, in deren Gesamtfang sie die zweit-häufigste Art waren.
Bemerkenswert waren die hohen Fangzahlen und die offensichtlich hohe Bestandsdichte von
Hechten im Gewässer. Es wurden sowohl adulte (und dabei einzelne auch sehr große Individuen
wie ein Exemplar von 1,2 m Länge) als auch subadulte Individuen und besonders zahlreiche
diesjährige Junghechte gefangen, die eine sehr erfolgreiche natürliche Reproduktion der Art im
Gewässer und ein hohes Jungfischaufkommen belegen. Die dichten Unterwasserpflanzenbe-
stände bieten offensichtlich sowohl gute Reproduktionsbedingungen (Laichsubstrat) als auchSeite 53 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
Deckungsstrukturen und Standplätze. Der Umstand, dass Hechte als Top-Prädatoren im Ge-
wässer als insgesamt dritt- oder viert-häufigste Art vorkamen, wirft die Frage auf, welche Arten
dem Hecht im Gewässer als Hauptbeute dienen. Grundsätzlich können natürlich auch die ver-
steckter lebenden und damit schwerer zugänglichen Arten wie Sonnenbarsch und Schleie als
Hauptbeute dienen (auch kann Kannibalismus eine bedeutende Rolle spielen), dennoch ist es
erstaunlich, dass keine größeren Bestände von Weißfischen nachgewiesen werden konnten, die
häufig die Hauptbeute von Hechten in Parkgewässern darstellen.
Das Fehlen oder die Seltenheit von Weißfischen wie Rotaugen, Brassen, Güster, Rotfedern etc.
ist eine weitere Besonderheit der Fischartengemeinschaft im Rheinauensee. Zwei Arten, Rot-
feder und Brassen wurden als diesjährige Brutfische nachgewiesen, womit dokumentiert ist,
dass eine Reproduktion stattfindet und dass demnach auch adulte geschlechtsreife Individuen
im Gewässer vorhanden sein müssen. Auffälligerweise wurden die beiden Arten jeweils nur in
bestimmten Seeteilen gefangen. Dass jedoch weder bei der Elektrobefischung noch bei den
Stellnetzbefischungen größere Individuen gefangen werden konnten, ist ein deutlicher Hinweis
darauf, dass die Bestände dieser Arten im Gewässer nur gering sein können. Dies ist insofern
bemerkenswert, als dass diese Arten in nährstoffbelasteten Parkgewässern häufig Massenvor-
kommen von kleinwüchsigen Individuen entwickeln, die durch ihre Planktivorie („Zooplank-
ton-Fressen“) den trophischen Status der Gewässer massiv beeinflussen können. Interessant ist
in diesem Zusammenhang auch, dass nach Aussagen des Pächtervereins früher auch Besatz von
Rotaugen erfolgt ist, die aber im Gewässer offensichtlich nicht besonders gedeihen, da keine
Nachweise erfolgten.
Im Rahmen der Befischungen konnten keine Karpfen gefangen werden. Gleichwohl konnten
am Befischungstermin einzelne Karpfen im Gewässer beobachtet werden. Über die Größe und
Altersstruktur des vorhandenen Karpfen-Bestandes können aber keine Aussagen getroffen wer-
den. Nicht selten ist es so, dass in Parkgewässern ein überalterter Karpfen-Bestand vorkommt,
der sich nicht (regelmäßig) reproduziert und auf frühere Besatzmaßnahmen gründet. Grund-
sätzlich können große Karpfen durch das Gründeln am Gewässergrund Wasserpflanzenbe-
stände erheblich schädigen und wesentlich zur Resuspendierung von Nährstoffen aus dem Se-
diment beitragen und damit den trophischen Status von Gewässern erheblich beeinträchtigen.
In Konzepten zur Sanierung von Gewässern wird daher im Allgemeinen empfohlen, Großkarp-
fen–Bestände zu reduzieren oder gänzlich aus dem Gewässer zu entfernen. An den Untersu-
chungsterminen ergaben jedoch weder die Direktbeobachtung von Karpfen noch Befunde an
der Unterwasservegetation oder den Sedimenten Hinweise darauf, dass im Rheinauensee eine
derartige Problemlage gegeben wäre.
Im Rahmen der Elektrobefischungen wurden insgesamt zwei Aale nachgewiesen. Damit war
der Aal insgesamt die seltenste Fischart im Rheinauensee, die offensichtlich nicht mit einem
größeren Bestand vorkommt. Da der Rheinauensee ein abgeschlossenes Parkgewässer darstellt,
ist es unwahrscheinlich, dass Aale das Gewässer auf natürlichem Wege besiedelt haben (sofern
keine Einwanderung aus dem Rhein bei Hochwasser erfolgt ist), wahrscheinlicher ist, dass sie
durch Besatz eingebracht wurden. Aale werden häufig auch von Fischereipächtern in ihre
Pachtgewässer eingesetzt. Inwieweit dies auch für den Rheinauensee gilt, ist nicht bekannt.
Neben den bisher besprochenen Arten konnte noch die Marmorgrundel bei den Elektrobefi-
schungen relativ regelmäßig im gesamten Rheinauensee nachgewiesen werden. Dabei handelt
es sich um eine bodenlebende Kleinfischart (die kaum mehr als 8 cm Länge erreicht), die als
gebietsfremde Art Ende der 1990er Jahre aus der ponto-kaspischen Region in das Rheinsystem
eingewandert ist und sich in der Rheinschiene ausgebreitet hat. Anders als die später hinzuge-
kommenen invasiven Arten aus der Gruppe ponto-kaspischer Grundeln hat die Marmorgrundel
im Rhein keine Massenvorkommen aufgebaut. Vielmehr ist sie im Rhein heute sogar sehr seltenSeite 54 von 73

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lanaplan Grundlagenerhebung Rheinauensee 2019
und kommt vornehmlich nur noch in verschiedenen Zuflüssen und in rheinangebundenen, ste-
henden Auengewässern vor. Die Lebensraumbedingungen im Rheinauensee entsprechen weit-
gehend denen wie sie auch in Rheinauengewässern herrschen, die von Marmorgrundeln in hö-
heren Dichten besiedelt werden. Ob die Besiedlung ursprünglich durch ausgesetzte Tiere oder
durch eine Einwanderung von Tieren aus dem Rhein bei Hochwässern erfolgt ist, bleibt unklar.
Aktuell wird der Rheinauensee von einer größeren und reproduktiven Population besiedelt.
Diese hat jedoch keine erkennbaren ökologischen Auswirkungen auf die Fischartengemein-
schaft oder den Zustand des Gewässers.
Es lagen keine auswertbaren Informationen zur fischereilichen Bewirtschaftung (Besatz- und
Fangstatistiken) des Rheinauensees vor. Insofern können keine Aussagen über den Einfluss der
Bewirtschaftung auf die Ausprägung des Fischbestandes getroffen werden. Mündlichen Berich-
ten des Gewässerwartes ist zu entnehmen, dass die angelfischereiliche Nutzung wohl nur sehr
extensiv erfolgt, dass aber (zumindest früher) Besatzmaßnahmen durchgeführt worden sind,
darunter auch mit Rotaugen. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass die Art überhaupt nicht
nachgewiesen werden konnte,
Fazit:
Die Ergebnisse der Fischbestandsuntersuchung im Rheinauensee und die beschriebenen Cha-
rakteristika der Artengemeinschaft und der dominierenden Arten lassen nicht erkennen, dass
eine wesentliche Beeinträchtigung des ökologischen Zustands oder der trophischen Situation
des Gewässers durch den Fischbestand erfolgt. Es waren keine Massenvorkommen oder auch
nur größere Bestände der Arten zu verzeichnen, die üblicherweise entsprechende Probleme ver-
ursachen oder anzeigen. Ebenso ergaben sich keine Hinweise auf eine generell zu hohe Bio-
masse an Fischen.
Es gibt daher keine Veranlassung, im Zusammenhang mit einer ökologischen Sanierung des
Gewässers Eingriffe in den Fischbestand und entsprechende biomanipulative Ansätze (wie Re-
duzierung planktivorer Fische, gezielte Förderung von Raubfischen) zu verfolgen.
Hiervon unberührt bleibt der Grundsatz, dass gebietsfremde Arten (im vorliegenden Fall Son-
nenbarsch [s. Kap. 10] und Marmorgrundel) nicht weiter verbreitet und möglichst reduziert
werden sollten. Sofern sich bei Befischungen für Untersuchungen oder im Rahmen der geplan-
ten Gewässersanierung die Möglichkeit ergibt, sollten die Sonnenbarsche konsequent aus dem
Gewässer entnommen werden.Seite 55 von 73

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9 Vögel und Säugetiere
Während der Geländeuntersuchungen wurden z.T. große Bestände (>300 Tiere) an nicht hei-
mischen Nil-, Grau- und Kanadagänsen am Rheinauensee beobachtet. Desweiteren wurden re-
gelmäßig Nutrias gesichtet; häufig wurden Nutrias auch von Parkbesuchern gefüttert.
Nutria und Nilgans sind in der EU-Unionsliste der invasiven Arten aufgeführt (s. Kap. 10).
Abb. 9-1, 9-2: Nilgänse am Ufer des Rheinauensees im August 2019 (links) und Gruppe von
Nutrias unmittelbar am Ufer im März 2019 (rechts)Seite 56 von 73

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10 Invasive Arten
Bei der vorliegenden Planung ist auch die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention
und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten zu be-
achten.
Am 1. Januar 2015 trat die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Ma-
nagement der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten in Kraft (rechtli-
cher Rahmen). Die Verordnung sieht ein gestuftes System von Prävention, Früherkennung und
sofortiger Beseitigung sowie dem Management bereits weit verbreiteter invasiver Arten vor
(https://neobiota.bfn.de/unionsliste.html).
Im Rahmen der Untersuchungen (s. Kap. 8, 9) wurden die folgenden Arten der EU-Unionsliste
der invasiven Arten nachgewiesen (s. Tab. 10-1):
Tab. 10-1: Liste der im und am Rheinauensee nachgewiesenen invasiven gebietsfremden Arten
gemäß EU-Unionsliste
Management- und Maßnahmenblatt
Nutria Myocastor coypus x
Nilgans Alopochen aegyptiaca x
Sonnenbarsch Lepomis gibbosus
Aus der Rio-Konvention und § 40 des BNatG ergibt sich die Erfordernisse zur Beobachtung
und zur Prävention der Ausbreitung potentiell invasiver Arten sowie zur Bekämpfung bereits
verbreiteter invasiver Arten zum Schutz der biologischen Vielfalt. Hierbei muss die Verhält-
nismäßigkeit der Mittel - Aufwand und Erfolg - gewahrt sein. Es wird ein dreistufiges Konzept:
1. Prävention, 2. Früherkennung und rasches Eingreifen sowie 3. Maßnahmen zur Kontrolle
und Eindämmung der weiteren Ausbreitung (https://neobiota.naturschutzinformationen-
nrw.de/site/nav2/EinleitungMass.aspx).
Für die in Deutschland bereits weit verbreiteten Arten der Unionsliste sind innerhalb von 18
Monaten nach ihrer Aufnahme in die Unionsliste wirksame Managementmaßnahmen zu ent-
wickeln. Für die betroffenen Arten der ersten Unionsliste wurden von den Bundesländern ge-
meinsam entsprechende Maßnahmenblätter erarbeitet, die als einheitliche Richtlinie und
Grundlage für das Management dieser Arten dienen sollen. Die Umsetzung der entwickelten
Maßnahmen liegt bei den Bundesländern, die Länder entscheiden über die Priorisierung und
Auswahl der konkret zu treffenden Maßnahme. Jede Maßnahme muss nach anerkannten
Grundsätzen im Einzelfall abgewogen werden (https://neobiota.bfn.de/unionsliste/art-19-ma-
nagement.html).
Für Nutria und Nilgans liegen Management- und Maßnahmenblätter vor:
Nutria: Abschuss oder Lebendfang bei anschließender Tötung. Sofern nicht bereits im länder-
spezifischen Jagdrecht geregelt, sollte auf die Verwendung offener Drahtgitterfallen verzichtet
werden. Beim Fallenfang sollten Fallenmelder eingesetzt werden, die eine elektronische Be-
nachrichtigung z. B. via Smartphone ermöglichen. Die Bejagung ist möglich, soweit über die
Jagdgesetze der Länder zugelassen, erfordert aber die Bereitschaft und freiwillige MitwirkungSeite 57 von 73

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des Jagdausübungsberechtigten. (https://neobiota.naturschutzinformationen-
nrw.de/site/files/neobiota/massnahmenblaetter/Nutria%20%E2%80%93%20Management-
%20und%20Ma%C3%9Fnahmenblatt_03_2018_UAK%20end.pdf)
Nilgans: Sofern die Nilgans dem Jagdrecht in einem Bundesland unterliegt: regelmäßige Beja-
gung bis hin zur Durchführung professionell organisierter Lockjagden und an-schließende Nut-
zung entnommener Exemplare; Unterlassung von Hegemaßnahmen. Die Bejagung der Nilgans
findet bereits in einigen europäischen Ländern statt (GB, Niederlande, Belgien, Dänemark und
Deutschland). Fallenfang und Fang mit Netzen können dort, wo nach Länderrecht zulässig,
unterstützend bei der Entfernung von Einzelindividuen wirken. Sofern Maßnahmen entgegen-
sachlicher (Fangverbot, Verwendung bestimmter Fallen oder Fangmethoden),örtlicher (z.B. be-
friedete Bezirke) oder zeitlicher (z.B. Elterntierschutz) Beschränkungen nach Jagdrechtdurch-
geführt werden sollen, sind vorab die entsprechenden Ausnahmennach Jagdrecht einzuholen.
Sofern die Nilgans in einem Bundesland nicht dem Jagdrecht unterliegt, bedarf die Ent-nahme
mittels Fallen oder Netzen einer Ausnahme gemäß § 4 Abs. 3 BArtSchV. (https://neobiota.na-
turschutzinformationen-nrw.de/site/files/neobiota/massnahmenblaet-
ter/Nilgans%20MMB%2006_2019%20UAK%20end.pdf)
Für den Sonnenbarsch werden präventive Maßnahmen wie strenge Besatzrestriktion und ent-
sprechende Exekution empfohlen. In kleinen, abgeschlossenen Gewässern (z. B. Baggerseen)
ist auch eine Bestandselimination denkbar (https://neobiota.bfn.de/handbuch/fische/lepomis-
gibbosus.html).
Darüber wurden weitere invasive gebietsfremde Arten nachgewiesen, die zwar nicht in der
Unionsliste aufgeführt sind, aber nach BACH et al. (2019) von ökologischer bzw. wasserwirt-
schaftlicher Bedeutung sind. Hierzu zählen die Marmorgrundel (Oxyeleotris marmorata) und
die Kanadagans (Branta canadensis).
11 Zielsetzungen für den Rheinauensee
Im Rahmen der Besprechungen (LANAPLAN 2018) wurden die Zielsetzungen für den Rheinau-
ensee wie folgt formuliert:
Der Rheinauensee dient primär der Erholungsnutzung. Das Wasser soll flächendeckend durch
Boote (Tret-, Ruder-, Modellboote) genutzt werden können (Ziel 1). Ökologische Funktionen
sind ebenfalls relevant. Zu den ökologischen Funktionen zählt auch ein „gesundes Gewässer
ohne massives Tiersterben“ (Ziel 2). Für die Nutzer der Wege und Grünflächen sind land-
schaftsästhetische Anforderungen zu berücksichtigen (z.B. ein See ohne fädige Grünalgen, Ziel
3). Von nachgeordneter Bedeutung ist die Angelnutzung.Seite 58 von 73

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12 Zusammenfassende Auswertung als Grundlage für Maßnah-
menvorschläge
Die Maßnahmen lassen sich aus der Kombination des Anlasses (s. Kap. 1), der Grundlagen
(Kap. 3-9) und der Zielsetzung ableiten. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass
im Jahr 2018 massives Fisch- und Vogelsterben erfolgte, aber nicht im Jahr 2019.
Die Bootsnutzung ist aktuell eingeschränkt, Ursache hierfür sind Massenentwicklungen von
Wasserpflanzen incl. fädigen Grünalgen (s. Kap. 6). Für Wasserpflanzen und Grünalgen incl.
Blaualgen ist Phosphor der entscheidende Nährstoff. Bei höheren Phosphor-Werten können
Wasserpflanzen die Wasseroberfläche erreichen (s. Abb. 12-1).
Abb. 12-1: Trophiestufen, abiotische Parameter und pflanzliche Besiedlung in Flachseen (nach
POTT & REMY 2000, verändert)
Im Rheinauensee ist dies der Fall (s. Kap. 5). Die Gesamt-Phosphorgehalte im Rheinauensee
sind insbesondere im mittleren Teil mit 72,8 μg L-1 hoch und liegen hier über dem Orientie-
rungswert der OGewV, der mit 55 μg L-1 angegeben ist. In den Seeteilen West und Ost liegen
die Werte zwar unter Orientierungswert der OGewV, doch ist hier wie im mittleren Teil des
Sees der Phosphorgehalt im Sediment mittel-hoch. Da die viele Wasserpflanzen ihre Nährstoff-
versorgung auch über die Wurzeln bzw. das Sediment abdecken können, ist das Sediment eine
wichtige Quelle für Nährstoffe, hier insbesondere Phosphor. Zudem weisen die Daten darauf
hin, dass aus dem Sediment Freisetzung von Phosphor in das Freiwasser erfolgt (s. Kap. 4.2,
5.2.1, 5.2.2). Das Sediment ist somit eine wichtige Nährstoffquelle.Seite 59 von 73

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Tab. 12-1: Rheinauensee, Phosphorgehalte und Trophie-Einstufung
West Mitte Ost
Gesamt-Phos-
phorgehalt
Rheinauensee,
Mittelwert (μg L-
1)
30,8 ± 9,2 72,8 ± 21,5 41,2 ± 17,3 Orientierungswert
nach OGewV: 55
Trophie Wasser mesotroph polytroph 1 eutroph 2
Phosphorgehalt
Sediment
mittel/hoch hoch mittel/hoch
Eine weitere Nährstoffquelle sind die Zuläufe. Die Gesamt-Phosphorgehalt der Zuläufe liegen
mit 115,8 μg L-1 (Mittelwert) erheblich über Orientierungswert der OGewV, der mit 55 μg L-1
angegeben ist. Die Zuläufe sind somit auch eine wichtige Nährstoffquelle.
Abb. 12-3: Gesamtphosphor (μg L-1) im Ab- und Zufluss
Weitere Nährstoffquellen sind Eintrag durch Wasservögel, Laubeintrag und die Atmosphäre
(Deposition).
Unter den aktuellen Bedingungen sind regelmäßig in der Vegetationsperiode Massenent-
wicklungen von Wasserpflanzen und Algen incl. Blaualgen mit ihren Folgewirkungen zu er-
warten. Eine wesentliche direkte Wirkung sind Einschränkungen des Bootsverkehrs (Wasser-
pflanzen). Zudem sind Blaualgen potenziell toxisch und können sich somit auf Fische und Vö-
gel auswirken.
Zu den Folgewirkungen gehören tagsüber Erhöhungen des pH-Wertes, der potenziell wiederum
die Bildung des fischtoxischen Ammoniaks aus Ammonium begünstigt. Im Jahr 2019 waren
die diesbezüglichen Messwerte zum pH-Wert allerdings unauffällig. Eine weitere Folgewir-
kungen der starken pflanzlichen Produktion sind Sauerstoffzehrungen der Pflanzen in derSeite 60 von 73

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Nacht, die potenziell zu Sauerstoffdefiziten (Hypoxie) und als Folge zur Toxizität von Fischen
führen können. Aus dem Jahr 2019 liegen nur Einzelmessungen zum Sauerstoff (tagsüber) vor,
die unauffällig waren. Das vorgeschlagene Sauerstoffüberwachungs- und Frühwarnsystem
wurde bisher noch nicht installiert. Eine weitere Folgewirkung der starken pflanzlichen Pro-
duktion ergibt sich bei der Zersetzung bzw. dem Abbau der Wasserpflanzen und Algen. Durch
den mikrobellen Abbau steigt die Sauerstoffzehrung, was wiederum zu Sauerstoffdefiziten und
als Folge zur Toxizität von Fischen führen kann. Im sauerstoffarmen Milieu können sich zudem
Clostridien entwickeln, deren Gift (Botulin) ebenfalls toxisch ist. Für die Entwicklung von
Clostridien sind zudem die absterbenden pflanzlichen Bestandteile von Vorteil, da die Clostri-
dien die Proteine als Nahrungsquelle nutzen.
Abb. 12-4: Wirk-Zusammenhänge zwischen Nährstoffen, pflanzlichen Massenentwicklungen
und deren Folgewirkungen im Rheinauensee
Nachfolgend werden externe und interne Maßnahmen beschrieben. Die externen Maßnahmen
beziehen sich auf das Einzugsgebiet, die internen auf den See (DWA 2006).
12.1 Externe Maßnahmen
Die externen Maßnahmen haben primär zum Ziel, die Nährstoffzufuhr aus dem Einzugsgebiet
des Rheinauensees zu minimieren. Bei den Maßnahmen nicht betrachtet wird die atmosphäri-
sche Deposition.
12.1 Zuflüsse
Die Zuflüsse zum Rheinauensee sind hydraulisch von hoher Bedeutung für die Rheinauenseen.
Sie sind allerdings zugleich auch ungewünscht eine bedeutende Nährstoffquelle. Da auf die
Einspeisung von Wasser für das Wasserregime der Rheinauenseen nichtverzichtet werdenSeite 61 von 73

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kann, sollten qualifizierte Aufbereitungs- bzw. Konditionierungsmaßnahmen des Zulaufwas-
sers geprüft werden. Derartige Maßnahmen könnten z.B. das Ziel haben, den zugeführten Phos-
phorgehalt abzusenken (Elimination) oder seine Pflanzenverfügbarkeit durch Festlegung zu
mindern. Der Zufluss könnte auch zur Beifügung von Stoffen genutzt werden, die im See eine
positive Wirkung zum Beispiel auf den Sedimentstatus entwickeln können und die Freisetzung
von Nährstoffen aus dem Sediment drosseln könnten.
Für die spezifische Ableitung geeigneter Maßnahmen für den konkreten Fall der Rheinauenseen
sind weitere Untersuchungen zur Zulaufbeschaffenheit erforderlich.
12.2 Laub
Laubeintrag kann in innerstädtischen Parkseen wie dem Rheinauensee eine erhebliche Rolle in
Bezug auf den Eintrag von Nährstoffen haben (DWA 2006).
Durch die am Ufer des Rheinauensees wachsenden Bäume erfolgt Laubeintrag in den See. Es
bleibt zu prüfen, ob eine Reduktion des Baumbestandes im Uferbereich möglich ist. Hierbei
sind auch landschaftsästhetische/gestalterische Aspekte relevant.
12.3 Gänse
Durch die Gänse (Nil-, Grau- und Kanadagänse) erfolgt eine Verkotung der Grünlandflächen.
Diese Flächen sind als Liegeflächen für Menschen nicht nutzbar. Zudem wird der Kot bei Re-
gen in den Rheinauensee eingetragen. Hierdurch gelangen Nährstoffe und potentiell auch
Keime in den See (DWA 2006).
Gute Erfahrungen zum Management von nicht heimischen Nil-, Grau- und Kanadagänsen sind
Zäune am Gewässerufer (s. Abb. 12-5). Gänse bevorzugen Wasserflächen mit kurzrasiger Ve-
getation im Uferbereich. Die Zäune können als Erstmaßnahme eingesetzt werden, danach kann
– falls es dem Grünflächenkonzept und den Anforderungen der Erholungsnutzung entspricht –
auch höherwüchsiger Ufervegetation entwickelt werden (Mahd im Abstand von 3-5 Jahren oder
ggf. Brache).
Abb. 12-5, 12-6: Vogelinsel mit verkoteten Grünlandflächen und Nilgänsen (links); Zaun am
Gr. Toeppersee zum Management von Gänsen.
Zum Management von Nil-, Grau- und Kanadagänse gibt es weitere Maßnahmen. In Neuss
wird ein Kotsauger eingesetzt (Saug-Kehrwagen Trilo SG 300), in anderen Seen erfolgt eine
Regulierung der Populationsgrößen durch Anstechen bzw. Einölen der Eier. Hierbei sind jagd-
rechtliche Aspekte zu beachten.
Außerdem sollten Hinweiss

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

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Datenstand: 03.11.2026, 10:29 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de