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200531-04 · Beschlussvorlage

Einleitung des Vergabeverfahrens zur Sanierung des Rheinauensees

Nummer
200531-04
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
16.06.2021
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung des Rates 28.06.2021 Entscheidung federführend
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  1. 200531 Sanierung des Rheinauensees

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Beschlussvorlage
öffentlich
200531-04
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Einleitung des Vergabeverfahrens zur Sanierung
des Rheinauensees
Beratungsfolge
Rat 24.06.2021 Eilentscheidung
Begründung der Dringlichkeit:
Auf Grund von Prüfung kostengünstiger Alternativen sowie notwendiger
Abstimmungen der Planung, welche umfangreicher als geplant waren, konnte
der Einleitungsbeschluss erst zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt werden. Eine
Umsetzung der Maßnahme ist unter anderem aus ökologischen Gründen nur
im Winter möglich, weshalb die Ausschreibung bereits Ende Juli erfolgen muss.
Eine Verzögerung würde zu einer Verschiebung der Maßnahme um ein Jahr
führen. Auf Grund der Verzögerung wäre mit einer Steigerung der Baukosten
zu rechnen. Des Weiteren würden Fördermittel verfallen. Zusätzlich steigt das
Risiko, dass weitere Tiere im Sommer 2022 verenden könnten.
Daher ist es dringlich, den Beschluss noch vor der Sommerpause zu erhalten.
Die Sitzung des für die Einleitung dieses Vergabeverfahrens zuständigen
Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe am 09.06.2021 konnte
nicht mehr erreicht werden, sodass der Rat direkt entscheiden muss.
Beschlussvorschlag
Der Rat zieht die Entscheidung in diesem Einzelfall gemäß § 7 Abs. 2 der
Hauptsatzung an sich.
Der Einleitung des Vergabeverfahrens zur Ausschreibung „Sanierung des
Rheinauensees“ wird zugestimmt.
Begründung
Der Rheinauensee ist ein künstliches, stehendes Gewässer, welches 15 ha
Fläche und eine mittlere Tiefe von einem Meter aufweist. Der im Rahmen der
Bundesgartenschau 1979 angelegte See wird durch mehrere Druckleitungen
mit Grundwasser, welches zuvor dem Post-Tower als Kühlwasser diente,
gespeist und hat mehrere Überläufe in den Rhein (vgl. DS.Nr. 1812894).
Für die Nutzer*innen des Rheinauenparks ist das mit dem Rheinauensee
verbundene attraktive Gesamtbild der Parkanlage von sehr großer Bedeutung,
insbesondere, um sich in der größten Grünanlage der wachsenden Stadt BonnSeite 1 von 5
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gut erholen zu können. In den heißer werdenden Sommermonaten kommt
zudem schattigen Parkanlagen mit Gewässern wie im Rheinauenpark
besondere Bedeutung zu. Ökologische Funktionen sind ebenfalls relevant. Zu
diesen ökologischen Funktionen zählt auch ein „gesundes Gewässer ohne
massives Tiersterben“. (vgl. gutachterliche Aussage des Fachbüros Lanaplan
der ‚Empfehlungen zum Management des Rheinauensees in Bonn‘ vom
13.07.2018)
Von nachgeordneter Bedeutung ist die Angelnutzung. Das Wasser wird in
verschiedenen Seeabschnitten auch durch Boote (Tret-, Ruder-, Modellboote)
genutzt.
Im Rheinauensee kam es im Jahr 2018 zu Fisch- und Vogelsterben. Zusätzlich
war die Bootsnutzung durch ein massives Algenwachstum beeinträchtigt. Zur
Bekämpfung wurde ein Mähboot eingesetzt. Darüber hinaus befindet sich auf
den angrenzenden Grünflächen starker Koteintrag von nicht heimischen Nil-,
Grau- und Kanadagänsen, der die Nutzung der Grünflächen einschränkt.
Zur Analyse des Gewässers wurde 2018 das Fachbüro Lanaplan beauftragt,
Maßnahmen vorzuschlagen, welche kurzfristig umgesetzt werden können,
sowie eine Empfehlung zur nachhaltigen Seesanierung zu geben (vgl. DS.Nr.
1812002).
Von November 2018 bis Oktober 2019 wurden unterschiedliche Messungen
vorgenommen. Diese ergaben, dass der Phosphatgehalt im See hoch ist. Dies
liegt unter anderem an den Zuflüssen, welche mehr als das doppelte des
Orientierungswertes aufweisen. Die noch höheren Phosphatwerte an den
Abflüssen lassen darauf schließen, dass ein Teil des im Sediment gebundenen
Phosphates freigesetzt wird. Neben dem üblichen Eintrag von Laub etc. erfolgt
durch die Gänse eine Verkotung der Grünlandflächen. Bei Regen wird der Kot
in den Rheinauensee eingetragen. Hierdurch gelangen Nährstoffe und
potentiell auch Keime in den See.
Phosphor ist als wesentlicher Nährstoff der Grund für das massive Algen- und
Pflanzenwachstum. Dieses kann dazu führen, dass durch die
Stoffwechselvorgänge der Pflanzen der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt.
Hierdurch wird das Sediment nur eingeschränkt bzw. gar nicht aerob abgebaut.
Unter diesen Bedingungen können sich ‚Botulismusbakterien‘ ansiedeln.
Das Gewässer wird als ‚eutroph 2‘ im Übergang zu ‚eutroph 1‘ bewertet.
Eutroph sind Gewässer mit hohem Phosphatgehalt und daher hoher Produktion
von Biomasse. Die kalte Bodenschicht eutropher Gewässer wird im Sommer
sehr sauerstoffarm. Der Boden ist mit einer Schicht aus Faulschlamm bedeckt.
Der Eutrophierungsgrad eines Gewässers wird noch einmal in zwei Stufen
unterteilt. Demnach liegt der Rheinauensee zwischen diesen Stufen.
Die Befischung hat ergeben, dass der See mit zehn Fischarten, wovon zwei
gebietsfremd sind, artenarm ist. Eine der gebietsfremden Arten – der
Sonnenbarsch – ist die zweithäufigste Art im Rheinauensee. Der Aal ist die am
schwächsten vertretene Art. Diese steht auf der Roten Liste und wurde
wahrscheinlich eingesetzt.
Neben dem Sonnenbarsch kommen als weitere invasive, gebietsfremde Arten
Nutrias und Nilgänse in sehr großer Stückzahl vor. Gem. EU-Verordnung Nr.
1143/2014 und §40 BNatschG sind diese Arten in diesem Verbreitungsumfang
zum Schutz der biologischen Vielfalt zu bekämpfen.Seite 2 von 5
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Bereits 2018 erfolgte das Anlegen eines Margeriten-Gürtels entlang
ausgewählter Uferbereiche, welche dafür geeignet sind, Gänse an diesen
Stellen fern zu halten und somit den Nährstoffeintrag zu reduzieren. (vgl.
gutachterlich Aussage des Fachbüros Lanaplan vom 13.07.2018)
Weiterhin erfolgte ein Fütterungsverbot für Wildtiere und Fische, welches die
weitere Verbreitung und Anlockung von Gänsen und Nutrias verhindern, sowie
den Nährstoffeintrag reduzieren soll.
Im Seebereich West und Mitte wurde ein Sauerstoffüberwachungssystem
installiert. Gleiches erfolgt aktuell auch für den östlichen Gewässerteil.
Hierdurch kann ein Sauerstoffabfall frühzeitig erkannt, entsprechende
Maßnahmen eingeleitet und somit einem erneuten Tiersterben vorgebeugt
werden. Es erfolgte der Einsatz eines Mähbootes, um bei massiver Algen- und
Vegetationsentwicklung die organische Masse zu reduzieren und
Sauerstoffmangel durch Stoffwechselvorgänge vorzubeugen.
Als Anlage ist ein Lageplan der Seebereiche beigefügt.
Maßnahme
Ziel der geplanten Maßnahmen ist durch das Anlegen einer nachhaltigen
Seegrundbepflanzung eine dauerhaft bessere Wasserqualität sicherzustellen.
Dazu werden eine 15 cm starke Sandauflage, welche ebenfalls als Biofilter
fungiert, aufgebracht sowie Armleuchteralgen gepflanzt. Bei der Anlegung des
Sees zur Bundesgartenschau im Jahr 1979 wurde eine solche
Vegetationsschicht nicht angelegt. Durch die erstmalige Anlegung einer
Seegrundbepflanzung wird der See dahingehend verändert und aufgewertet,
sodass einerseits eine Nährstoffbindung erfolgt und andererseits ein natürlicher
Biofilter bzw. eine Filterschicht vorhanden ist. Durch diese Nutzungs-
/Funktionserweiterung auch in ökologischer Hinsicht erhält der See die
Fähigkeit für eine bessere Wasserqualität zu sorgen. Voraussetzung für die
Umsetzung dieser Maßnahme ist, dass zunächst die Entschlammung des Sees
vorgenommen wird. Nach der Wiederbefüllung erfolgt ein Neubesatz mit
Fischen. Hierbei wird zur Verbesserung der Ökosystemstabilität, eine hohe
Fischartenanzahl mit entsprechend hohem Raubfischanteil berücksichtigt. (vgl.
Gutachten des Fachbüros Lanaplan vom 20.12.2019)
Unter besonderer Berücksichtigung der Einstufung des Schlammes in die
Deponieklasse II ist aktuell von Kosten in Höhe von 4,8 Mio. € auszugehen.
Diese Kosten sind im Haushalt 2021/22 (Entwurf) berücksichtigt. Da die
Schlammentsorgung einen großen Kostenfaktor bildet, wurden am 15.03.2021
Mikroorganismen in das Sediment des Sees eingebracht, welche dazu geeignet
sind, die Schlammauflage zu reduzieren. Aufgrund der bisher niedrigen
Temperaturen in diesem Jahr verläuft die Aktivität dieser Organismen
entsprechend schleppend. Daher wird mit einem entsprechenden
Schlammabbau in den Sommermonaten gerechnet.
Da die Sanierung des Sees einschließlich der Uferbefestigung eine Auflage der
Oberen Denkmalbehörde ist, wurden hierfür Fördermittel beim
Denkmalförderprogramm 2021 des Landes NRW beantragt. Die
Uferbefestigung wird ausgehend von einer Kostenhöhe von ca. 500.000,- € mit
35 % gefördert. Dies entspricht einer Förderzuwendung von 175.930,- €.
Diese Investition verspricht eine nachhaltige Verbesserung der aktuellenSeite 3 von 5
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Ausgangslage in der Rheinaue.
Die Durchführung der Maßnahme ist u.a. aus ökologischen Gründen für den
Winter 2021/22 geplant.
Zur Einhaltung des Terminplanes ist eine Ausschreibung im Juli 2021
erforderlich.
Voraussetzung für den hier dargestellten Terminplan ist die zeitnahe Freigabe
der entsprechenden Haushaltsmittel. Wäre dies nicht möglich, kann eine
Sanierung erst ein Jahr später erfolgen. Hierdurch erhöht sich das Risiko des
Tiersterbens. Des Weiteren wäre mit einer Baukostenerhöhung zu rechnen.
Außerdem würde die Förderung entfallen, da der Umsetzungszeitraum des
Förderprogramms nicht eingehalten werden könnte.
Die Einleitung des Vergabeverfahrens entspricht den Regelungen des § 82 GO
NRW, da es sich um die Fortführung der 2018 begonnenen Maßnahme
handelt.
Vergabeart
X öffentlich offen (EU) aufgeforderte Firmen
beschränkt nichtoffen (EU) mit öffentlichem
Teilnahmewettbewerb
Freihändig bzw.
Verhandlungsvergabe Verhandlungsverfahren (EU) Abweichung von der
vorgeschriebenen Vergabeart
Vergabekennzahl Vergabe-/Vertragsordnung Ausführungszeitraum Schätzkosten brutto
BN-2021-1969 X VOB UVgO VgV November 2021 – März
2022
4,8 Mio EUR
Produktgruppennummer Produktgruppenbezeichnung Sachkonto (konsumtiv) /
Finanzposition (investiv)
CO-Kontierung
(konsumtiv) /
Finanzstelle (investiv)
1.13.01 Öffentliches Grün 78.5200 5680713013010
Verpflichtungsermächtigungen Verwendung von
Haushaltsresten
Mittel
X ja nein ja X nein freigegeben X vorgesehen
Anlage/n
1 Seebereiche Rheinauensee (öffentlich)Seite 4 von 5
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Datenstand: 03.11.2026, 10:45 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de