191169 · Beschlussvorlage
Interkulturelles Bildungs- und Familienzentrum „Haus Vielinbusch“ Förderung im Jahr 2020
Kerndaten
- Nummer
- 191169
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 17.01.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen Entscheidung federführend
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Beschlussvorlage öffentlich 191169 Der Oberbürgermeister Federführung: 50 Amt für Soziales und Wohnen Dezernat: Dez. V Interkulturelles Bildungs- und Familienzentrum „Haus Vielinbusch“ Förderung im Jahr 2020 Beratungsfolge Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen 11.02.2020 Entscheidung Beschlussvorschlag Der bestehende Auftrag zum Betrieb eines Interkulturellen Bildungs-und Familienzentrums im Ortsteil Neu-Tannenbusch wird für den Zeitraum 01.01. – 31.12.2020 mit der Unternehmergesellschaft „Vielfalt in Tannenbusch“ (UG Vielfalt) verlängert. Das bisherige Personaltableau wird um eine 0,5 VZÄ im Bereich Pädagogik erweitert. Nach Auslaufen der Förderung durch das Programm „Integrieren und Rückhalt geben“ (Kooperationsprojekt Jobcenter Bonn und Bundesstadt Bonn -siehe DS-Nr. 1612460) wird eine Stelle verstetigt. Zur Finanzierung der angemessenen Personal-, Sach- und Overheadkosten in 2020 erhält die UG Vielfalt max. 291.000 EUR. Hier sind auch die Kosten in Höhe von 9.000 € für die Stelle eines Freiwilligen im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres enthalten. Begründung Der Rat der Bundesstadt Bonn hat am 14.11.2013 die Einrichtung eines Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKBFZ) im Bonner Ortsteil Neu-Tannenbusch beschlossen (DS-Nr.: 1312498). Die Trägerschaft des Zentrums wurde im Rahmen einer Ausschreibung an die UG Vielfalt für den Zeitraum 15.03.2017 bis zunächst 31.12.2018 vergeben. Das Zentrum „Haus Vielinbusch“ wurde am 02.07.2017 offiziell eröffnet. Mit Beschluss vom 12.02.2019 (DS-Nr.: 1910182) wurde die Trägerschaft für das Jahr 2019 verlängert, um die Kontinuität des Angebotes zu sichern und die begonnene Arbeit zu stabilisieren. 2019 wurde eine wissenschaftliche Evaluation zum Stand der konzeptionellen Zielerreichung der Einrichtung durchgeführt. Hierbei sollten gleichzeitig Schnittstellen zu anderen Angeboten im Stadtteil beleuchtet und Erkenntnisse über Entwicklungspotenziale, Alleinstellungsmerkmale oder mögliche Synergieeffekte gewonnen werden.Seite 1 von 76 Seite 2 Die Evaluation wurde im Februar 2019 begonnen und wurde im August 2019 abgeschlossen. Die beauftragte Forschungsgruppe inpuncto: pfaender team GmbH stellt in ihrem Abschlussbericht fest, dass die Anforderungen an Haus Vielinbusch in allen Bereichen (Begegnung, Beratung, Bildung) erfüllt werden. Das Angebot des Hauses ist außerordentlich vielfältig und wird ggf. aktuellen Bedarfen angepasst. Die Zielgruppe der Migranten und Neuzugewanderten wird erreicht, Migrantenselbstorganisationen (MSOs) nutzen das Haus. Ehrenamtliches Engagement wird koordiniert und begleitet. Kooperationspartner im Stadtteil schätzen das Haus. Der Evaluationsbericht ist als Anlage beigefügt. Die im folgenden Text genannten Zahlen sind dem Evaluationsbericht entnommen und beziehen sich auf den Zeitraum seit Eröffnung 2017 bis zum 1. Quartal 2019 (Erhebungszeitraum der Evaluation). Begegnung Der offene Bereich ist Ort für Begegnung, Aufenthalt, Anlaufstelle und Warte- und Spielbereich. Er ist das „Herzstück“ des Hauses und hat eine Schlüsselfunktion in allen Bereichen. Die durchschnittliche wöchentliche Anzahl der Besuchenden ist seit der Eröffnung im Jahr 2017 von 390 auf 542 im ersten Quartal 2019 gestiegen. Viele Besuchende schätzen die Vielfalt, die Atmosphäre und die Möglichkeit der Begegnung mit anderen Menschen aus der Nachbarschaft und aus einem anderen Kulturkreis. Haus Vielinbusch wird von den MSOs genutzt, die Räumlichkeiten sind stark frequentiert. Beratung Seit 2017 wurden 58 Beratungsangebote vorgehalten, in denen 1.859 Beratungen durchgeführt wurden. Die Unterstützung bei Formularen und Briefen wird sehr intensiv in Anspruch genommen (48,1 % aller Beratungen), weitere Inhalte der Beratung sind allgemeine Themen zu persönlichen Lebenslagen (z.B. Gesundheit, Finanzen, Beruf bzw. Arbeitslosigkeit). Diese Beratungen werden sowohl von Fachdiensten wie z.B. Verbraucherberatungsstelle und Schuldnerberatungsstelle als auch von ehrenamtlich Tätigen angeboten. Knapp die Hälfte aller Beratungsangebote wird ehrenamtlich durchgeführt. Die Anzahl der Beratungsfälle ist kontinuierlich angestiegen und hat sich gegenüber dem Jahr 2017 verdreifacht. Die meisten Ratsuchenden kommen aus dem Stadtteil Tannenbusch. Bildung Hier wurden 261 Angebote von Haus Vielinbusch durchgeführt. Dabei wurde deutlich, dass von den Mitarbeitenden auf aktuelle Bedarfe und Anregungen der Besucherschaft eingegangen wird und auch die aktive Mitarbeit der Besuchenden erbeten und angeregt wird. Hier gibt es sowohl offene Angebote als auch geschlossene (z.B. Kurse), die eine Anmeldung erfordern.Seite 2 von 76 Seite 3 Das Spektrum der Angebote reicht von Bildung, Begegnung, Beratung, Sport, Hilfe zur Selbsthilfe bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Dabei werden verschiedene Ziel- und Altersgruppen berücksichtigt. Ein besonderes Angebot sind die Ferienprogramme, die sich an die ganze Familie richten und damit gemeinsame Erlebnisse für Eltern und Kinder anbieten, die nähere Umgebung außerhalb des Stadtteils kennenzulernen und auch mehr über deutsche Geschichte und Kultur zu erfahren. Bürgerschaftliches Engagement Von Anfang an wurde Wert auf die Mitarbeit von freiwillig Engagierten gelegt. Inzwischen sind 54 Menschen in den verschiedenen Bereichen (Beratungs-, Begegnungs- und Bildungsangebote) des Hauses freiwillig tätig. Eine ebenfalls freiwillig Tätige unterstützt und begleitet diesen Personenkreis als „Ehrenamtskoordinatorin“ in Abstimmung mit den Mitarbeitenden des Hauses. Empfehlungen der Gutachterin bezüglich Personalerweiterung Neben den inhaltlichen Empfehlungen schlägt die Gutachterin vor, die Personalausstattung des Hauses anzupassen, um die gute Arbeit auf diesem Niveau weiterführen und weiter entwickeln zu können. Vorschlag der Verwaltung Aufgrund der Ergebnisse der Evaluation wird deutlich, dass von Seiten des Hauses Vielinbusch eine professionelle Aufbauarbeit geleistet wurde. Haus Vielinbusch ist zu einem gut angenommenen Zentrum im Stadtteil Tannenbusch geworden und bietet den Bewohnenden vielfältige Möglichkeiten der Beratung, Begegnung und Bildung. Hier werden Menschen erreicht, für die es bisher kein Angebot gab bzw. für die die Angebote nun wohnortnah und in ihrer eigenen Sprache erreichbar sind. Damit wird Integrationsarbeit geleistet. Da bei Konzepterstellung bestimmte Aufgabenstellungen nicht im jetzigen Umfang erkennbar waren, soll das Personaltableau angepasst werden. Der mit den beteiligten Ämtern abgestimmte Vorschlag beinhaltet die Aufstockung des pädagogischen Personals um eine 0,5 VZÄ (TVÖD Entgeltgruppe 9 b). Damit kann einerseits die Leitung des Hauses Aufgaben an die pädagogischen Mitarbeitenden delegieren, zum andern kann der Aufgabenbereich „Ehrenamtskoordination“ professionalisiert und damit für die Zukunft gesichert werden. Die Betreuung von freiwillig Tätigen ist eine wichtige Aufgabe, deren Umfang bei der Konzeptentwicklung des Hauses nicht vorhersehbar war. Weiterhin soll eine bisher über „Integrieren und Rückhalt geben“ geförderte Stelle verstetigt werden. In dem als „Herzstück“ des Hauses bezeichneten Begegnungsbereich soll durch 1,0 VZÄ (TVÖD Entgeltgruppe 3) die Sicherstellung von Lotsenfunktion und Betreuung des Cafés erfolgen. Die Förderung läuft im August 2020 aus, sodass ab 1.09.2020 eine Stelle aus kommunalen Mitteln übernommen werden soll.Seite 3 von 76 Seite 4 Für 2020 sind bisher 260.000 € veranschlagt, bei Berücksichtigung der beiden neuen Stellenanteile wären für 2020 Mittel von 291.000 € bereitzustellen. Eine Deckung des Betrages erfolgt aus Mitteln des Quartiersmanagements. Die Förderung hat sich wie folgt entwickelt: 2018 2019 217.320,00 € 222.165,00 € Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.05.06 Förderung v Trägern d. Wohlfahrtspflege, Vereinen u. sonstigen Trägern 1.05.06.01 Förderung v Trägern d. Wohlfahrtspflege, Vereinen u. sonstigen Trägern Investive Kosten der Maßnahme Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in 2020 Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 291.000 EUR 150000506/ 72.1000 260.000 EUR 31.000 EUR 150000510 / 72.1000 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 291.000 EUR Anlage/n 1 in puncto Endbericht Evaluation Haus Vielinbusch (öffentlich)Seite 4 von 76 “Das Interkulturelle Bildungs- und Familienzentrum (IKBFZ) Haus Vielinbusch in Bonn Neu-Tannenbusch” Ergebnisse der Evaluation Februar bis August 2019 August 2019 Durchgeführt im Auftrag des Amtes für Soziales und Wohnen der Stadt Bonn vorgelegt von: in puncto: pfaender & team GmbH Theodor-Heuss-Ring 26 50668 Köln Tel: 0221/5008136 Fax: 0221/9123006 Mobil: 0170/4473688 www.inpuncto-pfaender.de Ansprechpartnerin: Petra PfänderSeite 5 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 1 Inhalt Vorbemerkung.................................................................................................................. 3 Zusammenfassung ..................................................................................................... 4 Empfehlungen ............................................................................................................ 7 2.1 Empfehlungen an die Stadt ..................................................................................8 2.2 Empfehlungen an Haus Vielinbusch .......................................................................8 2.3 Empfehlungen an für den Stadtteil relevanten Akteure ............................................9 Gegenstand ............................................................................................................. 10 1.1 Haus Vielinbusch .............................................................................................. 10 1.2 Träger ............................................................................................................. 10 1.3 Leistungsvereinbarung ...................................................................................... 11 Ziele und Fragestellungen........................................................................................ 12 Vorgehen ................................................................................................................. 13 Konzeptionelle Grundlagen der Arbeit ..................................................................... 16 1.1 Selbstverständnis ............................................................................................. 16 1.2 Leitbild ............................................................................................................ 17 Ziele......................................................................................................................... 18 Rahmenbedingungen der Arbeit .............................................................................. 19 3.1 Lage ............................................................................................................... 19 3.2 Räumlichkeiten und Außenbereich....................................................................... 19 3.3 Öffnungs- und Nutzungszeiten (07/2019) ............................................................ 21 3.4 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ......................................................................... 23 Tätigkeitsspektrum ................................................................................... 24 Kernaufgaben nach Bereichen .................................................................... 24 Bereichsübergreifende Tätigkeitsfelder ........................................................ 26 Haus Vielinbusch – Treffpunkt & Anlaufstelle mit Wegweiserfunktion ..................... 28 4.1 Offener Bereich als „Herzstück“ des Hauses ......................................................... 28 4.2 Räume zur eigenständigen Nutzung .................................................................... 31 Treffpunkt für Vereine von Migrantinnen und Migranten ................................ 32 Treffen und Durchführung von Angeboten durch andere ................................ 32 Haus Vielinbusch – Zentrum für Beratung im Stadtteil ............................................ 34 5.1 Beratungsangebote ........................................................................................... 34 5.2 Anbietende - Kooperationspartner ....................................................................... 35 5.3 Beratungsfälle .................................................................................................. 35 5.4 Beratungsthemen ............................................................................................. 36 5.5 Familiensprachen der Beratenen ......................................................................... 37 Haus Vielinbusch – Zentrum für Begegnung und Bildung ........................................ 37 6.1 Angebotsspektrum ............................................................................................ 37 6.2 Zielgruppen ..................................................................................................... 39 6.3 Angebotsformate .............................................................................................. 39 6.4 Ferienprogramm für Familien ............................................................................. 40 6.5 Teilnehmende (geschlossene Angebote) .............................................................. 41 6.6 Anbietende ...................................................................................................... 42 6.7 Kooperationspartner.......................................................................................... 43 Angebote mit Kooperationspartnern ............................................................ 44 Potenziale und Grenzen von Kooperation ..................................................... 45Seite 6 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 2 Haus Vielinbusch – Zentrum für ehrenamtliches Engagement im Stadtteil .............. 46 7.1 Erfolgsfaktoren ................................................................................................. 46 7.2 Ehrenamtlich Aktive .......................................................................................... 48 7.3 Potenziale zum Ausbau des Ehrenamts ................................................................ 49 Haus Vielinbusch - Schaufensterfunktion ................................................................ 49 8.1 Wege der Öffentlichkeitsarbeit ............................................................................ 49 8.2 Pressearbeit ..................................................................................................... 53 8.3 Ansätze zur Weiterentwicklung ........................................................................... 55 Zentrale Erfahrungen nach zweijährigem Betrieb .................................................... 56 9.1 Erkenntnisse (Beispiele) .................................................................................... 56 9.2 Eingeleitete ressourcenschonende Maßnahmen (Beispiele) ..................................... 57 9.3 Erhöhter Personalbedarf .................................................................................... 58 Liste der Angebote in Haus Vielinbusch (Stand: 07/2019) ...................................... 60 Familiensprachen – Landessprache ......................................................................... 63 Gesellschafter der UG Vielfalt - Ressourcen ............................................................. 64 Themen der Newsletter ........................................................................................... 66 Der Stadtteil Tannenbusch in den Medien - Beispiele............................................... 67 Ehrenamtliches Engagement / Tätigkeiten .............................................................. 68 Modellprojekt „Interkulturelles Bildungs- und Familienzentrum“ ............................ 69Seite 7 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 3 Vorbemerkung Der vorliegende Bericht stellt die Ergebnisse der Evaluation des neuen Interkulturellen Bildungs- und Fami- lienzentrums (IKFBZ) in Bonn Neu-Tannenbusch durch, die die Forschungsgruppe in puncto: pfaender & team GmbH (Köln) im Zeitraum Februar bis August 2019 im Auftrag des Amtes für Soziales und Wohnen der Bundesstadt Bonn durchgeführt hat. Nach nunmehr zweijährigem Betrieb und der großen Vielfalt an Maßnahmen und Veränderungen, die in diesem Zeitraum eingeleitet und durchgeführt werden, verfolgt der Bericht im Wesentlichen das Ziel, den aktuellen Stand der Arbeit aufzuzeigen, umgesetzte Maßnahmen und eingeleitete Veränderungen transparent zu machen, Alleinstellungsmerkmale des Hauses aufzuzeigen, Mitarbeitenden des Hauses Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung der Arbeit zu geben, der Stadt Möglichkeiten der Unterstützung bei der Weiterentwicklung der Arbeit aufzuzeigen. Wir bedanken uns bei unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern für die Unterstützung der Arbeit. Petra Pfänder & Herbert Urmann in puncto: pfaender & team GmbH Köln, im August 2019Seite 8 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 4 ZUSAMMENFASSUNG UND EMPFEHLUNGEN Zusammenfassung Haus Vielinbusch in zentraler Lage mit ansprechend gestalteten und rollstuhlgerechten Räumlichkeiten hat in den ersten zwei Jahren seines Bestehens sehr ambitioniert und basierend auf einer transparenten Kon- zeption in Kooperation mit vielen Partnern ein breites Spektrum an passgenauen und kostenfreien Bera- tungs-, Begegnungs- und Bildungsangeboten aufgebaut. Leitung, Mitarbeitende und Träger sind sehr enga- giert. Das Haus hat sich inzwischen zu einer offenen Anlaufstelle mit Wegweiser-Funktion und zu einem zentralen Informations-, Begegnungs- und Beratungszentrum für bislang schwer erreichbare Bewohnende überwiegend mit Migrationshintergrund (insbesondere mit Arabisch als Familiensprache) aus dem Stadtteil und darüber hinaus entwickelt. Zunehmend etabliert sich das Haus auch als ein zentrales Anlauf-, Informa- tions-, Begegnungs- und Beratungszentrum für Kooperationspartner, die hier für sie bislang eher schwer erreichbare Personengruppen gut erreichen. ERFOLGREICHE ARBEIT UND HERANGEHENSWEISE Die bisherige Arbeit ist erfolgreich. Die Herangehensweise bestätigt sich in steigenden Besuchendenzahlen, in der aktiven Nutzung von Räumen durch Vereine (Vereinstreffen, eigene Angebote), in steigenden Bera- tungsfällen und der hohen Nachfrage nach Angeboten der Begegnung und Bildung. (1) Steigende Besuchendenzahlen: Die Besuchendenzahlen sind seit 2017 kontinuierlich gestiegen: von durchschnittlich 390 Besuchenden pro Woche im Jahr 2017 auf 400 im Jahre 2018 und 542 bereits im ersten Quartal 2019. Der überwiegende Teil der Besuchenden sind Frauen bis 65 Jahre und Kinder. Män- ner unter 65 Jahre machen etwa ein Viertel (2017) bzw. ein Fünftel (2018/2019) der Besuchenden aus. (2) Aktives Nutzen von Räumen durch Vereine: Haus Vielinbusch ist Stützpunkt für inzwischen sieben Mig- rantenvereine, die regelmäßig an den Wochenenden und einzelnen Abenden Räumlichkeiten für Ver- einstreffen und eigene Angebote nutzen. Weitere Vereine haben ihr Interesse an der Raumnutzung be- kundet. (3) Steigende Zahl von Beratungen: Das Beratungsangebot, entstanden aus einem gemeinschaftlichen eh- renamtlichen Engagement der Mitglieder des AK Vielfalt in Tannenbusch unter dem Titel „Mehrspra- chige Anlaufstelle“ in den Räumen der Stadtteilbibliothek Tannenbusch, wurde inzwischen erweitert. Damit wird es dem hohen Bedarf von Ratsuchenden gerecht und kommt dem Anliegen von Kooperati- onspartnern entgegen, hier eher schwer erreichbare Zielgruppen zu erreichen. Das thematisch breit ge- fächerte Beratungsangebot (bisher 17 Themen) richtet sich mit Ausnahmen an alle (jungen) Erwachse- nen im Stadtteil und unterstützt Ratsuchende aktiv bei der Bewältigung ihres Alltags (Hilfe zur Selbst- hilfe). Besonders hoch ist die Nachfrage nach Unterstützung bei Briefen und Formularen, ein Angebot, das von herkömmlichen Beratungsangeboten in der Form nicht abgedeckt wird. Insgesamt 1.859 Bera- tungen wurde bisher durchgeführt. Die Zahl der Beratungsfälle ist kontinuierlich gestiegen: von 355 Be- ratungen im Jahr 2017 auf 1.032 Beratungen im Jahr 2018. Bereits im ersten Quartal 2019 wurden mehr Beratungen durchgeführt als im Jahr 2017 (gesamt 472). Erreicht werden insbesondere Ratsuchende mit Arabisch (62 %) und Kurdisch (20 %) als Familiensprache. Knapp 85 Prozent kommen aus dem Stadt- teil Tannenbusch. Genutzt wird das Angebot auch von Ratsuchenden aus anderen Stadtteilen und an- grenzenden Orten, die dort Vergleichbares vermissen. Immerhin knapp die Hälfte aller Beratungen (48 %) erfolgt durch Ehrenamtliche. (4) Hohe Nachfrage nach Angeboten der Begegnung und Bildung: 261 Angebote zur Stärkung des Mitei- nanders, der Bildung, der Gesundheitsförderung und der persönlichen Stärkung und Stabilisierung von Zielgruppen wurden in den vergangenen zwei Jahren (= vier „Halbjahre“) durchgeführt. Das Ange- botsspektrum belegt eine hohe Kompetenz der Programmverantwortlichen, vielfältige Zielgruppen un- terschiedlichen Alters im Stadtteil auf vielfältigen Wegen bedarfsgerecht zu fördern und zu stärken.Seite 9 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 5 Drei Viertel der Angebote lassen sich den Zielen „Kinder, Eltern und Frauen stärken“ (28 %), „gemeinsam etwas Neues erleben bzw. kreativ entwickeln“ (28 %) und „Kontakte, Austausch und Begegnung (u.a. durch Bildung) fördern“ (22 %) zuordnen. Vorbildlich ergänzt wird das Angebot durch Angebote zur För- derung der Gesundheit (Sport, Entspannung), durch praktische Angebote der Hilfe zur Selbsthilfe (z. B. defekte Haushaltsgeräte oder Fahrräder selber reparieren) und Angebote zur Auseinandersetzung mit Diskriminierungserfahrungen bzw. zur Sensibilisierung für vorurteilsbehaftete Denkweisen mit dem Ziel, Strategien zum angemessenen Umgang mit Vielfalt und zur Vermeidung von Ausgrenzung und Diskrimi- nierung zu entwickeln. Spezielle Angebote für Ehrenamtliche fördern, stärken und begleiten das Ehren- amt. Ausbaufähig sind Angebote zur Stärkung der Ausbildungs- und Erwerbsfähigkeit von Bewohnenden und der Öffentlichkeitsarbeit. Vorwiegend sind Familien, weibliche Bewohnende und (junge) Erwach- sene angesprochen. Nur ein Teil der Angebote (18 %) richtet sich ausschließlich und gezielt an Bewoh- nende mit Migrationshintergrund. Die Ziele werden idealer Weise im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungsformate bearbeitet, um vielfältige Interessenslagen und Zeitbudgets zu befriedigen: Kursangebote und Offene Treffs machen etwas über die Hälfte (54 %) aller Formate aus. Einzelveranstaltungen, Workshops (ein-, zwei-, mehrtä- gig), Feste, Aktionen und Schulungs-/Qualifizierungsangebote für Hauptamtliche und/oder Ehrenamtli- che ergänzen das reguläre Angebot. Ausflüge und Fahren, die immerhin 16 Prozent aller Angebote aus- machen, finden vor allem in den Ferien statt, finanziert durch das Bonner Spendenparlament. Ferienan- gebote richten sich vorwiegend an Familien und Schul-/Kinder. Mit „geschlossenen“ Angeboten (mit An- meldung; Kurse, Ferienangebote) wurden bisher 1.495 Teilnehmende, überwiegend Frauen (80 %), er- reicht. Ähnlich wie Angebote der Beratung sind auch sie für Bewohnende aus anderen Stadtteilen und Städten (= ein Drittel aller Teilnehmenden) attraktiv, begünstigt durch die zentrale Lage und die gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration möglichst vielfältiger Nutzergruppen ist grund- sätzliche Offenheit und Bereitschaft, auf von (potenziellen) Nutzenden geäußerte oder in der Alltagsar- beit beobachtete Bedarfe mit neuen bzw. der Anpassung bestehender Angebote zu reagieren. Dem wird Haus Vielinbusch gerecht. Angebote werden entwickelt auf Basis von Wissen und Erfahrungen der Pro- grammverantwortlichen, Impulsen von Kooperationspartnern, Erhebungen von Bedarfen und arbeits- begleitend durch intensive Kontakte mit Gästen und zusätzliche Beobachtungen. Auf der Webseite wird durchgehend aufgefordert, sich mit eigenen Ideen einzubringen und Angebote auch selbst durchzufüh- ren. Angebote, die die Zielgruppe dann trotz guter Werbung nicht erreichen, werden modifiziert oder auch zeitnah wieder eingestellt. (5) Kooperationen ermöglichen überhaupt erst das breite Angebotsspektrum. Unterscheiden lassen sich 1.) Eigene Angebote des Hauses (54 %), durchgeführt von festen Mitarbeitenden und/oder Ehrenamtli- chen bzw. Honorarkräften; 2.) Kooperationsprojekte/-angebote von Haus Vielinbusch gemeinsam mit Partnern (32 %); hier erfolgen Konzeption, Planung, Organisation und Bewerbung gemeinsam, die Durchführung liegt überwiegend bei Mitarbeitenden der Partner, in Teilen erfolgt sie auch gemeinsam; 3.) Geschlossene Angebote von Kooperationspartnern, z.B. für geladene Gäste oder spezifische Zielgrup- pen wie Fachkräfte (6 %), durchgeführt von deren Mitarbeitenden; 4.) Angebote von Vereinen, durch- geführt von Vereinsmitgliedern. Bei knapp über der Hälfte aller Angebote (54 %) sind Partner im Stadt- teil, im Stadtgebiet und darüber hinaus in die Umsetzung eingebunden, in 22 Prozent handelt es sich dabei um Gesellschafter der UG Vielfalt. Zusätzlich zur Konzeptionierung, Planung, Vor- und Nachbereitung sowie Umsetzung der eigenen Ange- bote sowie der Beziehungsarbeit im offenen Bereich des Hauses unterstützen Mitarbeitende von Haus Vielinbusch als „Gastgeber des Hauses“ ihre Partnern bei Initiierung, Vorbereitung, Durchführung und Bewerbung ihrer Angebote, Aufgaben, die einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit ausmachen. Auch wenn andere Anbieter im Stadtteil z.T. vergleichbare Ziele verfolgen und vergleichbare Angebote machen, so konkurrieren sie aus Sicht von Befragten (Mitarbeitende von Haus Vielinbusch, Vertretende der UG Viel- falt, Mitarbeitende von anderen Institutionen) definitiv nicht, sondern decken auf jeweils eigene Weise lediglich die sehr große Nachfrage nach Angeboten im Stadtteil ab.Seite 10 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 6 ALLEINSTELLUNGSMERKMALE Haus Vielinbusch weist vielfältige Besonderheiten auf, die seine Arbeit erfolgreich begünstigen. Eine güns- tige Lage (Nähe Versorgungszentrum, gute Anbindung an ÖPNV), sehr gut und ansprechend ausgestaltete Räumlichkeiten, ein vielfalts-„bewusster“ Ansatz (Anti-Bias-Ansatz), der sich in der Praxis widerspiegelt, ein komplexes, bedarfsgerecht ausgerichtetes und zeitnah weiterentwickeltes Angebotsspektrum, angeleitete Kinderbetreuung bei Kursangeboten auch in unterschiedlichen Sprachen wie auch eine grundsätzliche Of- fenheit und Flexibilität gegenüber Wünschen und Bedarfen der Bewohnenden des Stadtteils. Als Alleinstellungsmerkmale lassen sich aus Sicht der Evaluation folgende Merkmale identifizieren: (1) Beziehungsarbeit ist Konzept des Hauses. „Keine Besucherin und kein Besucher soll das Haus mit dem Gefühl verlassen, man habe ihr / ihm nicht geholfen.“ Jedem Erst-/Kontakt wird ein hoher Stellenwert beigemessen. Mitarbeitende als „Botschafterinnen und Botschafter“ des Hauses begrüßen Gäste mehr- sprachig (soweit machbar), offen und freundlich, führen sie in Angebote des Hauses ein bzw. verweisen sie bei Bedarf an andere Institutionen, die sie beraten oder unterstützen können („Lotsenfunktion“). (2) Ein offener multifunktionaler Eingangsbereich ist Herzstück und Visitenkarte des Hauses. Der anspre- chend gestaltete Eingangsbereich des Hauses mit Informationstheke, Cafébereich, Sitzgruppen, betreu- tem Spielbereich für Kleinkinder und kostenlosem WLAN hat eine Schlüsselfunktion für die Zugänglich- keit aller Bereiche des Hauses, weshalb ihm besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Erscheinungs- bild, Transparenz im Eingangsbereich und Offenheit der Mitarbeitenden sind gezielt darauf ausgerichtet, das Zentrum und seine Leistungen bekannt zu machen und Vertrauen der Gäste in die Einrichtung auf- zubauen. Der Eingangsbereich fungiert als Ort für Begegnung und Verweilen (z. B. vor/nach Kursen, für Treffen mit anderen, für kleine private Feiern), als Anlaufstelle und Wartebereich für Fragende und Rat- suchende und als Ort organisierter Begegnung (z. B. Offenes Familiencafé, Interkulturelles Frauenfrüh- stück). Gäste sollen - und können - sich hier zugleich als Gastgeber fühlen, die sich aktiv einbringen und weitere Gäste zum Kommen einladen können. (3) Schwer erreichbare Zielgruppen mit Migrationshintergrund werden durch eine gezielt breite Vielfalt an Kommunikationsformen erreicht. Haus Vielinbusch ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie durch die Wahl und Kombination von bedarfsgerechten Wegen der Kundenansprache, die Vielfalt von Kommuni- kationsformen und klare Kundenorientierung schwer erreichbare Zielgruppen in einem Stadtteil erreicht werden können. Zu den erfolgreichen Maßnahmen gehören der konsequente Einsatz von Mitarbeiten- den unterschiedlicher kultureller Prägungen mit Kenntnissen in verschiedenen Sprachen sowie eine of- fensiv nach außen demonstrierte Vielfalt der Sprachen in allen Bereichen (Information, Beratung, Bil- dung). Die Vielfalt der Sprachen wird durch die Auswahl von Mitarbeitenden (vom festen Mitarbeiten- den bis zum Praktikanten) gezielt gesteuert, um immer wieder auch neue Zielgruppen mit anderen Fa- miliensprachen zu erreichen. Informationen über Haus, Kursprogramm und andere Angebote werden auf vielfältigen Wegen transportiert: Online auf der Webseite, über Printmedien (Programmhefte, Flyer, Aushänge) in verschiedenen Sprachen/auch in arabischer Schrift sowie „Kundenstopper“ im Eingangs- bereich des Hauses für Besuchende und im Einkaufszentrum für die Laufkundschaft. Newsletter können als Download (auch barrierefrei) auf der Webseite, mit Anmeldung auch per Mail und WhatsApp bezo- gen werden - letztere auch in unterschiedlichen Sprachen, in arabischer Schrift und/oder als Sprach- nachricht (z. B. für Menschen mit einer Sehbehinderung und Analphabetinnen/Analphabeten). Persön- liche Gästeanfragen werden individuell per WhatsApp auch in arabischer Spreche beantwortet. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass das Smartphone gerade für viele Menschen aus anderen Ländern mit oft nach wie vor engen Kontakten zu Familie und Freundinnen/Freunden im Herkunftsland ein gängiges Kommunikationsmedium mit einer starken sozialen Komponente ist. Alle Angebote werden an der Information im Foyer des Hauses oder durch Kursleitende zusätzlich persönlich erläutert. Alle Informationen, Angebote und Dienstleistungen sind für ein verbessertes Verständnis in vereinfachter deutscher Sprache geschrieben, die bewusst auf lange Sätze, komplizierte Formulierungen und Fremd- und Fachwörter verzichtet. (4) Ehrenamtliche sind „tragende Säule“ der Arbeit. 54 Ehrenamtliche, insbesondere Mitglieder der Ver- eine der UG Vielfalt, engagier(t)en sich seit Beginn des Hauses ehrenamtlich, darunter 24 Personen ohneSeite 11 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 7 Migrationshintergrund. Sie decken einen Großteil des Beratungsbedarfs (ca. 48 Prozent) ab und führen jedes 6. Begegnungs- und Bildungsangebot durch (17 %). Unterstützt und begleitet werden sie von einer ehrenamtlich tätigen qualifizierten Ehrenamtskoordinatorin, die professionell und strategisch in Koope- ration mit Mitarbeitenden des Hauses an das Thema Stärkung, Förderung, Begleitung und Wertschät- zung von Ehrenamt herangeht. (5) Gesellschafter des Trägers (UG Vielfalt) sind maßgebliche Anbieter von Angeboten vor Ort. Die Grün- dung einer UG als Träger von Haus Vielinbusch, hervorgegangen aus Mitgliedern des AK Vielfalt, hat sich bewährt. Gesellschafter der UG sind maßgebliche Anbieter von Beratungs-, Begegnungs- und Bildungs- angeboten. Die UG kann auf die vielfältigen Erfahrungen aus der Arbeit im Arbeitskreis Vielfalt zurück- greifen, in dem alle Gesellschafter nach wie vor aktiv sind. Nicht zuletzt über die Gesellschafter mit Zu- gang zu vielfältigen eigenen Zielgruppen und Kooperationspartnern ist Haus Vielinbusch in ein breites Netz von (potenziellen) Kooperationspartnern eingebettet, auf die es bei Bedarf und unterstützt von den Organisationen zurückgreifen kann. (6) Haus Vielinbusch hat sich - nach außen noch nicht hinreichend transparent - zu einem Beratungszent- rum entwickelt. Die Eröffnung des Hauses hat bewirkt, dass Beratungsinstitutionen ihr Angebot hier zentral anbieten können. Anbietende mobiler Angeboten finden hier die für ihre Arbeit notwendigen Räume. Die Präsenz gleich mehrerer beratender Institutionen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Haus bei vielen Bewohnenden des Stadtteils insbesondere mit Migrationshintergrund bekannt ist. Sie ermöglicht überdies die unkomplizierte Weiterleitung Ratsuchender auch an eine andere Institution vor Ort. Auch Kursleitende verweisen Teilnehmende im Fall von im Kurs zur Sprache kommenden Fragen und Problemen an Beratende weiter. Hilfesuchende werden so - anders als früher - zunehmend von einem engmaschigen Unterstützer-Netz „getragen“. Empfehlungen Mit den beschriebenen Tätigkeiten kommt dem neuen Interkulturellen Bildungs- und Begegnungszentrum (IKBFZ) Haus Vielinbusch im Stadtteil eine entscheidende Rolle zu. Als Treffpunkt für Nachbarschaft und Kristallisationspunkt für Stadtteilleben und -kultur leistet es einen Beitrag zur Stärkung der Quartiersiden- tität. Als Anbieter von umfangreichen Angeboten insbesondere zur Stärkung von Eltern in ihrer Erziehungs- verantwortung werden wichtige Grundlagen dafür gelegt, mehr Eltern für Sinn und Notwendigkeit der För- derung ihrer Kinder bereits im Kleinkindalter zu sensibilisieren und sie zu befähigen, deren Entwicklung frühzeitig und gezielter zu fördern. Indem zunehmend mehr Besuchende zur Inanspruchnahme von Bera- tungs- und Unterstützungsmaßnahmen motiviert werden, werden letztlich auch zuständige Fachbereiche der Stadtverwaltung (z.B. Soziales, Kinder, Jugendpflege, Familie) oder Träger z.B. der Familien-, Kinder- und Jugendhilfe überhaupt erst bzw. frühzeitiger als bisher in die Lage versetzt, Bewohnende in Not-, Kon- flikt- und Krisensituationen zu unterstützen und ihnen die zur Bewältigung ihrer Probleme notwendigen bzw. geeigneten Unterstützungsmaßnahmen zukommen zu lassen. Jede der genannten Tätigkeiten bildet einen weiteren Baustein zur Stärkung der Lebensqualität im Stadtquartier insbesondere für Familien und Frauen – bisher überwiegend mit Migrationshintergrund und Arabisch als Familiensprache. Der besondere Beitrag des Zentrums für alle Geschlechter und Generationen liegt in seiner Mehrdimensio- nalität und Offenheit als Netzwerkknoten. Angesichts der sehr guten Vernetzung im Stadtteil ist davon aus- zugehen, dass Kooperationspotenziale auch zukünftig genutzt werden, denn die Organisationen im Stadt- teil sind zum Nutzen der Zielgruppen interessiert und offen für Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte. Kooperationspotenziale sind vorhanden. Schritte zu deren Nutzung müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass Kooperation (zumindest in der Anfangsphase) oft aufwändig ist und deshalb ressourcenschonend aus- gebaut werden sollte. Zu berücksichtigen ist auch, dass jede potenzielle Partnerinstitution eigene Ziele, Kernaufgaben und Vorstellungen von für sie geeigneten Kooperationspartnern sowie begrenzte Ressourcen für Kooperation hat. Letztlich muss auch die "Chemie“ zwischen den die Kooperation tragenden Personen stimmen.Seite 12 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 8 2.1 Empfehlungen an die Stadt (1) Vertrauen & Geduld! Das Team von Haus Vielinbusch unter Leitung von Frau Kheir EL Din hat bisher sehr gute und professionelle Aufbau-/Arbeit geleistet. Gesellschafter der UG Vielfalt (Träger) sind Anbieter vielfältiger Maßnahmen und unterstützen die Arbeit auch ehrenamtlich sehr aktiv. Die Leitung des Hauses ist sehr ambitioniert, engagiert und selbstkritisch, arbeitet zur Optimie- rung von Konzept und Arbeit am Limit. Herausforderungen wie „mehr Deutsche, mehr Männer, mehr Seniorinnen/Senioren gewinnen“ oder „Unterstützung von MSO“ sind bekannt und zum Teil bereits in Angriff genommen. Ein Träger- und/oder Leitungswechsel würde die erfolgreiche und erfolgversprechende Entwick- lungsarbeit empfindlich stören. (2) Entspannung beim Thema „Mehr Deutsche“! Die Erwartung, „mehr Deutsche zu erreichen“, ist berechtigt und im Blick, doch geht sie bereits ins „Ideale“. War und ist es nicht das Ziel, dass die vielen Menschen mit Migrationshintergrund im Stadtteil sich heimisch fühlen, mit Gepflogenheiten und Kultur vertraut und gestärkt werden, ver- mehrt auch untereinander in Kontakt treten? Viele Deutsche werden erreicht: als Ehrenamtliche (Sprachpatenschaften, Hausaufgabenhilfe, Kursleitende) und als Zielgruppe (Feste, Kindertheater, Beratungen). Deren vermehrte Gewin- nung erfordert neben dem klaren Willen ein geeignetes Konzept unter Berücksichtigung auch ih- rer Informationsgewohnheiten. Mit zu bedenken ist dabei die Tatsache, dass dezidiert „interkul- turelle“ Angebote gerade in Stadtteilen mit einem hohen Migrationsanteil sowie einem hohen Anteil an Arbeitslosen und Personen im Leistungsbezug (SGB II, SGB III) oft auf Skepsis, Vermei- dung und Ablehnung angesichts eines Gefühls der „Überforderung“ stoßen. Seitens der Bevölke- rung ohne Migrationshintergrund, aber auch seitens einzelner ausländischer Minderheiten. (3) Anpassung der Personalausstattung! (Aufstockung fester Stellen, langfristige Sicherung der Stellen von Mitarbeitenden zur Betreuung des offenen Eingangsbereichs). (4) Übernahme der Nebenkosten inklusive Nachzahlungen, Kontrolle der Reinigungsfirma! (5) Nutzung der Vierteljahresgespräche auch als Entwicklungs- und Strategiegespräche! (6) Finanzierung einer Teilzeit-/Stelle „Ehrenamtskoordination“! (ggf. für den gesamten Stadtteil) 2.2 Empfehlungen an Haus Vielinbusch (1) Konsolidieren des Betriebs, Einleiten einer Phase der Konzeption für die Weiterentwicklung! Warum? Nach zwei Jahren laufenden Betriebs empfiehlt sich auf Basis der Evaluationsergebnisse eine Phase der Reflexion und Konzeption. Interne Klärung (Haus Vielinbusch, Träger) 1. Resümee ziehen! (Stärken/Erreichtes, Schwächen/Lücken) 2. Handlungsbedarfe identifizieren! (Was fehlt? Was wollen wir erreichen? Bis wann?) 3. Entwicklungsziele klären, Themen identifizieren und priorisieren! Schritt nach Außen (Bearbeitung pro Thema 6 bis 12 Monate) 1. Potenzielle Partner informieren, zur Mitarbeit einladen! (AK Vielfalt, Vierteljahresgespräche) 2. Themen besprechen / priorisieren! (Womit fangen wir an? Wer macht weiter mit?)Seite 13 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 9 3. Konkrete Ziele formulieren, Ideen für Strategien und Maßnahmen sammeln! 4. Öffentlichkeits- und Pressearbeit mitdenken! 5. Vereinbarung zur arbeitsteiligen Bearbeitung treffen! (Wer macht was mit wem bis wann?) (Unterstützung durch die Stadt im Rahmen ihrer Zuständigkeiten und bei Bedarf.) (2) Optimierung der Selbstevaluation / Erhebung und Auswertung aller zielrelevanten Daten! Systematische Erhebung & Auswertung aller zielrelevanten Daten! (siehe 1) Erhebung von TN-Daten nach Herkunftsland! (zumindest bei geschlossenen Angeboten) Warum? Haus Vielinbusch erhebt die Familiensprachen von Teilnehmenden (ca. 60 Prozent Arabisch). Mehr Wissen über die Herkunftsländer ist im Interesse von Stadt, Stadtteil, Haus Vielinbusch und Gästen. 1. Die Stadt als Geldgeber hat ein legitimes Interesse zu erfahren, inwiefern in Tannenbusch stark ver- tretene und eher schwer erreichbare Bewohnende tatsächlich erreicht werden. Am stärksten vertre- ten sind Bewohnende aus Syrien (909), Irak (602), Türkei (452), Marokko (435) und Afghanistan (336). 2. Im Eigeninteresse des Hauses und im Interesse des friedlichen Zusammenlebens im Quartier sollten arabisch sprechende Gäste aus möglichst verschiedenen Ländern erreicht werden. Um in Zukunft nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, Begegnungsort für nur einen Teil zu sein und andere auszu- schließen. 3. Gerade ein vielfaltsbewusster Ansatz sollte die Tatsache im Blick haben, dass Arabisch (oder Kurdisch) Sprechende aus verschiedenen geografischen Räumen und historisch unterschiedlich geprägten Kul- turräumen kommen. Diese prägen Kultur, Selbstverständnis, Verhalten, Erwartungen und Bedarfe unterschiedlich. 4. Die Aussage im Jahresbericht (S.23) „Die Gäste des Haus Vielinbusch sind so vielfältig wie die Bewoh- nerschaft des Stadtteils.“ lässt sich so ggf. belegen. (3) Vermehrt „Öffnung“ in den Stadtteil hinein! Warum? Haus Vielinbusch wirkt auf Außenstehende auch als „in sich abgeschlossen“. Hier bietet sich eine vermehrte Öffnung nach außen in den Stadtteil an, z.B.: Ausstellungen von Werken von Kursteilnehmenden im Stadtteil statt in Haus Vielinbusch, wechselseitige Besuche von Mitarbeitenden & Gästen anderer Institutionen (Kennenlernen, Aus- tausch vor Ort), „Tag der offenen Tür“ … 2.3 Empfehlungen an für den Stadtteil relevanten Akteure Bisherige Presse- und Medienarbeit kritisch sichten und kooperativ im Sinne des Stadtteils (Image, Identität) weiterentwickeln! Den konsequent negativen Schlagzeilen (Drogenhandel, Kriminalität, Wohnungsmissstände) aktiv et- was entgegensetzen! Das positive Leben und Erleben im Stadtteil viel gezielter als bisher in den Fokus stellen!Seite 14 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 10 DIE EVALUATION Am 28. Februar 2019 beauftragte das Amt für Soziales und Wohnen der Bundesstadt Bonn die Forschungs- gruppe in puncto: pfaender & team GmbH mit der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation des neuen Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKBFZ) Haus Vielinbusch in Bonn Neu-Tannenbusch. Gegenstand 1.1 Haus Vielinbusch Mit Beschluss vom 14.11.2013 entschied der Rat der Bundesstadt Bonn, ein Interkulturelles Bildungs- und Familienzentrum (IKBFZ) in Neu-Tannenbusch zu errichten und die dafür erforderlichen Mittel bereitzustel- len. Das Begegnungszentrum ist Bestandteil des durch das Büro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH (Köln) erarbeiteten Integrierten Handlungskonzeptes für den Stadtteil Neu-Tannenbusch.1 Das Kon- zept für das IKBFZ ist Ergebnis eines umfassenden Planungs- und Beteiligungsprozesses seit dem Jahr 2009. Ergebnisse und Anregungen aus mehreren Expertenrunden, Stadtteilkonferenzen und Arbeitskreisen, die Bestandteil der Bürgerbeteiligung zur „Sozialen Stadt Neu-Tannenbusch“ waren, sind darin eingeflossen. Ergänzende Vorschläge kamen von Arbeitskreisen und Gruppierungen aus dem Stadtteil. Auf dieser Grund- lage hat die Verwaltung die Zielsetzungen und Bedarfe, denen diese Einrichtung entsprechen soll, sowie dessen Arbeitsschwerpunkte herausgearbeitet und zwischen den betroffenen Ämtern und Fachbereichen abgestimmt. Die Stadtteilbibliothek in kommunaler Trägerschaft soll mit ihren bestehenden Angeboten am bisherigen Standort (als Ankerpunkt für die Präsenz des Themas „Bildung“) gezielt einbezogen werden. Zielgruppe des IKBFZ sind alle Bewohnenden des Stadtteils. Die hier lebende Bevölkerung ist von multiplen Problemlagen geprägt: Zum Stand 30.04.2018 haben 59,6 Prozent einen Migrationshintergrund, 119 Nati- onen leben auf engem Raum zusammen. In Tannenbusch am stärksten vertreten sind Bewohnende aus Syrien (909), Irak (602), Türkei (452), Marokko (435) und Afghanistan (336). Ein hoher Prozentsatz aller Bewohnenden (17,1 %) ist arbeitslos, der Stadtteil liegt hier im städtischen Vergleich auf Rang 1 (Bonner Durchschnitt 8,3 %). Auch hinsichtlich der Anzahl der Menschen, die Transferleistungen (SGB II oder SGB XII) beziehen, steht Neu-Tannenbusch in Bonn an der Spitze. Um die Verbundenheit der Bewohnenden mit ihrem Stadtteil zu stärken, liegen die Schwerpunkte für die Entwicklung des Stadtteils auf der Aufhebung der sozialen Segregation, der Aufwertung räumlich-funktionaler Strukturen, der Verbesserung der Wohn-, Bildungs- und Beschäftigungssituation sowie der Startchancen für Kinder und Jugendliche und auf der In- tegration. 1.2 Träger Die Trägerschaft des Zentrums wurde für den Zeitraum 15.03.2017 bis zunächst 31.12.2018 an die Unter- nehmergesellschaft Vielfalt in Tannenbusch (UG) vergeben, zum 01.01.2019 erfolgte eine Auftragsverlän- gerung bis zum 31.12.2019. Der Zusammenschluss aus acht im Stadtteil tätigen Organisationen wurde zum Zweck der Trägerschaft gegründet. „Vielfalt in Tannenbusch gemeinnützige Unternehmergesellschaft“ mit Sitz in Bonn ist im Handelsregister mit der Rechtsform Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) ein- getragen (HRB 22763). Gesellschafter sind folgende selbstständige Träger: Drei Migrantenselbstorganisationen: 1. Deutsch-Libysche Gesellschaft e.V., 2. Deutsch-Somalischer Freundschaftskreis e.V., 3. Frauen lernen gemeinsam e.V. Zwei Interkulturelle Bildungs- und Beratungsorganisationen: 1. Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung - FiBB e.V., 2. Bildungswerk interKultur Drei Vereine im Feld der Familien-, Kinder- und Jugendarbeit: 1. Der Familienkreis - Die Elternhelfer e.V., 2. Familien Kulturverein e.V., 3. Motiviva e.V. Die UG ist entstanden aus sieben Jahre ehrenamtlicher Arbeit des Arbeitskreises Vielfalt in Tannenbusch 1 Siehe dazu im Anhang: Modellprojekt „Interkulturelles Bildungs- und Begegnungszentrum“ (Soziale Stadt)Seite 15 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 11 (AK Vielfalt) mit aktiven Bürgerinnen und Bürgern und Organisationen in Tannenbusch, der im Projekt „So- ziale Stadt NRW“ aktiv war und nach wie vor aktiv ist. Über die Träger, die Zugang zu vielfältigen eigenen Zielgruppen und Kooperationspartnern haben, ist Haus Vielinbusch eingebettet in ein breites Netz von (po- tenziellen) Kooperationspartnern. Gesellschafter machen Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für das Haus und dessen Angebote und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass von Beginn an qualitativ hochwertige Beratungs- und Bildungsangebote vorgehalten werden konnten. (Überblick über Ziele, Zielgruppen und Ko- operationspartner der Gesellschafter im Anhang unter „Gesellschafter der UG Vielfalt - Ressourcen“). 1.3 Leistungsvereinbarung Die Arbeit des Zentrums basiert auf einer Leistungsvereinbarung zwischen der UG Vielfalt in Tannenbusch und dem Amt für Soziales und Wohnen der Bundesstadt Bonn. Auszüge aus der Leistungsvereinbarung (01.01.2019 in Kraft getreten, Ende 31.12.2019) Inhalt und Umfang der Leistung, Ziele (§ 2) Ziele und Kernaufgaben: Das neue IKBFZ hat gemäß der Leistungsvereinbarung zwischen der UG Vielfalt in Tannen- busch und dem Amt für Soziales und Wohnen der Bundesstadt Bonn folgende Ziele bzw. Kernaufgaben: (1) Begegnung: Schaffung von Raum und Gestaltungsmöglichkeiten für Begegnung und Stadtteilprojekte; Förde- rung der Kommunikation von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Bedürfnissen. (2) Bildung: Kooperation mit Einrichtungen und Trägern der Bildung im Stadtteil; Verbesserung der Bildungschan- cen von Kindern und Jugendlichen; Stärkung von Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung, Familiencoaching. (3) Beratung: Unterstützung von Migranteninitiativen und –organisationen sowie interkulturellen Organisatio- nen; Aktivierung, Stärkung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe; Vorhalten eines bedarfsgerechten Beratungsangebotes in Zusammenarbeit mit externen Fachdiensten und Vermittlung von Ratsuchenden dorthin. (4) Öffentlichkeit: Schaufenster-Funktion für den Stadtteil: Sichtbarwerden von Engagement und Aktivitäten im Stadtteil. Besondere Kennzeichen: Als offene Anlaufstelle mit „Wegweiserfunktion“ soll das Begegnungszentrum die Vielfalt der im Stadtteil vertretenen Kulturen, Sprachen und Religionen sichtbar machen, Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung unterstützen, generationenübergreifende Begegnungen und Kontakte ermöglichen, ak- tive Nachbarschaften fördern. Es soll Öffentlichkeit herstellen für „Tannenbuscher Themen“ und einen Beitrag zur Entwicklung einer positiven Stadtteilidentität leisten. Besondere Kennzeichen sind: Funktion als zentrale Informationsstelle sehr gute Vernetzung mit relevanten Akteuren im Stadtteil und gesamtstädtisch ein großer Veranstaltungs- und Begegnungsraum, offen für alle Bewohnenden ein familienorientiertes Bildungs- und Beratungsangebot (für alle Altersgruppen) Öffnungszeiten auch an Wochenenden Stützpunkt für Migrantenvereine und interkulturelle Initiativen aktive Rolle der Bürgerbeteiligung und des freiwilligen Engagements. Bürgerschaftliche Initiativen, die dem sozialen Miteinander dienen, werden vom Zentrum aufgegriffen, begleitet und unterstützt. Nutzen von Synergien: Durch Kooperation mit der Stadtteilbibliothek in kommunaler Trägerschaft als „Ankerpunkt für die Präsenz des Themas Bildung“ sollen Synergien genutzt und generiert werden: z. B. Aufeinander-Abstimmen der konzeptionellen Ausrichtung, Einbinden des Kerngeschäfts der Bibliothek als Ort der Begegnung und öffentlicher Raum (Bereitstellen von Informationen, Vermittlung von Wissen). (Anmerkung des Verf.: Eine ursprünglich geplante abgestimmte Gestaltung der Eingangs-/Außenbereiche beider Einrichtungen wurde nicht umgesetzt.) Angebote und Dienstleistungen: Haus Vielinbusch soll bedarfsgerechte Angebote und Dienstleistungen anbieten in den Bereichen Information (Veranstaltungen, Freizeitangebote, Vereine/Vereinsangebote, Beratungsstellen, Fachdienste) Beratung (Angebote durch externe Fachdienste, Dienste, Einrichtungen) Bildung mit ergänzender Kinderbetreuung bei Bedarf (Kreativität, Bewegung, Erziehung, Medienpädagogik, Lebenspraxis, Gesundheitsprävention, Schulung Ehrenamtlicher, Sprach-/Integrationskurse) Kulturelle Veranstaltungen (Themenabende, interkulturelle Veranstaltungen, Filmabende, Lesungen, Musik, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen der Vereine)Seite 16 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 12 Stützpunkt für Initiativen, Migrantenselbstorganisationen, Gruppen und Vereine – ausgenommen Organisatio- nen und Veranstaltungen mit vorwiegend religiösem oder partei-politischem Charakter (Bereitstellen von Räumen für Veranstaltungen, Treffen, Sitzungen im Rahmen mietvertraglich definierter Nutzungsbedingun- gen, Bereitstellen eines Büroraumes zur dauerhaften Nutzung – „MSO-Büro“, Durchführen eigener Bera- tungsangebote) Begegnung und Kommunikation im täglich und am Wochenende geöffneten offenen Bereich als zentralem Ort der Begegnung und Kommunikation (Offene Treffs, Räumlichkeiten für Vereins-/Familienfeierlichkeiten) Stadtteilprojekte (interkulturelle Projekte in engem Zusammenwirken mit dem Quartiersmanagement). Öffnungszeiten: Das Haus ist montags bis samstags von 09:00 Uhr bis 22:00 Uhr zugänglich (für Veranstaltungen über die o.g. Zeiten hinaus). Am 2. und 4. Samstag hält das Haus eigene Angebote vor, am 1. und 3. Samstag finden Kurse und Angebote von Mitgliedsvereinen und Kooperationspartnern statt. In den Oster-, Herbst- und Weihnachts- ferien ist das Haus bis auf ein reduziertes Ferienangebot geschlossen. In enger Abstimmung mit der Auftraggeberin sind die Öffnungszeiten ggfs. bedarfsgerecht anzupassen. Zusammenarbeit mit der Auftraggeberin, Qualitätssicherung (§ 3): Die UG Vielfalt stimmt sich mit der Auftragge- berin über alle relevanten Schritte ab (Qualitäts- und Wirksamkeitsdialog). Sie trägt Sorge für die Aufgabenerfüllung unter Setzung sinnvoller Prioritäten im Rahmen der verfügbaren personellen Ressourcen. Die Angebotsdurchfüh- rung wird dokumentiert. Förderart, Finanzierungsart (§ 4): Der Betrieb des Hauses wird im Rahmen einer Projektförderung finanziert; die Förderung erfolgt als Fehlbedarfsfinanzierung. Vergütung (§ 5): Erstattet werden die anerkannten, aber ungedeckten Personal-, Sach- und Verwaltungsgemeinkos- ten (Overhead). Sie werden unter Berücksichtigung etwaiger Einnahmen refinanziert. Eine Vergütungsvereinbarung ist Bestandteil der Vereinbarung. Die Betriebsräume werden dem Träger ohne Vereinbarung eines Mietzinses zur Nutzung überlassen, Betriebskosten werden (bis zu einem vordefinierten Betrag) nicht erhoben. Näheres regelt der mit dem Städtischen Gebäudemanagement geschlossene Gewerbemietvertrag. Personal (§ 6): Der Betrieb des Zentrums erfolgt mit folgendem Personal: 0,77 VZÄ Leitung, 1,24 VZÄ Sozialarbeit, 1,0 VZÄ Verwaltung; optional eine Stelle für ein Freiwilliges Soziales Jahr, Stellen für geförderte Beschäftigung (über das Jobcenter Bonn). Eine gegenseitige Urlaubs- und Krankheitsvertretung ist abzusichern. Die Aufgabenwahrneh- mung erfolgt durch qualifizierte Fachkräfte, eingebunden in die Strukturen der UG Vielfalt in Tannenbusch, die auch die bedarfsgerechte Teilnahme an Fortbildung und Supervision sicherstellt. Fest angestellte Fachkräfte und dauer- haft ehrenamtlich Tätige müssen über ein einwandfreies Führungszeugnis (§ 30 a Absatz 1 Bundeszentralregister) verfügen. Verwendungsnachweis, Jahresbericht (§ 8): Der Träger legt spätestens bis zum 30.06. des Folgejahres einen zah- lenmäßigen Nachweis über die entstandenen Kosten und Erträge im Zusammenhang mit dem Betrieb des Interkul- turellen Bildungs- und Familienzentrums (IKBFZ) vor. Bis zum 30.03. legt er einen Jahresbericht vor, der eine quali- tative und quantitative Bewertung des Fördergegenstands ermöglicht. Ziele und Fragestellungen Ziele: Die Bundesstadt Bonn wünschte zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Arbeit des Hauses eine Beschreibung des Ist-Zustands der Arbeit des Zentrums nach ca. zwei Jahren laufenden Betriebs, einen Abgleich mit den Zielen laut Leistungsvereinbarung bzw. Konzeption, das Herausstellen von Alleinstellungsmerkmalen gegenüber ähnlich gelagerten Angeboten vor Ort, Benennen von Optimierungsansätzen. Fragestellungen: Sind die vorgegebenen Ziele erreicht? Sind die Kernaufgaben umgesetzt? Werden die im Stadtteil lebenden Zielgruppen erreicht? Spiegelt die Besucherschaft die Vielfalt der Tannenbuscher Bevölkerung wider? Nutzt die deutsche Bevölkerung die Angebote des Hauses? Wenn nein: Wie kann man die „Fehlenden“ erreichen? Ist das 2-Häuser-Modell (aufgabenteilige Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek) umgesetzt? Wie gestaltet sich die Kooperation mit den anderen Trägern im Quartier? Sind Synergieeffekte er- kennbar bzw. erreichbar? Welche Überschneidungen in den Angeboten gibt es? Welche Alleinstellungsmerkmale ergeben sich für Haus Vielinbusch?Seite 17 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 13 Vorgehen An das neue IKBFZ werden hinsichtlich der sozialen Weiterentwicklung des Stadtteils hohe Erwartungen gestellt. Mehrere und miteinander eng gekoppelte Analyseschritte dienen dem Zweck, Angebote, Angebotsstruktur und Zielgruppenerreichung deskriptiv zu erfassen, Kooperationen (Partner, Ebenen, Umfang, Art, Qualität) deskriptiv zu erfassen, Angebote, Angebotsstruktur, Kooperationen, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zu analysieren, Stärken, Schwächen, Lücken, (unnötige) Überschneidungen und Synergieeffekte zu identifizieren, den Grad der Zielerreichung zu ermitteln, Alleinstellungsmerkmale, Entwicklungs- und Synergiepotentiale herauszuarbeiten, Vorschläge für die Weiterentwicklung der Arbeit zu generieren und so die Handelnden konstruktiv bei der Weiterentwicklung ihrer Arbeit zu unterstützen. Um die Arbeit des IKBFZ in seiner Vielschichtigkeit erheben und bewerten zu können, verfolgte die Evalua- tion ein multimethodisches Vorgehen: Sichtung, Auswertung und Analyse von Konzept und Dokumenten, Erfassung, Auswertung und Analyse zielführender Daten und Informationen sowie teilnehmende Beobach- tung und Durchführung leitfadengestützter Gespräche (einzeln/in Gruppen). Durchgängiges Prinzip aller Analyseschritte waren Ressourcen- und Potenzialorientierung (statt Defizitorientierung). ANALYSESCHRITTE SCHRITT 1 Konzept SCHRITT 2 Angebote SCHRITT 3 Kooperation SCHRITT 4 Öffentlichkeitsarbeit Konzept- und Kohärenzanalyse Analyse von Angeboten, Angebotsstruktur, Zielgruppenerreichung Analyse von Kooperationsbeziehungen (Ebene, Art, Umfang, Qualität) Analyse der „Schaufenster-Funktion“ für den Stadtteil SCHRITT 5 Entwicklungspotentiale / Synergien Qualitative Erhebungen (Angebote, Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit, Zielgruppenansprache) SCHRITT 6 Präsentation / Bericht (Integrierte Analyse mit Handlungsempfehlungen) SCHRITT 1: Konzept- und Kohärenzanalyse Das Konzept des Zentrums wurde unter Berücksichtigung der Inhalte des Interkulturellen Handlungskon- zeptes und der Ergebnisse der Zwischenevaluation hinsichtlich Kohärenz gesichtet und analysiert: „Inwie- fern finden sich im Konzept die an das Zentrum gestellten Erwartungen wieder?“ Das Konzept wurde inhalt- lich auch mit den Zielen des Quartiersmanagements und der Stadtbibliothek abgeglichen („Inwieweit über- nimmt Haus Vielinbusch komplementäre Aufgaben? Inwieweit sind Konzept des IKBFZ und der Stadtbiblio- thek aufeinander abgestimmt, um gewünschte Synergieeffekte erzielen zu können?“). Die Ergebnisse sind in die Gesamtbewertung des IKBFZ nach Abschluss aller Analyseschritte eingeflossen. SCHRITT 2: Analyse von Angeboten, Angebotsstruktur und Zielgruppenerreichung Im IKBZ wurde in den ersten zwei Jahren bereits ein breites Spektrum an Angeboten der Begegnung, Bildung und Beratung umgesetzt, darunter auch Ferienangebote. Die Evaluation entwickelte eine Excel-gestützte Struktur zur Erfassung aller zur Bewertung erforderlichen Informationen. Alle bisherigen Angebote des IKBFZ wurden unter folgenden Aspekten erfasst, ausgewertet und analysiert: Titel, Kurzbeschreibung, Start / Laufzeit (Jahr, Halbjahr, Monat, ggfs. Tag),Seite 18 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 14 Veranstaltungsformat (z. B. Kurs, Offener Treff, Einzelveranstaltung, Workshop, Fest), Handlungsfeld/Thema, Zielgruppe, Ort, Wochentag, zeitlicher Umfang pro Einheit, Turnus (z. B. einmalig/wiederholt/regelmäßig), Leitung (Institution, Qualifikation, Sprachkenntnisse), Kosten für die Teilnahme, Anmeldung, finanzielle Förderung durch andere. Bei der Erhebung stützte sich die Evaluation auf Webseite, Programmhefte und Newsletter des Hauses (2017 – 2019) sowie Recherchen im Internet. Offene Fragen wurden mit der Leitung des Hauses geklärt. Die Ergebnisse geben Anhaltspunkte für eine Überprüfung und Optimierung des Angebotes entlang der Ziele und Kernaufgaben des IKBFZ. Erkennbar wird, ob und inwiefern bisher unterrepräsentierte Zielgruppen (z. B. Bewohnende ohne Migrationshintergrund) mit entsprechenden Angeboten erreicht wurden. SCHRITT 3: Analyse von Kooperationsbeziehungen (Ebene, Art, Umfang, Qualität) Das IKBFZ soll mit relevanten Akteurinnen und Akteuren im Stadtteil und ggfs. über die Stadtteilgrenze hin- aus zusammenarbeiten, um ressourcenschonend Synergien zu erzielen und (unnötige) Doppelungen im An- gebot zu vermeiden. Die Evaluation erweiterte die Excel-gestützte Struktur um die Kategorien Art der Kooperation (z. B. Durchführung ohne/mit Partner) und Kooperationspartner (Name/Sitz der Institution). Auch diese Erhebung stützte sich auf Webseite, Programmhefte und Newsletter des Hauses (2017 – 2019), Recherchen im Internet und Angaben von Mitarbeitenden des Hauses. Die Auswertung berücksichtigte alle Ebenen, auf denen Synergien möglich bzw. erwartbar sind: Zielgruppe (z. B. Unterstützung bei Anspra- che/Werbung/Vermittlung in Angebote), Fachpersonal (z. B. Austausch Personal/wechselseitige Unterstüt- zung bei Projekten), Konzeption (z. B. Abstimmung von Konzepten/gemeinsame Konzeptentwicklung), An- gebotsplanung/-umsetzung (z. B. Abstimmung von Angeboten, gemeinsame Durchführung, gemeinsame Planung/Werbung) und Nutzen von Ressourcen (z. B. von Räumlichkeiten). Die Ergebnisse geben Anhalts- punkte über Art, Umfang und Qualität von Kooperationen, machen Stärken und Lücken, genutzte und un- genutzte Kooperationspotenziale und bisher erzielte bzw. ggfs. vermehrt erzielbare Synergien transparent. SCHRITT 4: Analyse der „Schaufenster – Funktion“ für den Stadtteil Erfahrungsgemäß fördern eine gut erreichbare Lage, ein ansprechendes Erscheinungsbild und eine proak- tive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Bekanntheit und Akzeptanz eines Begegnungszentrums und seiner Angebote. Deshalb wurde eine Analyse der „Schaufensterfunktion“ des IKBFZ für den Stadtteil durchge- führt: Analyse der Öffentlichkeits- und Pressearbeit mit Art der Darstellung des IKBFZ und des Stadtteils in den Medien sowie Einschätzung der Außendarstellung des Hauses. Die Ergebnisse geben Anhaltspunkte zur Optimierung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel einer positiven öffentlichen Wahrnehmung des IKBFZ und seiner Angebote sowie des Stadtteils. SCHRITT 5: Entwicklungspotentiale / Synergien - Qualitative Erhebungen Verschiedene Perspektiven auf Akteursebene wurden rekonstruiert, um die Arbeit des IKBFZ in den ersten beiden Jahren multiperspektivisch und differenziert bewerten und weitere Entwicklungs- und Synergiepo- tenziale identifizieren zu können. Durchgeführt wurden leitfadengestützte Gespräche (persönlich einzeln/in Gruppen) zur Vertiefung der Fragestellungen des Auftraggebers und zur Beantwortung von Fragen, die sich aus den ersten Analyseschritten ergeben haben: Einschätzung des Stellenwerts von Haus Vielinbusch für Stadtteil und Bewohnende, Einschätzung des Angebots von Haus Vielinbusch (Stärken, Schwächen, Besonderheiten, Lücken), Anlass und Motive zum Besuch des Hauses, Einschätzung der Kooperation und Motive für die Kooperation, Vorschläge zur Optimierung der Arbeit bzw. der Kooperation.Seite 19 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 15 Durchgeführt wurden Gespräche mit folgenden Personen/-gruppen: Mitarbeitende von Haus Vielinbusch Gruppengespräch mit dem Gesamtteam von Haus Vielinbusch Vertiefende Einzelgespräche mit der Leiterin, einer Mitarbeiterin und der Ehrenamtskoordinatorin. Vertretende der Unternehmergesellschaft Vielfalt in Tannenbusch (UG) Vertretende des Fördervereins Vielfalt in Tannenbusch Besuchende von Haus Vielinbusch (Anwesenheit vor Ort an vier Halbtagen; darunter Gruppenge- spräch mit Besuchenden der Teestube; Einzelgespräche mit Besuchenden des Interkulturellen Frauen- frühstücks und anderen; Gespräche mit Ehrenamtlichen) Vertretende der Stadt bzw. Mitarbeitende von Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft Amt für Soziales und Wohnen Amt für Kinder, Jugend und Familie Stabsstelle Integration Quartiersmanagement Stadtteilbibliothek Tannenbusch Jugendhaus Brücke Fachkräfte im Quartier in ständigem Kontakt mit Haus Vielinbusch: FiBB e.V., KAUSA-Servicestelle Bonn/Rhein-Sieg, Pro Familia e.V., RheinFlanke, Verbraucherzentrale NRW - Mitarbeitende vor Ort und Projektleitung auf Landesebene. Sonstige: Kurzgespräche mit fünf Jugendlichen im Jugendhaus Brücke, Schriftkontakt mit dem Initia- tor des Tannenbusch – House. Auf Gespräche mit (noch) Nicht-Teilnehmenden oder potenziellen Kooperationspartnern wurde, entgegen des ursprünglichen Plans, bewusst verzichtet. Angesichts des bereits sehr breiten Spektrums an Angeboten und Kooperationen setzen diese klare Konzeptionen für die Weiterentwicklung der Arbeit voraus. SCHRITT 6: Präsentation und Bericht Ergebnisse und Handlungsempfehlungen der Evaluation sind in dem vorliegenden Bericht aufbereitet. Sie wurden dreifach präsentiert: (1) Am 23.07.2019 (15:00 Uhr bis 18:00 Uhr) im Rathaus Bonn Beuel vor Mit- arbeitenden des Amtes für Soziales und Wohnen. (2) Am 05.09.2019 (12.30 Uhr bis 15.30 Uhr) im Rathaus Bonn Beuel vor Mitarbeitenden des Amtes für Soziales und Wohnen, der Stabsstelle Integration, des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, der Stadtteilbibliothek sowie der Leitung des Hauses Vielinbusch und dem Vorstand des Trägers. (3) Am 12.09.2019 (18:30 Uhr bis 19:30 Uhr) in Haus Vielinbusch vor dem Beirat Soziale Stadt mit Vertretenden der Ratsfraktionen, den Amtsleitungen von Planungsamt, Sozialamt und Ju- gendamt sowie Dezernenten des Bau- und Sozialdezernates.Seite 20 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 16 Haus Vielinbusch – Ergebnisse Am 02.07.2017 eröffnete die Unternehmergesellschaft Vielfalt in Tannenbusch (UG) das Bildungs- und Fa- milienzentrum Vielinbusch. Haus Vielinbusch ist eines der Kernprojekte des Maßnahmenprogramms im Rahmen der Sozialen Stadt und ein Schlüsselprojekt für die ganzheitliche Familienarbeit in Tannenbusch. Konzeptionelle Grundlagen der Arbeit Die Arbeit von Haus Vielinbusch basiert auf transparenten konzeptionellen Grundlagen und Überlegungen, die sich nachvollziehbar in der praktischen Arbeit des Hauses widerspiegeln. Selbstverständnis, Arbeits- weise und Leitbild als gemeinsamer Orientierungsrahmen für das Handeln der Leitung und der Mitarbei- tenden werden auf der Webseite kommuniziert. Haus Vielinbusch präsentiert sich hier als vielfaltsbewusste Organisation, die die Potenziale von Vielfalt nutzt - für die Entwicklung von Angeboten und Dienstleistun- gen, in der Außendarstellung und im Arbeitsalltag. 1.1 Selbstverständnis Haus Vielinbusch versteht sich als „Knotenpunkt im Akteurs- und Informationsnetzwerk des Stadtteils“.2 Mittels breit gefächerter Angebote und Dienstleistungen knüpft es Kontakte zu Bewohnenden und Akteu- ren. Ein bewusst niedrigschwelliges Vorgehen bestärkt Bewohnende darin, das Haus als vertrauten (Lern-) Ort kennenzulernen und zu nutzen. Hält das Haus kein entsprechendes Angebot vor bzw. kann Ratsuchen- den nicht weiterhelfen, vermitteln Mitarbeitende mit „Lotsenfunktion“ sie zu anderen Einrichtungen bzw. einschlägigen Fachberatungsstellen innerhalb wie außerhalb des Stadtteils. So trägt die Arbeit zur (weite- ren) Vernetzung vorhandener Leistungen und Akteure bei. Grundlage der Arbeit des Hauses ist ein vorurteilsbewusster Ansatz, der „Anti-Bias-Ansatz“. Louise Derman- Sparks und Carol Brunson-Philips entwickelten den Anti-Bias-Ansatz Anfang der 1980er Jahre in Amerika. Ausgangspunkt war ihre Unzufriedenheit mit den damaligen Ansätzen multikultureller Erziehung. Dezidier- tes Ziel war es, der zunehmenden Heterogenität in der US-amerikanischen Gesellschaft allgemein und im Primar- und Elementarbereich insbesondere umfassender gerecht zu werden. Eine vorurteilsbewusste pä- dagogische und bildungspolitische Arbeit zielt darauf ab, eine Schieflage, die aufgrund von Vorurteilen und/oder einseitigen Bevorteilungen entsteht, sichtbar zu machen, ins Gleichgewicht zu bringen und Dis- kriminierungen auf der zwischenmenschlichen, institutionellen und gesellschaftlich-kulturellen Ebene ab- zubauen. Zentrales Anliegen ist die Verwirklichung von Bildungsgerechtigkeit. Im Wesentlichen geht es da- rum, vorurteils-„bewusst“ mit Vielfalt und Unterschiedlichkeit auf der Grundlage von Gemeinsamkeiten umzugehen und aktiv an Veränderung zu arbeiten (Sensibilisierung hinsichtlich Vorurteilen, Bewusstma- chen und Verändern diskriminierender Strukturen und Verhaltensweisen, Arbeiten an der eigenen Haltung und Entwickeln alternativer Handlungsstrategien).3 Der Anti-Bias Ansatz als grundlegendes Prinzip der Arbeit des Hauses kommt auf mehreren Ebenen zum Tragen: in der Haltung der Mitarbeitenden (individuelle Ansprache, mehrsprachig, vereinfachte deutsche Sprache, wertschätzende einladende Haltung gegenüber Gästen, Partnern, Förderern und im Team), als Gegenstand von Angeboten für Bewohnende (z. B. Workshops für Jugendliche und Erwachsene „Umgang mit Vielfalt - Einführung in den Anti-Bias-Ansatz“; Teilnehmende setzen sich mit Diskrimi- nierungserfahrungen, Benachteiligungen und Privilegien in der Gesellschaft auseinander, reflektieren kritisch die eigene Rolle, entwickeln vorurteilsbewusste Handlungsmöglichkeiten), 2 Vgl. Jahresbericht Haus Vielinbusch 2017; Habermann-Nieße et al. 2009: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, BMVBS und Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): „Gemeinschaftseinrichtungen im Quartier. Dokumentation der Fallstudien im Forschungsfeld ‚Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere‘. Werkstatt: Praxis Heft 60. 2008, S. 18; https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/ministerien/BMVBS/WP/2008/heft60_DL.pdf?__blob=publicationFile&v=2 3 Anti-Bias Ansatz unter: https://www.caritas.de/neue-caritas/heftarchiv/jahrgang2013/artikel/auf-die-eigene-haltung-kommt-es-anSeite 21 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 17 als Gegenstand von Seminaren für Fachkräfte und Ehrenamtliche (z. B. zur Vermeidung von Ausgren- zung im Sport / zum Umgang mit Diskriminierung), bei jährlichen Aktivitäten anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus (Funktionsweisen von Rassismus und Unterdrückung thematisieren, für vorurteilsbewusstes Verhalten sensibilisieren). Wesentlicher Aspekt des vorurteilsbewussten Ansatzes „bildet der konsequente Bezug auf die Interessen, den Willen und die Selbsthilfekräfte der Menschen“ entsprechend dem Ansatz der Sozialraumorientierung4. Über die herkömmlichen Einzelfallhilfen hinaus ist es das Anliegen, Lebenswelten zu gestalten und Verhält- nisse zu schaffen, die es Menschen ermöglichen, in schwierigen Lebenslagen besser zurechtzukommen. (Stichworte zur „Sozialraumorientierung“ 5: Fokussierung auf die im Quartier lebenden Menschen, Vernet- zung vorhandener Leistungen, Partizipation von Betroffenen, Konzentration auf Ressourcen der Menschen und des Sozialraumes, Stärkung von Eigeninitiative und Selbsthilfe. Ausgangspunkt sind Wille, Interessen und Perspektiven des lernenden Subjekts.) Selbstverständnis und Arbeitsweise von Haus Vielinbusch6 in vereinfachter deutscher Sprache: „Wir verstehen uns als Nachbarschaftszentrum für Tannenbusch. Wir bieten für alle Interessierten Bildung, Beratung und Begegnungsmöglichkeiten an. Wir nutzen mehrere Sprachen und einfache deutsche Sprache für die Kommunikation. … Unser Haus ist rollstuhlgeeignet. In Zukunft soll es auch besser geeignet sein für Men- schen mit Hör- und Seheinschränkungen. Basis unserer Arbeit ist der vorurteilsbewusste Ansatz (nach Derman- Sparks). Das heißt, dass wir die Vielfalt der Familienkulturen respektieren. Dies zeigt sich in einer wertschät- zenden und einladenden Haltung gegenüber unseren Gästen, Partnern, Förderern und im Team. Wie wir ar- beiten wollen, das steht in Leitbild Vielinbusch Bildungs- und Familienzentrum.“ 1.2 Leitbild Ein eigenes Leitbild mit Zielen und Verhaltenscodex bildet den gemeinsamen Orientierungsrahmen für das Handeln von Leitung und Mitarbeitenden und wird auf der Webseite wie folgt kommuniziert:7 Leitbild - Bildungs- und Familienzentrum „Haus Vielinbusch“ Das Bildungs- und Familienzentrum „Haus Vielinbusch“ ist durch das Engagement einzelner Akteure und be- stehender Gruppen und Vereine aus dem Stadtteil heraus entstanden. Wir bieten ein interkulturelles Bildungs- , Begegnungs-, Informations- und Beratungsprogramm für Bürgerinnen und Bürger aus Tannenbusch und Um- gebung an. Wofür sind wir da? Herzstück unseres Zentrums ist das Begegnungscafé, das Austausch, Erholung und Anregung für alle im Stadt- teil ermöglicht. Unser Bildungsangebot entwickeln und gestalten wir gemeinsam mit den Gästen. Mögliche Teilnahmeschwellen halten wir gering. Unser Beratungsangebot erfolgt parteiisch und als Hilfe zur Selbsthilfe. Auf Wunsch vermitteln wir an Kooperationspartner und spezialisierte Anbieter in Bonn. Migrantenselbstorga- nisationen, Initiativen, Vereine und ehrenamtlich Engagierte können das Zentrum für ihre Aktivitäten nutzen. Sie finden hier ideale räumliche Bedingungen, persönliche Ansprache und fachliche Unterstützung. Unsere An- gebote sind ergänzend zu bestehenden Strukturen. Wir sind interessiert und offen für Kooperationen und ge- meinsame Projekte. 4 Vgl. auch Haus Vielinbusch; Jahresbericht 2017. 5 Der Begriff „Sozialraumorientierung“ hat mit dem Begriff „Lernen im Quartier“ Eingang in die Praxis der Erwachsenenbildung und in die Bildungsforschung gefunden. Siehe auch: Kerstin Hübner, Viola Kelb: Kulturelle Bildung und Sozialraumorientierung: Kontexte, Entwicklun- gen und Herausforderungen; im Web unter: https://www.kubi-online.de/artikel/kulturelle-bildung-sozialraumorientierung-kontexte-ent- wicklungen-herausforderungen; Mania, Ewelina: Am Sozialraum orientiert. Volkshochschulpraxis im Kontext von Inklusion von: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE) (Hg.), 2013, Seite 50-52; im Web unter: file:///C:/Users/asus/Downloads/DIE1301W050.pdf 6 Zu einfache Sprache bei Wikipedia: „Einfache Sprache ist eine sprachlich vereinfachte Version von Standardsprache oder Fachsprache. Der Sprachstil ist betont einfacher, klarer und verständlicher. Texte in Einfacher Sprache haben kürzere Sätze, einfache Satzstrukturen und wenig Kommata. Fremdwörter, schwer verständliche Stilfiguren, wie etwa Redewendungen oder Metaphern, werden in der Einfachen Sprache ebenso wenig benutzt wie ungebräuchliche bildhafte Wendungen sowie Anspielungen. Texte in Einfacher Sprache ermöglichen einem Großteil der Bevölkerung Zugang zu Informationen oder Literatur und sind damit auch Teil von Barrierefreiheit. Bei der Einfachen Sprache geht es also nicht darum, Texte für bildungsferne Gruppen zu verfassen, sondern schwierige Texte an die Lesekompetenz breiter Bevölkerungsgruppen anzupassen.“ 7 Auf der Webseite (Startseite) unter: https://vielinbusch.de/wp-content/uploads/2018/04/Leitbild-Vielinbusch-Bildungs-und-Familienzent- rum.pdfSeite 22 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 18 Was wollen wir erreichen? Mit unserer Arbeit möchten wir die Handlungsfähigkeit der Menschen im Stadtteil stärken, ihre Kompetenzen erwei- tern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Die kulturelle, religiöse, sprachliche und soziale Vielfalt in Tannen- busch erleben wir dabei als Ressource und möchten diese für den Stadtteil sichtbar und nutzbar machen. Wie arbeiten wir? Überparteilichkeit, konfessionelle Ungebundenheit, Mehrsprachigkeit und Respekt vor der Vielfalt der Identitäten und Familienkulturen sind die herausragenden Grundsätze unserer Arbeit. Wir legen besonderen Wert auf einen respektvollen Umgang sowohl mit unseren Gästen, Kooperationspartnern und Sponsoren als auch miteinander im Team. Wir nehmen uns Zeit für individuelle Gespräche mit unseren Gästen. Gegenseitige Wertschätzung, Sensibilität und Fairness, aber auch eine einladende Haltung sind uns selbstverständlich. Die Vielfalt des Stadtteils spiegelt sich auch im Team wider, z. B. durch Mehrsprachigkeit und unterschiedliche kul- turelle Prägungen. Bei der Gestaltung unserer Angebote und Aktivitäten orientieren wir uns an den Prinzipien vorur- teilsbewusster Bildungsarbeit. Wir unterstützen Entwicklungsprozesse des Teams und der einzelnen Mitarbeiter/in- nen. Die sorgfältige und verantwortungsvolle Nutzung der Einrichtung und insgesamt der Ressourcen des Zentrums sind uns sehr wichtig. So setzen wir auch Fördergelder und Spenden verantwortungsvoll ein für eine ressourcenorientierte und nachhaltige Bildungs- und Beratungsarbeit. Ziele Alle Angebote des Hauses verfolgen – einzeln und ihrer Gesamtheit - inhaltlich wie methodisch das Ziel, die Handlungsfähigkeit der Besuchenden unterschiedlichen Alters und Geschlechts sowie unterschiedlicher Herkunft und kultureller Prägung zu stärken, ihre Kompetenzen zu erweitern und ihre gesellschaftliche Teil- habe zu ermöglichen. HANDLUNGSFÄHIGKEIT STÄRKEN, KOMPETENZEN ERWEITERN, GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE ERMÖGLICHEN8 8 Grafik der Evaluation Beziehungs- arbeit Begegnungscafé mit Lotsenfunktion" (Infotheke, Treffpunkt, Café im Zentrum) Mehrsprachige Bildungs- angebote Mehrsprachige Informations- und Beratungs- angebote Vermittlung an Koopera- tionspartner & spezialisierte Anbieter Bereitsstellen von Räumen & Unterstützung (MSO, Vereine, Initiativen, Ehrenamtliche) Förderung von Selbsthilfe & ehrenamtlichem Engagement Zielgruppen Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Familien, Seniorinnen / Senioren Formate Kurse, Offene Treffs, Einzelveranstaltungen, Workshops, Ausflüge, AktionenSeite 23 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 19 Rahmenbedingungen der Arbeit 3.1 Lage Haus Vielinbusch ist zentral im „AWO-Haus“ in Neu-Tannenbusch untergebracht und verfügt über einen eigenen ebenerdigen Eingang am Parkplatz auf der Rückseite des sanierten und 2016/2017 sukzessiv neu eröffneten Einkaufszentrums „Tannenbusch-Center“. Der Standort in unmittelbarere Nähe zu einem zentralen Versorgungszentrum und zum öffentlichen Nah- verkehr9, eingebunden in Alltagswege von Bewohnenden, ist bestens geeignet, um die Bedeutung von Haus Vielinbusch als Begegnungszentrum im Stadtteil zu stärken. Zufällige Begegnungen und beiläufige Informa- tion über das Haus und dessen Angebote sind möglich. Die räumliche Präsenz rückt die Einrichtung ins Be- wusstsein auch der Stadtteilbewohnenden, die das Angebot noch nicht oder nicht alltäglich nutzen und stärkt dessen identitätsprägende Wirkung. Die räumliche Nähe zu anderen Einrichtungen der sozialen Inf- rastruktur (z. B. Stadtbibliothek, Jugendhaus Brücke, Stadtteilbüro des Diakonischen Werks, Gustav-Heine- mann-Haus – GHH und andere) befördert und erleichtert Kooperationen in der täglichen Arbeit, ist Motor für Kooperation. Die günstige Lage zieht überdies Menschen aus angrenzenden Stadtteilen und darüber hinaus an. 3.2 Räumlichkeiten und Außenbereich Das rollstuhlgerecht eingerichtete Haus Vielinbusch verfügt über ein großzügiges Raumangebot und sehr gut ausgestattete Räumlichkeiten, die einen idealen Rahmen für die vielfältigen Angebote bieten. Einrich- tung und Ausstattung des Hauses wurden u.a. aus zusätzlichen Spendenmitteln finanziert. Ein Raumbu- chungssystem unterstützt seit Januar 2018 bei der Verwaltung der Raumbelegung. Für die Nutzung der Räume können bei Bedarf entsprechende Materialien bestellt werden. Verfügbar sind z. B. eine kleine Mu- sikanlage mit Mikrofon, DVD Player, diverse CD Player, Kopfhörer, eine große Musikanlage mit schnurlosen Mikrofonen und zwei Boxen (nur mit Dazubuchen des Technikers), Bühnenstoff mit Ständer, SAT-Anlage, zwei Beamer auf mobilen Tischen, drei Moderationswände und drei Flipcharts). Mangels hinreichendem Schallschutz sind der parallelen Nutzung einzelner Räumen Grenzen gesetzt: So kann z. B. während eines Tanzkurses der angrenzende Filmraum nicht genutzt werden. Die parallel zu Kursangeboten stattfindende Kinderbetreuung im Bewegungsraum schränkt die Raumnutzung für Bewegungsangebote ein. Um die Räume mit möglichst geringem Vor- und Nachbereitungsaufwand optimal nutzen zu können, wur- den ihnen im Jahr 2018 klare Funktionen zugeordnet.10 (1) „CAFÉ IM ZENTRUM“- EINGANGSBEREICH ALS ZENTRALER BEGEGNUNGSORT Der zentrale Eingangsbereich (135 qm, Platz für etwa 80 Personen) mit Infothek, Cafétheke, Tischen, Stüh- len und Spielecke ist das „Herzstück“ des Hauses, von Mitarbeitenden und ehrenamtlich Helfenden mit großem Engagement und viel Sorgfalt und Sinn für Details ausgestattet. Der Bereich ist Informationszent- rale, Begegnungsort, Café für die Öffentlichkeit, Ort für offene Angebote, Warteraum für Ratsuchende, Spielraum für Kleinkinder (mehrsprachige Bilderbücher, Spielsachen) und Pausenraum für Mitarbeitende. Es gibt u.a. ein kostenloses WLAN, einen offenen Bücherschrank, das Bonner Kulturprogramm und eine Tageszeitung. Mobile Trennwände ermöglichen die Abtrennung einzelner Bereiche, eine variable Bestuh- lung ist möglich. Angesichts großer Besucherzahlen insbesondere an den Nachmittagen und an einzelnen Vormittagen hat sich der Raumschallschutz als unzureichend erwiesen, die Geräuschkulisse ist oft hoch. Deshalb wurde der Eingangsbereich in der Schließungszeit des Hauses (August 2019) mit Mitteln aus dem Landesprogram „KOMM-AN NRW“, des Fördervereins und mit weiteren Spenden renoviert, mit einem hel- len schalldämpfenden Bodenbelag versehen und umgestaltet. Das „Café im Zentrum“ wurde am 01.09.2019 neu eröffnet. 9 Haus Vielinbusch ist fußläufig fünf Minuten von der Straßenbahnhaltestelle „Tannenbusch Mitte“ entfernt (aus Richtung Bonn Linie 16 & 63, aus Richtung Köln Linie 16). Tannenbusch Mitte ist überdies mit den Buslinien 601, 602, 630, 631 & N1 erreichbar. 10 Jahresbericht Haus Vielinbusch 2018/2019, Seite 7 ff.Seite 24 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 20 (2) BEWEGUNGSRAUM Im Bewegungsraum (80 qm) ohne Einsicht von außen (Milchglasfolien) mit Holzsitzbänken und entspre- chenden Materialien (Sportmaterial, kleine/größere Musikanlage) finden Sportkurse und außerhalb der Kurse die Kinderbetreuung statt, die inzwischen fast jedes Angebot begleitet (problematisch ist daher die Kinderbetreuung bei Sportangeboten). Dank einer Förderung der Sparkasse KölnBonn konnte eine hoch- wertige und für Kleinkinder einladende Spielelandschaft erworben werden. Der Raum ohne Einblick von außen ist ein wichtiger Funktionsraum gerade für Frauen, um sich hier frei betätigen zu können. (3) FILM- UND FESTRAUM Ein fensterloser, gut ausleuchtbarer Film- und Festraum (72 qm, Platz für ca. 60 Personen) ist mit Tischen, Stühlen und entsprechenden Materialien ausgestattet (Flipcharts, Moderationswände, weiße Tafeln, Bea- mer, Musikanlage, elektrische Leinwand). An in U-Form aufgestellten Tischen finden hier große Gesprächs- runden bzw. kommunikative Kurse mit einer hohen Teilnehmendenzahl statt (z. B. Workshops, Netzwerk- treffen, zweisprachiger Alphabetisierungskurs, Bildungsmaßnahmen für Geflüchtete), ebenso Filmabende und Kulturveranstaltungen (z. B. Familientheater, Kulturveranstaltungen von MSO). (4) KUNST- UND WERKRAUM Im Kunst- und Werkraum (32 qm, Platz für 12 Personen) mit Waschbecken und weißer Tafel gibt es einen großen Tisch, Stühle und verschiedene Materialien (z. B. Staffeleien, Pinsel, Farben). Hier finden Kreativan- gebote (z. B. Bastelangebot für Kinder, Kunstkurs für Kinder und Jugendliche) und das monatliche Repara- turcafé statt. Der Raum ist Ausweichmöglichkeit, wenn der Sitzungsraum belegt ist. (5) BERATUNGS- UND SITZUNGSRAUM Ein Beratungs- und Sitzungsraum (24 qm, Platz für ca. 12 Personen) mit Flipchart und weißer Tafel ist in zwei Arbeitsbereiche unterteilt: für Beratungen mit Sesseln, für Sitzungen mit langem Tisch, Stühlen und weißer Tafel. Außer Beratungen und Sitzungen (z. B. Team, AK Vielfalt) finden hier Angebote mit Gesprächs- bzw. Dialogcharakter statt (z. B. Teestube, Gesprächskreis afghanischer Frauen). (6) BERATUNGS- UND MSO RAUM Im Beratungs- und MSO Raum (ca. 24 qm) - auf der Rückseite des Hauses vor „neugierigen Blicken“ ge- schützt - finden in der Woche Beratungen statt. Abends und am Wochenende, wenn der Bedarf am größten ist, steht er Migrant/innenselbstorganisationen (MSO) zur Verfügung. (7) SCHULUNGSRAUM Ein heller Schulungsraum (52 qm, Platz für etwa 25 Personen) ist mit für Frontalunterricht angeordneten Tischen und Stühlen und Materialien (Flipchart, weiße Tafel, Moderationswand; bei Bedarf Beamer) ausge- stattet. Hier finden u.a. Nähkurse, Hausaufgabenhilfe und Schulungsangebote statt (z. B. Prüfungsvorberei- tung Deutsch als Fremdsprache). Hier befinden sich auch Schränke z. B. für Nähmaterialien. (9) AUßENBEREICH Der Eingangsbereich des Hauses ist derzeit durch abgezäunte Abfallcontainer verdeckt. Zukünftig soll ein Teil des Außenbereichs des Gebäudes nutzbar gemacht werden. Das der VEBOWAG gehörende Grundstück soll eingezäunt und ein geschützter, zum Parkplatz hin abgegrenzter Aufenthaltsbereich geschaffen und entsprechend gestaltet werden (z. B. Sitzmöglichkeiten, Außenbücherschrank). WEITERE SYNERGIEEFFEKTE BEI DER NUTZUNG VON RÄUMEN Für Angebote in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek werden Räume von Haus Vielinbusch und der Stadtteilbibliothek genutzt. Das vom FiBB e.V. getragene offene Angebot „Vorlesen und Basteln“ z.B. nutzt die Kinderbibliothek zum Vorlesen und den Werkraum in Haus Vielinbusch zum Basteln. Da der Schulungs- raum in der Woche ausgelastet ist, wird für das Kooperationsangebot „Deutsch für Grundschul- bzw. Vor- schulkinder“ mit der internationalen Begegnungsstätte der Seminarraum der Stadtteilbibliothek genutzt. Für weitere Kinderbetreuung stellt das Bildungswerk interKultur Nachmittags bei Bedarf seinen SpieleraumSeite 25 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 21 in der 2. Etage des Hauses zur Verfügung. Im Gegenzug kann das Bildungswerk 2019 wegen Bauarbeiten im Haus einen Raum vormittags für einen Deutschkurs (Integrationskurs BAMF) nutzen. 3.3 Öffnungs- und Nutzungszeiten (07/2019) Leistungsvereinbarung: Haus Vielinbusch soll montags bis samstags von 09:00 Uhr bis 22:00 Uhr zugänglich sein (für Veranstaltungen über die o.g. Zeiten hinaus), am 2. und 4. Samstag eigene Angebote vorhalten, am 1. und 3. Samstag Kurse und Angebote von Mitgliedsvereinen und Kooperationspartnern ermöglichen und in den Ferien bis auf ein reduziertes Ferienangebot geschlossen sein. In enger Abstimmung mit der Auftraggeberin sind die Öffnungszeiten ggfs. bedarfsgerecht anzupassen. ÖFFNUNGSZEITEN MONTAGS BIS FREITAGS Montags bis freitags ist das Haus zwischen 09:00 Uhr und 18:00 Uhr regulär wie folgt besetzt: 1. Information: Die Information ist durchgehend durch einen festen Mitarbeiter als „Lotse“ für Fragen, Informationen und Weitervermittlung zu Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern im Haus und zu anderen Institutionen besetzt. Er unterstützt bei Anmeldungen (Beratungen, Angebote), erstellt die Be- suchendenstatistik, verweist auf Informationsmaterialien über Angebote im Haus, im Stadtteil und in der Stadt bzw. gibt sie aus. Er erläutert einzelne Aktivitäten und Angebote (wie etwa Beratungsange- bote), da sie nicht immer „selbsterklärend“ sind und oft der Ermutigung und Erläuterung bedürfen. 2. Café: Das Café ist von Dienstag bis Freitag in der Zeit von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr besetzt. Diese Zeiten wurden entsprechend des sich abzeichnenden Bedarfs angepasst (vorher dienstags bis samstags 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr). Besuchende können sich hier treffen und gegen eine kleine Spende Getränke erwer- ben. Aktuell wird nach einer Lösung gesucht, die Zeiten durch offene Angebote von Kooperationspart- nern und mit Hilfe von Ehrenamtlichen auch auf den Vormittagsbereich und die Montagnachmittage auszuweiten, an denen viele Ratsuchende auf eine Beratung warten. 3. Büro: Das Büro ist von Dienstag bis Donnerstag zwischen 09:00 Uhr und 12:00 Uhr und mittwochs und freitags von 12:00 Uhr bis 15:00 Uhr geöffnet und durch Verwaltungskräfte besetzt. Zu diesen Zeiten kann man sich z. B. anmelden, Räume buchen, Schlüssel abholen und abgeben etc. In Phasen der An- meldung zu Angeboten ist das Büro überdies von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Über die täglichen Öffnungszeiten von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr hinaus ist das Haus in den Abendstunden für Besuchende von Kursen und Aktivitäten der Vereine zugänglich: Nutzung der Räumlichkeiten in den Abendstunden; Beispiel Juni 2019 Montag: Das Angebot des Deutsch-Tamilischen Kulturvereins e.V. (tamilischer Tanz) endet um 19:00 Uhr, das letzte Kursangebot (Treffen junger Männer) um 19:30 Uhr, der Männertreff der Deutsch-Libyschen Gesellschaft an jedem 1. Montag im Monat um 22:00 Uhr. Mittwoch: Der Frauentreff der Deutsch-Libyschen Gesellschaft am 1. Mittwoch im Monat endet um 21:00 Uhr. Donnerstag: Der Deutsch-Tamilische Kulturverein bietet an einzelnen Donnerstagen bis 19:00 Uhr tamilischen Tanz an. Freitag: Das Kursangebot „Treffen von jungen Frauen“ endet um 19:30 Uhr, der tamilische Sprachunterricht des Tamilaalayam e.V. um 20:00 Uhr. Das wechselnde Angebot des Deutsch-Tamilischen Kulturvereins e.V. (Musik- probe oder Nähgruppe) dauert bis 21:00 Uhr, der Seniorentreff arabischsprachiger Männer an jedem letzten Freitag im Monat bis 23:00 Uhr. Vereinzelt finden weitere Vereinstreffen statt. ÖFFNUNGS- UND NUTZUNGSZEITEN SAMSTAGS Am 2. und 4. Samstag im Monat ist die Information zwischen 09:00 Uhr und 18:00 Uhr durchgehend besetzt, von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr gibt es ein Beratungsangebot „Unterstützung bei der Wohnungssuche“. Am 2. Samstag im Monat ist von 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr das Reparaturcafé. Wiederholt gibt es an Samstagen Einzelveranstaltungen (z. B. Aufführungen von Theaterstücken für Kinder, Ausstellungseröffnungen o.ä.).Seite 26 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 22 Während der Anmeldephase für neue Kurse ist ein Anmeldetag jeweils an einem Samstag (10:00 Uhr bis 18:00 Uhr), um möglichst vielen Interessierten die Chance zu geben, sich anzumelden. Auf feste Angebote z. B. für Frauen als Hauptnutzerinnen des Hauses oder für Berufstätige an Samstagen verzichtet man aktuell bewusst, weil sich nicht hinreichend viele Teilnehmende finden. Evaluationsgesprä- che mit Frauen, die Angebote während der Woche besuchen, bestätigen, dass diese an Samstagen kaum Zeit zum Besuch des Hauses finden: Alle Kinder sind zu Hause, Kindertagesstätten und Schulen sind ge- schlossen, Hausarbeiten und Einkäufe müssen erledigt werden, Familienangehörige oder Freunde der Fa- milie werden eingeladen oder besucht usw. Auch Berufstätige (Männer wie Frauen) werden aus ähnlichen Gründen - bisher zumindest - nicht in hinreichender Zahl erreicht. Ergebnisse von Untersuchungen der For- schungsgruppe in puncto in vergleichbaren Gemeinschaftseinrichtungen bestätigen: Berufstätige sind schwerer für Angebote in Begegnungszentren ansprechbar, weil ihre Bindungen an das Quartier oft weniger ausgeprägt sind und ihr Bedarf nach Angeboten vor Ort geringer ist, da sich ihr Aktionsradius zur Wahrneh- mung sozialer Kontakte und zur Freizeitgestaltung nicht auf das Quartier beschränkt. Es sind jedoch Vereine, die ihre Mitglieder für Treffen und Angebote an Samstagen erreichen: Raumnutzung durch Vereine an Samstagen; Beispiel Juni 201911 Deutsch-Somalischer Freundeskreis e.V.: Jeden Samstag Sprach- und Kulturunterricht (vier Stunden nachmittags), an zwei Samstagen im Monat Vereinstreffen (drei Stunden abends). Deutsch Tamilischer Kulturverein e.V.: Jeden Samstags tamilischer Tanz (vier Stunden nachmittags), in der Regel am 1. Samstag im Monat Vereinstreffen (drei Stunden abends). Familienkulturverein e.V.: Jeden Samstag Vereinstreffen (vier Stunden abends), an jedem 2. Samstag im Monat Mutter-Tochter-Treff (vier Stunden abends). Deutsch-Tunesischer-Verein e.V.: Vereinstreffen (unregelmäßig, vier Stunden nachmittags). Auch wenn eigene Angebote des Hauses gemäß Raumnutzungsvertrag Vorrang bei der Nutzung der Räum- lichkeiten haben, kollidiert laut der Leiterin des Hauses der ursprüngliche Plan bzw. die Erwartung, Ange- bote an Samstagen vorzuhalten, mit dem Anspruch, Vereinen Räume für eigene Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Im Fall einer Ausweitung von Angeboten müsste Vereinen, die sich regelmäßig zu festen Zeiten treffen, abgesagt werden. NUTZUNGSZEITEN SONNTAGS Sonntags steht das Haus Vereinen zur eigenständigen Nutzung offen, feste Mitarbeitende sind nicht vor Ort. Fünf Vereine nutzen das Angebot regulär. Raumnutzung durch Vereine an Sonntagen; Beispiel Juni 201912 Deutsch Tamilischer Kulturverein e.V.: Jeden Sonntag Yoga (1,5 Stunden, 09:00 Uhr bis 10:30 Uhr) und Instru- mentalunterricht (vier Stunden, 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr). An einem Sonntag Elterntreffen (drei Stunden vormit- tags). Tamilaalayam e.V.: Jeden Sonntag Sprachunterricht (vier Stunden, 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr); zusätzlich ganztags Abnahme von Sprachprüfungen, Nutzung mehrerer Räume). Deutsch-Libysche Gesellschaft: Jeden 1. Sonntag im Monat Jugendtreff (vier Stunden, 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr). Familienkulturverein e.V.: Jeden 1. Sonntag im Monat Vereinstreffen (zwei Stunden, später Nachmittag). Deutsch-Tunesischer-Verein e.V.: Vereinstreffen (unregelmäßig, vier Stunden nachmittags oder abends). ÖFFNUNGSZEITEN IN DEN FERIEN In einer Hälfte der Ferien hält das Haus Ferienangebote vor, in der anderen Hälfte ist das Haus geschlossen. In dieser Zeit werden auch notwendige Renovierungsarbeiten durchgeführt. 11 Quelle: Leitung Haus Vielinbusch, Raumnutzungsplan Juni 2019 12 Quelle: Leitung Haus Vielinbusch, Raumnutzungsplan Juni 2019Seite 27 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 23 3.4 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Leistungsvereinbarung: Die Stadt finanziert seit 2017 aus kommunalen Mitteln drei hauptamtliche Perso- nalstellen: Eine Leitungsstelle (pädagogische Fachkraft, TVÖD E10), eine Stelle zur Planung und Durchfüh- rung von Kursen und Veranstaltungen (pädagogische Fachkraft, TVÖD E9) und eine Stelle für die technische Organisation und die Koordinierung (Verwaltungs- oder Medienfachkraft, TVÖD 8).13 Um die Zeiten des Begegnungscafés abdecken und dem Aufgabenspektrum des Hauses gerecht werden zu können, wurden die kommunalen Mittel für drei hauptamtliche Personalstellen auf fünf Mitarbeitende (4w, 1m) verteilt. Zusätzlich wurden mit Mitteln des Jobcenters (80 Prozent) und der Stadt (20 Prozent)14 für jeweils zwei Jahre befristet weitere Mitarbeitende in Teilzeit für die Arbeit im Begegnungscafé (Informa- tions-, Beziehungs-, Lotsentätigkeit) eingestellt. Die erste Stelle (05/2017 bis 05/2019) ist inzwischen ausgelaufen. Zwei 2018 besetzte Stellen (30 Stun- den/Woche ab 09/2018, 25 Stunden/Woche ab 12/2018) laufen im Jahr 2020 aus (08 bzw. 11/2020). Haus Vielinbusch ermöglicht als Teil des Handlungsfeldes C „Zweite Chance – Bildung und Beschäftigung im Stadtteil“ zur Unterstützung der eigenen Arbeit Arbeitstrainings sowie Schul- und Hochschulpraktika. Ab Juli 2019 soll eine junge Frau oder ein junger Mann für die Absolvierung eines Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) eingestellt werden. Sie/er soll russisch sprechen können, um gezielter als bisher russischsprechende Be- wohnende zu erreichen. Zusätzlich werden Honorarkräfte als Kursleitungen eingesetzt, deren Tätigkeiten z.T. von Haus Vielinbusch, z.T. von Kooperationspartnern und z.T. über Projektmittel honoriert werden. Wesentliche Bedingung für die Einstellung aller Mitarbeitenden ist, dass sie mehrere Sprachen sprechen. FESTE UND BEFRISTET BESCHÄFTIGTE MITARBEITENDE IN HAUS VIELINBUSCH (STAND 07/2019) Funktion / Zuständig- keit Kern- aufgaben Ge- schlecht Beschäfti- gungs- verhältnis Std pro Wo Qualifikation Sprachen außer Deutsch Fest und unbefristet Beschäftigte 1 Leitung Leitung w seit 05/2017 30 Kindheits-/Sozialwissenschaftlerin Arabisch, Englisch 2 Bildungs- referentin Bildung w seit 03/2017 24 Deutsch-als-Fremdsprache, Studen- tin Bildungswissenschaften Englisch 3 Bildungs- referent* Bildung, Kultur m seit 03/2017* 24 Sozialpädagoge Englisch 4 Verwal- tungskraft Verwaltung w seit 03/2017 19,5 Kauffrau für Bürokommunikation Arabisch, Berbe- risch, Englisch 5 Verwal- tungskraft Verwaltung w seit 03/2017 19,5 Kauffrau für Groß- und Außenhandel Englisch, Fran- zösisch Befristet Beschäftigte 1 Begeg- nungscafé Empfang, Begegnung w 05/2017 bis 05/2019 39 Kultur-/Sprachmittlerin, Altenpflegerin Somalisch 2 Begeg- nungscafé Empfang, Events m 09/2018 bis 08/2020 30 Keine Angabe (vielseitiger Unterstüt- zer Veranstaltungsorganisation Lot- senpunkt, Öffentlichkeitsarbeit, Technik) Arabisch, Ber- berisch, Franzö- sisch, Spanisch 3 Begeg- nungscafé Begegnung, Unterstützung Empfang w 12/2018 bis 11/2020 25 Servicekraft Arabisch *Wechsel in der Person 04/2018 13 Betriebsbeschreibung für das “Interkulturelle Bildungs- und Familienzentrum (IKBFZ)“ 14 Seit 2016 fördert das Jobcenter Bonn in Kooperation mit der Stadt Bonn die Schaffung von Beschäftigungsverhältnissen für leistungsbe- rechtigte Menschen im Rahmen des Programms „Integrieren und Rückhalt geben“. Ziele: Durch die Aufnahme von geförderten Beschäfti- gungsverhältnissen Teilhabechancen für Langzeitleistungsbeziehende bei allen Arten von Arbeitgebern auf dem sozialen Arbeitsmarkt sowie; Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit, Gesundheit und somit langfristige Beschäftigungsfähigkeit unterstützen. Der Lohnkostenzuschuss soll zur Förderung von sehr arbeitsmarktfernen Personen eingesetzt werden, die ohne diese Unterstützung in „absehbarer Zeit keine ungeför- derte Beschäftigung finden können“. Quelle: Jobcenter Bonn. Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2019; im Web unter: http://www.job-center-bonn.de/common/library/dbt/sections/_uploaded/190221_AMIP_JC-BN_2019.pdfSeite 28 von 76 Evaluation des Interkulturellen Bildungs- und Familienzentrums (IKFBZ) Haus Vielinbusch 2019 I Seite 24 WEITERE BESCHÄFTIGTE (2017 BIS 07/2019) Jahr/ Monat Art Kernaufgaben Stun- den Qualifikation Sprachen außer Deutsch 2017 08/2017 bis 12/2017 Praktikum Unterstützung bei allen Angeboten und Aktivitäten, insbesondere im Café Vollzeit Berufskolleg Arabisch, Kurdisch 2018 07/2018 bis 08/2018 Praktikum Unterstützung bei allen Angeboten und Aktivitäten, insbesondere Ferienange- bot Vollzeit Studentin Soziale Ar- beit (TH Köln) Arabisch, Eng- lisch, Russisch 2018/2019 seit 06/2018 Eingliederungs- maßnahme* Kinderbetreuung 18 Std/Wo Abitur - seit 09/2018 Minijob** Kinderbetreuung 9 Std/Wo Keine Arabisch, Kur- disch, Türkisch 10/2018 bis 07/2019 Praktikum Unterstützung bei allen Angeboten und Aktivitäten, insbes. Ferienangebot Vollzeit Berufskolleg Arabisch 11/2018 bis 11/2019 Eingliederungs- maßnahme* Unterstützung im Café 10 Std/Wo k.A. Arabisch Eingliederungs- maßnahme Praktikum * Unterstützung im Café 10 Std/Wo k.A. Arabisch 2019 04/2019 bis 09/2019 Praktikum Befragung Koop. Partner, Unterstützung Migrationsberatung / Ferienangebot / Frauenfrühstück 400 Std Studentin Kindheitspä- dagogik / Familienbil- dung (TH Köln) Berberisch, Englisch 04/2019 bis 09/2019 Praktikum Befragung Koop-Partner, Unterstützung Migrationsberatung / Ferienangebot 400 Std Student Soziale Arbeit (Uni Siegburg) Deutsch * Eingliederungsmaßnahme über Jobcenter/unentgeltlich **Bezahlung Haus Vielinbusch Tätigkeitsspektrum Die folgende strukturierte Auswertung einer von der Leitung und Mitarbeitenden des Hauses erstellten Liste aller im Haus anfallenden Tätigkeiten verdeutlicht die Kernaufgaben der Mitarbeitenden nach Berei- chen (Leitung, Bildung, Verwaltung, Begegnungscafé) und bereichsübergreifende Tätigkeiten. Kernaufgaben nach Bereichen Zu den Kernaufgaben der Leitung intern (z. B. Personalmanagement, Projektcontrolling) und extern (z. B. Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitsarbeit) gehören auch Teilbereiche der Kommunikation und Information der Gäste sowie die Berichterstattung gegenüber dem Auftraggeber. Kernaufgabe der Pädagogischen Mitarbeitenden ist die Betreuung des gesamten Bereichs Bildung/Sprach- patenschaften, das Erstellen von Dokumentationen und Nachweisen sowie Planung und Durchführung des Einkaufs, bei dem sie von anderen z.T. unterstützt werden. Kernaufgaben im Begegnungsbereich bestehen neben der Bewirtschaftung der Räumlichkeiten und des Ca- fés darin, die Gäste willkommen zu heißen, sie zu bewirten und individuell in ihren Anliegen zu unterstützen, um frühzeitig eine positive Beziehung zu ihnen aufzubauen. Kernaufgaben der Verwaltung sind allgemeine Bürotätigkeiten, Buc
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 21:15 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de