190431 · Beschlussvorlage
Leitbild und ISEK Bad Godesberg
Kerndaten
- Nummer
- 190431
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 29.10.2019
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Anhörung
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 190431 Leitbild und ISEK Bad Godesberg Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda 19.11.2019 Empfehlung Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz 27.11.2019 Empfehlung Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Empfehlung Rat 12.12.2019 Entscheidung Beirat Bürgerbeteiligung 17.01.2020 Anhörung Beschlussvorschlag 1. Das im Leitbildprozess erarbeitete Leitbild für Bad Godesberg ist Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Stadtbezirks und wird bei politischen Beratungen und Beschlüssen berücksichtigt. 2. Dem im Leitbildprozess erarbeiteten Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) für das nach § 171b BauGB abgegrenzte Gebiet in der Innenstadt Bad Godesberg wird in der Fassung von Oktober 2019 zugestimmt. 3. Die Verwaltung wird beauftragt, die im ISEK enthaltenen Maßnahmen weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für eine Umsetzung der beschriebenen Projekte zu schaffen sowie hierzu auch Förderanträge zu den jeweils anwendbaren Förderprogrammen zu stellen. 4. Soweit die Maßnahmen nicht im Rahmen bereits bestehender Budgets umgesetzt werden können, steht der Auftrag zur Umsetzung der Maßnahmen unter dem Vorbehalt der Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel. Begründung Der Stadtbezirk Bad Godesberg befindet sich in stetigem Wandel. Die damit einhergehenden sozialen, ökonomischen und baulichen Veränderungen werden in der Stadtgesellschaft positiv, aber teilweise auch negativ wahrgenommen. Die zukünftige Entwicklung des Stadtbezirks bedarf eines möglichst breiten Konsenses über die zu verfolgenden Entwicklungsziele. Daher haben die städtischen Gremien beschlossen, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Büro „Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH“ als externe Dienstleisterin ein Leitbild für den Stadtbezirk Bad Godesberg zu erarbeiten (DS-Nr. 1613342EB14 und 1711641NV19). In einem Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. IIISeite 1 von 176 Seite 2 einjährigen partizipativen Prozess wurden die interessierten Bevölkerungs- und Interessengruppen umfassend beteiligt, um eine breit getragene Vision für den Stadtbezirk Bad Godesberg sowie ein konkretes Maßnahmenpaket zu entwickeln. Die Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk, das schriftliche Leitbild sowie das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad Godesberg liegen als Entwurf vor (sh. Anlage). Leitbild und Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept sollen künftig als Grundlage für alle weiteren Handlungsschritte und Maßnahmen in den Bereichen Stadtentwicklung und –planung dienen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass dieser Orientierungsrahmen seine Tragfähigkeit für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren behalten kann. Zielsetzung des Leitbildprozesses für Bad Godesberg Mit dem neuen Leitbild soll Bad Godesberg langfristig ein tragfähiges Profil erhalten und zukunftsfähig gestaltet werden. Ziel war es, für den Stadtbezirk als Ganzes eine neue Standortbestimmung zu erarbeiten. Im Sinne einer integrierten Betrachtung wurden dabei nicht nur das Stadtzentrum, sondern alle Ortsteile in ihren unterschiedlichen Prägungen einbezogen. Aufbauend auf dem Leitbild für den Stadtbezirk, das die grundlegenden Leitziele und Leitlinien beinhaltet, waren in einem Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept konkrete Maßnahmen und Projekte für einen Bereich mit besonderem Handlungsbedarf zu erarbeiten. Beteiligung Während des Leitbildprozesses war die Partizipation der lokalen Akteure ein durchgängiges Kernelement. Zielgruppenübergreifend wurden bestimmte Themen und Handlungsfelder beleuchtet und themenübergreifend diverse Zielgruppen beteiligt. Verschiedene Veranstaltungen und Beteiligungsbausteine (u. a. drei Leitbildkonferenzen, Expert/innenworkshops, Online- sowie Kinder- und Jugendbeteiligungen) dienten dazu, alle relevanten Akteure einzubinden, wichtige Informationen zu bündeln und einen breiten Konsens über die zukünftige Entwicklung des Stadtbezirks herzustellen. Die rege Teilnahme eines breiten Spektrums von insgesamt über 2000 engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Akteuren ist ein Zeichen für das große Interesse der Bevölkerung an den Entwicklungen in ihrem Stadtbezirk. Folgende öffentliche Veranstaltungen wurden durchgeführt: 19.04.2018 1. Leitbildkonferenz (mit Online-Beteiligung) Mai/Juni 2018 Expertenworkshops 22.05.2018 Kinder- und Jugendbeteiligung, „GoOpen-Fest“ 09.06.2018 Zukunftsworkshop mit Schüler/innen 12.07.2018 2. LeitbildkonferenzSeite 2 von 176 Seite 3 17.11.2018 Beteiligungsaktion Theaterplatz 26.03.2019 3. Leitbildkonferenz (mit Online Beteiligung) Die Erarbeitung des Leitbildes mit dem Entwicklungskonzept für die Innenstadt (ISEK) hat ein Gremium (Vertreter/innen aus der Bad Godesberger Akteursschaft, Politik und Verwaltung) in insgesamt vier Sitzungen begleitet (DS-Nr. 1711641EB23). Leitbild für den Stadtbezirk Mit Ratsbeschluss von 07.02.2019 (DS-NR. 1813251EB4) wurde das Leitbild im Entwurf beschlossen. Die Eingaben aus der Online-Beteiligung im Nachgang der 3. Leitbildkonferenz am 26.03.2019 (DS-NR. 1911349) wurden ausgewertet und auf ihre Berücksichtigung im Leitbild, vor dem Hintergrund der vorlaufenden Beteiligungsergebnisse, geprüft. Es zeigte sich, dass überwiegend Aspekte eingebracht wurden, die bereits in den vorangegangenen Beteiligungen bezüglich der Aufnahme in das Leitbild diskutiert und geprüft worden waren. Der vom Rat beschlossene Entwurf wurde daher lediglich durch Formulierungsvorschläge bezüglich des Behördenstandortes Bad Godesberg, die von den ansässigen Bundesbehörden eingebracht wurden, (sh. Seite 101) geändert. Außerdem sind nach Abschluss einer kleinräumigen Untersuchung im Rahmen des ZURES-Forschungsprojektes, Aspekte der Klimaanpassung (sh. Seite 104/105) durch die Fachverwaltung ergänzt worden. ISEK für die Innenstadt von Bad Godesberg Die Bad Godesberger Innenstadt hat sich im Prozessverlauf als der Bereich des Stadtbezirks mit besonderen Handlungsbedarfen herausgestellt. Um die in den Folgejahren bereitzustellenden städtischen Mittel hier zielgerichtet einsetzen zu können und um eine Grundlage zur Beantragung von Fördermitteln zu erhalten, wurde aufbauend auf das Leitbild für den Stadtbezirk das vorliegende Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad Godesberg (ISEK) erstellt. Es beinhaltet zukünftige Entwicklungsziele, Handlungsfelder und schließlich konkrete Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung der Innenstadt von Bad Godesberg. Aus der städtebaulichen Analyse, den Beteiligungsveranstaltungen und den Gesprächen mit den Experten und Verantwortlichen vor Ort sind neben den Defiziten und Handlungsbedarfen auch Stärken und Potenziale im Prozessverlauf hervorgegangen. Auf diesen insgesamt gewonnenen Erkenntnissen baut das erarbeitete Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept auf. Das übergeordnete Entwicklungsziel lautet „Attraktivierung und Belebung der Innenstadt“. Dabei stehen die Stärkung des Einzelhandels-, Gewerbe- und Gastronomiestandorts, die Verbesserung des Sicherheitsempfindens sowie die Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Zukunfts- und Nutzungsperspektiven für zentrale Infrastruktureinrichtungen, vor allem im Bereich der Kurfürstlichen Zeile und im kulturellen Bereich, im Fokus.Seite 3 von 176 Seite 4 Um diese Ziele zu erreichen, wurden 18 Maßnahmen und Projekte erarbeitet, die sich fünf unterschiedlichen Handlungsfeldern zuordnen lassen. Mit der Analyse sind folgende Handlungsfelder definiert worden: - Handlungsfeld A: Aufwertung des öffentlichen Raums und Verbesserung des Sicherheitsempfindens - Handlungsfeld B: Kommunale Infrastruktur und flankierende Maßnahmen - Handlungsfeld C: Erreichbarkeit und Mobilität - Handlungsfeld D: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport - Handlungsfeld E: Aktivierung von Eigentümerinnen bzw. Eigentümern und Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und Öffentlichkeitsarbeit Die Maßnahmenübersicht – ISEK Bad Godesberg ist als Anlage 1 beigefügt. Eine detaillierte Beschreibung der 18 Maßnahmen ist dem Abschlussbericht zu entnehmen. Das Maßnahmengebiet wurde in einem Übersichtsplan grafisch dargestellt und die Maßnahmen sind in einzelnen Projektbögen näher erläutert. In den Jahren 2020 - 2034 sollen die vorgesehenen Maßnahmen soweit möglich im Rahmen vorhandener Budgets und Fördermittel durchgeführt werden. Für die Umsetzung des ISEK Innenstadt Bad Godesberg sollen zu den Haushalten ab 2021 Mittel angemeldet werden. Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Maßnahme 1 aus dem Handlungsfeld B ist jedoch auf Folgendes hinzuweisen: Zur kurfürstlichen Zeile: Die Erstellung einer Machbarkeitsstudie und auch die Ermittlung des Sanierungsaufwandes kann erst dann mit ausreichender Konkretisierung erfolgen, wenn über die künftige Nutzung eine Entscheidung getroffen worden ist oder aber in greifbarer Nähe ist. Die Erstellung diverser Machbarkeitsstudien ohne diese Vorgaben verursacht erhebliche Kosten und Zeitverzögerungen. Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung Investive Kosten der MaßnahmeSeite 4 von 176 Seite 5 Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Betrag Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich Anlage/n 1 Maßnahmenübersicht - ISEK Bad Godesberg (öffentlich) 2 Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk und Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad Godesberg (öffentlich)Seite 5 von 176 A Handlungsfeld A: Aufwertung des öffentlichen Raums und Verbesserung des Sicherheitsempfindens 1 Masterplan für den öffentlichen Raum in der Bad Godesberger Innenstadt A 61 x 200.000 € 2 Detailplanung und Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan für den öffentlichen Raum A 61 x 11.440.000 € (ohne Grünflächen) 3 Umfassende und langfristige Strategie für mehr Sicherheit A 33 x 20.000 € 4 Weiterqualifizierung und Fortführung der Ordnungspartnerschaft B Bzvst Bad G. x 15.000 € B 1 Architektonische Sanierungs und Nutzungskonzepte und deren Ums etzung für die Kurfürstliche Zeile A 03 x 100.000 € 2 Verstetigung Bürgeramt A 10 x Kosten noch offen 3 Städtebauliche Gestaltung der Godesburg inkl. eines neuen Nutzungs und Vermarktungskonzepts B 03 x 60.000 € + Kosten Sanierung 4 Begegnungszentrum A St. Inte gration x 50.000 € + Investitionen C 1 Erstellung eines Mobilitätskonzepts A 61 x 100.000 € 2 Mobilstation Bahnhof B 61 x Kosten noch offen D 1 Erstellung eines Konzepts "Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport" A 41 x 40.000 € 2 Aufwertung der Rheinpromenade B 68 x 15.000.000 € 3 Image und Marketingkonzept für Bad Godesberg B 03 x 40.000 € 4 Weiterentwicklung Bad und Gesundheitsstandort A 03+52 x Kosten noch offen E 1 Hof und Fassadenprogramm B 61 x 300.000 € 2 Stadtteilarchitekt/in für baufachliche Beratung der Eigentümerschaft B 63 x 180.000 € 3 Einrichtung eines Citymanagements A 03 x 500.000 € 4 Verfügungsfonds zur Förderung privaten Engagements A 50+03 x 180.000 € Handlungsfeld E: Aktivierung von Eigentümerinnen bzw. Eigentümern und Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und Öffentlichkeitsarbeit Umsetzungszeitraum investive Projekte Konsumtive Maßnahmen Handlungsfeld D: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport Handlungsfeld B: Kommunale Infrastruktur und flankierende Maßnahmen Phase 1 Handlungsfeld C: Erreichbarkeit und Mobilität Maßnahmenübersicht ISEK Bad Godesberg, Stand 10.10.2019 2031203520212025 Phase 2 20262030 Phase 3 Laufendes Geschäft Projektliste_ISEK_191010.xlsx 18.10.2019 1Seite 6 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk und Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad GodesbergSeite 7 von 176 Dipl.-Geogr. Ursula Mölders Dr. phil. Sven Wörmer, Geographie Dr. rer. pol. Bettina Lelong, Dipl. Architektin Dipl.-Geogr. Barbara Zillgen Köln, Oktober 2019 Geschäftsführende Gesellschafter: Dipl.-Geogr. Ursula Mölders Stadt- und Regionalplanerin SRL Dipl.-Ing. Dominik Geyer Stadtplaner AK NW, Bauassessor Stadt- und Regionalplaner SRL Gesellschafter/Seniorpartner: Dr. Paul G. Jansen Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Neumarkt 49 50667 Köln Fon 0221 94072-0 Fax 0221 94072-18 info@stadtplanung-dr-jansen.de www.stadtplanung-dr-jansen.deSeite 8 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept Inhaltsverzeichnis 1 Bad Godesberg gestaltet seine Zukunft 7 1.1 Anlass und Aufgabenstellung 7 1.2 Ein Leitbild für den gesamten Stadtbezirk 7 1.3 Leitbildprozess und Beteiligung 8 1.3.1 Leitbildkonferenzen 9 1.3.2 Expertenworkshops 10 1.3.3 Online-Beteiligung 11 1.3.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen 11 1.3.5 Interaktion Fußgängerzone 13 1.3.6 Öffentlichkeitsarbeit 13 1.4 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für den Innenstadtbereich (ISEK) 14 2 Gesellschaftliche Veränderungsprozesse und gesamtstädtische Rahmenbedingungen 15 2.1 Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen 15 2.2 Gesamtstädtische Rahmenbedingungen 17 2.2.1 Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft 17 2.2.2 Sanierung der Kulturlandschaft: Oper, Schauspielhaus und Stadthalle 17 2.2.3 Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2008) 18 2.3 Spezifische Herausforderungen in Bad Godesberg 21 2.3.1 Medizintourismus 21 2.3.2 Zusammenleben in Bad Godesberg 22 2.3.3 Wohnen, Nahversorgung und Verkehr 22 2.3.4 Wissens- und Hochschulstandort 23 2.3.5 Kulturstadt und Diplomatenstadt 23 2.3.6 Sicherheit 24 3 Geografische Lage und historische Entwicklung 25 3.1 Geografische Lage 25 3.2 Verkehrsanbindung 25 3.3 Struktur der Ortsteile 26 3.4 Historische und städtebauliche Entwicklung 28 3.5 Die Kurfürstliche Zeile 30 4 Statistische Analyse 33 4.1 Demographische Analyse 33 4.2 Arbeitsmarkt 37 4.3 Wohnungswirtschaftliche Situation 39 4.4 Zusammenfassung und Fazit 42 5 Ortsteilsteckbriefe 43Seite 9 von 176 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH 6 Das neue Leitbild für den Stadtbezirk Bad Godesberg 94 6.1 Einleitung 94 6.2 Die neun Leitbildthemen 94 6.2.1 Leitbildthema 1: Innenstadt – Eine lebendige Mitte mit Lebensqualität 95 6.2.2 Leitbildthema 2: Kurfürstliche Zeile – Multifunktionales Aushängeschild für Bad Godesberg 97 6.2.3 Leitbildthema 3: Sicherheit – Verbesserung des subjektiven Sicherheitsgefühls 98 6.2.4 Leitbildthema 4: Respekt und Toleranz – Zusammenleben in Bad Godesberg für alle 99 6.2.5 Leitbildthema 5: Arbeit und Forschung – innovativ und international 101 6.2.6 Leitbildthema 6: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport – Kulturstandort mit Zukunft 102 6.2.7 Leitbildthema 7: Wohnen und Infrastruktur – sozial ausgewogen und generationengerecht 104 6.2.8 Leitbildthema 8: Neue Mobilität – Bad Godesberg steigt um 106 6.2.9 Leitbildthema 9: Image – Selbstwahrnehmung verbessern, Stärken hervorheben 107 7 Integriertes Stadtteilentwicklungs-konzept (ISEK) für die Innenstadt von Bad Godesberg 108 7.1 Entwicklungsziele und Handlungsfelder 108 7.2 Handlungs- und Maßnahmenkonzept 110 7.3 Projektbereich 111 7.4 Handlungsfeld A – Aufwertung des öffentlichen Raums und Verbesserung des Sicherheitsempfindens 112 7.4.1 Masterplan für den öffentlichen Raum in der Bad Godesberger Innenstadt 112 7.4.2 Detailplanung und Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan für den öffentlichen Raum 117 7.4.3 Umfassende und langfristige Strategie für mehr Sicherheit 119 7.4.4 Weiterqualifizierung und Fortführung der Ordnungspartnerschaft 121 7.5 Handlungsfeld B – Kommunale Infrastruktur und flankierende Maßnahmen 124 7.5.1 Architektonische Sanierungs- und Nutzungskonzepte und deren Umsetzung für die Kurfürstliche Zeile 124 7.5.2 Verstetigung Bürgeramt 128 7.5.3 Städtebauliche Gestaltung der Godesburg inkl. eines neuen Nutzungs- und Vermarktungskonzepts 130 7.5.4 Begegnungszentrum 133 7.6 Handlungsfeld C – Erreichbarkeit und Mobilität 136 7.6.1 Erstellung eines Mobilitätskonzepts 136 7.6.2 Mobilstation Bahnhof 139 7.7 Handlungsfeld D – Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport 142 7.7.1 Erstellung eines Konzepts „Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport“ 142 7.7.2 Aufwertung der Rheinpromenade 144 7.7.3 Image- und Marketingkonzept für Bad Godesberg 146 7.7.4 Weiterentwicklung Bad- und Gesundheitsstandort 148Seite 10 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 7.8 Handlungsfeld E – Aktivierung von Eigentümern und Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und Öffentlichkeitsarbeit 150 7.8.1 Hof- und Fassadenprogramm 150 7.8.2 Stadtteilarchitekt/in für baufachliche Beratung der Eigentümerschaft 152 7.8.3 Einrichtung eines Citymanagements 154 7.8.4 Verfügungsfonds zur Förderung privaten Engagements 156 7.8.6 Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung 158 7.8.7 Evaluation und Fortschreibung des ISEK 160 7.9 Konzeptumsetzung und Evaluation 161 7.9.1 Projektkoordination und -umsetzung 161 7.9.2 Evaluationskonzept 162 8 Ausblick 164 9 Anhang 166Seite 11 von 176 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH In dem nachfolgenden Text verwenden wir eine geschlechtsneutrale Sprache. Bei der konkreten Ansprache von Personen werden sowohl die weiblichen als auch die männlichen Personen genannt, z. B. „Bewohnerinnen und Bewohner“. Sollte aus Versehen oder aus Gründen der besseren Lesbarkeit an einigen Stellen nur die männli- che Form, z. B. „Akteure“ gewählt sein, meinen wir aber immer auch die weiblichen Personen, nämlich die Akteurinnen. Selbstverständlich sind für uns immer Männer und Frauen gleichzeitig, gleichgestellt und chan- cengleich angesprochen. Dieses Gutachten unterliegt dem Urheberrecht. Vervielfältigungen, Weitergabe oder Veröffentlichung des Gutachtens in Teilen oder als Ganzes sind nur nach vorheriger Genehmigung und unter Angabe der Quelle erlaubt, soweit mit dem Auftraggeber nichts anderes vereinbart ist. Alle Fotografien, Pläne und Skizzen, die nicht gesondert gekennzeichnet sind: © Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbHSeite 12 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 7 1 Bad Godesberg gestaltet seine Zukunft 1.1 Anlass und Aufgabenstellung Der Stadtbezirk Bad Godesberg blickt auf eine be- sondere historische Entwicklung zurück. Die schöne Lage am Rhein machte Bad Godesberg schon in früheren Zeiten als Wohnort für wohlhabende Be- völkerungsschichten attraktiv. Noch heute zeugen die vielen Villen und Sommerresidenzen von diesen Zeiten. In der Zeit, in der die Stadt Bonn Regie- rungssitz war, entwickelte sich Bad Godesberg zum Diplomaten- und Residenzstandort für eine „geho- bene“ Internationalität. Die damit einhergehende hohe Kaufkraft im Stadtbezirk spiegelte sich in einer hoch attraktiven und exklusiven Innenstadtstruktur wider. Auch die medizinische Versorgung ist bis heute auf einem hohen Niveau, sodass vor allem internationale Patienten das Angebot nutzen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Diploma- ten, Politiker und gehobenen Beamten sind nach Berlin gezogen. Die ehemals den Stadtbezirk prä- gende Internationalität mit Menschen aus bis zu 180 unterschiedlichen Nationen gehört der Vergan- genheit an. Auch wenn Bad Godesberg noch wichti- ge Bundesämter und wenige Konsulate bzw. Bot- schaften beherbergt, ist das internationale Flair zum Teil durch die Patienten aus dem arabischen Raum bestimmt, die mit der ganzen Familie für die Zeit der Behandlung nach Bad Godesberg kommen. Darüber hinaus wird die Internationalität durch Touristen oder Gäste, die im Rahmen von Post oder Telekom beruflich in der Stadt sind, geprägt. Mit Blick auf die Zeit vor dem Regierungsumzug sind die oft negativen Schlagzeilen in der Presse umso scho- ckierender für die Bewohner des Bezirks. Unsicher- heit im öffentlichen Raum und Trading-down-Pro- zesse bei den Immobilien und Innenstadtgeschäften haben zu einer umfassenden Diskussion im Stadtbe- zirk und in der Politik geführt. Es steht die Frage im Raum, welche Identität der Stadtbezirk zukünftig haben wird und welche Stärken und Potenziale dazu beitragen können, negative Tendenzen auszuglei- chen und insgesamt zu einem neuen und akzeptier- ten Gleichgewicht zu führen. Daher hat die Bundesstadt Bonn beschlossen, ge- meinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH als externer Dienstleisterin ein Leitbild für den Stadtbe- zirk Bad Godesberg zu erarbeiten. In einem partizi- pativen Prozess werden alle interessierten Bevölke- rungs- und Interessengruppen umfassend beteiligt, um eine möglichst breit und gemeinsam getragene Vision für den Stadtbezirk Bad Godesberg sowie ein konkretes Maßnahmenpaket für die Innenstadt von Bad Godesberg zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung des Stadtbezirkszentrums als identifikationsstiftendem Raum. Hier konzentriert sich mit den vorhandenen Kultur-, Freizeit- und Einzelhandelseinrichtungen das öffentliche Leben in besonderer Weise. Aber auch die unterschiedlichen insgesamt dreizehn Ortsteile sollen im Leitbildprozess und mit ihren Bezügen zur Innenstadt Berücksichtigung finden. Der Leitbildprozess umfasst dabei sowohl städte- bauliche als auch imagefördernde Aspekte. Im Pro- zessverlauf werden sich aufgrund der kontinuierli- chen Einbeziehung unterschiedlicher Akteure (Be- wohnerinnen und Bewohner sowie Interessierte, Vereine und Initiativen, Gewerbetreibende, Politik und Verwaltung) und der Beteiligungsveranstaltun- gen die Inhalte des Leitbildprozesses stetig konkre- tisieren. Aufbauend auf dem integrierten Entwick- lungskonzept für Bad Godesberg von 2001 werden vorhandene Stärken und Schwächen im Stadtbe- zirkszentrum identifiziert und Entwicklungsmöglich- keiten aufgezeigt. Das so erarbeitete Konzept bzw. Leitbild kann dann als Grundlage für alle weiteren Handlungsschritte und Maßnahmen in den Berei- chen Stadtentwicklung und -planung und damit als Orientierungsrahmen für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren dienen. 1.2 Ein Leitbild für den gesamten Stadtbezirk Mit dem neuen Leitbild soll Bad Godesberg langfris- tig ein tragfähiges Profil erhalten und zukunftsfähig gestaltet werden. Ziel ist es, für den Stadtbezirk als Ganzes eine neue Standortbestimmung zu erarbei- ten. Im Sinne einer integrierten Betrachtung wer- den dabei nicht nur das Stadtzentrum, sondern alle Ortsteile in ihren unterschiedlichen Prägungen einbezogen. Aufbauend auf dem Leitbild für den Stadtbezirk, das neben grundlegenden Zielen undSeite 13 von 176 8 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Leitlinien auch konkrete Umsetzungsschritte bein- haltet, werden konkrete Maßnahmen und Projekte für die Innenstadt erarbeitet. Das Ziel des Leitbildprozesses ist es daher, gemein- sam mit der Akteurs- und Bürgerschaft Zukunfts- perspektiven für einen Zeitraum von ca. 20 Jahren zu erarbeiten und ein Maßnahmenpaket für die Innenstadt zu schnüren. Dabei gelten folgende Grundsätze: Ein Leitbild leitet den Weg. Ein Leitbild visualisiert die gewünschte Zu- kunft. Das Leitbild ist für alle in Bad Godesberg le- benden und tätigen Menschen bestimmt. Es setzt Leitlinien für die Umsetzung von Maß- nahmen in den nächsten ca. 20 Jahren. Es umfasst Ziele und Planungsvorgaben. Der Leitbildprozess soll u. a. folgende Fragen be- handeln: Welche Identität soll der Stadtbezirk künftig haben? Welche Stärken und Potenziale können dazu beitragen? Welche negativen Tendenzen müssen ausge- glichen werden? Im Ergebnis steht eine umfassende Dokumentation von Stärken, Schwächen, Zielen, Handlungsbedar- fen sowie Ideen und Maßnahmen für die Umset- zung. Hohe politische Relevanz des Leitbilds Die Bundesstadt Bonn misst dem Leitbild eine hohe Relevanz zu. Sowohl die Bezirksvertretung Bad Godesberg als auch der Rat der Bundesstadt Bonn werden das Leitbild beschließen. Es wird zukünftig bei allen politischen Beratungen und Beschlüssen berücksichtigt und ist Bestandteil der gesamtstädti- schen Planung. Das Leitbild wird so zu einer Selbst- verpflichtung für Verwaltung, Politik und die Öffent- lichkeit. Das Leitbild untergliedert sich in mehrere Leitbild- themen mit verschiedenen inhaltlichen und räumli- chen Schwerpunkten, die wesentlich sind für die weitere Entwicklung Bad Godesbergs. Die im Leit- bild für diese Themen aufgeführten Ziele und mög- lichen Maßnahmen zur Zielerreichung beziehen sich auf das Handeln aller – das heißt aller Bewohnerin- nen und Bewohner Bad Godesbergs, Vereine, Bür- gerinitiativen, Politik, Stadtverwaltung, interkom- munale Akteure, Unternehmen, Gastronomen, Einzelhändler, Immobilieneigentümer etc. Das Leit- bild beschreibt dabei die Zukunft des Stadtbezirks im lokalen und gesamtstädtischen sowie regionalen Kontext. 1.3 Leitbildprozess und Beteiligung Der Leitbildprozess startete im März 2018 mit ei- nem ausführlichen Auftaktgespräch von verschie- denen Fachbereichen der Stadtverwaltung und dem bearbeitenden Büro Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH. Anschließend erfolgten bis Mai 2018 die Bestandserhebung und Bestandsanalyse im gesamten Stadtbezirk und die Auswertung von bisherigen Gutachten und Statistiken zu Bad Godesberg. Abbildung 1: Zeitplan des Leitbildprozesses In einer Besprechung mit dem Beirat Bürgerbeteili- gung wurde das Beteiligungskonzept durch Stadt und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH vorgestellt und diskutiert. Bis zu den Sommerferien 2018 erfolgte auf Basis der Bestandsanalyse und den Ergebnissen aus den un- terschiedlichen Beteiligungsbausteinen die Erarbei- tung eines Entwurfs für das Leitbild, das bis Ende September 2018 konkretisiert wurde.Seite 14 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 9 Aus dem Leitbild ergibt sich die Erarbeitung eines Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für einen räumlichen Teilbereich Bad Godes- bergs. Bei dem ISEK handelt es sich um ein konkre- tes Maßnahmen- und Projektpaket für die kom- menden ca. fünf Jahre. Aufgrund des hohen Hand- lungsbedarfs, den die Akteurs- und Bürgerschaft für die Bad Godesberger Innenstadt mehrfach deutlich benannt hat, wird das ISEK für den Innenstadtbe- reich erstellt. Das ISEK wird mit kurzfristig umzuset- zenden Maßnahmen ergänzt und ab September erarbeitet. Das Leitbild mit dem Entwicklungskonzept für die Innenstadt (ISEK) wird mit dem Lenkungskreis (Ver- treter der städtischen Fachverwaltungen) und dem Begleitgremium (Vertreter aus der Bad Godesber- ger Akteursschaft, Politik und Stadtverwaltung) ab Oktober 2018 abgestimmt. Im Anschluss wird Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH die in diesen Gremien geäußerten Anmerkungen einarbeiten. Im Anschluss wird das Leitbilddokument ab November in den politischen Gremien diskutiert. Eine Be- schlussfassung durch die Bezirksvertretung Bad Godesberg und den Rat der Stadt Bonn erfolgt 2019. Prozessbegleitend tagt regelmäßig die Lenkungs- gruppe, um den Entwicklungsstand und den Prozess zu besprechen. Das Begleitgremium tagt insgesamt vier Mal während des Prozesses. Es setzt sich aus Bezirksbürgermeisterin Stein-Lücke, Mitgliedern aller Fraktionen der Bezirksvertretung Bad Godes- berg, drei Mitgliedern des Beirats Bürgerbeteiligung (je ein Beiratsmitglied aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft) und Akteuren aus der Stadtgesell- schaft in Bad Godesberg sowie zwei Vertreter/innen der Verwaltung zusammen. Die Entwicklung des Leitbilds geht einher mit einer Vielfalt von Partizipationsbausteinen, um einen möglichst transparenten Entwicklungsprozess zu gewährleisten, eine große Vielfalt von Personen und Gruppen in Bad Godesberg zu erreichen und deren Meinung in das Leitbild und das ISEK einfließen zu lassen. Die interessierte Bürgerschaft wird auf diese Weise frühzeitig einbezogen, und deren Anregun- gen werden im Leitbild verankert. Die gesammelten Anregungen aus den unterschied- lichen Beteiligungsformaten fließen jeweils in die nächste Beteiligungsrunde ein. Das gebündelte Fazit wird dann zur Diskussion gestellt. Beispielsweise sind die Anregungen aus der ersten Leitbildkonfe- renz, der Online‐Beteiligung und der Kinder- und Jugendbeteiligungen gebündelt in das Arbeitspro- gramm der zweiten Leitbildkonferenz eingegangen und legten die Basis für die weitere Verfeinerung des ersten Konzeptentwurfs. 1.3.1 Leitbildkonferenzen Auf insgesamt drei Leitbildkonferenzen werden Bausteine des Leitbilds erarbeitet und der jeweilige Stand des Konzepts diskutiert. Am 19. April 2018 fand die 1. Leitbildkonferenz in der Bad Godesberger Stadthalle statt, an der 450 Personen teilnahmen. Sie bildete den übergeordne- ten öffentlichen Auftakt für den Diskussionsprozess. Hier wurden der Ablauf des Leitbildprozesses sowie die Ausgangssituation vorgestellt. Das Ziel der ers- ten Leitbildkonferenz war, von den Teilnehmenden zu erfahren, wo konkreter Handlungsbedarf im Stadtbezirk erforderlich ist und wo die Schwerpunk- te der zukünftigen Interventionen liegen sollen. Vor und während der Veranstaltung hatten die Bürge- rinnen und Bürger die Möglichkeit, an Stellwänden im Eingangsbereich der Stadthalle die Orte, die sie mögen bzw. nicht mögen, mittels Klebepunkten zu markieren. Im Anschluss an einen Vortrag im Ple- num startete der Ideenmarkt an insgesamt sechs Themenständen. Alle Interessierten konnten von Stand zu Stand gehen und ihre Wünsche und Anre- gungen aufschreiben oder mit den Moderatoren besprechen. Abbildung 2: Eindrücke von der LeitbildkonferenzSeite 15 von 176 10 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Die 2. Leitbildkonferenz am Donnerstag, 12. Juli 2018, markierte den zweiten großen Schritt des Diskussionsprozesses. Nachdem es das Ziel der 1. Leitbildkonferenz war, von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die konkreten Handlungserfor- dernisse im Stadtbezirk zu erfahren, wurden in der 2. Leitbildkonferenz Ziele und Maßnahmen für die Umsetzung bis zum Jahr 2025 präsentiert und zur Abstimmung gestellt. Etwa 250 Personen waren der Einladung gefolgt. Alle Ergebnisse der bisherigen Beteiligungsschritte sowie Hinweise der Verwaltung waren in den ersten Leitbildentwurf eingeflossen, der auf der 2. Leitbildkonferenz vorgestellt wurde. Er umfasste eine Zusammenfassung aller Beteiligungser- gebnisse zu Themenschwerpunkten (Leitbild- themen), die Festlegung von vier Prämissen, die zentralen Schwerpunktziele und Leitlinien und die Maßnahmen für die Umsetzung bis 2025. Die Formulierung von Prämissen ergab sich aus der Notwendigkeit, die Diskussion im Stadtbezirk zu versachlichen, zukunftsorientiert auszurichten und zu einem konstruktiven Miteinander zu finden. Folgende vier Prämissen wurden vorgeschlagen: 1. Es gibt keine rückwärtsgewandte Entwicklung – Früher ist vorbei! 2. Bad Godesberg wird nicht mehr schlecht gere- det! 3. Die Umsetzung des Leitbilds braucht Zeit! Das Leitbild ist erst der Beginn! 4. Die Umsetzung des Leitbilds braucht SIE! Sie sind Bad Godesberg! Während der 2. Konferenz konnten die Teilneh- menden in Gruppen von je acht Personen die unter- schiedlichen Leitbildthemen und die Vorschläge für Maßnahmen diskutieren. Sie hatten somit die Mög- lichkeit abzuwägen, ob diese ihrer Meinung nach wichtige und richtige Ziele bzw. wichtige und richti- ge Maßnahmen für Bad Godesberg sind. Alle Teil- nehmenden hatten zudem die Möglichkeit, auf einem Stimmzettel individuell über jedes einzelne Ziel und jede einzelne Maßnahme abzustimmen und fehlende Aspekte zu ergänzen. Die Auswertung floss in den weiteren Prozess der Leitbildentwicklung ein. Die dritte Leitbildkonfe- renz hat im März 2019 stattgefunden. Hierbei stand das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad Godesberg im Fokus der Veranstaltung. Nach einem Vortrag über Hand- lungsfelder und mögliche Maßnahmen und Projekte fand an verschiedenen Thementischen eine Diskus- sion und Weiterentwicklung der vorgeschlagenen Maßnahmen und Projekte für die Innenstadtent- wicklung statt. Auch bei diesem Format hatten die Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit von Tisch zu Tisch zu wechseln und sich vielseitig in den Pro- zess einzubringen. Am Ende der Veranstaltung wur- de der Ende 2018 vom Rat der Bundesstadt Bonn beschlossene Leitbildentwurf für den gesamten Stadtbezirk in gedruckter Form an die Bürgerschaft verteilt. Die Bürgerschaft hatte die Möglichkeit ab Beendigung der dritten Leitbildkonferenz an einer erneuten Onlinebeteiligung teilzunehmen und An- merkungen zum Leitbildentwurf zu machen. 1.3.2 Expertenworkshops Nach der ersten Leitbildkonferenz und den Beteili- gungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen, die im Mai 2018 durchgeführt wurden, haben Stadt und Planungsbüro zu fünf Expertinnen- und Experten- runden eingeladen, um themenspezifische Inhalte für die Entwicklung des Stadtbezirks Bad Godesberg zu konkretisieren. Zu folgenden Themen fanden an Expertinnen- und Expertenworkshops statt: 1. Entwicklung „Kurfürstliche Zeile“ 2. Entwicklung Innenstadt 3. Kultur, Tourismus und Freizeit 4. Integration und Vielfalt 5. Jung sein in Bad Godesberg – Alt werden in Bad GodesbergSeite 16 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 11 Die Teilnehmenden der Workshops wurden sowohl von dem Lenkungskreis als auch vom Begleitgremi- um zum Leitbild Bad Godesberg vorgeschlagen und auf die Anzahl von ca. 20 Personen begrenzt. Bei der Auswahl wurde auf ein ausgewogenes Verhält- nis von unterschiedlichen Interessenvertreterinnen und -vertretern, Multiplikatorinnen und Multiplika- toren, Akteursschaft und „Insiderinnen und Insi- dern“ geachtet. Die Ergebnisse der Workshops wurden dokumen- tiert und in den ersten Leitbildentwurf eingearbei- tet und damit auf der 2. Leitbildkonferenz allen anwesenden Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. 1.3.3 Online-Beteiligung Zusätzlich waren alle Interessierten eingeladen, zwischen dem 20. April und dem 21. Mai 2018 an der Onlinebeteiligung auf der Webseite „Bonn- macht-mit.de“ teilzunehmen. Im Zuge dessen konn- ten die Bürgerinnen und Bürger konkrete Hand- lungsbedarfe im Stadtbezirk aufzeigen sowie Anre- gungen und Wünsche äußern. Die Onlinebeteiligung bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil hatten die Teilnehmenden die Möglich- keit, Anregungen auf einer interaktiven Karte einzu- tragen. Sie wurden gebeten, für einen oder mehre- re Ortsteile im Stadtbezirk Bad Godesberg Orte zu markieren und dazu Anregungen, Ideen und Wün- sche zu notieren. Die Anregungen konnten sich auf den eigenen Wohnort, aber auch auf jeden anderen beliebigen Ort im Stadtbezirk beziehen. Die gesetz- ten Markierungen wurden dann Oberthemen zuge- ordnet, wie zum Beispiel Kulturangebot verbessern, Treffpunkt schaffen oder Sauberkeit verbessern. Im zweiten Teil konnten die Teilnehmenden einen Fragebogen ausfüllen. Es wurden Fragen zum Image, Charaktereigenschaften sowie zu den rele- vanten Themen der zukünftigen Entwicklung des Stadtbezirks gestellt. Hier konnten die Teilnehmen- den vorgegebene Charaktereigenschaften aus- wählen, die ihrer Meinung nach aktuell das Image von Bad Godesberg widerspiegeln. Anschließend sollten Charaktereigenschaften gewählt werden, die wünschenswert für das künftige Bad Godesberg sind. Freie Nennungen waren zu den Handlungsbe- darfen möglich. Insgesamt haben mehr als 5.000 Personen das On- lineportal angeklickt. Es wurden 556 Meinungen und 698 Kommentare verfasst, sowie 619 Bewer- tungen abgeben. Die Ergebnisse wurden dokumen- tiert und in den ersten Leitbildentwurf eingespeist. Im Anschluss an die dritte Leitbildkonferenz wurde eine zweite Onlinebeteiligung durchgeführt. Bürge- rinnen und Bürger hatten die Möglichkeit, den Ent- wurf des Leitbilds für den gesamten Stadtbezirk auf der Website der Bundesstadt Bonn oder als ge- druckte Form am Ende der Leitbildkonferenz zu erhalten und diesen im Rahmen der Onlinebeteili- gung zu kommentieren. Auch die zweite Onlinebe- teiligung lief vier Wochen. Die hierbei gesammelten Anregungen flossen ebenfalls in das Leitbild ein. 1.3.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen Im Rahmen zweier altersspezifischer Veranstaltun- gen konnten Kinder und Jugendliche ihre eigene Perspektive auf Bad Godesberg darstellen. Zukunftsworkshop Bad Godesberg Zunächst fand am Mittwoch, 9. Mai 2018, der Zu- kunftsworkshop Bad Godesberg statt. Im Rahmen des „Sozialen Tages“ an der Otto-Kühne-Schule und in Kooperation mit dem Bürger.Bad.Godesberg e. V. hatten 19 Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 19 Jahren die Möglichkeit, über ihre Ideen und Visionen für den Stadtbezirk Bad Godesberg zu diskutieren. Der Zukunftsworkshop wurde im Trinkpavillon im Stadtpark Bad Godesberg veranstaltet. Zu Beginn des Workshops wurden die Schülerinnen und Schü- ler zu einer Reise durch den Alltag eingeladen. Ge- zielt wurde nach Details zu den Themen „Wohnen“, „Schulweg“ und „Freizeit“ gefragt. Ziel war es, den typischen Alltag der anwesenden Jugendlichen ken- nenzulernen und ihnen die Möglichkeit zu geben, Probleme selbstständig zu identifizieren.Seite 17 von 176 12 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Abbildung 3: Beschreibung von Problemen und positiven Wahrnehmungen auf Karteikarten Im ersten Block sollten die Schülerinnen und Schü- ler auf einer Karteikarte aufschreiben, was ihnen an ihrem Wohnort gefällt und was ihnen nicht gefällt. Dies wurde zudem symbolisch mit einem Smiley gekennzeichnet. Im zweiten Teil hatten die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, die gesammelten Ideen und Vor- schläge zu visualisieren. Hierfür wurden zwei Stell- wände mit Karten von Bad Godesberg bereitge- stellt. Auf der ersten Karte war Bad Godesberg komplett abgebildet, auf der zweiten Karte ein Ausschnitt rund um die Innenstadt. Die Schülerin- nen und Schüler sollten mit Hilfe von Klebepunkten in zwei unterschiedlichen Farben die Orte markie- ren, die für Kinder und Jugendliche wichtig sind. Oft wurde hier Bezug auf Outdoor-Hobbys genommen. Abbildung 4: Diskussion der Schüler zu spezifischen Orten in Bad Godesberg Wie zuvor sollten die Schülerinnen und Schüler hier auf Karteikarten zusammenfassen, welche Orte für sie in Bad Godesberg besonders wichtig sind, was Bad Godesberg ausmacht und was ihnen in Bad Godesberg fehlt. Im dritten Block des Tages konnten die Schülerin- nen und Schüler selbstständig an die Arbeit gehen. Unter dem Motto „Wie soll sich der Stadtpark ver- ändern, damit ich mich hier gerne und häufig auf- halte?“ sollten sie in Kleingruppen durch den Stadt- park laufen und Verbesserungsvorschläge sammeln. Der Stadtpark soll als Veranschaulichungsbeispiel dienen, um Lob und Kritik zu äußern sowie selbst kreative Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Der letzte Workshop war für die Schülerinnen und Schüler mit einer gewissen Herausforderung ver- bunden. Sie sollten sich Bad Godesberg in der Zu- kunft vorstellen, unabhängig davon, ob es sich um ein gewünschtes oder erwartetes Zukunftsszenario handelt. So kamen eine ganz Reihe von Ideen und Vorschläge unter dem Motto „Meine Vision für Bad Godesberg“ zusammen. Go Open 2018 Am 22. Mai 2018 befragten Mitarbeiter von Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH in Zusam- menarbeit mit dem Jugendzentrum K7 die Kinder und Jugendlichen beim Spiel- und Begegnungsfest Go Open 2018 zum Leitbildprozess. Auf dem Spiel- platz an der Rigal'schen Wiese präsentierten an diesem Tag Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit ihr pädagogisches Angebot der Öffentlichkeit. Anhand eines Informationsplakats wurde in leicht verständlicher Sprache der Leitbildprozess erläu- tert. Drei Aufgaben warteten auf die Kinder und Jugendlichen, um ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Wünsche rund um die Entwicklung des Stadtbezirks Bad Godesberg zu ermitteln. In diesem Zusammen- hang wurde einerseits mit Karten vom Stadtbezirk und vom Innenstadtbereich gearbeitet. Anderer- seits wurden die Zukunftsvisionen der Kinder und Jugendlichen für den Stadtbezirk Bad Godesberg mit Hilfe von Postkarten und dem Einsatz eines kurzen Fragebogens erarbeitet und festgehalten. Die erste Mitmachaktion für die Kinder und Jugend- lichen waren zwei Stellwände, auf denen mit Hilfe von Klebepunkten Orte markiert werden sollten, die ihnen besonders gut gefallen und Orte, die ihnenSeite 18 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 13 nicht gefallen. Zu sehen waren jeweils zwei Karten, eine vom Zentrum Bad Godesbergs und eine vom gesamten Stadtbezirk. Im nächsten Schritt ging es für die Kinder und Ju- gendlichen auf eine Reise in die Zukunft. Sie durften Wünsche und Kritik in Form einer Vision für das Jahr 2030 äußern und auf Postkarten zusammenfassen. Die dritte Beteiligungsaktion wurde ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendzent- rum K7 durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen sollten mit Hilfe eines Fragebogens eine kurze Ein- schätzung zum Stadtbezirk abgeben. Mit Hilfe einer Ratingskala (10 = sehr gerne/sehr gut, 0 = über- haupt nicht gerne/sehr schlecht) sollte bewertet werden, wie gerne die Kinder in Bad Godesberg leben und wie sie das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche bewerten. Den Ratingskalen folgten vier offene Fragen. Hier wurde nach Verbesserungsvorschlägen, den Ange- boten für andere Altersgruppen, Prioritäten der Stadtentwicklung und der Attraktivität der Innen- stadt gefragt. Im Nachgang zu der Veranstaltung auf der Ri- gal'schen Wiese fanden im Rahmen der Offenen Jugendarbeit ergänzende Beteiligungen statt. Diese wurden von den Jugendzentren K7 und Rheingold (in Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur gGmbH) in deren Räumlichkeiten organisiert und durchgeführt. 1.3.5 Interaktion Fußgängerzone Anfang November fand eine Beteiligungsveranstal- tung für alle Bürgerinnen und Bürger in der Innen- stadt von Bad Godesberg statt. Hierbei stand die Erarbeitung von Maßnahmen für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) im Mit- telpunkt. Die Aktion diente einerseits der Präsenta- tion und Bewertung von möglichen Maßnahmen und Projekten zur Aufwertung und zukünftigen Entwicklung der Innenstadt, die bereits in früheren Beteiligungsveranstaltungen von der Bürgerschaft genannt wurden. Darüber hinaus sollten gemein- sam weitere Umsetzungsschritte entwickelt wer- den. Abbildung 5: Diskussion zu spezifischen Orten und Themen in der Innenstadt von Bad Godesberg Wie in Abbildung 5 dargestellt, hat eine Planungs- diskussion vor Ort in der Fußgängerzone stattge- funden. Auf einem großen Stadtplan wurden Pro- jekte und Ziele diskutiert, an Ständen konnten die Passanten miteinander ins Gespräch kommen und ihre Wünsche für Maßnahmen und Projekte zur Innenstadtentwicklung nennen. 1.3.6 Öffentlichkeitsarbeit Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH un- terstützt die Stadt Bonn bei der Pressearbeit. Auf der Website der Stadt Bonn können sich interessier- te Bürgerinnen und Bürger ausführlich über den Leitbildprozess informieren und Dokumentationen der einzelnen Beteiligungsbausteine herunterladen. Ein Newsletter informiert in zum Teil mehreren Sprachen über anstehende Veranstaltungen. Vor der ersten Leitbildkonferenz wurde der Prozess in einem Pressegespräch zusammen mit der Stadt- verwaltung und einem Interview mit Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH vorgestellt. Pres- seerklärungen werden zu den jeweiligen Veranstal- tungen herausgegeben. Jede einzelne Veranstaltung wird auf der Internetseite der Stadt und mit Flyern und Plakaten beworben. Vor der dritten Leitbild- konferenz fand ein zweites Pressegespräch statt, in dem erneut der gesamte Prozess sowie die Zielset- zung der bevorstehenden Leitbildkonferenz erläu- tert wurden.Seite 19 von 176 14 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH 1.4 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für den Innenstadtbereich (ISEK) Der größte Handlungsbedarf im Stadtbezirk Bad Godesberg besteht derzeit im Innenstadtbereich. Um auf die bestehenden Defizite und Bedarfe ent- sprechend reagieren zu können, wird für den Innen- stadtbereich ein integriertes städtebauliches Ent- wicklungskonzept (ISEK) erarbeitet. Ein ISEK gilt, im Gegensatz zum Leitbild, nur für einen bestimmten, räumlich abgegrenzten Bereich im Stadtbezirk. Die Erstellung eines konkreten Maßnahmenkatalogs mit Prioritätensetzung, Durchführungszeiträumen und Kostenschätzung sowie die sich anschließende Konkretisierung und die Umsetzung der Projekte erfolgen unter Beteiligung der Bad Godesberger Akteurs- und Bürgerschaft. Für die Umsetzung des Maßnahmenpakets streben Stadt Bonn und Be- zirksvertretung Bad Godesberg eine Unterstützung mit Finanzmitteln aus der Städtebauförderung an. Teil des Maßnahmenpakets ist ein Masterplan für die Gestaltung des öffentlichen Raums, der u. a. einheitliche und aufeinander abgestimmte Gestal- tungsvorgaben umfasst. Insbesondere für die als problematisch empfundenen Bereiche der Innen- stadt werden strukturelle und gestalterische Lö- sungsansätze für eine Aufwertung erstellt. Zusätzlich zu den geplanten Maßnahmen im öffent- lichen Raum wird eine Angebots- und Qualitätsof- fensive für den Bereich Einzelhandel und Dienstleis- tungen die Neuansiedlung vorzugsweise qualitativ hochwertiger Betriebe verfolgen. Dies kann bei- spielsweise durch Nutzung leerstehender Ladenlo- kale geschehen. Ein aktives Leerstands- und Ansied- lungsmanagement soll für einen attraktiven Bran- chenmix und eine gute Einkaufsatmosphäre sorgen. Außerdem sollen bestehende Betriebe durch geziel- te Beratungen zu aktuellen Themen im Handel un- terstützt werden. Ziel des ISEKs ist die Belebung der Bad Godesberger Innenstadt, die sich aus einer gelungenen Kombina- tion von Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Gast- ronomieangeboten ergibt. Eine mögliche Maßnah- me ist eine Ausweitung des Gastronomieangebots, u. a. zur Belebung von Plätzen, oder die Entwicklung zielgerichteter Konzepte, die den Erlebniseinkauf in der Bad Godesberger Innenstadt abrunden und so die Verweildauer erhöhen (Shopping als Event). Um neben den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistun- gen und Gastronomie auch die Eigentümerschaft in den Aufwertungsprozess einzubeziehen, wird die Möglichkeit der Gründung einer Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) geprüft. Es wird außer- dem angestrebt, den Aufwertungsprozess durch die Einrichtung eines Projekt- und Citymanagements über mehrere Jahre begleiten zu lassen.Seite 20 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 15 2 Gesellschaftliche Veränderungs- prozesse und gesamtstädtische Rahmenbedingungen 2.1 Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen Bad Godesberg unterliegt gegenwärtig, wie alle anderen Kommunen in Deutschland, gesamtgesell- schaftlichen Veränderungen, die sich auf die kon- kreten baulichen Strukturen und die Lebensbedin- gungen vor Ort niederschlagen und damit tiefgrei- fende Herausforderungen, aber auch Chancen für die Stadtentwicklung darstellen. Zu diesen gesell- schaftlichen Trends zählen u. a. der demographi- sche Wandel, der Wandel in der Arbeitswelt, die Veränderungen im Einzelhandel und der Wandel in der Mobilität. Alle Bereiche werden zudem mehr oder weniger stark durch Digitalisierung und Ver- netzung beeinflusst. Demographischer Wandel Mit dem demographischen Wandel werden zu- sammenfassend verschiedene Veränderungen und Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bezeichnet. Die Veränderungen betref- fen u. a. die Altersstruktur der Bevölkerung, die Anteile von Menschen mit und ohne Migrationshin- tergrund und die Entwicklung der Geburten- und Sterbezahlen. Für Deutschland heißt das, dass zu- nehmend mehr ältere Menschen hier leben werden und dass ohne neu Hinzuziehende die Bevölkerung Deutschlands abnehmen wird. Aufgrund niedriger Geburtenraten und steigender Lebenserwartung werden die sozialen Sicherungssysteme belastet. Außerdem kommt es zu einer Ausdifferenzierung der Lebensstile. Insgesamt ergibt sich ein wesent- lich bunteres gesellschaftliches Bild. Eltern und Kinder leben auf unterschiedliche Art zusammen, es können verschiedene sexuelle Orientierungen offen gelebt werden, zugewanderte Menschen aus ande- ren Staaten bringen ihre Sprachen und kulturellen Prägungen mit nach Deutschland etc. Für Bad Godesberg stellen sich folgende Fragen: Gibt es ausreichend bezahlbaren und barriere- freien Wohnraum? Wo können Wohnungsangebote geschaffen werden, in denen alle Generationen aufeinan- der treffen? Gibt es genug Teilhabemöglichkeiten sowohl für Alteingesessene als auch Neuhinzugezoge- ne? Wie kann die kulturelle Vielfalt wertgeschätzt und ihre Potenziale entfaltet werden? Wandel der Arbeitswelt Der demographische Wandel beeinflusst auch die Arbeitswelt, denn ohne eine gesteuerte Zuwande- rung bedeutet er eine Alterung und Schrumpfung der inländischen Arbeitskräftepotenziale. Der tech- nologische Wandel, d. h. Digitalisierung und Vernet- zung, wirken sich auf alle öffentlichen und privaten Lebensbereiche aus und damit auch auf die Ar- beitswelt. Weniger qualifizierte Tätigkeiten fallen durch den Einsatz von Computern weg, sodass Qua- lifizierung und Weiterbildung noch wichtiger wer- den. Die digitale Vernetzung macht das Arbeiten von jedem Ort aus und zu jeder Zeit möglich. Je mehr die Leistungsfähigkeit der digitalen Technik steigt, desto mehr Leistung wird jedoch auch von den Arbeitnehmern erwartet. Die Arbeit verdichtet sich, neue Dienstleistungen, Produkte und Ge- schäftsmodelle entstehen. Berufe und Arbeitsorte wandeln sich (z. B. Zunahme von Formen des Zu- sammenarbeitens in meist größeren, offenen Räu- men, sog. Co-working-Spaces). Darüber hinaus wirkt sich die Globalisierung auf lokale Arbeitswelten aus: Sie stehen in Konkurrenz zu anderen Weltregionen mit geringeren Arbeitskosten, der Wettbewerbs- druck erhöht die Notwendigkeit von technischen Innovationen und Produktivitätssteigerungen. Das vernetzte Arbeiten im Homeoffice ermöglicht die verbesserte Vereinbarung von Beruf und Familie oder Pflege. Die gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen ist angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft und in Zeiten des Fachkräftemangels in einigen Branchen von hoher Relevanz. Eine hohe Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter ist die Grundlage für eine entsprechende Absicherung im Alter. Für Bad Godesberg stellen sich dabei u. a. folgende Fragen: Wie und wo kann Raum für neue Arbeitsfor- men geschaffen werden, und welche Infra- struktur wird dafür benötigt?Seite 21 von 176 16 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Wie können die Bewohner des Stadtbezirks beim lebenslangen Lernen unterstützt werden, welche Bildungsangebote braucht es? Handel im Wandel Die Digitalisierung zeigt auch im Einzelhandel gra- vierende Auswirkungen. So verlagert sich das Kauf- verhalten vom stationären Geschäft zunehmend in den Online-Handel. Einkäufe lassen sich bequem von zu Hause aus und zu jeder Zeit erledigen, und wenn die gelieferte Ware doch nicht den eigenen Wünschen entspricht, so kann sie gratis zurückge- schickt werden. Auch Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel werden vermehrt online bestellt. Die rapide wachsenden Umsatzzahlen im Online- Handel verdeutlichen den Trend. Er manifestiert sich in geringer frequentierten Einzelhandelslagen. Ladenlokale stehen leer. Eine Abnahme des Online- Handels mit gleichzeitiger Wiederbelebung minder- attraktiver Lagen ist wenig wahrscheinlich. Der zunehmende Lieferverkehr vergrößert das Ver- kehrsaufkommen in den Städten und belastet das Klima. Für Bad Godesberg stellen sich hier u. a. folgende Fragen: Wie kann mit den Leerständen umgegangen werden? Welche alternativen Nutzungsformen bieten sich an (Zwischennutzung, Pop-up-Stores etc.)? Wie können lokale Lieferdienste organisiert werden? Wie können die Einkaufslagen in der Innen- stadt aufgewertet werden? Welche Gestaltung sollte der öffentliche Raum haben? Wie können Immobilieneigentümer, Händler u. a. besser aktiviert werden? Wie könnten Angebote für Jugendliche in der Innenstadt aussehen? Mobilität im Wandel Vor allem in den Großstädten ändert sich das Mobi- litätsverhalten. Das Auto als Statussymbol verliert bei jüngeren Menschen in Deutschland an Wichtig- keit. Der Führerschein wird oft gar nicht oder erst spät erworben und nicht unbedingt ein Auto ge- kauft. Die Automobilität nimmt dementsprechend in den letzten zwei Jahrzenten bei jüngeren Men- schen deutlich ab, während sie bei älteren Men- schen angestiegen ist (z. B. aufgrund zunehmender Automobilität bei Frauen). Die Menschen nutzen vermehrt die Möglichkeit multimodal von A nach B zu kommen, indem sie mehrere Verkehrsmittel kombinieren (z. B. Auto, Bahn, Fahrrad), um zur Arbeit zu kommen. Mit technologischen Neuerun- gen entstehen neue Formen des Antriebs (Gas, Strom aus Sonne und Wind etc.) und neue Mobili- tätsformen wie Elektroautos oder E-Bikes, die sich auch im öffentlichen Raum auswirken (z. B. Ladesta- tionen). Mit dem Trend der Share-Economy neh- men Sharing-Angebote im Bereich der Mobilität und ihre Nutzung beständig zu (Carsharing, Mit- fahrgelegenheiten, Leihfahrräder etc.). Bürgerbusse übernehmen öffentliche Mobilitätsangebote, wo Kommunen die entsprechende Daseinsvorsorge eingestellt haben. Die Digitalisierung ist auch hier ein wichtiger Hintergrundtreiber. Sie ermöglicht u. a. die Erreichbarkeit von kleinen, lokalen Anbie- tern, das Zusammenführen verschiedener privater Nutzer, Flexibilität und die kurzfristige Buchung von Mobilitätsangeboten. Für Bad Godesberg stellen sich hier u. a. folgende Fragen: Welche aktuellen Mobilitätsangebote fehlen in Bad Godesberg, die für Einwohner wie Pendler und Gäste interessant sein könnten? Sind die verschiedenen Verkehrsträger und Mobilitätsangebote untereinander gut ver- netzt? Wie gut sind die einzelnen Ortsteile durch öffentlichen Nahverkehr angebunden?Seite 22 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 17 2.2 Gesamtstädtische Rahmenbedingungen Neben gesellschaftlichen Einflussfaktoren haben auch Entscheidungen, die auf gesamtstädtischer Ebene der Bundesstadt Bonn getroffen werden, Einfluss auf die Gestaltung Bad Godesbergs. Man- che Vorhaben, die auf Stadtteilebene relevant sind, können nicht ohne die nötigen Schritte auf gesamt- städtischer Ebene umgesetzt werden (z. B. Ent- scheidung über einen Schwimmbadbetrieb). 2.2.1 Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft Bonn verfügt insgesamt über zwei Schwimmhallen, fünf Freibäder (davon zwei in Bad Godesberg, Frei- bad in Friesdorf und Rüngsdorf) und ein kombinier- tes Hallen-/Freibad mit einem Kletterwald. Hinzu kommt das schwimmsportliche Trainingszentrum im Sportpark Nord. Im April 2017 stimmten die Bonner Bürger in einem Bürgerentscheid mit knapper Mehrheit dafür, das Kurfürstenbad in Bad Godesberg zu schließen. 51,64 % sprachen sich gegen den Erhalt des Hallen- bads aus. Im Stadtbezirk Bad Godesberg stimmten nur 32,41 % für eine Schließung, 67,59 % waren für den Erhalt des Bades. Für Dezember 2018 war bis vor kurzem der Baube- ginn eines neuen Zentralbads im Ortsteil Dottendorf geplant (Wasserlandbad), das im Jahr 2021 eröffnet werden sollte. Es sollte u. a. das Kurfürstenbad in Bad Godesberg (seit Mitte Mai 2016 geschlossen) und das Frankenbad in der Bonner Nordstadt erset- zen. Die Schließung des Frankenbads war nach der Eröffnung des Wasserlandbads angesetzt. In einem Bürgerentscheid im August 2018 votierten etwa 52 % der Bonner Wählerinnen und Wähler gegen den Bau des geplanten Wasserlandbads. Nur etwa 48 % stimmten für die Realisierung des Neu- bauvorhabens. Im Stadtbezirk Bad Godesberg fiel das Ergebnis deutlicher aus. Hier stimmten lediglich 37 % für den geplanten Neubau. Mit 63 % waren in Bad Godesberg die Neubaugegner in der deutlichen Mehrheit. Bisherige Berechnungen hatten eine Kostenerspar- nis von ca. 31,5 Mio. Euro des Neubaus inkl. Be- triebskosten über 30 Jahre veranschlagt. Die Sanie- rung und Modernisierung von Kurfürstenbad und Frankenbad inklusive der Betriebskosten käme die Stadt Bonn demnach deutlich teurer. Derzeit wird ein gesamtstädtisches Bäderkonzept unter Beteiligung der Bürgerschaft bis Ende 2019 erstellt. 2.2.2 Sanierung der Kulturlandschaft: Oper, Schauspielhaus und Stadthalle Die Bundesstadt Bonn hat mit ihrem „Kulturkonzept für die Stadt Bonn 2012 - 2022“ eine umfangreiche Bestandsaufnahme und den Rahmen für die künfti- ge kulturelle Entwicklung vorgelegt. In den Jahren 2013 und 2014 beliefen sich die Ausgaben für die Kultur auf etwa 7 % des Gesamthaushalts. Damit nahm Bonn im bundesweiten Städtevergleich einen Spitzenplatz ein. Dies entspricht dem Selbstbild als Kulturstadt mit 2000-jähriger Geschichte, die ihre Traditionen und ihr Brauchtum pflegt, gleichzeitig aber ein aktuelles, attraktives und qualitativ hoch- wertiges kulturelles Angebot in allen Sparten vor- hält. Oper und Schauspiel verteilen sich auf verschiedene Standorte in der Stadt Bonn (Innenstadt, Beuel, Bad Godesberg). Die Bonner Oper befindet sich im In- nenstadtbereich in direkter Lage zum Rhein. Das Schauspielhaus Bad Godesberg ist das größte Schauspielhaus der Stadt Bonn und der erste Thea- terneubau der Bundesrepublik in der Nachkriegs- zeit. Das Gebäude wurde in der Bad Godesberger Innenstadt in den frühen 1950er-Jahren erbaut. Abbildung 6: Schauspielhaus in Bad Godesberg (ehemals Kammerspiele) Im Kulturkonzept wurde vorgeschlagen, das Schau- spielhaus und die Oper Bonn an einer Stelle zu- sammenzufassen, um damit überregionale Strahl- kraft zu generieren. Im Dezember 2015 beschloss der Kulturausschuss, das Godesberger Haus zur zentralen Spielstätte für Theaterstücke in Bonn zuSeite 23 von 176 18 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH machen. Das bislang in der Halle Beuel spielende städtische Theater nutzt seitdem das Schauspiel- haus in Bad Godesberg. Es musste die Beueler Halle verlassen, um dort Platz für die Aufführungen des nicht von der Stadt finanzierten Pantheon-Theaters zu schaffen. Der Bestand des Schauspiels schien damit auch über das Jahr 2018 hinaus gesichert. Die Diskussion um das sanierungsbedürftige Opern- haus hat jedoch auch die Debatte um das Schau- spielhaus neu belebt. Brandschutzmängel in Oper und Schauspielhaus müssen möglichst zeitnah be- hoben werden. Die Stadt hat dafür aus Mitteln des laufenden Haushalts für 2017 und 2018 rund 6 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Im Falle einer Sanie- rung der Oper soll dies wegen des Beethovenjahres jedoch erst nach 2020 richtig beginnen. Es wird derzeit diskutiert, inwieweit statt einer Instandsetzung ein Abriss des vorhandenen Opern- gebäudes und ein Neubau sinnvoll wären, der auch das Schauspiel Bonn mit einer eigenen Bühne auf- nimmt (Zweispartenhaus). Befürchtet wird u. a. eine Steigerung der Sanierungskosten aufgrund vorher nicht absehbarer bautechnischer Rahmenbedingun- gen. Als Standort für einen möglichen Kultur-Neubau ist Bad Godesberg vorgesehen, um die Schließung des Kurfürstenbads zu kompensieren. Der Wegzug einer weiteren bedeutungsvollen städtischen Einrichtung gilt als schwer vermittelbar. Sollte das Schauspiel in einen Neubau verlagert werden, so müsste für das derzeitige Gebäude eine andere öffentliche Nut- zung gefunden werden, die die Innenstadt belebt. Es könnte als Treffpunkt für die Godesberger Verei- ne und freie Kulturangebote dienen, für den Fall, dass die Stadthalle abgerissen würde (z. B. freie Gruppen, Gastspiele, Theateraufführungen, auch des Theaters Bonn). Auch dann muss das Gebäude saniert werden. Als Standort für einen Kultur-Neubau ist das Gelän- de der Stadthalle Bad Godesberg in der Diskussion, die ebenfalls stark sanierungsbedürftig ist. Der Neubau könnte aber auch in der Bonner Innenstadt an der Stelle des bisherigen Opernhauses am Rheinufer entstehen. Das Gebäude der Stadthalle Bad Godesberg gilt als prägnantes Beispiel des Baustils der 1950er-Jahre und soll ab 2020 saniert werden. Die Halle bietet Räume unterschiedlicher Größe und Form und ist mit Messen, Tagungen und Festen zu 80 % ausge- lastet. Sie steht unter Denkmalschutz. Ein Abriss käme nur infrage, wenn die Mehrheit des Rats für eine Aufhebung stimmen würde. Bei einer Sanie- rung müsste ein tragendes Konzept auf Basis aktuel- ler Auslastung und künftiger Potenziale erstellt werden, um zusätzlich zum Raumangebot für die ortsansässigen Vereine eine Möglichkeit zur Er- schließung neuer Nutzerkreise zu eröffnen und vom Tagungs- und Kongressmarkt der Bundes- und UN- Stadt Bonn zu profitieren. Eine sanierte Stadthalle oder ein Neubau würde in jedem Fall zur angestreb- ten Belebung der Innenstadt beitragen. 2.2.3 Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2008) Die Weiterentwicklung der Bad Godesberger Innen- stadt ist eingebettet in das Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept von 2008, das kontinuierlich fortgeschrieben wird. Das Konzept stellt Bonn in den Kontext der europäischen Stadt, das heißt, es weist der Innenstadt bzw. den Stadtbezirkszentren und sonstigen zentralen Bereichen eine herausge- hobene Funktion zu. Die Konzentration städtebauli- cher und infrastruktureller Investitionen auf die zentralen Bereiche zeigt den Stellenwert, den die Bundesstadt Bonn dem Ziel der Entwicklung der Zentren in den letzten Jahren beigemessen hat. Neben der Zentralität – also der vorrangig quantita- tiven Komponente – soll auch die Vielfalt an Funkti- onen in der Innenstadt, den Stadtbezirkszentren und sonstigen zentralen Bereichen erhalten und gestärkt werden. Eine Mischung von Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastronomie, Kultur und Wohnen wird angestrebt. Der Einzelhandel dient zunächst und in erster Linie der Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des kurz-, mittel- und langfristigen Bedarfs. Neben die- ser eigentlichen Aufgabe erzeugt Einzelhandel in integrierten Lagen städtische Bedingungen wie Dichte, Frequenz und Mischung. Ihm werden des- halb stadtbildende Funktionen zugesprochen – städtisches Leben, urbane Attraktivität und Multi- funktionalität. Um diese stadtbildprägende Kraft und die Nahversorgung sämtlicher Bevölkerungstei-Seite 24 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 19 le aufrechtzuerhalten, bedarf es der gezielten Len- kung der Einzelhandelsentwicklung. Mit dem künf- tig zunehmenden Anteil älterer Menschen (demo- graphischer Wandel) steigt sonst auch die Zahl der potenziell unterversorgten Haushalte. Abbildung 7: Überblick über die zentralen Bereiche der Stadt Bonn Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008 Ein kompaktes Zentrum mit kurzen Wegen ist dabei eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung und das Entstehen lebendiger urbaner Räume. Die flächendeckende Versorgung der Einwohner mit Gütern des kurzfristigen Bedarfs – insbesondere im Bereich Nahrungs-/Genussmittel – verkürzt eben- falls die zurückzulegenden Wege. Bad Godesberg Als Stadtbezirkszentrum gehört die Innenstadt von Bad Godesberg zum Zentrumstyp B des Bonner Zentrenkonzepts und ist das größte dieser Art. Die Stadtbezirkszentren Beuel und Duisdorf fallen eben- falls in diese Kategorie, die Innenstadt Bonn ist Zentrumstyp A. In den Stadtbezirkszentren sollen Einzelhandelsangebote in allen Bedarfsbereichen und ein breites einzelhandelsnahes Dienstleistungs- angebot (Apotheken, Reisebüros etc.) zu finden sein. Sie bilden außerdem ein Bindeglied zwischen dem A-Zentrum Innenstadt und den C-Zentren mit einem Kunden-Einzugsbereich über den Stadtbezirk hinaus. Im Stadtbezirk Bad Godesberg befinden sich neben dem Stadtbezirkszentrum auch zwei C-Zentren sowie sechs D-Zentren, die jeweils gestärkt oder gesichert werden müssen. Abbildung 8: Zentrale Bereiche im Stadtbezirk Godesberg Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008 Das Stadtbezirkszentrum liegt unmittelbar unter- halb der Godesburg in relativ zentraler Lage im Stadtbezirk und wird im Wesentlichen durch die Straßen Am Kurpark und Löbestraße im Süden, die Burgstraße im Norden, die Schwertberger Straße im Westen und die Bahntrasse im Osten begrenzt. Die zum Teil stark befahrenen Straßen stellen eine deutliche Barriere zwischen dem Zentrum und den angrenzenden Bereichen dar. Im Bereich des Aenn- chen-Platzes und an der Plittersdorfer Straße trifft man jedoch auf bemerkenswert urbanes Leben und einige Spezialgeschäfte, sodass hier die Abgrenzung auf die andere Straßenseite ausgeweitet wurde.Seite 25 von 176 20 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Abbildung 9: Stadtbezirkszentrum Bad Godesberg Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept, Fort- schreibung Bad Godesberg verfügt über ausreichende Flächen auch für großflächigen Einzelhandel innerhalb des Zentrums sowohl in der Fronhof-Galeria, der Passa- ge in der Schultheissgasse/Vilichgasse, dem Alt- stadtcenter und neben dem Kinopolis, sodass eine weitere Ausweitungsnotwendigkeit nicht besteht. Das Kinopolis (Moltkestraße 7 – 9) ist ein Kinozent- rum in Bad Godesberg mit elf Sälen, in denen aktu- elle Spielfilme gezeigt werden. Darüber hinaus gibt es Angebote für spezielle Zielgruppen (z. B. Senio- ren). Hier werden Filme teilweise in Originalsprache gezeigt, was gerade von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der internationalen Einrichtungen in Bonn geschätzt wird. Das Zentrum ist mit einem DB-Bahnhof an das überörtliche ÖPNV-Netz angeschlossen. Die Linien 63 und 16 verbinden Bad Godesberg mit der Bonner City. Die Ortsteile sind mit Bussen an das Zentrum angeschlossen. Die Ortsteilzentren Plittersdorf und Mehlem (Zen- trentyp C) sollen ein vollständiges Angebot im kurz- fristigen Bedarfsbereich anbieten, sowie zentren- prägende Dienstleistungen. Im Vordergrund steht die Versorgungsfunktion für die umliegende Bevöl- kerung mit kurzfristigen Gütern. Ziel ist es, das An- gebot im kurzfristigen Bereich zu erhalten, um Kun- denbindung und darauf aufbauende Angebote aus anderen Bedarfsbereichen zu ermöglichen. In der amerikanischen Siedlung, Friesdorf, Rüngs- dorf, Pennenfeld, Lannesdorf und Heiderhof befin- den sich reine Nahversorgungszentren mit nur ge- ringem Angebot an Einzelhandels- und Dienstleis- tungsnutzungen (Zentrentyp D). Sie erfüllen die Mindestanforderung für zentrale Bereiche (mindes- tens ein Lebensmittelgeschäft). Ziel ist der Erhalt und wenn möglich eine Stärkung bzw. Erweiterung, um die Nahversorgung auch weniger mobiler Bevöl- kerungsteile zu gewährleisten.Seite 26 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 21 2.3 Spezifische Herausforderungen in Bad Godesberg Es gibt darüber hinaus mehrere Themen, die für Bad Godesberg spezifisch sind und die Entwicklung kon- struktiver und zukunftsorientierter Konzepte erfor- dern. 2.3.1 Medizintourismus In ganz Deutschland steigt die Zahl der aus dem Ausland kommenden Patienten, die sich stationär behandeln lassen. Im Jahr 2006 waren es ca. 54.000 Patienten, im Jahr 2015 schon 103.000 Patienten. Aktuell steigen die Zahlen nicht weiter an. Die meis- ten Patienten kommen aus den Nachbarländern wie Polen, den Niederlanden oder Frankreich, denn vor allem Patienten in den Grenzregionen nutzen die Behandlungsmöglichkeiten im nahen Ausland. Wei- tere Herkunftsländer sind Russland, die anderen GUS-Staaten und die arabischen Golfstaaten. Nachteile durch die ausländischen Patienten in den Praxen ergeben sich kaum für deutsche Patienten. Eher im Gegenteil: Durch die Mehreinnahmen ge- winnen die Krankenhäuser große zusätzliche Ein- nahmen, mit denen Personal eingestellt oder neue medizinische Geräte angeschafft werden können. Allein das Gesundheitssystem in ganz Deutschland verdient im Jahr geschätzt ca. 1,2 Milliarden Euro an den Medizintouristen. Aber auch weitere positive Effekte auf die lokale Wirtschaft sind keinesfalls außer Acht zu lassen. Ein weiterer Milliardenbetrag kommt mindestens den Bereichen Tourismusin- dustrie, Beherbergung und Handel zugute. Im Jahr 2015 besuchten rund 1.200 Patienten Bonn. Ein Teil von ihnen ließ sich in einer der 20 Kliniken, Fachambulanzen und Krankenhäuser in Bad Godes- berg behandeln. Damit ist der Medizintourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bad Godesberg. Teile der Bad Godesberger Innenstadt sind entspre- chend von arabischen Geschäften und Immobilien- maklern geprägt, denn der größte Teil der Patienten in Bad Godesberg stammt aus arabischen Ländern wie Katar, Kuwait und Saudi-Arabien. In Bad Godes- berg hat sich infolgedessen in den letzten 20 Jahren eine große arabische Gemeinschaft gebildet. Sie ist einer der Gründe dafür, dass sich arabische Medi- zintouristen gerne in Bad Godesberg behandeln lassen. Ebenso schätzen sie die gute Infrastruktur, die vielen Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sowie die gute Erreichbarkeit Bad Godesbergs. Die meis- ten Patienten reisen in der arabischen Ferienzeit an, zwischen April und Oktober. Dabei werden sie oft von mehreren Angehörigen begleitet, da sie finan- ziell von ihren Herkunftsländern bei den Behand- lungskosten und Reisekosten unterstützt werden. Medienberichten zufolge erhalten beispielsweise Katarer pro Woche 4000 Euro „Taschengeld“ für sich und bis zu zwei Begleitpersonen. Die meisten Patienten bleiben einige Wochen oder Monate und möchten in dieser Zeit nicht in Hotel- zimmern wohnen. Apartments werden oft zu un- verhältnismäßigen Preisen an die Touristen vermie- tet. Einige zahlen bis zu 6.000 oder 7.000 Euro pro Monat. Deswegen wird es für einheimische Bürger schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Zweckentfremdung ist demzufolge ein großes Prob- lem. 2013 hat die Bundesstadt Bonn die „Satzung zum Schutz und Erhalt von Wohnraum im Gebiet der Bundesstadt Bonn“ erlassen und eine „Task Force Zweckentfremdung“ gegründet, die Bußgel- der von bis zu 50.000 Euro verhängen kann. Dabei wurde festgestellt, dass teilweise Kellerräume, Büroflächen, Praxen und ganze Häuser ungeneh- migt in Wohnungen umgewandelt wurden. Aller- dings ist eine tatsächliche Zweckentfremdung oft schwierig nachzuweisen. Oft sind die Eigentumsver- hältnisse unklar, oder es werden Langzeit-Mietver- träge vorgelegt bzw. angegeben, dass die Wohnung Familienmitgliedern oder Freunden zur Verfügung gestellt wird. Ein weiteres Problem der Untervermietung sind die unterschiedlichen Lebensstile, die in den Wohnhäu- sern aufeinander prallen. Nachbarn fühlen sich beispielsweise durch ständigen Mieterwechsel be- lästigt. Es wird außerdem über fehlende Sauberkeit, Beschädigungen an Gemeinschaftseinrichtungen sowie Lärmbelästigung geklagt. Ein weiterer Streit- punkt sind Umlagekosten für Müllgebühren und Energiekosten. Der Medizintourismus bringt demnach Bad Godes- berg einige Vorteile, verursacht aber auch eine Reihe Herausforderungen. Die Gesundheitswirt- schaft sowie die lokale Tourismusindustrie, die Beherbergung und der Handel profitieren von den zahlreichen und zahlungskräftigen Kunden. VonSeite 27 von 176 22 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH hoher Relevanz sind aber auch die Eindämmung der Zweckentfremdung von Wohnraum und das Gegen- steuern bei unverhältnismäßig hohen Gewerbe- und Wohnungsmieten. Auch muss das Miteinander von Medizintouristen und einheimischer Bevölke- rung kontinuierlich beobachtet und moderiert wer- den. 2.3.2 Zusammenleben in Bad Godesberg Das Thema Integration nimmt einen breiten Raum im Leitbildprozess ein. Manche Bewohner Bad Godesbergs beklagen, dass der Medizintourismus dazu führe, dass Burka tragende Frauen das Stadt- bild der Innenstadt prägen. Dieser Angst vor „Über- fremdung“ setzen wiederum andere Bürger ein Bedürfnis nach mehr Austausch und Miteinander entgegen. Die kulturelle Vielfalt, die durch die Zu- wanderung vieler Menschen aus anderen Staaten und Kulturen entstehe, sei als Chance zu sehen. Die Integrationsmöglichkeit von vollverschleierten Frauen wird von einigen Bürgern jedoch kritisch gesehen, da es die Verschleierung erschwere, mit ihnen Kontakt aufzunehmen bzw. unklar sei, ob ein Kontakt überhaupt gewünscht sei. Zum Thema Zusammenleben und Vielfalt gehört aber auch die Inklusion von Menschen mit Behinde- rungen, nicht zuletzt über eine barrierefreie Gestal- tung des öffentlichen Raums. Hier sind Strategien gegen die zunehmende Isolation älterer Menschen oder jüngerer Personen ohne soziale Einbindung gefragt. Grundsätzlich stellen sich einige Bürgerinnen und Bürger vor, dass Bad Godesberg eine Heimat für alle und generationenfreundlicher sein solle. Dazu ge- hören Bürger aus den unterschiedlichen Einkom- mensschichten – jeder soll es sich leisten können, in Bad Godesberg zu leben. In den verschiedenen Formaten der Bürgerbeteiligung wurde deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger die mangelnde soziale Durchlässigkeit in einigen Wohnquartieren kritisieren. Wohlhabende Bewohner grenzen sich auch baulich ab, was einen Eindruck von Segregati- on hinterlässt. Die Schere zwischen Arm und Reich sei in Bad Godesberg besonders groß und verursa- che extreme Unterschiede beim Zugang zu Bildung und Partizipation. 2.3.3 Wohnen, Nahversorgung und Verkehr Die Wohnungssuche gestaltet sich in Bad Godes- berg zum Teil schwierig, der Wohnungsmarkt gilt als angespannt. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist knapp. In diesem Zusammenhang stößt die Zweck- entfremdung von Wohnraum für die Vermietung an Medizintouristen auf Kritik. Kontrollen sowie die Eindämmung bzw. zweckgemäße Rückführung der Wohnungen werden gefordert (Durchsetzung der Zweckentfremdungssatzung). Einige Bürger sprechen sich dafür aus, stärker für den sozialen Wohnungsbau zu werben, um eventu- elle Widerstände in Quartieren aufzuheben, in de- nen Neubauvorhaben geplant seien. Der bezahlbare Wohnraum solle barrierefrei sein, zentral liegen und ein grünes Wohnumfeld bieten. Außerdem wird bei der Schaffung von Mehrgenerationenhäusern Be- darf gesehen. In den Ortsteilen fehlen einigen Bürgerinnen und Bürgern notwendige Nahversorgungsangebote, so- dass sie für viele Waren des täglichen Bedarfs in die Innenstadt fahren müssen. Es wird allgemein ein Rückgang in der Versorgung festgestellt und eine Sicherstellung der Nahversorgungszentren einge- fordert. Gerade für Seniorinnen und Senioren man- gele es an spezifischen Versorgungsangeboten. Auch werden mehr öffentliche Toiletten gewünscht. Insgesamt sollten Zugänge und Wege barrierefrei gestaltet werden. Die gute Anbindung Bad Godesbergs an Straße und Schiene führt auch zu unerwünschten Beeinträchti- gungen: die Lärmbelastung im Stadtbezirk ist an einzelnen Stellen erhöht und wird von den Bürge- rinnen und Bürgern als Einschränkung der Wohn- qualität wahrgenommen. Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wird als verbesserungswürdig angesehen. Die Taktung von Bussen und Bahnen sei zu erhöhen, und vor allem die Verbindung zwischen den Ortsteilen zu verbes- sern. Die Fahrradmobilität sehen einige Bürgerin- nen und Bürger als gefährdet an, da auf Radfahrer zu wenig Rücksicht genommen werde. Insgesamt sei die Fahrradinfrastruktur unbefriedigend und müsse ausgebaut werden. Auch das Carsharing sei verbesserungswürdig.Seite 28 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 23 2.3.4 Wissens- und Hochschulstandort Ein weiteres Ergebnis der Beteiligung stellt Bad Godesbergs Funktion als Forschungs- und Hoch- schulstandort in den Fokus. Obwohl die Stadt Bonn eine Universitätsstadt ist, liegt kein Institut oder Fachbereich innerhalb der Bad Godesberger Gren- zen. Auch studentisches Leben ist im Bezirk nicht präsent. Bad Godesberg profitiert daher nicht vom Universitätsstandort Bonn. Eine Ansiedlung von Studierenden im Stadtbezirk sei jedoch wünschenswert, um eine Verjüngung der Altersstruktur zu erreichen. Daher sei bei allen Maßnahmen die junge Ziel- oder Nutzergruppe zu berücksichtigen und zu fördern. Es wird erwartet, dass ein höherer Anteil Studierender an der Bevöl- kerung Bad Godesbergs positive Auswirkungen auch auf andere Bevölkerungsteile, das Kulturangebot, die Gastronomie, den Einzelhandel und das Image hat. Es wird daher vorgeschlagen, die Leerstände an der prominenten Kurfürstlichen Zeile als Hochschul- standort zu nutzen. Des Weiteren können andere leerstehende Gebäude im Bezirk als Studenten- wohnheime genutzt werden. Auch die Ansiedlung von Start-ups sollte im Fokus des Bezirks stehen. Das Potenzial des Wissenschaftszentrums in Hoch- kreuz sollte noch viel stärker zugunsten der Ent- wicklung eines Hochschulstandorts Bad Godesberg genutzt werden. 2.3.5 Kulturstadt und Diplomatenstadt Einige Bad Godesberger Bürgerinnen und Bürger regen an, dass kulturelle Einrichtungen in Bad Godesberg und Bonn miteinander kooperieren und ein gemeinsames Marketing für ihre kulturelle An- gebote erstellen. Im Musikbereich seien das bei- spielsweise die Musikschule Bonn, das Rock- und Pop-Zentrum Bonn, Marios Musikschule, der Histo- rische Gemeindesaal Bad Godesberg, die Zentrifuge im Haus der Luft- und Raumfahrt, die Kleine Beethovenhalle Muffendorf, Musikkneipen wie Elpi (Burgstraße), Big Daddy (Friesdorf) und Kirchenkon- zerte (St. Marien, Erlöserkirche, Johanneskirche, St. Hildegard, St. Servatius etc.) etc. Der Erhalt des Schauspielhauses und des Kleinen Theaters ist für einige Bürger ein wesentlicher Be- standteil einer vielfältigen und hochwertigen Kultur- landschaft. Auch die Förderung von Kleinkunst (s. Theaterprojekt „im Schaufenster“) gehört in den Bereich Darstellende Künste. In der zukünftigen Entwicklung Bad Godesbergs kann auf ein reiches historisches Erbe zurückgegrif- fen werden. Hierfür ist aus Bürgersicht jedoch die Erhaltung der wesentlichen Godesberger Wahrzei- chen notwendig. So sollte die Godesburg als Thema wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Dazu gehört der Burgberg mit seinen Wegen, die Godes- burg mit Turm und Restaurant, der Burgfriedhof, Aussichtspunkte am und auf dem Burgweg und die Anbindung der Innenstadt an den Burgberg. Auch der Blick aus dem Zentrum auf den Burgberg gehört dazu sowie die Stollen im Burgberg und etwaige Ritterfeste. Saniert worden sind bereits der Bergfried der Godesburg, die Michaelskapelle und die Redoute, der Draitschbrunnen wurde neu angelegt. Als wei- tere Wahrzeichen sollten die Stadthalle, das Schau- spielhaus und das Bad Godesberger Rathaus gesi- chert werden. Bad Godesberg – Diplomatenstadt am Rhein Bad Godesberg ist aufgrund der ehemaligen Haupt- stadtfunktion Bonns außerdem ein Stadtbezirk mit jahrzehntelanger internationaler Tradition, die auch heute noch andauert. Diese Internationalität kann expliziter gelebt und auch vermarktet werden. Bei- spielsweise könnte mit „50 Jahre Diplomatie am Rhein“ geworben werden, denn auch heute noch leben zahlreiche UN-Diplomaten, Mitarbeiter von Konsulaten und Außenstellen der Berliner Botschaf- ten in Bad Godesberg. Es ist davon auszugehen, dass die Organisation der Vereinten Nationen wei- ter wachsen wird. Das Thema „Diplomatenstadt Bad Godesberg“ ist auch Inhalt einer Vereinsgründungsinitiative Bad Godesberger Botschaften. Sie möchte die Erinne- rung an das diplomatische Erbe und die Anfangsjah- re der Bundesrepublik Deutschland wach halten. Bad Godesberg habe das Bild Nachkriegsdeutsch- lands entscheidend geprägt. Die Botschaftsgebäude seien dabei Orte, an denen Geschichte geschrieben wurde, vor allem die der früheren Alliierten USA, Frankreich, Großbritannien und Sowjetunion. Um die Rolle Bad Godesbergs in den Jahren 1949 bisSeite 29 von 176 24 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH 1999 zu erläutern und zu würdigen, plant der Ver- ein Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen, Jahrestage, Forschungsarbeiten sowie eine Zusam- menarbeit mit entsprechenden Institutionen und Organisationen wie zum Beispiel dem Haus der Geschichte, der Bundeszentrale für politische Bil- dung oder dem internationalen Club La Redoute. Angestrebt ist, über bundesweite Zusammenarbeit mit entsprechenden Einrichtungen einen Politiktou- rismus zu etablieren. Touren durch ehemalige Bot- schaften werden bereits seit einigen Jahren durch- geführt. Außerdem möchte der Verein die Umnut- zung leerstehender Botschaftsgebäude unterstüt- zen. 2.3.6 Sicherheit Ein Thema, das die Bad Godesberger Akteurs- und Bürgerschaft während des gesamten Leitbildprozes- ses in besonderer Weise bewegte, ist ein sich in den letzten Jahren verschlechterndes subjektives Si- cherheitsempfinden im öffentlichen Raum. Dies betrifft in erster Linie den Innenstadtbereich und die Parkanlagen und dort wiederum vor allem den Zeitraum der Abendstunden. Wie unsicher ist Bad Godesberg wirklich? Die aktuelle Kriminalstatistik 2017 der Polizei Bonn zeigt auf, dass die Gesamtkriminalität, d. h. die Anzahl angezeigter Straftaten, in der Region Bonn abnimmt und auf dem niedrigsten Stand seit 21 Jahren liegt. Abbildung 10: Gesamtkriminalität im Zuständig- keitsbereich der Polizei Bonn Quelle: Kriminalistik der Polizei Bonn 2017 Für Bad Godesberg vermeldet die Polizei Bonn, dass im Jahr 2017 581 Straftaten weniger als im Jahr 2016 angezeigt wurden, was einen deutlichen Rückgang um 9,5 % auf 5.524 Straftaten und den niedrigsten Stand seit 1995 bedeutet. Abbildung 11: Gesamtkriminalität im PKS-Bereich Bad Godesberg Quelle: Kriminalistik der Polizei Bonn 2017 Trotz alledem ist das Sicherheitsgefühl vieler Bürger gesunken. Um diesem Gefühl entgegenzuwirken, setzt die Polizei auf vermehrte Kontrollen. Die Kriminalstatistik der Polizei Bonn zeigt, dass ein Großteil der Straftaten in der Region Bonn von Erwachsenen begangen wird, nämlich 78 %. Dabei beging die Gruppe der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren 9,3 % der Straftaten, also nur jeder zehnte Straftäter kam aus dieser Altersgruppe (Kin- der: bis 14 Jahre, Jugendliche: 14 bis 18 Jahre, Her- anwachsende: 18 bis 21 Jahre, Erwachsene: ab 21 Jahre). Einfluss der Medien Die mediale Darstellung einzelner negativer Ereig- nisse in Bad Godesberg hat dabei in der Vergangen- heit zu einem sich verschlechternden Bild des ge- samten Stadtbezirks in der Öffentlichkeit beigetra- gen. Ohne diese negativen und z. T. tragischen Er- eignisse zu leugnen, sind diese dennoch nicht reprä- sentativ für Bad Godesberg und spiegeln nicht das typische Alltagsleben im Stadtbezirk wider. Es er- scheint daher wichtig, dass Polizei und Stadtverwal- tung transparent und objektiv über das tatsächliche Gefährdungspotenzial anhand der Kriminalstatistik und deren Entwicklung in den vergangenen Jahren informieren.Seite 30 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 25 3 Geografische Lage und historische Entwicklung 3.1 Geografische Lage Die Bundesstadt Bonn ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Köln. Sie liegt im Süden Nord- rhein-Westfalens an der Grenze zu Rheinland-Pfalz und gehört zur Metropolregion Rheinland. Im Nor- den grenzt sie an den Ballungsraum Köln/Lever- kusen. Die umliegenden Städte und Gemeinden sind Bornheim und Troisdorf im Norden, Alfter im Westen, Meckenheim und Wachtberg im Süden und Königswinter und Sankt Augustin im Osten. Die Bundesstadt Bonn liegt im Übergang vom Mit- telrheingebiet zur Niederrheinischen Bucht, der durch den Godesberger Rheintaltrichter markiert wird. Der Rhein trennt die Stadt in einen linksrheini- schen und einen rechtsrheinischen Bereich, wobei der linksrheinische die größere Fläche besitzt. Im Süden und Westen der Stadt grenzt Bonn an die Ausläufer der Eifel. Im Osten der Stadt befindet sich das Siebengebirge. Im Norden geht das Stadtgebiet in die Kölner Bucht über. Die Bundesstadt Bonn ist in vier Stadtbezirke unter- teilt, die Bezirke Bonn, Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg. Bad Godesberg liegt im Süden der Stadt und wird im Osten durch den Rhein begrenzt. Er grenzt südlich an das Bundesland Rheinland-Pfalz. Bad Godesberg Der Stadtbezirk besitzt eine Ausdehnung von etwa 7 km in West-Ost-Richtung und ca. 7,8 km in Nord- Süd-Richtung und umfasst 13 Ortsteile. Der Stadt- bezirk hat ca. 73.000 Einwohner und ist damit der zweitgrößte Bezirk von Bonn. Der westlich des Stadtbezirks gelegene Kottenforst und das Siebengebirge auf der anderen Rheinseite sind attraktive Naherholungsziele der Bad Godes- berger Bevölkerung. 3.2 Verkehrsanbindung Der Stadtbezirk ist aus verkehrlicher Sicht innerhalb der Region und darüber hinaus gut angebunden. An der nördlichen Grenze liegt die A 562. Des Weiteren führt die B 9 in Nord-Süd-Richtung durch Bad Godesberg und liefert einem unmittelbaren An- schluss in die Bonner Innenstadt und an die A 565. Die Autobahn A 562 bietet eine Anschlussmöglich- keit an die Autobahn A 59 und damit eine schnelle Anbindung an umliegende Städte sowie eine direkte Verbindung zum Köln/Bonner Flughafen. Bad Godesberg ist an den Schienenpersonenverkehr (SPNV) angebunden. Der Bahnhof Bad Godesberg befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Der zweite Bahnhof liegt in Mehlem bzw. Lannes- dorf. Die Bahnhöfe werden regelmäßig von ver- schiedenen Regionalbahnen bzw. Regionalexpress- zügen angefahren. Der RE 5 (RRX) Rhein-Express und die RB 26 Mittelrhein-Bahn bieten eine Verbin- dung in weite Teile des Rheinlands und zum Mittel- rhein, wie zum Beispiel Köln, Koblenz und Mainz. Weitere Ziele wie Ahrweiler und Wuppertal erreicht man mit der RB 30 Rhein-Ahr-Bahn bzw. der RB 48 RheinWupper-Bahn. Mit diesen Linien ist auch die Bonner Innenstadt zügig zu erreichen. Es besteht eine Anbindung an den Hauptbahnhof Bonn. Zwei Stadtbahnlinien fahren von Bad Godesberg aus in Richtung Bonn-Tannenbusch und Köln-Niehl. Über verschiedene Buslinien werden der restliche Stadt- bezirk sowie die Nachbargemeinde Meckenheim erschlossen. Mit der guten Anbindung, der regionalen Einbin- dung sowie der unmittelbaren Nähe zur Innenstadt von Bonn verfügt der Stadtbezirk Bad Godesberg über gute Voraussetzungen als attraktiver Wohn- und Gewerbestandort.Seite 31 von 176 26 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Abbildung 12: Räumliche Lage des Stadtbezirks Bonn-Bad Godesberg 3.3 Struktur der Ortsteile Die 13 Ortsteile von Bad Godesbergs weisen zum Teil sehr unterschiedliche Charakteristika auf. Diverse Einrichtungen wie Stiftungen, Verbände und Unternehmen aus Forschung und Wissenschaft sowie das Deutsche Museum befinden sich im Orts- teil Hochkreuz. Der Ortsteil hat ca. 2.120 Einwoh- ner. Die Bonner Rheinaue bietet Raum zur Naherho- lung. Der Ortsteil Friesdorf liegt am nördlichen Rand des Stadtbezirks Bad Godesberg. Er ist durch Wohnbe- bauung sowie größere Areale für Gewerbe geprägt. Prägend für den Ortsteil ist neben dem Freibad „Friesi“ auch der Fabrikverkauf der Firma HARIBO, der vor kurzem neu errichtet wurde. Im Ortsteil leben ca. 8.250 Einwohner. Im nördlichen Teil des an der Rheinpromenade gelegenen Plittersdorf (11.535 Einwohner) befinden sich die amerikanische Siedlung (HICOG Siedlung) sowie die Bonn-International-School. Mit einer Auto- und Personenfähre kann nach Niederdollen- dorf über den Rhein gesetzt werden. Bad Godesberg Nord (1.690 Einwohner) besteht zum großen Teil aus einem Gewerbegebiet und ehemaligen Arbeiter- und Werkssiedlungen. Andere Ortsteile verfügen eher über dörfliche Strukturen. Schweinheim (3.030 Einwohner) ist ein beliebter Wohnort für wohlhabendere Bürger und beherbergt ein Waldkrankenhaus. In direkter Nähe befindet sich das Marienforster Tal. Das Villenviertel ist auch heute noch von den Häu- sern der Gründerzeit geprägt und hat ca. 5.150 Einwohner. Gegenwärtig haben dort fünf General- konsulate, ein Konsulat und zwölf Außenstellen von Botschaften ihren Sitz. Die Innenstadt (Alt Bad Godesberg), in der etwa 6.285 Einwohner leben, bietet umfassende Ein- kaufsmöglichkeiten. Sie wurde in den 1960er- Jahren umgestaltet und besitzt kaum noch histori- sche Bausubstanz. Ebenfalls in der Stadtmitte liegt die Godesburg, ein beliebtes Ausflugsziel. Im Kur- viertel steht die Redoute, ein attraktiver kultureller Ort, der Schauplatz für Konzerte und andere Veran- staltungen ist. Ähnliche bauliche Strukturen wie das Villenviertel weist der Ortsteil Rüngsdorf auf (6.990 Einwohner). Die Dachterrasse des dort gelegenen RheinhotelsSeite 32 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 27 Dreesen ist ein beliebtes Ausflugsziel, das Hotel hat außerdem einen geschichtsträchtigen Hintergrund. Anziehungspunkt für die lokale Bevölkerung ist auch das Freibad „Rüngsi“. Von Rüngsdorf gelangen Au- tos wie Fußgänger mittels einer Fähre über den Rhein nach Königswinter. Als Reaktion auf den Wohnungsbedarf wurde der Ortsteil Pennenfeld erweitert (ca. 3.280 Einwoh- ner). Es entstand unter anderem eine heute denk- malgeschützte HICOG-Siedlung. Pennenfeld verfügt über eine hohe Dichte an Schulen sowie einen Sportpark mit Stadion und Turnhalle. Der Ortskern Muffendorfs besticht durch seine vielen Fachwerkhäuser. In diesem Ortsteil leben 3.680 Einwohner. Der Ortsteil Heiderhof hat ca. 5.050 Einwohner und entstand, als nach der Ernennung Bonns zum Regie- rungssitz eine große Nachfrage nach Wohnungen einsetzte. Er ist von Hoch- und Reihenhäusern ge- prägt und verfügt über ein eigenes Einkaufszent- rum. Der Ortsteil Lannesdorf (6.835 Bewohnern) wird zum einen durch ein Gewerbegebiet geprägt, zum anderen werden große Teile noch immer landwirt- schaftlich genutzt. Viele enge Gassen wahren das historische Erscheinungsbild des Ortskerns. Mehlem (8.920 Einwohner) wird durch die Bahn- strecke und Bundesstraße in zwei Teile geteilt. Auf der Rheinseite befindet sich die Parkanlage Rosen- garten, von dort fährt eine Fähre über den Rhein zum Ausflugsziel Drachenfels. Bad Godesberger Teilräume Der Ausbau zum Badeort in den 1790er-Jahren teilte Godesberg erstmals in zwei Teile: in Alt- Godesberg mit seiner dörflichen Struktur und in das Kurviertel mit seinen herrschaftlichen Bauwerken. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Ende des 19. Jahr- hunderts wird die nun wesentlich größer geworde- ne Stadt in ihrer ganzen Länge in zwei Teile geteilt. Östlich lagen die bevorzugten Wohnlagen am Rhein, wie z. B. das vornehme Villenviertel, Plittersdorf und Rüngsdorf. Westlich der Bahnlinie lag das Bad Godesberg der Alteingesessenen. Auch heute noch lässt sich diese Differenzierung Bad Godesbergs in mehrere Teilräume beobachten: die gehobenen Wohnlagen östlich der Bahnlinie und der B 9 am Rhein und eher dörflich geprägte attraktive Wohngegenden in den Hanglagen (z. B. Muffendorf, Schweinheim). Dazwischen liegt ein dritter Teilraum, der in Teilen von der Lärmbelas- tung durch Straßen und die Bahnstrecke sowie durch gewerblich-industrielle Nutzungen geprägt ist. Daraus resultieren insbesondere für diesen Teilbereich von Bad Godesberg in Zukunft diverse Herausforderungen.Seite 33 von 176 28 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH Abbildung 13: Ortsteile von Bad Godesberg Quelle: Stadt Bonn, Darstellung: Stadt und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH 3.4 Historische und städtebauliche Entwicklung Godesberg wird 722 als ubische Kultstätte Wou- densberg (Wotansberg) zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bedeutung erlangt Godesberg 1210, als der Kölner Kurfürst und Erzbischof Dietrich I. von Hengebach am 15. Oktober den Grundstein für die Godesburg legt. Ende des 18. Jahrhunderts baut der Kurfürst Erzbi- schof Max Franz Godesberg zum Badeort aus. Er ließ 1790 den Godesberger Mineralbrunnen neu fassen. Die heilende Wirkung des Godesberger Wassers war vom Chemiker Ferdinand Wurzer um 1789 bescheinigt worden. Es handelte sich aller- dings nicht um einen Badebetrieb nach heutigem Verständnis, das Wasser wurde lediglich getrunken. Max Franz baute zum einen die vorhandenen Heil- quellen aus, zum anderen wurden die Brunnenallee sowie Spazierwege zur Godesburg angelegt. 1792 wird das Ballhaus, die Redoute, fertiggestellt. Zum architektonischen Ensemble der Redoute ge- hören das „Haus an der Redoute“ (ehemaliges Hof- theater), das „Redüttchen“ und die kurfürstlichen Logierhäuser entlang der Kurfürstenallee. Zur Feier der neuen Bebauung findet 1791 erstmals die Godesberger Marktmesse statt, welche Auftaktver- anstaltung für viele weitere war. Die Godesberger Pfingstkirmes, die bis ins Jahr 2008 stattgefunden hat, ist darauf zurückzuführen. In der Redoute wer- den die (Bade)Gäste mit Theater, Bällen, Konzerten und insbesondere Glücksspielen unterhalten. Thea- teraufführungen finden ebenfalls im Haus der Re- doute statt. In den Jahren 1791/92 werden sieben Gästehäuser errichtet, die Max Franz durch kosten- losen Baugrund für private Investoren förderte. An die kurfürstlichen Bauten schließen sich private Sommervillen vermögender Bürger mit großen Gärten an. Teile der Gärten gehen später in Redou- tenpark und Stadtpark über.Seite 34 von 176 Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 29 Die Historie der Redoute zeichnet sich insbesondere durch die Besuche einiger bekannter Persönlichkei- ten aus. Im Jahr 1792 treffen sich Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn. Ein Jahr später findet die deutsche Erstaufführung von Mozarts „Zauber- flöte“ in der Redoute statt. Zu dieser Zeit ist Godesberg erstmals in zwei Teile geteilt, Alt-Godesberg mit seiner dörflichen Struktur und das Kurviertel mit seinen herrschaftlichen Bau- werken. Der Besuch vieler wohlhabender Gäste, die in Godesberg Glücksspielstätten aufsuchen, bringt einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung für die Dorfbewohner mit sich. Die Einwohner Godesbergs verkaufen zum Beispiel landwirtschaftliche Produk- te an die Touristen. Im Jahr 1794 fallen Napoleons Truppen in das Rheinland ein und beenden in Godesberg die Herr- schaft des Fürsten Max Franz. Die kurfürstlichen Anlagen werden nicht mehr gepflegt, und es folgt ein einschneidender Rückgang des Tourismus. Die Redoute und das darin stattfindende Glücksspiel bleiben als einziges bestehen. Zu diesem Zeitpunkt zählt Godesberg 830 Einwohner und 148 Häuser und kehrt wieder zu landwirtschaftlich geprägter Struktur zurück. Bis zum Jahr 1814 gehört Godes- berg offiziell zu Frankreich. Der Spielbankbetrieb in der Redoute bleibt bis 1818 im Betrieb. Der Glücksspielbetrieb und die geschaf- fene Infrastruktur durch Max Franz sind Grund dafür, dass sich wohlhabende Bürger (z. B. aus Köln oder Elberfeld) in Godesberg einen Zweitwohnsitz einrichten. Rund um die Redoute wird somit das erste Godesberger Villenviertel (an der heutigen Straße Am Kurpark, Kurfürstenallee) geschaffen. Mit der Verlängerung der Köln-Bonner Eisenbahn- strecke 1856 wird die Stadt endgültig zum Sommer- und Alterssitz wohlhabender Bürger, was zu einem deutlichen Wachstum führt. 1856 entsteht eine Bahnstation in Mehlem, da es von hier eine Fährverbindung ins Siebengebirge gibt. Der Einfluss der Eigentümer der neuen Godes- berger Villen sorgt dafür, dass auch ein Halt in Alt- Godesberg eingerichtet wird. Infolge der verbesser- ten Anbindung wird Godesberg Sommer- und Ruhe- sitz für Industriebarone und Pensionäre. Dadurch bedingt entsteht das Villenviertel (Rheinallee, Plit- tersdorfer Straße, Rüngsdorfer Straße) ab dem Jahr 1900 auf Grundlage von Plänen von Josef Stübben. Schon damals teilt die Bahnlinie Godesberg in zwei Teile: östlich das vornehme Villenviertel mit Plit- tersdorf und Rüngsdorf und westlich der Bahnlinie das Bad Godesberg der Alteingesessenen. 1860 werden mehrere Wasserheilanstalten in Godesberg errichtet, was für erneuten Aufschwung sorgte. Insgesamt fünf Sanatorien etablieren sich in Godesberg, u. a. im heutigen Rathaus und im Kur- fürstenbad, die teilweise bis 1935 in Betrieb blei- ben. Die Orte Plittersdorf und Rüngsdorf werden im Jahr 1899 in Godesberg eingemeindet, 1904 folgen Friesdorf und 1915 Muffendorf. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, erlebt Godesberg einen wirtschaftlichen Einbruch. Der Tourismus bleibt jedoch die wichtigste Einnahme- quelle, zeitweise wird sogar eine Kurtaxe verhängt. Anziehungspunkt für Touristen ist nicht nur das Kurviertel, sondern auch das Rheinufer mit seiner Anbindung an das Siebengebirge sowie die Be- kanntheit Godesbergs als Gesundheitsstandort. Seit Oktober 1926 erhält Godesberg den urkundlich geführten Titel „Bad“. Kommen 1925 nur rund 756 Gäste nach Godesberg, so sind es 1930 bereits 17.300 Gäste. 1935 erlangt Bad Godesberg dank der Eingemein- dung der Orte Lannesdorf und Mehlem Stadtrecht. Nach der Ernennung Bonns zum Regierungssitz im Jahr 1946 dient Bad Godesberg als Diplomatenstadt und gewinnt erneut an Bedeutung. Bad Godesberg ist in dieser Zeit der Wohnort von Botschaftern und Politikern. Grund dafür sind in erster Linie die un- mittelbare Nähe zum Regierungsviertel, die intakte historische Bausubstanz und ein ausreichendes Platzangebot. 1952 wird das Theater „Haus der Kammerspiele“ errichtet, es ist der erste Theaterbau der Bundesre- publik. Der Trinkpavillon im Kurpark wird 1970 errichtet, hier kann man zwischen März und Okto- ber ein Glas Heilwasser erwerben. Die Einnahmen durch den Wasserverkauf decken allerdings nicht die Unterhaltskosten des Trinkpavillons. DeswegenSeite 35 von 176 30 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH ist der Pavillon seit 1996 nicht mehr im Besitz der Stadt, sondern im Besitz der Gastronomen der Stadthalle. Die Bad Godesberger Stadthalle wird 1959 zum Tagungsort der SPD. Hier entwickelt sie das soge- nannte Godesberger Programm und legt damit den Wandel zur Volkspartei fest. Im Jahre 1969 beschließt der Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen das „Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raums Bonn“. Infolgedessen wird Bad Godesberg in die Stadt Bonn eingemein- det. Diese Entscheidung wird gegen den Willen der Bad Godesberger getroffen. Einige Bad Godesberger gründen ein Aktionsbündnis, das sich offen mit Aussagen wie „Bonn, mir graut vor dir“ gegen die Eingemeindung ausspricht. Auch heute noch be- zeichnen sich viele Bad Godesberger Bürger als „Godesberger“ und nicht als „Bonner“. Durch den Umzug der Regierung 1999 nach Berlin und dem Wegzug der Bundesbediensteten findet auch ein Wandel innerhalb der Bevölkerungsstruk- tur statt. 3.5 Die Kurfürstliche Zeile Die kurfürstliche Zeile wurde für Kurfürst Max Franz errichtet, später für reiche Sommerfrischler des 19. Jahrhundert erweitert und gilt als Vorzeigeadresse der Badestadt. Die Kurfürstenallee steht heute noch fast genauso da, wie sie im 19. Jahrhundert errich- tet wurde. Sie reicht von der Redoute mit der Haus- nummer 1 bis zur Villa mit der Nummer 10. Das alte Rathaus von Bad Godesberg nutzte ab 1936 den Gebäudekomplex der ehemaligen „Kur- und Was- serheilanstalt“. Sie war aus den ehemaligen Logier- häusern für Kurgäste und dem Haus des kurfürstli- chen Musikdirektors Franz Anton Ries 1895 ent- standen. Wichtige städtische Einrichtungen in der Kurfürstli- chen Zeile sind heute die Redoute, das Haus der Redoute (früher Theater, heute Ausstellungsfläche), das Rathaus, das Kurfürstenbad und die Musikschu- le. Seit der zweiten Jahreshälfte 2015 befinden sich Teile der Bürgerdienste nicht mehr im Bad Godes- berger Rathaus in der Kurfürstlichen Zeile, sondern im Bonner Stadthaus. Außerdem wurde das Kur- fürstenbad aufgrund gravierender Mängel an der Elektrotechnik, Lüftung und Heizung gemäß dem Beschluss des Bonner Rats vom 22. September 2016 geschlossen. Auch die Musikschule muss saniert werden. Rund 400.000 Euro wird die Brandschutz- sanierung kosten. Die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ setzt sich seit 2015 für Erhalt und Sanierung des Schwimmbads ein. Allerdings votiert in einem Bür- gerentscheid im April 2017, an dem alle Bürger Bonns wahlberechtigt sind, die Mehrheit dafür, dass das Kurfürstenbad nicht saniert werden soll. Für die Schließung stimmen hautsächlich Bürgerinnen und Bürger anderer Stadtteile. Die meisten Godesberger dagegen sprechen sich für den Erhalt des Bads aus. In Bonn-Dottendorf sollte stattdessen das sog. Was- serlandbad entstehen. Hierzu fand im August 2018 ein zweiter Bürgerentscheid statt. Eine Mehrheit der Bonner Bürgerinnen und Bürger, die an dieser Befragung teilnahmen, sprach sich allerdings gegen die Errichtung des Wasserlandbads in Dottendorf aus. Die Stadtverwaltung hat daraufhin entschie- den, für die Bundesstadt Bonn im Verlauf des Jahres 2019 ein gesamtstäd
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 21:28 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de