190513 · Mitteilungsvorlage
Konzept für die Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 190513
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 04.11.2019
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
- Sitzung des Integrationsrates Kenntnisnahme
- Sitzung des Hauptausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Internationales und Wissenschaft Kenntnisnahme
- Sitzung des Unterausschusses für Kinder- und Jugendhilfe Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 190513 Konzept für die Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn Beratungsfolge Integrationsrat 18.12.2019 Kenntnisnahme Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 21.11.2019 Kenntnisnahme Hauptausschuss 05.12.2019 Kenntnisnahme Mitteilung: Mit Beschluss des Hauptausschusses vom 23.06.2016 (Drucksachen-Nr. 1610030EB10) hat die Verwaltung den Auftrag erhalten, „…dem Rat ein Konzept zur Internationalen Begegnungsstätte vorzulegen, welches unter Beibehaltung ihrer bisherigen Aufgaben und ihres Charakters als Ort der Begegnung, des Lernens, der Beratung, der Integration/Kommunikation und des Zusammenwirkens städtischer Institutionen die zusätzlichen Bedürfnisse von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten und die damit verbundenen zusätzlichen Herausforderungen berücksichtigt. Die IB ist bei der Konzepterstellung einzubeziehen.“ Die Verwaltung legt dieses Konzept nun unter der Überschrift „Ein interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien“ vor. Darin werden zunächst die gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkte und Angebote der IB sowie die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit dargestellt. Im Anschluss an diese Bestandsaufnahme werden konzeptionelle Eckpunkte für eine Weiterentwicklung der IB in den nächsten Jahren beschrieben. Das Konzept wurde vom Leiter der Internationalen Begegnungsstätte erstellt und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses intensiv diskutiert. Hinweise und Änderungswünsche aus dem Team der IB sind in die vorliegende Endfassung eingeflossen. Anlage/n 1 Konzept Internationale Begegnungsstätte (öffentlich) Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. VSeite 1 von 20 Konzept für die Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn Ein interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien August 2019 Bundesstadt Bonn Amt für Kinder, Jugend und Familie Internationale Begegnungsstätte Quantiusstraße 9 53115 Bonn Telefon: 0228 – 36761010 E-Mail: ib@bonn.deSeite 2 von 20 1 Konzept für die Internationale Begegnungsstätte der Stadt Bonn Ein interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien Inhalt 1. Vorgeschichte und Auftrag 1.1. Zur Geschichte des Hauses 2 1.2. Politische Diskussion und Grundsatzbeschluss im Jahr 2016 3 1.3. Zielrichtung dieser Konzeption 3 2. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte 2.1. Bildungsangebote 5 2.1.1. Kurse und Lernförderangebote für Kinder und Jugendliche 5 2.1.2. Bildung und Begegnung für zugewanderte Frauen 7 2.2. Koordinierungsstelle Integrationskurse 7 2.3. Nutzung der Räume durch Vereine und Gruppen 2.4. Weitere Angebote 8 9 3. Rahmenbedingungen der Arbeit 3.1. Gebäude und technische Ausstattung 10 3.2. Personal und Öffnungszeiten 10 3.3. Aufgabenstruktur 11 4. Konzeptionelle Eckpunkte 4.1. Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche 12 4.1.1. Zielsetzung und Arbeitsweise 12 4.1.2. Leseförderung als neuer Schwerpunkt 13 4.1.3. Qualitätsentwicklung 13 4.2. Förderung der familiären Integration 14 4.3. Öffentliche Veranstaltungen 15 4.4. Stützpunkt für Vereine, Gruppen und Initiativen 15 4.5. Kooperation und Vernetzung 16 5. Perspektive Ein Bildungshaus als „Dritter Ort“ 17Seite 3 von 20 2 1. Vorgeschichte und Auftrag 1.1. Zur Geschichte des Hauses Im Mai 1982 wurde die Internationale Begegnungsstätte (IB) als „Ausländerbegegnungs- stätte der Stadt Bonn“, wie es damals hieß, eröffnet. Seinerzeit war sie die zweite Einrichtung dieser Art in Bonn (die erste war die Alte Schule Duisdorf). Das Haus gehörte bis 2008 als Teil des Referates für Multikulturelles zum Amt für Soziales und Wohnen und war in dieser Zeit eine der zentralen Anlaufstellen für erwachsene Migrantinnen und Migranten in Bonn. Eine wichtige Adresse war die IB aber auch für die interessierte Öffentlichkeit. Mit vielfältigen Informations- und Begegnungsveranstaltungen und diversen Publikationen regte sie den öffentlichen Austausch zu Migrations- und Integrationsthemen an. Für viele Migrantenorganisationen war sie ein wichtiger Kooperationspartner. Von Anfang an bildeten Beratung, Bildung und Begegnung die drei Standbeine des Programms. Mit Inkrafttreten des Aufenthaltsgesetzes und der Integrationskursverordnung im Januar 2005 ergaben sich neue kommunale Aufgaben, an deren Erfüllung sich das Amt für Soziales und Wohnen beteiligte. In der IB wurde damals die städtische „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ eingerichtet. Sie übernahm die Beratung und Verpflichtung zum Integrationskurs im Auftrag der Ausländerbehörde. Drei Jahre später, nach Auflösung des Referates für Multikulturelles, ging die Internationale Begegnungsstätte in die Zuständigkeit des Amtes für Kinder, Jugend und Familie über. Zu diesem Zeitpunkt war die Integrationslandschaft in Bonn bereits eine grundlegend andere als in den achtziger oder neunziger Jahren. Mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land waren auch in Bonn Beratungsstellen, Migrationsdienste und interkulturelle Zentren entstanden, die eine Ausdifferenzierung der Strukturen und Angebote mit sich brachten. Die Zahl der Akteure und Fachstellen im Bereich der Migrations- und Integrationsarbeit hatte deutlich zugenommen. Auch strukturelle Veränderungen bei der Stadt Bonn selbst (so die Einrichtung der Stabsstelle Integration im Jahr 2008) führten dazu, dass sich Rolle und Bedeutung der Internationalen Begegnungsstätte veränderten. Nach dem Wechsel zum Amt für Kinder, Jugend und Familie wurden Bildungsangebote für Erwachsene allmählich zurückgefahren und die IB nahm verstärkt junge Menschen und zugewanderte Familien als Zielgruppen in den Blick. Angebote zur Sprach- und Lernförde- rung von Kindern und Jugendlichen, die es schon vorher gegeben hatte, wurden zu einem differenzierten Programm ausgebaut. Im Jahr 2008 arbeitete der langjährige Leiter eine neue Konzeption für die Internationale Begegnungsstätte aus, in der sich diese Akzentverschiebungen abzeichneten. Zugleich blieb die IB bestimmten Traditionslinien treu und führte viele der Aufgaben und Angebote fort, die sie schon im früheren Referat für Multikulturelles hatte. Ein Beispiel ist die Beibehaltung der „INFOthek Migration & Integration“ und der damit verbundenen Publikationen. Auch die Zuordnung der „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ wurde nicht in Frage gestellt. Sie blieb mit ihren Aufgaben ein wichtiger Baustein der Konzeption.Seite 4 von 20 3 1.2. Politische Diskussion und Grundsatzbeschluss im Jahr 2016 Ende 2015 ging der langjährige Leiter der Begegnungsstätte in den Ruhestand. Er hatte das Haus mehr als dreißig Jahre lang geführt. Im April 2016 brachte die Verwaltung eine Beschlussvorlage mit der Überschrift „Organisatorische Veränderungen und Aufgabe des Standortes der Internationalen Begegnungsstätte“ in die Ratsgremien ein. Nach ihren Vorstellungen sollten die Angebote und Aufgaben der Begegnungsstätte zwar fortgeführt, aber organisatorisch anderen Ämtern und Einrichtungen der Stadt Bonn zugeordnet werden. Das von der Stadt Bonn angemietete Haus an der Quantiusstraße sollte aufgegeben werden. Diese Pläne lösten eine kontroverse kommunalpolitische Diskussion aus. Viele Nutzer und Kooperationspartner der IB setzten sich öffentlich für den Erhalt des Hauses in der damaligen Form ein. Die politische Diskussion wurde am 23.06.2016 durch einen Beschluss des Hauptausschusses beendet. Darin heißt es u.a.: „Die Verwaltung wird aufgefordert, den Personalbestand und das gesamte Angebot in der Internationalen Begegnungsstätte ohne Einschränkung beizubehalten“ und „dem Rat ein Konzept zur Internationalen Begegnungsstätte vorzulegen, welches (…) die zusätzlichen Bedürfnisse von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten und die damit verbundenen zusätzlichen Herausforderungen berücksichtigt.“ Dies sollte ausdrücklich „unter Beibehaltung ihrer bisherigen Aufgaben und ihres Charakters als Ort der Begegnung, des Lernens, der Beratung, der Integration/Kommunikation und des Zusammenwirkens städtischer Institutionen“ geschehen. 1.3. Zielrichtung dieser Konzeption Sowohl die aktuellen Bedarfe der Zielgruppen als auch die oben skizzierten Verschiebungen in der Bonner Integrationslandschaft machen es nötig, die Rolle und die Aufgaben der Internationalen Begegnungsstätte zu überdenken. Die Tatsache, dass die Einrichtung seit elf Jahren Teil des Amtes für Kinder, Jugend und Familie ist, muss bestimmend für das Konzept des Hauses und die tägliche Arbeit sein. Kinder und Jugendliche stehen als Zielgruppen klar im Mittelpunkt, Eltern müssen in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung unterstützt und gestärkt werden. Daraus ergeben sich klare Prioritäten sowohl bei den Angeboten als auch bei der Nutzung des Hauses durch Vereine und Gruppen. Bei der Neuausrichtung der Arbeit sind allerdings bestimmte Vorgaben zu beachten. Dazu gehört der politische Beschluss vom Juni 2016, mit dem die bestehenden Aufgaben und Strukturen bis auf Weiteres festgeschrieben worden sind. Auch im administrativen Bereich (Koordinierungsstelle Integrationskurse), wo die Mitarbeiter/innen der IB kommunale Pflichtaufgaben nach dem Aufenthaltsgesetz ausführen, bewegen diese sich in einem klar definierten Rahmen. Spielräume für eine konzeptionelle Erneuerung der IB findet man eher woanders: bei den Bildungs- und Begegnungsangeboten, der interkulturellen Elternarbeit, bei öffentlichen Veranstaltungen sowie in der Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, Vereinen und Initiativen. Deshalb sind dies die Arbeitsfelder, die im Mittelpunkt des vorliegenden Konzeptes stehen.Seite 5 von 20 4 Drei Leitgedanken sind richtungweisend für diese Konzeption: Erstens: Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Sprache, Bildung und sozialer Integration. In diesem Dreieck müssen die Angebote der Begegnungsstätte wirksam werden. Sprachkompetenz in der Zweitsprache Deutsch, aber auch in der Herkunftssprache, ist die wichtigste Voraussetzung für den Bildungserfolg von Kindern aus zugewanderten Familien. Je früher sie gefördert wird, desto besser. Dabei geht es auch um die Entwicklung einer selbstbewussten Persönlichkeit, denn mit positiven Lernerfahrungen wächst das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Zweitens: Wenn man nicht nur Kinder und Jugendliche fördert, sondern auch Eltern in ihrer Rolle als Erziehende und „Bildungsbegleiter“ einbezieht, wird die ganze Familie in ihrer Integrationsfähigkeit gestärkt. Damit Eltern ihre Kinder aktiv unterstützen können, müssen sie von den Bildungsinstitutionen angesprochen, beraten und ermutigt werden. Die IB sieht deshalb interkulturelle Elternarbeit als notwendigen Teil ihrer Bildungsarbeit für Kinder. Dies soll in der Praxis noch stärker zum Tragen kommen. Und drittens: Die Begegnungsstätte ist ein internationales Haus, das von Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft besucht wird. Für viele von ihnen ist die IB nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Raum für zwischenmenschliche Kontakte und Erfahrungen. Kulturelle, soziale und sprachliche Vielfalt ist hier jeden Tag erlebbar. Manchmal irritiert sie, manchmal überrascht sie, doch in den allermeisten Fällen ist sie mit positiven Begegnungen verbunden, die durch gegenseitigen Respekt und Freundlichkeit geprägt sind. Dieser „gute Geist“ soll auch für Außenstehende deutlicher wahrnehmbar werden: etwa durch Veranstaltungen, interkulturelle Projekte und Kooperationen mit anderen Institutionen, interkulturellen Gruppen und Vereinen. Damit sind schon einige der Ziele benannt, an denen sich die Arbeit der Internationalen Begegnungsstätte orientiert. In diesem Konzept werden auch die Mittel und Wege beschrieben, mit denen diese Ziele in nächster Zukunft verwirklicht werden sollen (siehe 4.). Doch am Anfang steht eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, der Angebote und Rahmenbedingungen im Sommer 2019.Seite 6 von 20 5 2. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte 2.1 Bildungsangebote Seit den Anfängen der IB bilden Deutschkurse den Schwerpunkt des Bildungsangebots. In den ersten Jahrzehnten waren erwachsene Zuwanderer die wichtigste Zielgruppe, inzwischen stehen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt. Das Kursprogramm wechselt halbjährlich und lässt eine Differenzierung nach Alter und Sprachniveau zu. Die Angebote in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache, Mathematik und Englisch sind nicht starr, sondern werden regelmäßig an die vom IB-Team wahrgenommenen Bedarfe angepasst. Neben den Angeboten für junge Menschen werden auch die Konversationskurse für Frauen stark nachgefragt. Insgesamt sind es über 50 Kurse und regelmäßige Gruppenangebote pro Halbjahr, die von der Internationalen Begegnungsstätte in der Quantiusstraße und an anderen Orten durchgeführt und aus ihrem Budget finanziert werden. Im zweiten Halbjahr 2019 wird die Teilnehmerzahl voraussichtlich bei über 500 liegen, wobei die Nachfrage in einigen Bereichen (vor allem bei den Vorschul- und Grundschulkursen) das Angebot deutlich übersteigt. Am Hauptstandort Quantiusstraße ist die Kapazitätsgrenze inzwischen fast erreicht. 2.1.1. Kurse und Lernförderangebote für Kinder und Jugendliche In der Internationalen Begegnungsstätte finden pro Halbjahr rund 30 Kurse für Kinder und Jugendliche statt. Knapp die Hälfte davon sind Lernförderangebote im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“, zudem gibt es Kurse in Mathematik und Englisch, Zentrale Prüfungstrainings (für Schüler/innen der zehnten Klasse), eine offene Hausaufgabenhilfe und Kreativangebote. Die Lerngruppen umfassen im Schnitt zehn Kinder oder Jugendliche. Die Teilnahmegebühr beträgt einheitlich 10 Euro pro Kurs, Geschwisterkinder zahlen die Hälfte. Im ersten Halbjahr 2019 waren 287 Kinder und Jugendliche aus 57 Herkunftsländern zu den Kursen in der Quantiusstraße angemeldet. Die Altersspanne ist groß, sie reicht von drei bis 18 Jahren. Fast alle Kursteilnehmer/innen haben einen familiären Migrationshintergrund, etwa die Hälfte von ihnen ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Die meisten Kinder und Jugendlichen stammen aus syrischen Familien (127 Anmeldungen), in der Liste der häufigsten Herkunftsländer folgen mit deutlichem Abstand Marokko, Irak, Spanien, Somalia, Türkei und Russland. Je nach Kurs besuchen die Kinder und Jugendlichen das Haus ein- oder zweimal pro Woche. Vorschul- und Grundschulkinder kommen fast immer in Begleitung von Elternteilen oder anderen Familienmitgliedern, von denen viele die Wartezeit während des Kurses im Haus verbringen. Hier eine Übersicht zu den Kursen des ersten Halbjahrs 2019, die in der Begegnungsstätte selbst stattfanden:Seite 7 von 20 6 Altersgruppe Art der Angebote Angemeldete Teilnehmer/innen Anzahl der Kurse Anzahl der Stunden Vorschule Lernförderung Deutsch; Kreativwerkstatt 73 7 208 Grundschule Lernförderung Deutsch, Mathematik und Englisch 87 8 480 Klassen 5-10 Lernförderung Deutsch, Mathematik und Englisch; Zentrale Prüfungstrainings 127 12 540 Gesamt 287 27 1.228 Die Internationale Begegnungsstätte organisiert solche Kurse aber nicht nur im eigenen Haus. An sechs weiteren Standorten im Stadtgebiet finanziert sie Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche und führt diese fast immer gemeinsam mit Kooperationspartnern im jeweiligen Sozialraum durch. Derzeit sind es die folgenden Kurse: Stadtteil Kooperationspartner Art der Angebote Angemeldete Teilnehmer/innen Anzahl der Kurse Bad Godesberg AWO Internationales Zentrum Lernförderung Deutsch für Vorschulkinder 41 4 Bad Godesberg Jugendzentrum K7 Zentrale Prüfungs- trainings (Klasse 10) in Deutsch, Englisch, Mathematik 19 3 Beuel Marktschule Deutschkurse für Grundschulkinder 17 2 Castell Ort: Turnhalle der Stiftsschule „Bewegt euch!“ Psychomotorische Förderung für Kinder 24 2 Medinghoven Diakonisches Werk, Stadtteilbüro Lernförderung Deutsch und Mathematik für Grundschulkinder 24 4 Tannenbusch Haus Vielinbusch Lernförderung Deutsch für Grundschulkinder 12 1 Gesamt 137 16 Eine Besonderheit sind Deutsch-Ferienkurse, die von der IB seit einigen Jahren während der Sommerferien angeboten werden. Sie richten sich gezielt an Kinder und Jugendliche, die kürzlich nach Deutschland gekommen sind. In 24 Unterrichtsstunden (über sechs Wochen verteilt) erfahren sie eine erste systematische Heranführung an die deutsche Sprache und ihre Grammatik. Es werden elementare Kenntnisse vermittelt, die den bevorstehenden Start an einer deutschen Schule erleichtern. Derzeit führt die IB die Kurse sowohl für Einschul- kinder (5 bis 6 Jahre) als auch für Jugendliche (10 bis 16 Jahre) durch. Neben dem reinen Deutschkurs wird in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Bonn auch ein neues Format erprobt: Die „Sprach-Kultur-Ferien“ sind ein Deutschkurs plus Kulturprogramm, bei dem die Teilnehmenden jede Woche eine andere Bonner Kultureinrichtung besuchen. Insgesamt nehmen 43 Kinder und Jugendliche an den Ferienkursen im Sommer 2019 teil.Seite 8 von 20 7 2.1.2. Bildung und Begegnung für zugewanderte Frauen Unter dem Titel „Sprechen Sie mit!“ finden an zwei Vormittagen pro Woche Konversations- kurse für Frauen in der Begegnungsstätte statt. Hier können die Teilnehmerinnen die von ihnen erworbenen Deutschkenntnisse festigen, erweitern und das aktive Sprechen üben. Die Kurszeiten am Morgen kommen vor allem den Frauen entgegen, die als Mütter (oder Großmütter) familiär stark eingebunden sind. Die Kurse wurden zunächst auf den Niveaus B2 und C1 angeboten, seit 2018 gibt es „Sprechen Sie mit!“ aber auch für A2 und B1. Im ersten Halbjahr 2019 machten 49 Frauen von diesem Angebot Gebrauch. Die Teilnahmegebühr beträgt auch hier 10 Euro pro Kurs. Ab September 2019 kommt noch ein Grundlagenkurs mit dem Titel „Grammatik zum Sprechen und Schreiben“ hinzu. Mit dieser Erweiterung des Angebots hat die IB auf wiederholte Anfragen von Besucherinnen reagiert. Sie wollten die Regeln und Besonderheiten der deutschen Sprache besser verstehen und praktisch anwenden. Ein weiteres hauseigenes Angebot ist das „KulTourCafé“ (donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr), das vor allem von Müttern genutzt wird, deren Kinder einen Deutschkurs in der IB besuchen. An den offenen Treffen nehmen regelmäßig 15 bis 20 Frauen teil, die aus unterschiedlichen Ländern stammen. Informative Gesprächsrunden zu wechselnden Themen, teils mit Expertinnen aus anderen Einrichtungen, aber auch Exkursionen stehen auf dem Programm. Begleitend zum „KulTourCafé“ wird eine Kinderbetreuung angeboten. Gesundheit und Bewegung ist für viele Frauen ein wichtiges Thema. Seit vielen Jahren findet in der Begegnungsstätte ein Kurs zur Bewegungsförderung für Frauen statt, der zuletzt aus Projektmitteln des DAAG Bildungswerks finanziert werden konnte. Für einige ältere Teilnehmerinnen ist dieser Kurs zu einem wichtigen Teil ihres persönlichen „Fitness- programms“ geworden. Wegen der geplanten Ausweitung des Sprachkursangebots am Vormittag (siehe oben) wird der Platz für solche Angebote jedoch allmählich knapp. Trotzdem wird die IB den Kurs in reduzierter Form – das heißt einmal statt zweimal wöchentlich – unter dem Titel „Frauen in Bewegung“ weiterführen. 2.2. Koordinierungsstelle Integrationskurse Die „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ wurde im Januar 2005, mit Inkrafttreten des damals neuen Aufenthaltsgesetzes, in der Internationalen Begegnungsstätte eingerichtet. Seitdem erfüllt sie Aufgaben im Rahmen des § 44a AufenthG. Die Koordinierungsstelle wird von Migrantinnen und Migranten aufgesucht, die zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet worden sind oder freiwillig an einem solchen Kurs teilnehmen möchten. Verpflichtete Personen erhalten hier eine individuelle Beratung und ihren Berechtigungsschein, bevor sie sich in einer vom BAMF anerkannten Sprachschule anmelden. Nicht immer lässt die persönliche Lebenssituation einen schnellen Kurseinstieg zu. Kinderbetreuung, Schwangerschaft, gesundheitliche Probleme oder eine schon begonnene Berufstätigkeit können Hinderungsgründe sein, die einen Aufschub des Kursbeginns rechtfertigen. Auch dies ist Gegenstand der Beratung.Seite 9 von 20 8 Zu den Aufgaben der Koordinierungsstelle gehört es außerdem, den weiteren Verlauf in jedem Einzelfall nachzuverfolgen: Hat die verpflichtete Personen sich bei einem Kursträger angemeldet? Nimmt sie tatsächlich am Kurs teil? Wurde der Integrationskurs abgeschlossen und mit welchem Ergebnis? Etwa 1.400 persönliche Einzelberatungen pro Jahr (Stand: 2018), zahlreiche Folgekontakte und telefonische Anfragen unterstreichen die zentrale Bedeutung der „Koordinierungsstelle Integrationskurse“. Die Zuweisungen erfolgen über die Ausländerbehörde und seit Januar 2018 auch über das Amt für Soziales und Wohnen, das Asylbewerber/innen mit guter Bleibeperspektive verpflichten kann, am Integrationskurs teilzunehmen. Anders ist es bei Personen, die Leistungen vom Bonner Jobcenter erhalten und einen Integrationskurs besuchen sollen: bei ihnen übernimmt seit Ende 2016 das Jobcenter selbst die Verpflichtung und stellt Berechtigungsscheine aus. Doch nicht nur Personen, die zur Kursteilnahme verpflichtet sind, nehmen die Beratung in Anspruch. In etwa einem Drittel der Fälle möchten die Ratsuchenden freiwillig an einem Integrationskurs teilnehmen - zum Beispiel EU-Bürger/innen oder deutsche Staatsangehörige, die lange Zeit im Ausland gelebt haben. Die Beratung zu den Integrationskursen steht allen Interessierten offen. Da es sich häufig um Eltern handelt, die für sich und ihre Kinder einen Bedarf an Sprachförderung haben, kann hier im günstigsten Fall sogar der ganzen Familie ein Angebot gemacht werden. Die Eltern werden ermutigt, sich direkt vor Ort über passende Kinder- und Jugendkurse zu informieren. Solche Synergieeffekte nutzt die IB ganz bewusst, um zugewanderte Familien frühzeitig anzusprechen. Nicht zuletzt ist die IB eine wichtige Schnittstelle im Zusammenspiel von Ausländerbehörde, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Jobcenter und örtlichen Kursträgern. Sie trägt durch ihre Koordinierungsarbeit zu einem reibungslosen Ablauf des Prozesses bei, der einer Teilnahme am Integrationskurs vorausgeht. 2.3. Nutzung der Räume durch Vereine und Gruppen Rund ein Dutzend Vereine, Elterninitiativen und andere Gruppen nutzen das Haus regelmäßig oder sporadisch für ihre Veranstaltungen und Kursangebote. Die meisten davon sind Migrantenorganisationen. Unter ihnen sind deutsch-russische Vereine gleich dreimal vertreten, weitere Herkunftsländer und -regionen sind Bangladesch, China, Griechenland, Polen, Spanien/Lateinamerika, Südkorea und Tibet. Auch die Bandbreite der Angebote ist groß: Einige Vereine führen in der Begegnungsstätte herkunftssprachlichen Unterricht durch (Bangla, Chinesisch, Polnisch, Russisch), andere arbeiten mit künstlerischen Mitteln (Theater, Malerei, Musik), organisieren Eltern-Kind- Gruppen oder öffentliche Veranstaltungen zu kulturellen Themen. Zwischen diesen Vereinen und Nutzergruppen gibt es nur wenige Berührungspunkte. Die Erfahrung zeigt, dass die IB für sie vor allem wegen des Raumangebots und der zentralen Lage interessant ist, aber nicht aufgrund der Kooperationsmöglichkeiten und der inhaltlichen Anknüpfungspunkte, die das Haus bietet. Die Aktivitäten der Vereine werden überwiegend ehrenamtlich getragen. Auch deshalb sind die zeitlichen Spielräume für Kooperationen eng.Seite 10 von 20 9 Im Ergebnis bleiben die Nutzergruppen oft für sich und es ist für Außenstehende nicht erkennbar, welche Aktivitäten sie in der IB entfalten. Gerade bei Gruppen, die keine eingetragenen Vereine sind, stellt sich mitunter die Frage, ob deren Aktivitäten tatsächlich gemeinnützig sind oder eher privaten Charakter haben. Einige Gruppen nutzen das Haus schon seit vielen Jahren, sprechen aber nur einen relativ kleinen „eingeweihten“ Personenkreis an. Dies ist nicht unproblematisch vor dem Hintergrund, dass es sich um Räume einer öffentlichen Einrichtung handelt. Bei diesen Gruppen versucht die Leitung der IB auf eine Öffnung hinzuwirken und deutlich zu machen, wo Vorteile einer Vereinsgründung liegen könnten. Zu diesem Schritt sind jedoch nicht alle bereit. Vor diesem Hintergrund ist eine Überprüfung der bisherigen Praxis notwendig, um die Vermietung oder Überlassung der Räume rechtfertigen zu können. Sie soll zukünftig an transparente und einheitliche Bedingungen geknüpft werden (siehe 4.4.). 2.4. Weitere Angebote Eine Behörde, mit der die Begegnungsstätte eng zusammenarbeitet, ist das Ausländeramt der Stadt Bonn. Gemeinsame Themen und Überschneidungen ergeben sich vor allem im Aufgabenfeld der Koordinierungsstelle Integrationskurse, die sich im selben Rechtskreis wie das Ausländeramt bewegt (Aufenthaltsgesetz, Integrationskursverordnung). Es gibt aber noch eine zweite Schnittstelle, und zwar im Rahmen des Einbürgerungsver- fahrens. Hier greift das Ausländeramt auf die langjährige Erfahrung der IB beim Thema „Deutsch als Zweitsprache“ zurück – und zwar dann, wenn eine einbürgerungswillige Person die gesetzlich geforderten Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 nicht (oder nicht eindeutig) nachweisen kann. In solchen Fällen raten die zuständigen Sachbearbeiter/innen des Ausländeramtes zu einer Teilnahme am „Probetest B1“, den die Begegnungsstätte kostenlos anbietet. Das Ergebnis des Tests und die damit verbundene fachliche Einschätzung der IB werden dem Ausländeramt direkt mitgeteilt und tragen dort zur Entscheidungsfindung bei. Gerade für einbürgerungswillige Menschen, die schon lange in Deutschland leben und nie an einem Integrationskurs teilnehmen konnten, ist dies eine einfache und unbürokratische Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse nachzuweisen. Der Probetest ist kein offenes Angebot. Teilnehmen kann nur, wer eine schriftliche Empfehlung des Ausländeramtes im Rahmen eines laufenden Einbürgerungsverfahrens vorweisen kann. Auch im pädagogischen Bereich gibt es weitere Angebote, die von der IB im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten gemacht werden. Zu erwähnen sind Freizeiten in den Sommer- oder Herbstferien, die über mehrere Tage gehen und mit einem abwechslungsreichen Programm verbunden sind (Bastelaktionen, Ausflüge oder Spiele zu einem bestimmten Thema). Aktiv beteiligt ist die Begegnungsstätte auch am jährlichen Familienspielfest des Jugendamtes.Seite 11 von 20 10 3. Rahmenbedingungen der Arbeit 3.1. Gebäude und technische Ausstattung Das Gebäude Quantiusstraße 9, in dem sich die IB befindet, wurde 1868 erbaut. Die Stadt Bonn ist nicht Eigentümerin, aber seit rund hundert Jahren Verwalterin der Immobilie, die zum Stiftungsvermögen der Konvente St. Ägidius und St. Jakob gehört. Das Alter und der bauliche Zustand des Hauses bringen deutliche Einschränkungen für die derzeitige Nutzung mit sich. Das Haus ist weder barrierefrei noch kindgerecht, auch die sanitären Anlagen und die Haustechnik sind nicht zeitgemäß. Aktivitäten und Angebote verteilen sich auf vier Etagen, einen Aufzug gibt es nicht. Die räumliche Enge führt dazu, dass auch das Foyer und das Treppenhaus als Wartebereiche herhalten müssen. Bei der IT-Technik sind ebenfalls Abstriche zu machen: die Leitungen sind unzureichend, der Datenfluss ist sehr langsam. Unter diesen Bedingungen ist eine Bildungsarbeit, die den Herausforderungen der Gegenwart gerecht wird - Stichworte: Digitalisierung und Inklusion - kaum möglich. Als großer Pluspunkt des Hauses ist vor allem die zentrale Lage am Hauptbahnhof hervorzuheben. 3.2. Personal und Öffnungszeiten Die Internationale Begegnungsstätte hat sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Zwei pädagogische Fachkräfte (Teilzeit, 35 und 25 Wochenstunden) sind zuständig für die Leitung des Hauses, die Organisation der Bildungsangebote, Veranstaltungen und Projekte. Drei Verwaltungskräfte (zwei Vollzeit, eine Teilzeit) mit insgesamt 99,5 Wochen- stunden nehmen die Aufgaben der „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ wahr. Eine der Mitarbeiterinnen übernimmt zudem mit einem Teil ihrer Stelle allgemeine Verwaltungsaufgaben (Haushalt, Buchungen). Ein Mitarbeiter (Vollzeit, 39 Stunden) ist als Hausmeister tätig und deckt u.a. Präsenz- zeiten am Abend und samstags ab, wenn Vereine und Gruppen das Haus nutzen. Zudem beschäftigt die Begegnungsstätte rund 25 Kursleiter/innen und Betreuungskräfte auf Honorarbasis. Die meisten dieser Honorarkräfte arbeiten in der Quantiusstraße selbst, etwa ein Drittel ist an den dezentralen Standorten im Einsatz. Mit dem hauptamtlichen Personal muss die Besetzung für ein Haus sichergestellt werden, das aufgrund der Beratungszeiten am Vor- und Nachmittag, zahlreicher Kurse und der Aktivitäten von Vereinen und Gastgruppen mindestens 40 Stunden pro Woche (bis abends und auch samstags) geöffnet ist. Die Einrichtung erfüllt viele Funktionen: sie dient als Bildungshaus, Beratungsstelle, Verwaltungsgebäude und Veranstaltungsort. Eine klare personelle Trennung zwischen den Arbeitsbereichen (hier die pädagogische Arbeit, dort die Integrationskurs-Beratung) lässt sich dabei nicht immer durchhalten. Gerade bei personellen Engpässen müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur im Rahmen ihrer jeweils eigenen Aufgaben ansprechbar sein, sondern für die gesamte Einrichtung. Die allgemeinen Öffnungszeiten umfassen die Kernpräsenz im Büro:Seite 12 von 20 11 Dienstag bis Donnerstag: 9 bis 12.30 Uhr sowie 14 bis 16.30 Uhr Freitag: 9 bis 12.30 Uhr Nur während der Schulferien und in sonstigen Kurspausen kann das Team sich auf diese Zeiten beschränken, im Normalbetrieb geht die Präsenz aber deutlich darüber hinaus. 3.3. Aufgabenstruktur Die Aufgabenstruktur der Internationalen Begegnungsstätte ist zu einer Zeit entstanden, als die Einrichtung noch zum Amt für Soziales und Wohnen gehörte. Seitdem gibt es in der IB zwei große Arbeitsbereiche, die fachlich eigenständig sind. Da sind einerseits die Bildungs- und Begegnungsangebote mit dem Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache (pädagogischer Bereich), die sich - jedenfalls für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen - auf § 11 KJHG stützen. Und daneben gibt es die Koordinierungsstelle Integrationskurse (administrativer Bereich), die Aufgaben nach § 44a Aufenthaltsgesetz in Verbindung mit §§ 6, 8 Integrations- kursverordnung wahrnimmt. Jeder dieser Bereiche stellt eigene Anforderungen an das Arbeitsumfeld und es liegt auf der Hand, dass auch Zielgruppen und Arbeitsweisen unterschiedlich sind. Gleichwohl gibt es ein übergeordnetes Ziel, das man als „Förderung der Sprachkompetenz in Deutsch“ bezeichnen könnte und dem sich die Einrichtung als Ganzes verpflichtet fühlt. Aus diesem gemeinsamen Thema ergeben sich immer wieder Verknüpfungen zwischen dem pädagogischen und administrativen Bereich, von denen die Besucher/innen des Hauses profitieren. So kann im Rahmen der Integrationskursberatung gezielt auf die Bildungs- und Begegnungsangebote der IB verwiesen werden – oder umgekehrt (siehe 2.2.). Auch die besondere Beachtung familiärer Themen ist etwas, das beide Arbeitsbereiche verbindet.Seite 13 von 20 12 4. Konzeptionelle Eckpunkte: Ein interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Familien Die nachfolgenden konzeptionellen Überlegungen konzentrieren sich auf den Kernbereich der Aufgaben, die von der IB als Bildungs- und Begegnungshaus mit den Zielgruppen Kinder, Jugendliche und Familien wahrgenommen werden. Die Koordinierungsstelle Integrations- kurse bleibt dabei außen vor, denn sie bildet einen eigenständigen Arbeitsbereich mit klaren gesetzlichen und formalen Vorgaben, die wenig Spielraum für eine konzeptionelle Ausgestaltung lassen. 4.1. Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche Es gibt keine andere öffentliche Einrichtung in Bonn, die außerschulische Deutschkurse und Lernförderangebote für Kinder und Jugendliche in einer solchen Bandbreite und überdies so kostengünstig anbietet wie die Internationale Begegnungsstätte. Dies ist ein Alleinstellungs- merkmal des Hauses. Mit rund 45 Kursen pro Halbjahr (in der IB selbst und an anderen Orten) erreicht die Einrichtung Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis zur Klasse 10. Die Auslastung der Kurse ist hoch und zahlreiche Anfragen von Eltern zeigen, dass der Bedarf an solchen Angeboten in Bonn noch lange nicht gedeckt ist. Auch andere städtische Stellen wie das Familienbüro, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Einrichtungen der Erziehungshilfe, Arztpraxen oder ehrenamtliche Betreuer/innen melden sich in der Begegnungsstätte oder verweisen Familien gezielt dorthin. Daher soll dieser Arbeitsbereich, der schon jetzt ganz zentral für die Begegnungsstätte ist, im Rahmen ihrer Möglichkeiten erweitert und immer wieder bedarfsgerecht angepasst werden. 4.1.1. Zielsetzung und Arbeitsweise Die Deutschkurse der IB unterstützen schulische Lernprozesse, sind aber keine „Nachhilfe“ für die Schule. Das Ziel ist vielmehr, den Spracherwerb und die Sprachentwicklung ganzheitlich zu fördern und zu begleiten. Die Kursleiter/innen arbeiten nicht nach einem festen Lernprogramm, sondern stimmen ihre Methoden und Materialien auf das Alter, das Sprachniveau und die Konstellation der jeweiligen Gruppe ab. Der Unterricht ist meist themenbezogen, die Lehrkräfte greifen aber auch Fragestellungen der Kinder auf und reagieren auf sprachliche Unsicherheiten. Bei den Jüngsten ist der Zugang zur deutschen Sprache noch spielerisch (als Medien werden z.B. Lernspiele, Musik und Bewegung, Hörbücher, Bilderbücher und Bildkarten eingesetzt), bei älteren Schülern kommen häufig Arbeits- und Übungsblätter zum Einsatz. Vorhandene Grundkenntnisse der deutschen Sprache und ihrer Grammatik werden aufgefrischt, das Sprachverständnis und die Ausdrucksfähigkeit durch Übungen gezielt verbessert. Gerade bei Anfängern ist es wichtig, Sprachbarrieren zu überwinden und sie zum aktiven Sprechen zu ermutigen. Dafür bieten die kleinen Lerngruppen, die meist aus zehn bis zwölf Kindern oder Jugendlichen bestehen, einen guten Rahmen. Die IB will mit ihren Bildungsangeboten die Sprachkompetenz in Deutsch verbessern bei Kindern und Jugendlichen, die andere Familiensprachen haben, zum Lernen motivieren, Erfolgserlebnisse vermitteln und Eigeninitiative fördern, Prozesse des sozialen und interkulturellen Lernens in Gang setzen und begleiten,Seite 14 von 20 13 junge Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Eltern bei der Integration unterstützen (denn hierbei ist die deutsche Sprache das wichtigste Medium), zu einem chancengerechten Bildungssystem und zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen beitragen. 4.1.2. Leseförderung als neuer Schwerpunkt Bei der Bildungsarbeit stößt die IB an räumliche Grenzen. Zu den Kurszeiten ist das Haus von Dienstag- bis Freitagnachmittag komplett belegt. Um trotzdem flexibel zu bleiben und zusätzliche Angebote durchführen zu können, sollen die Räume ab dem zweiten Halbjahr 2019 auch montags in begrenztem Umfang für Bildungsangebote genutzt werden. Es ist zudem eine inhaltliche Erweiterung in zwei Richtungen geplant: Angebote der Leseförderung sollen fest verankert und zusätzliche künstlerische Kurse und Projekte erprobt werden. Eine umfassende Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sind kaum möglich ohne die Fähigkeit, zu lesen und Gelesenes zu verstehen. Lesen schult die Aufmerksamkeit, verbessert die Konzentrationsfähigkeit und fördert das Verständnis für den Aufbau und die Funktionsweisen von Sprache. Durch das Hören und Lesen von Geschichten wird der Wortschatz erweitert und die Fantasie angeregt. Neuere Forschungen belegen, dass auch die Fähigkeit zur Empathie durch die Lektüre von erzählenden Texten gefördert wird. Mit anderen Worten: wichtige kognitive und soziale Kompetenzen sind eng mit dem Lesen verbunden. Im Herbst 2018 hat die Internationale Begegnungsstätte sich in Kooperation mit der Stadtbibliothek Bonn bei der Stiftung Lesen um die Einrichtung eines Leseclubs für Grundschulkinder beworben. Daraufhin wurden zunächst für die Jahre 2018 bis 2020 Mittel aus dem Bundesprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ bewilligt. Im September 2019 wird der Leseclub unter dem Motto „Mit Büchern die Welt entdecken!“ endlich in die Praxisphase starten. Ein weiterer Kooperationspartner bei diesem Projekt ist der Verein „Kultur verbindet“. Der Leseclub bietet Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren die Möglichkeit, gemeinsam zu lesen, zu spielen, Freunde zu treffen und den kreativen Umgang mit Medien zu üben. Geplant sind wöchentliche Lesegruppen sowie vielfältige Aktionen und Veranstaltungen rund ums Lesen. Mehrsprachige Angebote sind ausdrücklich erwünscht. Im März 2019 hat die IB damit begonnen, für den Leseclub ehrenamtliche Betreuer/innen zu werben, die Kindern Freude am Lesen vermitteln möchten. Dabei arbeitet sie auch mit der Freiwilligenagentur Bonn zusammen. Die Ehrenamtlichen werden von den pädagogischen Fachkräften der IB begleitet und haben die Möglichkeit, an Weiterbildungen der Stiftung Lesen teilzunehmen. Für die Begegnungsstätte ist die Projektarbeit mit Ehrenamtlichen in dieser Form neu. 4.1.3. Qualitätsentwicklung Die Qualität der Bildungsangebote hängt vor allem von vier Faktoren ab: von der Kompetenz und Motivation der Lehrkräfte, den im Unterricht eingesetzten Methoden und Materialien, der Lernumgebung (Raum, Mobiliar, Lehrmittel) und nicht zuletzt von einer guten Kommuni- kation zwischen allen Beteiligten. In diese Kommunikation sind die teilnehmenden KinderSeite 15 von 20 14 und Jugendlichen, ihre Eltern und erwachsenen Bezugspersonen eingebunden werden. Jeder dieser vier Faktoren verdient besondere Aufmerksamkeit und bietet Ansatzpunkte für konkrete Verbesserungen. Der persönliche Austausch zwischen Hauptamtlichen und Honorarkräften geschieht oft beiläufig in Tür-und-Angel-Gesprächen. Diese informellen Kontakte sind wichtig, aber nicht immer ausreichend. Daher werden die Kursleiter/innen regelmäßig zum Austausch in größeren und kleineren Runden eingeladen, in denen sie zusammen mit den hauptamtlichen Kräften praktische Erfahrungen austauschen und organisatorische Absprachen treffen können. Ebenso wichtig sind Weiterbildungsangebote, die allen Honorarkräften offenstehen. Im Januar 2019 hat die Begegnungsstätte mit einer eigenen Workshop-Reihe begonnen, die sich primär (aber nicht nur) an Lehrkräfte im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ richtet. Hier werden pädagogische und methodisch-didaktische Fragestellungen aufgegriffen, die für den Unterricht relevant sind. In diesem Rahmen sind fortlaufend vier bis fünf Workshops pro Jahr geplant, mit fachlichen Beiträgen sowohl von Gastreferentinnen als auch von eigenen Lehrkräften (Motto: „Voneinander lernen“). Daneben schafft die IB Anreize für eine Teilnahme der Kursleiter/innen an Fachveranstaltungen, wie sie in Bonn u.a. vom Kommunalen Integrationszentrum und der Universität angeboten werden. Bei der Auswahl der Honorarkräfte werden neben den fachlichen Qualifikationen natürlich auch die persönliche Eignung und die gesetzlichen Vorgaben zum Kinderschutz beachtet. Wer in der IB tätig werden will, muss immer ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Dies gilt auch für Ehrenamtliche, die sich im Leseclub engagieren. Bei der Weiterentwicklung der Bildungsangebote greifen die hauptamtlichen Fachkräfte oft auf Praxiserfahrungen der Kursleiter/innen zurück. Die Honorarkräfte sind wichtige Impuls- und Ideengeber und das führt immer wieder zu konkreten Verbesserungen, etwa bei der Ausstattung. Sie soll Schritt für Schritt modernisiert und an die Bedürfnisse der Zielgruppen angepasst werden. Ein Teil des Mobiliars wurde in den Jahren 2018 und 2019 bereits erneuert. Davon haben vor allem die Vorschul- und Grundschulkurse profitiert. Doch dieser Prozess geht weiter. Für die Multifunktionsräume des Hauses müssen flexible Lösungen gefunden werden, die diversen Altersgruppen und Nutzungen gerecht werden (z.B. Klapptische, mobile Möbel). Auch mit Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik wurde begonnen. Trotzdem ist hier noch viel zu tun. 4.2. Förderung der familiären Integration Die IB ist ein guter Standort für die interkulturelle Elternarbeit. Dank seines Kurs- und Beratungsangebotes sowie auch der Integrationskursberatung ist die Einrichtung für viele zugewanderte Eltern eine bekannte Adresse. Eine größere Gruppe von Müttern (und einige Väter) verbringt mehrere Stunden pro Woche im Haus, während ihre Kinder Deutsch lernen. Diese Eltern würden die Wartezeit gerne sinnvoller nutzen und wünschen sich Bildungs-, Informations- und Bewegungsangebote, die auf ihre Interessen zugeschnitten sind. Mit dem KulTourCafé und den Konversationskursen (siehe oben, 2.1.2.) kommt die Einrichtung solchen Wünschen schon jetzt an einigen Stellen entgegen. Diese Angebote werden gut angenommen und es gelingt der IB auf diese Weise, die teilnehmenden Frauen zu unterstützen, in Kontakt miteinander zu bringen und für neue Themen zu interessieren.Seite 16 von 20 15 Perspektivisch sollen Angebote für Eltern mit Migrationshintergrund weiter ausgebaut werden. In der interkulturellen Elternarbeit kann die IB ihre Fachlichkeit und die zentral gelegenen Räume sinnvoll einsetzen. Möglichkeiten zur Erweiterung des Angebots werden in folgenden Bereichen gesehen: (mehrsprachige) Informations-Veranstaltungen zu den Themen Familie, Erziehung, Mediennutzung, Sprachförderung und Gesundheit, internationale Elterngruppen und/oder Eltern-Spiel-Gruppen, kulturelle Veranstaltungen für Familien. Wo es möglich und sinnvoll ist, wird die IB mit anderen Fachstellen und Vereinen zusammenarbeiten, um diese Angebote zu planen und durchzuführen. Auf städtischer Seite bieten sich Kooperationen insbesondere mit dem Familienbüro, dem Kommunalen Integrationszentrum und der Psychologischen Beratungsstelle an. Zudem ist geplant, den Wartebereich im Erdgeschoss des Hauses so zu gestalten, dass er von Eltern zur Selbstinformation genutzt werden kann. Dafür wird das Angebot an Broschüren und Ratgeberliteratur erweitert und auf die Interessen der Eltern und familiäre Themen zugeschnitten. Für wartende Eltern sollen entleihbare Notebooks bereitgestellt werden. 4.3. Öffentliche Veranstaltungen Ein Arbeitsbereich, den die IB wiederbeleben will, sind öffentliche Veranstaltungen mit Begegnungscharakter. Bei den Veranstaltungen sollen neue Formate erprobt werden, die über das Stammpublikum hinaus interessierte Kinder, Jugendliche und Familien ansprechen. Die Begegnungsstätte hat damit begonnen, Kooperationen mit Trägern der Kulturarbeit aufzubauen, um mit deren Unterstützung vermehrt Workshops, Lesungen und Ausstellungen anbieten zu können. Seit 2018 ist die IB ein Veranstaltungsort des Rheinischen Lesefestes „Käpt’n Book“. Im Sommer bietet sich auch der Innenhof als Veranstaltungsort an: kleine Feste und ein jährlicher Hofflohmarkt sind geplant. Zudem sollen Informationsveranstal- tungen zu familienbezogenen Themen ausgebaut werden (siehe oben). Mit diesen Aktivitäten will die IB einen Beitrag zum positiven Miteinander von Kindern, Jugendlichen und Familien in Bonns vielfältiger Stadtgesellschaft leisten. Die Einrichtung hat sich von Anfang an als offener, interkultureller Begegnungsort verstanden. Als solcher soll sie zukünftig wieder stärker wahrgenommen werden (mehr dazu unter 5.). 4.4. Stützpunkt für Vereine, Gruppen und Initiativen Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1983 ist die Begegnungsstätte ein wichtiger Stützpunkt für Migrantenorganisationen, interkulturelle Vereine und Initiativen. Dabei soll es auch bleiben. Die Überlassung und Vermietung der Räume muss aber an konkrete Bedingungen und an inhaltliche Kriterien geknüpft werden, die einheitlich, transparent und nachvollziehbar sind. Eine klare Regelung ist vor allem bei so genannten Dauerreservierungen geboten, die in der Internationalen Begegnungsstätte seit vielen Jahren üblich sind. Sie stellen die häufigste Form der Nutzung durch Dritte dar. Mit einer Dauerreservierung erhalten Vereine und Initiativen die Möglichkeit, Räume der IB kostenlos und regelmäßig (meist wöchentlich) für ihre Angebote und Aktivitäten zu nutzen.Seite 17 von 20 16 Die Räume können grundsätzlich nur eingetragenen Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Diese müssen ihren Sitz und/oder einen Arbeitsschwerpunkt in Bonn haben. Ausnahmsweise ist auch eine Raumvergabe an Elterninitiativen oder informelle Jugendgruppen möglich, wenn sie in Bonn aktiv sind und gemeinnützige Ziele verfolgen, die mit denen der IB im Einklang stehen. Dies trifft z.B. auf Elterninitiativen zu, die herkunftssprachlichen Unterricht oder Lern-Spielgruppen organisieren. Von vornherein ausgeschlossen ist eine Nutzung bei kommerziellen Angeboten sowie bei religiösen und politischen Veranstaltungen. Für eine Dauerreservierung müssen zudem drei der vier folgenden Kriterien erfüllt sein: Hauptzielgruppe(n) der Aktivitäten und Angebote, die in den Räumen der Begegnungsstätte stattfinden, sind Kinder, Jugendliche und/oder Eltern, die Aktivitäten und Angebote sind nicht auf einen bestimmten Teilnehmerkreis beschränkt, sondern offen für alle Interessierten, die Teilnahme ist kostenlos, die Aktivitäten sind interkulturell ausgerichtet. Zudem werden Dauerreservierungen zukünftig nur noch möglich sein, wenn vorab mit den jeweiligen Vereinen und Initiativen eine Kinderschutzvereinbarung getroffen wurde. Im Jahr 2020 soll dies als Standard in der IB eingeführt werden. 4.5. Kooperation und Vernetzung Die Internationale Begegnungsstätte arbeitet projekt-, themen- und anlassbezogen mit anderen städtischen Dienststellen und Ämtern, mit Behörden, Bildungseinrichtungen, freien Trägern der Jugendhilfe, interkulturellen Vereinen und Gruppen zusammen. Ein Beispiel dafür sind die dezentralen Kursangebote, die in mehreren Stadtteilen zusammen mit örtlichen Projektpartnern durchgeführt werden (siehe 2.1.1.). Ein zweites Beispiel ist der Leseclub: hier kooperiert die IB mit der Stiftung Lesen, der Stadtbibliothek und dem Verein „Kultur verbindet“. Auch durch die Raumvergabe an Vereine und Initiativen entstehen Kontakte, die aber nur selten zu einer praktischen oder inhaltlichen Zusammenarbeit führen. Zielgerichtete Kooperationen, die mit konkreten Anliegen, Projekten und Arbeitszielen verbunden sind, haben sich als absolut sinnvoll und effektiv erwiesen. Hier soll auch künftig der Schwerpunkt liegen, damit die knappen personellen Ressourcen der IB möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden. Für die Kontaktpflege spielt zudem die Gremienarbeit eine wichtige Rolle. In zwei Arbeits- kreisen ist die Begegnungsstätte regelmäßig vertreten: im Arbeitskreis Kommunikation und Integration, der in erster Linie ein Zusammenschluss der Integrationskurs-Träger ist (hier ist die „Koordinierungsstelle Integrationskurse“ als kommunale Fachstelle seit vielen Jahren dabei), sowie im Stadtteil-Arbeitskreis Innenstadt/Südstadt.Seite 18 von 20 17 5. Perspektive: Ein Bildungshaus als „Dritter Ort“ Gegenwärtig ist viel von "Dritten Orten" die Rede. Damit sind öffentliche Einrichtungen und Räume gemeint, die weder zur privaten noch zur beruflichen Sphäre gehören. Es sind einladende Orte, an denen man sich gern und regelmäßig aufhält. Dritte Orte sind eine Art neutraler Boden, wo Begegnungen und Aktivitäten möglich sind, die nicht dem Diktat bestimmter Erwartungen oder Pflichten unterliegen. Bezogen auf Kinder und Jugendliche heißt das: es sind Orte zwischen Elternhaus und Schule, wo jede und jeder hingehen kann, wo es lebendig zugeht, die zur Mitgestaltung einladen und Raum bieten für die Fragen und Anliegen ihrer Besucherinnen und Besucher. Das Konzept der „Dritten Orte“ könnte auch für die Internationale Begegnungsstätte wegweisend sein und als Orientierungsrahmen für die nächsten Jahre dienen. Schon jetzt zeichnet die IB sich durch einige Merkmale aus, die für Dritte Orte wesentlich sind. Dazu gehören Offenheit, eine zentrale Lage, vielfältige Bildungs- und Begegnungsangebote und die interkulturelle Ausrichtung der Arbeit. Die Besucherschaft ist international und altersgemischt, das Medium Sprache spielt eine besondere Rolle. Diesen Pluspunkten stehen allerdings auch Nachteile gegenüber. Die Raumkapazitäten der Begegnungsstätte sind begrenzt und - zumindest im laufenden Kursbetrieb - weitgehend ausgereizt. Es ist kein modernes Haus, sondern eines mit baulichen Barrieren und einer keineswegs zeitgemäßen technischen Ausstattung. Dies schmälert die Attraktivität und Aufenthaltsqualität der IB und lässt sich am jetzigen Standort kaum verbessern. Dennoch gibt es Möglichkeiten, sich der oben skizzierten Idealvorstellung eines „Dritten Ortes“ im kleinen Maßstab anzunähern. Dies soll mit vier Beispielen skizziert werden: Pädagogische Freiräume Die praktische Bildungsarbeit der IB mit ihren kleinen Lerngruppen lässt den Lehrkräften viele Freiheiten bei der Ausgestaltung des Unterrichts. Offene Formen des Lernens, die an den Interessen der Kinder und Jugendlichen ansetzen, können hier verwirklicht werden. Neben dem Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache“ könnte die Förderung der Mehrsprachigkeit noch mehr Beachtung finden. Ganzheitliche Bildung Ähnliches gilt für Kurse, Gruppenangebote oder Projekte, die einem erweiterten Bildungsbegriff Rechnung tragen, vor allem in den Bereichen Kunst und Musik, Bewegung, Naturerfahrung oder Demokratiebildung. Solche Angebote können in begrenztem Umfang ausgebaut werden. Übungsfeld für Partizipation Die Idee einer Mitgestaltung der Angebote und des Hauses durch die jungen Menschen und durch Eltern, die hier ein und aus gehen, kommt in der Praxis bisher kaum zum Tragen. Eine Zielsetzung soll also lauten: Mehr Partizipation wagen, damit die Besucher/innen sich mit dem Haus identifizieren können.Seite 19 von 20 18 Praktische Ansatzpunkte für eine solche Mitwirkung gibt es genug: Sei es bei der Innenraumgestaltung, der Entwicklung von Hausregeln, der aktiven Einbindung bei Festen oder der (Er)Findung eines neuen, passenderen Namens für dieses Haus. Beratung in unterschiedlichen Formaten Einen offiziellen Beratungsauftrag hat die IB nur beim Thema Integrationskurse. Doch natürlich findet Beratung auch in anderen Kontexten und zu anderen Themen statt, oft in Form einer Erst- oder Verweisberatung. Die meisten Anfragen kommen von zugewanderten Eltern, die schon Kontakt zur Begegnungsstätte haben oder denen sie als gute Adresse empfohlen wurde. Viele Gespräche kreisen um die Frage, wie sie die Entwicklung ihrer Kinder begleiten und fördern können. Hier gibt es ein großes Informationsbedürfnis und den Wunsch nach einem Austausch mit Gleichgesinnten, dem die IB weiter nachkommen will. Nicht die Einzelberatung steht dabei im Vordergrund, sondern offene Formate wie das „KulTourCafé“ und Elterngruppen. Entscheidend für die weitere Entwicklung werden die Rahmenbedingungen der Arbeit sein, wie sie im dritten Teil dieser Konzeption beschrieben wurden. Vor allem eine personelle Verstärkung im pädagogischen Bereich ist notwendig, wenn man das Potenzial der Internationalen Begegnungsstätte als interkulturelles Bildungshaus für Kinder, Jugendliche und Eltern ausschöpfen möchte. Zwei Teilzeitstellen mit insgesamt 60 Wochenstunden für die Bildungs- und Begegnungsarbeit mögen zwar ausreichen, um das bestehende Angebot aufrecht zu erhalten, sie lassen aber kaum Spielräume für Neues.Seite 20 von 20
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 08:59 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de