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190476 · Beschlussvorlage

Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt Bonn

Nummer
190476
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
22.01.2020
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Sportausschusses 10.12.2019 Empfehlung
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Anhörung
  3. Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg 03.12.2019 Anhörung
  4. Sitzung des Sportausschusses 19.11.2019 Empfehlung
  5. Sitzung des Rates 12.12.2019 Entscheidung federführend
  6. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 11.12.2019 Anhörung
  7. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 03.12.2019 Anhörung
  8. Sitzung des Ausschusses Finanzen- und Beteiligungen 10.12.2019 Anhörung
  9. Sitzung des Schulausschusses 04.02.2020 Anhörung
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Untergeordnet

  1. 190476-03 Aktueller Umsetzungsstand der Maßnahmen und Empfehlungen aus dem Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt Bonn
  2. 190476-2 AA Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt Bonn Antrag zur Vorlage 190476
  3. 190476-1 AA Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt Bonn Antrag zur Vorlage 190476

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Beschlussvorlage
öffentlich
190476
Der Oberbürgermeister
Federführung:
52 Sport- und Bäderamt
Dezernat:
Dez. IV
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt
Bonn
Beratungsfolge
Sportausschuss 19.11.2019 Empfehlung
Bezirksvertretung Bonn 03.12.2019 Anhörung
Bezirksvertretung Hardtberg 03.12.2019 Anhörung
Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen 10.12.2019 Anhörung
Sportausschuss 10.12.2019 Empfehlung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Anhörung
Bezirksvertretung Beuel 11.12.2019 Anhörung
Rat 12.12.2019 Entscheidung
Schulausschuss 04.02.2020 Anhörung
Begründung der Dringlichkeit:
Beschlussvorschlag
Der Rat der Bundesstadt Bonn nimmt das von dem Team um Prof. Dr. Robin
Kähler erarbeitete Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt Bonn zur
Kenntnis und beschließt Folgendes:
1. Die mit dem Gutachten vorgelegten Erkenntnisse und Empfehlungen werden
sofern finanziell und personell realisierbar bei zukünftigen politischen
Beratungen und Beschlüssen berücksichtigt. Die im Gutachten formulierten
Leitziele für den Sport in Bonn werden bekräftigt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die im Gutachten enthaltenen Maßnahmen
und Empfehlungen zu prüfen und einen Vorschlag für eine Umsetzung zu
machen.
3. Der Rat beauftragt die Verwaltung, auf Basis des Gutachtens ein
Sonderprogramm zur Modernisierung der städtischen Sporthallen zu
entwickeln und hierfür ab dem Jahr 2021 jährliche Investitionsmittel im
Wirtschaftsplan des SGB vorzusehen. Das konkrete
Modernisierungsprogramm soll in der zweiten Jahreshälfte 2020 zur
Beschlussfassung vorgelegt werden.Seite 1 von 214

Seite 2
Begründung
Die Verwaltung hatte den politischen Auftrag erhalten, ein Gutachten zur
Sportentwicklung in Bonn erarbeiten zu lassen (Drucksachen-Nr. 1512610NV4
und 1613163).
Mit dem Gutachten soll eine langfristige Grundlage für die zukünftige
Entwicklung einer abgestimmten, kommunalen Planung für den Bonner Sport
geschaffen werden.
Das Gutachterteam um Prof. Dr. Robin Kähler hat das Gutachten in der Zeit
von April 2017 bis Sommer 2019 erstellt. Die Ergebnisse der Untersuchung
liegen in Form des Gutachtens (siehe Anlage) nun vor.
Die wesentlichen Aussagen und Empfehlungen hat das Gutachterteam in einer
Executive Summary zusammengefasst und dem Gutachten vorangestellt.
Die Empfehlungen aus dem Gutachten sollen als Grundlage für alle weiteren
Handlungsschritte und Maßnahmen in den Bereichen Sportentwicklung und
Sportstättenmanagement dienen; dabei kann davon ausgegangen werden,
dass dieser Orientierungsrahmen seine Gültigkeit für einen Zeitraum von bis zu
20 Jahren behalten kann.
Mit dem Gutachten zur Sportentwicklung liegt ein Kompass für die
zukunftsfähige Entwicklung der Sportstadt Bonn vor.
Das Gutachten ist die Chance, an einer Stärkung und Neupositionierung des
Sports in und für Bonn zu arbeiten, die den Anforderungen und
Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gerecht wird und das Profil
Bonns als Sportstadt schärft.
Sport soll als Puls der Stadt wahrgenommen werden und bestmögliche
Rahmenbedingungen bekommen.
Struktur des Prozesses und zeitlicher Ablauf
An dem Prozess waren zwei Begleitgremien beteiligt:
- Lenkungsgruppe (Verwaltung: Dezernat Sport und Kultur,
Dezernat Oberbürgermeister (Bürgerbeteiligung), Sport- und
Bäderamt, Referat Stadtförderung, Schulamt, Amt für Soziales
und Wohnen, Amt für Kinder, Jugend und Familie,
Stadtplanungsamt, Amt für Stadtgrün, Städtisches
Gebäudemanagement, Stadtsportbund und Gutachterteam)Seite 2 von 214

Seite 3
- Kerngruppe (Dezernat Sport und Kultur, Sport- und Bäderamt,
Gutachterteam, Stadtsportbund)
2017 hatten Befragungen der Bonnerinnen und Bonner, der Schulen, der
Sportvereine und weiterer Nutzerinnen und Nutzer stattgefunden, um das
Sportverhalten und den Bedarf zu ermitteln und Erkenntnisse über den Zustand
der kommunalen Sportstätten zu erhalten. Die Ergebnisse aus diesen
Befragungen sind in den Abschnitten 3.1 (Bevölkerung), 3.2 (Schulen) und 3.3
(Sportvereine) des Gutachtens dargestellt. Der Zustand der Sportstätten ist im
Abschnitt 3.4 beschrieben.
Außerdem wurden Begehungen der Bonner Sportstätten und von Freiräumen
durchgeführt.
Verschiedene Workshops haben es ermöglicht, einzelne Themen mit
beteiligten Akteuren und interessierten Bürgerinnen und Bürgern genauer zu
betrachten.
Folgende Workshops wurden durchgeführt:
13.04.2018 Workshop im Rahmen des IEK Buschdorf
19.04.2018 Stadtteilworkshop Beuel
17.05.2018 Stadtteilworkshop Bad Godesberg
18.06.2018 Stadtteilworkshop Hardtberg
20.03.2018 Erster Workshop Sportpark Nord
09.05.2018 Zweiter Workshop Sportpark Nord
Die Ergebnisse aus diesen Workshops sind im Gutachten unter den
Abschnitten 5a und 5b dargestellt.
Auf der Basis der Erkenntnisse aus den Befragungen und der Workshops
sowie der Besichtigungen von Sportstätten und Freiräumen wurden von dem
Gutachterteam Leitziele und daraus folgende Handlungsempfehlungen für den
Sport in Bonn entwickelt. Diese sind in Abschnitt 6 des Gutachtens dargestellt.
- Leitziel 1: Sport- und Stadtentwicklung
- Leitziel 2: Sport für alle Menschen
- Leitziel 3: Erziehung und Bildung durch den Sport
- Leitziel 4: Sport als Mittel für den sozialen Zusammenhalt
- Leitziel 5: Sport und Räume
- Leitziel 6: Bürgerschaftliches Engagement und Sport
- Leitziel 7: Sport- und Profilbildung
- Leitziel 8: Sport und nachhaltige Stadtentwicklung
Diese acht Leitziele stellen die Grundlage für die weitere Sportentwicklung in
Bonn dar und werden von Politik und Verwaltung bekräftigt.
Weitere Vorgehensweise:
Die Verwaltung wird die im Gutachten beschriebenen Handlungsempfehlungen
und Maßnahmen prüfen, konkretisieren, weiterentwickeln und gegebenenfalls
die jeweilige Umsetzung von Einzelmaßnahmen den politischen Gremien zur
Beschlussfassung vorschlagen. Insbesondere wird die Verwaltung auf der
Grundlage der Leitziele, der Handlungsempfehlungen und der MaßnahmenSeite 3 von 214

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eine Sportentwicklungsplanung für die Bundesstadt Bonn erstellen und
regelmäßig fortschreiben.
Die Verankerung des Sports als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung und die
Verzahnung der Sportentwicklung mit einer gesamtstädtischen
Zukunftsplanung erfordert es, die Verwaltung und insbesondere das Sport- und
Bäderamt und das SGB mit den erforderlichen personellen Ressourcen
auszustatten. Die Verwaltung wird im kommenden Jahr ein Personal- und
Organisationskonzept zur Umsetzung dieser Aufgabe vorlegen.
Das Gutachten stellt die hohen Sanierungserfordernisse insbesondere an den
Bonner Sporthallen in den Mittelpunkt der umzusetzenden Maßnahmen. Rund
die Hälfte der Bonner Sporthallen befindet sich in einem sanierungsbedürftigen
Zustand..
Die Verwaltung wird die von den Gutachtern vorgeschlagenen Maßnahmen
baufachlich prüfen und bewerten, und mit einer ersten Priorisierung versehen
und den politischen Gremien im kommenden Jahr einen Umsetzungsvorschlag
für das Jahr 2020 zur Beschlussfassung vorlegen. Dabei wird die Verwaltung
alle Fördermöglichkeiten, die zur Zeit bestehen oder sich künftig bieten werden,
ausnutzen, um den städtischen Eigenanteil an den Neubau- und
Sanierungsmaßnahmen zu reduzieren.
Anlage/n
1 Gutachten_Sportentwicklung_Bonn (öffentlich)Seite 4 von 214

Prof. Dr. Robin Kähler | Dr. Finja Rohkohl | Dr. Markus Fischer
Gutachten zur
Sportentwicklung in der
Bundesstadt BonnSeite 5 von 214

Seite 6 von 214

Vorwort Bonn/
Executive Summary
GutachterteamSeite 7 von 214

Bonn bewegt
„Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.
Er hat die Kraft zu inspirieren.
Er hat die Kraft, die Menschen in einer Art zu vereinen,
wie es wenig anderes vermag.“
Nelson Mandela
Dr. Birgit Schneider-Bönninger
Sport- und Kulturdezernentin
Ashok Sridharan
OberbürgermeisterSeite 8 von 214

Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnVorwort
Ein Kompass für die Sportentwicklung
Mit dem Gutachten zur Sportentwicklung liegt ein Kompass für die zukunftsfähige
Entwicklung der Sportstadt Bonn vor.
Unser Dank gilt Prof. Robin Kähler und seinem Team sowie den vielen Bonner Akteuren,
die sich seit dem Start 2017 an dem Prozess aktiv beteiligt und gemeinsame Zielhorizonte
ent wickelt haben.
Die strategischen Leitziele und Handlungsempfehlungen basieren auf den Ergebnissen
der Nutzerbefragungen, der Begehungen von Sportstätten und der Stadtteilworkshops.
Das Gutachten stellt die Weichen für das nächste Jahrzehnt und legt das Fundament
für eine dynamische Sportlandschaft, die möglichst alle Bonnerinnen und Bonner in
Bewegung bringt.
Zukunftsaufgabe Sportstättensanierung
Mit Blick auf die erhobenen Sanierungstatbestände der Sportstätten verfolgt das
Gutachten zur Sportentwicklung das Ziel, vom Reparaturbetrieb zum Vorzeigebetrieb zu
kommen und legt dafür ein gestuftes Modernisierungsprogramm zugrunde. Aufgabe
ist es, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den organisierten Sport, aber auch
für den Sport im öffentlichen Raum zu schaffen.
Für diese gewaltige Modernisierungsoffensive tut ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt
not. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer optimierten Sportinfrastruktur
zu schärfen und die Verbesserung der Sportinfrastruktur zielgerichtet anzugehen.
Sportstätten und Bäder sind die Visitenkarte einer Stadt und die Messlatte für Lebens-
qualität.
Wir sollten uns mit Blick auf die zunehmende gesellschaftspolitische Bedeutung des
Sports, mit Fokus auf Gesundheit und Demographie sowie im Einsatz für einen bedarfs-
gerechten Sport- und Schwimmschulunterricht dieser Jahrhundertaufgabe engagiert
annehmen.
Mit den gesetzten Leitplanken können das Gutachten und die sich hieraus ergebenden
weiteren Prozesse der Sportentwicklung eine neue Schubkraft entfalten und eine neue
Gründerzeit im Sport beflügeln.
Sportstadt für alle
Das Gutachten zur Sportentwicklung folgt dem Leitmotiv einer
„Sportstadt für alle Menschen“.
In Bonn sind 75.000 Bonnerinnen und Bonner in rund 370 Sportvereinen und Betriebs-
sportgemeinschaften organisiert. Insgesamt stehen den Vereinen 100 Turn- und
Sporthallen sowie mehr als 50 Außenanlagen im Stadtgebiet zur Verfügung. Das Angebot
ist breit und umfasst um die 60 Sportarten. Neben dem Breitensport wird auch derSeite 9 von 214

Spitzensport in Bonn groß geschrieben. In vielen Sportarten konnten Bonner
Sportlerinnen und Sportler bei internationalen und nationalen Wettkämpfen Medaillen
erringen.
Vereine in Bonn sind kein Auslaufmodell, sondern ein Zukunftsmodell, das auf eine
solide Sportförderung angewiesen ist, um Mitglieder zu binden, neue Mitglieder zu
gewinnen und für das Ehrenamt zu motivieren. Mit Blick auf eine immer heterogener
werdende Stadtgesellschaft sind Vereine so wertvoll wie nie – als Orte des sozialen
Zusammenhalts und als Trainingslager für Demokratie.
Bei dem Imperativ „Sport für alle“ geht es auch darum, für einen erweiterten Sport-
begriff zu streiten, für Angebotsvielfalt und Innovationen einzutreten.
Daher ist der emanzipatorische Impetus von der Teilhabe aller Menschen an Sport-
angeboten überhaupt nicht überholt, sondern heute mehr denn je das notwendige
Gegenmittel gegen soziale Exklusion.
Dabei muss Sportpolitik die sportlichen Interessen aller sozialen Gruppen und aller
Altersgruppen im Blick haben, Spitzen-, Breiten- und Freizeitsport in einer guten
Mischung fördern sowie eine besondere Verantwortung für die Bewegungsförderung in
Kitas und Schulen sowie für den inklusiven Sport übernehmen.
Erfolgsformate wie „Sport im Park“, Zukunftsprojekte wie der Reuterpark („Ein Platz
für Alle“) sowie die Perspektive „Paralympic City“ (Bonn als Referenzadresse für den
paralympischen Sport) mit inklusiven Wettkämpfen (Special Olympics 2021) und
barrierefreien Sportarealen können die „Sportstadt für alle“ als Ankerpunkt für gesell-
schaftliches Miteinander positionieren und alle Menschen der Stadt in Bewegung
bringen – überall und jederzeit, individuell und kollektiv, lebenslang und lustvoll.
Sport ist damit auch eine treibende Kraft für die Gesellschaftsentwicklung.
Mit seinen emanzipatorischen, partizipativen und integrativen Impulsen kann Sport zum
Katalysator für eine bessere Gesellschaft werden und relevante Themen in den Blick
nehmen.
Zukunftsfeld Synergie
Das Gutachten postuliert ein notwendiges Synergiemanagement und verortet Sport als
Querschnittsaufgabe. Sportentwicklung ist Stadtentwicklung!
In der Sportstadt Bonn gibt es zahlreiche Schnittstellen zu anderen gesellschaftlichen
Bereichen, insbesondere zum Bereich Kultur.
Sport und Kultur ist das, was die Menschen wirklich zusammenbringt und zusammen-
hält. „Kultur ist, wie der ganze Mensch lebt“, so formulierte es seinerzeit Bertolt Brecht
und bezog sich damit auf alle vom Menschen entwickelten Möglichkeiten und
Gelegenheiten zur Lebensgestaltung und ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung.Seite 10 von 214

Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnVorwort
Sport und Kultur sind in diesem Sinne Lebensmittel. Die Erschließung der gemein-
samen Potenziale bietet sich an, da auf diese Weise die solidarische Entwicklung der
Stadt und die Verbesserung der Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger gefördert
wird.
Kulturelle Begleitprogramme bei Sportveranstaltungen, aber auch Bewegungsangebote
im Rahmen von Kulturevents, gemeinsame Aktionen (z. B. Lange Nacht des Sports
und der Kultur) und Aktivitäten sollen das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und die
Begegnung von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen fördern.
Qualität und Wirksamkeit des Sports für Bonn müssen über das bisher Bekannte hinaus-
gehen. Die Vernetzung mit anderen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen wird die
Bedeutung des Sports heben und den Stadtraum als Möglichkeitsraum für Bewegung
und Begegnung erobern. Dazu gehört auch der Ausbau von Sportangeboten in den
Quartieren und Grünflächen. Der Sport muss zu den Menschen kommen.
Fazit
Sport und Bewegung gehören zur Bonner DNA und der Sport in Bonn ist in zahlreichen
Disziplinen auf hohem Niveau konkurrenzfähig - national und international. Das Gutachten
zur Sportentwicklung ist die Chance, an einer Stärkung und Neupositionierung des
Sports in und für Bonn zu arbeiten, die den Anforderungen und Herausforderungen der
Gegenwart und Zukunft gerecht wird. Eine dynamische und kraftvolle Sportentwicklung
ist am Ende auch eine Hommage an die Bonnerinnen und Bonner und ihrer Leidenschaft
für den Sport.
Fassen wir zusammen: worauf es jetzt wirklich ankommt, ist konsequent und
konsensual an der Weiterentwicklung der Bonner Sportlandschaft zu arbeiten und das
Profil Bonns als Sportstadt zu schärfen.
Sport soll als Puls der Stadt wahrgenommen werden und bestmögliche Rahmen-
bedingungen bekommen. Das vorliegende Gutachten zur Sportentwicklung gibt dafür die
Initialzündung!
Bonn, im Oktober 2019
Ashok Sridharan Dr. Birgit Schneider-Bönninger
Oberbürgermeister Sport- und KulturdezernentinSeite 11 von 214

Executive Summary
Das vorliegende Gutachten gibt eine Entscheidungsgrund-
lage für die Bonner Sportpolitik der nächsten 15 Jahre. Die
integrierte, intersektorale, interdisziplinäre und konsequent
auf eine breite Beteiligung der Bevölkerung, Sportorgani-
sationen und Schulen ausgerichtete Herangehensweise war
für die Erarbeitung des Gutachtens ausschlaggebend. Nun
muss eine Organisationsentwicklung einsetzen mit dem Ziel,
die Sportentwicklungsplanung als gesamtstädtische Quer-
schnittsaufgabe strategisch, strukturell, personell und öko-
nomisch in die Stadtplanung und Stadtpolitik zu integrieren.
Das vorliegende Gutachten empfiehlt hierfü r konkrete
Maßnahmen. Die wichtigsten werden hier in Stichpunkten
zusammengefasst.
Prof. Dr. Robin Kähler
— Das Sportverhalten der Bonner und Bonnerinnen ist sehr ausdifferenziert. Es
unterscheidet sich je nach Alter, Geschlecht, Herkunft, Wohnort, sozialen und
ökonomischen Verhältnissen und motorischen Möglichkeiten der Sporttreibenden.
Es gibt nicht «den» Sport, der Sport ist so ausdifferenziert wie die Gesellschaft.
Die städtische Sportförderung wird dementsprechend zunehmend bedarfs-
und zielgruppenorientiert ausgerichtet.
— Die von den Menschen am meisten betriebenen Sportarten sind Schwimmen,
Radfahren, Fitness, Gesundheitssport und Joggen. Ein sportaktiver Mensch
betreibt durchschnittlich drei Sportarten.
— Die Bonner Sportvereine werden von der Bevölkerung sehr geschätzt. Es besteht
aber die Gefahr, dass viele Vereine ihre gemeinwohlorientierten Aufgaben aufgrund
der Sportstättensituation auf Dauer nicht erwartungsgemäß wahrnehmen können.
— Über die Hälfte aller 140 geprüften städtischen Sportanlagen befinden
sich aus der Sicht der Nutzer in einem nicht zufriedenstellenden Zustand und
weisen erhebliche Mängel auf. Für sie besteht ein dringender Veränderungsbedarf.
Das Gutachten schlägt hierfür einen Sanierungsplan vor.
— Nicht in allen Schulen kann der Sportunterricht aufgrund fehlender räumlicher
Kapazitäten lehrplankonform erteilt werden. Hier sollte bald Abhilfe geschaffen
werden.Seite 12 von 214

— Das Schwimmen genießt bei der Bevölkerung, den Schulen und den Vereinen
eine sehr hohe Priorität. Die räumliche Situation sollte, insbesondere auch für
das Schulschwimmen verbessert werden.
— Die Schulen, die Vereine und die Bevölkerung nutzen intensiv auch den öffent-
lichen Raum für ihre sportlichen Aktivitäten und unterrichtlichen Zwecke. Deren
Möglichkeiten werden als positiv eingeschätzt. Für hoch nachgefragte Sportarten
sollten mehr Bewegungsgelegenheiten zur Verfügung gestellt werden. Es fehlen
sanitäre Anlagen.
— Der Sportpark Nord sollte als Sportzentrum von überregionaler Bedeutung
modernisiert und der sportaktiven, nicht-organisierten Öffentlichkeit zugänglich
gemacht werden.
— Die räumlichen Bedingungen unterscheiden sich zwischen den einzelnen
Stadtteilen und Bezirken. Eine auf Chancengleichheit ausgerichtete Stadtent-
wicklung sollte die Sportteilnahme aller Menschen zum Ziel haben. Die Bonner
und Bonnerinnen nennen hierfür konkrete Maßnahmen, wie dies erreicht werden
kann.
— Die Sportvereine sind bereit, sich in konkreten sozialorientierten Sportprojekten
noch mehr zu engagieren. Die Sportförderung sollte ihre Fördertatbestände in
diese Richtung erweitern.
— Der Stadtsportbund Bonn ist auch für die zukünftige Sportentwicklung ein
wichtiger, verlässlicher Partner, der noch mehr als bisher in verbindliche Koopera-
tionsaufgaben mit der Sport- und Bäderverwaltung eingebunden werden sollte.
— Die Bedeutung und Potentiale des Spitzensports können in Bonn durch eine
verstärkte Sportförderung, die alle Förderungsmöglichkeiten einbezieht, noch
vergrößert werden.
— Die Bundesstadt Bonn unternimmt Anstrengungen, Paralympic City zu werden.
— Die Nutzung moderner technischer Systeme, um die Kommunikation und
den Service des Sport- und Bäderamtes für die Sportvereine, Schulen und
Bevölkerung zu verbessern, wird erweitert.
— Die Sportentwicklungsplanung wird zu einem integrativen Element der gesamt-
städtischen Zukunftsplanung. Sportentwicklungsplanung und Stadtplanung
werden enger miteinander verzahnt.
— Für die Umsetzung von sport- und bewegungsbezogenen Vorhaben wird eine
möglichst formalisierte intersektorale, interdisziplinäre Zusammenarbeit der
Ämter empfohlen.
— Das Sport- und Bäderamt wird organisatorisch, personell und finanziell in die
Lage versetzt, die im Gutachten vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen, den
Prozess fortzuführen und zu evaluieren.
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnExecutive SummarySeite 13 von 214

InhaltSeite 14 von 214

13 1 Einleitung
13 2 Auftrag
13 2.1 Gründe für eine Sportentwicklungsplanung: Wandel der Gesellschaft –
Wandel des Sports
15 2.2 Auftrag
16 3 Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
16 3.1 Der Sport der Bevölkerung
16 3.1.1 Empirisches Vorgehen
18 3.1.2 Angaben zur Stichprobe
19 3.1.3 Ergebnisse
19 3.1.3.1 Aktuelles Sportverhalten
25 3.1.3.2 Zufriedenheit mit den Sportvereinen
26 3.1.3.3 Zufriedenheit mit dem Sport- und Bewegungsangebot
29 3.1.3.4 Wunsch nach weiteren Sportangeboten
30 3.1.3.4.1 Wunsch der Kinder und Jugendlichen nach weiteren Sportangeboten
30 3.1.3.4.2 Wunsch der Senioren nach weiteren Sportangeboten
31 3.1.3.4.3 Wunsch der Frauen nach weiteren Sportangeboten
31 3.1.3.4.4 Wunsch von gesundheitlich Beeinträchtigten nach weiteren
Sportangeboten
31 3.1.3.5 Schwerpunkte der Sportförderung
31 3.1.3.6 Spezifische Anmerkungen der Bevölkerung
32 3.1.3.7 Sozialräumliche Analyse
33 3.1.3.8 Methodik
34 3.1.3.9 Ergebnisse
36 3.2 Der Sport in den Sportvereinen
36 3.2.1 Empirisches Vorgehen
36 3.2.2 Angaben zur Stichprobe
37 3.2.3 Ergebnisse
37 3.2.3.1 Merkmale der Sportvereine
38 3.2.3.2 Angebote der Sportvereine
39 3.2.3.3 Sportstättensituation der Sportvereine
44 3.2.3.4 Kooperationen der Sportvereine
45 3.2.3.5 Ziele und Herausforderungen der Sportvereine
47 3.2.3.6 Bewertung der Leistungen der Bundesstadt Bonn für die Sportvereine
47 3.2.3.7 Spezifische Anmerkungen der Sportvereine
Gliederung des Gutachtens
5Gliederung Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 15 von 214

49 3.3 Der Sport in den Schulen
49 3.3.1 Empirisches Vorgehen
49 3.3.2 Angaben zur Stichprobe
50 3.3.3 Ergebnisse
50 3.3.3.1 Sportangebote der Schulen
53 3.3.3.2 Sportstättensituation der Schulen
55 3.3.3.3 Analyse der Lehrschwimmbecken an den Schulen
56 3.3.3.3.1 Empirisches Vorgehen
56 3.3.3.3.2 Ergebnisse
64 3.3.3.4 Kooperationen der Schulen
65 3.3.3.5 Spezifische raumbezogene Anmerkungen der Schulen
66 3.4 Die Räume zum Sporttreiben
66 3.4.1 Sportstätten
66 3.4.1.1 Auslastungsuntersuchung (Sporthallen, Sportplätze, Bäder)
66 3.4.1.1.1 Empirisches Vorgehen
66 3.4.1.1.2 Ergebnisse
75 3.4.1.2 Mängeluntersuchung
75 3.4.1.2.1 Empirisches Vorgehen
76 3.4.1.2.2 Ergebnisse
88 3.4.2 Öffentliche Räume
88 3.4.2.1 Ergebnisse
91 4 Stärken- und Schwächen-Analyse des Sports in der Bundesstadt Bonn
(SWOT-Analyse)
91 4.1 Stärken-Schwächen-/Chancen-Risiken-Analyse
91 4.1.1 Stärken und Schwächen
94 4.1.2 Chancen und Risiken
97 4.2 Der Sport der Bundesstadt Bonn im Jahre 2030
97 4.2.1 Vorgehen
97 4.2.1.1 Szenario-Feldbestimmung
97 4.2.1.2 Bestimmung der Schlüsselfaktoren
98 4.2.1.3 Analyse der Schlüsselfaktoren
99 4.2.2 Generierung des Szenarios
102 5a Exkurs: Stadtteilbezogene Workshops
102 5a.1 Vorgehen
102 5a.2 Ergebnisse
102 5a.2.1 Sport und Integriertes Entwicklungskonzept (IEK) Buschdorf
103 5a.2.1.1 Situation in Buschdorf
103 5a.2.1.2 Ergebnisse in Buschdorf
106 5a.2.2 Workshops in Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg
109 5a.2.3 Sportplätze und Grünanlagen
109 5a.2.4 Sporthallen
110 5a.2.5 Bäder
6Seite 16 von 214

111 5b Exkurs: Entwicklungsperspektiven für den Sportpark Nord
111 5b.1 Ziel
111 5b.2 Ausgangssituation
114 5b.3 Workshops
114 5b.3.1 Erster Workshop
115 5b.3.2 Zweiter Workshop
116 5b.4 Vorschläge für Entwicklungskonzepte
119 6 Leitbilder, strategische Ziele, Empfehlungen und Maßnahmen
für die Sportentwicklungsplanung
119 6.1 Strategische Ziele, Empfehlungen und Maßnahmen
119 6.2 Leitziele des Sports und die daraus folgenden Handlungsempfehlungen
119 6.2.1 Leitziel 1: Sport und Stadtentwicklung
121 6.2.2 Leitziel 2: Sport für alle Menschen
121 6.2.3 Leitziel 3: Erziehung und Bildung durch Sport
123 6.2.4 Leitziel 4: Sport als Mittel für den sozialen Zusammenhalt
124 6.2.5 Leitziel 5: Sport und Räume
125 6.2.6 Leitziel 6: Bürgerschaftliches Engagement und Sport
126 6.2.7 Leitziel 7: Sport und Profilbildung
127 6.2.8 Leitziel 8: Sport und nachhaltige Stadtentwicklung
147 7 Finanzierungsprogramm für Sanierungen und Neubauten
von Sporthallen
147 7.1 Ausgangssituation
147 7.2 Bewertung der vorhandenen Halleninfrastruktur
149 7.3 Entwicklung eines Maßnahmenprogramms
151 7.4 Neubau- und Sanierungsprojekte
151 7.4.1 Neubauprojekte
153 7.4.2 Sanierungsprojekte
154 7.5. Umsetzung des Maßnahmenprogramms
154 7.5.1 Vorgehensweise Sanierung
155 7.5.2 Vorgehensweise Neubau
155 7.6 Zeitplan
157 8 Umsetzungsstrategien
162 9 Exkurs: Gedanken zur Zukunft der Architektur für Sporträume
164 10 Literaturverzeichnis
167 11 Anlagen
195 12 Gutachterteam / Impressum
7Gliederung Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 17 von 214

8Seite 18 von 214

Seite 19 von 214

Seite 20 von 214

Seite 21 von 214

Unser AnsatzSeite 22 von 214

1 Einleitung
Die Bundesstadt Bonn ist eine weltoffene Großstadt, eine Stadt der Bildung
und der Wissenschaft, sie ist zukunftsorientiert, modern und mit großer Tradition, sie
ist attraktiv und wertbezogen – eine Stadt, in der die Menschen gerne leben und
arbeiten – sowie Sport treiben.
Der Sport berührt viele Lebensbereiche der Bürgerinnen und Bürger1. Er ist für sie
Ausdruck von Freude und gibt ihnen Lebenssinn. Sport baut Brücken zwischen den
Menschen unterschiedlicher Kulturen, Glaubensrichtungen, Geschlechtern, erlebter
Belastungen und unterschiedlichen Alters. Er trägt hierdurch wesentlich zum Zusam-
menhalt der Stadtgesellschaft in Bonn bei. Der Sport stellt einen erheblichen Wirt-
schaftsfaktor für die Stadt dar und stärkt hierdurch den Standort Bonn. Seine
Spitzenerfolge tragen wesentlich zur Profilbildung der Stadt bei. Als wichtiges Quer-
schnittsfach berührt er damit auch viele Politikfelder und wirkt auf sie ein.
Der Schul- und Vereinssport und der informelle, selbst organisierte Sport der Bevöl-
kerung benötigen geeignete Rahmenbedingungen. Die Bundesstadt Bonn stellt als
Schulträger und im Rahmen der Daseinsvorsorge Sportstätten und -räume zur Ver-
fügung und unterstützt darüber hinaus auf vielfältige Weise den Sport. Das folgende
Gutachten beschreibt die Situation und Probleme des Bonner Sports und zeigt Wege
auf, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Schul-,
Vereins- und den Sport der Bevölkerung führen.
2 Auftrag
2.1 Gründe für eine Sportentwicklungsplanung:
Wandel der Gesellschaft – Wandel des Sports
Die kommunale Sportpolitik und Sportentwicklungsplanung erlebt derzeit
einen erheblichen Anpassungsdruck, der in den Kommunen grundsätzlich vergleichbar
ist, aber im Detail unterschiedliche Ausprägungen hat. Die wichtigsten Gründe dafür
sind: Das Sportverhalten der Menschen hat sich verändert. Zwei Drittel der Menschen
einer Stadt treiben Sport außerhalb der Sportorganisationen, im öffentlichen Raum,
und wählen hierfür Sportformen, die meist keinen Normen folgen (Klaus, 2012;
Kähler, 2016). Die Zahl der Mitglieder in den Mannschaftssportarten der Sportvereine
geht aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und des großen Angebots weiterer Sport-
arten zurück. Die von der Bevölkerung ausgeübten Sportformen wandeln sich deut-
lich im Alter. Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede und solche in Abhängigkeit
von den sozialen Lebensbedingungen der Menschen. Der Wandel des Sportverhaltens
betrifft, aus räumlicher Sicht, nicht nur die regelgerechten Sportstätten, sondern zu-
nehmend auch den öffentlichen Raum. Damit gerät die gesamte Stadt in den Blick
einer Sportentwicklungsplanung.
1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden dort, wo alle Geschlechter gemeint sein können,
durchgängig die maskuline Form verwendet. Die anderen Geschlechter sind implizit stets ebenfalls gemeint.
131_Einleitung | 2_Auftrag Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 23 von 214

Der Wandel der Gesellschaft, die Individualisierung und in Folge davon das veränderte
Sportverhalten – insbesondere auch im Zusammenhang mit der Kommerzialisierung
des Sports –, haben auf die Entwicklung der Sportvereine vielfältige Auswirkungen.
Kleinere und mittelgroße Vereine klagen über erhebliche Probleme im Mitglieder-
bereich. Der Konkurrenzdruck auf dem freien Markt der Sportanbieter, aber auch der
Wettbewerb der Sportvereine untereinander, hat mit einem wachsenden Angebot an
Sportgelegenheiten erheblich zugenommen. Die Anforderungen an die Vereine und
deren Verbände haben sich demnach erhöht und müssen im Blick einer kommunalen
Sportentwicklungsplanung für die Zukunft von dieser neu bewertet werden. Der
demografische Wandel zeigt sich auch im Sport.
Die Zusammensetzung der Mitgliedschaft hat sich in den letzten Jahren in vielen Sport-
vereinen geändert. Die Zahl der männlichen Mitglieder ging zurück, die der weiblichen
Mitglieder hat sich dagegen erhöht. Die Mädchen und Frauen werden „sportlicher“.
Darauf müssen sich viele Vereine, aber auch die Städte zukünftig einstellen. Das be-
trifft auch die Unterstützung der älteren Menschen und derjenigen, die besonderen
Behinderungen und Belastungen ausgesetzt sind und sich gesund erhalten möchten
und geeignete Bewegungsangebote und -räume erwarten. Inklusion ist ein Thema von
stetig wachsender Bedeutung. Die Stadt und die Sportvereine werden daher – mehr
als bisher – räumliche Antworten auf die deutliche Entwicklung einer sich verändern-
den Stadtbevölkerung geben und das zunehmende Interesse der Menschen bezogen
auf den Vereinssport und den Sport im öffentlichen Raum berücksichtigen müssen.
Die Schulentwicklung ist unter dem Aspekt Bevölkerungswachstum auch für die kom-
munale Sportentwicklung zu einem drängenden Problem geworden. Die steigenden
Schülerzahlen führen dazu, dass die Frage nach einer neuen Planungsgrundlage für die
Weiterentwicklung der Schulsportanlagen aus sportpädagogischer und haushaltswirt-
schaftlicher Sicht große Bedeutung gewinnen wird. Auch die strukturelle Entwicklung
der Schulen (insbesondere der Grundschulen) zu Ganztagsschulen wird die kommu-
nale Raumplanung für Schulsportanlagen erheblich beschäftigen (Laging, 2016). Die
Mehrzahl der städtischen Sportstätten und -räume lässt allein schon aufgrund der
unterschiedlichen Lebensdauer erwarten, dass viele von ihnen sanierungs- und moder-
nisierungsbedürftig sind/oder bald werden. Das gilt vor allem für die Sportanlagen,
die in den 1970er und 1980er Jahren gebaut wurden. Da die finanzielle Situation der
Kommunen häufig angespannt ist, ist zu prüfen, ob die vorhandenen Sportstätten
besser ausgelastet werden können. Die heutigen Städte, insbesondere die größeren,
sind mehrheitlich weltoffene, multikulturelle Lebensräume geworden. Sie werden
durch den Zuzug von Menschen aus anderen Kulturen in den nächsten Jahren noch
vielfältiger, wie die Bevölkerungsentwicklung derzeit aufzeigt. Der Anteil der Jugend-
lichen mit Migrationshintergrund unter 18 Jahren beträgt, bezogen auf die Gesamt-
zahl der Jugendlichen, in vielen Stadtteilen mittlerer und größerer Städte bis zu 80 %.
Mit der Aufgabe einer Stadt, Menschen zu integrieren und den Zusammenhalt der
Stadtgesellschaft zu fördern, sieht sich der Sport besonders herausgefordert (Kähler,
2017). Die meisten Sportverwaltungen in den bundesdeutschen Städten konnten sich
bislang strukturell, personell und finanziell kaum auf den Wandel des Sports einstellen.
Die Kernaufgaben Sportförderung, Sportstättenverwaltung und Sportveranstaltungs-
management binden deren Kräfte und lassen wenig Raum für Anpassungsprozesse.
Daher besteht eine große Lücke zwischen der Entwicklung der Menschen und Einrich-
tungen im Sport und der der Sportverwaltung, die durch eine Sportentwicklungs-
14Seite 24 von 214

planung untersucht werden muss. Aus Sicht des Sports gibt es daher zwingende
Gründe für eine quantitative und qualitative Überprüfung und ggf. Neuorientierung
der Sportentwicklung und -politik in einer Stadt. Als Grundlage für eine solch weitsich-
tige, den Wandel des Sports aufnehmende Entwicklung des Sports sollte eine
systematisch erworbene, auch möglichst räumlich differenzierte Datenlage, eine um-
fassende, pragmatische, realistische und integrierte Bewertung der Situation des Sports
in der Stadt, klare Stadtentwicklungsziele, eine strategische Ausrichtung, mit allen
Akteuren abgestimmte konkrete Maßnahmen und eine Perspektive für deren Umset-
zung herangezogen werden.
2.2 Auftrag
Das Sport- und Bäderamt der Bundesstadt Bonn hat den politischen Auftrag
erhalten, ein Gutachten zur Sportentwicklung erarbeiten zu lassen. Ziel dieser ist, eine
langfristig abgestimmte, kommunale Planungsgrundlage für den Bonner Sport und die
Bäder zu erhalten. Sie sollte daher neben der Bestandsaufnahme des Sports in der
Bundesstadt Bonn auch diese bewerten und daraufhin Empfehlungen abgeben, in
welche Richtung sich der Sport in den nächsten 15 Jahren weiterentwickeln könnte,
wenn man eine gesamtstädtische Perspektive einnimmt. Darin sind z. B. die prognos-
tizierten Entwicklungen der Sportvereine, Schülerzahlen, Bevölkerung und der sozialen
Situation der Menschen eingeschlossen.
Die Ergebnisse aus dem Prozess sollen allen Interessierten und der Öffentlichkeit zu-
gänglich sein. Die Erarbeitung der Grundlagen für eine zukünftige Sportentwicklungs-
planung erwartet die Bundesstadt Bonn im Rahmen eines systematischen, dialogi-
schen Kommunikations- und Beteiligungsprozesses. Das bedeutet, dass die Gutachter
sich mit dem Sport- und Bäderamt und anderen Ämtern in der Stadtverwaltung, dem
Stadtsportbund Bonn, den Akteuren des Sports in den jeweiligen Stadtbezirken und
den sportpolitischen Sprechern der im Rat vertretenden Fraktionen und dem zustän-
digen Sportausschuss bezogen auf die Empfehlungen und Maßnahmen eng abstim-
men. Dazu wurde ein Kernteam (Leiter des Dezernates für Sport und Kultur, Sport-
und Bäderamt, Stadtsportbund Bonn e. V., Auftragsnehmer) und eine Lenkungsgruppe
eingerichtet. Die Lenkungsgruppe bestand während des Prozesses aus mindestens je
einem Mitglied der folgenden Ämter: Schulamt, Amt für Kinder, Jugend und Familie,
Amt für Soziales und Wohnen, Stadtplanungsamt, Amt für Stadtgrün, Referat für
Stadtförderung, Städtisches Gebäudemanagement Bonn, dem Leiter des Dezernates
für Sport und Kultur sowie Vertretern des Sport- und Bäderamtes, des Stadtsport-
bundes Bonn e. V. und Auftragsnehmer.
Da zu Beginn des Prozesses die Bäderbeschlüsse bereits vorlagen und das Thema nach
den Bürgerentscheiden aus den Jahren 2017 und 2018 nunmehr in einem politisch
beschlossenen Bürgerbeteiligungsverfahrens zur Neugestaltung der Bonner Bäder-
landschaft gesondert behandelt wird, sind Empfehlungen zur Entwicklung der Bäder
im Rahmen dieses Gutachtens nicht vorgesehen. Die Bundesstadt Bonn erwartet
keinen Sportstättenentwicklungsplan sondern einen Konzeptplan für ihre gesamte
Sportentwicklung, der sich mit seinen Aussagen eng an der konkreten Realität des
Sports in der Bundesstadt Bonn ausrichtet und möglichst sehr konkrete, umsetz-
und finanzierbare Vorschläge macht, wie der Sport in seiner Vielseitigkeit in Zukunft
152_Auftrag Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 25 von 214

weiterent wickelt werden sollte. Er stößt einen Entwicklungsprozess an und zeigt
ein Ver fahren und Möglichkeiten auf, wie dieser Prozess von den Sportakteuren in
der Stadt erfolgreich fortgeführt werden kann. Um erstens konkrete Handlungsemp-
fehlungen ableiten und entwickeln zu können und um zweitens den Organisations-
entwicklungsprozess initiieren und begleiten zu können, bestand das methodische
Vorgehen in folgenden Teilschritten (siehe dazu Abbildung 1): Datenerhebung,
Planungs- und Entwicklungsprozess sowie Ergebnisdarstellung.
3 Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Um Voraussetzungen für ein in die Zukunft gerichtetes sportlich aktives und
gesundes Leben der Bonner Bürger zu schaffen, ist es erforderlich, den aktuellen Stand
der Rahmenbedingungen unter Anwendung verschiedener Analyseinstrumente zu
erfassen. In dem folgenden Abschnitt 3 werden daher die Ergebnisse vorgestellt, die
die Grundlage für eine derartige Analyse bilden. Hierbei handelt es sich um die empi-
rischen Daten aus der Bevölkerungs- (vgl. Abschnitt 3.1), Sportvereins- (vgl. Abschnitt
3.2) und Schulbefragung (vgl. Abschnitt 3.3). Zudem werden die empirischen Daten
der Sportraumanalyse dargestellt (vgl. Abschnitt 3.4).
3.1 Der Sport der Bevölkerung
Eine der beliebtesten (Freizeit-)Aktivitäten der Bevölkerung ist das Sport-
treiben. Neben zahlreichen positiven Effekten des Sporttreibens auf die Gesundheit,
die Psyche und das Wohlbefinden erfüllt der Sport auch wertvolle Funktionen inner-
halb der Gesellschaft (bspw. bezüglich der Themenfelder „Soziales“ und „Erziehung“).
Damit die Bürger auch den Sport betreiben können, den sie gerne möchten, ist es
erstens erforderlich, Informationen über die Sportaktivität und die Sportwünsche der
Bevölkerung zu erhalten. In einem zweiten Schritt gilt es dann, die für dieses Sport-
treiben notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen.
Abbildung 1: Darstellung des grundlegenden methodischen Vorgehens im Rahmen der Sportentwicklungs-
planung (Datenerhebung – Planungs- und Entwicklungsprozess – Ergebnisdarstellung)
Planungs- &
Entwicklungsprozess ErgebnisseDatenerhebung
— Gutachten
— Konkrete Sanierungs-
maßnahmen
— Übersicht aller Maßnahmen
— Darstellung aller
Einzelergebnisse
Bestands- und Bedarfsanalysen
— Befragung der Bevölkerung
— Befragung der Sportvereine
— Befragung der Schulen
— Befragung der Nutzer von
Sportstätten
— Begehung von Sportstätten
und Freiräumen
— Dokumentenanalyse
— Bürgerforen
Stärken- und
Schwächenanalyse
Kooperative Planung
— Leitbilder
— Strategische Ziele
— Planungsgrundlagen
— Empfehlungen
— Stadtteilbezogene Workshops
— Workshops „Sportpark Nord“
— Konkrete Maßnahmen
16Seite 26 von 214

3.1.1 Empirisches Vorgehen
Die individuelle Sportnachfrage der Bonner Bevölkerung wurde über eine
papierschriftliche Befragung im Zeitraum vom 3. Juli 2017 bis zum 31. Juli 2017 erho-
ben. Hierfür wurden Anschreiben, welche je vier Fragebögen und einen Rückumschlag
enthielten, an 5.000 Haushalte der Bundesstadt Bonn versendet (siehe Abbildung 2,
Seite 17). Es wurde eine repräsentative Stichprobe aus der Bonner Bevölkerung
gezogen, die gemäß der Einwohnerzahl der vier Stadtbezirke proportional gewichtet
war (siehe dazu auch Tabelle 1). Das Anschreiben enthielt die Bitte, die zusätzlichen
Fragebögen ggf. auch an die im Haushalt lebenden Angehörigen weiterzureichen bzw.
für die eigenen (Klein-)Kinder auszufüllen. Der doppelseitige Fragebogen enthielt
neben der Abfrage von soziodemographischen Merkmalen hauptsächlich Fragen zum
aktuellen Sportverhalten, aber auch Fragen zu den Sportvereinen, Sporträumen sowie
Wünschen hinsichtlich der Weiterentwicklung des vorhandenen Sportangebotes in
Bonn.
Stadtbezirk angeschriebene
Haushalte
zurückerhaltene,
ausgefüllte
Fragebögen
Rücklaufquote
Bad Godesberg 1.115 297 26,6 %
Bonn 2.355 586 24,9 %
Beuel 1.020 241 23,6 %
Hardtberg 510 152 29,8 %
Bundesstadt Bonn 5.000 1.276 25,5 %
Tabelle 1: Überblick der Rücklaufstatistik der Bonner Bevölkerungsbefragung
(differenziert nach Stadtbezirken)
Abbildung 2: Schriftliche Bevölkerungsbefragung
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt Bonn 172_Auftrag | 3_Ergebnisse empirische UntersuchungenSeite 27 von 214

3.1.2 Angaben zur Stichprobe
Von den 5.000 zufällig angeschriebenen Haushalten haben 1.276 Bonner
Bürger einen ausgefüllten Fragebogen zurückgesendet. Das entspricht einer Rücklauf-
quote von 25,5 %. Der Tabelle 1 kann entnommen werden, dass fast jeder dritte
Befragte aus dem Stadtbezirk Hardtberg an der Befragung teilgenommen hat – hin-
gegen nur jeder vierte Befragte aus dem Stadtbezirk Beuel.2
Die Geschlechter sind in der Stichprobe nahezu gleichverteilt. So sind 53,8 % der Be-
fragten weiblich und 46,2 % sind männlich. Zum Vergleich: In der Bonner Bevölkerung
sind 51,9 % der Personen weiblich und 48,1 % sind männlich. Das Durchschnittsalter
der Befragten beträgt 45 Jahre (die Bonner Bevölkerung ist im Durchschnitt 42 Jahre
alt). Die Abbildung 3 gibt einen Überblick über die Altersstruktur der Stichprobe. Es
lässt sich erkennen, dass im Vergleich zur Bonner Bevölkerung die Kinder und Jugend-
lichen unterrepräsentiert sind (9,7 %).3 Über die Hälfte der Befragten sind Erwachsene
im Alter von 30 bis unter 65 Jahren.
Insgesamt verfügen die Haushalte aus der Befragung über ein monatliches Durch-
schnittsnettoeinkommen von 3.306,34 € bei einer durchschnittlichen Haushaltgröße
von 2,7 Personen. 95,6 % der Befragten haben eine deutsche Staatsangehörigkeit.
2 Wenn die empirischen Daten in Hinblick auf die Zielsetzung der Sportentwicklungsplanung relevante
Abweichungen in den Stadtbezirken, dem Geschlecht und/oder dem Alter aufweisen, werden diese angeführt.
3 Trotz der geringen Rücklaufquote in dieser Altersgruppe lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für
die Sportentwicklungsplanung der Bundesstadt Bonn ableiten (siehe Abschnitt 6). Denn in Ergänzung zu den
vorliegenden Daten kann auf bundesweite Erkenntnisse der Kinder- und Jugendforschung (bspw. bezüglich
des Themas "Sport und Bewegung") zurückgegriffen werden.
Altersstruktur der Bonner Bevölkerung | n = 1.276 | Angaben in %
unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre
60
48
36
24
12
0
9.7
16.5
18.6
55.2
16.9 17.6
18.0
47.4
Stichprobe Bevölkerung
Abbildung 3: Altersstruktur der Befragungsstichprobe im Vergleich zur Bonner Bevölkerung (n = 1.276)
18Seite 28 von 214

3.1.3 Ergebnisse
Im nachfolgenden Abschnitt werden die Ergebnisse der Bevölkerungsbefra-
gung zum aktuellen Sportverhalten (Abschnitt 3.1.3.1), zu der Zufriedenheit mit den
Sportvereinen (Abschnitt 3.1.3.2) bzw. dem Sport- und Bewegungsangebot (Abschnitt
3.1.3.3) sowie zu den Wünschen nach weiteren Sportangeboten (Abschnitt 3.1.3.4)
dargestellt. Das Kapitel schließt mit der Beurteilung von Sportförderschwerpunkten
(Abschnitt 3.1.3.5) und den spezifischen Anmerkungen der Bevölkerung (Abschnitt
3.1.3.6).
3.1.3.1. Aktuelles Sportverhalten
84,3 % der Befragten geben an, sportlich aktiv zu sein.4 Insbesondere Kinder
und Jugendliche (90,1 %) sowie Erwachsene bis unter 30 Jahre (91,2 %) geben an,
Sport zu treiben. Bei den Befragten über 30 Jahren bis unter 65 Jahren sind 86,3 %
und bei den Befragten über 65 Jahren sind 70,1 % der Personen sportlich aktiv. Die
Befragten betreiben durchschnittlich an 1,5 Tagen in der Woche für insgesamt 2,7
Stunden ihren Sport. Die befragten Sportaktiven benötigen im Durchschnitt 16,4
Minuten, um zu ihrer Sportstätte bzw. dem Ort des Sporttreibens zu gelangen.
43,1 % von den Sportaktiven legen diesen Weg motorisiert zurück (Auto und/oder
Motorrad) (hierbei handelt es sich überwiegend um die über 30-Jährigen), 43,2 %
Gründe der sportlichen Inaktivität | n = 1.087 | Angaben in %
kein Interesse
am Sport
gesundheitliche
Beschwerden
keine Zeit
für den Sport
kein/zu wenig Geld
für den Sport
andere Gründe
75
60
45
30
15
0
unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre
Abbildung 4: Gründe der sportlichen Inaktivität differenziert nach Altersgruppen (n = 1.087)
27.3 27.3
11.112.2
23.9
0.0
43.3
66.7
9.1
9.111.1
25.6
53.7
33.3
20.0
14.9
11.1
45.5
22.2
16.4
4 Der hohe Anteil der Sportaktivenquote ist u. a. darin begründet, dass insbesondere an Sport und Bewegung
interessierte Personen einen ausgefüllten Fragebogen zurück gesendet haben. Somit können sehr gute Hand-
lungsempfehlungen (siehe Abschnitt 6) zum Sporttreiben der aktiven Menschen in der Bundesstadt Bonn
abgeleitet werden. Die Ergebnisse zu den sportlich inaktiven Personen werden dort, wo es notwendig
erscheint, durch umfangreiche, wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser Bevölkerungsgruppe ergänzt und
kenntlich gemacht.
193_Ergebnisse empirische Untersuchungen Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 29 von 214

nutzen das Fahrrad, 23,0 % gehen zu Fuß und 11,5 % nutzen den öffentlichen
Personennahverkehr (hierbei handelt es sich zum größten Teil um die unter 30-Jähri-
gen). Diejenigen, die angeben, aktuell nicht sportlich aktiv zu sein, geben als häufigste
Ursache für ihre Sportabstinenz neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen (33,0 %)
einen Mangel an Zeit (27,2 %) und finanzielle Ressourcen (20,4 %) an. Lediglich jeder
Sechste äußert ein generelles Desinteresse am Sport. Eine altersdifferenzierte Dar-
stellung der Gründe der sportlichen Inaktivität kann Abbildung 4, Seite 19 ent-
nommen werden.
Während Kinder und Jugendliche (27,3 %) sowie über 65-Jährige (23,9 %) ein all-
gemeines Desinteresse am Sport äußern, geben die befragten Personen im Alter von
18 bis unter 30 Jahre (66,7 %) bzw. 30 bis unter 65 Jahre (43,3 %) an, keine Zeit für
das Sporttreiben zu haben. Im Falle der Über-65-Jährigen sind häufig gesundheit-
liche Gründe die Ursache einer Sportabstinenz (53,7 %). Für Kinder und Jugendliche
(27,3 %) sowie junge Erwachsene (33,3 %) sind zudem attraktive Sport- und Bewe-
gungsangebote oftmals zu teuer. Kinder und Jugendliche bis unter 18 Jahre (45,5 %)
berichten zudem von vollen Wartelisten und Kursplätzen sowie fehlenden Informatio-
nen und der schon umfangreichen Aktivität durch den Schulsport bzw. weiteren Akti-
vitäten in der Freizeit, die sie von weiterem Sporttreiben abhalten.
Die Bonner Bürger konnten bis zu drei von ihnen aktuell ausgeübte Sportarten nen-
nen. Von den 1.073 sich als sportlich aktiv bezeichneten Personen sind 2.235 Sportar-
ten angegeben worden. Das entspricht durchschnittlich zwei Sportarten pro befrag-
tem Sportaktiven. Insgesamt haben die Befragten 135 verschiedene Sport-, Spiel- und
Bewegungsformen genannt. Die von den sportlich Aktiven am meisten genannte
Sportart ist mit 300 Nennungen (28,0 %) das Schwimmen. 265 Nennungen (24,7 %)
entfallen auf die Sammelkategorie Fitness, unter welche verschiedene Sportformen
Rangplatz Sportart Nennungen Anteil der
Sportaktiven
1 Schwimmen 300 28,0 %
2 Fahrradfahren 276 25,7 %
3 Fitness 265 24,7 %
4 Joggen 264 24,6 %
5 Fußball 100 9,3 %
6 Tennis 86 8,0 %
7 Gymnastik 73 6,8 %
8 Yoga 70 6,5 %
9 Nordic Walking 65 6,1 %
10 Krafttraining 64 6,0 %
11 Wandern 57 5,3 %
12 Tanzen 51 4,8 %
13 Badminton 36 3,4 %
14 Volleyball 28 2,6 %
15 Basketball 26 2,4 %
Tabelle 2: TOP 15 betriebene Sportarten der Befragten (n = 1.073)
20Seite 30 von 214

in unterschiedlichen Kontexten (Fitnesstreiben im Fitnessstudio, im Sportverein, zu
Hause) gefasst werden. Das zumeist nicht organisationsgebundene Fahrradfahren
(276 Nennungen, 25,7 %) und Joggen (264 Nennungen, 24,6 %) werden ebenfalls
als häufig betriebene Sportarten genannt. Mit einem größeren Abstand von 100 Nen-
nungen (9,3 %) folgt dann die am häufigsten ausgeübte Mannschaftssportart Fußball
(siehe Tabelle 2, Seite 20).
Eine altersdifferenzierte Darstellung der genannten Sportarten kann der Tabelle 3
entnommen werden. Während bei den unter 18-Jährigen die Mannschaftssport Fuß-
ball (17,3 %), die am häufigsten betriebene Sportart ist, dominieren bei den 18 bis
unter 65-Jährigen die zumeist nicht organisationsgebundenen Sportarten wie Schwim-
men, Fahrradfahren, Joggen und Fitness. Die über 65-Jährigen nehmen zudem ver-
mehrt an Gymnastikangeboten (10,5 %) teil.
Während bei Mädchen und Frauen Sportformen wie Gymnastik (78,1 % Frauenanteil),
Yoga (75,7 % Frauenanteil), Tanzen (74,5 % Frauenanteil), Nordic Walking (67,7 %
Frauenanteil) und Fitness (61,1 % Frauenanteil) überwiegen, so betreiben Jungen und
Männer vermehrt Sportformen wie Fußball (77,0 % Männeranteil), Basketball (73,1 %
Männeranteil), Badminton (61,1 % Männeranteil) und Krafttraining (59,4 % Männer-
anteil). Als relativ „geschlechts-neutrale“ Sportformen können Schwimmen, Fahrrad-
fahren, Joggen, Tennis, Wandern und Volleyball betrachtet werden (siehe Abbildung 5,
Seite 22).
Rangplatz unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre
1 Fußball (17,3 %) Fitness (16,4 %) Schwimmen (14,6 %) Fahrradfahren (16,3 %)
2 Schwimmen (14,5 %) Joggen (14,2 %) Fahrradfahren (13,7 %) Schwimmen (14,4 %)
3 Joggen (7,3 %) Schwimmen (8,5 %) Joggen (13,7 %) Gymnastik (10,5 %)
4 Fahrradfahren (6,4 %) Fahrradfahren (7,5 %) Fitness (12,4 %) Fitness (9,6 %)
5 Tennis (6,4 %) Fußball (6,7 %) Yoga (3,9 %) Nordic Walking (7,3 %)
6 Badminton (5,9 %) Krafttraining (4,0 %) Tennis (3,7 %) Joggen (5,8 %)
7 Fitness (4,5 %) Tanzen (3,0 %) Wandern (3,3 %) Tennis (5,8 %)
8 Basketball (3,2 %) Yoga (3,0 %) Nordic Walking (2,9 %) Wandern (3,5 %)
9 Handball (3,2 %) Basketball (2,0 %) Krafttraining (2,9 %) Aquagymnastik (2,9 %)
10 Turnen (3,2 %) Klettern (2,0 %) Gymnastik (2,5 %) Krafttraining (2,9 %)
11 Tanzen (2,7 %) Squash (2,0 %) Fußball (2,4 %) Tanzen (2,6 %)
12 Leichtathletik (1,8 %) Badminton (1,7 %) Tanzen (2,0 %) Yoga (2,2 %)
13 Reiten (1,8 %) Leichtathletik (1,5 %) Pilates (1,4 %) Golf (1,6 %)
14 Volleyball (1,8 %) Gymnastik (1,2 %) Badminton (1,2 %) Fußball (1,3 %)
15 Bouldern (1,4 %) Reiten (1,2 %) Golf (1,2 %) Rehasport (1,3 %)
Tabelle 3: TOP 15 betriebene Sportarten der Befragten differenziert nach Altersgruppen (n = 1.073)
213_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 31 von 214

Betriebene Sportarten im Geschlechterprofil | n = 1.073 | Angaben in %
Knapp 60 % der genannten Sport- und Bewegungsformen können von den Befragten
allein bzw. selbstständig ausgeübt werden. Andere Sportarten benötigen hingegen
einen organisationalen Rahmen, wie bspw. einen Sportverein zum Ausüben von Mann-
schaftssportarten (21,6 %) oder ein Fitnessstudio zur Bereitstellung der benötigten
Sportgeräte und Kurse (13,8 %). Als sonstige den Sport der Befragten organisieren-
den Einrichtungen werden Tanzschulen, Kletterhallen, Boulderhallen, Yogastudios,
Reitschulen, Golfclubs, Squashcenter, Badmintoncenter, Krankenhäuser (Rehasport-
angebote, Aquagymnastik), Familienbildungsstätten (bspw. (Aqua-)Gymnastik, Fitness,
Wirbelsäulengymnastik, Qigong, Yoga, Körpertherapie, Selbstverteidigung), Kirchen
(bspw. Tanzen), die Hochschule Bonn (bspw. Ballett, Ballspiele, Kampfsport, Wasser-
sport, Tanzsport, Golf, Reiten, Schach, E-Sports, Fitness- und Krafttraining, Gesund-
heitssport, Rückschlagspiele und Individualsport wie Laufen), die Universität Köln, die
Volkshochschule Bonn (bspw. Gymnastik, Yoga, Fitness, Tai Chi, Pilates, Zumba, Tanz-
sport, Asiatische Kampfkünste und Aquafitness), das Deutsche Rote Kreuz bzw. das
Familienbildungswerk (bspw. Yoga, Wassergymnastik, Wirbelsäulengymnastik, Felden-
krais, Gymnastik für Osteoporose-Betroffene), der eigene Arbeitgeber (bspw. Fußball,
Tischtennis, Fitness, Yoga, Klettern, Volleyball, Tennis), die Arbeiterwohlfahrt (bspw.
Aquagymnastik, Tanzen) und weitere kommerzielle Anbieter wie der Move Artistic
Dome (Akrobatik) sowie das Krav Maga Institut (Selbstverteidigung) oder das Original
Bootcamp (Outdoor Fitness) genannt. Abbildung 6, Seite 23 zeigt die altersdifferen-
zierte Darstellung der Organisationsformen des Sporttreibens.
Männer Frauen
Abbildung 5: TOP 15 betriebene Sportarten der Befragten im Geschlechterprofil (n = 1.073)
Schwimmen
Fahrradfahren
Fitness
Joggen
Fußball
Tennis
Gymnastik
Yoga
Nordic Walking
Krafttraining
Wandern
Tanzen
Badminton
Volleyball
Basketball
0 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
43.7
50.7
38.9
45.5
77.0
57.0
21.9
24.3
32.3
59.4
52.6
25.5
61.1
50.0
73.1
56.3
49.3
61.1
54.4
23.0
43.0
78.1
75.7
67.7
40.6
47.4
74.5
38.9
50.0
26.9
22Seite 32 von 214

3_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
ich selbst ein Sportverein ein Fitnessstudio sonstige
75
60
45
30
15
0
Organisation(en) des Sporttreibens | Mehrfachnennungen | Angaben in %
unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre
Abbildung 6: Organisation(en) des Sporttreibens differenziert nach Altersgruppen (Mehrfachnennungen)
38.9
57.5
65.4
59.7
45.7
12.8
15.1
20.0
15.5
12.7
5.1 12.9
12.5 14.7
8.28.2
Während vor allem die Kinder und Jugendlichen (45,7 %) ihren Sport in einem Sport-
verein organisiert nachgehen, organisieren die Erwachsenen und Senioren zumeist
selbstständig ihr Sporttreiben (siehe dazu auch Tabelle 3, Seite 21). Dementsprechend
unterscheiden sich auch die Orte der Sportausübung. Da Kinder und Jugendliche in
der Schule bzw. im Sportverein Sport treiben, nutzen sie den Zugang zu Turn- bzw.
Sporthallen (28,0 %) und Spielfeld bzw. Sportplätzen (22,0 %) (siehe Abbildung 7,
Seite 24).
Erwachsene, die zum größten Teil nicht organisationsgebundene Sport- und Bewe-
gungsformen betreiben, nutzen das Fitnessstudio und/oder den öffentlichen Raum
(Weg, Feld, Park, Wald). Als am häufigsten genutzte Sporträume werden von den
Befragten „Feld, Wiese, Wald, Park“ (25,7 %) und „Straße, Weg“ (24,5 %) genannt.
15,8 % der Befragten nutzen das Fitnessstudio und 15,1 % die Turn- und Sporthallen.
23Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 33 von 214

Art der genutzten Sportstätten | Mehrfachnennungen | Angaben in %
Turn-/Sporthalle Spielfeld-/
Sportplatz
Leichtathletik-
anlage
Hallenbad Freibad
40
32
24
16
8
0
28
16
12
18
11
22
10
3 32 2
14
8
13 13
10
6
11
8
unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 65 Jahre über 65 Jahre
Abbildung 7: Art der genutzten Sportstätten – differenziert nach Altersgruppen (Mehrfachnennungen)
Fitnessstudio Straße/Weg Feld, Wiese,
Wald, Park
Gewässer zu Hause sonstige
Sportanlagen
40
32
24
16
8
0
6
20
16 16 14
26 27
21
25
11
29
25
2 33 4
8 9
76 8 9 10
13
24Seite 34 von 214

3.1.3.2 Zufriedenheit mit den Sportvereinen
Ungefähr jeder Dritte (36,4 %) der Befragten ist Mitglied in einem oder meh-
reren Sportvereinen. In dem Stadtbezirk Hardtberg sogar fast jeder Zweite (48,0 %).
Befragte, die angeben, kein Mitglied in einem Sportverein zu sein, begründen dies da-
mit, dass die Angebote in den Sportvereinen nicht passend sind (35,0 %) (bspw. auf-
grund des hohen Alters und/oder von körperlichen Beeinträchtigungen wie Amputa-
tionen, Diabetes, Schwangerschaft). Auch wird angegeben, dass der Zugang zu grund-
sätzlichen Informationen über die Angebote der Sportvereine fehlen würde (16,8 %),
dass man als Mitglied zu viele Verpflichtungen hätte (14,8 %) und dass der Mitglieds-
beitrag zu teuer sei (13,9 %). Als weitere Gründe werden eine fehlende Kinderbetreu-
ung, lange Wartelisten und volle Kurse genannt. Ebenso benötigen bestimmte Sport-
und Bewegungsformen keine Mitgliedschaft in einem Sportverein (bspw. Joggen in
der Natur, Yoga im Yogastudio, Tanzen im Tanzstudio, Fitness im Fitnessstudio etc.).
Der eigene Sportverein wird von seinen Mitgliedern vor allem als „eine Gemeinschaft,
in der ich mich wohlfühle“ (M = 1,51) wahrgenommen (siehe Abbildung 8). Nicht nur
das Sportangebot (M = 1,43) sondern auch der Mitgliedsbeitrag (M = 1,76) scheint an-
gemessen. Auch die Qualität der Trainer und Übungsleiter (M = 1,78) erfüllt offenbar
die Erwartungen der Mitglieder. Vergleichsweise schwächer bewertet werden dahin-
gegen der Zustand (M = 2,52) und die Ausstattung (M = 2,39) der Sportstätten, die
Kooperationsbereitschaft mit anderen Vereinen (M = 2,40) sowie die Flexibilität der
Trainings- und Übungszeiten (M = 2,43).
253_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Bewertung des eigenen Sportvereins
… bietet einen günstigen Mitgliedsbeitrag an.
… hat ein vielfältiges Angebot für alle Altersgruppen.
… bietet flexible Trainings-/Übungszeiten an.
… hat qualifizierte Trainer und Übungsleiter.
… ist offen für Kooperationen mit anderen Vereinen
(z. B. Spielgemeinschaften).
… ist eine Gemeinschaft, in der ich mich wohlfühle.
… verfügt über gut ausgestattete Sportstätten.
… verfügt über Sportstätten in einem guten Zustand.
… bietet die Sportarten an, die ich ausüben möchte.
0 1 2 3 4 5
1.76
2.01
2.43
1.78
2.40
1.51
2.39
2.52
1.43
trifft zu teils-teils trifft nicht zu
Abbildung 8: Bewertung des eigenen Sportvereins durch die Sportvereinsmitglieder
(1 = „trifft zu“ bis 5 = „trifft nicht zu“; dargestellt ist der Mittelwert)
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 35 von 214

Es lässt sich erkennen, dass im Vergleich zum Mittelwert der Bundesstadt Bonn
(M = 2,80), die Kinder und Jugendlichen (M = 3,00) sowie die 30 bis unter 65-Jährigen
(M = 3,03) das Sport- und Bewegungsangebot in ihrem Stadtbezirk Bad Godesberg
als tendenziell etwas weniger gut bewerten. Im Stadtbezirk Bonn sind es hingegen die
18 bis unter 30-Jährigen (M = 2,96) und in dem Stadtbezirk Hardtberg die unter 18-Jäh-
rigen (M = 3,28), die von einer Optimierung des Sport- und Bewegungsangebotes für
ihre Altersgruppe profitieren würden.
Beurteilung des Sport- und Bewegungsangebotes
3.1.3.3 Zufriedenheit mit dem Sport- und Bewegungsangebot
Die Bonner Befragten bewerten das Sport- und Bewegungsangebot in ihrer
näheren Umgebung im Durchschnitt mit der Schulnote 2,80. Eine Übersicht über die
Bewertung der Befragten aus den vier verschiedenen Stadtbezirken differenziert nach
Altersgruppen zeigt Abbildung 9.
Abbildung 9: Beurteilung des Sport- und Bewegungsangebotes in der näheren Umgebung der Befragten
(differenziert nach Stadtbezirken und Altersgruppen; dargestellt ist der Mittelwert in Schulnoten
(1 = „sehr gut“ bis 6 = „ungenügend“))
Bad Godesberg
unter 18 Jahre
18 bis unter 30 Jahre
30 bis unter 65 Jahre
über 65 Jahre
Bonn
unter 18 Jahre
18 bis unter 30 Jahre
30 bis unter 65 Jahre
über 65 Jahre
Beuel
unter 18 Jahre
18 bis unter 30 Jahre
30 bis unter 65 Jahre
über 65 Jahre
Hardtberg
unter 18 Jahre
18 bis unter 30 Jahre
30 bis unter 65 Jahre
über 65 Jahre
n = 249
n = 516
n = 204
n = 137
61 2 3 4 5
2.97
3.00
2.81
3.03
2.87
2.76
2.96
2.79
2.75
2.88
2.81
sehr gut gut ausreichend mangelhaft ungenügend
2.80 (Mittelwert der Bundesstadt Bonn gesamt)
befriedigend
3.28
2.85
2.81
2.19
2.57
2.50
2.60
2.48
2.70
26Seite 36 von 214

273_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Die Verfügbarkeit von öffentlichen Sporträumen in der direkten Wohnumgebung der
Bonner Befragten wird im Durchschnitt mit der Schulnote 2,50 bewertet. Insbesondere
für die 18 bis unter 30-Jährigen aus den Stadtbezirken Bonn (M = 2,87) und Hardtberg
(M = 2,85) könnten mehr öffentliche Sporträume in der näheren Wohnumgebung
zur Verfügung stehen. Die Erreichbarkeit dieser öffentlichen Sporträume wird von den
Befragten insgesamt als „gut“ (Schulnote; M = 2,06), der Zustand (Schulnote; M =
2,84) und die Sicherheit hingegen als „befriedigend“ (Schulnote; M = 2,82) eingestuft
(siehe dazu auch Abbildung 10). Insbesondere die Altersgruppe der 18 bis unter 30-Jäh-
rigen aus dem Stadtbezirk Bonn sowie die Kinder und Jugendliche (M = 2,42) und
18 bis unter 30-Jährigen (M = 2,28) aus dem Stadtbezirk Hardtberg bewerten sowohl
die Erreichbarkeit als auch den Zustand und die Sicherheit der Sporträume im Vergleich
zur gesamten Stichprobe als tendenziell weniger gut.
„Die öffentlichen Sporträume in meiner Wohnumgebung sind ausreichend
sicher (z. B. Beleuchtung).“
Bad Godesberg
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
Bonn
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
Beuel
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
Hardtberg
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
n = 249
n = 516
n = 204
n = 137
1 2 3 4 5
2.90
3.29
2.90
2.76
2.85
3.04
2.93
3.05
2.81
2.88
trifft zu trifft nicht zu
2.82 (Mittelwert der Bundesstadt Bonn gesamt)
2.15
2.12
teils-teils
3.21
2.92
2.74
2.06
Abbildung 10: Beurteilung des Sport- und Bewegungsangebotes in der näheren Umgebung der Befragten
(differenziert nach Stadtbezirken und Altersgruppen; dargestellt ist der Mittelwert
(1 = „trifft zu“ bis 5 = „trifft nicht zu“))
2.60
2.65
2.59
2.64
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 37 von 214

Auch die 18 bis unter 30-Jährigen aus dem Stadtbezirk Bad Godesberg sehen einen
Optimierungsbedarf hinsichtlich der Sicherheit (bspw. Beleuchtung) der öffentlichen
Sporträume in ihrem Wohnumfeld (M = 3,29) (siehe auch Abbildung 10, Seite 27).
Alle Bonner Befragten fühlen sich im Mittel „teils-teils“ (M = 3,16; Skala von 1 bis 5)
über die öffentlichen Sporträume in ihrer direkten Wohnumgebung informiert. Dabei
variiert die Bewertung der Information stark von Stadtbezirk zu Stadtbezirk sowie
zwischen den jeweiligen Altersgruppen. Abbildung 11 gibt einen Überblick.
Während sich die über 65-Jährigen aus allen Stadtbezirken (M = 2,36 bis M = 2,61)
sowie die Kinder und Jugendlichen (M = 2,44) aus dem Stadtbezirk Bad Godesberg
gut informiert fühlen, besteht hinsichtlich der anderen Altersgruppen ein Informations-
defizit – insbesondere geben die 18 bis unter 30-Jährigen aus dem Stadtbezirk Bonn
an, sich weniger ausreichend über die öffentlichen Sporträume in der direkten Wohn-
umgebung informiert zu fühlen (M = 3,79).
Beurteilung der Informiertheit über die Sporträume
Abbildung 11: Beurteilung der Informiertheit der Befragten über die Sporträume in der näheren Umgebung
(differenziert nach Stadtbezirken und Altersgruppen; dargestellt ist der Mittelwert
(1 = „trifft zu“ bis 5 = „trifft nicht zu“))
Bad Godesberg
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
Bonn
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
Beuel
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
Hardtberg
unter 18 Jahre
18 bis 29 Jahre
30 bis 64 Jahre
65 Jahre und älter
n = 249
n = 516
n = 204
n = 137
1 2 3 4 5
3.25
2.44
3.54
3.17
2.61
3.30
3.31
3.79
3.09
3.43
3.12
trifft zu trifft nicht zu
3.16 (Mittelwert der Bundesstadt Bonn gesamt)
2.57
3.46
2.37
teils-teils
3.28
3.53
2.36
2.96
2.93
3.05
28Seite 38 von 214

3.1.3.4 Wunsch nach weiteren Sportangeboten
38,6 % der Befragten geben an, dass sie gerne eine Sportart ausüben wür-
den, aktuell aber daran aus verschiedenen Gründen gehindert werden. Als häufigster
Wunsch genannt wird das Schwimmen (22,1 %; 109 Nennungen). Die Wünsche bezie-
hen sich dabei auf das Schwimmen im Winter, auf spezielle Schwimmangebote für
Frauen und Mädchen sowie auf Zugangsmöglichkeiten für körperlich Beeinträchtige.
Des Weiteren besteht der Wunsch nach Angeboten im Yoga (5,1 %; 25 Nennungen),
Tennis ohne Mitgliedschaft in einem Sportverein (4,9 %; 24 Nennungen), Tanzen (auch
für ältere Personen) (4,3 %; 21 Nennungen) sowie Fitness und Volleyball (für Kinder,
Anfänger und Hobbyspieler) (je 4,1 %; je 20 Nennungen) (siehe Tabelle 4).
Gewünschte Sportarten Nennungen in Prozent
Schwimmen (auch im Winter, in der Halle, für Frauen, für körperlich Beeinträchtigte) 109 22,1 %
Yoga 25 5,1 %
Tennis (ohne Vereinsmitgliedschaft) 24 4,9 %
Tanzen (auch für Ältere) 21 4,3 %
Fitness 20 4,1 %
Volleyball (für Kinder, Anfänger, Hobbyspiel) 20 4,1 %
Basketball (auch für Kinder, öffentlicher Platz) 19 3,9 %
Reiten 18 3,7 %
Bogenschießen 17 3,4 %
Fußball 17 3,4 %
Klettern, Bouldern 17 3,4 %
Badminton 16 3,2 %
Wassersport (z. B. Wasserski, Windsurfen, Stand up Paddling, Segeln, Wakeboarden,
Jetski)
16 3,2 %
Aquasport (Spinning, Gymnastik) 15 3,0 %
Gymnastik (auch für Ältere) 15 3,0 %
Turnen (für erwachsene Anfänger, Kinder) 14 2,8 %
Tischtennis 11 2,2 %
Beachvolleyball (auch im Verein) 10 2,0 %
Kraftsport 8 1,6 %
Leichtathletik (auch für Kinder) 8 1,6 %
Outdoor Fitness 8 1,6 %
Kampfsport 7 1,4 %
Pilates 7 1,4 %
Rudern 7 1,4 %
Golf 6 1,2 %
Weitere Sportarten (Schlittschuhlaufen, Discgolf, Ninja Warrior Training, Original
Bootcamp, Pole Dancing, Hundesport, Rugby, Minigolf, Kartfahren, Freerunning,
Eiskunstlauf, Curling, American Football, …)
je 1–2
Nennungen
0,2–0,3 %
Gesamt 493
Tabelle 4: Gewünschte Sportarten der Befragten (n = 493)
293_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 39 von 214

Die Gründe dafür, dass die gewünschten Sportarten bisher nicht betrieben worden
sind, liegen in einem fehlenden (34,2 %) oder einem räumlich (34,2 %) bzw. zeitlich
(30,8 %) nicht passendem Angebot. Darüber hinaus sind für jeden Vierten die An-
gebote zu teuer und jedem Fünften fehlen grundlegende Informationen zu diesem
Sportangebot. Die gewünschten Sportangebote würden zudem betrieben werden
können, wenn es eine Kinderbetreuung gäbe oder spezielle Sporträume (wie bspw.
einen Hafen, eine Discgolf-Anlage) zur Verfügung stünden. Darüber hinaus äußern
die Befragten, dass oftmals freie Plätze oder Sportpartner in den gewünschten Sport-
angeboten fehlen würden.
3.1.3.4.1 Wunsch der Kinder und Jugendlichen nach weiteren Sportangeboten
Jedes dritte Kind bzw. jeder dritte Jugendliche gibt an, weitere Sportan-
gebote zu vermissen (siehe Tabelle 1, Anlagen, Seite 168).
An erster Stelle stehen die Wünsche der Mädchen nach Sportangeboten im Reiten
(14,2 %; 7 Nennungen), gefolgt von Turnen (8,1 %; 4 Nennungen). Jungen wünschen
sich hingegen, Basketball und Fußball auf einem öffentlich zugänglichen Platz spielen
zu können (je 4,1 %; 2 Nennungen). Sowohl Mädchen als auch Jungen wünschen sich
Angebote im Schwimmen (14, 2 %; 7 Nennungen) und Volleyball (10,1 %; 5 Nennun-
gen).5 Einiger dieser Sportarten werden zwar angeboten, sind jedoch für Kinder und
Jugendliche zu weit entfernt (bspw. Windsurfen, Beachvolleyball, Reiten, Golf, Schwim-
men, Schlittschuhlaufen, Eiskunstlaufen, Fechten, Klettern), zu teuer (bspw. Boxen,
Volleyball, Reiten, Klettern) oder passen zeitlich nicht (bspw. Leichtathletik, Boxen).
Für andere Sportangebote (bspw. Tanzen, Tischtennis, Rugby, Kunstturnen, American
Football, Breakdance) fehlen den Kindern und Jugendlichen hingegen Informationen
oder es gibt keine Angebote bzw. freien Plätze (bspw. Turnen, Volleyball, Rhönrad-
fahren).
3.1.3.4.2 Wunsch der Senioren nach weiteren Sportangeboten
Jede siebte Person über 65 Jahre gibt an, einen Wunsch nach weiteren Sport-
angeboten zu haben (siehe Tabelle 2, Anlagen, Seite 169).
Dabei dominiert der Wunsch nach Schwimmen in einer Halle (bspw. im Winter) mit
fast der Hälfte der Nennungen (49,7 %; 20 Nennungen) gefolgt von speziellen Ange-
boten an ein höheres Alter und damit verbundenen, möglichen Einschränkungen
(bspw. Sitzgymnastik, Fahrradfahren) (10,7 %; 4 Nennungen bzw. 7,1 %; 3 Nennun-
gen). Während für einige Angebote Informationen fehlen (bspw. Minigolf, Tischtennis,
Seniorengymnastik), fehlt für das Schwimmen in der Halle ein Hallenbad in der nähe-
ren Umgebung. Andere Angebote sind wiederum für diese Altersgruppe zu teuer
(bspw. Tischtennis, Schwimmen, Fitnesstraining, Badminton, Wassergymnastik, Reiten)
oder zu weit entfernt (bspw. Segeln).
5 Aufgrund der geringeren Rücklaufquote bei den Kindern und Jugendlichen der Bevölkerungsbefragung
(siehe Abschnitt 3.1.2) ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass es sich bei den Angaben der gewünschten
Sportarten um einzelne Nennungen handelt. Dies wird bei der Aufstellung der Handlungsempfehlungen
(siehe Abschnitt 6) durch die Gutachter explizit berücksichtigt.
30Seite 40 von 214

313_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
3.1.3.4.3 Wunsch der Frauen nach weiteren Sportangeboten
Jede zweite Frau im Alter von 18 bis 64 Jahren äußert einen Wunsch nach
fehlenden Sportangeboten (siehe Tabelle 3, Anlagen, Seite 170).
Mit 17, 1 % (49 Nennungen) ist dabei der Wunsch nach Schwimmsportangeboten
der am meisten genannte, gefolgt von Wünschen nach Yoga- (7,3 %; 21 Nennungen),
Fitness- (5,5 %; 15 Nennungen) und Aquaangeboten (4,6 %; 13 Nennungen). Die
Frauen wünschen sich mehr Informationen zu bestimmten Angeboten (bspw. Zirkel-
training, Frauenfußball, Lauftreffs, Boxen, Entspannungsangebote, Yoga, Tanzen,
Volleyball, Karate). Andere Angebote sind hingegen zu teuer (bspw. Tennis, Volley-
ball, Reiten, Tanzen, Fitness, Rudern) oder zu weit entfernt (bspw. Bogenschießen,
Klettern, Taekwondo, Golf).
3.1.3.4.4 Wunsch von gesundheitlich Beeinträchtigten
nach weiteren Sportangeboten
4,9 % aller Befragten geben an, aus gesundheitlichen Gründen (aktuell) kei-
nen Sport treiben zu können (bspw. aufgrund von Bandscheiben- bzw. Rückenprob-
lemen, körperlichen Beeinträchtigungen). Jeder vierte äußert jedoch einen Wunsch
nach weiteren Sportangeboten (siehe Tabelle 4, Anlagen, Seite 171).
An erster Stelle mit 25,0 % (6 Nennungen) werden dabei ganz unspezifische Ange-
bote für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen genannt, gefolgt von
spezifischen Angeboten wie Schwimmen für körperlich Beeinträchtigte in entspre-
chend zugänglichen Therapiebecken (20,8 %; 5 Nennungen), Gymnastikangebote
bei Atemwegserkrankungen (4,2 %; 1 Nennung) und Fahrradfahren für körperlich
beeinträchtigte Personen (4,2 %; 1 Nennung).
3.1.3.5 Schwerpunkte der Sportförderung
In einer abschließenden Frage sind die Befragten darum gebeten worden,
sich vorzustellen, einen gewissen Geldbetrag der Bundesstadt Bonn für Verbesserun-
gen im Bereich von Sportstätten und Bewegungsräumen selbst verteilen zu können.
Anstelle des konkreten Geldbetrages standen den Befragten 100 Punkte zur Ver-
fügung, die auf vier Themenfelder verteilt werden konnten. Mit durchschnittlich
32,9 Punkten wurde das Budget auf das Themenfeld „Bewegungsfreundliche Gestal-
tung des Wohnumfeldes (z. B. Radwege, Grünflächen)“ verteilt (siehe Abbildung 12,
Seite 32). 28,9 Punkte erhielt im Mittel das Themenfeld „Umgestaltung/Sanierung
bereits bestehender Sportstätten für den Freizeit- bzw. Wettkampfsport“. Die übrigen
Punkte verteilten sich auf den „Bau von frei zugänglichen Sport- und Bewegungsgelegen-
heiten für jedermann“ (im Durchschnitt 25,6 Punkte) und „Bau von neuen wettkampf-
gerechten Sportstätten für den Freizeit- und Wettkampfsport“ (im Durchschnitt 12,6
Punkte).
3.1.3.6 Spezifische Anmerkungen der Bevölkerung
Am Ende des Fragebogens hatten die Befragten die Möglichkeit, Anregun-
gen und Bemerkungen hinsichtlich des Sports in Bonn zu äußern. Jeder Vierte hat
von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Der Großteil der Anmerkungen bezieht
sich auf den Themenkomplex „Schwimmbäder“ (Erhalt bestehender Bäder; Sanierung
bestehender Bäder; Ausweitung der Öffnungszeiten (bspw. Öffnung eines Freibades
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 41 von 214

Abbildung 12: Aufteilung der möglichen Fördergelder auf vier Themenfelder (n = 1.167)
Aufteilung der möglichen Fördergelder | Angaben in %
Bewegungsfreundliche
Gestaltung des Wohn-
umfeldes
(z. B. Radwege,
Grünflächen)
32.9 %
Umgestaltung/
Sanierung bereits
bestehender Sportstätten
für den Freizeit- bzw.
Wettkampfsport
28.9 %
Bau von neuen
wettkampfgerechten
Sportstätten für
den Freizeit- und
Wettkampfsport
12.6 %
Bau von frei
zugänglichen
Sport- und
Bewegungs-
gelegenheiten
für jedermann
25.6 %
bis 22:00 Uhr; Frühschwimmen am Wochenende; Saison von Mai bis September/
Oktober; Öffnung der Hallenbäder auch im Sommer); ganzjährig beheiztes Schwimm-
bad; Einführung von Studententarifen; aufladbare Karten bzw. Möglichkeiten zur Zah-
lung von „Kurzbesuchen“) und Fahrradwege (Erhöhung der Qualität, Quantität und
Sicherheit (Verbreiterung, Beschilderung, Fahrradampeln); Bau von Fahrradschnell-
straßen; Installation von Fahrradbügeln vor Wohnhäusern). Ebenfalls von hohem Inter-
esse ist die Erhöhung der Pflege, die Sanierung und die Modernisierung von Sport-
stätten ebenso wie die Angebotserweiterung für Kinder und Jugendliche (bspw.
Kinderturnen, Volleyball, Basketball, Schwimmen), für Eltern, für Geringverdiener, für
körperlich Beeinträchtigte sowie für Senioren und Berufstätige. Bereits bestehende
Angebote, wie Sport im Park, werden von den Befragten als überaus positiv wahrge-
nommen und gelobt. Hinsichtlich der Förderung von Sportarten äußern die Befragten
eine zu starke Fokussierung auf die Sportarten Fußball und Basketball. Eine Förderung
von alternativen Sportformen (bspw. Parkour, Slacklinen, Urban-Bouldering) wünschen
sich die Befragten. Um auch im öffentlichen Raum Sport treiben zu können, haben
die Befragten ganz konkrete Vorstellungen (Errichtung von Outdoor-Fitnessgeräten,
Trimm-Dich-Pfaden, Kletterpfaden, Gesundheitspfaden sowie Parkouranlagen; Auf-
stellen von Tischtennisplatten bspw. in Beuel; öffentlich zugänglicher Beachvolleyball
und Basketballplatz bspw. in der Rheinaue; Installation von Sitz- und Ruhemöglich-
keiten; Installation eines Disc-Golf-Korbes; Errichtung einer Boulebahn am Bungert auf
dem ehemaligen Brandweiher; Anbringen von Baumschonern für das Slacklinen;
Beleuchtung in der Rheinaue; einen See für Wassersport zugänglich machen). Zudem
besteht der Wunsch danach, alle sportlichen Aktivitäten, alle Sportvereine und Sport-
angebote in einem online-System nutzerfreundlich abzubilden.
3.1.3.7 Sozialräumliche Analyse
Da sich die Stadtteile einer Stadt wie Bonn aufgrund der verschiedenen
Lebensbedingungen und den Chancen, die ihre Weiterentwicklung bieten, sehr unter-
schiedlich entwickeln, werden die Ergebnisse auch vor dem Hintergrund einer stadt-
teilorientierten Analyse hin untersucht. Denn wenn es das Ziel der Bundesstadt Bonn
ist, bezogen auf die räumlichen Rahmenbedingungen des Sporttreibens möglichst
32Seite 42 von 214

allen Menschen den Zugang zum Sport zu ermöglichen, dann ist zu fragen, ob
bestimmte Stadtteile mit Sportstätten unterversorgt sind, deren Qualität unterschied-
lich ist und in welchen Stadtteilen sich die Bevölkerung so verändern wird, dass die
Stadt auch im Bereich der Sportstätten Maßnahmen ergreifen sollte (siehe dazu
Abschnitt 3.4). Im Folgenden wird daher zunächst die soziale Lage der Bevölkerung
aus sozialräumlicher Sicht untersucht. Daraufhin werden die Wünsche der Bürger hin-
sichtlich des Sporttreibens abgebildet. Ziel ist es, die statistischen Gebiete hinsichtlich
mehrerer Merkmale des Themenfeldes „soziale Ungleichheit“ im gesamtstädtischen
Vergleich zu identifizieren und zu analysieren. Die Ergebnisse dieser Analyse dienen
dann als Grundlage für die weiteren Untersuchungen und der Ableitung von Hand-
lungsempfehlungen dieses Gutachtens. Ebenso können stadtentwicklungspolitische
Handlungsbedarfe abgeleitet werden.
3.1.3.8 Methodik
Unter Anwendung der Methode des Sozialmonitorings werden die statis-
tischen Bezirke in Bonn aufgrund von zuvor festgelegten sozialen Aufmerksamkeits-
indikatoren im gesamtstädtischen Vergleich identifiziert und anhand von weiterem
Datenmaterial (bspw. der Qualität der Sportstätten) analysiert. Daraus ableitbar sind
dann sportbezogene stadtentwicklungsplanerische Maßnahmen.
Die Methode des Sozialmonitorings folgt den Ausführungen des Hamburger Index-
verfahrens (siehe Freie und Hansestadt Hamburg, 2013, Seite 52).6 Durch das zwei-
stufige Indexverfahren wurden die 62 statistischen Bezirke auf der Basis ausgewählter
Strukturindikatoren in verschiedene, den Status und die Entwicklung beschreibende
Status-7 und Dynamikklassen8 eingeteilt.9 Für die Bildung eines Gesamtindex mit dem
Schwerpunkt „soziale Ungleichheit“ sind acht Aufmerksamkeitsindikatoren gemäß
wissenschaftlicher Literatur empfehlenswert. Der Bundesstadt Bonn lag lediglich
Datenmaterial zu drei dieser acht Indikatoren für den Zeitraum 2013 bis 2016 bezogen
auf die wohnberechtigte Gesamtbevölkerung im statistischen Bezirk vor, die den Gut-
achtern zur Verfügung gestellt werden konnten.
6 Hinweis: Bei der Methode des Sozialmonitorings handelt es sich um ein komplexes Indizierungsverfahren.
Die Darstellung der von der Stadt erhaltenen Datensätze und die Berechnung der einzelnen Indikatoren
würden den Rahmen des vorliegenden Sportentwicklungsberichtes unnötig in die Länge ziehen. Der
interessierte Leser kann sich bei dem „Sozialmonitoring Integrierte Stadtentwicklung“ der Freien und
Hansestadt Hamburg (2013) über das Berechnungsverfahren informieren.
7 „Der Statusindex zeigt den Status quo eines Statistischen Gebietes im Vergleich zum gesamtstädtischen
Durchschnitt auf. In Kombination mit dem Dynamikindex bildet er den Gesamtindex“ (Freie und Hansestadt
Hamburg, 2013, S. 65). Er basiert auf den Status der Indikatoren, die eine Statussumme bilden. Diese
Statussumme kann negativ/positiv sein und somit unter-/überdurchschnittliche Anteile beim jeweiligen
Statusindikator im Vergleich zur Gesamtstadt aufweisen.
8 „Der Dynamikindex zeigt die Entwicklungstendenz eines Statistischen Gebietes im Vergleich zum gesamt-
städtischen Durchschnitt auf. Durch Kombination mit dem Statusindex bildet er den Gesamtindex“ (Freie und
Hansestadt Hamburg, 2013, S. 65). Um über die Entwicklung der Indikatoren des jeweiligen Gebietes mit der
Gesamtstadt Aufschluss zu erhalten, wird die Entwicklung des jeweiligen Indikators über drei Jahre hinweg
dargestellt und zu einer Dynamiksumme aufsummiert. Jedem statistischen Bezirk kann somit eine
Dynamikklasse zugeordnet werden.
9 Hinweis: Bei der Einteilung in einen Gesamtindex handelt es sich um eine den aktuellen Status und die
aktuelle Entwicklung beschreibende Darstellungsform. Es handelt sich hierbei keinesfalls um eine absolute
Einteilung. Wenn sich die Entwicklung eines Indikators (bspw. durch bestimmte städtische Maßnahmen)
verändert, so kann das statistische Gebiet den Gesamtindex wechseln.
333_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 43 von 214

Bei diesen drei Indikatoren handelt es sich um folgende:
— Anteil der Kinder mit Zuwanderungshintergrund, ausländische Kinder und
deutsche Kinder mit Zuwanderungshintergrund (Zuwanderer) bis 18 Jahre,
— Anteil der Personen mit Leistungsbezug (Grundsicherung für
Arbeitssuchende (SGB II)) sowie
— Anteil der Arbeitslosen (SGB III) mit 15 und unter 65 Jahren.
3.1.3.9 Ergebnisse
Die Einteilung der statistischen Bezirke in die jeweiligen Statusindex- bzw.
Dynamikindex-Klassen kann den Tabellen 5 und 6, Anlagen, Seiten 172 und 173, ent-
nommen werden. Insgesamt gibt es demnach sechs statistische Bezirke, die einen „sehr
niedrigen“ Statusindex aufweisen und drei von ihnen weisen darüber hinaus eine
„negative“ Entwicklung in den letzten drei betrachteten Jahren auf (Bonn-Güterbahn-
hof, Alt-Tannenbusch und Neu-Tannenbusch) (siehe Tabelle 7, Anlagen, Seite 174 bzw.
Abbildung 13, Seite 34).
Abbildung 13: Räumliche Darstellung des Sozialmonitorings
(QGIS 2.18; Kartendaten: ©2019 GeoBasis-DE/BKG (©2009), Quelle: Google Maps)
hoch-positiv/hoch-stabil
hoch-negativ/mittel-positiv/mittel-stabil
mittel-negativ/niedrig-positiv/niedrig-stabil
niedrig-negativ/sehr niedrig-positiv/sehr niedrig-stabil
sehr niedrig-negativ
34Seite 44 von 214

353_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Auch die statistischen Bezirke Godesberg-Zentrum und Pennenfeld weisen „negative“
Entwicklungen der betrachteten Indikatoren auf und verfügen zudem über einen
„niedrigen“ Statusindex. Durch die Mitglieder der Lenkungsgruppe (4. Sitzung am
17. Januar 2018) sind zusätzlich die statistischen Bezirke Auerberg, Buschdorf, Meding-
hoven, Dransdorf, Heiderhof und Bad Godesberg mit in den Fokus der sozialräum-
lichen Analysen aufgenommen worden. Diese statistischen Bezirke, die entweder
einen aktuell niedrigen Status und/oder eine negative Entwicklung in den betrachteten
Indikatoren aufweisen, liegen im Fokus der weiteren Betrachtungen des Gutachtens.
Mit geeigneten Maßnahmen gilt es, die statistischen Bezirke mit einem niedrigen Status
so zu "unterstützen", so dass diese bei einem erneuten (unbedingt empfehlenswerten)
Sozialmonitoring in den Folgejahren, einen mittleren und/oder hohen Status auf-
weisen. Für statistische Bezirke mit einer negativen Entwicklung in dem betrachteten
Zeitraum gilt das Gleiche. Auch hier sollte durch entsprechende Maßnahmen ange-
strebt werden, eine stabile bzw. positive Entwicklung der Indikatoren zu erreichen.
Zusammenfassung (3.1)
Die befragte Bonner Bevölkerung ist sehr sportaktiv und -interes-
siert. Das gilt für alle Altersgruppen. Die Vielfalt der insgesamt
ausgeübten 135 Sportarten ist beachtlich, wobei das Schwimmen,
das Fahrradfahren, der Fitnesssport und das Joggen am häufigsten,
auch im Altersvergleich, betrieben werden. Durchschnittlich übt
jeder Sportaktive zwei Sportarten aus. Es besteht der Wunsch der
Bevölkerung nach bestimmten Sportangeboten. Während die Jugend
überwiegend die Angebote des Vereinssports bevorzugt, sind die
meisten Erwachsenen im öffentlichen Raum oder in bestimmten
Einrichtungen sportlich aktiv und organisieren sich selbst. Die
Qualität der genutzten Sporträume wird unterschiedlich bewertet.
Die Bezirke und Sozialräume unterscheiden sich in bestimmten
Merkmalen voneinander.
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 45 von 214

3.2 Der Sport in den Sportvereinen
Wie die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung zeigen (siehe Abschnitt 3.1)
übt eine Vielzahl an Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, ihren Sport
in Sportvereinen aus. Die Sportvereine stellen ihren Mitgliedern u. a. den benötigten
Zugang zu Sporträumen sowie qualifizierte Trainer und Übungsleiter zur Verfügung.
3.2.1 Empirisches Vorgehen
Um ein möglichst umfassendes Bild der Situation des Sports in der Bundes-
stadt Bonn zu erhalten, wurden auch die Bonner Sportvereine vom 30. Juni 2017 bis
zum 18. August 2017 schriftlich befragt. Mittels eines Fragebogens wurden die
Sportvereine zu den Merkmalen ihres Sportvereines (bspw. Mitglieder, Mitarbeiter), zu
ihrem Sportangebot und den von ihnen genutzten Sport-Bewegungsräumen sowie
zu ihren Kooperationen, Zielen und Herausforderungen befragt.
3.2.2 Angaben zur Stichprobe
An der Befragung nahmen 97 Sportvereine teil (36 % aller durch die Stadt
Bonn angeschriebenen Sportvereine), welche die Interessen von 51.375 Sportver-
einsmitgliedern repräsentieren. Bei insgesamt 73.881 Sportvereinsmitgliedern in der
Bundesstadt Bonn (zum Zeitpunkt der Befragung) entspricht dies einem Anteil von
70 %. Es haben Sportvereine aus allen vier Bonner Stadtbezirken an der Befragung
teilgenommen (siehe Abbildung 14). 38,4 % der antwortenden Sportvereine haben
ihren Sportvereinssitz in dem Stadtbezirk Bonn, 28,3 % in Bad Godesberg, 20,2 % in
Beuel und 13,1 % in Hardtberg.
An der Befragung teilnehmende Sportvereine | Angaben in %
Bad Godesberg
n = 27
Bonn
n = 37
Beuel
n = 19
Hardtberg
n = 12
50
40
30
20
10
0
28.3
38.4
20.2
13.1
Abbildung 14: Sitz derjenigen Sportvereine, die an der schriftlichen Befragung teilgenommen haben (n = 95)
36Seite 46 von 214

373_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
3.2.3 Ergebnisse
Die folgenden Ergebnisse (Abschnitt 3.2.3.1 bis 3.2.3.7) beziehen sich aus-
schließlich auf die antwortenden Sportvereine (n = 97).
3.2.3.1 Merkmale der Sportvereine
Der Großteil der antwortenden Sportvereine bezeichnet sich als jugend-
orientierten (72 %) und/oder integrativen (69,0 %) Sportverein. Die Hälfte der Sport-
vereine meldet zurück, dass ihr Sportverein ein Leistungssportverein ist. Diejenigen
Sportvereine, die sich als geselligen Traditionsverein (40,0 %) und/oder dienstleis-
tungsorientierten Sportverein (15,0 %) verstehen, sind im Vergleich etwas weniger
vorhanden.
Die antwortenden Sportvereine haben zum Zeitpunkt der Befragung zusammen
51.375 Mitglieder, von denen 88 % aktive und 12 % passive10 Sportvereinsmitglieder
sind. Jedes dritte Sportvereinsmitglied wohnt in dem Stadtbezirk Bonn und jedes
sechste Sportvereinsmitglied hat seinen Wohnsitz außerhalb der vier Bonner Stadt-
bezirke (siehe Abbildung 15).
Abbildung 15: Wohnsitz (Stadtbezirk) der Sportvereinsmitglieder der antwortenden Sportvereine (n = 96)
Wohnsitz der Sportvereinsmitglieder | Angaben in %
Bonn 34.8
Hardtberg 10.9
Bad Godesberg 19.1außerhalb 15.9
Beuel 19.3
10 Unter passiven Mitgliedern werden diejenigen verstanden, die Sportvereinsmitglied sind, jedoch keinen Sport
treiben, d. h., die weder an Wettkampf-, Trainings- noch an Freizeitsportangeboten des Sportvereins
teilnehmen. Meist zahlen sie einen „passiven“ Mitgliedsbeitrag.
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 47 von 214

11 Unter Honorarkräften werden die Personen gefasst, die über dem Übungsleiterfreibetrag von 2.400 € und/oder
über dem Ehrenamtsfreibetrag von 720 € pro Kalenderjahr tätig sind.
Insgesamt engagieren sich in den antwortenden Sportvereinen 4.992 Sportvereinsmit-
glieder regelmäßig ehrenamtlich. Der Großteil der Ehrenamtlichen (79,5 %) sind Perso-
nen im Sport-, Übungs- und Wettkampfbetrieb. Weitere Ehrenamtliche sind in Vor-
standspositionen tätig (18,0 %) oder übernehmen Aufgaben im Bereich der Technik,
Wartung und Pflege (2,5 %). Hauptamtliche Mitarbeit ist dahingegen die Ausnahme:
Lediglich 8 Sportvereine geben an, einen bzw. zwei hauptamtliche(n) Geschäftsführer
zu beschäftigen. Darüber hinaus beschäftigen 12 Sportvereine Personen im Sport-,
Übungs- und Wettkampfbetrieb (Min. = 1; Max. = 57) und fünf Sportvereine Personen
in der Technik, Wartung und Pflege (Min. = 1; Max. = 6) hauptamtlich. Bei den mone-
tären Entlohnungen handelt es sich zumeist um selbstständige Honorarkräfte11
(30,0 %) bzw. geringfügige Beschäftigte (36,0 %). Vollzeit- (15,0 %) bzw. Teilzeit-
angestellte (8,0 %) sind im Vergleich eher weniger eingestellt. Das gilt auch für Perso-
nen im Freiwilligendienst (11,0 %) und für Auszubildende (2,0 %).
3.2.3.2 Angebote der Sportvereine
Insgesamt bieten die antwortenden Sportvereine rund 80 verschiedene Sport-
und Bewegungsangebote an. Einige sind im Falle der Fitness- und Gesundheitskurs-
angebote zu einer Sammelkategorie zusammengefasst worden (z. B. Pilates, Aerobic,
Thai-Bo etc.), so dass der tatsächliche Wert der geäußerten Sportangebote etwas
höher liegt (rund 95). Einen Überblick über die Angebote der Sportvereine und deren
zeitliche Umfänge gibt Abbildung 16.
600
480
360
240
120
0
Sportvereinsangebote | Anzahl der Stunden pro Woche
566
395
344
283 250
189 173 166
105 101 101 94 92 68 66 66 63 60 57 49
Abbildung 16: Zeitlicher Umfang der TOP 20 Sportvereinsangebote (Stunden/Woche; n = 97)
Fußball
Tennis
Schwimmen
Basketball
Fitness-/Gesundheit
Präventionssport
Tischtennis
Fitnessstudio
Handball
Volleyball
Turnen
Badminton
Kinderturnen
Rudern
Tanzen
Leichtathletik
Gymnastik
Radsport
Sportschießen
Kampfsport
38Seite 48 von 214

393_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Mit 566 Stunden pro Woche sind Angebote im Fußball am umfangreichsten, gefolgt
von Tennis (395), Schwimmen (344), Basketball (283) sowie Fitness- und Gesundheits-
angebote (250). Lediglich 5,2 % der antwortenden Sportvereine geben an, dass sie
in Zukunft für spezifische Sportangebote weniger Stunden anbieten werden (bspw.
aufgrund fehlender Übungsleiter und/oder Nutzungszeiten). Das betrifft insbesondere
Angebote wie Crossfit, Fitness und Gymnastik, Fußball für Kinder und Jugendliche,
Karate, Leichtathletik, Linedance, Tanzen für Jugendliche und Schwimmen. Jeder dritte
Sportverein äußert die Absicht, in naher Zukunft, ohne sich dabei auf konkrete Zeit-
räume festzulegen, mehr Stunden für folgende Sportangebote anbieten zu wollen:
Fußball (Damen, Kinder, Jugend, Senioren), Schwimmen (Anfänger, Fortgeschrittene,
Breitensport, Wettkampfsport, Kinder, Jugendliche, Erwachsene), Kinderturnen, Ge-
sundheitssport (Senioren), Schießen (neue Disziplinen, Jugend, Grundlagentraining),
Tischfußball (Kinder, Jugendliche), Aqua-Jogging, Aqua-Gymnastik, Unterwasserrugby,
Lacrosse, Rudern und Kanu. Jeder fünfte Sportverein plant konkret (bspw. stehen
bereits Übungsleiter und Nutzungszeiten fest) in unmittelbarer Zukunft weitere (neue)
Sportangebote anzubieten: u. a. Drums Alive, Fitness, Freizeitsport Outdoor, Gesund-
heitssport, Lauftraining, Paddle-Tennis, Radtraining, Quidditch für Kinder, Tauchen
und Zumba. Befragt nach Sport- und Bewegungsangeboten, welche die antworten-
den Sportvereine gerne anbieten würden, aber derzeit nicht anbieten können, geben
fast die Hälfte (47,4 %) der Sportvereine an, dass dies für sie auf die meisten Sport-
angebote zutrifft. Die Gründe dafür, dass diese Sport- und/oder Bewegungsangebote
bisher nicht realisiert werden konnten, liegen insbesondere in der mangelnden Ver-
fügbarkeit von Nutzungszeiten (84,5 %) sowie fehlender Übungsleiter (37,3 %). Als
weitere Gründe werden fehlende Kooperationspartner, schlechte Parkplatzsituatio -
nen, fehlende Sportgeräte (bspw. für das Bogenschießen) und eine optimierungs-
bedürftige finanzielle Unterstützung genannt.
3.2.3.3 Sportstättensituation der Sportvereine
Die zum Zeitpunkt der Befragung allgemein vorliegende Sportstättensitua-
tion wird von den antwortenden Sportvereinen im Durchschnitt mit der Schulnote
3,40 bewertet. Um detailliertere Informationen zu der Sportstättensituation in den
jeweiligen Stadtbezirken zu erhalten, wurden die Sportvereine in einer Anschlussfrage
darum gebeten, verschiedene Aspekte der Sportstättensituation konkret für ihren
Sportverein zu beurteilen. Bei den weiteren Aspekten handelt es sich zum einen um
die Verfügbarkeit, Qualität und Belegungsregelung der Bonner Sportstätten.
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 49 von 214

Die Verfügbarkeit von Bonner Sportstätten für die Durchführung von Sport- und Bewe-
gungsangeboten wird von den antwortenden Sportvereinen im Mittel mit der Schul-
note 3,40 bewertet. Dabei wird die Verfügbarkeit von städtischen Sportplätzen
(M = 3,10) im Mittel leicht positiver bewertet als die Verfügbarkeit von Turn- und
Sporthallen (M = 3,40), Gymnastik- und Fitnessräumen (M = 3,60) sowie städtischen
Schwimmbädern (M = 3,60) (siehe Abbildung 17). Insbesondere die Sportvereine mit
Sitz in dem Stadtbezirk Bad Godesberg beurteilen die Verfügbarkeit mit städtischen
Gymnastik- und Fitnessräumen mit der Schulnote 4,30.
Die Qualität der städtischen Sportstätten wird von den antwortenden Sportvereinen
im Durchschnitt mit der Schulnote 3,60 eingestuft. Während die Sportvereine aus dem
Stadtbezirk Hardtberg mit der Qualität der städtischen Sportplätze vergleichsweise zu-
frieden sind (M = 2,60), bemängeln die Sportvereine aus dem Stadtbezirk Beuel die
Qualität der städtischen Gymnastik- und Fitnessräume (M = 4,60) (siehe Abbildung 18,
Seite 41).
Im Vergleich zu den zwei vorherigen Aspekten der Sportstättensituation wird die
Belegungsregelung ein wenig positiver, aber dennoch mit der Schulnote 3,20 bewer-
tet. Insbesondere die antwortenden Sportvereine mit Sitz in dem Stadtbezirk Hardt-
berg vergeben für die Belegungsregelung der städtischen Gymnastik- und Fitness-
räume im Durchschnitt die Schulnote 4,00 (siehe Abbildung 19, Seite 41).
Beurteilung der städtischen Sportstätten | in Schulnoten
6
5
4
3
2
1
3.40 3.10
3.50 3.40 3.30
3.60
4.30
3.20 3.20
3.50
3.10 3.00 3.20
3.30
2.80
3.40
3.80 3.80
3.60 3.60
Verfügbarkeit der
städtischen Turn-/Sport-
hallen
n = 64
Verfügbarkeit der
städtischen Gymnastik-/
Fitnessräume
n = 33
Verfügbarkeit der
städtischen Sportplätze
n = 40
Verfügbarkeit der
städtischen Schwimm-
bäder
n = 28
Abbildung 17: Beurteilung der Verfügbarkeit der städtischen Sportstätten durch die Sportvereine
40Seite 50 von 214

413_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
6
5
4
3
2
1
3.60 3.50
3.60 3.60 3.80 3.70 3.80
4.60
3.503.50 3.303.10
3.40
3.60
2.60
3.80
4.003.80
3.60
3.00
Qualität der
städtischen Turn-/
Sporthallen
n = 56
Qualität der
städtischen Gymnastik-/
Fitnessräume
n = 24
Qualität der
städtischen Sportplätze
n = 39
Qualität der
städtischen Schwimm-
bäder
n = 29
Abbildung 18: Beurteilung der Qualität der städtischen Sportstätten durch die Sportvereine
6
5
4
3
2
1
3.00 3.102.70
3.10 2.90 3.10 3.00
2.70
4.00
3.00
3.403.40 3.20 3.20
3.40
3.00
3.20 3.30
Belegungsregelung
der städtischen Turn-/
Sporthallen
n = 61
Belegungsregelung
der städtischen Gymnastik-/
Fitnessräume
n = 27
Belegungsregelung
der städtischen
Sportplätze
n = 35
Belegungsregelung
der städtischen
Schwimmbäder
n = 26
Abbildung 19: Beurteilung der Belegungsregelung der städtischen Sportstätten durch die Sportvereine
(in Schulnoten; Mittelwert (1 = „sehr gut“ bis 6 = „ungenügend“)) – gilt für alle Beurteilungen der
Abbildungen 14 bis 16
alle Sportvereine Sportvereine mit Sitz in …Bad Godesberg … in Bonn
… in Beuel … in Hardtberg
3.30 3.00
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 51 von 214

Die Sportvereine sind auch danach befragt worden, ob sie bestimmte Probleme in der
Nutzung derjenigen städtischen Sportstätten und Sporträume erleben, die ihnen zur
Nutzung überlassen worden sind. Als größtes Problem nennen die Sportvereine den
Sanierungszustand (51,5 %), gefolgt von der mangelnden Sauberkeit (39,2 %), fehlen-
dem Lagerplatz für Sportgeräte (33,0 %) und einer optimierungsbedürftigen Mängel-
behebung (30,9 %) (siehe Abbildung 20).
Probleme der Sportstättennutzung | Angaben in %
Sanierungszustand
Sauberkeit
Lagerung der Geräte
Mängelbehebung
Vergabepraxis
Nutzerkonflikte
Sonstiges
Ersatz-/Neubeschaffung Sportgeräte
Kommunikation mit den Schulen
Schlüsseldienst
Kommunikation mit der Verwaltung
Schließungszeiten
Zentrale Veranstaltungen
Technisches Personal
Erlaubnis von Verköstigung
51.5
39.2
33.0
30.9
14.4
13.4
13.4
10.3
7.2
6.2
6.2
6.2
3.1
2.1
2.1
0 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
(Sonstiges: OGS, Kommunikationswege über Schließungen, Parkplatzsituation)
Abbildung 20: Durch die Sportvereine erlebte Probleme in der Nutzung städtischer Sportstätten und
Sporträume (n = 97; Mehrfachnennungen sind möglich)
Fast jeder zweite Sportverein (42,3 %) gibt an, dass er mangels ausreichender Sport-
stätten seinen Sportbetrieb derzeit (bzw. zukünftig) nicht vollständig durchführen
könne. Insgesamt äußern die antwortenden Sportvereine einen Bedarf an 362,5 zu-
sätzlich benötigten Zeitstunden in der Woche (405,0 in Zukunft), um ihren Übungs-
betrieb vollständig bzw. 101,0 Wochenstunden (132,3 in Zukunft) um ihren Wett-
kampfbetrieb durchführen zu können.12 Das entspricht 8,8 wöchentlichen Zeitstunden
für den Übungsbetrieb bzw. 2,5 wöchentlichen Zeitstunden für den Wettkampf-
betrieb je Sportverein. Für Meisterschaften, temporäre Kurse und/oder Turniere geben
die Sportvereine an, dass ihnen 30,0 wöchentliche Zeitstunden (38,0 in Zukunft)
fehlen würden. Auf welche städtischen Sporträume sich der geäußerte Bedarf im
Übungs- bzw. Wettkampfbetrieb bezieht, kann Tabelle 1313, Seite 63 entnommen
12 Im Vergleich: Eine Dreifeldhalle verfügt von 08:00 bis 22:00 Uhr (Montag bis Freitag) über maximal
210 Nutzungszeiten für drei Nutzergruppen. Ein Lehrschwimmbecken verfügt von 08:00 bis 22:00 Uhr (Montag
bis Freitag) über maximal 140 Nutzungseinheiten für zwei Nutzergruppen. Ein Kunstrasenplatz verfügt von
08:00 bis 22:00 Uhr (Montag bis Freitag) über maximal 70 Nutzungseinheiten für eine Nutzergruppe.
13 Die Differenzen bezüglich des aktuellen geäußerten (493,5) Zeitstunden- und des konkreten Sportstätten-
bedarfs (663,5) liegen in der Formulierung der zwei verschiedenen Fragestellungen begründet. Der Anteil und
die Gewichtung der Sportstättenbedarfe sind jedoch als Aussage von hoher Bedeutung.
42Seite 52 von 214

433_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
werden. Dabei werden insgesamt 291,5 Zeitstunden in Sporthallen (insbesondere
Zwei- und Dreifeldhallen (132,5 Zeitstunden)) und 129 Zeit stunden Wasserfläche be-
nötigt. Bei den geäußerten Bedarfen an Sportplatzzeiten (88 Zeiten) fällt der Großteil
auf Großspielfelder (81 Zeitstunden). Bei den sonstigen Räumen (145 Zeitstunden)
wird vor allem ein Bedarf für Schießstände mit 68 Zeitstunden genannt.
Da der öffentliche Raum von Sportvereinen auch zur Durchführung von Sport- und
Bewegungsangeboten genutzt wird, wurden die Sportvereine in einer weiteren Frage
dazu aufgefordert, die von ihnen genutzten öffentlichen Wege, Grün- und Parkan-
lagen hinsichtlich der Nutzung für sportliche Zwecke zu bewerten. Im Durchschnitt
sind die öffentlichen Sporträume mit M = 3,0 (Mittelwert auf einer Skala von 1 = „sehr
zufrieden“ und 6 = „sehr unzufrieden“) bewertet worden (siehe Abbildung 21). Zu-
frieden sind die Sportvereine insgesamt mit der Erreichbarkeit (M = 2,2), der Anzahl
(M = 2,5) und den Zugangsregelungen (M = 2,6) der öffentlichen Sporträume in der
unmittelbaren Umgebung. Im Vergleich weniger zufrieden sind die Sportvereine mit
dem Zugang zu sanitären Anlagen (M = 4,4), der Ausstattung an Bewegungs- und
Spielgeräten (M = 3,9) sowie der Beschilderung (M = 3,9) der von ihnen sportlich
genutzten öffentlichen Sporträume.
Wie zufrieden sind Sie mit … | Mittelwert
... der Erreichbarkeit öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins?
... der Anzahl öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres Sportvereins?
... der Zugangsregelung (z.B. Öffnungszeiten) öffentlicher Sporträume
in der Umgebung Ihres Sportvereins?
... den Freiflächen zum Bewegen öffentlicher Sporträume in der Umgebung
Ihres Sportvereins?
... den Laufwegen öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres Sportvereins?
... der Eignung für die sportliche Nutzbarkeit öffentlicher Sporträume in
der Umgebung Ihres Sportvereins?
... dem Zustand öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres Sportvereins?
... dem Gesamteindruck öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins?
... der Barrierefreiheit öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins?
... den Parkmöglichkeiten öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins?
... der Ausstattung an Sitzgelegenheiten öffentlicher Sporträume in der
Umgebung Ihres Sportvereins?
... der Information über öffentliche Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins?
... der Sicherheit öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins? (z.B. Beleuchtung)
... der Beschilderung öffentlicher Sporträume in der Umgebung Ihres
Sportvereins?
… der Ausstattung mit Bewegungs- und Spielgeräten öffentlicher
Sporträume in der Umgebung Ihres Sportvereins?
... dem Zugang zu sanitären Anlagen öffentlicher Sporträume in der
Umgebung Ihres Sportvereins?
1 2 3 4 5 6
4.40
3.90
3.90
3.50
3.50
3.50
3.10
3.00
3.00
2.90
2.80
2.60
2.60
2.60
2.50
2.20
(Sonstiges: OGS, Kommunikationswege über Schließungen, Parkplatzsituation)
Abbildung 21: Bewertung der von den Sportvereinen für sportliche Zwecke genutzten öffentlichen Sporträume
(n = 97; Mittelwert (1 = „sehr zufrieden und 6 = „sehr unzufrieden“))
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSeite 53 von 214

3.2.3.4 Kooperationen der Sportvereine
Der Großteil der antwortenden Sportvereine gibt an, aktuell eine/mehrere
Kooperation(en) mit Schulen (37,1 %) bzw. mit anderen Sportvereinen (24,7 %) zu
haben (siehe Abbildung 22).
Kooperation mit …
anderen Sportvereinen
Sportangebot
Übungsleiter
Sportstätte
Sportler
Schulen
Sportangebot
Übungsleiter
Sportstätte
Sportler
Kommerziellen Sportanbietern
Sportangebot
Übungsleiter
Sportstätte
Sportler
Kindertagesstätten
Sportangebot
Übungsleiter
Sportstätte
Sportler
Trägern der Jugendarbeit
Sportangebot
Übungsleiter
Sportstätte
Sportler
Anderen Anbietern
Sportangebot
Übungsleiter
Sportstätte
Sportler
40 %0 % 10 % 20 % 30 %
24.5
9.3
15.5
11.3
17.5
18.6
3.1
2.1
13.4
6.2
6.2
2.1
37.1
7.2
3.1
0.0
Abbildung 22: Kooperation(en) und Kooperationspartner der Sportvereine (n = 97)
12.4
7.2
4.1
1.0
9.3
7.2
4.1
4.1
44Seite 54 von 214

453_Ergebnisse der empirischen Untersuchungen
Die Angebote reichen dabei von Badminton, über Baseball, Cricket und Rollstuhl-
basketball hin zu Unterwasserrugby. Neben der Kooperation der Sportvereine unter-
einander und mit den Schulen hinsichtlich des Sportangebotes bestehen darüber
hinaus weitere Kooperationen in den Bereichen „Übungsleiter“, „Sportstätten“ und
„Sportler“. Neben Kindertagesstätten und Trägern der Jugendarbeit geben die Sport-
vereine an, u. a. mit Betrieben, Flüchtlingshilfen, Senioreneinrichtungen und Volks-
hochschulen zu kooperieren. Insbesondere mehr als jeder dritte (35,1 %) der antwor-
tenden Sportvereine strebt an, die Kooperationen mit den Schulen hinsichtlich der
Sportangebote zukünftig weiter fortzuführen bzw. aufzunehmen. 3 % aller Sportver-
eine gaben an, aufgrund fehlender Kooperationspartner derzeit keine Sportangebote
(mit Nachfrage) anbieten zu können. Dabei handelt es sich bspw. um Sportangebote
für Schwerstmehrfachbehinderte und um Angebote der Ballschule für unter 5-Jährige.
3.2.3.5 Ziele und Herausforderungen der Sportvereine
Die Sportvereine sind auch danach befragt worden, welche Ziele sie haben
und welche Bedeutung sie dieser Zielsetzung jeweils zukommen lassen. Abbildung 23,
Seite 46 gibt einen Überblick über die Ziele und deren Bedeutungen für die Sport-
vereine. Als wichtigste Ziel geben die antwortenden Sportvereine an, den jetzigen
Mitgliederstand zu halten (M = 1,30), neue Mitglieder zu gewinnen (M = 1,30) und
Jugendliche mit den eigenen Angeboten anzusprechen (M = 1,30).
Gegen Ende des Fragebogens wurden die Sportvereine um eine Einschätzung gebe-
ten, in welchem Ausmaß bestimmte Probleme auf sie zutreffen. Diese Einschätzung
erfolgte jeweils auf einer sechsstufigen Skala von 1 = „die Existenz bedrohendes
Problem“ bis 6 = „kein Problem“. Abbildung 24, Seite 46 zeigt, dass den Sport-
vereinen demnach die größten Sorgen die Gewinnung von Ehrenamtlichen (M = 2,90)
sowie von Trainern und Übungsleitern (M = 3,30) bereitet. Im Vergleich deutlich
geringere Probleme hingegen stellt die Gewinnung und Bindung von sozial Benach-
teiligten (M = 4,80) und die Konkurrenz zu kommerziellen Sportanbieter dar
(M = 4,90).
Gutachten zur Sportentwicklung in der Bundesstadt BonnSe

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 03.11.2026, 01:05 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de