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200215-1 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Bürgerantrag: Stadtautarke Energiepolitik

Nummer
200215-1 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
05.03.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda 28.05.2020 Entscheidung federführend
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  1. 200215 Bürgerantrag: Stadtautarke Energiepolitik

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Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
200215-1 ST
Der Oberbürgermeister
Federführung:
20 Stadtkämmerei
Dezernat:
Dez. II
05.02.2020
Bürgerantrag: Stadtautarke Energiepolitik
Beratungsfolge
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger und Lokale Agenda
04.03.2020 Entscheidung
Inhalt der Stellungnahme:
Der Bürgerantrag vom 05.02.2020 thematisiert eine stadtautarke Energiepolitik.
Hierzu haben die Stadtwerke Bonn - SWB Energie und Wasser GmbH - wie
folgt Stellung genommen:
„Seit mehr als 140 Jahren tragen die Stadtwerke Bonn Verantwortung für die
Stadt Bonn und die Region Rhein-Sieg. SWB Energie und Wasser erfüllt dabei
die besondere Verpflichtung, die Menschen in der Region mit Wärme, Strom
und Trinkwasser sicher zu versorgen - und trägt so entscheidend zu ihrer
Lebensqualität bei.
Schon seit 1952 setzen wir in Bonn auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), ein
Ressourcen schonendes Verfahren der Stromerzeugung, bei dem die
entstehende Wärme gleichzeitig zur Wärmeversorgung genutzt wird. Seit
knapp 60 Jahren liefert das Heizkraftwerk Nord in der Karlstraße gleichzeitig
Strom und Fernwärme.
Seit 1992 wird Abfall zu Energie: In der Müllverwertungsanlage (MVA) Bonn
werden jährlich rund 250.000 Tonnen Restmüll verbrannt. Der dabei
entstehende Dampf wird ins benachbarte Heizkraftwerk Nord eingespeist und
dort für Wärme- und Stromerzeugung genutzt. So werden jährlich rund 500.000
Megawattstunden Dampf generiert, woraus der Strombedarf von 19 000
Haushalten gedeckt sowie Fernwärme für 10 000 Wohnungen à 80 qm
gewonnen wird.
Der Beschluss des Stadtrates zur Klimaneutralität bis 2035 hat aber auch
Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Stadtwerke und wird nachhaltigen
Einfluss auf die Energiebeschaffung und -erzeugung haben. Sollte zukünftig
Wasserstoff in ausreichenden Mengen wirtschaftlich erzeugt und zur Verfügung
stehen, kann das bestehende Heizkraftwerk Nord dahingehend umgebaut
werden, dass aus Wasserstoff Wärme und Strom für Bonner Haushalte
emissionsfrei erzeugt werden kann. Erste Überlegungen zur Umsetzung
werden hierzu in einer bereichsübergreifenden Arbeitsgruppe von Mitarbeitern
der SWB Energie und Wasser zurzeit entwickelt.
Bereits seit 1999 steht den Bonnern ein eigenes Naturstromprodukt zur
Verfügung: BonnNatur Strom wird zu 100 Prozent aus regenerativen
Energiequellen gespeist, er hat das Zertifikat vom Grüner Strom Label e. V.,Seite 1 von 3

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gegründet 1998 von führenden Umwelt-, Verbraucher- und
Friedensorganisationen. Es garantiert Ökostrom zu 100 % aus erneuerbaren
Energiequellen und schließt eine Umetikettierung von Atom- und Kohlestrom
aus! Es garantiert somit höchste Umweltstandards und erfüllt die
anspruchsvollen Kriterien. Darüber hinaus fördert BonnNatur Strom mit 0,5
Cent pro Kilowattstunde den Ausbau von Anlagen, die regenerative Energien
aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft oder Biomasse erzeugen.
Auch die Stromerzeugung auf dem Hausdach von Bonner Bürgern ist mit dem
Solar-Paket BonnPlus PV seit langem möglich. So wird eigener Solarstrom auf
dem Dach direkt vor Ort produziert. Den Großteil des Stroms verbraucht der
Haushalt selbst und senkt so dauerhaft die Stromrechnung. Außerdem wird ein
aktiver Beitrag zum Klima- und Umweltschutz geleistet. Der Vorteil für die
Bonner: SWB Energie und Wasser kümmert sich um alles. Von der Planung
über die Installation bis zur Wartung der Photovoltaikanlagen durch regionale
Handwerksbetriebe.
Bereits 2006 haben die Stadtwerke Bonn Energie und Wasser im Keller des
damaligen Hotel-Restaurants "Altes Treppchen" Bonns erste Brennstoffzelle
installiert und eine Technik erprobt, die mit dem Einsatz von Wasserstoff und
Sauerstoff Wärme und Strom erzeugt. Der benötigte Wasserstoff für dieses
Projekt wurde aus Erdgas gewonnen. Zurzeit laufen zwei weitere
Brennstoffzellen in Gewerbeobjekten in Bonn und erfüllen anstandslos ihren
Dienst. So beweisen sie eindrucksvoll die Effizienz der Kombinierten Wärme-
und Stromerzeugung direkt beim Verbraucher vor Ort.
Seit vielen Jahren kooperiert SWB Energie und Wasser auch mit der
Hochschule Rhein-Sieg. Diverse Themen wie Digitalisierung und Energiewende
standen und stehen bereits auf dem gemeinsamen Plan. So wurde schon 2011
analysiert inwieweit ein geothermisches Kraftwerk Bonn mit Strom und Wärme
versorgen kann. Aufgrund des negativen geologischen Gutachtens konnten die
Planungen nicht weiterverfolgt werden. Auch bereits 2014 untersuchten die
Stadtwerke Bonn, Energie und Wasser inwieweit mittels eines kleinen
Laufwasserrades die Nutzung der Strömungsenergie des Rheins möglich ist.
Die Umsetzung war aufgrund der Genehmigungsauflagen - der Rhein ist ein
international befahrenes Gewässer - und der Nähe zu einem FFH Gebiet nicht
möglich.
Die Windkraftnutzung in städtischen Gebieten, durch Klein- oder Mirko-
Windkraftanlagen war auch schon 2016 Gegenstand einer Abschlussarbeit in
Kooperation mit der TH Köln, ebenso wie die Planung einer Windkraftanlage
auf dem Dach des Heizkraftwerkes Nord.
Die Stadtwerke Bonn beteiligen sich auch an dem Trianel-Offshore-
Windkraftwerk Borkum I, eine Kooperation von Stadtwerken für Stadtwerke.
Gemeinsam wird seit 2015 umweltfreundlicher Strom durch 40
Windenergieanlagen mit 200 MW Leistung erzeugt. Dadurch leisten die
Stadtwerke Bonn, Energie und Wasser einen wichtigen Beitrag zum Ausbau
der Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Mit dem Ökostrom aus dem
eigenen Kraftwerk wird man unabhängiger von den vier großen
Energiekonzernen und kann so Bonner Kunden klimafreundlichen Strom zu
fairen Preisen anbieten. Weitere Windräder folgen in einer zweiten
Ausbauphase, dem Trianel Windpark Borkum II. 2020 werden weitere 32
Windkraftanlagen mit einer Leistung von 200 MW in Betrieb genommen.
Neben diesen Offshore Projekten engagiert sich Stadtwerke Bonn, Energie und
Wasser gemeinsam mit anderen Stadtwerken auch im Bereich Onshore-
Windkraftanlagen und großen Photovoltaik-Freiflächen-Anlagen:
Die Kooperationen Trianel-Onshore-Wind mit 100 MW Leistung und 42Seite 2 von 3

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Anlagen sowie der Trianel-Erneuerbare-Energien mit 200 MW verteilt auf 53
Windkraftanlagen und 4 Solarparks.
Neben dem Ausbau der Erzeugung regenerativen Stroms ist auch die Nutzung
von Öko-Strom im ÖPNV klares Ziel der Stadtwerke Bonn. Schon seit dem
Beginn der Elektrifizierung der Stadtbahnen in Bonn im Jahre 1905 werden
diese mit Strom der Stadtwerke Bonn versorgt, der mittlerweile aus 100%
Ökostrom besteht.
Auch durch die sukzessive Umstellung der SWB-Busflotte von Diesel auf
Elektrobusse, die mit zertifiziertem BonnNatur Strom betrieben werden, wird
perspektivisch die Wertschöpfung in der Region bleiben und weiter zunehmen.
Ob öffentlicher Nahverkehr, Müllverwertung, Energieerzeugung und -verteilung
oder Dienstleister der Infrastruktur zur Elektromobilität: Die Stadtwerke machen
Bonn zu einer funktionierenden Stadt, sie sind sich ihrer ökologischen
Verantwortung in der Bundesstadt Bonn sehr bewusst. In allen
Dienstleistungsfeldern arbeiten engagierte Mitarbeiter gemeinsam im Konzern
an der kommunalen Energiewende, um auch weiterhin allen Bürgerinnen und
Bürgern dieser Stadt umwelt- und ressourcenschonende Dienstleistungen zu
wirtschaftlichen Preisen anbieten zu können.“
Zu Ihrer Anregung, einen Wissenschaftskreis zu Energie-, Emissions- und
Verkehrspolitik einzurichten, teilt die Verwaltung mit, dass es in Bonn einen
Klimaschutzbeirat gibt, in dem auch die Wissenschaft vertreten ist. Nähere
Informationen dazu können Sie der folgenden städtischen Internetseite
entnehmen: https://www.bonn.de/themen-entdecken/umwelt-
natur/klimaschutzbeirat.php .
Darüber hinaus hat der Oberbürgermeister der Stadt Bonn einen Expertenkreis
für die Begleitung der vom Rat beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie
einberufen, der am 6. März diesen Jahres das erste Mal tagen wird.
Beschlussvorschlag für Bürgerausschuss:
Der Bürgerantrag ist erledigt im Sinne der Stellungnahme der Verwaltung. Mit
diesem Votum ist das in § 24 GO NRW für die formelle Beratung von
Bürgeranträgen vorgesehene Verfahren zum Abschluss gelangt.
Anlage/n
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Datenstand: 03.11.2026, 05:24 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de