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190513 · Mitteilungsvorlage

Konzept für die Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn

Nummer
190513
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
04.11.2019
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 21.11.2019 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Integrationsrates 18.12.2019 Kenntnisnahme
  3. Sitzung des Hauptausschusses 05.12.2019 Kenntnisnahme
  4. Sitzung des Ausschusses für Internationales und Wissenschaft 05.03.2020 Kenntnisnahme
  5. Sitzung des Unterausschusses für Kinder- und Jugendhilfe 29.01.2020 Kenntnisnahme
  6. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 29.01.2020 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
190513
Konzept für die Internationale Begegnungsstätte
der Stadt Bonn
Beratungsfolge
Integrationsrat 18.12.2019 Kenntnisnahme
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 21.11.2019 Kenntnisnahme
Hauptausschuss 05.12.2019 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Mit Beschluss des Hauptausschusses vom 23.06.2016 (Drucksachen-Nr.
1610030EB10) hat die Verwaltung den Auftrag erhalten,
„…dem Rat ein Konzept zur Internationalen Begegnungsstätte vorzulegen, welches
unter Beibehaltung ihrer bisherigen Aufgaben und ihres Charakters als Ort der
Begegnung, des Lernens, der Beratung, der Integration/Kommunikation und des
Zusammenwirkens städtischer Institutionen die zusätzlichen Bedürfnisse von
Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten und die damit verbundenen zusätzlichen
Herausforderungen berücksichtigt. Die IB ist bei der Konzepterstellung einzubeziehen.“
Die Verwaltung legt dieses Konzept nun unter der Überschrift „Ein interkulturelles
Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien“ vor. Darin werden zunächst die
gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkte und Angebote der IB sowie die
Rahmenbedingungen ihrer Arbeit dargestellt. Im Anschluss an diese
Bestandsaufnahme werden konzeptionelle Eckpunkte für eine Weiterentwicklung der IB
in den nächsten Jahren beschrieben.
Das Konzept wurde vom Leiter der Internationalen Begegnungsstätte erstellt und mit
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses intensiv diskutiert. Hinweise und
Änderungswünsche aus dem Team der IB sind in die vorliegende Endfassung
eingeflossen.
Anlage/n
1 Konzept Internationale Begegnungsstätte (öffentlich)
Federführung:
51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat:
Dez. VSeite 1 von 20

Konzept für die
Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn
Ein interkulturelles Bildungshaus
für Kinder, Jugendliche und Familien
August 2019
Bundesstadt Bonn
Amt für Kinder, Jugend und Familie
Internationale Begegnungsstätte
Quantiusstraße 9
53115 Bonn
Telefon: 0228 – 36761010
E-Mail: ib@bonn.deSeite 2 von 20

1
Konzept für die Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn
Ein interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien
Inhalt
1. Vorgeschichte und Auftrag
1.1. Zur Geschichte des Hauses 2
1.2. Politische Diskussion und Grundsatzbeschluss im Jahr 2016 3
1.3. Zielrichtung dieser Konzeption 3
2. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte
2.1. Bildungsangebote 5
2.1.1. Kurse und Lernförderangebote für Kinder und Jugendliche 5
2.1.2. Bildung und Begegnung für zugewanderte Frauen 7
2.2. Koordinierungsstelle Integrationskurse 7
2.3. Nutzung der Räume durch Vereine und Gruppen
2.4. Weitere Angebote
8
9
3. Rahmenbedingungen der Arbeit
3.1. Gebäude und technische Ausstattung 10
3.2. Personal und Öffnungszeiten 10
3.3. Aufgabenstruktur 11
4. Konzeptionelle Eckpunkte
4.1. Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche 12
4.1.1. Zielsetzung und Arbeitsweise 12
4.1.2. Leseförderung als neuer Schwerpunkt 13
4.1.3. Qualitätsentwicklung 13
4.2. Förderung der familiären Integration 14
4.3. Öffentliche Veranstaltungen 15
4.4. Stützpunkt für Vereine, Gruppen und Initiativen 15
4.5. Kooperation und Vernetzung 16
5. Perspektive
Ein Bildungshaus als „Dritter Ort“ 17Seite 3 von 20

2
1. Vorgeschichte und Auftrag
1.1. Zur Geschichte des Hauses
Im Mai 1982 wurde die Internationale Begegnungsstätte (IB) als „Ausländerbegegnungs-
stätte der Stadt Bonn“, wie es damals hieß, eröffnet. Seinerzeit war sie die zweite
Einrichtung dieser Art in Bonn (die erste war die Alte Schule Duisdorf). Das Haus gehörte bis
2008 als Teil des Referates für Multikulturelles zum Amt für Soziales und Wohnen und war in
dieser Zeit eine der zentralen Anlaufstellen für erwachsene Migrantinnen und Migranten in
Bonn. Eine wichtige Adresse war die IB aber auch für die interessierte Öffentlichkeit. Mit
vielfältigen Informations- und Begegnungsveranstaltungen und diversen Publikationen regte
sie den öffentlichen Austausch zu Migrations- und Integrationsthemen an. Für viele
Migrantenorganisationen war sie ein wichtiger Kooperationspartner.
Von Anfang an bildeten Beratung, Bildung und Begegnung die drei Standbeine des
Programms. Mit Inkrafttreten des Aufenthaltsgesetzes und der Integrationskursverordnung
im Januar 2005 ergaben sich neue kommunale Aufgaben, an deren Erfüllung sich das Amt für
Soziales und Wohnen beteiligte. In der IB wurde damals die städtische „Koordinierungsstelle
Integrationskurse“ eingerichtet. Sie übernahm die Beratung und Verpflichtung zum
Integrationskurs im Auftrag der Ausländerbehörde. Drei Jahre später, nach Auflösung des
Referates für Multikulturelles, ging die Internationale Begegnungsstätte in die Zuständigkeit
des Amtes für Kinder, Jugend und Familie über.
Zu diesem Zeitpunkt war die Integrationslandschaft in Bonn bereits eine grundlegend andere
als in den achtziger oder neunziger Jahren. Mit finanzieller Unterstützung von Bund und
Land waren auch in Bonn Beratungsstellen, Migrationsdienste und interkulturelle Zentren
entstanden, die eine Ausdifferenzierung der Strukturen und Angebote mit sich brachten. Die
Zahl der Akteure und Fachstellen im Bereich der Migrations- und Integrationsarbeit hatte
deutlich zugenommen. Auch strukturelle Veränderungen bei der Stadt Bonn selbst (so die
Einrichtung der Stabsstelle Integration im Jahr 2008) führten dazu, dass sich Rolle und
Bedeutung der Internationalen Begegnungsstätte veränderten.
Nach dem Wechsel zum Amt für Kinder, Jugend und Familie wurden Bildungsangebote für
Erwachsene allmählich zurückgefahren und die IB nahm verstärkt junge Menschen und
zugewanderte Familien als Zielgruppen in den Blick. Angebote zur Sprach- und Lernförde-
rung von Kindern und Jugendlichen, die es schon vorher gegeben hatte, wurden zu einem
differenzierten Programm ausgebaut.
Im Jahr 2008 arbeitete der langjährige Leiter eine neue Konzeption für die Internationale
Begegnungsstätte aus, in der sich diese Akzentverschiebungen abzeichneten. Zugleich blieb
die IB bestimmten Traditionslinien treu und führte viele der Aufgaben und Angebote fort,
die sie schon im früheren Referat für Multikulturelles hatte. Ein Beispiel ist die Beibehaltung
der „INFOthek Migration & Integration“ und der damit verbundenen Publikationen. Auch die
Zuordnung der „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ wurde nicht in Frage gestellt. Sie
blieb mit ihren Aufgaben ein wichtiger Baustein der Konzeption.Seite 4 von 20

3
1.2. Politische Diskussion und Grundsatzbeschluss im Jahr 2016
Ende 2015 ging der langjährige Leiter der Begegnungsstätte in den Ruhestand. Er hatte das
Haus mehr als dreißig Jahre lang geführt. Im April 2016 brachte die Verwaltung eine
Beschlussvorlage mit der Überschrift „Organisatorische Veränderungen und Aufgabe des
Standortes der Internationalen Begegnungsstätte“ in die Ratsgremien ein. Nach ihren
Vorstellungen sollten die Angebote und Aufgaben der Begegnungsstätte zwar fortgeführt,
aber organisatorisch anderen Ämtern und Einrichtungen der Stadt Bonn zugeordnet werden.
Das von der Stadt Bonn angemietete Haus an der Quantiusstraße sollte aufgegeben werden.
Diese Pläne lösten eine kontroverse kommunalpolitische Diskussion aus. Viele Nutzer und
Kooperationspartner der IB setzten sich öffentlich für den Erhalt des Hauses in der
damaligen Form ein.
Die politische Diskussion wurde am 23.06.2016 durch einen Beschluss des Hauptausschusses
beendet. Darin heißt es u.a.:
„Die Verwaltung wird aufgefordert, den Personalbestand und das gesamte Angebot in der
Internationalen Begegnungsstätte ohne Einschränkung beizubehalten“ und „dem Rat ein
Konzept zur Internationalen Begegnungsstätte vorzulegen, welches (…) die zusätzlichen
Bedürfnisse von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten und die damit verbundenen
zusätzlichen Herausforderungen berücksichtigt.“
Dies sollte ausdrücklich „unter Beibehaltung ihrer bisherigen Aufgaben und ihres Charakters
als Ort der Begegnung, des Lernens, der Beratung, der Integration/Kommunikation und des
Zusammenwirkens städtischer Institutionen“ geschehen.
1.3. Zielrichtung dieser Konzeption
Sowohl die aktuellen Bedarfe der Zielgruppen als auch die oben skizzierten Verschiebungen
in der Bonner Integrationslandschaft machen es nötig, die Rolle und die Aufgaben der
Internationalen Begegnungsstätte zu überdenken. Die Tatsache, dass die Einrichtung seit elf
Jahren Teil des Amtes für Kinder, Jugend und Familie ist, muss bestimmend für das Konzept
des Hauses und die tägliche Arbeit sein. Kinder und Jugendliche stehen als Zielgruppen klar
im Mittelpunkt, Eltern müssen in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung
unterstützt und gestärkt werden. Daraus ergeben sich klare Prioritäten sowohl bei den
Angeboten als auch bei der Nutzung des Hauses durch Vereine und Gruppen.
Bei der Neuausrichtung der Arbeit sind allerdings bestimmte Vorgaben zu beachten.
Dazu gehört der politische Beschluss vom Juni 2016, mit dem die bestehenden Aufgaben und
Strukturen bis auf Weiteres festgeschrieben worden sind. Auch im administrativen Bereich
(Koordinierungsstelle Integrationskurse), wo die Mitarbeiter/innen der IB kommunale
Pflichtaufgaben nach dem Aufenthaltsgesetz ausführen, bewegen diese sich in einem klar
definierten Rahmen. Spielräume für eine konzeptionelle Erneuerung der IB findet man eher
woanders: bei den Bildungs- und Begegnungsangeboten, der interkulturellen Elternarbeit,
bei öffentlichen Veranstaltungen sowie in der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen,
Vereinen und Initiativen. Deshalb sind dies die Arbeitsfelder, die im Mittelpunkt des
vorliegenden Konzeptes stehen.Seite 5 von 20

4
Drei Leitgedanken sind richtungweisend für diese Konzeption:
Erstens: Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Sprache, Bildung und sozialer
Integration. In diesem Dreieck müssen die Angebote der Begegnungsstätte wirksam werden.
Sprachkompetenz in der Zweitsprache Deutsch, aber auch in der Herkunftssprache, ist die
wichtigste Voraussetzung für den Bildungserfolg von Kindern aus zugewanderten Familien.
Je früher sie gefördert wird, desto besser. Dabei geht es auch um die Entwicklung einer
selbstbewussten Persönlichkeit, denn mit positiven Lernerfahrungen wächst das Zutrauen in
die eigenen Fähigkeiten.
Zweitens: Wenn man nicht nur Kinder und Jugendliche fördert, sondern auch Eltern in ihrer
Rolle als Erziehende und „Bildungsbegleiter“ einbezieht, wird die ganze Familie in ihrer
Integrationsfähigkeit gestärkt. Damit Eltern ihre Kinder aktiv unterstützen können, müssen
sie von den Bildungsinstitutionen angesprochen, beraten und ermutigt werden. Die IB sieht
deshalb interkulturelle Elternarbeit als notwendigen Teil ihrer Bildungsarbeit für Kinder. Dies
soll in der Praxis noch stärker zum Tragen kommen.
Und drittens: Die Begegnungsstätte ist ein internationales Haus, das von Menschen sehr
unterschiedlicher Herkunft besucht wird. Für viele von ihnen ist die IB nicht nur ein Lernort,
sondern auch ein Raum für zwischenmenschliche Kontakte und Erfahrungen. Kulturelle,
soziale und sprachliche Vielfalt ist hier jeden Tag erlebbar. Manchmal irritiert sie, manchmal
überrascht sie, doch in den allermeisten Fällen ist sie mit positiven Begegnungen verbunden,
die durch gegenseitigen Respekt und Freundlichkeit geprägt sind. Dieser „gute Geist“ soll
auch für Außenstehende deutlicher wahrnehmbar werden: etwa durch Veranstaltungen,
interkulturelle Projekte und Kooperationen mit anderen Institutionen, interkulturellen
Gruppen und Vereinen.
Damit sind schon einige der Ziele benannt, an denen sich die Arbeit der Internationalen
Begegnungsstätte orientiert. In diesem Konzept werden auch die Mittel und Wege
beschrieben, mit denen diese Ziele in nächster Zukunft verwirklicht werden sollen (siehe 4.).
Doch am Anfang steht eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, der Angebote und
Rahmenbedingungen im Sommer 2019.Seite 6 von 20

5
2. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte
2.1 Bildungsangebote
Seit den Anfängen der IB bilden Deutschkurse den Schwerpunkt des Bildungsangebots.
In den ersten Jahrzehnten waren erwachsene Zuwanderer die wichtigste Zielgruppe,
inzwischen stehen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt. Das Kursprogramm wechselt
halbjährlich und lässt eine Differenzierung nach Alter und Sprachniveau zu. Die Angebote in
den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Mathematik und Englisch sind nicht starr, sondern
werden regelmäßig an die vom IB-Team wahrgenommenen Bedarfe angepasst. Neben den
Angeboten für junge Menschen werden auch die Konversationskurse für Frauen stark
nachgefragt.
Insgesamt sind es über 50 Kurse und regelmäßige Gruppenangebote pro Halbjahr, die von
der Internationalen Begegnungsstätte in der Quantiusstraße und an anderen Orten
durchgeführt und aus ihrem Budget finanziert werden. Im zweiten Halbjahr 2019 wird die
Teilnehmerzahl voraussichtlich bei über 500 liegen, wobei die Nachfrage in einigen
Bereichen (vor allem bei den Vorschul- und Grundschulkursen) das Angebot deutlich
übersteigt. Am Hauptstandort Quantiusstraße ist die Kapazitätsgrenze inzwischen fast
erreicht.
2.1.1. Kurse und Lernförderangebote für Kinder und Jugendliche
In der Internationalen Begegnungsstätte finden pro Halbjahr rund 30 Kurse für Kinder und
Jugendliche statt. Knapp die Hälfte davon sind Lernförderangebote im Bereich „Deutsch als
Zweitsprache“, zudem gibt es Kurse in Mathematik und Englisch, Zentrale Prüfungstrainings
(für Schüler/innen der zehnten Klasse), eine offene Hausaufgabenhilfe und Kreativangebote.
Die Lerngruppen umfassen im Schnitt zehn Kinder oder Jugendliche. Die Teilnahmegebühr
beträgt einheitlich 10 Euro pro Kurs, Geschwisterkinder zahlen die Hälfte.
Im ersten Halbjahr 2019 waren 287 Kinder und Jugendliche aus 57 Herkunftsländern zu den
Kursen in der Quantiusstraße angemeldet. Die Altersspanne ist groß, sie reicht von drei bis
18 Jahren. Fast alle Kursteilnehmer/innen haben einen familiären Migrationshintergrund,
etwa die Hälfte von ihnen ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Die meisten Kinder
und Jugendlichen stammen aus syrischen Familien (127 Anmeldungen), in der Liste der
häufigsten Herkunftsländer folgen mit deutlichem Abstand Marokko, Irak, Spanien, Somalia,
Türkei und Russland.
Je nach Kurs besuchen die Kinder und Jugendlichen das Haus ein- oder zweimal pro Woche.
Vorschul- und Grundschulkinder kommen fast immer in Begleitung von Elternteilen oder
anderen Familienmitgliedern, von denen viele die Wartezeit während des Kurses im Haus
verbringen.
Hier eine Übersicht zu den Kursen des ersten Halbjahrs 2019, die in der Begegnungsstätte
selbst stattfanden:Seite 7 von 20

6
Altersgruppe Art der Angebote Angemeldete
Teilnehmer/innen
Anzahl der
Kurse
Anzahl der
Stunden
Vorschule Lernförderung Deutsch;
Kreativwerkstatt
73 7 208
Grundschule Lernförderung Deutsch,
Mathematik und Englisch
87 8 480
Klassen 5-10 Lernförderung Deutsch,
Mathematik und Englisch;
Zentrale Prüfungstrainings
127 12 540
Gesamt 287 27 1.228
Die Internationale Begegnungsstätte organisiert solche Kurse aber nicht nur im eigenen
Haus. An sechs weiteren Standorten im Stadtgebiet finanziert sie Bildungsangebote für
Kinder und Jugendliche und führt diese fast immer gemeinsam mit Kooperationspartnern im
jeweiligen Sozialraum durch. Derzeit sind es die folgenden Kurse:
Stadtteil Kooperationspartner Art der Angebote Angemeldete
Teilnehmer/innen
Anzahl der
Kurse
Bad Godesberg AWO Internationales
Zentrum
Lernförderung Deutsch
für Vorschulkinder
41 4
Bad Godesberg Jugendzentrum K7 Zentrale Prüfungs-
trainings (Klasse 10) in
Deutsch, Englisch,
Mathematik
19 3
Beuel Marktschule Deutschkurse für
Grundschulkinder
17 2
Castell Ort: Turnhalle der
Stiftsschule
„Bewegt euch!“
Psychomotorische
Förderung für Kinder
24 2
Medinghoven Diakonisches Werk,
Stadtteilbüro
Lernförderung Deutsch
und Mathematik für
Grundschulkinder
24 4
Tannenbusch Haus Vielinbusch Lernförderung Deutsch
für Grundschulkinder
12 1
Gesamt 137 16
Eine Besonderheit sind Deutsch-Ferienkurse, die von der IB seit einigen Jahren während der
Sommerferien angeboten werden. Sie richten sich gezielt an Kinder und Jugendliche, die
kürzlich nach Deutschland gekommen sind. In 24 Unterrichtsstunden (über sechs Wochen
verteilt) erfahren sie eine erste systematische Heranführung an die deutsche Sprache und
ihre Grammatik. Es werden elementare Kenntnisse vermittelt, die den bevorstehenden Start
an einer deutschen Schule erleichtern. Derzeit führt die IB die Kurse sowohl für Einschul-
kinder (5 bis 6 Jahre) als auch für Jugendliche (10 bis 16 Jahre) durch. Neben dem reinen
Deutschkurs wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Bonn auch ein neues
Format erprobt: Die „Sprach-Kultur-Ferien“ sind ein Deutschkurs plus Kulturprogramm, bei
dem die Teilnehmenden jede Woche eine andere Bonner Kultureinrichtung besuchen.
Insgesamt nehmen 43 Kinder und Jugendliche an den Ferienkursen im Sommer 2019 teil.Seite 8 von 20

7
2.1.2. Bildung und Begegnung für zugewanderte Frauen
Unter dem Titel „Sprechen Sie mit!“ finden an zwei Vormittagen pro Woche Konversations-
kurse für Frauen in der Begegnungsstätte statt. Hier können die Teilnehmerinnen die von
ihnen erworbenen Deutschkenntnisse festigen, erweitern und das aktive Sprechen üben.
Die Kurszeiten am Morgen kommen vor allem den Frauen entgegen, die als Mütter (oder
Großmütter) familiär stark eingebunden sind. Die Kurse wurden zunächst auf den Niveaus B2
und C1 angeboten, seit 2018 gibt es „Sprechen Sie mit!“ aber auch für A2 und B1. Im ersten
Halbjahr 2019 machten 49 Frauen von diesem Angebot Gebrauch. Die Teilnahmegebühr
beträgt auch hier 10 Euro pro Kurs.
Ab September 2019 kommt noch ein Grundlagenkurs mit dem Titel „Grammatik zum
Sprechen und Schreiben“ hinzu. Mit dieser Erweiterung des Angebots hat die IB auf
wiederholte Anfragen von Besucherinnen reagiert. Sie wollten die Regeln und
Besonderheiten der deutschen Sprache besser verstehen und praktisch anwenden.
Ein weiteres hauseigenes Angebot ist das „KulTourCafé“ (donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr),
das vor allem von Müttern genutzt wird, deren Kinder einen Deutschkurs in der IB besuchen.
An den offenen Treffen nehmen regelmäßig 15 bis 20 Frauen teil, die aus unterschiedlichen
Ländern stammen. Informative Gesprächsrunden zu wechselnden Themen, teils mit
Expertinnen aus anderen Einrichtungen, aber auch Exkursionen stehen auf dem Programm.
Begleitend zum „KulTourCafé“ wird eine Kinderbetreuung angeboten.
Gesundheit und Bewegung ist für viele Frauen ein wichtiges Thema. Seit vielen Jahren findet
in der Begegnungsstätte ein Kurs zur Bewegungsförderung für Frauen statt, der zuletzt aus
Projektmitteln des DAAG Bildungswerks finanziert werden konnte. Für einige ältere
Teilnehmerinnen ist dieser Kurs zu einem wichtigen Teil ihres persönlichen „Fitness-
programms“ geworden. Wegen der geplanten Ausweitung des Sprachkursangebots am
Vormittag (siehe oben) wird der Platz für solche Angebote jedoch allmählich knapp.
Trotzdem wird die IB den Kurs in reduzierter Form – das heißt einmal statt zweimal
wöchentlich – unter dem Titel „Frauen in Bewegung“ weiterführen.
2.2. Koordinierungsstelle Integrationskurse
Die „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ wurde im Januar 2005, mit Inkrafttreten des
damals neuen Aufenthaltsgesetzes, in der Internationalen Begegnungsstätte eingerichtet.
Seitdem erfüllt sie Aufgaben im Rahmen des § 44a AufenthG.
Die Koordinierungsstelle wird von Migrantinnen und Migranten aufgesucht, die zur
Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet worden sind oder freiwillig an einem
solchen Kurs teilnehmen möchten. Verpflichtete Personen erhalten hier eine individuelle
Beratung und ihren Berechtigungsschein, bevor sie sich in einer vom BAMF anerkannten
Sprachschule anmelden. Nicht immer lässt die persönliche Lebenssituation einen schnellen
Kurseinstieg zu. Kinderbetreuung, Schwangerschaft, gesundheitliche Probleme oder eine
schon begonnene Berufstätigkeit können Hinderungsgründe sein, die einen Aufschub des
Kursbeginns rechtfertigen. Auch dies ist Gegenstand der Beratung.Seite 9 von 20

8
Zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle gehört es außerdem, den weiteren Verlauf in
jedem Einzelfall nachzuverfolgen: Hat die verpflichtete Personen sich bei einem Kursträger
angemeldet? Nimmt sie tatsächlich am Kurs teil? Wurde der Integrationskurs abgeschlossen
und mit welchem Ergebnis?
Etwa 1.400 persönliche Einzelberatungen pro Jahr (Stand: 2018), zahlreiche Folgekontakte
und telefonische Anfragen unterstreichen die zentrale Bedeutung der „Koordinierungsstelle
Integrationskurse“. Die Zuweisungen erfolgen über die Ausländerbehörde und seit Januar
2018 auch über das Amt für Soziales und Wohnen, das Asylbewerber/innen mit guter
Bleibeperspektive verpflichten kann, am Integrationskurs teilzunehmen. Anders ist es bei
Personen, die Leistungen vom Bonner Jobcenter erhalten und einen Integrationskurs
besuchen sollen: bei ihnen übernimmt seit Ende 2016 das Jobcenter selbst die Verpflichtung
und stellt Berechtigungsscheine aus.
Doch nicht nur Personen, die zur Kursteilnahme verpflichtet sind, nehmen die Beratung in
Anspruch. In etwa einem Drittel der Fälle möchten die Ratsuchenden freiwillig an einem
Integrationskurs teilnehmen - zum Beispiel EU-Bürger/innen oder deutsche
Staatsangehörige, die lange Zeit im Ausland gelebt haben.
Die Beratung zu den Integrationskursen steht allen Interessierten offen. Da es sich häufig um
Eltern handelt, die für sich und ihre Kinder einen Bedarf an Sprachförderung haben, kann
hier im günstigsten Fall sogar der ganzen Familie ein Angebot gemacht werden. Die Eltern
werden ermutigt, sich direkt vor Ort über passende Kinder- und Jugendkurse zu informieren.
Solche Synergieeffekte nutzt die IB ganz bewusst, um zugewanderte Familien frühzeitig
anzusprechen.
Nicht zuletzt ist die IB eine wichtige Schnittstelle im Zusammenspiel von Ausländerbehörde,
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Jobcenter und örtlichen Kursträgern. Sie
trägt durch ihre Koordinierungsarbeit zu einem reibungslosen Ablauf des Prozesses bei, der
einer Teilnahme am Integrationskurs vorausgeht.
2.3. Nutzung der Räume durch Vereine und Gruppen
Rund ein Dutzend Vereine, Elterninitiativen und andere Gruppen nutzen das Haus
regelmäßig oder sporadisch für ihre Veranstaltungen und Kursangebote. Die meisten davon
sind Migrantenorganisationen. Unter ihnen sind deutsch-russische Vereine gleich dreimal
vertreten, weitere Herkunftsländer und -regionen sind Bangladesch, China, Griechenland,
Polen, Spanien/Lateinamerika, Südkorea und Tibet.
Auch die Bandbreite der Angebote ist groß: Einige Vereine führen in der Begegnungsstätte
herkunftssprachlichen Unterricht durch (Bangla, Chinesisch, Polnisch, Russisch), andere
arbeiten mit künstlerischen Mitteln (Theater, Malerei, Musik), organisieren Eltern-Kind-
Gruppen oder öffentliche Veranstaltungen zu kulturellen Themen.
Zwischen diesen Vereinen und Nutzergruppen gibt es nur wenige Berührungspunkte. Die
Erfahrung zeigt, dass die IB für sie vor allem wegen des Raumangebots und der zentralen
Lage interessant ist, aber nicht aufgrund der Kooperationsmöglichkeiten und der inhaltlichen
Anknüpfungspunkte, die das Haus bietet. Die Aktivitäten der Vereine werden überwiegend
ehrenamtlich getragen. Auch deshalb sind die zeitlichen Spielräume für Kooperationen eng.Seite 10 von 20

9
Im Ergebnis bleiben die Nutzergruppen oft für sich und es ist für Außenstehende nicht
erkennbar, welche Aktivitäten sie in der IB entfalten. Gerade bei Gruppen, die keine
eingetragenen Vereine sind, stellt sich mitunter die Frage, ob deren Aktivitäten tatsächlich
gemeinnützig sind oder eher privaten Charakter haben. Einige Gruppen nutzen das Haus
schon seit vielen Jahren, sprechen aber nur einen relativ kleinen „eingeweihten“
Personenkreis an. Dies ist nicht unproblematisch vor dem Hintergrund, dass es sich um
Räume einer öffentlichen Einrichtung handelt. Bei diesen Gruppen versucht die Leitung der
IB auf eine Öffnung hinzuwirken und deutlich zu machen, wo Vorteile einer Vereinsgründung
liegen könnten. Zu diesem Schritt sind jedoch nicht alle bereit.
Vor diesem Hintergrund ist eine Überprüfung der bisherigen Praxis notwendig, um die
Vermietung oder Überlassung der Räume rechtfertigen zu können. Sie soll zukünftig an
transparente und einheitliche Bedingungen geknüpft werden (siehe 4.4.).
2.4. Weitere Angebote
Eine Behörde, mit der die Begegnungsstätte eng zusammenarbeitet, ist das Ausländeramt
der Stadt Bonn. Gemeinsame Themen und Überschneidungen ergeben sich vor allem im
Aufgabenfeld der Koordinierungsstelle Integrationskurse, die sich im selben Rechtskreis wie
das Ausländeramt bewegt (Aufenthaltsgesetz, Integrationskursverordnung).
Es gibt aber noch eine zweite Schnittstelle, und zwar im Rahmen des Einbürgerungsver-
fahrens. Hier greift das Ausländeramt auf die langjährige Erfahrung der IB beim Thema
„Deutsch als Zweitsprache“ zurück – und zwar dann, wenn eine einbürgerungswillige Person
die gesetzlich geforderten Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 nicht (oder nicht eindeutig)
nachweisen kann. In solchen Fällen raten die zuständigen Sachbearbeiter/innen des
Ausländeramtes zu einer Teilnahme am „Probetest B1“, den die Begegnungsstätte kostenlos
anbietet. Das Ergebnis des Tests und die damit verbundene fachliche Einschätzung der IB
werden dem Ausländeramt direkt mitgeteilt und tragen dort zur Entscheidungsfindung bei.
Gerade für einbürgerungswillige Menschen, die schon lange in Deutschland leben und nie an
einem Integrationskurs teilnehmen konnten, ist dies eine einfache und unbürokratische
Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse nachzuweisen. Der Probetest ist kein offenes Angebot.
Teilnehmen kann nur, wer eine schriftliche Empfehlung des Ausländeramtes im Rahmen
eines laufenden Einbürgerungsverfahrens vorweisen kann.
Auch im pädagogischen Bereich gibt es weitere Angebote, die von der IB im Rahmen ihrer
personellen Möglichkeiten gemacht werden. Zu erwähnen sind Freizeiten in den Sommer-
oder Herbstferien, die über mehrere Tage gehen und mit einem abwechslungsreichen
Programm verbunden sind (Bastelaktionen, Ausflüge oder Spiele zu einem bestimmten
Thema). Aktiv beteiligt ist die Begegnungsstätte auch am jährlichen Familienspielfest des
Jugendamtes.Seite 11 von 20

10
3. Rahmenbedingungen der Arbeit
3.1. Gebäude und technische Ausstattung
Das Gebäude Quantiusstraße 9, in dem sich die IB befindet, wurde 1868 erbaut. Die Stadt
Bonn ist nicht Eigentümerin, aber seit rund hundert Jahren Verwalterin der Immobilie, die
zum Stiftungsvermögen der Konvente St. Ägidius und St. Jakob gehört. Das Alter und der
bauliche Zustand des Hauses bringen deutliche Einschränkungen für die derzeitige Nutzung
mit sich. Das Haus ist weder barrierefrei noch kindgerecht, auch die sanitären Anlagen und
die Haustechnik sind nicht zeitgemäß. Aktivitäten und Angebote verteilen sich auf vier
Etagen, einen Aufzug gibt es nicht. Die räumliche Enge führt dazu, dass auch das Foyer und
das Treppenhaus als Wartebereiche herhalten müssen. Bei der IT-Technik sind ebenfalls
Abstriche zu machen: die Leitungen sind unzureichend, der Datenfluss ist sehr langsam.
Unter diesen Bedingungen ist eine Bildungsarbeit, die den Herausforderungen der
Gegenwart gerecht wird - Stichworte: Digitalisierung und Inklusion - kaum möglich.
Als großer Pluspunkt des Hauses ist vor allem die zentrale Lage am Hauptbahnhof
hervorzuheben.
3.2. Personal und Öffnungszeiten
Die Internationale Begegnungsstätte hat sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
 Zwei pädagogische Fachkräfte (Teilzeit, 35 und 25 Wochenstunden) sind zuständig
für die Leitung des Hauses, die Organisation der Bildungsangebote, Veranstaltungen
und Projekte.
 Drei Verwaltungskräfte (zwei Vollzeit, eine Teilzeit) mit insgesamt 99,5 Wochen-
stunden nehmen die Aufgaben der „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ wahr.
Eine der Mitarbeiterinnen übernimmt zudem mit einem Teil ihrer Stelle allgemeine
Verwaltungsaufgaben (Haushalt, Buchungen).
 Ein Mitarbeiter (Vollzeit, 39 Stunden) ist als Hausmeister tätig und deckt u.a. Präsenz-
zeiten am Abend und samstags ab, wenn Vereine und Gruppen das Haus nutzen.
Zudem beschäftigt die Begegnungsstätte rund 25 Kursleiter/innen und Betreuungskräfte auf
Honorarbasis. Die meisten dieser Honorarkräfte arbeiten in der Quantiusstraße selbst, etwa
ein Drittel ist an den dezentralen Standorten im Einsatz.
Mit dem hauptamtlichen Personal muss die Besetzung für ein Haus sichergestellt werden,
das aufgrund der Beratungszeiten am Vor- und Nachmittag, zahlreicher Kurse und der
Aktivitäten von Vereinen und Gastgruppen mindestens 40 Stunden pro Woche (bis abends
und auch samstags) geöffnet ist. Die Einrichtung erfüllt viele Funktionen: sie dient als
Bildungshaus, Beratungsstelle, Verwaltungsgebäude und Veranstaltungsort. Eine klare
personelle Trennung zwischen den Arbeitsbereichen (hier die pädagogische Arbeit, dort die
Integrationskurs-Beratung) lässt sich dabei nicht immer durchhalten. Gerade bei personellen
Engpässen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur im Rahmen ihrer jeweils
eigenen Aufgaben ansprechbar sein, sondern für die gesamte Einrichtung.
Die allgemeinen Öffnungszeiten umfassen die Kernpräsenz im Büro:Seite 12 von 20

11
Dienstag bis Donnerstag:
9 bis 12.30 Uhr sowie 14 bis 16.30 Uhr
Freitag: 9 bis 12.30 Uhr
Nur während der Schulferien und in sonstigen Kurspausen kann das Team sich auf diese
Zeiten beschränken, im Normalbetrieb geht die Präsenz aber deutlich darüber hinaus.
3.3. Aufgabenstruktur
Die Aufgabenstruktur der Internationalen Begegnungsstätte ist zu einer Zeit entstanden, als
die Einrichtung noch zum Amt für Soziales und Wohnen gehörte. Seitdem gibt es in der IB
zwei große Arbeitsbereiche, die fachlich eigenständig sind. Da sind einerseits die Bildungs-
und Begegnungsangebote mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache (pädagogischer
Bereich), die sich - jedenfalls für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen - auf § 11 KJHG
stützen. Und daneben gibt es die Koordinierungsstelle Integrationskurse (administrativer
Bereich), die Aufgaben nach § 44a Aufenthaltsgesetz in Verbindung mit §§ 6, 8 Integrations-
kursverordnung wahrnimmt. Jeder dieser Bereiche stellt eigene Anforderungen an das
Arbeitsumfeld und es liegt auf der Hand, dass auch Zielgruppen und Arbeitsweisen
unterschiedlich sind.
Gleichwohl gibt es ein übergeordnetes Ziel, das man als „Förderung der Sprachkompetenz in
Deutsch“ bezeichnen könnte und dem sich die Einrichtung als Ganzes verpflichtet fühlt. Aus
diesem gemeinsamen Thema ergeben sich immer wieder Verknüpfungen zwischen dem
pädagogischen und administrativen Bereich, von denen die Besucher/innen des Hauses
profitieren. So kann im Rahmen der Integrationskursberatung gezielt auf die Bildungs- und
Begegnungsangebote der IB verwiesen werden – oder umgekehrt (siehe 2.2.). Auch die
besondere Beachtung familiärer Themen ist etwas, das beide Arbeitsbereiche verbindet.Seite 13 von 20

12
4. Konzeptionelle Eckpunkte:
Ein interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien
Die nachfolgenden konzeptionellen Überlegungen konzentrieren sich auf den Kernbereich
der Aufgaben, die von der IB als Bildungs- und Begegnungshaus mit den Zielgruppen Kinder,
Jugendliche und Familien wahrgenommen werden. Die Koordinierungsstelle Integrations-
kurse bleibt dabei außen vor, denn sie bildet einen eigenständigen Arbeitsbereich mit klaren
gesetzlichen und formalen Vorgaben, die wenig Spielraum für eine konzeptionelle
Ausgestaltung lassen.
4.1. Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche
Es gibt keine andere öffentliche Einrichtung in Bonn, die außerschulische Deutschkurse und
Lernförderangebote für Kinder und Jugendliche in einer solchen Bandbreite und überdies so
kostengünstig anbietet wie die Internationale Begegnungsstätte. Dies ist ein Alleinstellungs-
merkmal des Hauses. Mit rund 45 Kursen pro Halbjahr (in der IB selbst und an anderen
Orten) erreicht die Einrichtung Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis zur Klasse 10.
Die Auslastung der Kurse ist hoch und zahlreiche Anfragen von Eltern zeigen, dass der Bedarf
an solchen Angeboten in Bonn noch lange nicht gedeckt ist. Auch andere städtische Stellen
wie das Familienbüro, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Einrichtungen der Erziehungshilfe,
Arztpraxen oder ehrenamtliche Betreuer/innen melden sich in der Begegnungsstätte oder
verweisen Familien gezielt dorthin. Daher soll dieser Arbeitsbereich, der schon jetzt ganz
zentral für die Begegnungsstätte ist, im Rahmen ihrer Möglichkeiten erweitert und immer
wieder bedarfsgerecht angepasst werden.
4.1.1. Zielsetzung und Arbeitsweise
Die Deutschkurse der IB unterstützen schulische Lernprozesse, sind aber keine „Nachhilfe“
für die Schule. Das Ziel ist vielmehr, den Spracherwerb und die Sprachentwicklung
ganzheitlich zu fördern und zu begleiten. Die Kursleiter/innen arbeiten nicht nach einem
festen Lernprogramm, sondern stimmen ihre Methoden und Materialien auf das Alter, das
Sprachniveau und die Konstellation der jeweiligen Gruppe ab. Der Unterricht ist meist
themenbezogen, die Lehrkräfte greifen aber auch Fragestellungen der Kinder auf und
reagieren auf sprachliche Unsicherheiten. Bei den Jüngsten ist der Zugang zur deutschen
Sprache noch spielerisch (als Medien werden z.B. Lernspiele, Musik und Bewegung,
Hörbücher, Bilderbücher und Bildkarten eingesetzt), bei älteren Schülern kommen häufig
Arbeits- und Übungsblätter zum Einsatz. Vorhandene Grundkenntnisse der deutschen
Sprache und ihrer Grammatik werden aufgefrischt, das Sprachverständnis und die
Ausdrucksfähigkeit durch Übungen gezielt verbessert. Gerade bei Anfängern ist es wichtig,
Sprachbarrieren zu überwinden und sie zum aktiven Sprechen zu ermutigen. Dafür bieten
die kleinen Lerngruppen, die meist aus zehn bis zwölf Kindern oder Jugendlichen bestehen,
einen guten Rahmen.
Die IB will mit ihren Bildungsangeboten
 die Sprachkompetenz in Deutsch verbessern bei Kindern und Jugendlichen, die
andere Familiensprachen haben,
 zum Lernen motivieren, Erfolgserlebnisse vermitteln und Eigeninitiative fördern,
 Prozesse des sozialen und interkulturellen Lernens in Gang setzen und begleiten,Seite 14 von 20

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 junge Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Eltern bei der Integration
unterstützen (denn hierbei ist die deutsche Sprache das wichtigste Medium),
 zu einem chancengerechten Bildungssystem und zum Ausgleich sozialer
Benachteiligungen beitragen.
4.1.2. Leseförderung als neuer Schwerpunkt
Bei der Bildungsarbeit stößt die IB an räumliche Grenzen. Zu den Kurszeiten ist das Haus von
Dienstag- bis Freitagnachmittag komplett belegt. Um trotzdem flexibel zu bleiben und
zusätzliche Angebote durchführen zu können, sollen die Räume ab dem zweiten Halbjahr
2019 auch montags in begrenztem Umfang für Bildungsangebote genutzt werden. Es ist
zudem eine inhaltliche Erweiterung in zwei Richtungen geplant: Angebote der Leseförderung
sollen fest verankert und zusätzliche künstlerische Kurse und Projekte erprobt werden.
Eine umfassende Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sind kaum möglich ohne die
Fähigkeit, zu lesen und Gelesenes zu verstehen. Lesen schult die Aufmerksamkeit, verbessert
die Konzentrationsfähigkeit und fördert das Verständnis für den Aufbau und die
Funktionsweisen von Sprache. Durch das Hören und Lesen von Geschichten wird der
Wortschatz erweitert und die Fantasie angeregt. Neuere Forschungen belegen, dass auch die
Fähigkeit zur Empathie durch die Lektüre von erzählenden Texten gefördert wird. Mit
anderen Worten: wichtige kognitive und soziale Kompetenzen sind eng mit dem Lesen
verbunden.
Im Herbst 2018 hat die Internationale Begegnungsstätte sich in Kooperation mit der
Stadtbibliothek Bonn bei der Stiftung Lesen um die Einrichtung eines Leseclubs für
Grundschulkinder beworben. Daraufhin wurden zunächst für die Jahre 2018 bis 2020 Mittel
aus dem Bundesprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ bewilligt. Im
September 2019 wird der Leseclub unter dem Motto „Mit Büchern die Welt entdecken!“
endlich in die Praxisphase starten. Ein weiterer Kooperationspartner bei diesem Projekt ist
der Verein „Kultur verbindet“.
Der Leseclub bietet Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren die Möglichkeit, gemeinsam zu
lesen, zu spielen, Freunde zu treffen und den kreativen Umgang mit Medien zu üben.
Geplant sind wöchentliche Lesegruppen sowie vielfältige Aktionen und Veranstaltungen
rund ums Lesen. Mehrsprachige Angebote sind ausdrücklich erwünscht.
Im März 2019 hat die IB damit begonnen, für den Leseclub ehrenamtliche Betreuer/innen zu
werben, die Kindern Freude am Lesen vermitteln möchten. Dabei arbeitet sie auch mit der
Freiwilligenagentur Bonn zusammen. Die Ehrenamtlichen werden von den pädagogischen
Fachkräften der IB begleitet und haben die Möglichkeit, an Weiterbildungen der Stiftung
Lesen teilzunehmen. Für die Begegnungsstätte ist die Projektarbeit mit Ehrenamtlichen in
dieser Form neu.
4.1.3. Qualitätsentwicklung
Die Qualität der Bildungsangebote hängt vor allem von vier Faktoren ab: von der Kompetenz
und Motivation der Lehrkräfte, den im Unterricht eingesetzten Methoden und Materialien,
der Lernumgebung (Raum, Mobiliar, Lehrmittel) und nicht zuletzt von einer guten Kommuni-
kation zwischen allen Beteiligten. In diese Kommunikation sind die teilnehmenden KinderSeite 15 von 20

14
und Jugendlichen, ihre Eltern und erwachsenen Bezugspersonen eingebunden werden.
Jeder dieser vier Faktoren verdient besondere Aufmerksamkeit und bietet Ansatzpunkte für
konkrete Verbesserungen.
Der persönliche Austausch zwischen Hauptamtlichen und Honorarkräften geschieht oft
beiläufig in Tür-und-Angel-Gesprächen. Diese informellen Kontakte sind wichtig, aber nicht
immer ausreichend. Daher werden die Kursleiter/innen regelmäßig zum Austausch in
größeren und kleineren Runden eingeladen, in denen sie zusammen mit den hauptamtlichen
Kräften praktische Erfahrungen austauschen und organisatorische Absprachen treffen
können. Ebenso wichtig sind Weiterbildungsangebote, die allen Honorarkräften offenstehen.
Im Januar 2019 hat die Begegnungsstätte mit einer eigenen Workshop-Reihe begonnen, die
sich primär (aber nicht nur) an Lehrkräfte im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ richtet. Hier
werden pädagogische und methodisch-didaktische Fragestellungen aufgegriffen, die für den
Unterricht relevant sind. In diesem Rahmen sind fortlaufend vier bis fünf Workshops pro Jahr
geplant, mit fachlichen Beiträgen sowohl von Gastreferentinnen als auch von eigenen
Lehrkräften (Motto: „Voneinander lernen“). Daneben schafft die IB Anreize für eine
Teilnahme der Kursleiter/innen an Fachveranstaltungen, wie sie in Bonn u.a. vom
Kommunalen Integrationszentrum und der Universität angeboten werden.
Bei der Auswahl der Honorarkräfte werden neben den fachlichen Qualifikationen natürlich
auch die persönliche Eignung und die gesetzlichen Vorgaben zum Kinderschutz beachtet.
Wer in der IB tätig werden will, muss immer ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis
vorlegen. Dies gilt auch für Ehrenamtliche, die sich im Leseclub engagieren.
Bei der Weiterentwicklung der Bildungsangebote greifen die hauptamtlichen Fachkräfte oft
auf Praxiserfahrungen der Kursleiter/innen zurück. Die Honorarkräfte sind wichtige Impuls-
und Ideengeber und das führt immer wieder zu konkreten Verbesserungen, etwa bei der
Ausstattung. Sie soll Schritt für Schritt modernisiert und an die Bedürfnisse der Zielgruppen
angepasst werden. Ein Teil des Mobiliars wurde in den Jahren 2018 und 2019 bereits
erneuert. Davon haben vor allem die Vorschul- und Grundschulkurse profitiert. Doch dieser
Prozess geht weiter. Für die Multifunktionsräume des Hauses müssen flexible Lösungen
gefunden werden, die diversen Altersgruppen und Nutzungen gerecht werden (z.B.
Klapptische, mobile Möbel). Auch mit Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik
wurde begonnen. Trotzdem ist hier noch viel zu tun.
4.2. Förderung der familiären Integration
Die IB ist ein guter Standort für die interkulturelle Elternarbeit. Dank seines Kurs- und
Beratungsangebotes sowie auch der Integrationskursberatung ist die Einrichtung für viele
zugewanderte Eltern eine bekannte Adresse. Eine größere Gruppe von Müttern (und einige
Väter) verbringt mehrere Stunden pro Woche im Haus, während ihre Kinder Deutsch lernen.
Diese Eltern würden die Wartezeit gerne sinnvoller nutzen und wünschen sich Bildungs-,
Informations- und Bewegungsangebote, die auf ihre Interessen zugeschnitten sind.
Mit dem KulTourCafé und den Konversationskursen (siehe oben, 2.1.2.) kommt die
Einrichtung solchen Wünschen schon jetzt an einigen Stellen entgegen. Diese Angebote
werden gut angenommen und es gelingt der IB auf diese Weise, die teilnehmenden Frauen
zu unterstützen, in Kontakt miteinander zu bringen und für neue Themen zu interessieren.Seite 16 von 20

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Perspektivisch sollen Angebote für Eltern mit Migrationshintergrund weiter ausgebaut
werden. In der interkulturellen Elternarbeit kann die IB ihre Fachlichkeit und die zentral
gelegenen Räume sinnvoll einsetzen. Möglichkeiten zur Erweiterung des Angebots werden in
folgenden Bereichen gesehen:
 (mehrsprachige) Informations-Veranstaltungen zu den Themen Familie, Erziehung,
Mediennutzung, Sprachförderung und Gesundheit,
 internationale Elterngruppen und/oder Eltern-Spiel-Gruppen,
 kulturelle Veranstaltungen für Familien.
Wo es möglich und sinnvoll ist, wird die IB mit anderen Fachstellen und Vereinen
zusammenarbeiten, um diese Angebote zu planen und durchzuführen. Auf städtischer Seite
bieten sich Kooperationen insbesondere mit dem Familienbüro, dem Kommunalen
Integrationszentrum und der Psychologischen Beratungsstelle an.
Zudem ist geplant, den Wartebereich im Erdgeschoss des Hauses so zu gestalten, dass er von
Eltern zur Selbstinformation genutzt werden kann. Dafür wird das Angebot an Broschüren
und Ratgeberliteratur erweitert und auf die Interessen der Eltern und familiäre Themen
zugeschnitten. Für wartende Eltern sollen entleihbare Notebooks bereitgestellt werden.
4.3. Öffentliche Veranstaltungen
Ein Arbeitsbereich, den die IB wiederbeleben will, sind öffentliche Veranstaltungen mit
Begegnungscharakter. Bei den Veranstaltungen sollen neue Formate erprobt werden, die
über das Stammpublikum hinaus interessierte Kinder, Jugendliche und Familien ansprechen.
Die Begegnungsstätte hat damit begonnen, Kooperationen mit Trägern der Kulturarbeit
aufzubauen, um mit deren Unterstützung vermehrt Workshops, Lesungen und Ausstellungen
anbieten zu können. Seit 2018 ist die IB ein Veranstaltungsort des Rheinischen Lesefestes
„Käpt’n Book“. Im Sommer bietet sich auch der Innenhof als Veranstaltungsort an: kleine
Feste und ein jährlicher Hofflohmarkt sind geplant. Zudem sollen Informationsveranstal-
tungen zu familienbezogenen Themen ausgebaut werden (siehe oben).
Mit diesen Aktivitäten will die IB einen Beitrag zum positiven Miteinander von Kindern,
Jugendlichen und Familien in Bonns vielfältiger Stadtgesellschaft leisten. Die Einrichtung hat
sich von Anfang an als offener, interkultureller Begegnungsort verstanden. Als solcher soll sie
zukünftig wieder stärker wahrgenommen werden (mehr dazu unter 5.).
4.4. Stützpunkt für Vereine, Gruppen und Initiativen
Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1983 ist die Begegnungsstätte ein wichtiger Stützpunkt für
Migrantenorganisationen, interkulturelle Vereine und Initiativen. Dabei soll es auch bleiben.
Die Überlassung und Vermietung der Räume muss aber an konkrete Bedingungen und an
inhaltliche Kriterien geknüpft werden, die einheitlich, transparent und nachvollziehbar sind.
Eine klare Regelung ist vor allem bei so genannten Dauerreservierungen geboten, die in der
Internationalen Begegnungsstätte seit vielen Jahren üblich sind. Sie stellen die häufigste
Form der Nutzung durch Dritte dar. Mit einer Dauerreservierung erhalten Vereine und
Initiativen die Möglichkeit, Räume der IB kostenlos und regelmäßig (meist wöchentlich) für
ihre Angebote und Aktivitäten zu nutzen.Seite 17 von 20

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Die Räume können grundsätzlich nur eingetragenen Vereinen zur Verfügung gestellt werden.
Diese müssen ihren Sitz und/oder einen Arbeitsschwerpunkt in Bonn haben. Ausnahmsweise
ist auch eine Raumvergabe an Elterninitiativen oder informelle Jugendgruppen möglich,
wenn sie in Bonn aktiv sind und gemeinnützige Ziele verfolgen, die mit denen der IB im
Einklang stehen. Dies trifft z.B. auf Elterninitiativen zu, die herkunftssprachlichen Unterricht
oder Lern-Spielgruppen organisieren.
Von vornherein ausgeschlossen ist eine Nutzung bei kommerziellen Angeboten sowie bei
religiösen und politischen Veranstaltungen.
Für eine Dauerreservierung müssen zudem drei der vier folgenden Kriterien erfüllt sein:
 Hauptzielgruppe(n) der Aktivitäten und Angebote, die in den Räumen der
Begegnungsstätte stattfinden, sind Kinder, Jugendliche und/oder Eltern,
 die Aktivitäten und Angebote sind nicht auf einen bestimmten Teilnehmerkreis
beschränkt, sondern offen für alle Interessierten,
 die Teilnahme ist kostenlos,
 die Aktivitäten sind interkulturell ausgerichtet.
Zudem werden Dauerreservierungen zukünftig nur noch möglich sein, wenn vorab mit den
jeweiligen Vereinen und Initiativen eine Kinderschutzvereinbarung getroffen wurde. Im Jahr
2020 soll dies als Standard in der IB eingeführt werden.
4.5. Kooperation und Vernetzung
Die Internationale Begegnungsstätte arbeitet projekt-, themen- und anlassbezogen mit
anderen städtischen Dienststellen und Ämtern, mit Behörden, Bildungseinrichtungen, freien
Trägern der Jugendhilfe, interkulturellen Vereinen und Gruppen zusammen.
Ein Beispiel dafür sind die dezentralen Kursangebote, die in mehreren Stadtteilen zusammen
mit örtlichen Projektpartnern durchgeführt werden (siehe 2.1.1.). Ein zweites Beispiel ist der
Leseclub: hier kooperiert die IB mit der Stiftung Lesen, der Stadtbibliothek und dem Verein
„Kultur verbindet“. Auch durch die Raumvergabe an Vereine und Initiativen entstehen
Kontakte, die aber nur selten zu einer praktischen oder inhaltlichen Zusammenarbeit führen.
Zielgerichtete Kooperationen, die mit konkreten Anliegen, Projekten und Arbeitszielen
verbunden sind, haben sich als absolut sinnvoll und effektiv erwiesen. Hier soll auch künftig
der Schwerpunkt liegen, damit die knappen personellen Ressourcen der IB möglichst
wirkungsvoll eingesetzt werden.
Für die Kontaktpflege spielt zudem die Gremienarbeit eine wichtige Rolle. In zwei Arbeits-
kreisen ist die Begegnungsstätte regelmäßig vertreten: im Arbeitskreis Kommunikation und
Integration, der in erster Linie ein Zusammenschluss der Integrationskurs-Träger ist (hier ist
die „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ als kommunale Fachstelle seit vielen Jahren
dabei), sowie im Stadtteil-Arbeitskreis Innenstadt/Südstadt.Seite 18 von 20

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5. Perspektive: Ein Bildungshaus als „Dritter Ort“
Gegenwärtig ist viel von "Dritten Orten" die Rede. Damit sind öffentliche Einrichtungen und
Räume gemeint, die weder zur privaten noch zur beruflichen Sphäre gehören. Es sind
einladende Orte, an denen man sich gern und regelmäßig aufhält. Dritte Orte sind eine Art
neutraler Boden, wo Begegnungen und Aktivitäten möglich sind, die nicht dem Diktat
bestimmter Erwartungen oder Pflichten unterliegen.
Bezogen auf Kinder und Jugendliche heißt das: es sind Orte zwischen Elternhaus und Schule,
wo jede und jeder hingehen kann, wo es lebendig zugeht, die zur Mitgestaltung einladen
und Raum bieten für die Fragen und Anliegen ihrer Besucherinnen und Besucher.
Das Konzept der „Dritten Orte“ könnte auch für die Internationale Begegnungsstätte
wegweisend sein und als Orientierungsrahmen für die nächsten Jahre dienen. Schon jetzt
zeichnet die IB sich durch einige Merkmale aus, die für Dritte Orte wesentlich sind. Dazu
gehören Offenheit, eine zentrale Lage, vielfältige Bildungs- und Begegnungsangebote und
die interkulturelle Ausrichtung der Arbeit. Die Besucherschaft ist international und
altersgemischt, das Medium Sprache spielt eine besondere Rolle.
Diesen Pluspunkten stehen allerdings auch Nachteile gegenüber. Die Raumkapazitäten der
Begegnungsstätte sind begrenzt und - zumindest im laufenden Kursbetrieb - weitgehend
ausgereizt. Es ist kein modernes Haus, sondern eines mit baulichen Barrieren und einer
keineswegs zeitgemäßen technischen Ausstattung. Dies schmälert die Attraktivität und
Aufenthaltsqualität der IB und lässt sich am jetzigen Standort kaum verbessern.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, sich der oben skizzierten Idealvorstellung eines „Dritten
Ortes“ im kleinen Maßstab anzunähern. Dies soll mit vier Beispielen skizziert werden:
Pädagogische Freiräume
Die praktische Bildungsarbeit der IB mit ihren kleinen Lerngruppen lässt den
Lehrkräften viele Freiheiten bei der Ausgestaltung des Unterrichts. Offene Formen
des Lernens, die an den Interessen der Kinder und Jugendlichen ansetzen, können
hier verwirklicht werden. Neben dem Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache“
könnte die Förderung der Mehrsprachigkeit noch mehr Beachtung finden.
Ganzheitliche Bildung
Ähnliches gilt für Kurse, Gruppenangebote oder Projekte, die einem erweiterten
Bildungsbegriff Rechnung tragen, vor allem in den Bereichen Kunst und Musik,
Bewegung, Naturerfahrung oder Demokratiebildung. Solche Angebote können in
begrenztem Umfang ausgebaut werden.
Übungsfeld für Partizipation
Die Idee einer Mitgestaltung der Angebote und des Hauses durch die jungen
Menschen und durch Eltern, die hier ein und aus gehen, kommt in der Praxis bisher
kaum zum Tragen. Eine Zielsetzung soll also lauten: Mehr Partizipation wagen, damit
die Besucher/innen sich mit dem Haus identifizieren können.Seite 19 von 20

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Praktische Ansatzpunkte für eine solche Mitwirkung gibt es genug: Sei es bei der
Innenraumgestaltung, der Entwicklung von Hausregeln, der aktiven Einbindung bei
Festen oder der (Er)Findung eines neuen, passenderen Namens für dieses Haus.
Beratung in unterschiedlichen Formaten
Einen offiziellen Beratungsauftrag hat die IB nur beim Thema Integrationskurse. Doch
natürlich findet Beratung auch in anderen Kontexten und zu anderen Themen statt,
oft in Form einer Erst- oder Verweisberatung. Die meisten Anfragen kommen von
zugewanderten Eltern, die schon Kontakt zur Begegnungsstätte haben oder denen sie
als gute Adresse empfohlen wurde. Viele Gespräche kreisen um die Frage, wie sie die
Entwicklung ihrer Kinder begleiten und fördern können. Hier gibt es ein großes
Informationsbedürfnis und den Wunsch nach einem Austausch mit Gleichgesinnten,
dem die IB weiter nachkommen will. Nicht die Einzelberatung steht dabei im
Vordergrund, sondern offene Formate wie das „KulTourCafé“ und Elterngruppen.
Entscheidend für die weitere Entwicklung werden die Rahmenbedingungen der Arbeit sein,
wie sie im dritten Teil dieser Konzeption beschrieben wurden. Vor allem eine personelle
Verstärkung im pädagogischen Bereich ist notwendig, wenn man das Potenzial der
Internationalen Begegnungsstätte als interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche
und Eltern ausschöpfen möchte. Zwei Teilzeitstellen mit insgesamt 60 Wochenstunden für
die Bildungs- und Begegnungsarbeit mögen zwar ausreichen, um das bestehende Angebot
aufrecht zu erhalten, sie lassen aber kaum Spielräume für Neues.Seite 20 von 20

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Datenstand: 03.11.2026, 08:59 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de