190952 · Mitteilungsvorlage
5. Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn, Berichtszeitraum 2016-2018
Kerndaten
- Nummer
- 190952
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 28.02.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses Finanzen- und Beteiligungen Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Internationales und Wissenschaft Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration, Gesundheit und Wohnen Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Arbeitsförderung Kenntnisnahme
- Sitzung des Bau- und Vergabeausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Schulausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Sportausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
190952
Der Oberbürgermeister
Federführung:
56 Amt für Umwelt-, Verbraucherschutz und Lokale Agenda
Dezernat:
Dez. III
5. Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn,
Berichtszeitraum 2016-2018
Beratungsfolge
Sportausschuss 17.03.2020 Kenntnisnahme
Bau- und Vergabeausschuss 19.03.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen 24.03.2020 Kenntnisnahme
Schulausschuss 25.03.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Wirtschaft und Arbeitsförderung 31.03.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit
und Wohnen
01.04.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 02.04.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Internationales und
Wissenschaft
22.04.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz
22.04.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger und Lokale Agenda
29.04.2020 Kenntnisnahme
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 30.04.2020 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Nach der Teilnahme am Wettbewerb „Zukunftsfähige Kommune“ im Jahr 2004
wurde die Verwaltung mit Beschluss des Hauptausschusses vom 03.11.2005
beauftragt (DS-Nr.: 0512439NV3), die für den Wettbewerb der Deutschen
Umwelthilfe (DUH) ermittelten Daten in einem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht
fortzuschreiben.
Mit Beschluss vom 08.06.2006 (DS-Nr.: 0512439NV6) hat der Hauptausschuss
die Verwaltung aufgefordert, in Erweiterung der ausschließlichen Darstellung
der Indikatorwerte auch Entwicklungstendenzen und geplante Maßnahmen
aufzuzeigen.
Um eine verlässliche Basis zur Interpretation der Entwicklung zu haben, wurde
beschlossen, den Berichtszeitraum auf drei Jahre auszuweiten.
Nachdem dem Ausschuss bereits vier Nachhaltigkeitsberichte
(Berichtszeitraum 2002 bis 2004, DS-Nr. 0512439NV4 / Berichtszeitraum 2005
bis 2007, DS-Nr. 0512439NV12, Berichtszeitraum 2008 bis 2011 DS-Nr.
0512439NV21 und Berichtszeitraum 2012-2015 DS-Nr. 0512439ED24)
vorgelegt wurden, veröffentlicht die Verwaltung nun den fünften Bonner
Nachhaltigkeitsbericht.
Aufgrund längerer personeller Vakanz im Aufgabengebiet, dem der
Nachhaltigkeitsbericht zugeordnet ist, wurde bei dem vierten Bericht von dem
regulären Dreijahreszeitraum abgewichen. Der vierte Nachhaltigkeitsbericht
umfasste deshalb den vierjährigen Berichtszeitraum von 2012 bis 2015.Seite 1 von 112
Seite 2
Der fünfte nun vorliegende Bericht von 2016 bis 2018 nimmt verstärkt die SDGs
(Sustainable Development Goals) in den Fokus. Hierfür wurde das
Indikatorenset einerseits erweitert, andererseits wurden die
korrespondierenden SDGs mit den Indikatoren verknüpft. Dies soll
Korrelationen von nachhaltigen Entwicklungszielen verdeutlichen.
Die Erweiterung des Indikatorensets erfolgte mittels des erstellten SDG-
Indikatorensets der Bertelsmann Stiftung und des Deutschen Städtetags sowie
Prüfungen der Datenverfügbarkeit, der Datenerhebung und der kommunalen
Einflussmöglichkeiten.
Alle Nachhaltigkeitsberichte stehen auf der städtischen Homepage
(www.bonn.de, Suchwort: @Nachhaltigkeitsbericht) zum Download bereit.
Anlage/n
1 Nachhaltigkeitsbericht Stand 21.02.2020_neu (öffentlich)Seite 2 von 112
1
Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn
2016–2018Seite 3 von 112
Bildnachweise:
Titelseite:
Links oben: Fotolia/Christian Schwier
Rechts oben: Fotolia/rawpixel
Links unten: Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn
Rechts unten: Fotolia/howtogo
S. 3: Regina Spitz
S. 6: Vereinte Nationen
S. 9: Fotolia/Christian Schwier
S. 10: Adobe Stock/nd3000
S. 11: Valeska Zepp
S. 12: Bundesstadt Bonn
S. 26: Fotolia/rawpixel
S. 27: Cynthia Rühmekorf
S. 28: Fotolia/Denys Kuvaiev
S. 29: Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn
S. 48: Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn
S. 49: Fotolia/U. Alexander
S. 52/53: Bundesstadt Bonn
S. 78: Fotolia/howtogo
S. 79: Elke Graf
S. 80: Stadtwerke Bonn
S. 81: Fotolia/ThanitSeite 4 von 112
3
Vorwort
Bonn wird mit dem Themenfeld der Nachhaltigkeit verbunden wie keine andere
Stadt in Deutschland. In der deutschen Stadt der Vereinten Nationen arbeiten ne-
ben den 20 UN-Organisationen über 150 weitere Institutionen an Lösungen zu glo-
balen Zukunftsfragen. Große Konferenzen wie die Weltklimakonferenz 2017 mit
über 22 000 Teilnehmenden machen Bonn zur Plattform der internationalen Nach-
haltigkeitsdebatte. Zudem bauen die UN-SDG Action Campaign und das UN-Wis-
senszentrum für Nachhaltige Entwicklung gezielt Netzwerke und Kapazitäten zur
Umsetzung der Agenda 2030 aus. 2018 wurden darüber hinaus von der Bonner
Allianz für Nachhaltigkeitsforschung, der neben den Universitäten der Region Bonn
auch die Universität der Vereinten Nationen angehört, die Weichen für die Öffnung
eines neuen Innovationscampus in Bonn gestellt.
Die Stadt Bonn hat sich der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, kurz
SDGs) in besonderem Maße verpflichtet − global über Städtepartnerschaften und Netzwerke wie ICLEI Städte für Nach-
haltigkeit, dessen Präsident ich bin, ebenso wie lokal: 2016 hat die Stadt die Musterresolution des Deutschen Städteta-
ges und des Rates der Gemeinden und Regionen Europas zur 2030-Agenda unterzeichnet. Im Februar 2019 folgte der
Beschluss der ersten Bonner Nachhaltigkeitsstrategie durch den Rat der Stadt Bonn. Als eine von 15 Modellkommunen
in NRW beteiligte sich Bonn dazu am Modellprojekt „Global Nachhaltige Kommune“ und erarbeitete über zwei Jahre
in engem Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft eine
Strategie zur lokalen Umsetzung der Agenda 2030. In ihr werden die in der Agenda 2030 formulierten 17 nachhaltigen
Entwicklungsziele auf sechs Themenfelder kommunalen Handelns in Bonn übertragen. Neben umfassenden Nachhal-
tigkeitsleitlinien, die ein Szenario für 2030 beschreiben, enthält die Strategie konkrete Maßnahmen für die nächsten
drei bis fünf Jahre in den Feldern Mobilität, Klima und Energie, Natürliche Ressourcen und Umwelt, Arbeit und Wirt-
schaft, Globale Verantwortung und Eine Welt sowie Gesellschaftliche Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit.
Seit Ende 2017 hat die Stadt Bonn übrigens auch eine eigene SDG-Koordinatorin im Amt für Internationales und Glo-
bale Nachhaltigkeit. Sie vernetzt Engagement und koordiniert die 2018 gestartete, erfolgreiche Veranstaltungsreihe
„Bonner SDG-Tage“ zu den 17 Zielen.
Der vorliegende, fünfte Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn für den Zeitraum 2016 bis 2018 stellt die nachhaltige
Entwicklung in Bonn anhand von 55 Indikatoren dar. Das seit 2002 genutzte Indikatorenset der Deutschen Umwelthil-
fe wurde in diesem Jahr um weitere Indikatoren ergänzt, um die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele noch besser in der
Berichterstattung abzubilden. In einem Projekt der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit) arbeiten
wir auch international daran mit, die Berichterstattung auf der lokalen Ebene zu den 17 Zielen noch aussagekräftiger
zu machen. Davon haben nicht nur wir in Bonn großen Nutzen für die künftige Arbeit und einen Gewinn an Transpa-
renz, sondern Städte profitieren durch Wissenstransfer auch voneinander.
Mein herzlicher Dank gilt den Fachämtern der Stadtverwaltung und den vielen nicht-städtischen Organisationen und
Behörden, die an der Erstellung des Berichtes mitgewirkt haben, für ihre engagierte Unterstützung!
Ashok Sridharan
Oberbürgermeister der Stadt BonnSeite 5 von 112
4
4. Leitkategorie Soziale Gerechtigkeit 26
4.1 Praktische Beispiele 27
4.1.1 Freiwilligenagentur Bonn ........................................ 27
4.1.2 Behindertenpolitischer Teilhabeplan für
die Bundesstadt Bonn ..................................................... 28
4.1.3 Das Bonner Baulandmodell .................................... 29
4.2 Quantitative Daten 30
4.2.1 Betreuung von Kindern .......................................... 30
4.2.1.1 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren 30
4.2.1.2 Betreuungsplätze für Kinder von drei bis unter
sechs Jahren ................................................................ 31
4.2.1.3 Plätze in offenen
Ganztagsschulen.......................................................... 32
4.2.1.4 Entwicklung der Schulplätze im
Gemeinsamen Lernen ★ .............................................. 33
4.2.2 Geschlechtergerechtigkeit .................................... 34
4.2.2.1 Geschlechtergerechtigkeit in der
Kommunalverwaltung ................................................. 34
4.2.2.2 Geschlechtergerechtigkeit in der
Kommunalpolitik .......................................................... 35
4.2.3 Kommunales Engagement für Kinder
und Jugendliche .............................................................. 36
4.2.4 Beschäftigte in der Kommunalverwaltung
mit Behinderung ............................................................. 37
4.2.5 Geförderter Wohnraum .......................................... 38
4.2.6 Empfängerinnen und Empfänger
öffentlicher Leistungen ................................................... 39
4.2.6.1 Empfängerinnen und Empfänger von
Leistungen nach dem zwölften Sozialgesetzbuch ........ 39
4.2.6.2 Empfängerinnen und Empfänger von Leistungen
nach dem zweiten Sozialgesetzbuch ........................... 40
4.2.7 Armut ★................................................................. 41
4.2.7.1 Kinder-Jugendarmut ★ ..................................... 41
4.2.7.2 Altersarmut ★ .................................................. 43
4.2.8 Kommunales Eine-Welt-
Engagement .................................................................... 44
4.3 Zusammenfassung 46
Vorwort 3
1. Einleitung und Kontext der
Nachhaltigkeitsberichterstattung 6
2. Der Bonner
Nachhaltigkeitsbericht 6
2.1 Entstehung .................................................................. 6
2.2 Ziele und Methodik ..................................................... 6
2.3 Aufbau ........................................................................ 6
2.4 Zielwerte und Bewertung von Trends.......................... 7
2.5 Erweiterungen und Anpassungen des Indikatorensets
im Rahmen der Agenda 2030 ........................................... 7
3. Leitkategorie Wohlbefinden 9
3.1 Praktische Beispiele 10
3.1.1 Nachhaltige Personalentwicklung .......................... 10
3.1.2 Quartiersmanagement ............................................11
3.1.3 Fahrradstraßenkonzept .......................................... 12
3.2 Quantitative Daten 13
3.2.1 Informelle Bürgerbeteiligung ★ .............................. 13
3.2.2 Flächen zur Erholung ............................................. 14
3.2.3 Vereinsleben .......................................................... 16
3.2.4 Bevölkerungsentwicklung ...................................... 17
3.2.4.1 Altersstruktur ................................................... 17
3.2.4.2 Wanderungen................................................... 18
3.2.5 Verkehrsunfälle mit Kindern .................................. 19
3.2.6 Kriminalität ............................................................ 20
3.2.6.1 Anzahl der erfassten Straftaten ....................... 20
3.2.6.2 Gewaltkriminalität,
Straßenkriminalität und Eigentumsdelikte ................... 21
3.2.7 Medizinische Versorgung....................................... 22
3.2.8 Gewicht von Kindern ............................................. 23
3.3 Zusammenfassung 24
Inhalt
★Neue IndikatorenSeite 6 von 112
5
5. Leitkategorie Umweltqualität
und Ressourceneffizienz 48
5.1 Praktische Beispiele 49
5.1.1 Solardachkataster .................................................. 49
5.1.2 ZURES − Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und
Risikoanalyse als Instrument zur Stärkung der Resilienz
von Städten und urbanen Infrastrukturen....................... 51
5.1.3 Insektenfreundlicher Friedhof ................................ 52
5.2 Quantitative Daten 54
5.2.1 Mobilität ................................................................ 54
5.2.1.1 Fahrradverkehr ................................................. 54
5.2.1.2 Kraftfahrzeugdichte ......................................... 55
5.2.1.3 Erschließung mit Bus und Bahn ....................... 56
5.2.1.4 Modal Split ★ ................................................... 57
5.2.2 Geschützte Natur .................................................. 58
5.2.3 Waldflächen und nachhaltige Forstwirtschaft ★ ... 62
5.2.4 Fließwasserqualität ★ ............................................ 63
5.2.5 Siedlungs- und Verkehrsflächen ........................... 64
5.2.6 Trinkwasserverbrauch .......................................... 65
5.2.7 Abwasserbehandlung ★ ....................................... 66
5.2.8 Abfall ..................................................................... 67
5.2.9 Energieeinsatz ....................................................... 68
5.2.9.1 Kommunale Liegenschaften ............................. 68
5.2.9.2 Privathaushalte ................................................ 69
5.2.10 Erneuerbare Energien .......................................... 70
5.2.10.1 Anteil erneuerbarer Energien
am Strommix der SWB ................................................. 70
5.2.10.2 Solare Energieproduktion ★ .......................... 71
5.2.11 Kohlenstoffdioxid-Emissionen ★ .......................... 72
5.2.12 Luftqualität ★....................................................... 74
5.3 Zusammenfassung 76
6. Leitkategorie Wirtschaftliche Effizienz 78
6.1 Praktische Beispiele 79
6.1.1 Kompetenzzentrum Frau & Beruf
Bonn/Rhein-Sieg ............................................................ 79
6.1.2 Zweiterstellung Bahn − Nachhaltig
Ressourcen schonen und Emissionen einsparen ............ 80
6.1.3 Nachhaltige kommunale Finanzanlagen ................. 81
6.2 Quantitative Daten 82
6.2.1 Ausbildungschancen .............................................. 82
6.2.1.1 Zahl der Ausbildungsverhältnisse ..................... 82
6.2.1.2 Verhältnis von Ausbildungsstellen
zu Bewerberinnen und Bewerbern ............................... 83
6.2.2 Beschäftigungsquote ★ ......................................... 84
6.2.3 Hochqualifizierte ★ ............................................... 85
6.2.4 Arbeitslosigkeit ..................................................... 86
6.2.4.1 Arbeitslose Personen ....................................... 86
6.2.4.2 Jugendarbeitslosigkeit .................................... 87
6.2.5 Innovationskraft .................................................... 88
6.2.6 Breitbandversorgung ★ ......................................... 89
6.2.7 Existenzgründungen .............................................. 90
6.2.8 Kommunale Finanzen............................................. 92
6.2.8.1 Kredite ............................................................. 92
6.2.8.2 Neuverschuldung, Entschuldung ..................... 93
6.2.9 Ökozertifizierte Unternehmen................................ 94
6.2.10 Arbeitsplatzdichte ................................................ 95
6.3 Zusammenfassung 96
7. Die 17 SDGs und
erweiterte Definitionen der Indikatoren 98
7.1 Die nachhaltigen Entwicklungsziele im
Nachhaltigkeitsbericht .................................................... 98
7.2 Erweiterte Definitionen der Indikatoren .................. 100
Danksagung und Quellen 109Seite 7 von 112
6
1. Einleitung und Kontext der
Nachhaltigkeitsberichterstattung
Kaum ein Begriff hat in den letzten Jahren eine derartige Ent-
wicklung erfahren wie der der „Nachhaltigkeit“. Ob Banken,
Mineralölkonzerne oder Automobilproduzenten − zu Werbe-
zwecken ist heute fast alles nachhaltig und der Begriff hat
sich weit entfernt von seinem ursprünglichen Sinn. Beruht
doch der Begriff Nachhaltigkeit auf dem Grundsatz, dass den
nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlagen erhalten
bleiben, also nicht mehr genutzt wird, als es die Regenerati-
onsfähigkeit eines Gutes oder der Umwelt erlaubt.
Nachhaltigkeit umfasst drei Dimensionen, die ineinander
greifen und aufeinander aufbauen: Umwelt, Wirtschaft und
Soziales. Uns allen ist bewusst: Unser Planet hat Grenzen
und seine Ressourcen sind endlich. Soziales und wirtschaft-
liches Handeln kann nur im Rahmen der planetaren Grenzen
des Ökosystems stattfinden, somit sind alle drei Dimensio-
nen untrennbar miteinander verbunden.
Der Bonner Stadtrat hat Anfang 2019 die Bonner Nachhaltig-
keitsstrategie beschlossen und reiht sich somit auf kommu-
naler Ebene in die Nachhaltigkeitsstrategien des Bundes und
des Landes Nordrhein-Westfalen ein.
Kommunen gelten laut der nationalen Nachhaltigkeitsstra-
tegie als wesentliche Akteure und treibende Kraft zur Errei-
chung der Nachhaltigkeitsziele; ihnen wird eine maßgebliche
Rolle zugeschrieben.
Entwickelt wurde die Strategie zur Umsetzung der Agenda
2030 durch die Teilnahme der Stadt Bonn am Modellprojekt
„Global Nachhaltige Kommune“. Im engen Austausch mit Ak-
teurinnen und Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft sowie
Wissenschaft und Wirtschaft wurden Nachhaltigkeitsleitlinien
für sechs Themenfelder kommunalen Handelns formuliert und
konkrete Maßnahmen zur zeitnahen Umsetzung entwickelt.
Die Stadt Bonn hat damit ein Handlungskonzept für eine
nachhaltige Entwicklung verabschiedet, das in Zukunft um-
gesetzt, überprüft und weiterentwickelt wird. Die Bericht-
erstattung einer nachhaltigen Entwicklung auf kommunaler
Ebene ist daher, neben der Überprüfung der Maßnahmenum-
setzung, zur Abbildung von Trends und Zielerreichungen von
hoher Bedeutung.
2. Der Bonner
Nachhaltigkeitsbericht
2.1 Entstehung
Der Bonner Nachhaltigkeitsbericht blickt auf 15 Jahre konti-
nuierlicher Berichterstattung zurück. Im Jahr 2004 wurde mit
einem Wettbewerb der Deutschen Umwelthilfe mit dem Titel
„Zukunftsfähige Kommune“ der Grundstein für die Indikato-
ren basierte Berichterstattung einer nachhaltigen Entwick-
lung gelegt. Im Anschluss an den Wettbewerb beschloss der
Hauptausschuss die Fortschreibung der erhobenen Kennzah-
len im Turnus von drei Jahren. Seitdem wurden, den vorlie-
genden Bericht eingerechnet, fünf Nachhaltigkeitsberichte
veröffentlicht.
2.2 Ziele und Methodik
Das primäre Ziel des Bonner Nachhaltigkeitsberichtes ist,
die nachhaltige Entwicklung der Stadt messbar zu machen
und darüber zu informieren. Es werden Impulse gesetzt und
Denkanstöße gegeben. Dabei wird die Entwicklung der Indi-
katorwerte von den jeweiligen Fachämtern und externen Or-
ganisationen interpretiert und in den Kontext kommunaler
Handlungs- und Einflussmöglichkeiten gestellt. Ergänzend
zeigen − zu Beginn jeder Leitkategorie − konkrete Beispiele
die Umsetzung nachhaltigen Handelns auf, um das Thema an-
schaulicher darzustellen.
Ziel des Berichts ist seine Nutzung als Steuerungsinstrument
für kommunales Handeln und politische Entscheidungen.
2.3 Aufbau
Der Nachhaltigkeitsbericht gliedert sich in acht Kapitel. Nach
der Einleitung folgt ein Teil zu Entstehung, Aufbau und Ziel-
setzung des Berichtes. Die Anpassungen und Änderungen im
vorliegenden Bericht werden im Kapitel 2.5 dargelegt. Insge-
samt werden 55 Indikatoren in den vier Leitkategorien Wohl-
befinden, Soziale Gerechtigkeit, Umweltqualität und Res-
sourceneffizienz sowie Wirtschaftliche Effizienz erhoben. DieSeite 8 von 112
7
Leitkategorie Wohlbefinden stellt eine Ergänzung zu den drei
Dimensionen der Nachhaltigkeit (Soziales, Ökonomie und
Ökologie) dar. Damit soll das breite Spektrum einer nachhalti-
gen Stadtentwicklung besser abgebildet werden.
Jeder Leitkategorie wird eine Auswahl praktischer Beispiele vo-
rangestellt. Im darauffolgenden quantitativen Teil wird die Ent-
wicklung der Indikatoren beschrieben, seit Beginn der Erhebung
bis zum Ende des aktuellen Berichtszeitraums. Zudem werden
Hinweise auf Einflussfaktoren gegeben, sodass die quantita-
tiven Daten in einen interpretativen Kontext gesetzt werden.
Jede Leitkategorie schließt mit einer Übersicht ab. Dort werden
die Informationen der Indikatoren noch einmal kurz zusammen-
gefasst dargestellt und − falls vorhanden − Vergleichswerte der
Landes- beziehungsweise Bundesebene aufgezeigt.
Im Datenblatt der Indikatoren werden unter dem Punkt „wei-
terführende Informationen“ u. a. Drucksachen-Nummern ge-
nannt. Diese Dokumente sind auf der Internetseite:
www.bonn.de, Suchbegriff: „Boris“, abrufbar.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Indikatoren sind
im Anhang unter „Erweiterte Definition der Indikatoren“ zu
finden. Hier wird auch konkreter auf die zahlreichen Anpas-
sungen und Erweiterungen im Indikatorenset eingegangen.
2.4 Zielwerte und Bewertung von Trends
Anknüpfend an den vorherigen werden in dem vorliegenden
Bericht für einzelne Indikatoren − sofern vorhanden − Ziel-
werte angegeben.
Darüber hinaus wird auch das Bewertungsinstrument der Am-
pel beibehalten. Diese Ampel mit den Kategorien „Positiv“,
„Neutral“ und „Negativ“ ermöglicht einen schnellen Über-
blick und gibt zudem Hinweise auf Handlungsbedarfe im je-
weiligen Themenfeld.
Positiv
Neutral
Negativ
Keine Bewertung möglich
Die Bewertung bezieht sich auf die Entwicklung innerhalb
Bonns und ist nicht als Beurteilung der absoluten Qualität
einzelner Indikatorwerte zu verstehen. Für die Beurteilung
wurden keine Vergleichszahlen anderer Kommunen heran-
gezogen, sondern lediglich der Verlauf der einzelnen Indika-
toren nach definierten Kriterien eingeschätzt. Um eine Ver-
gleichbarkeit zu anderen Kommen in Nordrhein-Westfalen
und Deutschland zu ermöglichen, wurden entsprechende
Vergleichswerte, wenn vorhanden, in die zusammenfassen-
den Tabellen am Ende jeder Leitkategorie eingefügt.
Die Bewertung wurde anhand folgender Kriterien vorgenommen:
• Liegen politisch beschlossene Zielwerte zum Indikator vor
und sind diese bereits erreicht, so fällt die Bewertung grund-
sätzlich positiv aus. Andernfalls wird die durchschnittliche
Veränderung der Indikatorwerte innerhalb des gesamten
Berichtszeitraums ermittelt und bis zum Zieljahr hochge-
rechnet. Die somit erstellte Prognose ermöglicht Voraussa-
gen über die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung.
• Bei voraussichtlicher Erreichung des gesetzten Ziels wird
die Bewertung ebenfalls als positiv eingestuft − bei Nicht-
Erreichung als negativ.
• Liegen keine politisch beschlossenen Zielwerte vor, wird
der durchschnittliche Indikatorwert des zurückliegenden
Berichtszeitraums berechnet und die prozentuale Abwei-
chung der Daten des aktuellen Berichtszeitraums (2016–
2018) von diesem Durchschnittswert ermittelt. Dazu müs-
sen mindestens fünf Werte zur Referenzberechnung und
mindestens drei Werte innerhalb des aktuellen Berichts-
zeitraums vorliegen.
• Liegt die ermittelte prozentuale Abweichung der Kennzah-
len des aktuellen Berichtszeitraums bei einem Wert ober-
halb von zehn, so wird entsprechend der Eigenschaften
des jeweiligen Indikators eine positive beziehungsweise
negative Bewertung der Trendentwicklung vorgenommen.
Eine negative Bewertung zeigt Handlungsbedarfe im jewei-
ligen Themenbereich an. Bei Werten unterhalb von zehn
Prozent fällt die Bewertung neutral aus.
Enthält ein Indikator mehrere Werte (zum Beispiel Erho-
lungsflächen innerhalb und außerhalb der Siedlungsfläche,
Erschließung mit Bus und Bahn), so wird für jeden Einzelwert
eine Trendberechnung erstellt. Bei voneinander abweichen-
den Trendergebnissen wird die Bewertung ausgewiesen, die
die größere prozentuale Abweichung von der erläuterten
Zehn-Prozent-Grenze aufweist.
2.5 Erweiterungen und Anpassungen des Indi-
katorensets im Rahmen der Agenda 2030
Für den vorliegenden Bonner Nachhaltigkeitsbericht wur-
de das Indikatorenset erweitert, um die nachhaltigen Ent-
wicklungsziele abzubilden. Hierfür wurde auf ein von der
Bertelsmann Stiftung und dem Deutschen Städtetag entwi-
ckeltes SDG-Indikatorenset für Kommunen zurückgegriffen.
Zunächst erfolgte ein Abgleich des Indikatorensets der Ber-
telmann Stiftung mit dem bereits bestehenden Indikatoren-
katalog des Bonner Nachhaltigkeitsberichtes. Aus der Über-
lagerung ergaben sich 11 neue Indikatoren für den aktuellen
Bericht, um die 17 SDGs möglichst umfänglich abzubilden.
Die neu hinzugekommenen Indikatoren, basierend auf dem
Set der Bertelsmann Stiftung, werden im Inhaltsverzeichnis
mit einem ★-Symbol gekennzeichnet.
Folgende Indikatoren wurden neu in den Bericht aufgenom-
men bzw. modifiziert:
• Informelle Bürgerbeteiligung
• Gemeinsames Lernen (abgeänderter Indikator der Bertels-
mann Stiftung: „Exklusionsquote“)
• Armut: Kinder-, Jugend- und Altersarmut
• Modal SplitSeite 9 von 112
8
• Nachhaltige Forstwirtschaft (wurde im Indikator „Waldflä-
chen“ integriert)
Die Waldfläche ist in Bonn seit langer Zeit nahezu konstant
und wird sich absehbar auch nicht ändern. Der Indikator
eignet sich deshalb in der vorliegenden Form nicht um eine
quantitative oder qualitative Entwicklung abzubilden. Aus
diesem Grund wurde die Entwicklung der Zusammenset-
zung des Waldes aus verschiedenen Baumarten als Kriteri-
um aufgenommen.
• Fließwasserqualität
• Abwasserbehandlung
• Solare Energieproduktion (Erträge von Photovoltaik- und So-
larthermieanlagen; abgeänderter Indikator der Bertelsmann
Stiftung: „Kommunale Investitionen in Erneuerbare Energien“)
Eine reine Darstellung finanzieller Investitionen gibt keinen
Aufschluss über die gewonnene Energie. Darüber hinaus
wären diese Investitionen nur punktuell darstellbar und
nicht für eine kontinuierliche Fortschreibung geeignet. Die
Darstellung und Fortschreibung von installierter Leistung
dieser solaren erneuerbaren Energien anhand der Erträge
sowie die Energieverbrauchszahlen als Referenz ist auf-
grund des hohen solaren Potenzials in Bonn ein bedeuten-
der Indikator.
• CO2-Emissionen nach Sektoren: Privat, Industrie/Handel/
Gewerbe, Verkehr (Erweiterung der bestehenden CO2-
Bilanz nach Sektoren)
Für den Indikator CO2-Emissionen wurde eine Differenzie-
rung nach „Private Haushalte“, „Industrie/Handel/Gewer-
be“ und „Verkehr“ eingeführt, um neben der Summe die
einzelnen Verursacher identifizieren zu können.
• Luftqualität
• Beschäftigungsquote
• Hochqualifizierte
• Breitbandversorgung
Eine Aufnahme des folgenden Indikators wurde geprüft, aber
vorerst zurückgestellt:
• Mietpreise
Nach Prüfung der Datenverfügbarkeit für das Bonner
Stadtgebiet wurde dieser Indikator für den vorliegen Be-
richt aufgrund mangelnder Datenvalidität vorläufig zurück-
gestellt. Er wird voraussichtlich mittels neuer Datenerhe-
bungen für den nächsten Bericht zur Verfügung stehen und
im Indikatorenkatalog aufgenommen.
Indikatoren, die im aktuellen Bericht nicht mehr berücksich-
tigt wurden:
• Ökologische Landwirtschaft
Die Anzahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe auf
Bonner Stadtgebiet ist so gering, dass eine Nennung von
Kennzahlen einen Rückschluss auf einzelne Betriebe zu-
gelassen hätte. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind
Angaben zu diesem Indikator deshalb nicht verfügbar.
• Durchschnittliche Jahrestemperatur
Die Entwicklung der durchschnittlichen Jahrestemperatur ist
zwar ein Indikator für den globalen Klimawandel, sie kann
aber nicht unmittelbar auf lokaler Ebene beeinflusst werden.
Bei einer Vielzahl von Indikatoren sind zwischen den Jahren
2014 und 2015 Bruchlinien eingefügt. Seit dem Jahr 2015 ver-
wendet die Statistikstelle der Stadt Bonn lediglich die Anzahl
der Einwohnerinnen und Einwohner, die ihren Erstwohnsitz
in Bonn gemeldet haben. In der Vergangenheit wurden auch
Personen mit gemeldetem Zweitwohnsitz zu den Bonner Ein-
wohnerinnen und Einwohnern gezählt. Diese Änderung lässt
die Einwohnerzahl Bonns im Gegensatz zur vorherigen Erhe-
bung geringer erscheinen und hat entsprechenden Einfluss
auf Indikatoren, die Einwohnerdaten als Referenz nutzen.
Allen Indikatoren werden auf der jeweiligen Detailseite die
SDGs zugeordnet, auf die sie sich beziehen. Dies soll ermög-
lichen, die nachhaltige Entwicklung in der Kommune auch an-
hand der Agenda 2030 abzulesen. Darüber hinaus bietet die
Zuordnung der SDGs die Möglichkeit, Interdependenzen zu
identifizieren und Zusammenhänge zu erkennen.Seite 10 von 112
99
3. Leitkategorie WohlbefindenSeite 11 von 112
10
3.1 Praktische Beispiele
3.1.1 Nachhaltige Personalentwicklung
Eine nachhaltige Personalentwicklung umfasst die Qualifizie-
rung der Mitarbeitenden aller Hierarchiestufen durch informa-
torische, bildungs- und stellenbezogene Maßnahmen.
Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer lang-
fristig sozial verantwortlichen und wirtschaftlich zweckmäßi-
gen Entwicklung zu unterstützen.
Die Personalentwicklung beschäftigt sich in systematisch an-
gelegten Prozessen mit Ausbildung, gesamtstädtischer Quali-
fizierungsplanung und Personalförderung. Dazu gehören eine
umfassende Fort- und Weiterbildung sowie die Entwicklung
und Implementierung von Personalentwicklungsinstrumen-
ten für alle Ebenen. Eine ganzheitliche Personalentwicklung
unterstützt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungs-
kräfte bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Wissen und Kompe-
tenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wesentliche
Erfolgsfaktoren. Daher werden individuelle Entwicklungs-
möglichkeiten und Perspektiven angeboten.
Jeder profitiert von der gemeinsamen Aufgabe, die Weiterent-
wicklung der städtischen Kolleginnen und Kollegen zu fördern.
Zahlreiche Entwicklungsangebote und -instrumente bieten
die Chance, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter optimal und
passgenau zu fördern und Potenziale zu entwickeln.
Ziel der Führungsnachwuchsqualifizierung ist, eine ausreichen-
de Zahl an Führungskräften auszubilden und zu fördern, um
den zukünftigen Bedarf decken zu können. Hierzu soll die Qua-
lifizierung nicht erst bei der Besetzung der Führungsposition
erfolgen, sondern die potenziellen Führungskräfte sind frühzei-
tig auf ihre künftige Aufgabe vorzubereiten. Bereits jetzt gibt
es ein umfassendes Programm für Führungskräfte aus dem
Verwaltungs- sowie dem gewerblich-technischen Bereich.
Die Rahmenbedingungen für die Arbeit innerhalb der Stadt-
verwaltung Bonn ändern sich stetig und wirken sich auf die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter anderem in Form von
Arbeitsverdichtung und neuen Anforderungen aus. Persönli-
ches Wohlbefinden und die Gesunderhaltung sind wichtige
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Umgang mit diesen
Veränderungen. Es ist daher notwendig und konsequent, sich
dem Thema Gesundheit intensiv zu widmen.
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) zielt dar-
auf ab, Arbeitsbedingungen zu verbessern und Belastungen
abzubauen sowie gesundheitsfördernde Verhaltensweisen
zu unterstützen. Um diesen Herausforderungen zu begeg-
nen, wurde das BGM der Stadt Bonn neu konzipiert und die
„Stabsstelle Gesundheit“ eingerichtet.
Die Stadtverwaltung Bonn unterstützt und führt eine nachhal-
tige Personalentwicklung mit familienfreundlichen Arbeits-
zeit- und Arbeitsfeldstrukturen sowie gesundheitsfördernden
Maßnahmen.
Ansprechpartner
Sascha Hessenbruch
Personalentwicklung
0228 - 77 25 03
sascha.hessenbruch@bonn.de
PersonalentwicklungSeite 12 von 112
11
Quartiersbüro im Mackeviertel
3.1.2 Quartiersmanagement
In Bonn sind im Laufe der Zeit verschiedene Formen von
Quartiersentwicklung entstanden wie beispielsweise Stadt-
teilbüros, Nachbarschaftszentren, Begegnungseinrichtungen,
Quartiers-Entwicklungs-Projekte sowie Quartiers-Initiativen
einzelner Träger.
Als Ergebnis der vom Hauptausschuss am 19.03.2009 be-
schlossenen Konzeption Wohnraumversorgung wurde die
Stadt Bonn beauftragt, in 8 von 62 Bonner Bezirken sog.
„Quartiersmanagements“ einzurichten.
Der Grundstein wurde 2009 mit der Arbeitsaufnahme des
Quartiersmanagements Pennenfeld gelegt. Zwischenzeitlich
kamen Quartiersmanagements in Lannesdorf/Obermehlem,
Macke-Viertel, Neu-Tannenbusch und Auerberg hinzu.
Die Bundesstadt Bonn steht als wachsende Stadt vor großen
Herausforderungen durch Zuzug, steigende Geburtenzahlen,
dem demographischen Wandel sowie den Anforderungen an
die unterschiedliche Herkunft der im Quartier lebenden Men-
schen, die eine Veränderung der sozialen und kulturellen Zu-
sammensetzung der Bewohnerschaft bedeutet mit verschie-
denen Lebensstilen, Bildungsniveaus sowie sozialem Status.
Als erste Anlaufstelle im Quartier aktivieren die Quartiersma-
nagements die Bewohnerschaft, um den sozialen Zusammen-
halt zu stärken, und beteiligen sie an der Weiterentwicklung
ihres Stadtteils. Sie unterstützen lokale Aktivitäten der Bewoh-
nerinnen und Bewohner, sammeln Ideen, vernetzen Menschen
und Initiativen und organisieren den Prozess der Stärkung des
Quartiers und der Eigenverantwortung der Bewohnerschaft.
Ein wichtiges Instrument zur Förderung des freiwilligen Enga-
gements und des gesellschaftlichen Miteinanders ist der vom
Quartiersmanagement verwaltete Quartiersfonds. Mit dessen
Hilfe werden, unter aktiver Beteiligung der Bewohnerschaft u.
a. von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Vereinen, initia-
lisierte Kleinprojekte und niederschwellige Aktionen finanziell
unterstützt, die eine Verbesserung für das Quartier mit sich
bringen.
So reicht das Angebot von Begegnungsmöglichkeiten wie
Sommerfest, Martinsfest, weihnachtliche und interkultu-
relle Feste, Gedächtnistraining, Malkurs, Eltern-Kind- Café,
PC-Sprechstunde, Spiele- und Singtreff, Bastelangebot,
Deutschkurs, Frühstück, Mittagstisch, Theaterworkshop, Fe-
rienworkshop, Migrantenmusikprojekt über Umweltthemen
wie Repair-Café, Fahrrad-Repair-Point, Upcycling-Projekte,
Samen- und Pflanzentauschbörse, Klima-Gespräche, heimi-
sche Kräuter und Bauerngärten, Einrichtung eines Bauern-
marktes mit regionalen Produkten, Teilnahme am Aktionstag
„Bonn picobello“ bis zu Verschönerungsaktionen wie Bema-
len von Stromkästen, Aufstellen von Bänken, Gartenprojekte
und Beteiligungsformate wie Begehungen, Foren, Bewohner-
jury, Arbeitsgemeinschaften.
2018 wurden in den Quartieren 60 Projekte mit einem Pro-
jektvolumen von insgesamt 78 000 Euro bewilligt.
Quartiersarbeit lässt sich in aller Regel nicht als zahlenmäßi-
ges Ergebnis darstellen. Viele Maßnahmen wirken sich auch
nur mittelbar aus, z. B. durch Rückgang der Fluktuation oder
weniger Vandalismus. Neben den vielen kleinräumigen posi-
tiven Aspekten sei hier ausdrücklich benannt, dass die Le-
bensqualität in einem Quartier ganz sicher das Zusammenle-
ben der Menschen und die sozialen Unterschiede positiv und
nachhaltig beeinflusst.
Ansprechpartnerin
Gitte Sturm
Amt für Soziales und Wohnen
0228 - 77 48 10
amtsleitung.amt50@bonn.deSeite 13 von 112
12
3.1.3 Fahrradstraßenkonzept
Das Bonner Fahrradstraßenkonzept wurde 2012 auf der
Grundlage eines entsprechenden Entwurfs des ADFC Bonn
erarbeitet. Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit
haben, sich innerstädtisch auf einem Netz von klar gekenn-
zeichneten Fahrradstraßen bequem und sicher bewegen zu
können. Insgesamt sind in Bonn 182 Fahrradstraßen und
-straßenabschnitte mit einer Gesamtlänge von circa 52 Ki-
lometern geplant worden. Da die einzelnen Abschnitte der
Fahrradstraßen durch die jeweiligen politischen Gremien be-
schlossen werden mussten sowie eine finanzielle Förderung
des Landes für alle beschlossenen Maßnahmen beantragt
wurde, dauert die gesamte Umsetzung einige Jahre. Derzeit
sind 58 Fahrradstraßen (-abschnitte) bereits beschlossen und
entsprechend einheitlich als solche markiert und beschildert.
Fahrradstraßen sind Fahrbahnen, auf denen der Radverkehr
bevorrechtigt ist. Es können auch (Kraft-) Fahrzeuge zugelas-
sen werden, was durch eine zusätzliche Beschilderung kennt-
lich gemacht wird. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für
den Kraftfahrzeugverkehr auf Fahrradstraßen ist auf 30 km/h
begrenzt. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen auf Fahrrad-
straßen nebeneinander fahren.
Fahrradstraßen erfüllen innerhalb des Radverkehrsnetzes
verschiedene Funktionen. Abseits von den Hauptverkehrs-
straßen und auf ortsteilverbindenden Routen bieten Fahrrad-
straßen eine Alternative für Radfahrer, die den stark befahre-
nen Straßen ausweichen möchten. Im Umfeld bedeutender
Radverkehrsziele übernehmen Fahrradstraßen eine Erschlie-
ßungsfunktion und für den Schulweg stellen sie eine sichere
und komfortable Alternative dar. Nicht zuletzt erhöhen Fahr-
radstraßen definitiv sowohl den Spaß als auch die Sicherheit
beim Radfahren.
Stadtradeln
Weiterführende Informationen
Internetseite der Stadt Bonn: www.bonn.de, Suchbegriff:
„Fahrradstraße“ oder „Fahrradstraßenkonzept“
Bonner Ratsinformationssystem (www.bonn.de, Suchbegriff:
„Boris“), Suchbegriff: „Fahrradstraße“
Ansprechpartnerinnen
Fahrradteam im Stadtplanungsamt
Regina Jansen
0228 - 77 44 76
regina.jansen@bonn.de
Marlies Koch
0228 - 77 44 74
marlies.koch@bonn.deSeite 14 von 112
13
Anzahl der informellen
Beteiligungsverfahren
Anteil der informellen
Bürgerbeteiligungs-
verfahren pro
1 000 Einwohner
Datenquellen:
Statistikstelle
Stadt Bonn,
Koordinierungsstelle
Bürgerbeteiligung der
Stadt Bonn
Definition
Anzahl der informellen
Beteiligungsverfahren
pro 1 000 Einwohne-
rinnen und Einwohner
3.2 Quantitative Daten
3.2.1 Informelle Bürgerbeteiligung
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Eine nachhaltige Entwicklung lässt sich nicht staat-
lich verordnen; sie lässt sich nur erreichen, wenn
Bürgerinnen und Bürger, die politisch Verantwort-
lichen auf allen staatlichen Ebenen, Wirtschaft,
Gewerkschaften und Kirchen sich in ihrem Verant-
wortungsbereich und ihrem Handeln dem Leitbild
einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet fühlen.
Nachhaltigkeit braucht den Dialog, auch um die
Akzeptanz dieses Leitbildes bei allen Beteiligten zu
erhöhen.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Der Indikator wird erstmals systematisch erfasst
und fortgeschrieben.
Maßnahmen
Unter dem Titel „Wirkungsvolle Beteiligungskultur
fördern“ wird in der Bonner Nachhaltigkeitsstra-
tegie folgendes strategisches Ziel formuliert: Im
Jahr 2030 wird in Bonn eine wirkungsvolle Betei-
ligungskultur gelebt, die sich auf vielfältige Partizi-
pationsformate stützt. Die in Bonn lebenden Men-
schen nutzen öffentliche Angebote. Sie beteiligen
sich gemeinschaftlich am Stadtleben und an po-
litischen Prozessen. Als konkrete Maßnahme zur
positiven Veränderung des Indikators soll zur in-
tensivierten Kommunikation über Grundlagen und
Inhalte von Bürgerbeteiligung und gesellschaftli-
cher Teilhabe ein Netzwerk mit gesellschaftlichen
Akteurinnen und Akteuren sowie Multiplikatorin-
nen und Multiplikatoren der Stadtgesellschaft auf-
gebaut werden. In Kooperation mit der Volkshoch-
schule (VHS) werden regelmäßige Veranstaltungen
angeboten, die über Möglichkeiten der Bürgerin-
nen und Bürger zur Mitwirkung in den politischen
Entscheidungsfindungen und Verwaltungsprozes-
sen informieren.
Einschätzung
Der Indikator wird voraussichtlich weiterhin eine
positive Tendenz zeigen.
Weiterführende Informationen
www.bonn-macht-mit.de;
Beschluss der Leitlinien Bürgerbeteiligung, Druck-
sachen-Nummer: 1410584,
Beschluss der Nachhaltigkeitsstrategie, Drucksa-
chen-Nummer: 1812770EB8
Ansprechpartner
Dirk Lahmann
Leiter Koordinierungs-
stelle Bürger-
beteiligung
0228 - 77 49 74
dirk.lahmann@bonn.de
21
18
27
33
0,065
0,055
0,082
0,099
0
0,02
0,04
0,06
0,08
0,1
0,12
0
5
10
15
20
25
30
35
2015 2016 2017 2018Seite 15 von 112
14
3.2.2 Flächen zur Erholung
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Ein hoher Anteil an Erholungsflächen fördert die
Lebensqualität. Dadurch wird die Stadt für Men-
schen aller Altersgruppen attraktiv. Erholungsflä-
chen in der Stadt dienen unter anderem durch die
Bereitstellung von sauberer Luft oder die Möglich-
keit zur Bewegung im Freien der physischen und
psychologischen Gesundheit. Freiräume, die der
Erholung dienen, erfüllen zugleich viele andere
Funktionen. Hierzu zählen ökologische und klima-
tische, soziale und gesellschaftliche, strukturelle
und symbolische sowie ökonomische Funktionen.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die Erholungsfläche pro Einwohnerin und Einwoh-
ner außerhalb von Siedlungsflächen ist im Be-
richtszeitraum um 2,2 m² pro Einwohnerin und Ein-
wohner von 2015 bis 2018 gesunken. Die Flächen
zur Erholung innerhalb von Siedungsflächen sind
mit geringen Schwankungen seit dem Jahr 2015
mit 24,9 m² pro Einwohnerin und Einwohner kon-
stant geblieben. Der Anteil der Erholungsflächen
pro Einwohnerin und Einwohner wird maßgeblich
durch die Bevölkerungsentwicklung geprägt. Die
Menge der Erholungsflächen innerhalb und außer-
halb des Siedlungsbereichs selbst haben sich im
Berichtszeitraum positiv entwickelt; die negative
Entwicklung des Indikators erfolgte aufgrund der
steigenden Einwohnerzahl. Mit dem Anstieg der
Einwohnerzahl ist auch eine vermehrte Siedlungs-
entwicklung einschließlich der Erschließung und
Gestaltung neuer Grün- und Erholungsflächen im
Rahmen von Freiraumplanungen verbunden; dies
erklärt die Stagnation beim Indikator Erholungsflä-
chen pro Einwohnerin und Einwohner innerhalb der
Siedlungsbereiche.
Maßnahmen
Bei der Entwicklung neuer Baugebiete werden re-
gelmäßig auch weitere innerstädtische Grün- und
Erholungsflächen ausgebaut. Im Berichtszeitraum
wurde unter anderem das Wohnbaugebiet „Am Höl-
der“ einschließlich ausgedehnter Erholungsflächen
im Ortsteil Röttgen realisiert. Durch Freiraumpro-
jekte innerhalb des Masterplans „Innere Stadt“
werden zudem bestehende Grünanlagen systema-
tisch weiter qualifiziert. Im Berichtszeitraum wurde
in diesem Rahmen beispielsweise das Baumschul-
wäldchen umfassend neu gestaltet; ab 2019 folgt
die Neugestaltung des Stadtgartens und mittelfris-
tig die Sanierung des linksrheinischen Rheinufers
zwischen der „Zweiten Fährgasse“ und der Straße
„Rosental“. Außerhalb der Siedlungsflächen tragen
die Bonner Landschaftspläne zur Sicherung und Ent-
wicklung der Freiräume bei. Darüber hinaus bilden
die Projekte des Integrierten Handlungskonzepts
„Grüne Infrastruktur“ im Bonner Norden einen Bau-
stein zur langfristigen Sicherung und Qualifizierung
der vorhandenen Freiräume; die Einzelprojekte wer-
den ab 2019 umgesetzt. Weiterführende Konzepte,
zum Beispiel in der Siegaue, werden zudem die Qua-
lifizierung von Freiräumen in Bonn fördern.
Datenquelle:
Statistikstelle Stadt Bonn
Definition
Quadratmeter Erholungsflä-
che innerhalb und außerhalb
der Siedlungsfläche pro Ein-
wohnerin und Einwohner
m2 Erholungsfläche
innerhalb der Siedlungs-
fläche pro Einwohnerin
und Einwohner
m2 Erholungsfläche
außerhalb der Siedlungs-
fläche pro Einwohnerin
und Einwohner
Ansprechpartner
David Baier und
Jonas Michels
Amt für Stadtgrün
0228 - 77 44 01
jonas.michels@bonn.de
22,7
23,1
23,0
23,3
23,5
23,8
23,9
24,4
23,3
23,3
23,1
24,6
24,5
24,9
24,6
24,4
24,9
161,5
160,6
160,0
159,8
159,9
159,4
158,8
158,2
157,6
157,5
157,2
157,8
156,5
157,5
155,8
154,3
155,3
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 16 von 112
15
Einschätzung
Durch einen weiteren Anstieg der Einwohnerzahl in
Bonn kann sich der Nutzungsdruck auf die Flächen
zur Erholung verstärken. Dem gilt es weiterhin
durch die Entwicklung neuer Grün- und Erholungs-
flächen sowie der langfristigen Sicherung von
Freiräumen entgegenzuwirken. Die Bundesstadt
Bonn hat eine ausgeprägte Freiraumstruktur mit
einer besonderen Heterogenität. Die vorhande-
nen Freiräume erfüllen mannigfaltige ökologische
und klimatische, soziale und gesellschaftliche,
strukturelle und symbolische sowie ökonomische
Funktionen. Die Bundesstadt Bonn muss dem
möglichen Bevölkerungszuwachs im Sinne einer
nachhaltigen Stadtentwicklung begegnen und da-
für Sorge tragen, dass die hohe Lebensqualität
erhalten und nach Möglichkeit weiter verbessert
wird. Mit dem Freiraum Monitoring 2017 wurde im
Berichtszeitraum eine neue Grundlage geschaffen,
um den Herausforderungen der Siedlungsentwick-
lung zu begegnen. Die geplante Fortschreibung der
Integrierten Freiraumplanung wird mit dem nächs-
ten Berichtszeitraum Wege aufzeigen, wie dieses
Ziel konkret erreicht werden kann.
Ziele
In der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie wird mit
Verweis auf das Freiraum Monitoring das opera-
tive Ziel 2.1 gefasst: „Im Jahr 2030 ist für alle in
Bonn lebenden Menschen die Versorgung mit öf-
fentlichen Grünflächen (Stand 01.01.2017: 21 m²
pro Einwohner) und erweiterten Freiräumen (Stand
01.01.2017: 212 m² pro Einwohner) mindestens auf
dem heutigen Niveau. Eine Versorgung mit grünen
Freiräumen ist für alle in Bonn lebenden Menschen
im gesamten Stadtgebiet sichergestellt.“
Weiterführende Informationen
www.bonn.de, Suchbegriff: „Stadtgrün“
www.bonn.de, Suchbegriff: „Masterplan Innere
Stadt“
Nachhaltigkeitsstrategie, Drucksachen-Nummer:
1812770
Integriertes Handlungskonzept Grüne Infrastruk-
tur, Drucksachen-Nummer: 1710990
Freiraum Monitoring, Drucksachen-Nummer:
1313742NV13
Besucherlenkungskonzept Siegaue, Drucksachen-
Nummer: 1910510Seite 17 von 112
16
3.2.3 Vereinsleben
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Bürgerschaftliches beziehungsweise ehrenamtli-
ches Engagement als freiwilliger, selbstbestimmter,
unentgeltlicher und zielgerichteter Einsatz sorgt für
Verbesserungen sowohl im persönlichen Lebens-
umfeld als auch im Gemeinwesen. Engagierte Bür-
gerinnen und Bürger geben Impulse und reagieren
individuell auf gesellschaftliche Herausforderun-
gen. Durch Eigeninitiative und das Bewusstsein ge-
sellschaftlicher Verantwortung tragen unter ande-
rem Vereine dazu bei, innovative Lösungsansätze zu
entwickeln und den Gemeinschaftssinn zu stärken.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die Anzahl der Vereine pro 1 000 Einwohnerinnen
und Einwohner hat sich auf einem nahezu gleich
hohen Niveau eingependelt. Nach Aussage des
aktuellen bundesweiten Freiwilligensurveys enga-
gieren sich zunehmend mehr Menschen freiwillig
(43,6 % der Wohnbevölkerung über 14 Jahren; die
Engagementquote ist damit in den letzten 15 Jah-
ren um insgesamt knapp zehn Prozentpunkte ge-
stiegen); dieses Engagement erfolgt nicht immer
im Verein. Außerdem ist der Anteil der Menschen,
die Mitglied in einem Verein oder einer gemeinnüt-
zigen Organisation sind, gestiegen. Bürgerschaftli-
ches Engagement in Bonn ist mehr und vielfältiger
als der Indikator aussagen kann.
Maßnahmen
Es liegt in der Natur des freiwilligen Engagements,
dass eine Steuerung hier nur bedingt möglich ist.
Menschen werden aus unterschiedlichen Motivati-
onen heraus aktiv. Ein Engagement kann nicht ein-
gefordert oder verordnet werden, allenfalls können
Appelle und das Aufzeigen von gesellschaftlichen
Entwicklungen eine Motivation erzeugen. Die Schaf-
fung guter Rahmenbedingungen für bürgerschaftli-
ches Engagement allerdings kann zu einer höheren
Einsatzbereitschaft führen und gehört zu den Aufga-
ben des Bereiches „Bürgerschaftliches Engagement/
Freiwilligenagentur“ der Stadt Bonn. Als trägerunab-
hängige Stelle werden hier Freiwillige an Vereine ver-
mittelt sowie Vereine beraten und unterstützt.
Einschätzung
Vereine entstehen als Reaktion auf gesellschaftliche
Veränderungen und Entwicklungen beziehungswei-
se aus persönlichen Bedürfnissen und dem Wahr-
nehmen von erforderlichen Strukturen. Gerade in
Zeiten des demographischen Wandels ist durch die
„Überalterung“ und mangelnden Nachwuchs vie-
ler Vereine mit Auflösungen zu rechnen. Eine ne-
gative Tendenz des Indikators muss jedoch nicht
zwangsläufig bedeuten, dass bürgerschaftliches En-
gagement abnimmt; es entwickeln sich auch neue
Formen des Engagements (zum Beispiel Online-En-
gagement). Wichtig sind gute Rahmenbedingungen
für Menschen, die sich engagieren möchten. Infor-
mationen, Qualifizierungen, Beratungen, Unterstüt-
zung bei der Engagementsuche, Ansprechpersonen
und Anerkennung sind wichtige Aspekte, die von
der Stadt bereits aufgegriffen wurden.
Ziele
Politisch beschlossene Ziele zu diesem Indikator
sind nicht bekannt. Im Hauptausschussbeschluss
von 2006 wurde jedoch die Förderung des Bürger-
schaftlichen Engagements in Bonn als Aufgabe der
Stadtverwaltung im Amt für Soziales und Wohnen
verankert. Vereine und Organisationen werden be-
raten, bei der Suche nach Freiwilligen unterstützt
und regelmäßig informiert.
Weiterführende Informationen
Mitteilungsvorlage Ausschuss für Soziales, Migra-
tion, Gesundheit und Wohnen am 11.2.2016,
Drucksachen-Nummer: 1610344
Mitteilungsvorlage Ausschuss für Soziales, Mig-
ration, Gesundheit und Wohnen am 12.12.2017,
Drucksachen-Nummer: 1713257
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Handelsregister,
Vereinsregister
Definition
Anzahl der Vereine pro
1 000 Einwohnerinnen
und Einwohnern
Ansprechpartnerin
Tanja Heine
Amt für Soziales
und Wohnen
Bürgerschaft-
liches Engagement,
Freiwilligenagentur
0228 - 77 48 16
tanja.heine@bonn.de
14,9 15,1 15,4 15,5 15,6 15,7
13,2
10,0
13,4 13,4 13,6 13,4 13,3 13,2
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 18 von 112
17
3.2.4.1 Altersstruktur
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Die Veränderung der Altersstruktur, verursacht
durch Geburtenrückgänge und steigende Lebens-
erwartungen, ist eine der großen gesellschafts-
politischen Herausforderungen für eine nachhalti-
ge Entwicklung. Weniger Arbeitskräfte, steigende
Kosten in den Sozialsystemen, Auswirkungen auf
Infrastrukturbedarfe, Anforderungen an Wohnen
und Wohnumfeld etc. sind nur einige der Heraus-
forderungen.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Neben dem Geburtenniveau bestimmen die Le-
benserwartung und das Verhältnis von Zu- und
Abwanderungen die demografische Struktur der
Bevölkerung. Durch den für eine Universitäts-
stadt typischen Zuzug junger Menschen und der
Entstehung neuer für junge Menschen attraktiver
Arbeitsplätze werden die allgemeinen demografi-
schen Tendenzen in Bonn abgemildert und die Al-
tersstruktur bleibt vergleichsweise stabil.
Einschätzung
Auch in Bonn wird sich der Übergang der sogenann-
ten geburtenstarken Jahrgänge des letzten Jahr-
hunderts in die Gruppe der Ü 65 in den nächsten
Jahren bemerkbar machen. Die hohe Lebensquali-
tät in Bonn, die Dichte an renommierten Bildungs-
einrichtungen sowie die Entstehung neuer Arbeits-
plätze in zukunftsfähigen Bereichen werden aber
auch zukünftig für einen positiven Wanderungssal-
do sorgen und somit vermutlich zu einer vergleichs-
weise stabilen Altersstruktur in Bonn führen.
Weiterführende Informationen
Jahreswirtschaftsbericht 2018, Drucksachen-Num-
mer: 1812501
3.2.4 Bevölkerungsentwicklung
Bedeutung der Indikatoren in Bezug zum Thema Nachhaltigkeit
Daten zur Bevölkerungsentwicklung geben unter anderem Aufschluss über Bildungslandschaft, medizi-
nische Versorgung, Wirtschaftskraft sowie die generelle Attraktivität eines Standortes. Eine nachhaltige
Kommunalentwicklung zeichnet sich dadurch aus, dass die Einwohnerinnen und Einwohner in der Kom-
mune ihren Lebensmittelpunkt sehen und ihre Zukunft am Standort planen.
Datenquelle:
Statistikstelle
Stadt Bonn
Definition
Prozentualer Anteil
von Altersgruppen
an der gesamten
Einwohnerzahl
über 65 Jahre in %
30 bis unter 65 in %
von 18 bis unter
30 jahre in %
von 6 bis 18 Jahre in %
unter 6 Jahre in %
Ansprechpartnerin
Jeannette Wagner
Stadtplanungsamt
0228 - 77 45 06
jeannette.wagner@
bonn.de
11,10 11,20 11,10 11,10 11,10 11,00 10,90 10,90 10,90 10,90 11,00 11,00 11,10 11,20 11,20 11,10 11,10
17,80 17,80 18,10 18,30 18,20 18,20 18,20 18,10 17,80 17,50 17,40 17,40 17,40 17,40 17,60 17,80 17,80
48,90
16,47 16,72 16,96 17,30 17,62 17,71 17,82 17,87 17,75 17,84 17,84 17,87 19,92 18,11 18,03 17,99 18,03
48,60 48,00 47,60 47,40 47,40 48,00 47,40 47,80 48,00 48,00 48,00 47,90 47,60 47,40 47,30 47,30
0 %
10 %
20 %
30 %
40 %
50 %
60 %
70 %
80 %
90 %
100 %
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
5,80 5,80 5,80 5,70 5,70 5,70 5,70 5,70 5,70 5,705,70 5,80 5,80 5,80 5,80 5,805,70Seite 19 von 112
18
3.2.4.2 Wanderungen
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Der Indikator Wanderungssaldo zeigt die Entwick-
lung der Zu-und Abwanderung in Bonn auf. Ein po-
sitiver Wanderungssaldo bedeutet, dass die Zahl
der Zuwanderer höher ist als die Zahl der fortge-
zogenen Menschen. Der Indikator muss grund-
sätzlich gemeinsam mit der natürlichen Bevölke-
rungsentwicklung zusammen betrachtet werden.
Ein positiver Wanderungssaldo legt nahe, dass der
Druck auf den lokalen Wohnungsmarkt steigt, In-
frastrukturen besser ausgelastet oder aber auch
überlastet werden et cetera. So kann der Indikator
nur bedingt als Hinweis darauf verstanden werden,
ob die Lebensbedingungen in Bonn attraktiv sind
oder nicht.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die Rückgänge im positiven Saldo während des
Berichtszeitraumes sind insbesondere auf Verän-
derungen in internationalen Migrationsbewegun-
gen zurückzuführen. Der Wanderungssaldo ist
aber seit Beginn des 21. Jahrhunderts stets posi-
tiv in Bonn, so dass sich vorsichtig interpretieren
lässt, dass Bonn als Wohnstandort attraktiv ist. Er-
klärbar ist dies durch den Universitätsstandort und
die stetig ansteigende Zahl an Beschäftigten.
Maßnahmen
Geplant ist, Potentialanalysen des Wohnungsbe-
standes durchzuführen, das heißt Möglichkeiten
aufzuzeigen, wie bestehender Wohnraum effizien-
ter genutzt werden kann. Denkbar wäre, dass da-
durch mehr Wohnungssuchende bedient werden
könnten und somit einem Ausweichen in die Re-
gion − verbunden mit einem erhöhten Pendlerauf-
kommen − entgegengewirkt werden kann.
Einschätzung
Grundsätzlich ist die Entwicklung der Stadt Bonn auf
eine weitere Aktivierung der Attraktivität der Univer-
sität und der Wirtschaftsstruktur ausgerichtet, so
dass mit einem Rückgang der Salden aufgrund kom-
munaler Maßnahmen nicht zu rechnen ist.
Datenquelle:
Statistikstelle Stadt
Bonn
Definition
Zuzüge abzüglich Fort-
züge über die Gemein-
degrenzen pro 100
Einwohnerinnen und
Einwohner
Ansprechpartnerin
Jeannette Wagner
Stadtplanungsamt
0228 - 77 45 06
jeannette.wagner@
bonn.de
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
0,89
0,62
0,18 0,15
0,39
0,54
0,40 0,46
1,43
0,63
0,78
0,51
1,33
0,89 0,85
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1, 0
1, 2
1, 4
1, 6
0,36Seite 20 von 112
19
3.2.5 Verkehrsunfälle mit Kindern
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Im Straßenverkehr lauern für Kinder viele Gefah-
ren. Deshalb brauchen sie Unterstützung und be-
sondere Aufmerksamkeit von Erwachsenen. Je
nach Entwicklungsstand und Alter können Kinder
notwendige Verhaltensregeln erlernen und sich
dadurch immer sicherer im Straßenverkehr bewe-
gen. Maßnahmen zur Verkehrserziehung sind da-
her unabdingbar, stellen jedoch nur einen Teilbe-
reich dar.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Im Jahr 2018 ist eine leichte Erhöhung der verletzen
Kinder zu verzeichnen. Im betrachteten Drei-Jah-
res-Schnitt sind keine Auffälligkeiten wie beispiels-
weise örtliche Häufungen erkennbar. Die Zahlen
unterliegen naturgemäß kleineren Schwankungen.
Maßnahmen
Durch die Verkehrssicherheitsberater der Bon-
ner Polizei werden Maßnahmen, wie zum Beispiel
Radfahrausbildung an Grundschulen, in Kooperati-
on mit den jeweiligen Einrichtungen durchgeführt.
Des Weiteren stehen Kontrollen der Rückhaltesys-
teme sowie Geschwindigkeitsmessungen an Kin-
dergärten und Schulen im Fokus.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die präventive Verkehrssicherheitsarbeit wird auf
bewährtem Niveau fortgeführt. Repressive Über-
wachungsmaßnahmen vor allen Dingen an Schu-
len und Kindergärten verstärken regelkonformes
Verhalten. Kontinuierliche Auswertungen der Un-
fallstatistik lassen negative Entwicklungen frühzei-
tig erkennen. Somit werden kurzfristig auftretende
Problemlagen identifiziert und bearbeitet.
Ansprechpartnerinnen
und Ansprechpartner
Polizeipräsidium Bonn
0228 - 15 60 10
0228 - 15 60 11
0228 - 15 60 13
verkehr.bonn@
polizei.nrw.de
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Verkehrsunfall-
statistik Polizei Bonn
Definition
Anzahl der bei Ver-
kehrsunfällen verletz-
ten oder getöteten
Kinder pro 1 000
Kinder unter 15 Jahren
3,20 3,40
3,50
3,00
3,50
3,10
2,60
3,10 3,00
2,60 2,40
3,10
2,90
2,40
2,80
2,40
3,00
0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 21 von 112
20
3.2.6.1 Anzahl der erfassten Straftaten
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die Entwicklung der Gesamtkriminalität im Stadt-
gebiet Bonn ist für den Zeitraum von 2006 bis 2018
insgesamt als positiv zu bewerten. Ein sich vom
Mittelwert der vergangenen Jahre abhebender An-
stieg der Kriminalitätszahlen in 2009 ist auf eine
Serie von Internet-Betrugsdelikten zurückzufüh-
ren, die durch die Bonner Polizei aufgeklärt wurde.
Seit 2016 sind Rückgänge bei den Fallzahlen der
Gesamtkriminalität festzustellen. Im Jahr 2018
sind die Rückgänge auf die Abnahmen im Bereich
der Straßenkriminalität und der Vermögens- und
Fälschungsdelikte zurückzuführen. Der erreichte
Wert (Anzahl der Straftaten pro 1 000 Einwohner)
ist der geringste seit mindestens 2006.
Maßnahmen
Die innere Sicherheit ist eine gesamtgesellschaftli-
che Aufgabe. Daher kommt den Ordnungspartner-
schaften und Netzwerken, in die sich die Polizei aktiv
und initiativ einbringt, eine besondere Bedeutung zu.
Die Bonner Polizei wertet das Kriminalitätsgesche-
hen fortlaufend aus und analysiert es. Sie geht mit
einer deutlichen Schwerpunktsetzung und zielge-
richteten Konzepten gegen auffällige Kriminalitäts-
entwicklungen vor.
Bei der Bekämpfung von Straftaten setzt die Poli-
zei auch auf zielgerichtete Präventionsarbeit, un-
ter anderem mit landesweiten Kampagnen. Zudem
bringen Expertinnen und Experten der Kriminal-
prävention im Rahmen der städtebaulichen Kri-
minalprävention ihr Fachwissen in Planungs- und
Bauvorhaben ein.
Einschätzung
Die Entwicklung der Deliktsfelder ist von vielfälti-
gen Faktoren abhängig. Eine Einschätzung ist da-
her nicht möglich. Solche Einschätzungen werden
in der Regel auf der Basis längerfristiger wissen-
schaftlicher Studien vorgenommen. Neben dem
Straftatenaufkommen wirkt sich in einigen Delikts-
bereichen auch das Anzeigeverhalten von Geschä-
digten und Zeugen aus. Bei Delikten wie Laden-
diebstahl, Leistungserschleichung und Verstößen
gegen das Betäubungsmittelgesetz, hat auch die
Intensität durchgeführter Kontrollen beziehungs-
weise Sicherungsmaßnahmen Auswirkungen auf
die Anzahl der festgestellten Straftaten. Stellt die
Polizei eine auffällige Entwicklung fest, so steuert
sie mit zielgerichteten Konzepten dagegen.
Weiterführende Informationen
Ein Beispiel der Zusammenarbeit zwischen der
Bonner Polizei und der Kommunalverwaltung ist
die Gemeinsame Anlaufstelle Bonner Innenstadt
Drucksachen-Nummer: 0613561.
Definition
Anzahl der erfassten
Straftaten pro
1 000 Einwohnerinnen
und Einwohner
Ansprechpartnerinnen
und Ansprechpartner
Polizeipräsidium Bonn
Direktion Kriminalität,
Führungsstelle
0228 - 15 0
3.2.6 Kriminalität
Bedeutung der Indikatoren in Bezug zum Thema Nachhaltigkeit
Ein sicheres Entwicklungsumfeld und die Herstellung von sozialem Frieden stellen wichtige Schritte auf
dem Weg zu einer widerstandsfähigen, inklusiven und nachhaltigen Stadt dar. Häufig beruhen Straftaten
auf sozialen Problemen, die ihre Ursache in wirtschaftlichen Veränderungen haben. Ungünstige Entwick-
lungen auf dem Arbeitsmarkt, wachsende Armut sowie fehlende Zukunftsperspektiven bei Jugendlichen
können die Entwicklung dieses Indikators maßgeblich beeinflussen.
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Polizeipräsidium
Bonn
105,9
112,1 108,8
131,4
111,0 115,1 114,8
108,2 110,8 112,3 108,0
93,8
84,8
109,0
0
20
40
60
80
100
120
140
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 22 von 112
21
3.2.6.2 Gewaltkriminalität,
Straßenkriminalität und
Eigentumsdelikte
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die Entwicklung der Gewaltkriminalität ist als weit-
gehend positiv zu bewerten. Ein sich vom Mittel-
wert abhebender Anstieg 2011 war auf eine Zunah-
me der Raub- und Körperverletzungsdelikte
zurückzuführen. Beeinflusst wird die Entwicklung
in diesem Deliktsbereich auch von der Sensibilität
der Bevölkerung gegenüber Gewalttätigkeiten − bei-
spielsweise häusliche Gewalt − und damit vom An-
zeigeverhalten. Ein Anstieg der Straßenkriminalität
und der Eigentumsdelikte in 2007 war unter ande-
rem auf eine Zunahme der Diebstähle aus Kraft-
fahrzeugen zurückzuführen. Bei den Eigentums-
delikten machte sich 2011 unter anderem eine
Zunahme der Diebstahlsdelikte bemerkbar, darun-
ter auch der Wohnungseinbrüche, die sich wieder
rückläufig entwickeln. Seit 2016 sind Rückgänge
bei den Fallzahlen der drei Deliktsbereiche festzu-
stellen. Im Jahr 2018 sind die Rückgänge im Be-
reich der Gewaltkriminalität u. a. auf die Abnahme
der Raubdelikte zurückzuführen. Die gefährliche
und schwere Körperverletzung (nicht jedoch auf
Straßen, Wegen oder Plätzen) weist leichte Anstie-
ge auf. Die meisten Delikte der Straßenkrimina-
lität waren im Jahr 2018 bis auf den Bereich des
Fahrraddiebstahls rückläufig. Bei den Eigentums-
delikten sind die Diebstahlsdelikte (einfacher so-
wie schwerer Diebstahl) rückläufig. Die Fallzahlen
der Unterschlagungsdelikte sind hingegen minimal
ansteigend.
In allen drei Deliktsbereichen ist der geringste
Wert (Zahl der Straftaten pro 1 000 Einwohner)
seit mindestens 2006 festzustellen.
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Polizeipräsidium
Bonn
Maßnahmen
Die Bonner Polizei tritt auffälligen Fallzahlenent-
wicklungen in den oben angeführten Deliktsbe-
reichen mit einer deutlichen Schwerpunktsetzung
und zielgerichteten Konzepten entgegen.
So ist die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs
im Sicherheitsprogramm der Behörde verankert.
Auch gegen Gewaltdelikte geht die Polizei kon-
sequent vor und arbeitet eng mit anderen Ver-
antwortungsträgern und der Staatsanwaltschaft
zusammen. Insgesamt setzt die Polizei bei der Kri-
minalitätsbekämpfung auch auf eine zielgerichtete
Präventionsarbeit. Hierzu bietet das Kommissariat
Kriminalprävention/Opferschutz zahlreiche Akti-
onen und Informationsveranstaltungen für unter-
schiedliche Zielgruppen und Multiplikatoren an.
Einschätzung
Die Entwicklung der Deliktsfelder ist von vielfälti-
gen Faktoren abhängig. Eine Einschätzung ist da-
her nicht möglich. Solche Einschätzungen werden
in der Regel auf der Basis längerfristiger wissen-
schaftlicher Studien vorgenommen. Neben dem
Straftatenaufkommen wirkt sich in einigen Delikts-
bereichen auch das Anzeigeverhalten von Geschä-
digten und Zeugen aus. Stellt die Polizei in einem
Deliktsbereich eine auffällige Entwicklung fest, so
steuert sie mit zielgerichteten Konzepten dagegen.
Weiterführende Informationen
Ein Beispiel der Zusammenarbeit zwischen der
Bonner Polizei und der Kommunalverwaltung ist
die gemeinsame Anlaufstelle Bonner Innenstadt,
Drucksachen-Nummer: 0613561.
Ansprechpartnerinnen
und Ansprechpartner
Polizeipräsidium Bonn
Direktion Kriminalität
Führungsstelle
0228 - 15 0
Eigentumsdelikte
Straßenkriminalität
Gewaltkriminalität
Definition
Anzahl der erfassten
Straftaten pro 1 000
Einwohnerinnen
und Einwohner in
den Bereichen Ge-
waltkriminalität,
Straßenkriminalität
und Eigentumsdelikte
54,20
33,00
3,70
3,9 3,7 4,1 4,4 3,8 3,8 3,6 3,6 3,2
30,4
37,1
33,3 36,0 35,9 37,1 35,7
32,7 33,1 33,0 31,7
28,3
24,0
50,9
60,6
55,9 56,6 56,5
59,5 57,5 55,5 55,9 57,3
51,8
45,7
40,6
0
10
20
30
40
50
60
70
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
3,73,6 3,7 3,6Seite 23 von 112
22
3.2.7 Medizinische Versorgung
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Angesichts einer immer älter werdenden Gesell-
schaft rücken Pflege und Gesundheitsversorgung
als Standortfaktoren weiter in den Vordergrund.
Eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige me-
dizinische Betreuung und Versorgung sind daher
im kommunalen Kontext sehr wichtig. Dabei spie-
len insbesondere in Bonn das gute Angebot und
die enge Verzahnung von allgemeinärztlicher Ver-
sorgung einerseits und fachärztlicher beziehungs-
weise stationärer Versorgung andererseits eine
bedeutende Rolle. Für die Patienten und Patientin-
nen bedeutet dies kurze Wege von der medizini-
schen Untersuchung bis zur geeigneten Therapie.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Es ist zu beachten, dass die Indikatordefinition für
die neueren Werte verändert wurde und sich ab
2016 an der Bedarfsplanungs-Richtlinie des Ge-
meinsamen Bundesausschusses orientiert, um den
Versorgungsgrad realistischer abbilden zu können.
Eine Vergleichbarkeit mit den Werten vor 2016 ist
damit nur bedingt gegeben. Im Betrachtungszeit-
raum ist der Indikator nahezu konstant geblieben
und lag zuletzt 2018 bei 2,85 niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzten pro 1 000 Einwohnerinnen
und Einwohnern. Gegenüber 2016 waren damit
0,06 Ärztinnen/Ärzte weniger zu verzeichnen, was
auf natürliche Fluktuationen zurückgeführt wer-
den kann. Bonn liegt damit im Vergleich zu ande-
ren Städten und Regionen Nordrhein-Westfalens
in der Spitzengruppe. Dabei ist zu berücksichti-
gen, dass die medizinischen Einrichtungen in Bonn
auch von den Einwohnerinnen und Einwohnern des
Umlandes in Anspruch genommen werden und der
tatsächliche Versorgungsbereich so über die ei-
gentlichen städtischen Grenzen hinausgeht.
Maßnahmen
Bonn besitzt traditionell eine hervorragende medi-
zinische Versorgungsinfrastruktur im ambulanten
und stationären Bereich, so dass keine besonde-
ren Maßnahmen zur Veränderung des Indikators
erforderlich sind. Zudem ist die Niederlassung von
Ärztinnen und Ärzten in Deutschland durch die so-
genannte Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bun-
desausschusses geregelt. Ärzteschaft und Kran-
kenkassen legen hier gemeinsam fest, wie viele
Vertragsärzte und -ärztinnen sich pro Region nie-
derlassen können. Die Möglichkeiten zur Einfluss-
nahme durch Dritte, wie beispielsweise der Kom-
mune, sind äußerst begrenzt.
Einschätzung
Auch in Zukunft dürfte das Verhältnis von Ärztin-
nen und Ärzten pro 1 000 Einwohner in Bonn sta-
bil bleiben, deutliche Veränderungen sind nicht ab-
sehbar. Es besteht bereits seit Jahren der Trend,
dass Großstädte ihr Umland im medizinischen Be-
reich mitversorgen. Dies ist vor allem im Facharzt-
bereich festzustellen: Aufgrund hoher Investitio-
nen in die erforderliche Geräteausstattung sowie
die Beschäftigung hochqualifizierten Fachperso-
nals lassen sich spezialisierte Praxen nur mit ei-
nem genügend großen Einzugsbereich sinnvoll
auslasten und wirtschaftlich betreiben. Insofern ist
die Arztdichte in Bonn nicht nur durch die ärztliche
Versorgung der eigenen Bevölkerung bedingt, son-
dern auch auf die Bedarfe der Umlandkreise bzw.
-gemeinden zurückzuführen.
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Kassenärztliche
Vereinigung Nordrhein
Definition
Anzahl der niederge-
lassenen Haus- und
Fachärztinnen und
-ärzte in Anrechnungs-
faktoren pro 1 000
Einwohnerinnen und
Einwohner
Ansprechpartner und
Ansprechpartnerin
Dieter Knospe
Amt für Wirtschafts-
förderung
0228 - 77 52 89
dieter.knospe@bonn.de
Dr. Inge Heyer
Leiterin des Gesund-
heitsamtes
0228 - 77 39 83
gesundheitsamt@bonn.de
2,29 2,40
2,60 2,73 2,85 2,96 3,03 3,02 3,05 3,10 3,11 3,12 3,11 3,14
2,91 2,88 2,85
0
1
2
3
4
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 24 von 112
23
3.2.8 Gewicht von Kindern
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Kinder mit starkem Über- beziehungsweise Un-
tergewicht sind oft in ihrer körperlichen oder psy-
chischen Befindlichkeit beeinträchtigt und tragen
zudem das Risiko für das spätere Auftreten von
Erkrankungen. Diese Erkrankungen können die
Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und die Lebens-
erwartung im Erwachsenenalter beeinflussen. Ne-
ben genetischen Faktoren hängen Gewichtspro-
bleme eng mit der Lebensweise zusammen. Dieser
Indikator lässt daher Rückschlüsse auf gesundheit-
liche, soziale und kulturelle Aspekte zu und steht
in engem Zusammenhang mit einer nachhaltigen
Stadtentwicklung.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Ausgehend vom Ausgangswert 2003 (Überge-
wicht) hat eine leichte Abnahme, wenn auch über
die Jahre schwankend, stattgefunden. Dies ist
durch die bereits ergriffenen Maßnahmen des Ge-
sundheitsamtes, wie auch durch Projekte anderer
Trägerinnen und Träger in Bezug auf gesunde Er-
nährung und mehr Bewegung der Kinder zu erklä-
ren. Die Zahlen für 2014 und 2015 sind aus tech-
nischen Gründen mit den Zahlen ab 2016 nicht
vergleichbar.
Maßnahmen
Treten Auffälligkeiten im Rahmen einer Untersu-
chung eines Kindes im Gesundheitsamt auf, so
erfolgt hier eine entsprechende Beratung der Er-
ziehungsberechtigten und eine Empfehlung zur ge-
gebenenfalls sinnvollen Abklärung/Therapie bei
niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sowie
eine Information über mögliche Hilfsangebote.
Einschätzung
In Bonn und von allen Beteiligten wird auf die hohe
Bedeutung von Bewegung und Ernährung auf die
Gesundheit hingewiesen. Die Datenlage wird wei-
terhin erhoben, um nachgehende Maßnahmen
gegebenenfalls zeitnah anzupassen. Die WHO
verweist in Ihrem aktuellen Bericht auf die Zu-
sammenhänge zwischen Nutzung elektronischer
Medien und der Entwicklung von Übergewicht
bei Kindern (https://www.who.int/news-room/
detail/24-04-2019-to-grow-up-healthy-children-
need-to-sit-less-and-play-more).
Weiterführende Informationen
Drucksachen-Nummer: 1811463ED2
Datenquellen:
Statistikstelle
Stadt Bonn,
Gesundheitsamt
Übergewichtig
Untergewichtig
Definition
Anteil der übergewichtigen
beziehungsweise unterge-
wichtigen Kinder an den
untersuchten Einschulungs-
kindern im jeweils starten-
den Schuljahr
Ansprechpartnerin
Dr. Imke Maywald
Kinder- und
Jugendärztlicher Dienst
der Stadt Bonn
0228 - 77 51 88
gesundheitsamt@bonn.de
4,30
5,40
6,30 5,90 6,00
13,80
9,94
11,49 11,26
9,70 10,15
11,74 11,10 11,00 11,30
10,30 10,70 10,60
0
2
4
6
8
10
12
14
16
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 25 von 112
24
3.3 Zusammenfassung
* Die angegebenen Indikatorenwerte beziehen sich auf das Berichtsjahr 2018. Waren keine Daten zu diesem
Berichtsjahr verfügbar, ist das jeweilige Referenzjahr in Klammern direkt hinter dem Zahlenwert angegeben.
** Nur erfasste Einbruchskriminalität
Wohlbefinden
Nr. Indikator Definition
3.2.1 Informelle Bürgerbeteiligung Anzahl der informellen Bürgerbeteiligungsverfahren pro
1 000 Einwohnerinnen und Einwohner
3.2.2 Flächen zur Erholung Quadratmeter Erholungsfläche innerhalb und außerhalb der
Siedlungsfläche pro Einwohnerin und Einwohner
3.2.3 Vereinsleben Anzahl der Vereine pro 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner
3.2.4.1 Altersstruktur Prozentualer Anteil von Altersgruppen an der gesamten Einwohnerzahl
3.2.4.2 Wanderungen Zuzüge abzüglich Fortzüge über die Gemeindegrenzen pro
100 Einwohnerinnen und Einwohner
3.2.5 Verkehrsunfälle mit Kindern Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten oder getöteten Kinder pro
1 000 Kinder unter 15 Jahren
3.2.6.1 Anzahl der erfassten Straftaten Anzahl der erfassten Straftaten pro 1 000 Einwohnerinnen und
Einwohner
3.2.6.2 Gewaltkriminalität, Straßenkriminalität,
Eigentumsdelikte
Anzahl der erfassten Straftaten pro 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner
in den Bereichen Gewaltkriminalität, Straßenkriminalität und Eigentums-
delikte
3.2.7 Medizinische Versorgung Anzahl der niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte in
Anrechnungsfaktoren pro 1 000 Einwohnerinnen und Einwohner
3.2.8 Gewicht von Kindern Anteil der übergewichtigen beziehungsweise untergewichtigen Kinder an
den untersuchten Einschulungskindern im jeweils startenden SchuljahrSeite 26 von 112
25
Vergleich Indikatorenwerte* Bonn
Bonn Nordrhein-
Westfalen
Deutschland Ziel Entwicklung
33 - - - -
24,9/155,3 - - -
13,2 - 7,6 ('14) - -
U 6 (5,8)
6–18 (11,1)
18–30 (17,8)
30–65 (47,3)
Ü 65 (18,0)
- - -
0,85 2,90 4,90 -
3,00 2,65 ('17) 2,60 -
84,8 76,7 (´17) 68 -
3,2/24,0/40,6 2,5/17,8/4** 2,3/13,9/23,8 -
2,85 2,4 (´17) 3,73 - -
10,6/6 - - - -Seite 27 von 112
4. Leitkategorie Soziale GerechtigkeitSeite 28 von 112
27
4.1 Praktische Beispiele
4.1.1 Freiwilligenagentur Bonn
Förderung von bürgerschaftlichem und unternehmeri-
schem Engagement
Sich einzusetzen für Andere und die Umwelt ist wichtig und
unverzichtbar für eine lebenswerte Stadtgesellschaft und ein
gutes Miteinander. Die Freiwilligenagentur fördert sowohl das
bürgerschaftliche als auch das unternehmerische Engage-
ment in Bonn und gibt Auskunft über Möglichkeiten, Chan-
cen und Rahmenbedingungen. Sie kooperiert mittlerweile mit
über 200 Vereinen und Organisationen und hat bereits über
4 500 interessierte Menschen beraten und dabei unterstützt,
aus einer Fülle von Engagementmöglichkeiten das Passende
zu finden.
In vielen Bereichen wird Hilfe benötigt
Man kann sich regelmäßig oder zum Beispiel bei einer Tages-
aktion engagieren:
im „Katalog der Tätigkeiten“ finden Interessierte aktuelle En-
gagementangebote für einzelne Freiwillige und für Freiwilli-
gengruppen. Die Themenvielfalt ist groß: vom Bereich „Be-
treuung/Begleitung“ über „Gartenarbeit“ und „Sprachen“ bis
hin zu „Ökologie/Naturschutz“ werden für nahezu alle Berei-
che des Lebens Unterstützerinnen und Unterstützer gesucht.
Dabei kann unter anderem ausgewählt werden, für welche
Zielgruppe, wo im Stadtgebiet und mit wie viel Zeiteinsatz das
Engagement erfolgen soll.
Die Liste „Weitere Engagementmöglichkeiten“ rundet das An-
gebot der Freiwilligenagentur Bonn ab und gibt Anregungen in
Sachen Patenschaften, Spenden, Selbermachen und so weiter.
Weiterführende Informationen
www.bonn.de, Suchbegriff: „Freiwilligenagentur“
Ansprechpartnerin
Tanja Heine
Amt für Soziales und Wohnen
Bürgerschaftliches Engagement/Freiwilligenagentur Bonn
0228 - 77 48 48
freiwilligenagentur@bonn.de
FreiwilligenagenturSeite 29 von 112
28
Teilhabeplan
4.1.2 Behindertenpolitischer Teilhabeplan für
die Bundesstadt Bonn
Der „Behindertenpolitische Teilhabeplan für die Bundesstadt
Bonn“ wurde 2011 vom Rat beschlossen. In acht Arbeitsgrup-
pen waren über 140 Bürgerinnen und Bürger, Mitarbeiterin-
nen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, politische Vertre-
terinnen und Vertreter und weitere gesellschaftliche Akteure
gemeinsam aktiv. Entstanden ist ein Plan mit 111 Handlungs-
empfehlungen. Die Umsetzung und Weiterentwicklung des
Behindertenpolitischen Teilhabeplans wird durch den „Pro-
jektbeirat Behindertenpolitischer Teilhabeplan“ begleitet, der
sich paritätisch aus Vertreterinnen und Vertretern der Frak-
tionen im Rat der Bundesstadt Bonn und Vertreterinnen und
Vertretern der Menschen mit Behinderung sowie der Behin-
derten-Gemeinschaft Bonn e.V. als Behindertenbeauftragte
der Bundesstadt Bonn zusammensetzt.
Jährlich werden vom Projektbeirat besondere Schwerpunk-
te gesetzt und Leuchtturmprojekte ausgewählt. So werden
Impulse für inklusives Handeln gesetzt und die Teilhabe von
Menschen mit Behinderung in Bonn verbessert.
Die Partizipation von Menschen mit Behinderung ist seit 2016
Schwerpunktthema des Projektbeirates „Behindertenpoliti-
scher Teilhabeplan“, hierzu ist eine gesonderte Arbeitsgruppe
gegründet worden.
Leuchttürme in den Jahren 2016 bis 2018 waren:
• Sport und Inklusion
• „Ein Platz für Alle − Reuterpark“
• Kultur und Inklusion − Broschüre „Barrierefreie Veranstal-
tungen richtig gemacht“
• Leichte Sprache auf www.bonn.de
• „Migrant*innen helfen Migrant*innen“ − inklusives Film-
und Radioprojekt
Zwei dieser Leuchttürme sind im Folgenden kurz beschrieben:
Die Broschüre „So geht’s − Barrierefreie Veranstaltungen
richtig gemacht“ wurde von einer Arbeitsgruppe des Projekt-
beirates erarbeitet und an alle Bonner Veranstaltungsorte ver-
sandt. Sie steht unter https://www.bonn.de/service- bieten/
barrierefrei/tipps-fuer-barrierefreie-veranstaltungen.php zur
Verfügung und bietet eine Checkliste, mit welchen − teilweise
sehr einfachen und kostenarmen − Mitteln Veranstaltungen
barrierefrei gestaltet werden können.
Im Rahmen des Projektes „Migrant*innen helfen Migrant*-
innen“ hat sich eine Gruppe von Migrantinnen und Migranten
mit und ohne Behinderung zur Aufgabe gemacht, ihre eigenen
positiven Erfahrungen in der Selbsthilfe mit anderen zu teilen
und zum Engagement und zur gegenseitigen Unterstützung zu
ermutigen. Es wurden eine Radiosendung, ein Film und eine
Broschüre erarbeitet, die zweisprachig sind. Vertreterinnen
und Vertreter der Gruppe nutzen die erarbeiteten Medien, um
Interessierte für die Selbsthilfe zu begeistern.
Ansprechpartnerin
Brigitte Schrick
Geschäftsstelle „Behindertenpolitischer Teilhabeplan“
0228 - 77 47 57
teilhabeplan@bonn.deSeite 30 von 112
29
Baulandmodell
4.1.3 Das Bonner Baulandmodell
Bonn ist eine dynamisch wachsende Stadt in attraktiver Lage
innerhalb der Metropolregion Rheinland. Das bringt die He-
rausforderung mit sich, auf das starke Bevölkerungswachs-
tum mit einem differenzierten Angebot von Wohnbebauung
und bezahlbaren Wohnungen zu reagieren. Angesichts eines
angespannten Wohnungsmarktes mit steigenden Mieten und
Grundstückspreisen wird es für Haushalte zunehmend schwe-
rer, geeigneten Wohnraum zu finden. In den 17 globalen Zie-
len für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 sowie in
der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung
wird eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung ange-
strebt. Diese beinhaltet unter anderem den Zugang zu bezahl-
barem Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten und einen
Rückgang der Wohnkostenbelastung für Haushalte.
Durch den Rat der Stadt Bonn wurde am 30.03.2017 der Be-
schluss zur Einführung des Bonner Baulandmodells gefasst,
welcher am 10.07.2018 modifiziert wurde. Zielsetzung des
Bonner Baulandmodells ist, dass stadtweit mehr bezahlbarer
Wohnraum geschaffen wird und Vorhabenträger an den Fol-
gekosten der sozialen Infrastruktur beteiligt werden.
Das Bonner Baulandmodell regelt einheitlich und verbindlich
für alle von ihm erfassten Wohnungsbauvorhaben, welche
Leistungen ein Vorhabenträger im Sinne der Allgemeinheit zu
erbringen hat. Ein Anliegen des Modells ist es, für die Aus-
handlung von städtebaulichen Verträgen nach § 11 BauGB ei-
nen geregelten Rahmen zu schaffen und somit Transparenz
und Sicherheit für alle an einer Planung beteiligten Akteure
herzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei, dass sich Planungs-
begünstigte in einem städtebaulichen Vertrag dazu verpflich-
ten, 40 % der für Wohnzwecke geplanten Bruttogrundfläche
eines Neubauvorhabens zu den Bedingungen des geförder-
ten Wohnungsbaus zu errichten und eine Kostenbeteiligung
zur Herstellung von Betreuungsplätzen in Kindertagesstät-
ten zu leisten. Das Bonner Baulandmodell wird angewen-
det, sofern für die Realisierung eines Wohnungsbauvorha-
bens ein Bebauungsplan aufgestellt oder angepasst werden
soll und wenn Planungsrecht für mehr als 24 Wohneinheiten
oder 2 200 m² Bruttogrundfläche Wohnen geschaffen wird.
Bei Vorhaben mit 12–24 Wohneinheiten oder 1 100–2 200 m²
Bruttogrundfläche Wohnen sind 20 % der Bruttogrundfläche
als geförderter Wohnungsbau zu errichten
Weiterführende Informationen
Bonner Baulandmodell: Drucksachen-Nummer: 1613742EB5
Modifizierung des Bonner Baulandmodells: Drucksachen-
Nummer: 1811574EB5
Geförderter Wohnraum im vorliegenden Bericht, unter der
Leitkategorie: Soziale Gerechtigkeit − 4.2.5
Ansprechpartner
Florian Helbig
Stadtplanungsamt
0228 - 77 25 33
florian.helbig@bonn.deSeite 31 von 112
30
4.2 Quantitative Daten
4.2.1 Betreuung von Kindern
Bedeutung der Indikatoren in Bezug zum Thema Nachhaltigkeit
Ein ausreichendes Angebot zur Betreuung von Kindern in unterschiedlichen Altersstufen ist wesentliche
Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erhöht frühkindliche Bildungschancen und
wirkt sich positiv auf Ausbildungschancen sowie die Vermeidung von Armut aus. Familienfreundlichkeit
innerhalb der Kommune sorgt nachhaltig dafür, dass die Stadt ein attraktiver Anziehungspunkt für Fami-
lien bleibt und trägt zur Zukunftsfähigkeit des Standortes bei.
4.2.1.1 Betreuungsplätze für Kinder
unter drei Jahren
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Im Berichtszeitraum wurden zahlreiche neue Be-
treuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in Ta-
gespflege und in Kindertageseinrichtungen ge-
schaffen. Gleichzeitig ist im Berichtszeitraum ein
Anstieg der Anzahl von Kindern unter drei Jahren
zu verzeichnen. Eine kontinuierliche Steigerung
der Versorgungsquote konnte trotz gestiegener
Kinderzahlen erreicht werden.
Maßnahmen
Mit der gesetzlichen Verankerung des Rechtsan-
spruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab
einem Jahr ist ein weiterer Ausbau der Betreuungs-
möglichkeiten erforderlich, um den Bedarfen in
Bonn gerecht zu werden. Um dieses Ziel zu errei-
chen, wurden zahlreiche neue Kindertagesstätten
gebaut bzw. sind in Planung und die Zahl der Ta-
gespflegeplätze wurde erhöht. Auch bei der Ent-
wicklung von Neubaugebieten werden frühzeitig
neue Standorte für Kindertageseinrichtungen be-
rücksichtigt.
Einschätzung
Durch den Ausbau von Kindertageseinrichtungen
und Tagespflege soll auch bei steigenden Kinder-
zahlen einer negativen Tendenz entgegengewirkt
und der U3-Betreuungsplatzausbau zukünftig for-
ciert werden.
Ziele
Der Rat hat 2018 den Kindertagesstättenbedarfs-
plan 2018 bis 2022 beschlossen. Hiermit wurde
das Ziel gesetzt, für 58 % der Kinder unter 3 Jahren
Betreuungsplätze zu schaffen. Um dieses Ziel zu
erreichen, bestehen noch erhebliche weitere Aus-
baubedarfe.
Weiterführende Informationen
Kindergartenbedarfsplan, Drucksachen-Nummer:
1510064
Kindertagesstättenbedarfsplan, Drucksachen-Num-
mer: 1811203
jährliche Anmeldung der Kindpauschalen beim
Land, zuletzt Drucksachen-Nummer: 1810066, so-
wie Beschlüsse im Zusammenhang mit geplanten
Neubauten von Kindertagesstätten
Ansprechpartnerin
Kristine Ónodi
Amt für Kinder, Jugend
und Familie
0228 - 77 32 48
kristine.onodi@bonn.de
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Amt für Kinder,
Jugend und Familie
Definition
Plätze, die in Kinder-
tagesstätten und
in Tagespflege zur
Verfügung stehen je
100 Kinder im Alter
von null bis unter drei
Jahren
3,3 5,3 6,2 7,1
17,0
22, 6 24,8 26,0
29,8
36,7 37,9 37,8 38,4 39,7 40,9
58,0
0
10
20
30
40
50
60
70
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Ziel bis
2022
3,5 3,5Seite 32 von 112
31
4.2.1.2 Betreuungsplätze für Kinder
von drei bis unter sechs Jahren
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder im Alter
von 3 Jahren bis zur Einschulung wurde in den letz-
ten Jahren kontinuierlich weiter ausgebaut, um für
jedes Kind dieser Altersgruppe einen Betreuungs-
platz anbieten zu können.
Maßnahmen
Im Rahmen der Kindertagesstättenbedarfsplanung
und mit der jährlichen Anmeldung der Kindpau-
schalen beim Land erfolgt eine kontinuierliche An-
passung des zur Verfügung stehenden Angebotes
der Betreuungsmöglichkeiten an die Bedarfssitua-
tion. Durch den Bau neuer Kindertagesstätten wird
das Angebot erweitert.
Einschätzung
Der kontinuierliche Ausbau der Kinderbetreuungs-
plätze für Kinder im Alter von drei Jahren bis zur
Einschulung orientiert sich an den Bevölkerungs-
entwicklungen. Aufgrund steigender Bevölkerungs-
zahlen in der Altersgruppe von 3 bis 6 Jahren und
der inklusiven Ausrichtung der Kindertagesstätten
besteht weiterer Ausbaubedarf. Vor diesem Hinter-
grund ist im Zusammenhang mit der Erschließung
neuer Bauflächenpotentiale der Bau neuer Kinder-
tagesstätten notwendig und geplant.
Ziele
Der Rat hat 2018 den Kindertagesstättenbedarfs-
plan 2018 bis 2022 beschlossen. Hiermit wurde
das Ziel gesetzt, für 102 % der Kinder im Alter von
3 bis unter 6 Jahren Betreuungsplätze zu schaffen.
Die Zielversorgung über 100 % ist notwendig, da
für die Betreuung von Kindern mit Förderbedarf je
nach Fördermodell nicht alle Plätze belegt werden
können und einige Kinder erst nach Vollendung
des 6. Lebensjahres in die Schule wechseln.
Weiterführende Informationen
Kindergartenbedarfsplan, Drucksachen-Nummer:
1510064
Kindertagesstättenbedarfsplan, Drucksachen-Num-
mer: 1811203
jährliche Anmeldung der Kindpauschalen beim Land
sowie Beschlüsse im Zusammenhang mit geplanten
Neubauten von Kindertagesstätten, Drucksachen-
Nummer: 1810066
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Amt für Kinder,
Jugend und Familie
Definition
Plätze, die in Kinder-
tagesstätten und in
Tagespflege zur Ver-
fügung stehen je 100
Kinder im Alter von
drei bis unter sechs
Jahren
Ansprechpartnerin
Kristine Ónodi
Amt für Kinder, Jugend
und Familie
0228 - 77 32 48
kristine.onodi@bonn.de
98,6
94,6
95,6
97,6 97,7
94,5
92,5
93,9 94,5 94,7
98,4 98,6
100,3
101,5 102,2
101,4
100,0
102,0
86
88
90
92
94
96
98
100
102
104
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Ziel bis
2022Seite 33 von 112
32
4.2.1.3 Plätze in offenen
Ganztagsschulen
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
In den letzten 15 Jahren wurde in Bonn die Ver-
sorgungsquote an Langzeitbetreuungsplätzen für
Grundschulkinder von rund 10 % bis auf derzeit über
65 % kontinuierlich erhöht. Um dem Bedarf langfris-
tig weiter gerecht zu werden, ist eine Weiterentwick-
lung bis zu einem Ausbau von bis zu 80 % Versor-
gungsquote geplant.
Maßnahmen
Es ist ein weiterer Ausbau des OGS-Angebots um
jeweils 300 Plätze pro Schuljahr von 8 087 im
Schuljahr 2018/2019 auf 9 941 Plätze im Schuljahr
2024/2025 geplant.
Einschätzung
Eine positive Entwicklung ist durch den kontinuier-
lichen Ausbau zu erwarten.
Ziele
Die offene Ganztagsschule wird in Bonn auch zu-
künftig als ein Betreuungs-, Erziehungs- und Bil-
dungsangebot vorgehalten, das die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf ermöglicht, die Bedürfnisse
der Kinder in den Mittelpunkt stellt sowie ein chan-
cengerechtes Aufwachsen unterstützt.
Weiterführende Informationen
Beschluss zur Neuausrichtung von OGS, Drucksa-
chen-Nummer: 1513723EB8
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Schulamt der
Stadt Bonn
Definition
Plätze, die in offenen
Ganztagsschulen zur
Verfügung stehen pro
100 Kinder im Alter
von sechs bis unter
zehn Jahren
Ansprechpartner
Tobias Niketta
Schulamt
0228 - 77 31 77
tobias.niketta@
bonn.de
12,51
25,34
40,50 43,44
47,64 51,07 53,13 56,49 57,46 58,96 61,27 62,65 64,27 65,87
78,68
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Ziel
2024Seite 34 von 112
33
4.2.1.4 Entwicklung der Schulplätze im
Gemeinsamen Lernen
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Hetero-
genität der Gesellschaft ist Inklusion aller Mitglie-
der der Gesellschaft im Sinne der Eröffnung und
Sicherstellung von Teilhabe unabhängig von Ge-
schlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehö-
rigkeit oder Bildung, von Behinderungen oder ande-
ren individuellen Merkmalen ein zentrales Thema
sozialer Nachhaltigkeit. Die Teilhabe von Kindern
mit sonderpädagogischen Förderbedarf ist ein
wichtiges Unterthema dieses Gesamtkomplexes.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz von 2013
wurde seitens der Landesregierung die sonderpäd-
agogische Förderung in der allgemeinen Schule als
Regelfall festgelegt. Im Zuge dieser Entwicklung
ist die Nachfrage nach Plätzen im Gemeinsamen
Lernen (GL) kontinuierlich gestiegen. Aufgrund der
seitens des Schulträgers und der Schulaufsicht er-
griffenen Maßnahmen konnte der Bedarf bisher
immer nahezu vollständig abgedeckt werden, das
heißt jedem Kind, dessen Eltern sich für die Wahl
eines GL-Platzes entschieden haben, konnte auch
ein entsprechender Platz zugewiesen werden.
Maßnahmen
Es wird kontinuierlich an einer zunehmenden Barri-
erefreiheit der städtischen Schulgebäude gearbei-
tet. Bei erforderlichen Erweiterungs- oder Renovie-
rungsarbeiten wird auch immer der Gesichtspunkt
der Barrierefreiheit mit in den Blick genommen. Bei
Neubauten wird dies bereits in der Planung berück-
sichtigt. Hinzu kommen flankierende Unterstüt-
zungssysteme wie die Sozialarbeit an Schulen und
die neuausgerichtete Integrationsassistenz, die die
Arbeit der Schulen vor Ort unterstützen. Außerdem
gibt es die verschiedensten Beratungs- und Fort-
bildungsangebote sowohl für Schulen als auch für
Eltern. Seitens des Medienzentrums werden spe-
zifische Lehr- und Diagnosematerialien zur Verfü-
gung gestellt und Schulungen zum Einsatz digitaler
Medien im Rahmen der Inklusion angeboten.
Einschätzung
Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen −
Recht auf Beschulung an einer Regelschule einer-
seits, Wahlmöglichkeit des Förderorts Förderschule
andererseits − wird die absolute Zahl der belegten
Plätze im Gemeinsamen Lernen nicht kontinuier-
lich ansteigen und gegebenenfalls zwischenzeitlich
auch einmal leicht fallen. Zielsetzung ist die Abde-
ckung des seitens der Eltern formulierten Bedarfs
und die Wahrung des Elternwahlrechts bezüglich
des Förderorts für ihre Kinder.
Ziele
Die grundlegenden Zielsetzungen der Bundesstadt
Bonn zum Thema Inklusion sind im „Handbuch In-
klusive Bildung Bonn“ (2012) formuliert. Der Inklu-
sionsbegriff wird darin ausdrücklich auf alle Men-
schen bezogen, die − aus welchen Gründen auch
immer − in unserer Stadtgesellschaft ganz oder in
Teilbereichen ausgegrenzt werden [...]“ (S. 5). „Je-
des Kind soll zu jeder Zeit die Chance haben, gut
aufzuwachsen“, ist das zentrale bildungspolitische
Ziel (S. 9). „Kindern und Jugendlichen, deren El-
tern dies wünschen, soll über den ganzen Tag eine
Teilhabe an Unterricht und außerunterrichtlichen
Maßnahmen einer Regelschule ermöglicht wer-
den“ (S. 54).
Weiterführende Informationen
Informationen zum Verständnis des Begriffs der In-
klusion in der Bundesstadt Bonn finden sich im Hand-
buch Inklusive Bildung Bonn, Drucksachengruppe
1212837. Die Entwicklung im Bildungsbereich wird
im Rahmen eines halbjährlich erfolgenden Monito-
rings dargestellt, Drucksachen-Nummer: 1611601,
1613515, 1711609, 1711609NV2, 1813056, 1911797.
Datenquelle: Schulamt
der Stadt Bonn
Definition
Anzahl der Plätze für
Kinder mit sonder-
pädagogischem
Förderbedarf an
Regelschulen
Ansprechpartnerin
Annette Sonnenberger
Schulamt
0228 - 77 42 50
annette.sonnenberger@
bonn.de,
inklusion@bonn.de
355 422 472
608
728
873
962
13
0
200
400
600
800
2008/
2009 2009/
2010 2010/
2011 2011/
2012 2012/
2013 2013/
2014 2014/
2015 2015/
2016 2016/
2017 2017/
2018 2018/
2019Seite 35 von 112
34
4.2.2 Geschlechtergerechtigkeit
Bedeutung der Indikatoren in Bezug zum Thema Nachhaltigkeit
Ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung ermöglicht
eine gleichberechtigte Entscheidungsfindung und gibt realistisch die Geschlechterverteilung in der Be-
völkerung wieder. Das Durchbrechen veralteter Strukturen ist ein wichtiger Prozess auf dem Weg zu ei-
ner zukunftsfähigen Stadt.
4.2.2.1 Geschlechtergerechtigkeit in
der Kommunalverwaltung
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Eine erhebliche Personalfluktuation gerade in den
letzten Jahren, die aufgrund der demographischen
Gegebenheiten auch weiter anhalten wird, trägt
zu einer nicht-linearen Entwicklung bei. Vorüber-
gehend vakante Stellen oder Umstrukturierungen
zeigen Auswirkungen.
Maßnahmen
Ziel der Stadt Bonn ist es, vor allem Frauen die
Chance zu bieten, sich (intern) auf höherwertige
und Führungspositionen zu bewerben. Hierzu ist
es erforderlich, Frauen in ihrer Karriere zu beglei-
ten und zu diesem Ziel hin zu entwickeln. Dieser
Prozess kann aber nur deutlich gemacht werden,
indem die Ebene direkt unter den Amtsleitungen in
die Betrachtung einbezogen wird. Daher wurde die
vierte Hierarchieebene seit 2016 in die Betrach-
tung miteinbezogen.
Einschätzung
Derzeit ist von einer weiteren positiven Entwick-
lung auszugehen, mehr Frauen als je zuvor sind in
den oberen Einkommensgruppen vertreten. Es gilt,
den Gleichstellungsplan weiterhin konsequent um-
zusetzen, um die Stabilisierung zu konsolidieren.
Ziele
Der Gleichstellungsplan wurde für 2019 bis 2022
beschlossen.
Weiterführende Informationen
Gleichstellungsplan, Drucksachen-Nummer:
1911701ED3,
Bericht zum Frauenförderplan, Drucksachen- Num-
mer: 1911701
Ansprechpartnerin
Brigitte Rubarth
Gleichstellungsbeauf-
tragte der Stadt Bonn
0228 - 77 56 57
gleichstellungsstelle@
bonn.de
Datenquelle:
Gleichstellungsstelle
der Stadt Bonn
Definition
Anteil der Frauen
an der Zahl der Mit-
arbeitenden in den
drei beziehungs-
weise vier höchsten
Hierarchieebenen in
der Kommunalver-
waltung in Prozent
20,6
22,9 23,5
26,5 28,6 30,0
33,3 33,3 34,0
36,5
30,8 32,7 34,0
37,5
40,3 40,5
43,5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 36 von 112
35
4.2.2.2 Geschlechtergerechtigkeit in
der Kommunalpolitik
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Bei der Kommunalwahl im Mai 2014 wurden 85
Personen in den Stadtrat gewählt, darunter 28
Frauen und 57 Männer. Ebenfalls stimmberech-
tigt ist der in Persönlichkeitswahl gewählte Bürger-
meister. Der Frauenanteil entspricht daher knapp
33 %.
Maßnahmen
Maßnahmen können seitens der Verwaltung nicht
ergriffen werden, da die Aufstellung von Kandida-
tinnen und Kandidaten allein Angelegenheit der
politischen Parteien ist.
Einschätzung
Ob künftig mehr Frauen motiviert sind, für ein po-
litisches Amt zu kandidieren, kann von der Kom-
munalverwaltung weder beurteilt noch beeinflusst
werden. Immer wieder auftretende Fluktuationen
in der Besetzung des Rates können zukünftig zum
Anstieg oder zum Rückgang des Frauenanteils füh-
ren. Scheidet ein Ratsmitglied aus, rückt die Per-
son auf dem nächsten Listenplatz nach. Hierbei
bestehen keine Einflussmöglichkeiten seitens der
Kommunalverwaltung, da die Listenerstellung in
der Verantwortung der Parteien liegt.
Datenquelle:
Gleichstellungsstelle
der Stadt Bonn
Definition
Anteil der Frauen an
der Zahl der gewähl-
ten, kommunalen
Mandatsträger/innen
in Prozent
Ansprechpartnerin
Brigitte Rubarth
Gleichstellungsbeauf-
tragte der Stadt Bonn
0228 - 77 56 57
gleichstellungsstelle@
bonn.de
25,8
30,3 30,3 31,8 31,8 31,8 31,8
38,8
36,3 35,0 35,0 33,8 32,9 32,9 32,9 32,9 31,8
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 37 von 112
36
4.2.3 Kommunales Engagement für
Kinder und Jugendliche
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Die Förderung von Kindern und Jugendlichen un-
ter Berücksichtigung ihrer Interessen, Bedarfe und
Lebenswelten ist grundlegend für eine nachhaltige
Entwicklung. Wichtigstes Ziel der Offenen Jugend-
arbeit ist die Förderung von Lebenskompetenz
junger Menschen, die insbesondere die individu-
elle, soziale und kulturelle Entwicklung sowie die
Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln, ge-
sellschaftlicher Mitwirkung und demokratischer
Teilhabe beinhaltet. Investitionen in die Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen sind Investitionen in
eine gelingende gesellschaftliche Entwicklung.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Der Indikator bemisst die Aufwendungen für die Ju-
gendarbeit proportional bezogen auf die Gruppe der
6- bis unter 21-jährigen. Während die Zahl der 6- bis
unter 21-jährigen im Jahr 2015 zunächst leicht ge-
sunken ist, wächst diese Zielgruppe seitdem relativ
kontinuierlich.
Maßnahmen
Um Maßnahmen bedarfsorientiert einzusetzen, ist
die regelmäßige Überprüfung und gegebenenfalls
zeitnahe Anpassung von Angeboten in der Jugend-
arbeit notwendig. In regelmäßigen Abständen legt
die Verwaltung einen Freizeitstättenbedarfsplan
vor. In dem 2016 beschlossenen Freizeitstätten-
bedarfsplan sind zusätzliche Aufwendungen in der
Offenen Jugendarbeit vorgesehen. Diese beziehen
sich sowohl auf den Einsatz von pädagogischen
Fachkräften als auch die auf Festlegung neuer
Standorte in der mobilen Jugendarbeit. Darüber
hinaus werden Kinder und Jugendliche über zahl-
reiche Einzelmaßnahmen gefördert.
Einschätzung
Der Indikator „Aufwendungen in der Jugendarbeit
pro Kopf“ kann nicht als Bemessungswert für ein
bedarfsgerechtes Angebot herangezogen werden.
Durch ihn kann lediglich die Entwicklung der rela-
tiven Höhe der Ausgaben dargestellt werden. Für
die Bewertung eines bedarfsgerechten Angebo-
tes wird regelmäßig eine umfängliche zielgruppen-
und sozialraumorientierte Analyse durchgeführt
mit dem Ziel, ein bedarfsgerechtes Angebot vorzu-
halten und negativen Entwicklungen entgegen zu
wirken.
Ziele
Im Rahmen der Jugendhilfeplanung wird in regel-
mäßigen Intervallen eine Freizeitstättenbedarfs-
planung zur Beschlussfassung vorgelegt, in der die
Bedarfsgerechtigkeit des Umfangs der Offenen Ju-
gendarbeit überprüft wird. Eine pro Kopf festgeleg-
te Versorgungsquote ist nicht zielführend, insbe-
sondere mit Blick auf den Einfluss sozialräumlicher
Indikatoren auf die Bedarfslage.
Weiterführende Informationen
Richtlinien zur Förderung der freien Kinder- und
Jugendarbeit in der Bundesstadt Bonn, Drucksa-
chen-Nummer: 1712592
Freizeitstättenbedarfsplan, Drucksachen-Nummer:
1513731
Rahmenkonzept für die Offene Jugendarbeit in Bonn,
Drucksachen-Nummer: 1611221
Darüber hinaus werden zahlreiche Institutionen
gefördert, die sich im Bereich Kinder und Jugend-
liche engagieren.
Datenquellen:
Statistikstelle Stadt
Bonn, Amt für Kinder,
Jugend und Familie
Definition
Summe der laufen-
den kommunalen
Ausgaben in Euro für
die Jugendarbeit je
Kind beziehungsweise
Jugendlichem im Alter
von sechs bis unter 21
Jahren
Ansprechpartnerin
Kristine Ónodi
Amt für Kinder,
Jugend und Familie
0228 - 77 32 48
kristine.onodi@
bonn.de
131,4 127,3 127,1
113,4
121,2 121,8
133,6 133,6
151,4 144,8
121,1
149,4 147,4
160,1 157,3
146,7 147,9
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018Seite 38 von 112
37
4.2.4 Beschäftigte in der Kommunal-
verwaltung mit Behinderung
Bedeutung des Indikators in Bezug zum
Thema Nachhaltigkeit
Die Stadtverwaltung Bonn geht beim Thema Nach-
haltigkeit von Inklusion und förderlichen sowie un-
terstützenden Maßnahmen für schwerbehinderte
Mitarbeiter voran. Die alltäglichen Vorgehenswei-
sen und der Umgang mit Schwerbehinderten, soll
es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erleich-
tern, ein vergleichbares und geregeltes Berufsleben
durchlaufen zu können. Aktuell ist jede bzw. jeder
zehnte Mitarbeitende der Stadtverwaltung Bonn
schwerbehindert. Diese Zahl hat sich in den letzten
zwei Kalenderjahren auf diesem Niveau stabilisiert.
Bisherige Entwicklung und Einflussfaktoren
Mit einem Anteil der jahresdurchschnittlichen
Beschäftigung der schwerbehinderten Mitarbei-
tenden von 10,62 % (Stand: 31.12.2018) liegt die
Stadtverwaltung Bonn deutlich über dem vorgege-
benem Mindestwert von 5 %. Seit dem letzten Be-
richtsjahr (2015: 7,34 %) ist ein erneuter Anstieg
der Quote zu verzeichnen. Dieser Anstieg ist unter
anderem auf eine behindertenfreundliche Bewer-
bendenauswahl und die Bereitschaft, sich seine
Schwerbehinderung anerkennen zu lassen, zu-
rückzuführen.
Maßnahmen
In einem optimierten Bewerbungsverfahren sowohl
bei internen als auch bei externen Stellenausschrei-
bungen wird der Wunsch seitens der Stadtverwal-
tung Bonn deutlich gemacht, dass Bewerbungen
von Menschen mit Schwerbehinderung erwünscht
sind. Diese eindeutige Aufforderung in den Aus-
schreibungen soll der/dem schwerbehinderten In-
teressentin/Interessenten Mut machen sich auf
die entsprechende Stelle zu bewerben. Im Bewer-
bungsverfahren werden alle schwerbehinderten Be-
werbenden, soweit die fachliche Eignung vorliegt,
zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
Einschätzung
Aufgrund der vorgenannten Entwicklungsprozes-
se ist in den kommenden Jahren eine Steigerung
oder Stabilisierung der Gesamtzahl der schwerbe-
hinderten Mitarbeitenden in der Stadtverwaltung
Bonn zu erwarten. Eine genaue Entwicklung der
Quote lässt sich allerdings nicht bestimmen, da
momentan nicht zu erkennen ist:
• welche Mitarbeitenden sich in einem Anerken-
nungsverfahren zu einer Schwerbehinderung
befinden oder nach Ablauf ihres befristeten
Schwerbehindertenausweises eine Verlänge-
rung beantragen,
• welche Mitarbeitenden durch Kündigung aus-
scheiden und
• wie viele Personen bei einer Neueinstellung
schwerbehindert sind.
Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine konkrete
Vorgehensweise für den Umgang mit einer steigen-
den oder fallenden Quote. Die gesetzliche Pflicht
wird nach wie vor eingehalten. Dennoch wird die
weitere Entwicklung genauestens beobachtet, um
auf gravierende Veränderungen möglichst schnell
reagieren zu können.
Ziele
Ein politisches Ziel zur Einhaltung einer bestimm-
ten Quote existiert in der Stadtverwaltung Bonn
nicht. Nur allein die gesetzlichen Vorgaben müs-
sen eingehalte Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 20:11 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de