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190477 · Beschlussvorlage

Beschluss über die grundsätzlichen Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden" im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg (Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten

Nummer
190477
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
23.10.2019
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Empfehlung
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz 18.08.2020 Anregung
  3. Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz 11.03.2020 Entscheidung federführend
  4. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 22.01.2025 Entscheidung federführend
  5. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 27.09.2022 Anregung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 14,9 MB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 190477-2 AA Beschluss über die grundsätzlichen Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden" im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg (Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten Antrag zur Vorlage 190477
  2. 190477-1 AA Beschluss über die grundsätzlichen Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden" im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg (Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten Antrag zur Vorlage 190477
  3. 190477-03 AA FDP-Änderungsantrag: Beschluss über die grundsätzlichen Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden" im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg (Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten Antrag zur Vorlage 190477
  4. 190477-04 ST Beschluss über die grundsätzlichen Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden" im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg (Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten Antrag zur Vorlage 190477
  5. 190477-05 AA CDU-Änderungsantrag: Beschluss über die grundsätzlichen Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden" im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg (Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten Antrag zur Vorlage 190477

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Beschlussvorlage
öffentlich
190477
Beschluss über die grundsätzlichen
Entwicklungsziele für das Gebiet "In den Schleiden"
im Ortsteil Lannesdorf, Stadtbezirk Bad Godesberg
(Zielbeschluss) - Ergebnisse der Fachgutachten
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 28.11.2019 Anregung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Empfehlung
Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz
22.01.2020 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Eine wohnbauliche Entwicklung für die Fläche „In den Schleiden“ wird unter
Berücksichtigung der Planungshinweise aus den Fachgutachten Klima und
Boden weiterverfolgt.
2. Ein städtebauliches Qualifizierungsverfahren unter Beteiligung von mind. fünf
Büros wird durchgeführt.
3. Das Projekt hat aufgrund der hohen Anzahl an neu entstehenden
Wohneinheiten eine hohe Priorität.
4. Im weiteren Verfahren wird eine Umweltprüfung mit
Landschaftspflegerischem Fachbeitrag zur Abhandlung der Eingriffsregelung
sowie eine Artenschutzprüfung durchgeführt.
Begründung
Die Langen Immobilienholding GmbH & Co. KG beabsichtigt das Gebiet „In
den Schleiden“ im Stadtbezirk Bad-Godesberg – Ortsteil Lannesdorf
zwischen den Straßen Mehlemer Straße, Ellesdorfer Straße, An der
Nesselburg, Langenbergsweg und In den Schleiden einer wohnbaulichen
Entwicklung zuzuführen.
Federführung:
61 Stadtplanungsamt Dezernat:
Dez. IIISeite 1 von 95

Seite 2
Mit Beschluss vom 03.05.2017 hat der Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz die Erarbeitung eines Fachgutachtens Klima sowie eines
Fachgutachtens Boden angeordnet, um die Auswirkungen einer möglichen
Bebauung des Plangebietes „In den Schleiden“ bewerten zu können (DS-
Nr.1710518 und 1710518EB4).
Die Fachgutachten wurden zwischenzeitlich durch die Verwaltung eingeholt, die
Ergebnisse sind im Folgenden zusammengefasst:
Fachgutachten Klima:
Der Gutachter bewertet das Planvorhaben vom Grundsatz her als
unproblematisch, gibt jedoch Handlungsempfehlungen zur Optimierung des
Planentwurfs mit dem Ziel, die Durchlüftung im Planungsraum zu verbessern
sowie die Wärmebelastung zu reduzieren. Die Vorschläge sind im Rahmen des
weiteren Verfahrens zu berücksichtigen. Planungshinweise:
Da potenzielle Kaltluftflüsse, die über das Plangebiet hinweg fließen könnten,
bereits im Ist-Zustand durch die Strömungsriegel bildenden Gehölzreihen und
Wohnblöcke an der östlichen Plangebietsgrenze vor dem Eindringen in die
Bebauung blockiert würden, sind im Planentwurf keine zusätzlichen
Maßnahmen zur Verbesserung des Kaltluftflusses erforderlich.
Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Höhen der neuen Gebäude
die östlich gelegenen Strömungsriegel mit ca. 13 m bis 18 m (d. h. 4 bis 6
Etagen) nicht überschreiten, um ein potenzielles Überströmen der Kaltluft
weiterhin zu ermöglichen. Diese Bedingung ist im vorliegenden Planentwurf
bereits erfüllt.
Bezüglich der reduzierten Durchlüftung und teilweise erhöhten
Wärmebelastung im Bereich der Mehrfamilienhäuser kann der Planentwurf
verbessert werden. Da die Hauptanströmung in Strahlungsnächten aus SO
erfolgt, ist eine zur Windrichtung parallele Gebäudeanordnung vorteilhaft. Diese
Bedingung ist im Planentwurf bereits weitgehend erfüllt, da die zentralen
Gärten eine NW-SO-ausgerichtete Ventilationsgasse bilden. Innerhalb dieser
Ventilationsgasse sieht der Planentwurf derzeit noch einige Gebäude und
Bäume vor. Wenn diese Elemente aus der Ventilationsgasse heraus in die
Randbereiche verlagert werden, würde die Durchlüftung weiter verbessert und
dadurch der Wärmestau zwischen den Mehrfamilienhäusern gemindert.
Die Wärmebelastung im Umfeld der neuen Gebäude kann durch folgende
Maßnahmen weiter reduziert werden:
- Bevorzugung heller FassadenfarbenSeite 2 von 95

Seite 3
- Anbringung von Fassadenbegrünung an sonnenexponierten Süd- und
Westfassaden
- Abschirmung sonnenexponierter Süd- und Westfassaden durch
Schatten spendende Bäume
- Anbringen von Dachbegrünungen zur Reduzierung der
sonnenbedingten Gebäudeaufheizung, insbesondere der oberen
Etagen.
Fachgutachten Boden:
Durch das geplante Baugebiet „In den Schleiden“ werden Böden in Anspruch
genommen, die als besonders schutzwürdig eingestuft werden.
Die Schutzwürdigkeit begründet sich in ihrer hohen Bodenfruchtbarkeit und
ihrer hohen Reglerfunktion hinsichtlich des Wasserhaushalts.
Der bodenfunktionale Verlust betrifft damit Böden, die für die Bundesstadt Bonn
von besonderer Bedeutung für die Versorgung mit regional angebauten
Lebensmitteln und für die Kühlung des Siedlungsraums sind. Insbesondere die
außergewöhnlich hohe Kühlfunktion der betroffenen Böden ist für die
Klimaanpassung von herausragender Bedeutung.
Um bei Verwirklichung des Bauvorhabens den verbleibenden
verdichtungsempfindlichen Boden möglichst in einem guten Zustand zu
erhalten, wird eine bodenkundliche Baubegleitung notwendig.
Aufgrund der außergewöhnlich hohen Funktionserfüllung der betroffenen
Böden ist eine Kompensation für den Bodenverlust zu leisten
Insbesondere die Verwertung etwaiger Überschussmassen aus der
Erschließung hat bodenfunktional hochwertig zu erfolgen. Dazu sind geeignete
Aufbringungsflächen im Stadtgebiet zu erkunden, auf denen durch einen
bodenschonenden Bodenauftrag eine Verbesserung der dortigen
Bodenfunktionen erreicht werden kann.
Natur-, Landschafts- und Artenschutz
Das im planerischen Außenbereich gelegene Plangebiet grenzt unmittelbar an
das Landschaftsschutzgebiet „Gartenland Lannesdorf“ an. Die reichSeite 3 von 95

Seite 4
strukturierte Kulturlandschaft südlich von Lannesdorf umfasst Flächen, die im
LANUV-Biotopkataster als schutzwürdige Biotope verzeichnet sind. Es weist
wertvolle Biotopstrukturen mit Gehölz- und Baumbeständen auf, die
naturschutzfachlich, sowie für den Arten- und Biotopschutz relevant sind.
Bei der Aufstellung des Bebauungsplans sind die Belange des Umwelt- und
Naturschutzes sowie der Landschaftspflege (gem. §1 (6) Nr. 7 BauGB) zu
berücksichtigen. Hierzu ist im weiteren Verfahren eine Umweltprüfung mit
Landschaftspflegerischem Fachbeitrag, zur Abhandlung der Eingriffsregelung
durchzuführen. Die voraussichtlichen erheblichen Umweltauswirkungen werden
ermittelt und in einem Umweltbericht beschrieben und bewertet.
Im Rahmen der Bauleitplanung besteht darüber hinaus die Notwendigkeit zur
Durchführung einer Artenschutzprüfung (ASP). Aufgrund der
Habitatausstattung des Plangebietes kann das Vorkommen planungsrelevanter
Arten nicht ausgeschlossen werden.
Weitere Vorgehensweise:
Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse der Fachgutachten empfiehlt die
Verwaltung eine wohnbauliche Entwicklung weiterzuverfolgen. Für die bauliche
Entwicklung fordert die Verwaltung ein Verfahren zur städtebaulichen
Qualifizierung auch unter Berücksichtigung der genannten Planungshinweise.
Das Vorhaben wurde am 12.07.2017 im Städtebau- und Gestaltungsbeirat mit
dem Ergebnis beraten, dass der „prägende Landschaftsraum Basis für die
Neubebauung“ sein müsse. Beispielsweise durch besondere Siedlungsformen
oder ein innovatives Energiekonzept könne ein „Plus an Standortqualität“ und
damit einhergehend eine Erhöhung der „Lebensqualität vor Ort“ erreicht
werden.
In einer Planungsvereinbarung von 02.08.2017 wurde die Übernahme der
Verfahrenskosten (d.h. auch der Gutachten) durch den Vorhabenträger
vereinbart. Es handelt sich somit nicht um einen „Altfall“; die Modifizierung des
Baulandmodells vom 10.07.2018 ist anzuwenden.
Aufbauend auf dem Ergebnis des Qualifizierungsverfahrens wird dann das
Bauleitplanverfahren eingeleitet und die frühzeitige Beteiligung der
Öffentlichkeit nach § 3 Abs.1 BauGB vorbereitet.
Prioritätensetzung:
Das Projekt hat eine hohe Priorität, da der vordringlichen Aufgabenstellung derSeite 4 von 95

Seite 5
Stadt Bonn in Bezug auf den Wohnungsbau und dem gesamtstädtischen wie
stadtbezirklichen Interesse des Ausbaus der Betreuungsangebote entsprochen
wird. Insbesondere angesichts des Bedarfs an zusätzlichen Wohnungen in der
Stadt Bonn unterstützt die Verwaltung die wohnbauliche Entwicklung der
Fläche.
Anlage/n
1 Gutachtenergebnisse In den Schleiden Fachgutachten Boden (öffentlich)
2 Gutachtenergebnisse In den Schleiden Fachgutachten Klima (öffentlich)Seite 5 von 95

Karl-Philipp-Straße 1
51429 Bergisch Gladbach
Tel.: 02204 / 4228-50
info@ingenieurbuero-feldwisch.de
www.ingenieurbuero-feldwisch.de
Unser Sachverstand für Bodenschutz und Altlasten:
Dr. Norbert Feldwisch ist von der Industrie- und Handelskammer zu Köln öffentlich bestellt und vereidigt als
Sachverständiger für Gefährdungsabschätzungen für den Wirkungspfad Boden-Pflanze / Vorsorge zur Be-
grenzung von Stoffeinträgen in den Boden und beim Auf- und Einbringen von Materialien sowie
für Gefahrenermittlung, -beurteilung und -abwehr von schädlichen Bodenveränderungen auf Grund von
Bodenerosion durch Wasser.
Bodengutachten
Baugebiet »In den Schleiden«
Bonn, Lannesdorf
Auftraggeber
Bundesstadt Bonn
Stadtplanungsamt
Gutachter
Dr. agr. Norbert Feldwisch
Thilo Hönerlage, M.Sc. Boden, Gewässer, Altlasten
Bergisch Gladbach, 29. April 2019
P1735_Bonn_InDenSchleiden_190429.pdfSeite 6 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
Inhaltsverzeichnis
0 Zusammenfassung ......................................................................................................... 1
1 Auftrag und Zielsetzung .................................................................................................. 2
2 Untersuchungsfläche ...................................................................................................... 3
3 Bodenkundliche Erfassung ............................................................................................. 4
4 Untersuchungsergebnisse und Beurteilung .................................................................... 5
4.1 Standorteigenschaften und Böden nach BK 50 .......................................................... 5
4.2 Standorteigenschaften und Böden nach bodenkundlicher Kartierung ........................ 6
5 Darstellung der Schutzwürdigkeit des vorhandenen Bodens .......................................... 9
5.1 Böden und ihre Schutzwürdigkeit im Stadtgebiet Bonn nach BK50 ............................ 9
5.2 Darstellung der Schutzwürdigkeit der Böden nach bodenkundlicher Kartierung ....... 10
5.3 Verlust schutzwürdiger Böden durch das geplante Bebauungsgebiet ...................... 14
6 Bodenschutzfachliche Anforderungen an den Bauablauf .............................................. 15
6.1 Baustelleneinrichtungs- und Bauausführungsplanung .............................................. 15
6.2 Begrenzung der Bodendrücke .................................................................................. 15
6.3 Bauzeitenplanung für die Erschließung .................................................................... 15
6.4 Bodenabtrag bei der Erschließung ........................................................................... 16
6.5 Zwischenlagerung des Bodenaushubs ..................................................................... 16
6.6 Rückbau befestigter Baustraßen und anderer befestigter Baustelleneinrichtungs-
flächen der Erschließungsphase im Bereich zukünftiger Grün-/Gartenflächen ......... 17
6.7 Bodenauftrag / Rekultivierung im Bereich zukünftiger Grün-/Gartenflächen ............. 17
6.8 Baugenehmigungen ................................................................................................. 17
7 Mögliche Kompensationsmaßnahmen .......................................................................... 18Seite 7 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Übersichtskarte der Untersuchungsfläche (verändert nach
https://www.wms.nrw.de/geobasis/wms_nw_dop?)............................................ 3
Abbildung 2: Plangebiet mit Bodentypen nach BK50, WMS Dienste (© Geobasis NRW) ....... 5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Eingangsparameter über die Bezugstiefe für die Bodenfunktionsbewertung
»Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit« .......................... 11
Tabelle 2: Bewertungsansatz für die Bodenfunktionsbewertung »Regler- und
Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit« (GD NRW, siehe Fußnote 3) .. 11
Tabelle 3: Bewertung der Bodenfunktion »Regler- und Pufferfunktion / natürliche
Bodenfruchtbarkeit« der Bohrprofile ................................................................. 12
Tabelle 4 Bewertung der Bodenfunktion »Reglerfunktion des Bodens für den
Wasserhaushalt im 2-Meter-Raum« der Bohrprofile......................................... 13
Anhangverzeichnis
Anlage 1: Untersuchungsfläche und Lage der Bohrpunkte ............................................... 19
Anlage 2: Dokumentation der bodenkundlichen Profile ..................................................... 20
Anlage 3: Koordinatenliste der Bohrpunkte ....................................................................... 22
Anlage 4: Fotos bodenkundlichen Profile (oben) und Standorte (unten) ........................... 23
Anlage 5: Erläuterungen zu den Bodenfunktionen ............................................................ 40Seite 8 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 1 von 43
0 Zusammenfassung
Die Bundesstadt Bonn plant die Erschließung des Plangebietes „In den Schleiden“ im Ortsteil
Lannesdorf. Im Plangebiet soll eine wohnbauliche Nutzung entstehen. Der Planungsaus-
schuss der Bundesstadt Bonn hat beschlossen, dass dies nur nach fachlicher Klärung hin-
sichtlich der Auswirkungen einer Bebauung auf Klima und Boden entschieden werden kann.
Angesichts dieser Ausgangslage soll eine bodenfunktionale Bewertung der Böden im Pro-
jektgebiet erfolgen.
Die Auswirkungen eines Bauvorhabens sind anhand der Betroffenheit der Bodenfunktionen
zu erfassen und zu bewerten. Planerisch bedeutsam sind dabei die natürlichen Bodenfunkti-
onen, die Archivfunktionen und die Funktion als Standort für die land- und forstwirtschaftliche
Nutzung (§ 2 Abs. 2 Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 c BBodSchG – Bundes-Bodenschutzgesetz)
Die Bodenfunktionen sind nach § 1 BBodSchG zu erhalten oder wiederherzustellen. Nach
§ 7 BBodSchG hat jeder, der auf Böden einwirkt, Vorsorge gegen das Entstehen schädlicher
Bodenveränderungen zu treffen. Nach § 1 Landesbodenschutzgesetz Nordrhein-Westfalen
soll mit Grund und Boden soll sparsam und schonend umgegangen werden, dabei sind Bo-
denversiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen. Böden, welche die Bodenfunkti-
onen nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 und 2 BBodSchG im besonderen Maße erfüllen (§ 12 Abs. 8 Satz
1 Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung), sind besonders zu schützen.
Die Bodenkarte 1 : 50.000 (BK50) weist innerhalb des Planungsgebietes fruchtbare Böden
mit sehr hoher Funktionserfüllung als Regelungs- und Pufferfunktion / natürlicher Boden-
fruchtbarkeit aus. Diese sind gemäß dem Bodenschutz-Fachbeitrag für die räumliche Pla-
nung des GD NRW1 besonders schutzwürdig.
Angesichts dieser fachlichen und rechtlichen Ausgangslage hat das Ingenieurbüro Feldwisch
im Auftrag der Bundesstadt Bonn die Böden im Plangebiet bodenschutzfachlich mittels Boh-
rungen erfasst und bodenfunktional bewertet. Im Ergebnis der durchgeführten Untersuchun-
gen kann das flächenhafte Vorkommen von Böden mit außergewöhnlich hohen Ausprä-
gungsgraden der natürlichen Bodenfunktionen »Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bo-
denfruchtbarkeit« sowie »Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt im 2-Meter-
Raum« bestätigt werden.
Der bodenfunktionale Verlust betrifft damit Böden, die für die Bundesstadt Bonn von beson-
derer Bedeutung für die Versorgung mit regional angebauten Lebensmitteln und für die Küh-
lung des Siedlungsraums sind. Im Zuge der Erschließung des Baugebiets können die be-
sonderen Belange des vorsorgenden Bodenschutzes mit Hilfe der Vermeidungs- und Minde-
rungsmaßnahmen nach Kap. 6 sowie gezielter bodenbezogener Kompensationsmaßnahmen
nach Kap. 7 berücksichtigt werden.
1 Die Karte der schutzwürdigen Böden von NRW 1 : 50.000 – dritte Auflage 2017. Bodenschutz-Fachbeitrag für
die räumliche Planung. Geologischer Dienst NRW.Seite 9 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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1 Auftrag und Zielsetzung
Die Bundesstadt Bonn hat das Ingenieurbüro Feldwisch am 24.10.2018 beauftragt ein Bo-
dengutachten für einen Bereich im Stadtbezirk Bad Godesberg, Ortsteil Lannesdorf anzufer-
tigen.
Im Plangebiet „In den Schleiden“ soll eine wohnbaulichen Nutzung entstehen. Der Planungs-
ausschuss der Bundesstadt Bonn hat beschlossen, dass dies nur nach fachlicher Klärung
hinsichtlich der Auswirkungen einer Bebauung auf Klima und Boden entschieden werden
kann. Angesichts dieser Ausgangslage soll eine bodenfunktionale Bewertung der Böden im
Projektgebiet erfolgen.
Im Rahmen des Bodengutachtens sind folgende Leistungen zu erbringen:
 Auswertung vorhandener bodenkundlicher Kartenwerke
 Bodenkundliche Kartierung
 Darstellung der Schutzwürdigkeit des vorhandenen Bodens anhand der Klassifizierung
des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen (GD NRW)
 Darstellung der Schutzbedürftigkeit des vorhandenen Bodens im Kontext der Bonner Re-
gion
 Beschreibung des Umfanges des Verlustes schutzwürdiger Böden durch die geplante
Bebauung
 Benennung von Maßnahmen zur Reduzierung der Auswirkungen auf den schutzwürdigen
Boden bei der Durchführung der geplanten Baumaßnahme
 Darlegung und Ableitung der Art und des Umfanges einer möglichen Kompensations-
maßnahmeSeite 10 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 3 von 43
2 Untersuchungsfläche
Plangebiet: Stadtbezirk Bad Godesberg, Ortsteil Lannesdorf zwischen den Stra-
ßen Mehlemer Str, Ellesdorfer Str, An der Nesselburg, Langenbergs-
weg und In den Schleiden
Charakter der Fläche: Obstbaumkultur, Ackerflächen, Kleingartenanlage, Feldgehölze
Flächengröße: ca. 41.000 m²
Das Projektgebiet befindet sich im Stadtbezirk Bad Godesberg, Ortsteil Lannesdorf. Nach-
stehende Übersichtskarte zeigt die Ausdehnung der Untersuchungsfläche sowie Ortsanga-
ben, welche diese einfassen.
Abbildung 1: Übersichtskarte der Untersuchungsfläche
(verändert nach https://www.wms.nrw.de/geobasis/wms_nw_dop?)Seite 11 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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3 Bodenkundliche Erfassung
Die Bodenuntersuchungen erfolgten am 15. und 18. Februar 2019 durch Dr. Norbert Feld-
wisch und M.Sc. Thilo Hönerlage. Hierzu wurden 17 bodenkundliche Pürckhauer-Bohrungen
bis 2 m Endteufe durchgeführt.
Die Lage der Bohransatzpunkte wurden so gewählt, dass die Ausdehnung der standörtlich
zu erwartenden Bodeneinheiten nach BK50 verifiziert und eine repräsentative bodenfunktio-
nale Bewertung der anstehenden Böden durchgeführt werden kann.
Der Profilaufnahme erfolgte anhand der erbohrten Bodenhorizonte nach bodenkundlicher
Kartieranleitung2 (KA5). Anlage 1 zeigt eine Übersichtskarte der einzelnen Bohrpunkte vor
dem Hintergrund der BK50.
Die detaillierte bodenkundliche Ansprache aller Bohrungen ist in Anlage 2 dokumentiert. An-
hand der Kartierergebnisse wurde die Schutzwürdigkeit der Böden entsprechend der Metho-
dik des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalens (GD NRW 2004)3 abgeleitet und be-
wertet (vgl. kurze Erläuterung in Anlage 5).
Die Lagekoordinaten sind in Anlage 3 dokumentiert.
Anlage 4 enthält eine fotografische Dokumentation der Bohrstellen und Bohrkerne.
2 Ad-Hoc AG Boden (2005): Bodenkundliche Kartieranleitung (KA 5). 5. verbesserte und erweiterte Auflage,
E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart.
3 Geologischer Dienst NRW (2004): Auskunftssystem Bodenkarte 1:50 000 – Karte der schutzwürdigen Böden. 2.
überarbeitete Auflage. Hrsg.: Geologischer Dienst NRW. CD-ROM. Krefeld.
Link: http://www.gd.nrw.de/g_bkSwB.htmSeite 12 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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4 Untersuchungsergebnisse und Beurteilung
4.1 Standorteigenschaften und Böden nach BK 50
Orientierend kann die BK50 (Abbildung 2) herangezogen werden, um die standörtlich zu er-
wartenden Bodeneinheiten zu ermitteln.
Abbildung 2: Plangebiet mit Bodentypen nach BK50, WMS Dienste (© Geobasis NRW)
Im Untersuchungsgebiet treten die nachstehenden Bodentypen auf:
L5308_K341 bzw. L5308_K342 (hellrot)
Kolluvisol, zum Teil pseudovergleyt. Grundwasserfrei. Das Bodensubstrat ist charakterisiert
durch mittel bis stark tonigen Schluff. Weiterhin wird das Substrat als schwach steinig-grusig
und schwach humos beschrieben.
L5308_L352 (beige-braun)
Parabraunerde, zum Teil Pseudogley-Parabraunerde. Grundwasserfrei. Das Bodensubstrat
ist charakterisiert durch mittel bis stark tonigen Schluff aus Löss und Solifluktionsbildung
(Jungpleistozän). Weiterhin wird das Substrat als vereinzelt schwach steinig-grusig und car-
bonathaltig beschrieben.Seite 13 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 6 von 43
L5308_Z341 (magenta)
Pararendzina, stellenweise erodierte Parabraunerde oder Braunerde. Grundwasserfrei. Das
Bodensubstrat ist charakterisiert durch mittel bis stark tonigen Schluff und schluffigen Lehm,
meist aus Löss (Jungpleistozän). Weiterhin wird das Substrat als kiesig bis extrem kiesig
oder carbonathaltig beschrieben.
Alle drei Bodentypen (K342, L352 u. Z341) zählen nach der Ausweisung der BK50 zu den
fruchtbaren Böden mit sehr hoher Funktionserfüllung als Regelungs- und Pufferfunk-
tion / natürliche Bodenfruchtbarkeit.
Im Übrigen weist die BK50 innerhalb des Plangebietes weder Bodenarchive der Natur- und
Kulturgeschichte, noch Extremstandorte mit Böden als Potenzial für die Biotopentwicklung
aus.
4.2 Standorteigenschaften und Böden nach bodenkundlicher Kartierung
Im Folgenden werden gleichartige Bohrergebnisse je Bodentyp zusammengefasst und die
charakteristischen Bodenmerkmale zusammengestellt.
Die nachstehenden drei Bodentypen sind charakteristisch für das Untersuchungsgebiet.
 Kolluvisol
[BS-01, BS-02, BS-11, BS-13, BS-14, BS-15 und BS-17]
Bohrung BS-01 wurde auf einer Wiesenfläche abgeteuft, BS-02 in einem Feldgehölz, die üb-
rigen waren auf Obst-Anbauflächen lokalisiert. Die charakteristische Bodenart war mittel
toniger Schluff mit sehr geringen Grobbodenanteilen. Die Bohrprofile waren stets vollständig
carbonatisch, durchschnittlich lag der Gehalt im mittel carbonathaltigen Bereich. Der Anteil
organischer Substanz in den angereicherten Mineralbodenhorizonten (M-Horizonte) der Kol-
luvisole wurde als schwach bis mittel humos klassifiziert. Lokal traten sehr schwache oxidati-
ve Hydromorphiemerkmale auf.
 Parabraunerde
[BS-04 und BS-05]
In diesen Bohrungen wurde eine Parabraunerde erbohrt. Die Bohrungen wurden auf Obst-
Anbauflächen abgeteuft. Die charakteristische Bodenart war mittel toniger Schluff mit sehr
geringen Grobbodenanteilen. Die Bohrprofile waren im Oberboden carbonatfrei, der Gehalt
im Unterboden lag im carbonatarmen Bereich. Den Unterbodenhorizont charakterisierte die
Verzahnung von durch Verwitterung verbraunten und durch Einwaschung tonangereicherten
Bereichen (Bv-Bt-Horizont). Die Bodenprofile waren frei von Hydromorphiemerkmalen.Seite 14 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 7 von 43
 Braunerde
[BS-06, BS-07, BS-08, BS-10 und BS-16]
In diesen Bohrungen wurde eine Braunerde erbohrt. Die Bohrungen BS-10 und BS-16 wur-
den auf Obst-Anbauflächen abgeteuft, die restlichen fanden auf Ackerflächen statt. Auf bei-
den Obst-Anbauflächen wurde ein reliktischer, durch regelmäßige Bodenbearbeitung gepräg-
ter Horizont (rAp-Horizont) ermittelt. Die charakteristische Bodenart war mittel toniger Schluff
mit sehr geringen Grobbodenanteilen. An den Bohransatzstellen BS-07 und BS-08 trat im
Untergrundhorizont (C-Horizont) reiner Schluff auf. Die Bohrprofile waren mit Ausnahme von
BS-16 stets vollständig carbonatisch, durchschnittlich lag der Gehalt im mittel carbonathalti-
gen Bereich. Der Unterbodenhorizont ist durch verwitterungsbedingte Verbraunung geprägt
(Bv-Horizont). Lokal traten schwache bis sehr schwache oxidative Hydromorphiemerkmale
auf.
Folgende Profilaufnahmen stellen lokale Besonderheiten dar, welche im Untersuchungsge-
biet einmalig erfasst wurden.
 Rendzina
[BS-12]
In dieser Bohrung wurde eine Rendzina erbohrt. Die Bohrung fand auf einer Obst-
Anbaufläche statt. Im Oberboden wurde ein reliktischer, durch regelmäßige Bodenbearbei-
tung geprägter Horizont (rAp-Horizont) ermittelt. Die charakteristische Bodenart des Oberbo-
dens war mittel toniger Schluff, im Untergrund trat reiner Schluff auf. Beide Horizonte kenn-
zeichnete ein sehr geringer Grobbodenanteil. Das Bohrprofil war vollständig carbonatisch,
der Gehalt lag im mittel carbonathaltigen Bereich. Es konnten keine Hydromorphiemerkmale
ermittelt werden.
 Treposol
[BS-09]
In dieser Bohrung wurde ein Treposol erbohrt. Die Bohrung fand innerhalb einer Kleingarten-
nutzung statt. Die charakteristische Bodenart war mittel toniger Schluff, im Untergrund trat
reiner Schluff auf. Unterhalb des Oberbodens trat ein 35 cm mächtiger mineralischer Misch-
horziont (R-Horizont) auf, welcher tiefreichend durchmischt war und den eine streifige, hu-
musangereicherte Schichtung kennzeichnete. Alle Horizonte kennzeichnete ein sehr geringer
Grobbodenanteil. Das Bohrprofil war vollständig carbonatisch, der Gehalt lag im mittel car-
bonathaltigen Bereich. Es konnten keine Hydromorphiemerkmale ermittelt werden.Seite 15 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 8 von 43
 Aufschüttung
[BS-03]
In dieser Bohrung wurde eine Aufschüttung erbohrt. Die Bohrung fand auf einer lokal be-
grenzten Erhebung statt. Die charakteristische Bodenart war mittel toniger Schluff. Alle Hori-
zonte kennzeichnete ein sehr geringer Grobbodenanteil. Das Bohrprofil war vollständig hu-
mos und carbonatisch, die Gehalte lagen im mittleren Bereich. Ab 120 cm Teufe traten
schwache oxidative Hydromorphiemerkmale auf.
Grundwasser wurde an keiner Bohransatzstelle erbohrt.
Generell ist zu beachten, dass die Bohrergebnisse den Bodenaufbau nur punktuell erfassen.
Zwischen den einzelnen Aufschlusspunkten können abweichende Bodeneigenschaften ins-
besondere im Hinblick auf Schichtmächtigkeiten, Bodenarten, Grobbodenanteile, Anteile bo-
denfremder Substrate und TOC- bzw. Humusgehalte nicht ausgeschlossen werden.Seite 16 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 9 von 43
5 Darstellung der Schutzwürdigkeit des vorhandenen Bodens
5.1 Böden und ihre Schutzwürdigkeit im Stadtgebiet Bonn nach BK50
Im Bereich der Auen des Rheins kommen lehmig-sandige oder tonig-schluffige Auenböden
vor. Die dominierenden Bodentypen, die sich über das Stadtgebiet erstrecken, sind Brauner-
de (lehmig-sandig bzw. tonig-schluffig) und Parabraunerde (sandig-lehmig bzw. tonig-
schluffig). Des Weiteren stehen in den rechtsrheinischen (rr) Stadtteilen Pützchen und Holz-
lar bzw. in den linksrheinischen (lr) Stadtteilen Ippendorf und Röttgen, dort vor allem im Kot-
tenforst, lehmig-sandige (rr) und tonig-schluffig (lr) Pseudogleye an. In kleinen Tälern kom-
men Kolluvisole (tonig-schluffig) bzw. Gleye (tonig-schluffig) über das Stadtgebiet verteilt vor.
Tonig-schluffige Pararendzinen kommen in Bad Godesberg und Lannesdorf vor. Anthropo-
gen veränderte oder aufgeschüttete Böden verteilen sich über das Stadtgebiet. Eine großflä-
chige Auffüllung stellt der Rheinpark im Süden der Stadt Bonn dar. Hier stehen sandig-
schluffige Auftrags-Regosole an.
Folgende besonders schutzwürdige Böden kommen im Stadtgebiet vor.
Parabraunerde:
fruchtbare Böden, sehr hohe Funktionserfüllung als Regel- und Puffer im Naturhaushalt
(westliches, südwestliches und südöstliches Stadtgebiet).
Podsolige Braunerde:
tiefgründig sandige Extremstandorte, hohes Biotopentwicklungspotential (Tannenbusch).
Braunerde:
Archiv der Naturgeschichte, vulkanischer Ursprung (Rodderberg, südlich von Mehlem),
Wasserspeicher mit hoher Funktionserfüllung als Regulations- und Kühlungsfunktion (am
Nordrand des Venusbergs, Beuel, Geislar)
Pseudogley:
hohes Biotopentwicklungspotenzial durch Staunässe (Kottenforst, Lengsdorf und Röttgen)
Archiv der Naturgeschichte im tertiären Gestein (Lengsdorf und Röttgen).
Gley:
sehr hohe Funktionserfüllung als Biotopentwicklungspotenzial für Extremstandorte (z.B.
Godesberger Bach, Peschsiefen, Mersbach, Wielesbach, Ankerbach)Seite 17 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 10 von 43
5.2 Darstellung der Schutzwürdigkeit der Böden nach bodenkundlicher Kar-
tierung
Mit Hilfe der GD-Methodik (vgl. Fußnote 1) werden folgende Bodenfunktionen bewertet:
 Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit
 Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt im 2-Meter-Raum
 Biotopentwicklungspotenzial für Extremstandorte
 Archivfunktionen
Die Bewertung der beiden ersten Funktionen erfolgt auf Grundlage der anhand der Bohrprofi-
le abgeleiteten Kennwerte für folgende bodenkundlichen Parameter: effektive Durchwurze-
lungstiefe, nutzbare Feldkapazität, Feldkapazität, Kationenaustauschkapazität und Grund-
wasserstufe. Die Bodenfunktionen »Biotopentwicklungspotenzial für Extremstandorte« und
»Archivfunktionen« werden entsprechend der GD-Methodik anhand der Bodentypen und –
im Falle der Archivfunktionen – anhand kultur- oder naturgeschichtlicher Besonderheiten der
Pedogenese bewertet.
In nachstehender Tabelle sind die Eingangsparameter zur Ermittlung der Bodenfunktion
»Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit« aufgeführt. Die Relevanz dieser
Teilfunktion der Lebensraumfunktion basiert zum einen auf den Reglereigenschaften im
Wasserhaushalt, welche den Abfluss von Niederschlagswasser beeinflussen und zum ande-
ren auf der Pufferfunktion, welcher die stoffliche Belastung des Sickerwassers verbessern
kann. Böden mit gutem Wasser- und Nährstoffspeichervermögen zeichnet eine hohe natürli-
che Bodenfruchtbarkeit aus, die diese zu produktionssichereren Standorten macht.Seite 18 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 11 von 43
Tabelle 1: Eingangsparameter über die Bezugstiefe für die Bodenfunktionsbewertung »Regler-
und Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit«
Profil nFK FK LK GW-Stufe SW-Stufe
Einheit mm mm mm - -
Bezugstiefe 14 dm 20 dm 14 dm 20 dm 14 dm 20 dm - -
BS-01 363 441 547 663 125 149 6 keine
BS-02 365 468 560 710 138 166 6 keine
BS-03 370 471 562 723 141 184 6 keine
BS-04 330 330 496 496 113 113 6 keine
BS-05 330 330 496 496 113 113 6 keine
BS-06 364 595 538 874 134 194 6 keine
BS-07 364 454 535 663 127 148 6 keine
BS-08 356 562 537 830 129 176 6 keine
BS-09 374 412 552 609 138 149 6 keine
BS-10 360 450 538 670 124 149 6 keine
BS-11 364 442 546 659 133 153 6 keine
BS-12 312 312 463 463 107 107 6 keine
BS-13 372 398 556 594 142 149 6 keine
BS-14 366 392 548 586 141 148 6 keine
BS-15 358 565 541 854 133 162 6 keine
BS-16 335 463 537 725 129 163 6 keine
BS-17 358 565 540 854 132 161 6 keine
Die folgende Tabelle fasst die bodenphysikalischen Bewertungsgrundlagen für die Boden-
funktion »Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit« zusammen. Im Falle
sehr hoher nFK- und FK-Werte darf die obere LK-Schwelle überschritten werden (mündliche
Mitteilung des Herrn Schrey, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen).
Tabelle 2: Bewertungsansatz für die Bodenfunktionsbewertung »Regler- und Pufferfunktion /
natürliche Bodenfruchtbarkeit« (GD NRW, siehe Fußnote 3)Seite 19 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 12 von 43
Der Bewertungsansatz aus oben stehender Tabelle weist allen Profilen eine sehr hohe
»Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bodenfruchtbarkeit« zu (bf5_ff). Zu betonen sind die
außergewöhlich hohen nFK- und FK-Werte im effektiven Wurzelraum (bis 14 dm), die eine
besondere, etrem hohe bodenfunktionale Ausprägung bedingen.
Tabelle 3: Bewertung der Bodenfunktion »Regler- und Pufferfunktion / natürliche Boden-
fruchtbarkeit« der Bohrprofile
Profil Regler- und Pufferfunktion / na-
türliche Bodenfruchtbarkeit
Kürzel
BS-01
sehr hoch bf5_ff
BS-02
BS-03
BS-04
BS-05
BS-06
BS-07
BS-08
BS-09
BS-10
BS-11
BS-12
BS-13
BS-14
BS-15
BS-16
BS-17Seite 20 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 13 von 43
Um die »Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt im 2-Meter-Raum« zu bewer-
ten, werden ergänzend zu den Böden, die aufgrund ihrer »Regler- und Pufferfunktion« als
schutzwürdig ausgewiesen worden sind, diejenigen erfasst, deren nutzbare Feldkapazität
(nFK) im 2-Meter-Raum über 220 mm liegt. Böden mit großem Wasserrückhaltevermögen im
2-Meter-Raum sind für den qualitativen Grundwasserschutz und die Kühlung in Siedlungs-
kernen wichtig. Dies trifft bei allen erbohrten Profilen zu.
Tabelle 4 Bewertung der Bodenfunktion »Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt
im 2-Meter-Raum« der Bohrprofile
Profil Reglerfunktion des Bodens für
den Wasserhaushalt
im 2-Meter-Raum
Kürzel
BS-01
hoch bf4_2m
BS-02
BS-03
BS-04
BS-05
BS-06
BS-07
BS-08
BS-09
BS-10
BS-11
BS-12
BS-13
BS-14
BS-15
BS-16
BS-17
Die GD-Methodik weist folgenden Bodentypen »besonderes Biotopentwicklungspotenzial«
zu:
 Moore und Moorkulturböden (Grundwasserstand oberhalb von 4 dm unter Flur).
 Nasse und wechselfeuchte Standorte (anhand aktueller Grundwasser- oder Staunässe-
stufe).
 tiefgründige Sand- oder Schuttböden.
Im Rahmen dieses Bodengutachtens wurde keiner der aufgelisteten Bodentypen erfasst.
Entsprechend treten auf der Untersuchungsfläche keine besonderen »Biotopentwicklungspo-
tenziale« auf.
Auch die Kriterien für »Archivfunktionen« treten auf der Untersuchungsfläche nicht auf.Seite 21 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 14 von 43
5.3 Verlust schutzwürdiger Böden durch das geplante Bebauungsgebiet
Durch das geplante Baugebiet „In den Schleiden“ werden Böden in Anspruch genommen,
welche eine außergewöhnliche, sehr hohe »Regler- und Pufferfunktion / natürliche Boden-
fruchtbarkeit« sowie eine hohe »Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt im 2-
Meter-Raum« auszeichnet.
Der bodenfunktionale Verlust betrifft damit Böden, die für die Bundesstadt Bonn von beson-
derer Bedeutung für die Versorgung mit regional angebauten Lebensmitteln und für die Küh-
lung des Siedlungsraums sind. Insbesondere die außergewöhnlich hohe Kühlfunktion der be-
troffenen Böden ist für die Klimaanpassung der Bundesstadt Bonn von herausragender Be-
deutung. Die besondere Bedeutung der vom Baugebiet betroffenen Böden aufgrund ihrer
außergewöhnlich hohen Funktionsausprägungen gilt auch im Vergleich zur sonstigen Bo-
denverbreitung in der Bundesstadt Bonn.Seite 22 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 15 von 43
6 Bodenschutzfachliche Anforderungen an den Bauablauf
6.1 Baustelleneinrichtungs- und Bauausführungsplanung
Dem Gutachter liegen keine Baustelleneinrichtungs- und Bauausführungsplanung vor. Ent-
sprechende Planungen sollten die begrenzten Bauflächen und die besondere Verdichtungs-
empfindlichkeit der anstehenden Böden berücksichtigen, um einen konfliktarmen Bauablauf
zu gewährleisten.
Bodenflächen, die nicht Befahren werden sollen, sind auszupflocken. Auch die Grenzen des
Baufeldes sind deutlich sichtbar zu kennzeichnen, um Beanspruchungen von Böden außer-
halb des plangegenständlichen Vorhabens zu unterbinden.
6.2 Begrenzung der Bodendrücke
Anhand der Bodeneigenschaften (Körnung, TOC-/Humusgehalt, Trockenrohdichte) ist von
einer bodenmechanischen Eigenstabilität der Oberböden zwischen ca. 40 und 60 kPa bei
Feldkapazität (pF 1,8; entspricht Wassersättigung) auszugehen.
Angesichts dieser anhand von Erfahrungswerten geschätzten geringen mechanischen Be-
lastbarkeit bzw. sehr hohen Verdichtungsempfindlichkeit sind geeignete Maßnahmen zu er-
greifen, die Bodenverdichtungen außerhalb der dauerhaften Bauwerks- und Wegeflächen
soweit wie möglich vermeiden.
Maßnahmen zur Vermeidung von schädlichen Verdichtungen dienen gleichzeitig dem siche-
ren Verfahrensablauf.
Auf zukünftigen Grün- und Gartenflächen sollten folgende geeignete Maßnahmen zur Ver-
meidung von schädlichen Verdichtungen ergriffen werden:
 Keine Radfahrzeuge auf unbefestigten Bodenflächen.
 Befahren der unbefestigten Bodenflächen nur mit Kettenlaufwerken, deren spezifischer
Bodendruck angesichts der besonderen Verdichtungsempfindlichkeit auf maximal 60 kPa
(entspricht ungefähr 0,6 bar oder 0,6 kg/cm²) zu begrenzen ist.
 Transport- und Baustellenverkehr ist nur über befestigte Bodenflächen vorzunehmen.
Temporäre Baustraßen sind in geeigneter Schichtmächtigkeit mit kantigem, minerali-
schem Gemisch zu erstellen. Zum gewachsenen Boden ist die mineralische Schichtung
mit Vlies oder ggf. Geotextil+Vlies abzugrenzen. Eine bodenmechanische Bemessung
des notwendigen Aufbaus der Baustraße wird empfohlen.
6.3 Bauzeitenplanung für die Erschließung
 Die Erschließung des Bebauungsgebietes sollte nach Möglichkeit bei möglichst trocke-
nen Witterungs- und Bodenverhältnissen durchgeführt werden, um die Phase mit der
bestmöglichen Eigenstabilität der Böden zu nutzen. Dazu ist die Zeitspanne Mai bis Ok-Seite 23 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 16 von 43
tober besonders geeignet. Bei trockenen Frühjahrsbedingungen kann ggf. auch früher im
Jahr (April) gestartet werden.
 Bei der Erschließung sollten die Regelungen zur Begrenzung der Bodendrücke nach
Kap. 6.2 beachtet werden.
 Befahrungslinien und befestigte Baustraßen sollten bevorzugt im Bereich zukünftig ver-
siegelter Flächen / Straßen erfolgten. Zukünftige Grün- und Gartenflächen sollten bei der
Erschließung soweit wie möglich nicht beansprucht werden.
 Witterungsbedingte Vernässungen des Baufeldes (Starkregen) können eine Unterbre-
chung der Bauarbeiten notwendig machen. Erfahrungsgemäß können Unterbrechungen
nach Starkregen im Sommerhalbjahr 1 bis 2 Tage andauern. Derartige Unterbrechungen
können auf folgende Arbeiten begrenzt werden:
 Arbeiten auf ungeschützten Bodenflächen, die nach Bauabschluss wieder natürli-
che Bodenfunktionen übernehmen sollen.
 Arbeiten mit natürlichem Bodenmaterial, welches zur Wiederherstellung durch-
wurzelbarer Bodenschichten verwertet werden soll.
6.4 Bodenabtrag bei der Erschließung
 Der Bodenabtrag ist bodenschonend mit Raupenbaggern und nicht mit Planierraupen
vorzunehmen.
 Abzutragender Oberboden ist vom ggf. mit angeschnittenen Unterboden zu trennen und
getrennt zwischenzulagern.
 Sowohl der Oberboden und als auch der bodenfunktional hochwertige Unterboden sind in
einem kulturfähigen Zustand zu erhalten (DIN 18915, E-DIN 19639). Überschüssiger
Ober- und Unterboden sollten einer hochwertigen bodenfunktionalen Verwertung zuge-
führt werden.
 Der zur Wiederherstellung durchwurzelbarer Bodenschichten innerhalb des Baugebietes
benötigte Bodenaushub ist fachgerecht zwischenzulagern (DIN 18915, E-DIN 19639).
6.5 Zwischenlagerung des Bodenaushubs
 Oberboden und Unterboden sind in getrennte Mieten zu lagern.
 Die Mieten sind mit einem Raupenbagger aufzusetzen, zu profilieren und – ja nach Lage-
rungsdauer und Jahreszeit – möglichst kurzfristig aktiv zu begrünen.
 Eine Befahrung der Bodenmieten oder das Lagern von Baumaterial auf den Bodenmieten
ist zu unterlassen.Seite 24 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 17 von 43
6.6 Rückbau befestigter Baustraßen und anderer befestigter Baustellenein-
richtungsflächen der Erschließungsphase im Bereich zukünftiger Grün-
/Gartenflächen
 Der Rückbau aller Befestigungen erfolgt rückschreitend.
 Alle Materialien der Befestigungen (mineralische Schüttung aus natürlichem Gesteins-
bruch und Vlies, ggf. Geogitter) sind vollständig auszubauen.
6.7 Bodenauftrag / Rekultivierung im Bereich zukünftiger Grün-/Gartenflächen
 Ggf. notwendige Lockerungsmaßnahmen vor dem Wiedereinbau von Bodenmaterial im
Bereich der zurückgebauten Baustraße sind während der Bauausführung zu bestimmen.
 Gleiches gilt auch für weitere, dem Gutachter nicht bekannte Baureinrichtungsfläche, die
nach Bauabschluss wieder natürliche Bodenfunktionen übernehmen sollen.
 Der Wiedereinbau der Böden hat bei möglichst trockenen Bodenverhältnissen (steif-
plastische Bodenkonsistenz; > 12 cbar Wasserspannung) zu erfolgen.
 Zum Wiedereinbau von Bodenmaterial sind Raupenbagger einzusetzen und keine Pla-
nierraupen.
 Der Oberboden ist an das umliegende Gelände höhengleich wieder einzubauen. Die
Oberfläche ist frei von Kluten möglichst feinkrümelig herzustellen. Ggf. ist ein geeignetes
landwirtschaftliches Gerät zur Herstellung eines Saatbettes einzusetzen.
 Nach der ggf. notwendigen Lockerung und dem Wiedereinbau von Oberboden sind die
Flächen kurzfristig zu begrünen.
6.8 Baugenehmigungen
 Im Zuge der einzelnen Baugenehmigungen empfiehlt sich eine Information hinsichtlich
der besonderen bodenfunktionalen Bedeutung des Baugebietes und den notwendigen
Schutz der Gartenböden vor schädlichen Verdichtungen. Hierbei kann bspw. auf die In-
formationsblätter des LANUV NRW zum Bodenschutz bei der Bebauung verwiesen wer-
den4.
4 https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuvpubl/1_infoblaetter/ LANUV_Infoblatt_Bauen_H%C3%A4uslebauer_WEB.pdf
https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuvpubl/1_infoblaetter/LANUV_Infoblatt_Bauen_Bauausfuehrende_WEB.pdfSeite 25 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 18 von 43
7 Mögliche Kompensationsmaßnahmen
Aufgrund der außergewöhnlich hohen Funktionserfüllung der betroffenen Böden ist eine bo-
denbezogene Kompensation der Bebauung anzustreben. Orientierend können dazu Arbeits-
hilfen aus Baden-Württemberg und Hessen herangezogen werden5.
Insbesondere die Verwertung etwaiger Überschussmassen aus der Erschließung sollte bo-
denfunktional hochwertig erfolgen. Dazu sind geeignete Aufbringungsflächen im Stadtgebiet
zu erkunden, auf denen durch einen bodenschonenden Bodenauftrag eine Verbesserung der
natürlichen Bodenfunktionen, insbesondere der »Regler- und Pufferfunktion / natürliche Bo-
denfruchtbarkeit« sowie der »Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt im 2-
Meter-Raum«, nachweislich erreicht werden kann. Die Anforderungen des Bodenschutz-
rechts und des Normungswesens an eine schadlose Verwertung, insbesondere an eine
Vermeidung schädlicher Bodenverdichtungen, sind zu beachten (§ 12 BBodSchV, DIN
19731, DIN 18915, E-DIN 19639).
Bergisch Gladbach, Montag, 29. April 2019
Dr. Norbert Feldwisch
Anlagen
Anlage 1: Lageplan
Anlage 2: Kartierergebnisse
Anlage 3: Lagekoordinaten
Anlage 4: Fotodokumentation
Anlage 5: Bodeneigenschaften und der Bewertung der Bodenfunktionen
Anlage 6: Erläuterungen zu den Bodenfunktionen
5 http://fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/20099/naturschutzrechtliche_eingriffsregelung.pdf?
command=downloadContent&filename=naturschutzrechtliche_eingriffsregelung.pdf
https://www.hlnug.de/themen/boden/vorsorge/bodenschutz-in-der-planung/kompensation-schutzgut-boden.htmlSeite 26 von 95

Bodenschutzkonzept zum Retentionsbodenfilter Keilbusch
April 2019 Seite 19 von 43
Anlage 1: Untersuchungsfläche und Lage der Bohrpunkte
© Geobasis NRWSeite 27 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 20 von 43
Anlage 2: Dokumentation der bodenkundlichen Profile
Profil Tiefe [cm] Horizont Feinboden Humus Carbonat
oxidative reduktive
GrobbodenHydromorphie-
merkmale
von bis [-] [-] [Klasse] [Klasse] [Flächen-%] [Klasse]
BS-01
000 015 Ah Ut3 4 3.2 - - 1
015 080 M Ut3 3 3.2 - - 1
080 110 Bv-C Ut2 0 3.3 - - 0
110 200 C Uu 0 3.4 - - 0
BS-02
000 025 Ah Ut3 4 3.2 - - 1
025 080 M Ut3 3 3.2 - - 1
080 120 Bv Uu 0 3.4 - - 0
120 200 C Uu 0 3.4 - - 0
BS-03
000 020 jAh Ut3 4 3.2 - - 1
020 080 jlCh Ut3 3 3.4 - - 1
080 120 jlCh2 Ut2 2 3.4 - - 1
120 200 jlCh3 Ut3 3 3.4 ed < 5% - 1
BS-04
000 040 Ap-Bt Ut3 3 - - - 1
040 200 Bv-Bt Ut3 0 2 - - 0
BS-05
000 040 Ap-Bt Ut3 3 - - - 1
040 200 Bv-Bt Ut3 0 2 - - 0
BS-06
000 035 Ap Ut3 3 2 - - 1
035 075 Bv Ut3 0 3.4 - - 0
075 190 Bv2 Ut2 0 3.3 - - 0
190 200 Sw-C Uu 0 3.3 ed < 5% - 0
BS-07
000 035 Ap Ut3 3 2 - - 1
035 060 Bv Ut3 0 3.4 - - 0
060 085 Sw-Bv Ut2 0 3.2 ed, es
< 5% - 0
085 200 C Ut2 0 3.3 ed << 5% - 0
BS-08
000 040 Ap Ut3 3 2 - - 1
040 060 Bv Ut3 0 3.4 - - 0
060 150 Bv2 Ut3 0 3.2 ed << 5% - 0
150 200 C Ut2 0 3.3 - - 0
BS-09
000 030 Ap Ut3 3 3.3 - - 1
030 065 R Ut2 2 3.3 - - 1
065 200 C Uu 0 3.2 - - 0
BS-10
000 015 Ah Ut3 3 2 - - 1
015 040 rAp Ut3 3 2 - - 1
040 085 Bv Ut3 0 3.4 - - 0
085 200 C Uu 0 3.3 - - 0
BS-11
000 015 Ah Ut3 3 2 - - 1
015 040 rAp Ut3 3 2 - - 1
040 080 M Ut3 2 3.4 - - 0
080 200 C Uu 0 3.3 - - 0
BS-12
000 030 rAp-Ah Ut3 3 3.3 - - 1
030 200 C Uu 0 3.3 - - 0Seite 28 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 21 von 43
BS-13
000 030 rAp-Ah Ut3 3 3.2 - - 1
030 060 M Ut2 3 3.4 - - 0
060 200 C Uu 0 3.3 (eh) - 0
BS-14
000 040 rAp-Ah Ut3 3 3.2 - - 1
040 060 M Ut3 2 3.4 - - 0
060 200 C Uu 0 3.3 (eh) - 0
BS-15
000 040 rAp-Ah Ut3 3 2 - - 1
040 060 M Ut3 2 2 - - 0
060 170 Bv Ut3 0 0 (ed) - 0
170 200 C Uu 0 3.3 - - 0
BS-16
000 040 rAp-Ah Ut3 3 2 - - 1
040 100 Bv Ut4 0 0 - - 0
100 200 C Uu 0 3.3 - - 0
BS-17
000 035 rAp-Ah Ut3 3 2 - - 1
035 060 M Ut3 2 2 - - 0
060 155 Bv Ut3 0 0 - - 0
155 200 C Uu 0 3.3 - - 0
Anmerkung: Alle Kürzel nach Bodenkundlicher Kartieranleitung, 5. Auflage (KA5).Seite 29 von 95

Bodenschutzkonzept zum Retentionsbodenfilter Keilbusch
April 2019 Seite 22 von 43
Anlage 3: Koordinatenliste der Bohrpunkte
Profil X Y
BS-01 371094 5613971
BS-02 371134 5613926
BS-03 371132 5613897
BS-04 371135 5613855
BS-05 371170 5613881
BS-06 371217 5613863
BS-07 371179 5613828
BS-08 371141 5613799
BS-09 371166 5613754
BS-10 371210 5613795
BS-11 371252 5613838
BS-12 371290 5613795
BS-13 371331 5613735
BS-14 371295 5613705
BS-15 371269 5613677
BS-16 371253 5613757
BS-17 371220 5613724
(EPSG:25832 – ETRS89 / UTM Zone 32)Seite 30 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 23 von 43
Anlage 4: Fotos bodenkundlichen Profile (oben) und Standorte (unten)
BS-01
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 31 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 24 von 43
BS-02
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 32 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 25 von 43
BS-03
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 33 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 26 von 43
BS-04
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 34 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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BS-05
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 35 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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BS-06
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 36 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 29 von 43
BS-07
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 37 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 30 von 43
BS-08
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 38 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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BS-09
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 39 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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BS-10
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 40 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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BS-11
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 41 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 34 von 43
BS-12
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 42 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 35 von 43
BS-13
oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 43 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
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Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
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Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
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Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
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oben: Tiefenstufe 000 – 100 cm
unten: Tiefenstufe 100 – 200 cmSeite 47 von 95

Bodengutachten In den Schleiden, Bonn Lannesdorf
April 2019 Seite 40 von 43
Anlage 5: Erläuterungen zu den Bodenfunktionen
Nach den Methoden des Geologischen Dienstes NRW (GD)6, 7 werden alle Böden hinsicht-
lich ihrer natürlichen Bodenfunktionen und der Archivfunktion in Abhängigkeit vom Grad der
Funktionserfüllung je Funktion in zwei Stufen bewertet. Bewertet Böden werden folgende
Boden(teil-)funktionen:
 Archiv der Natur- und Kulturgeschichte
 Lebensraumfunktion (Teilfunktion): Biotopentwicklungspotenzial (Extremstandorte)
 Lebensraumfunktion (Teilfunktion): Regelungs- und Pufferfunktion /natürliche Boden-
fruchtbarkeit
 Reglerfunktion des Bodens für den Wasserhaushalt im 2-Meter-Raum
Für die kartografische Darstellung der vier wesentlichen, oben genannten Bodenfunktionen
hat der GD NRW Regeln aufgestellt, um in den Kartenwerken immer nur die Ausprägung ei-
ner Bodenfunktion wiedergeben zu können. So werden z. B. Böden, die wertvolle Archive
der Natur- und Kulturgeschichte sind, zugleich aber auch ein hohes Biotopentwicklungspo-
tenzial aufweisen, nach der Ausprägung der Archivfunktion gekennzeichnet; darin spiegelt
sich die Einzigartigkeit und Unersetzbarkeit der Archivfunktion ebenso wider wie der übli-
cherweise viel geringere Flächenanteil der Archivböden. Dass Böden besonders fruchtbar
sind und zugleich ein hohes Biotopentwicklungspotenzial für Extremstandorte aufweisen,
kann fachlich ausgeschlossen werden, so dass dazu keine kartografischen Darstellungsre-
geln notwendig sind. In den wenigen Fällen, wo sowohl die Archivfunktionen als auch die na-
türliche Bodenfruchtbarkeit eine hohe bzw. sehr hohe bodenfunktionale Ausprägung aufwei-
sen, wird die Ausprägung der Archivfunktion vorrangig vor der Bodenfruchtbarkeit ausgewie-
sen. Die bodenfunktionale Ausprägung der Böden wird nach GD NRW zweistufig klassifi-
ziert:
 4 = hohe Ausprägung (bf4_xx)
 5 = sehr hohe Ausprägung (bf5_xx)
6 Link: http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/bodenschutz_altlasten/bodenschutz/bodenfunktionen/index.php
7 Link: http://www.gd.nrw.de/g_bkSwB.htmSeite 48 von 95

Dr. Dütemeyer
Umweltmeteorologie
Kruppstraße 82-100 / ETEC
45145 Essen
Tel.: (0201) 726 67 20
Fax.: (0201) 726 76 49
E-Mail: info@dr-duetemeyer.de
Internet: http://www.dr-duetemeyer.de
Umweltmeteorologisches Gutachten
Klimagutachten zum Gelände „In den Schleiden“
in Bonn-Bad Godesberg Lannesdorf
Auftraggeber: Bundesstadt Bonn
Stadtplanungsamt
Berliner Platz 2
53111 Bonn
Durchführung: Dipl. Geogr. Dr. rer. nat. D. Dütemeyer
Dr. Dütemeyer Umweltmeteorologie
Kruppstr. 82-100/ETEC
45145 Essen
Fassung 1d
Essen, im Dezember 2017
Aktualisierung vom 06.08.2019 (siehe Anmerkung nächste Seite)Seite 49 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Inhaltsverzeichnis
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
I
Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Tabellen................................................................................................... II
Verzeichnis der Abbildungen............................................................................................. II
Zusammenfassung................................................................................................................. 1
1 Einleitung und Zielsetzung............................................................................................. 2
2 Untersuchungsgebiet ..................................................................................................... 2
3 Methodik........................................................................................................................... 5
3.1 Mikroskaliges Stadtklimasimulationsmodell ............................................................. 6
3.1.1 Grundlagen................................................................................................... 6
3.1.2 Eingangsdaten.............................................................................................. 8
3.1.2.1 Digitale Geländemodelle ................................................................ 8
3.1.2.2 Meteorologische Randbedingungen............................................. 16
3.2 Untersuchung von Kaltluftprozessen ..................................................................... 18
3.2.1 Berechnung der Kaltluftproduktion nach WIESNER................................... 18
3.2.2 Berechnung der Kaltlufthöhe und -fließgeschwindigkeit nach
DEFANT und BRIGSS................................................................................ 19
4 Ergebnisse ..................................................................................................................... 20
4.1 Modellergebnisse ................................................................................................... 20
4.1.1 Tagsituation ................................................................................................ 20
4.1.1.1 Lufttemperatur 20
4.1.1.2 Windfeld 23
4.1.1.3 Thermische Behaglichkeit ............................................................ 26
4.1.2 Nachtsituation............................................................................................. 29
4.1.2.1 Lufttemperatur 29
4.1.2.2 Windfeld 32
4.1.2.3 Thermische Behaglichkeit ............................................................ 32
4.1.3 Zusammenfassung der Modellergebnisse.................................................. 34
4.2 Abschätzung von Kaltluftprozessen ....................................................................... 36
4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse ....................................................................... 40
5 Planungsempfehlungen................................................................................................ 41
6 Arbeitsmaterialien und Literatur .................................................................................. 42
Diese Berichtsfassung 1d unterscheidet sich von der vorigen Fassung 1c (Dezember 2017) durch ergänzte Quell-
bzw. Copyrightangaben bei einigen Abbildungen sowie deren Nennung im Literaturverzeichnis.
Die vorige Berichtsfassung 1c unterscheidet sich von der davorigen Fassung 1b (November 2017) durch korrigier-
te Abbildungen.Seite 50 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Verzeichnis der Tabellen
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
II
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1 Skala der PMV- und PET-Werte für thermisches Empfinden und
zugehörige Behaglichkeitsstufen nach VDI-Richtlinie 3787, Blatt 2 (VDI
2008) und MAYER (2006)........................................................................................ 8
Tab. 2 Initialisierungsparameter für das Simulationsmodell ENVI-met zur
stadtklimatischen Untersuchung „In den Schleiden“. ............................................. 17
Tab. 3: Numerische Abschätzung der strahlungsnächtlichen Kaltluftproduktion in
Sommernächten im Einzugsgebiet des Plangebietes „In den Schleiden“
(berechnet nach WIESNER 1986). ........................................................................ 37
Tab. 4: Empfehlungen der VDI-Richtlinie 3787, Blatt 5 „Lokale Kaltluft“ (VDI 2003)
zur abschätzenden Beurteilung der Auswirkungen der Veränderungen der
Kaltluftproduktion. .................................................................................................. 38
Tab. 5: Theoretische Kaltlufthöhen und -fließgeschwindigkeiten ausgewählter
Kaltluftabflussbahnen im Einzugsgebiet des Bauvorhabens „In den
Schleiden“ (berechnet nach DEFANT (1933) und BRIGGS (1979))...................... 38
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Untersuchungsraum mit Plangebiet „In den Schleiden“ im Ist-Zustand. .................. 3
Abb. 2: Freiland- und Waldgebiete im Umfeld des Plangebietes „In den
Schleiden“. ............................................................................................................... 4
Abb. 3: Untersuchungsraum mit Plangebiet „In den Schleiden“ im Plan-Zustand................ 5
Abb. 4: Bodenkarte NRW für das Untersuchungsgebiet „In den Schleiden“. ..................... 10
Abb. 5: Digitales Boden- und Oberflächenmodell in ENVI-met zum Ist-Zustand
des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. ................................................... 10
Abb. 6: Gebäudehöhenkataster für das Untersuchungsgebiet „In den Schleiden“. ........... 11
Abb. 7: Digitales Gebäude- und Vegetationsmodell in ENVI-met zum Ist-Zustand
des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. ................................................... 11
Abb. 8: 3D-Ansicht mit Blickrichtung Nord des digitalen Gebäude- und
Vegetationsmodells in ENVI-met zum Ist-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. .......................................................... 12
Abb. 9: Plangebietsentwurf „In den Schleiden“. ................................................................. 13
Abb. 10: Digitales Boden- und Oberflächenmodell in ENVI-met zum Plan-Zustand
des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. ................................................... 14
Abb. 11: Digitales Gebäude- und Vegetationsmodell in ENVI-met zum Plan-
Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. ..................................... 14
Abb. 12: 3D-Ansicht mit Blickrichtung Nord des digitalen Gebäude- und
Vegetationsmodells in ENVI-met zum Plan-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. .......................................................... 15
Abb. 13: Verteilung der Lufttemperatur tL in 1,5 m ü. Gr. im Ist-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15 Uhr MEZ eines
autochthonen Sommertages. ................................................................................. 21
Abb. 14: Verteilung der Lufttemperatur tL in 1,5 m ü. Gr. im Plan-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15 Uhr MEZ eines
autochthonen Sommertages. ................................................................................. 22Seite 51 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Verzeichnis der Abbildungen
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
III
Abb. 15: Differenz der Lufttemperatur tL in 1,5 m ü. Gr. zwischen Plan- und Ist-
Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 5 Uhr MEZ
eines autochthonen Sommertages. ....................................................................... 23
Abb. 16: Verteilung des Windfeldes in 1,5 m ü. Gr. im Ist-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15 Uhr MEZ eines
autochthonen Sommertages. ................................................................................. 24
Abb. 17: Verteilung des Windfeldes in 1,5 m ü. Gr. im Plan-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15 Uhr MEZ eines
autochthonen Sommertages. ................................................................................. 25
Abb. 18: Differenz der Windgeschwindigkeit in 1,5 m ü. Gr. zwischen Plan- und Ist-
Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15 Uhr MEZ
eines autochthonen Sommertages. ....................................................................... 26
Abb. 19: Verteilung der physiologischen Äquivalenttemperatur PET in 1,5 m ü. Gr.
im Ist-Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15 Uhr
MEZ eines autochthonen Sommertages................................................................ 27
Abb. 20: Verteilung der physiologischen Äquivalenttemperatur PET in 1,5 m ü. Gr.
im Plan-Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 15
Uhr MEZ eines autochthonen Sommertages. ........................................................ 28
Abb. 21: Differenz der physiologischen Äquivalenttemperatur PET in 1,5 m ü. Gr.
zwischen Plan- und Ist-Zustand des Untersuchungsgebietes „In den
Schleiden“ für 15 Uhr MEZ eines autochthonen Sommertages............................. 29
Abb. 22: Verteilung der Lufttemperatur tL in 1,5 m ü. Gr. im Ist-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 5 Uhr MEZ eines
autochthonen Sommertages. ................................................................................. 30
Abb. 23: Verteilung der Lufttemperatur tL in 1,5 m ü. Gr. im Plan-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 5 Uhr MEZ eines
autochthonen Sommertages. ................................................................................. 31
Abb. 24: Differenz der Lufttemperatur tL in 1,5 m ü. Gr. zwischen Plan- und Ist-
Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 5 Uhr MEZ
eines autochthonen Sommertages. ....................................................................... 32
Abb. 25: Verteilung der physiologischen Äquivalenttemperatur PET in 1,5 m ü. Gr.
im Ist-Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 5 Uhr
MEZ eines autochthonen Sommertages................................................................ 33
Abb. 26: Verteilung der physiologischen Äquivalenttemperatur PET in 1,5 m ü. Gr.
im Plan-Zustand des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“ für 5 Uhr
MEZ eines autochthonen Sommertages................................................................ 34
Abb. 27: Differenz der physiologischen Äquivalenttemperatur PET in 1,5 m ü. Gr.
zwischen Plan- und Ist-Zustand des Untersuchungsgebietes „In den
Schleiden“ für 5 Uhr MEZ eines autochthonen Sommertages............................... 35
Abb. 28: Karte der Kammlinien und Talsohlen (Kaltluftabflussbahnen) und
zugehöriger Kaltluftproduktionsgebiete im Einzugsbereich des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“. .......................................................... 36
Abb. 29: Perspektivisches Luftbild des Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“............ 39
Abb. 30: Karte des Plangebiets „In den Schleiden“ mit Planungshinweisen. ....................... 41Seite 52 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Zusammenfassung
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
1
Zusammenfassung
Am 17.08.2017 wurde das Büro Dr. Dütemeyer Umweltmeteorologie, Essen, vom Stadtpla-
nungsamt der Bundesstadt Bonn beauftragt, die klimatischen Auswirkungen des Planvorha-
bens „In den Schleiden“ in Bonn-Bad Godesberg Lannesdorf zu untersuchen und zu bewer-
ten, da die betreffende, an der Grenze zum Umland liegende, Fläche derzeit ein Kaltluft
produzierendes Freilandklimatop mit allgemeiner klimatischer Wohlfahrtswirkung darstellt.
Die Untersuchung der Auswirkungen auf das lokale Mikroklima wurde quantitativ mittels
numerischer Simulation für eine sommerliche Schönwettersituation durchgeführt. Die Aus-
wirkungen des Vorhabens auf Kaltluftprozesse wurden über etablierte empirisch-statistische
Verfahren der Karten- und Reliefanalyse vorgenommen.
Die Untersuchung ergab, dass die Lufttemperaturverhältnisse am Tage im Freilandbereich
am kühlsten sind, gefolgt von den Gärten. Gehölze und Baumgruppen bewirken in ihrem
Stammraum und Schattenzonen eine weitere leichte Abkühlung. Versiegelte Flächen und
bebaute Straßenzüge weisen relativ hohe Lufttemperaturen auf, die auf sonnenexponierten
Flächen, insbesondere größeren Straßen, am höchsten sind. Im Plan-Zustand ist die Luft-
temperaturerhöhung durch die neuen Gebäude mit max. 0,5 K gering. Negative thermische
Auswirkungen des Planvorhabens auf die umliegende Bebauung wurden nicht festgestellt.
Bei den Austauschverhältnissen bewirkt das Planvorhaben lokale Windgeschwindigkeitsre-
duktionen um bis zu 1 m/s, die jedoch nach einer Entfernung von ca. 30 m wieder abgeklun-
gen sind. Auswirkungen auf die weitere Umgebung, insbesondere die bestehende angren-
zende Bebauung, wurden nicht festgestellt.
Hohe Wärmebelastungen treten in sonnenexponierten Straßenräumen mit beidseitig dichter
Bebauung auf, wo die Wärmestrahlung von Straßen und Gebäuden und reduzierte Durchlüf-
tungsverhältnisse zusammenwirken. Günstige thermische Bedingungen herrschen in Gehöl-
zen und in den Schattenzonen von Gebäuden und Bäumen vor. Im Plan-Zustand sind an
den sonnenbeschienenen Gebäudefassaden nur leicht erhöhte Wärmebelastungen festzu-
stellen. Lediglich zwischen den geplanten Mehrfamilienhäusern steigt die Wärmebelastung
auf „sehr heiße“ Bedingungen an. Die neuen Bäume hingegen bewirken durch Schattenwurf
eine Reduzierung der Wärmebelastung. Insgesamt sind die Veränderungen der thermischen
Behaglichkeit durch das Planvorhaben gering. Auswirkungen auf die weitere Umgebung,
insbesondere die bestehende angrenzende Bebauung, wurden nicht festgestellt.
Nachts sind die Lufttemperaturen sehr mild und räumlich nur schwach differenziert, wobei
die Freiflächen leicht kühler als die bebauten Bereiche sind. Die geplante Bebauung bewirkt
eine nur leichte Lufttemperaturerhöhung. Auch die thermische Behaglichkeit ist mit leicht
kühlen bis kühlen Verhältnissen unbedenklich. Die geplanten Gebäude führen zu einer leich-
ten Erhöhung von „kühlen“ auf „leicht kühle“ Bedingungen. Auswirkungen auf die weitere
Umgebung, insbesondere die bestehende angrenzende Bebauung, wurden nicht festgestellt.
Eine Beeinträchtigung der Kaltluftprozesse durch das Planvorhaben ist unwahrscheinlich,
da die Reduktion der Kaltluftproduktion im großen Einzugsgebiet mit 1,9 % gering ist und
eine Ventilationsfunktion aufgrund der Strömungsriegel bildenden Wohnblöcke und Gehölz-
reihen vor dem östlichen Bebauungsrand bereits im Ist-Zustand nicht gegeben ist. Ferner ist
das große Kaltlufteinzugsgebiet räumlich noch weiter zu fassen. Entsprechend könnten die
Kaltluftschichtdicken im Plangebietsbereich deutlich höher sein, sodass diese über die Strö-
mungsriegel hinwegströmen und die dahinter liegende Bebauung belüften könnten. Dieses
würde auch für den Plan-Zustand gelten, da die geplanten Gebäude nicht höher sind als die
derzeitigen Strömungsriegel und daher ebenfalls überströmt würden.
Aufgrund des nur geringen Einflusses auf die Kaltluftproduktion, der fehlenden Venti-
lationsfunktion, der nur geringen thermischen Benachteiligung und der fehlenden
negativen Auswirkungen auf die umliegende Bebauung wird das Planvorhaben „In
den Schleiden“ aus klimatologischer Sicht als unbedenklich eingestuft.Seite 53 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Einleitung und Zielsetzung
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
2
1 Einleitung und Zielsetzung
Am 17.08.2017 wurde das Büro Dr. Dütemeyer Umweltmeteorologie, Essen, vom Stadtpla-
nungsamt der Bundesstadt Bonn beauftragt, die klimatischen Auswirkungen des Planvorha-
bens „In den Schleiden“ in Bonn-Bad Godesberg Lannesdorf zu untersuchen und zu bewer-
ten.
Für die ca. 4,1 ha große Landwirtschaftsfläche wird die Zulässigkeit der Ansiedlung von
Wohnbebauung geprüft. Geplant ist die Ansiedlung von ein- bis dreigeschossigen Einfamili-
en-, Doppel- und viergliedrigen Reihenhäusern sowie einigen Mehrfamilienhäusern in locke-
rer Anordnung mit hohem Grünflächen- bzw. Gartenanteil. Das Areal hat derzeit den klimati-
schen Status eines Kaltluft produzierenden Freilandklimatops und ist Bestandteil eines
schützenswerten Biotops. Daher geht von dem Areal eine allgemeine klimatische Wohl-
fahrtswirkung aus.
Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, in welchem Umfang der vorliegende Planentwurf be-
züglich Dichte, Höhe und Ausprägung der Gebäude aus stadtklimatischer Sicht vertretbar ist.
Zu untersuchen sind die Auswirkungen auf die lokalen Austauschverhältnisse, das thermi-
sche Niveau und auf Kaltluftprozesse.
Die Untersuchung der Auswirkungen auf das lokale Mikroklima wird quantitativ mittels nume-
rischer Simulation durchgeführt, wobei die Differenzen zischen Ist- und Plan-Zustand analy-
siert und interpretiert werden. Die Auswirkungen des Vorhabens auf Kaltluftprozesse werden
über etablierte empirisch-statistische Verfahren der Karten- und Reliefanalyse vorgenom-
men.
Im Falle ungünstiger klimatischer Auswirkungen werden Planungsempfehlungen zur Verbes-
serung des lokalen Klimas aufgezeigt.
2 Untersuchungsgebiet
Das Plangebiet befindet sich im Stadtbezirk Bad Godesberg, Ortsteil Lannesdorf, zwischen
den Straßen Mehlemer Straße, Ellesdorfer Straße, An der Nesselburg, Langenbergsweg und
In den Schieiden und hat eine Größe von ca. 4,1 ha (Abb. 1). Das Gebiet liegt auf den obe-
ren linksrheinischen Flussterrassen am Fuß der westlich des Gebietes ansteigenden Hänge
des Drachenfelser Ländchens. Im Norden und Osten grenzt das Gebiet an die bestehende
Bad Godesberger Bebauung mit ihrem Vorort- bzw. Dorfcharakter. Der Anteil der Grünflä-
chen (Gärten) ist relativ hoch. Östlich des Plangebietes befinden sich beiderseits der Elles-
dorfer Straße vereinzelte, bis zu sechsgeschossige Wohnblöcke. Im Süden und Westen
grenzt das Plangebiet an ein Landschaftsschutzgebiet. Aktuell werden die Flächen im Plan-
gebiet landwirtschaftlich genutzt. Die Freiflächen dieses Bereiches sind nach VDI (2003)
Kaltluftproduktionsflächen, die im Hinblick auf mögliche Kaltluftprozesse zu einem weitläufi-
gen Kaltluftproduktionsgebiet aus Landwirtschafts- und Waldflächen gehören, die sich auf
den südwestlich ansteigen Hängen zwischen den Tälern des Wittgesbaches und des Meh-
lemer Bachs bis nach Ließem hinauf erstrecken (Abb. 2, S. 4).
Für den Plan-Zustand (Abb. 3, S. 5) ist die Ansiedlung von Wohnbebauung geplant, beste-
hend aus ein- bis dreigeschossigen Einfamilien-, Doppel- und viergliedrigen Reihenhäusern
sowie einigen Mehrfamilienhäusern in lockerer Anordnung mit hohem Grünflächen- bzw.
Gartenanteil. Das Gebiet wird über die Straße Am Noßbacher Weg erschlossen.
[Fortsetzung Text auf S. 5]Seite 54 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Untersuchungsgebiet
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
3
Pinkfarbene Linie: Grenze des Plangebietes, Bildquelle: LAND NRW (2017): Geobasis NRW, GeoBasis-DE/BKG
2017, EuroGeographics. Datenlizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0), ergänzt.
Abb. 1: Untersuchungsraum mit Plangebiet „In den Schleiden“ im Ist-Zustand.Seite 55 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Untersuchungsgebiet
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
4
Pinkfarbene Linie: Grenze des Plangebietes, Kartengrundlage: LAND NRW (2017): Geobasis NRW, GeoBasis-
DE/BKG 2017, EuroGeographics. Datenlizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0), ergänzt.
Abb. 2: Freiland- und Waldgebiete im Umfeld des Plangebietes „In den Schleiden“.Seite 56 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Methodik
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
5
Pinkfarbene Linie: Grenze des Plangebietes, Planentwurf: HB 2016, Bildquelle: LAND NRW (2017): Geobasis
NRW, GeoBasis-DE/BKG 2017, EuroGeographics. Datenlizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0),
ergänzt.
Abb. 3: Untersuchungsraum mit Plangebiet „In den Schleiden“ im Plan-Zustand.
3 Methodik
Die Untersuchung der Auswirkungen auf das lokale Mikroklima wird quantitativ mittels nume-
rischer Simulation durchgeführt, wobei die Differenzen zischen Ist- und Plan-Zustand analy-
siert und interpretiert werden. Die Auswirkungen des Vorhabens auf Kaltluftprozesse werden
über etablierte empirisch-statistische Verfahren der Karten- und Reliefanalyse vorgenom-
men.Seite 57 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Methodik
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
6
3.1 Mikroskaliges Stadtklimasimulationsmodell
In Anbetracht der hiesigen Aufgabenstellung mit Schwerpunkt auf der Bewertung des Plan-
Zustandes kommt als prognostisches Verfahren ein numerisches Simulationsmodellverfah-
ren (BAKLANOV et al. 2009) zum Einsatz. Da die Untersuchung hinsichtlich des Maßstabes
für atmosphärische Prozesse der Mikroskala zuzuordnen ist (STULL 1988) und eine Bewer-
tung des Human-Bioklimas erfolgen soll, ist die Auswahl geeigneter Modelle sehr begrenzt
(BONGART 2006), insbesondere wenn klimatische Effekte der Vegetation berücksichtigt
werden sollen. Das einzige Modell, das diese Anforderungen derzeit erfüllen kann, ist das
mikroskalige Simulationsmodell ENVI-met 4.2® (BRUSE & FLEER 1998), das allgemein
anerkannt ist und sich für derartige Fragestellungen bewährt hat (SALATA et al. 2016,
BONGART 2006). Dieses Modell wird auch für die hiesige Aufgabenstellung benutzt.
3.1.1 Grundlagen
Bei dem rechnergestützten Atmosphärenmodell ENVI-met handelt es sich um ein dreidimen-
sionales, gekoppeltes Strömungs-Energiebilanzmodell, das mittels numerischer Verfahren
den atmosphärischen Zustand über einer Erdoberfläche mit konkreter Beschaffenheit zu
einem definierten Zeitpunkt berechnen und abbilden kann. Die physikalischen Grundlagen
des Modells basieren auf den Gesetzen der Strömungsmechanik (Windfeld), der Thermody-
namik (Temperaturberechnungen), der allgemeinen Atmosphärenphysik (u. a. Strahlungs-
haushalt) sowie der Human-Thermophysiologie (metabolischer Wärmehaushalt) (BRUSE
2004). Die Interaktion zwischen Topografie und Atmosphäre wird über die vier gekoppelten
Teilmodelle Atmosphäre (3D, nicht-hydrostatisch), Boden/Grenzfläche (3D), Vegetation (1D)
sowie ein Randmodell für den externen atmosphärischen Antrieb beschrieben.
Bei dem Simulationsverfahren wird die Realität in einem numerischen dreidimensionalen
Raumgitter abgebildet, welches sowohl die Erdoberfläche inklusive Boden, Bebauung und
Vegetation als auch die Atmosphäre einschließt. Für die atmosphärischen Gitterzellen wer-
den die atmosphärischen Zustände des Impulses (Wind, Transport), der Wärme und der
Feuchte berechnet. Durch die Berücksichtigung der physikalisch-mathematischen Interaktion
benachbarter Atmosphärengitterzellen sowohl untereinander als auch mit der digitalisierten
Erdoberfläche sowie durch die Berechnung der zeitlichen Änderung der atmosphärischen
Zustandsgrößen in diskreten Zeitschritten kann der atmosphärische Zustand abgebildet
werden.
Um das Modell operabel halten zu können, ist eine bei numerischen Modellen allgemein
übliche, vereinfachende Abstraktion der Realität notwendig, in dem einerseits der reale
Raum in ein diskretes Raumgitter zerlegt wird, sodass das Modell umso ungenauer arbeitet,
je gröber die Gitterauflösung ist. So können z. B. Straßenbögen, runde Wände, Baumkronen
oder schräge Dächer nicht naturgetreu abgebildet werden, sondern müssen in rechteckige
Würfelkubaturen zerlegt werden. Ferner müssen die Oberflächeneigenschaften parametri-
siert werden, da die Vielzahl der in natura anzutreffenden Objekte (Bau-, Gesteins- und
Bodenmaterialien sowie Vegetationsarten) einschließlich ihrer morphologischen und thermo-
physikalischen Eigenschaften nicht in Ihrer Gesamtheit erfasst werden kann. Stattdessen
können nur einige wenige repräsentative Objekttypen berücksichtigt werden, die zur Para-
metrisierung der übrigen Typen herangezogen werden. Darüber hinaus ist in ENVI-met bei
Gebäuden eine Differenzierung des Baumaterials (Stein, Beton, Holz, etc.) oder Fassaden-
eigenschaften (Farbe, Verglasung, Begrünung, Dämmung, etc.) derzeit nur für die Untersu-
chung von Einzelgebäuden, jedoch nicht für ganze Quarttiere vorgesehen, sodass für sämtli-
che Gebäude einheitliche thermophysikalische Parameter definiert werden (vgl. Tab. 2,
S. 17). Dachbegrünungen jedoch können von ENVI-met verarbeitet werden.
Im Bodenmodell sind unterschiedliche Bodenarten (u. a. Sand, Schluff, Ton oder Lehm) mit
ihren jeweiligen thermophysikalischen und hydrologischen Eigenschaften differenzierbar.Seite 58 von 95

Klimagutachten „In den Schleiden“ in BN Lannesdorf
Methodik
Dr. Dütemeyer - Umweltmeteorologie
7
Das Modell kann seit Version 4 das Relief berücksichtigen, allerdings auf Kosten der Anzahl
vertikaler Modellatmosphärenschichten, welche modellbedingt auf 25 Schichten begrenzt ist.
Daher müssen bei größeren Geländehöhenunterschieden, beispielsweise in Tälern, zur
Erlangung einer hinreichend hohen Atmosphäre über den höchsten Geländepunkten sehr
große Schichtdicken gewählt werden, sodass im Gegenzug die vertikale Auflösung in Bo-
dennähe sehr ungenau und für die hiesigen Zwecke unbrauchbar wird. Daher sind nur Ge-
ländehöhenunterschiede von wenigen Metern, wie beispielsweise kleinere Dämme, Wälle
oder Regenrückhaltebecken, sinnvoll darstellbar, während für das gesamte Simulationsge-
biet weiterhin eine ebene Fläche angenommen wird.
Neben der Information zur Beschreibung der Erdoberfläche ist für die Simulation die Vorgabe
von meteorologischen und bodenklimatischen Randbedingungen erforderlich. Diese
beinhalten sowohl Angaben zu den gewünschten Witterungsbedingungen, zum Monatsda-
tum (aus dem die solaren Strahlungsbedingungen und damit der Wärmehaushalt zwischen
Erdoberfläche und Atmosphäre berechnet werden) sowie zu lokal- und regionalspezifischen
klimatischen Besonderheiten, insbesondere den Windverhältnissen. Auch Bodentemperatu-
ren und -feuchtigkeiten (Wassergehalt als relativer Anteil des pflanzenverfügbaren Wassers
zwischen Welkepunkt und Feldkapazität) werden vorgegeben. Diese modellinitialisierenden
meteorologischen Randbedingungen gelten zum Zeitpunkt des Modellstarts für das gesamte
Modellgebiet, sodass innerhalb des Gebietes anfangs keine räumliche Differenzierung dieser
Parameter (z. B. nach kühlen Waldflächen und heißen Asphaltflächen oder nach hitzetro-
ckenen Brachenböden und bewässerten Parkböden) möglich ist. Die räumliche Klimadiffe-
renzierung wird erst während der Simulation iterativ durch die Berechnung aufeinander
aufbauender Modellzeitschritte generiert.
Ausgehend von den topografischen und klimatischen Eingangsparametern können anschlie-
ßend für die atmosphärischen Gitterzellen zahlreiche klimatische Zustandsgrößen berechnet
werden, unter anderem die hier benötigte Windgeschwindigkeit und -richtung, Lufttemperatur
und die thermische Behaglichkeit.
Für Aussagen zum Bioklima sind Wärmebelastungsindizes optimale Maßzahlen, die noch
präziser als die Lufttemperatur oder gefühlte Temperatur Aussagen zum Wärme- und Hitze-
empfinden, aber auch zu Kältereizen, erlauben. Unter dem planerischen Aspekt des Schut-
zes der Bevölkerung vor Hitzestress sind die Wärmebelastungsindizes als Maßzahlen der
Lufttemperatur oder der gefühlten Temperatur auf jeden Fall vorzuziehen.
In dieser Untersuchung wird als Wärmebelastungsindex die thermische Behaglichkeit
anhand der physiologischen Äquivalenttemperatur (PET) (MAYER 2006) bewertet (Tab. 1).
Der PET-Wert berücksichtigt neben der klassischen Schwüle, welche aus der Lufttemperatur
und -feuchtigkeit berechnet wird, zusätzlich den Einfluss der Windgeschwindigkeit, der Wär-
mestrahlung umliegender horizontaler und vertikaler Flächen, der körperlichen Aktivität
sowie insbesondere der Sonnenexposition auf das Wärmeempfinden. Der PET-Wert wird
direkt aus den simulierten meteorologischen Größen Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Strah-
lungstemperatur und Windgeschwindigkeit unter zusätzlicher Berücksichtigung humanphy-
siologischer Kenngrößen sowie des Grades der körperlichen Aktivität und der Bekleidungsart
berechnet. Eine Einschränkung in der Interpretation der thermischen Behaglichkeit ist durch
den Bekleidungsindex gegeben, der zum Simulationsstart einmalig vorgegeben wird und sich
modellbedingt während der Simulation nicht ändert. Daher wird im Tagesgang heißer Tage
bei Vorgabe arm- und beinfreier Sommerbekleidung die thermische Behaglichkeit nachts
immer unterschätzt bzw. bei Vorgabe deckender Bekleidung am Tage immer überschätzt.
Sämtliche Aussagen von ENVI-met beziehen sich ausschließlich auf den Außenbereich im
Freien. Aussagen über das Klima in Gebäuden können nicht getroffen werden.Seite 59 von 95

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Tab. 1 Skala der PMV- und PET-Werte für thermisches Empfinden und zugehörige Be-
haglichkeitsstufen nach VDI-Richtlinie 3787, Blatt 2 (VDI 2008) und MAYER (2006).
PMV / 1 PET / °C Thermisches Empfinden Belastungsstufe Physiologische Wirkung
sehr kalt extreme Belastung
kalt starke Belastung
kühl mäßige Belastung
leicht kühl schwache Belastung
Kältestress
Kühlereiz
behaglich keine Belastung
leicht warm schwache Belastung
warm mäßige Belastung
heiß starke Belastung
-3,5
-2,5
-1,5
-0,5
0,5
1,5
2,5
3,5
4
8
13
18
23
29
35
41 sehr heiß extreme Belastung
Wärmereiz
Hitzestress
Hinweis: Obwohl Simulationsmodelle derzeit die einzige Möglichkeit darstellen, Plan-
Zustände einer klimatischen Situation in hoher räumlicher Auflösung zu untersuchen, kön-
nen sie atmosphärische Prozesse aufgrund der erforderlichen Vereinfachungen nur nähe-
rungsweise beschreiben (HUPFER & KUTTLER 2006) und sind damit eher für relative
Aussagen und weniger zur Ermittlung absoluter, korrekter Werte geeignet (BAKLANOV et
al. 2009). Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Simulationsergebnisse in der Regel plausibel
sind. Sollten Zweifel an Simulationsergebnissen bestehen, sind nach Eintreten des Plan-
Zustandes verifizierende In-Situ-Messungen zu empfehlen.
3.1.2 Eingangsdaten
Als Eingangsdaten werden digitale Geländemodelle der Ist- und Plan-Zustände sowie Para-
meter für die meteorologischen Randbedingungen benötigt.
3.1.2.1 Digitale Geländemodelle
Die Größe der für das digitale Geländemodell festzulegenden Untersuchungsfläche richtet
sich nach dem atmosphärischen Prozessmaßstab, der im hiesigen Fall der Mikroskala
(STULL 1988) entspricht. Hierbei wirken sich in Städten die atmosphärischen Prozesse nur
im Nahbereich der gegebenen Flächennutzungsstrukturen aus. Beispielsweise beträgt bei
der Umströmung von Gebäuden die Länge der leeseitigen Störzone ca. dem 10- bis
17-fachen der durchschnittlichen Gebäudehöhe, bis das ursprüngliche Strömungsfeld zu
90 % bzw. 95 % wieder hergestellt ist. (EICHHORN 1989, VDI 2010). Der Prozessraum in
dieser Untersuchung wird daher durch die Gebäudeensembles und die Freiflächen des
Plangebietes und die potenziellen umliegenden Wirkräume vorgegeben. Beim hier zu unter-
suchenden Bauvorhaben ist gemäß EICHHORN (1989) und VDI (2010) davon auszugehen,
dass die neuen Gebäude mit einer maximalen Höhe von 4 Etagen (entsprechend einer Höhe
von bis zu ca. 13 m) leeseits bis in eine Entfernung von ca. 230 m wirken. Da zusätzlich
auch das klimatische Wirkungsgefüge im übrigen Umfeld des Plangebietes berücksichtigt
werden muss, wird im vorliegenden Fall die Größe des Simulationsgebietes auf 720 m xSeite 60 von 95

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720 m (51,8 ha) festgelegt. Die Gebietsabdeckung ist mit derjenigen in Abb. 1 (S. 3) und
Abb. 2 (S. 4) identisch.
Das Simulationsgebiet muss entsprechend Kap. 3.1.1 in ein digitales Raumgitter überführt
werden. Die Gitterauflösung des Modells ist auf maximal 250 x 250 Zellen einschließlich
mehrerer, nicht darstellbarer Initialisierungsrandgitterzellen beschränkt. Im hiesigen Fall
können 240 x 240 Gitterzellen entsprechend einer Gitterauflösung von 3 m genutzt werden.
Für die vollständige Erzeugung des digitalen Geländemodells müssen nachfolgend die Bo-
den-, Gebäude- und Vegetationsmerkmale des Ist- und Plan-Zustandes des Untersuchungs-
gebietes erfasst werden.
Die Digitalisierung der Geländemodelle beruht neben dem Planentwurf (HB 2016) auf einem
digitalen Gebäudehöhenmodell (BUNDESSTADT BONN 2017), der Auswertung von Luftbil-
dern und topografischen Karten (BEZIRKSREGIERUNG KÖLN 2017) sowie Microsoft Bing
Maps und Google Earth) und einer Bodenkartierung (GEOLOGISCHER DIENST NRW
2009).
Die Gebietsdetails wurden dabei im Rahmen der Modellmöglichkeiten so genau wie möglich
umgesetzt (3-Meter-Genauigkeit).
Ist-Zustand
Die Böden und Oberflächenarten werden für die Berechnung der atmosphärischen Energie-
und Wärmebilanz (Erwärmung und Verdunstung) auf nicht bebauten Flächen benötigt. Die
Bodenkarte NRW (Abb. 4) zeigt für den Untersuchungsraum eine hohe Differenzierung an
schluffigen bis sandig-lehmigen Böden, die das Modell in dieser feinen Abstufung jedoch
nicht abbilden kann. Stattdessen werden lediglich lehmiger Schluff und sandiger Lehm sowie
Asphaltdecken für die Verkehrswege unterschieden (Abb. 5, S. 10).
Das Luftbild in Abb. 1 (S. 3) dient zur Erstellung des digitalen Gebäude- und Vegetationsmo-
dells für den Ist-Zustand.
Die Gebäudehöhen wurden aus dem Gebäudekataster (Abb. 6, S. 11) entnommen und
modellbedingt mit einer Genauigkeit von 1 Meter verarbeitet.
Das Vegetationsmodell nimmt für alle Pflanzen einen einheitlichen Metabolismus an. Die
Differenzierung erfolgt daher ausschließlich über die Pflanzengestalt anhand von Pflanzen-
höhe, Pflanzendurchmesser und Pflanzen- bzw. Blattdichte (LAD). Bei der Pflanzenhöhe ist
eine Unterscheidung zwischen blattfreien Stammraum (Baum) und beblättertem Rumpf
(Hecke) möglich. Eine Differenzierung in weitere physiologische oder morphologische Struk-
turen, wie z. B. Wiesen oder Blumenbeete, ist nicht vorgesehen.
Unter diesen Bedingungen erfolgt eine Differenzierung der Vegetation in vier Typen:
Für flächenhafte, Boden deckende Vegetation im Bereich der Gebäude und offenen Grünflä-
chen wird eine Grasnarbe von 5 cm Höhe angesetzt, für Landwirtschaftsflächen eine Gras-
narbe von 20 cm Höhe.
Die Höhe der Bäume wurde aus Schrägluftbildern und Straßenpanoramen von Google Street
View durch Vergleich der Kronenhöhen mit benachbarten Gebäuden, deren Höhe bekannt
ist, abgeschätzt. Im Einzelnen werden die Baumhöhen in 5 Meter-Klassen sowie Büsche,
Sträucher und Hecken mit 1 Meter-Genauigkeit verarbeitet.
Das fertige digitale Gebäude- und Vegetationsmodell des Ist-Zustandes ist in Abb. 7 (S. 11)
und Abb. 8 (S. 12) dargestellt.
[Fortsetzung Text auf S. 13]Seite 61 von 95

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Gelbe Linie: Grenze des Plangebietes, blau: Asphalt , Bodendaten und Hintergrundkarte: LAND NRW (2017):
Geobasis NRW, GeoBasis-DE/BKG 2017, EuroGeographics. Datenlizenz dl-de/by-2-0 (www.govdata.de/dl-de/by-
2-0) ,ergänzt.
Abb. 4: Bodenkarte NRW für das Untersuchungsgebiet „In den Schleiden“.
Lehmiger Schluff Sandiger Lehm Asphalt
Abb. 5: Digitales Boden- und Oberflächenmodell in ENVI-met zum Ist-Zustand des Unter-
suchungsgebietes „In den Schleiden“.Seite 62 von 95

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Pinkfarbene Linie: Grenze des Plangebietes, Gebäudedaten (BUNDESSTADT BONN 2017), Kartengrundlage:
LAND NRW (2017): Geobasis NRW, GeoBasis-DE/BKG 2017, EuroGeographics. Datenlizenz dl-de/by-2-0
(www.govdata.de/dl-de/by-2-0), ergänzt.
Abb. 6: Gebäudehöhenkataster für das Untersuchungsgebiet „In den Schleiden“.
Gebäude Bäume ≥ 15 m Bäume < 15 m Wiesen & Sträucher
Abb. 7: Digitales Gebäude- und Vegetationsmodell in ENVI-met zum Ist-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“.Seite 63 von 95

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Abb. 8: 3D-Ansicht mit Blickrichtung Nord des digitalen Gebäude- und Vegetationsmodells in ENVI-met zum Ist-Zustand des Untersu-
chungsgebietes „In den Schleiden“.Seite 64 von 95

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Plan-Zustand
Für den Plan-Zustand ist die Ansiedlung von ein- bis dreigeschossigen Einfamilien-, Doppel-
und viergliedrigen Reihenhäusern sowie einigen Mehrfamilienhäusern in lockerer Anordnung
mit hohem Grünflächen- bzw. Gartenanteil vorgesehen (Abb. 9). Die etwas größeren und
höheren, dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser befinden sich im nördlichen Teil und erset-
zen ein Gehölz mit vergleichbarer Höhe (vgl. Abb. 1, S. 3). Die übrigen Gebäude und ihre
Grundstücke liegen auf den heutigen Landwirtschaftsflächen. Das Gebiet wird über die
Straße Am Noßbacher Weg mit einer nicht durchgehenden, schleifenförmigen Straße er-
schlossen, die mit Bäumen gesäumt ist. Auch die südwestlichen und südöstlichen Grenzen
des Plangebietes werden durch Baumreihen eingefasst. Entlang der Erschließungsstraße
sind die Häuser hangparallel dicht aneinander gereiht, verfügen jedoch über relativ große
Gärten. Durch einen schmalen und Baum bestandenen öffentlichen Grünflächenstreifen wird
das Wohngebiet in einen nordwestlichen und einen südöstlichen Bereich aufgeteilt.
Planentwurf: HB 2016
Abb. 9: Plangebietsentwurf „In den Schleiden“.
Zur Digitalisierung des Plan-Zustandes wurden die ENVI-met-Modellgebietsdaten des Ist-
Zustandes lediglich dahingehend modifiziert, dass der Ist-Zustand im Bereich der Planfläche
entfernt und durch den Planentwurfsausschnitt ersetzt wurde. Die von der Planung nicht
betroffenen Randareale des Simulationsgebietes wurden somit beibehalten.
Die Änderungen des Boden- und Oberflächenmodells sind in Abb. 10 und die Änderungen
des Gebäude- und Vegetationsmodells in Abb. 11 und Abb. 12 (S. 15) dargestellt.Seite 65 von 95

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Lehmiger Schluff Sandiger Lehm Asphalt
Abb. 10: Digitales Boden- und Oberflächenmodell in ENVI-met zum Plan-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“.
Gebäude Bäume ≥ 15 m Bäume < 15 m Wiesen & Sträucher
Abb. 11: Digitales Gebäude- und Vegetationsmodell in ENVI-met zum Plan-Zustand des
Untersuchungsgebietes „In den Schleiden“.Seite 66 von 95

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Abb. 12: 3D-Ansicht mit Blickrichtung Nord des digitalen Gebäude- und Vegetationsmodells in ENVI-met zum Plan-Zustand des Untersu-
chungsgebietes „In den Schleiden“.Seite 67 von 95

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3.1.2.2 Meteorologische Randbedingungen
Da die mikroklimatische Situation einschließlich des thermischen Komforts während warm-
heißer Witterung untersucht werden soll, wird als meteorologische Ausgangssituation eine
sommerliche Strahlungswetterlage gewählt, die die Bedingungen eines windschwachen
Sommertages mit Lufttemperaturmaxima > 25 °C erfüllt. Die meteorologischen Daten stam-
men mit Ausnahme der ortsspezifischen strahlungsnächtlichen Windrichtung aus der Litera-
tur, da die Definition eines sommerlichen Strahlungstages ortsunabhängig ist. Ideal sind
Messdaten von urban geprägten Standorten, die neben den atmosphärischen Messgrößen
auch diejenigen des Bodenklimas (Temperatur und Feuchte) beinhalten. Im vorliegenden
Fall werden Messdaten zur Meteorologie und zum Bodenklima aus Messreihen in Essen
(KUTTLER et al. 2014) und Oberhausen (KUTTLER et al. 2012a+b) herangezogen. Die
Windrichtung wurde aus der Klimaanalyse Bonn aus den späten Achtzigerjahren (DWD o. J.)
für die seinerzeitige Messstation Mehlem entnommen.
Unter diesen Witterungsbedingungen sind die Windverhältnisse mit Geschwindigkeiten von
ca. 1,5 m/s (Schwachwind) aus südöstlichen Richtungen (150°) relativ schwach. Fehlende
Bewölkung führt am Tage zu hoher Sonneneinstrahlung und damit zur Aufheizung der urba-
nen Oberflächen. Die Böden sind ausreichend mit Wasser versorgt, sodass Verdunstung
möglich ist. Es werden Tageshöchsttemperaturen von mindestens 25°C (Sommertag) bis
fast 30°C (heißer Tag) erreicht. Nächtliche Abkühlung findet kaum oder nur langsam statt.
Mangelnde Durchlüftung führt zu Hitzestau im Quartier. Hitzestress ist somit in dieser Situa-
tion gegeben.
Für dieses Szenario werden die meteorologischen Bedingungen zum Zeitpunkt der Som-
mersonnenwende angenommen. Das Datum, mittels dessen der astronomisch bedingte
Strahlungshaushalt (welcher den Energie-/Wärmehaushalt im System Erdoberfläche-
Atmosphäre maßgeblich bestimmt) errechnet wird, wird für den Startzeitpunkt auf den 21.
Juni festgesetzt, da hier der solare Strahlungsantrieb am größten ist.
Die zur Berechnung des Strahlungs- und Wärmehaushaltes ergänzend erforderliche Angabe
der geografischen Position, von welcher der Einstrahlungswinkel der solaren Einstrahlung
abhängt, wird für Bonn mit 50,71° N / 7,13° E festgesetzt.
Anhand der meteorologischen Randbedingungen berechnet das Modell einen kompletten
Tageszyklus aller meteorologischen Parameter in Form von 24 numerisch aufeinander
aufbauenden Stundendatensätzen. Da das Modell jedoch auf Grundlage einer uniformen
Initialatmosphäre die atmosphärische Situation in diskreten Zeitschritten iterativ generieren
muss, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, wird der Zeitpunkt der Ausgangssituation
(Initialisierungszeitpunkt des Modellstarts) auf 5 Uhr des Vortages vorverlegt, um ausgehend
vom ersten Sonnenaufgang nach einer modellseitigen Einschwing- und Stabilisierungsphase
von 11 Modellstunden einen kompletten Tag-Nacht-Zyklus berechnen zu können.
Für den Simulationsstartzeitpunkt um 5 Uhr morgens beträgt die Bodentemperatur 23,5°C
bei einem Bodenfeuchtegehalt von 80 %. Die Lufttemperatur in 2 m ü. Gr. liegt bei 18,4°C
bei einem Luftfeuchtegehalt von 83,4 %. Der übergeordnete Wind in 10 m ü. Gr. weht mit
einer Geschwindigkeit von 1,5 m/s aus Südost (150°). Bezüglich der humanphysiologischen
Vorgaben zur Bewertung der thermischen Behaglichkeit wird in dem Szenario eine Durch-
schnittsperson angenommen, die sich mit normalem Tempo (1,2 m/s) bewegt und Sommer-
oberbekleidung (Wärmedurchgangswiderstand der Bekleidung clo = 0,9) trägt. Eine Ge-
samtübersicht aller Initialisierungsparameter ist in Tab. 2 dargestellt.
Da die atmosphärischen und human-biometeorologischen Zustandsgrößen im Tagesgang
einer hohen Variabilität unterliegen, wird bei der Auswertung zwischen Tag- und Nachtsitua-
tion unterschieden. Der Zeitpunkt für die Tagsituation wird auf 15 Uhr MEZ festgesetzt, da
hier die wärmste Stunde des Tages vorherrscht und damit an Sommertagen die Wärmebe-
lastung am größten ist. Um 5 Uhr morgens herrscht hingegen die kälteste Stunde des
Tages vor.Seite 68 von 95

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Tab. 2 Initialisierungsparameter für das Simulationsmodell ENVI-met zur stadtklimati-
schen Untersuchung „In den Schleiden“.
Parameter Wert Anmerkungen
Position
Geografische Lage Bonn 50,71° N
7,13° E beeinflusst Strahlungs- und Energiebilanz
Modelldimensionierung (3D)
Gebietsgröße (x, y, z) / m 720, 720, 57
Gitteranzahl (x, y, z) / n 240, 240, 19
Gittergröße (x, y, z) / m 3, 3, 3
Übergangsgitterzellen (Nesting Grids) (x, y, z) / n 10, 10, 10
Modelltagstunden bzw. Witterungsandauer / h 36 24h-Tagesgang mit vorgeschalteter Einschwingphase (11 h)
Zeitliche Auflösung des Modelllaufes / h 1,0
Meteorologische Randbedingungen Vorgabe Wetterlage/Witterung
Start Simulation am Datum (DD.MM.) 21.06. Astron. Sonnenstand, beeinflusst Strahlungs- und Energiebilanz
Start Simulation zur Ortszeit (HH:MM) / MEZ 05:00 Startzeitpunkt Einschwingphase (11h)
Windgeschwindigkeit in 10 m ü. Gr. / m/s 1,5 DWD Schwachwinddefinition
Übergeordnete Windrichtung / Grad 150 Quelle: Voruntersuchung DWD (o. J.)
Initiallufttemperatur (2 m ü. Gr.) / K (°C) 291,55 (18,4) Quelle: KUTTLER et al. 2012a, 2014
Relative Initialluftfeuchte (2 m ü. Gr.) / % 83,4 Quelle: KUTTLER et al. 2012a, 2014
Bewölkung beeinflusst Energiebilanz
Untere Atmosphäre (x/8) 0
Mittlere Atmosphäre (x/8) 0 Klarer Himmel, keine Wolken
Obere Atmosphäre (x/8) 0
Bodenparameter beeinflussen Energiebilanz
Bodenart Lehmiger Bod. Quelle: GEOLOGISCHER DIENST NRW 2009
Initialtemperatur obere Schicht (0-20 cm) / K (°C) 296,65 (23,5) Quelle: KUTTLER et al. 2012b, 2014
Initialtemperatur mittlere Schicht (20-50 cm) / K (°C) 297,05 (23,9) Quelle: KUTTLER et al. 2012b, 2014
Initialtemperatur untere Schicht (< 50 cm) / K (°C) 296,45 (23,3) Quelle: KUTTLER et al. 2012b, 2014
Bodenwassergehalt* obere Schicht (0-20 cm) / % 80 Quelle: KUTTLER et al. 2012b
Bodenwassergehalt* mittl. Schicht (20-50 cm) / % 85 Quelle: KUTTLER et al. 2012b
Bodenwassergehalt* untere Schicht (< 50 cm) / % 75 Quelle: KUTTLER et al. 2012b
Gebäudeparameter beeinflussen Energiebilanz
Wärmeleitfähigkeit / W/(m K) 0,86 Standardvorgabe
Spezifische Wärmekapazität / J/(kg K) 840 Standardvorgabe
Albedo / 1 0,3 Standardvorgabe
Thermisches Bioklima (PMV) beeinflussen metabol. Energiebilanz
Fortbewegungsgeschwindigkeit / m/s 1,2 Bewegungsmodus: normal, Gehen
Wärmeaustausch / W/m² 86,2 Metabol. Wärmeaustausch: normal
Wärmedurchgangswiderstand der Bekleidung,
clo / 1 0,9 Bekleidungsindex: 0,5: sommerlich, 1,0: deckende Straßenbe-
kleidung
* Wassergehalt als relativer Anteil des pflanzenverfügbaren Wassers zwischen Welkepunkt und FeldkapazitätSeite 69 von 95

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3.2 Untersuchung von Kaltluftprozessen
Auswirkungen des Vorhabens auf das Kaltluftbildungspotenzial werden über die etablierten
empirisch-statistischen Verfahren der Karten- und Reliefanalyse gemäß der VDI-
„Kaltluftrichtlinie“ (VDI 3787 Blatt 5) zur Ersteinschätzung von Merkmalen von Kaltluftprozes-
sen vorgenommen. Die Verfahren erlauben die plausible Abschätzung der Kaltluftproduktion
sowie der Kaltluftschichtdicken und -fließgeschwindigkeiten von Kaltluftflüssen.
3.2.1 Berechnung der Kaltluftproduktion nach WIESNER
Ein bewährter Berechnungsansatz für die Kaltluftproduktionsrate ist der auf der
ÅNGSTRØM-Gleichung basierende Ansatz von WIESNER (1986), der über eine vereinfach-
te Energiebilanzgleichung die Auskühlung verschiedener Oberflächen zum Zeitpunkt der
maximalen Inversionshöhe in Abhängigkeit der Jahreszeiten berechnet.
V a b T T tA
c T
KL
ST
ce
KL B F
L p R
  
  
( )( )10

 m3
mit VKL : Kaltluftvolumen m3
ST : Strahlungsübergangskoeffizient W/(m2 K)
 : thermischer Emissionskoeffizient 1
a, b, c : empirische ÅNGSTRØM-Konstanten der
langwelligen Ausstrahlung 1
e : aktueller Dampfdruck hPa
TKL : absolute Kaltlufttemperatur K
TB : absolute Lufttemperatur in Bodennähe K
t : Andauer der Ausstrahlung s
AF : Ausstrahlungsfläche m2
KL : Kaltluftdichte kg/m3
cp : spezifische Wärmekapazität trockener Luft bei
konstantem Druck J/(kg K)
TR : Betrag der Strahlungsabkühlung der Luft K
In Anbetracht der Variablenvielfalt der meteorologischen und pedologischen Einflussfaktoren
können für konkrete Flächen in natura Kaltluftvolumenangaben nur mittels Parametrisierun-
gen getroffen werden, da aufgrund der normalerweise heterogenen Oberflächenstruktur die
Variablenwerte flächenmäßig nicht exakt bestimmt werden können oder für diverse Oberflä-
chentypen unbekannt sind. Wiesner (a. a. O.) hat für die Freilandnutzungen Wiese, Brache,
Acker, Laubwald, Nadelwald und Gewässer typische Werte für die Kaltluftproduktion in Ab-
hängigkeit der Jahreszeiten berechnet (siehe Tabelle auf der nächsten Seite).
Setzt man das Kaltluftvolumen in Beziehung zur Flächengröße und Andauer des Abküh-
lungsprozesses, erhält man die Kaltluftproduktionsrate in der Einheit m3/(m2 h).
Zur Anwendung des Ansatzes werden die Flächengrößen der Kaltluftproduktionsgebiete
bestimmt, für welche die Kaltluftproduktion anschließend berechnet wird.Seite 70 von 95

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Verwendete Konstanten in der ÅNGSTRØM-Gleichung:
Spez. Wärme CP in J(m3 K) 1004,67
a 0,820
Ångstrømkonstanten in 1 b 0,250
c 0,126
Jahreszeit Frühjahr Sommer Herbst Winter
Wiese 0,975 0,975 0,975 0,975
Brache 0,950 0,950 0,950 0,950
Thermischer Emissionskoeffizient
 in 1 Acker 0,940 0,960 0,960 0,940
Laubwald 0,940 0,900 0,900 0,940
Nadelwald 0,900 0,900 0,900 0,900
Wasser 0,930 0,930 0,930 0,930
Strahlungsübergangskoeffizient
ST in W(m2 K) 5,090 5,930 5,370 4,560
TKL-TB in K 3,00 1,70 2,40 3,90
Strahlungsabkühlung
TR in K 2,00 1,50 2,10 1,80
Dampfdruck e in hPa 8,00 12,60 8,00 6,30
Nachtlänge
t in h 14,00 9,00 14,00 17,00
3.2.2 Berechnung der Kaltlufthöhe und -fließgeschwindigkeit nach DEFANT und
BRIGSS
Eine Abschätzung der vertikalen Mächtigkeit von Kaltluftströmen sowie deren Fließge-
schwindigkeit ist anhand der empirischen Verfahren von DEFANT und BRIGGS möglich.
Di

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Datenstand: 02.11.2026, 17:28 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de