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190556 · Mitteilungsvorlage

Stadtwald aktuell(Alt: 1912500, FF Amt 68)

Nummer
190556
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
29.10.2019
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz 28.11.2019 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
190556
Stadtwald aktuell(Alt: 1912500, FF Amt 68)
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 28.11.2019 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Beratungsfolge Sitzung Ergebnis
Ausschuss für Umwelt und
Verbraucherschutz
10.10.2019 Aufgrund des
Sitzungsabbruches
vertagt
Anlass
In regelmäßigen Abständen berichtet die Fachverwaltung zu aktuellen Themen im
Stadtwald Bonn.
Die vorliegende Mitteilungsvorlage beschreibt insbesondere die Extremlage im Bonner
Stadtwald aufgrund der aktuellen, klimatischen Be-dingungen mit Sturm- und
Trockenheitsfolgen sowie Schädlingsbefall. Darüber hinaus werden die möglichen
Konsequenzen und das geplante Vorgehen aufgezeigt.
Mit DS.Nr. 1610165 wurden umfangreich die Prinzipien der naturgemäßen Bonner
Stadtwaldbewirtschaftung gemäß den Bedingungen des Naturland Zertifikats beschrieben.
Der zuständige Forstwissenschaftler des Naturland e.V. stellte darüber hinaus dessen
Arbeit in Verknüpfung mit dem Bonner Stadtwald in der Sitzung des Umweltausschuss
vom 14.06.2017 vor (vgl. DS.Nr. 1711608). Die Ende 2017 fertig gestellte Forst-
einrichtung als Grundlage der Bewirtschaftung des Waldes, wurde in 2018 mit der DS-Nr.
1810854 vorgestellt.
In der Vorlage mit der DS.Nr. 1911403 wurde im Mai 2019 aus aktuellem Anlass auf die
besondere Lage aufgrund des Borkenkäferbefalls hingewiesen und in der Vorlage mit der
DS.Nr. 1912222 der Beschluss zur Einleitung des Vergabeverfahrens zur dringend
notwendigen Aufforstung in Folge des flächendeckenden Borkenkäferbefalls erläutert.
Ausgangslage und aktuelles Vorgehen im Stadtwald Bonn
Der Gemeindewaldbesitzerverband NRW e.V. spricht in dessen aktuellen
Zusammenfassungen von einem der schwersten Schadensereignisse in der deutschen
Fortwirtschaft der letzten 30 Jahre. Ausgelöst durch den fortschreitenden Klimawandel ist
der Wald in Nordrhein-Westfalen durch Dürre, Hitze, Stürme und Starkregen bedroht,
welche die Schäden durch Sekundärschädlinge, wie z.B. den Borkenkäfer oder
Pilzerkrankungen, massiv erhöhen. In Nordrhein-Westfalen wurde 2018 lt. Analyse des
Landesbetriebs Wald und Holz der größte Borkenkäferbefall seit 1947 verzeichnet.
Federführung:
56 Amt für Umwelt-, Verbraucherschutz und Lokale Agenda Dezernat:
Dez. IIISeite 1 von 3

Seite 2
Der kommunal geführte Bonner Stadtwald umfasst rund 600 Hektar (15 Prozent des
Gesamtwaldes auf Bonner Stadtgebiet) z.T. kleinteilige Laubmischwälder im gesamten
Stadtgebiet, die von Eichen-, Buchen-, Kiefernwaldgesellschaften mit einem mittleren
Altersschwerpunkt dominiert werden. Durchmischt werden sie mit Hainbuchen und
Linden.
Der Fichtenanteil lag in 2017 zwar bei lediglich 5,3 Prozent des Bonner
Stadtwaldgesamtbestands, aktuell sind jedoch fast alle Fichten vom Borkenkäfer befallen.
Es wurden bisher in 2019 zirka 4.000 Festmeter Fichtenkäferholz aufgearbeitet. Dies war
dringend erforderlich, um die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers auf weitere
Waldbestände einzudämmen. Dank langfristiger Verträge konnte ein Großteil des
Käferholzes aus dem Bonner Stadtwald verkauft werden. Die Aufarbeitung von weiteren
500 bis 1000 Festmetern stehen aktuell noch an. Alles weitere Fichtenkäferholz (ca. 1000
Festmeter) wird als stehendes Totholz im Bestand verbleiben.
So genannte Schütteschäden an der Kiefer, Douglasie, Hemlocktanne und auch der
Lärche sind zu beobachten. Als "Schütte" wird allgemein ein vorzeitiges und massives
Abwerfen der Nadeln bezeichnet, die Ursachen können hierfür unterschiedlich sein. Die
Kiefer stirbt aktuell auf teilweise sandigen Böden rasant ab. Darüber hinaus treten
Trockenschäden vermehrt an der Buche und Birke auf.
Als unmittelbare Folge der Extremwetterlagen sind für den Stadtwald Bonn überschlägig
circa 6.000 Festmeter Holz durch Käferschäden (2019 inkl. stehendes Totholz) bei der
Fichte, zirka 600 Festmeter bei der Kiefer (ausgelöst durch den Diplodia Pilz) und 500
Festmeter bei der Buche (ausgelöst durch die anhaltende Trockenheit) zu beklagen.
Andere Baumarten (Douglasie, Lärche, Hemlocktanne, Birke,...) fallen mit insgesamt zirka
500 Festmetern ins Gewicht. Diese Zahlen entsprechen der aktuellen Situation, die sich
voraussichtlich noch verschärfen wird.
Im Bonner Stadtwald ist aufgrund der intensiven und für die Bürger sehr wichtigen
Nutzung des Stadtwaldes die Verkehrssicherung (VSP) eine zentrale Aufgabe. Ausgelöst
durch die beschriebene Ausgangslage mit umfangreich geschädigten Waldbäumen werden
zurzeit intensiv Verkehrssicherungskontrollen durchgeführt. Konkrete Verkehrssicherungs-
maßnahmen werden auch bei der Baumart Buche und Birke bereits durchgeführt, da diese
sehr schnell ihre trockenen Äste abwerfen können und somit ein Risiko für die
Waldbesucher darstellen.
Zum jetzigen Zeitpunkt geht die Fachverwaltung davon aus, dass die
Verkehrssicherungsarbeiten aufgrund des großen Umfangs nicht mehr ausschließlich
durch eigenes Personal sichergestellt werden können und vermehrt die Unterstützung
durch externe Unternehmer erforderlich sein wird. Alle Verkehrssicherungsmaßnahmen
beziehen sich vorerst nur auf einen zirka 35 m breiten Gefahrenbereich entlang von
Waldwegen, Verkehrsflächen und privaten Grundstücken. Eine Holzvermarktung ist hier
größtenteils nicht möglich, da das Holz in großen Teilen aufgrund der Pilzfäule und
minderwertigen Sortimente zurzeit nicht verkauft werden kann.
Auch die Sperrung von besonders sensiblen Bereichen wegen Grünastabbruchgefahr ist in
Zukunft nicht auszuschließen.
Die jetzt kurzfristig aufgrund des Schädlingsbefalls und der Sturmfolgen aus dem
Stadtwald entnommene Holzmenge liegt deutlich über den Berechnungen der geplanten
Durchforstungen auf Grundlage der Forsteinrichtung. Daher wird die Fachverwaltung den
geplanten Rückepferdeeinsatz (vgl. DS.Nr. 1710123ST3) erst dann durchführen und
genau für den Bonner Stadtwald analysieren können, wenn Durchforstungsmaßnahmen
wieder in beispielhaften Beständen mit entsprechenden Stammdurchmessern anstehen.
Dies ist in den kommenden 24 Monaten nicht realistisch, auch um die entnommene
Holzmenge nicht weiter zu erhöhen und weiterhin nachhaltig zu wirtschaften.Seite 2 von 3

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Aufgrund der notwendigen, zurzeit sehr intensiven Einsätze im Stadtwald werden auch die
Wege über das normale Maß hinaus in Mitleidenschaft gezogen. Die Sanierung und
Wiederherstellung wird in Zukunft ebenfalls nur mit zusätzlichen Mitteln und unter
Beauftragung von Fachunternehmen möglich sein, damit die wichtige
Naherholungsfunktion des Bonner Stadtwaldes erhalten bleiben kann. In Abstimmung mit
Naturland e.V. werden bereits umfangreiche an den Klimawandel angepasste
Nachpflanzungen im Bonner Stadtwald geplant und die notwendigen Schritte in die Wege
geleitet (vgl. DS.Nr. 1912222). Die konkreten Ereignisse der letzten 20 Monate im
Stadtwald Bonn haben auch dazu geführt, dass die erhobenen Daten der Forsteinrichtung
durch den beauftragten Forstwissenschaftler zu überarbeiten sind. Hierfür wird
voraussichtlich in 2020 ein Auftrag vorbereitet.
Für die jeweiligen weiterhin anstehenden Maßnahmen als Folge der Extremereignisse und
in Vorbereitung auf das sich wandelnde Klima wird die Fachverwaltung weitere,
spezifische Vorlagen vorbereiten und zur Beschlussfassung vorlegen. Die tatsächlichen
zukünftigen Auswirkungen der Extremereignisse wie Sturm, Trockenheit oder Schädlings-
befall auf den Bonner Stadtwald lassen sich nicht vorhersehen. Wegen der heute zu
beklagenden Schäden ist insbesondere in der Umgebung der bereits beeinträchtigten und
damit in der Gesamtstruktur geschwächten Stadtwaldbereiche mit umfangreichen,
weiteren Verlusten im Baumbestand, beispielsweise durch erneute Stürme, zu rechnen.
Die Landesregierung NRW hat im November 2019 eine Wald-Konferenz angekündigt, in
deren Rahmen mit den Betroffenen und Wissenschaftlern neben der Situation des Waldes
auch jüngste Studien zur Bedeutung des Waldes ausführlich diskutiert werden sollen.
Weitere Förder- und Sondermittel des Landes werden anschließend voraussichtlich
bereitgestellt, um die Auswirkungen des Klimawandels auch in kommunalen Wäldern
finanzieren zu können.
Anlage/n
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Datenstand: 03.11.2026, 08:59 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de