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190431 · Beschlussvorlage

Leitbild und ISEK Bad Godesberg

Nummer
190431
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
29.10.2019
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz 22.01.2020 Empfehlung
  2. Sitzung des Rates 06.02.2020 Entscheidung federführend
  3. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 17.01.2020 Anhörung
  4. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und Lokale Agenda 19.11.2019 Empfehlung
  5. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 190431-1 ST Leitbild und ISEK Bad Godesberg
  2. 190431-2 ST Leitbild und ISEK Bad Godesberg

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Beschlussvorlage
öffentlich
190431
Leitbild und ISEK Bad Godesberg
Beratungsfolge
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger und Lokale Agenda
19.11.2019 Empfehlung
Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz
27.11.2019 Empfehlung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 11.12.2019 Empfehlung
Rat 12.12.2019 Entscheidung
Beirat Bürgerbeteiligung 17.01.2020 Anhörung
Beschlussvorschlag
1. Das im Leitbildprozess erarbeitete Leitbild für Bad Godesberg ist
Grundlage für die zukünftige Entwicklung des Stadtbezirks und wird bei
politischen Beratungen und Beschlüssen berücksichtigt.
2. Dem im Leitbildprozess erarbeiteten Integrierten
Stadtteilentwicklungskonzept (ISEK) für das nach § 171b BauGB
abgegrenzte Gebiet in der Innenstadt Bad Godesberg wird in der
Fassung von Oktober 2019 zugestimmt.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, die im ISEK enthaltenen Maßnahmen
weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen für eine Umsetzung der
beschriebenen Projekte zu schaffen sowie hierzu auch Förderanträge
zu den jeweils anwendbaren Förderprogrammen zu stellen.
4. Soweit die Maßnahmen nicht im Rahmen bereits bestehender Budgets
umgesetzt werden können, steht der Auftrag zur Umsetzung der
Maßnahmen unter dem Vorbehalt der Bereitstellung der erforderlichen
Haushaltsmittel.
Begründung
Der Stadtbezirk Bad Godesberg befindet sich in stetigem Wandel. Die damit
einhergehenden sozialen, ökonomischen und baulichen Veränderungen
werden in der Stadtgesellschaft positiv, aber teilweise auch negativ
wahrgenommen. Die zukünftige Entwicklung des Stadtbezirks bedarf eines
möglichst breiten Konsenses über die zu verfolgenden Entwicklungsziele.
Daher haben die städtischen Gremien beschlossen, gemeinsam mit den
Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Büro „Stadt- und Regionalplanung Dr.
Jansen GmbH“ als externe Dienstleisterin ein Leitbild für den Stadtbezirk Bad
Godesberg zu erarbeiten (DS-Nr. 1613342EB14 und 1711641NV19). In einem
Federführung:
61 Stadtplanungsamt Dezernat:
Dez. IIISeite 1 von 176

Seite 2
einjährigen partizipativen Prozess wurden die interessierten Bevölkerungs- und
Interessengruppen umfassend beteiligt, um eine breit getragene Vision für den
Stadtbezirk Bad Godesberg sowie ein konkretes Maßnahmenpaket zu
entwickeln.
Die Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk, das schriftliche
Leitbild sowie das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept für die
Innenstadt von Bad Godesberg liegen als Entwurf vor (sh. Anlage).
Leitbild und Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept sollen künftig als
Grundlage für alle weiteren Handlungsschritte und Maßnahmen in den
Bereichen Stadtentwicklung und –planung dienen. Dabei kann davon
ausgegangen werden, dass dieser Orientierungsrahmen seine Tragfähigkeit für
einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren behalten kann.
Zielsetzung des Leitbildprozesses für Bad Godesberg
Mit dem neuen Leitbild soll Bad Godesberg langfristig ein tragfähiges Profil
erhalten und zukunftsfähig gestaltet werden. Ziel war es, für den Stadtbezirk als
Ganzes eine neue Standortbestimmung zu erarbeiten.
Im Sinne einer integrierten Betrachtung wurden dabei nicht nur das
Stadtzentrum, sondern alle Ortsteile in ihren unterschiedlichen Prägungen
einbezogen. Aufbauend auf dem Leitbild für den Stadtbezirk, das die
grundlegenden Leitziele und Leitlinien beinhaltet, waren in einem Integrierten
Stadtteilentwicklungskonzept konkrete Maßnahmen und Projekte für einen
Bereich mit besonderem Handlungsbedarf zu erarbeiten.
Beteiligung
Während des Leitbildprozesses war die Partizipation der lokalen Akteure ein
durchgängiges Kernelement. Zielgruppenübergreifend wurden bestimmte
Themen und Handlungsfelder beleuchtet und themenübergreifend diverse
Zielgruppen beteiligt. Verschiedene Veranstaltungen und Beteiligungsbausteine
(u. a. drei Leitbildkonferenzen, Expert/innenworkshops, Online- sowie Kinder-
und Jugendbeteiligungen) dienten dazu, alle relevanten Akteure einzubinden,
wichtige Informationen zu bündeln und einen breiten Konsens über die
zukünftige
Entwicklung des Stadtbezirks herzustellen. Die rege Teilnahme eines breiten
Spektrums von insgesamt über 2000 engagierten Bürgerinnen und Bürgern
sowie lokalen Akteuren ist ein Zeichen für das große Interesse der Bevölkerung
an den Entwicklungen in ihrem Stadtbezirk.
Folgende öffentliche Veranstaltungen wurden durchgeführt:
19.04.2018 1. Leitbildkonferenz (mit Online-Beteiligung)
Mai/Juni 2018 Expertenworkshops
22.05.2018 Kinder- und Jugendbeteiligung, „GoOpen-Fest“
09.06.2018 Zukunftsworkshop mit Schüler/innen
12.07.2018 2. LeitbildkonferenzSeite 2 von 176

Seite 3
17.11.2018 Beteiligungsaktion Theaterplatz
26.03.2019 3. Leitbildkonferenz (mit Online Beteiligung)
Die Erarbeitung des Leitbildes mit dem Entwicklungskonzept für die Innenstadt
(ISEK) hat ein Gremium (Vertreter/innen aus der Bad Godesberger
Akteursschaft, Politik und Verwaltung) in insgesamt vier Sitzungen begleitet
(DS-Nr. 1711641EB23).
Leitbild für den Stadtbezirk
Mit Ratsbeschluss von 07.02.2019 (DS-NR. 1813251EB4) wurde das Leitbild
im Entwurf beschlossen. Die Eingaben aus der Online-Beteiligung im
Nachgang der 3. Leitbildkonferenz am 26.03.2019 (DS-NR. 1911349) wurden
ausgewertet und auf ihre Berücksichtigung im Leitbild, vor dem Hintergrund der
vorlaufenden Beteiligungsergebnisse, geprüft. Es zeigte sich, dass
überwiegend Aspekte eingebracht wurden, die bereits in den vorangegangenen
Beteiligungen bezüglich der Aufnahme in das Leitbild diskutiert und geprüft
worden waren. Der vom Rat beschlossene Entwurf wurde daher lediglich durch
Formulierungsvorschläge bezüglich des Behördenstandortes Bad Godesberg,
die von den ansässigen Bundesbehörden eingebracht wurden, (sh. Seite 101)
geändert. Außerdem sind nach Abschluss einer kleinräumigen Untersuchung
im Rahmen des ZURES-Forschungsprojektes, Aspekte der Klimaanpassung
(sh. Seite 104/105) durch die Fachverwaltung ergänzt worden.
ISEK für die Innenstadt von Bad Godesberg
Die Bad Godesberger Innenstadt hat sich im Prozessverlauf als der Bereich
des Stadtbezirks mit besonderen Handlungsbedarfen herausgestellt. Um die in
den Folgejahren bereitzustellenden städtischen Mittel hier zielgerichtet
einsetzen zu
können und um eine Grundlage zur Beantragung von Fördermitteln zu erhalten,
wurde aufbauend auf das Leitbild für den Stadtbezirk das vorliegende
Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad Godesberg
(ISEK) erstellt.
Es beinhaltet zukünftige Entwicklungsziele, Handlungsfelder und schließlich
konkrete Maßnahmen für die zukünftige Entwicklung der Innenstadt von Bad
Godesberg. Aus der städtebaulichen Analyse, den Beteiligungsveranstaltungen
und den Gesprächen mit den Experten und Verantwortlichen vor Ort sind
neben den Defiziten und Handlungsbedarfen auch Stärken und Potenziale im
Prozessverlauf hervorgegangen. Auf diesen insgesamt gewonnenen
Erkenntnissen baut das erarbeitete Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept
auf.
Das übergeordnete Entwicklungsziel lautet „Attraktivierung und Belebung der
Innenstadt“. Dabei stehen die Stärkung des
Einzelhandels-, Gewerbe- und Gastronomiestandorts, die Verbesserung des
Sicherheitsempfindens sowie die Entwicklung und Umsetzung tragfähiger
Zukunfts- und Nutzungsperspektiven für zentrale Infrastruktureinrichtungen, vor
allem im Bereich der Kurfürstlichen Zeile und im kulturellen Bereich, im Fokus.Seite 3 von 176

Seite 4
Um diese Ziele zu erreichen, wurden 18 Maßnahmen und Projekte erarbeitet,
die sich fünf unterschiedlichen Handlungsfeldern zuordnen lassen.
Mit der Analyse sind folgende Handlungsfelder definiert worden:
- Handlungsfeld A: Aufwertung des öffentlichen Raums und
Verbesserung des Sicherheitsempfindens
- Handlungsfeld B: Kommunale Infrastruktur und flankierende
Maßnahmen
- Handlungsfeld C: Erreichbarkeit und Mobilität
- Handlungsfeld D: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport
- Handlungsfeld E: Aktivierung von Eigentümerinnen bzw. Eigentümern
und Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und
Öffentlichkeitsarbeit
Die Maßnahmenübersicht – ISEK Bad Godesberg ist als Anlage 1 beigefügt.
Eine detaillierte Beschreibung der 18 Maßnahmen ist dem Abschlussbericht zu
entnehmen. Das Maßnahmengebiet wurde in einem Übersichtsplan grafisch
dargestellt und die Maßnahmen sind in einzelnen Projektbögen näher erläutert.
In den Jahren 2020 - 2034 sollen die vorgesehenen Maßnahmen soweit
möglich im Rahmen vorhandener Budgets und Fördermittel durchgeführt
werden.
Für die Umsetzung des ISEK Innenstadt Bad Godesberg sollen zu den
Haushalten ab 2021 Mittel angemeldet werden.
Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Maßnahme 1 aus dem
Handlungsfeld B ist jedoch auf Folgendes hinzuweisen:
Zur kurfürstlichen Zeile:
Die Erstellung einer Machbarkeitsstudie und auch die Ermittlung des
Sanierungsaufwandes kann erst dann mit ausreichender Konkretisierung
erfolgen, wenn über die künftige Nutzung eine Entscheidung getroffen worden
ist oder aber in greifbarer Nähe ist. Die Erstellung diverser Machbarkeitsstudien
ohne diese Vorgaben verursacht erhebliche Kosten und Zeitverzögerungen.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
Investive Kosten der MaßnahmeSeite 4 von 176

Seite 5
Betrag Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Betrag Finanzstelle
/ FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
Anlage/n
1 Maßnahmenübersicht - ISEK Bad Godesberg (öffentlich)
2 Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk und Integriertes
städtebauliches Entwicklungskonzept für die Innenstadt von Bad Godesberg
(öffentlich)Seite 5 von 176

A Handlungsfeld A: Aufwertung des öffentlichen Raums und Verbesserung
des Sicherheitsempfindens
1 Masterplan für den öffentlichen Raum in der Bad Godesberger Innenstadt A 61 x 200.000 €
2 Detailplanung und Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan für den
öffentlichen Raum A 61 x 11.440.000 €
(ohne Grünflächen)
3 Umfassende und langfristige Strategie für mehr Sicherheit A 33 x 20.000 €
4 Weiterqualifizierung und Fortführung der Ordnungspartnerschaft B Bzvst Bad
G. x 15.000 €
B
1 Architektonische Sanierungs und Nutzungskonzepte und deren Ums etzung für die
Kurfürstliche Zeile A 03 x 100.000 €
2 Verstetigung Bürgeramt A 10 x Kosten noch offen
3 Städtebauliche Gestaltung der Godesburg inkl. eines neuen Nutzungs und
Vermarktungskonzepts B 03 x 60.000 €
+ Kosten Sanierung
4 Begegnungszentrum A St. Inte
gration x 50.000 € + Investitionen
C
1 Erstellung eines Mobilitätskonzepts A 61 x 100.000 €
2 Mobilstation Bahnhof B 61 x Kosten noch offen
D
1 Erstellung eines Konzepts "Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport" A 41 x 40.000 €
2 Aufwertung der Rheinpromenade B 68 x 15.000.000 €
3 Image und Marketingkonzept für Bad Godesberg B 03 x 40.000 €
4 Weiterentwicklung Bad und Gesundheitsstandort A 03+52 x Kosten noch offen
E
1 Hof und Fassadenprogramm B 61 x 300.000 €
2 Stadtteilarchitekt/in für baufachliche Beratung der Eigentümerschaft B 63 x 180.000 €
3 Einrichtung eines Citymanagements A 03 x 500.000 €
4 Verfügungsfonds zur Förderung privaten Engagements A 50+03 x 180.000 €
Handlungsfeld E: Aktivierung von Eigentümerinnen bzw. Eigentümern
und Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und Öffentlichkeitsarbeit
Umsetzungszeitraum investive Projekte
Konsumtive Maßnahmen
Handlungsfeld D: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport
Handlungsfeld B: Kommunale Infrastruktur und flankierende Maßnahmen
Phase 1
Handlungsfeld C: Erreichbarkeit und Mobilität
Maßnahmenübersicht ISEK Bad Godesberg, Stand 10.10.2019
2031203520212025
Phase 2
20262030
Phase 3
Laufendes Geschäft
Projektliste_ISEK_191010.xlsx 18.10.2019 1Seite 6 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg
Ergebnisse des Leitbildprozesses für den Stadtbezirk und
Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für die
Innenstadt von Bad GodesbergSeite 7 von 176

Dipl.-Geogr. Ursula Mölders
Dr. phil. Sven Wörmer, Geographie
Dr. rer. pol. Bettina Lelong, Dipl. Architektin
Dipl.-Geogr. Barbara Zillgen
Köln, Oktober 2019
Geschäftsführende
Gesellschafter:
Dipl.-Geogr. Ursula Mölders
Stadt- und Regionalplanerin SRL
Dipl.-Ing. Dominik Geyer
Stadtplaner AK NW, Bauassessor
Stadt- und Regionalplaner SRL
Gesellschafter/Seniorpartner:
Dr. Paul G. Jansen
Stadt- und Regionalplanung
Dr. Jansen GmbH
Neumarkt 49
50667 Köln
Fon 0221 94072-0
Fax 0221 94072-18
info@stadtplanung-dr-jansen.de
www.stadtplanung-dr-jansen.deSeite 8 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept
Inhaltsverzeichnis
1 Bad Godesberg gestaltet seine Zukunft 7
1.1 Anlass und Aufgabenstellung 7
1.2 Ein Leitbild für den gesamten Stadtbezirk 7
1.3 Leitbildprozess und Beteiligung 8
1.3.1 Leitbildkonferenzen 9
1.3.2 Expertenworkshops 10
1.3.3 Online-Beteiligung 11
1.3.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen 11
1.3.5 Interaktion Fußgängerzone 13
1.3.6 Öffentlichkeitsarbeit 13
1.4 Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept für den
Innenstadtbereich (ISEK) 14
2 Gesellschaftliche Veränderungsprozesse und
gesamtstädtische Rahmenbedingungen 15
2.1 Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen 15
2.2 Gesamtstädtische Rahmenbedingungen 17
2.2.1 Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft 17
2.2.2 Sanierung der Kulturlandschaft: Oper, Schauspielhaus und Stadthalle 17
2.2.3 Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2008) 18
2.3 Spezifische Herausforderungen in Bad Godesberg 21
2.3.1 Medizintourismus 21
2.3.2 Zusammenleben in Bad Godesberg 22
2.3.3 Wohnen, Nahversorgung und Verkehr 22
2.3.4 Wissens- und Hochschulstandort 23
2.3.5 Kulturstadt und Diplomatenstadt 23
2.3.6 Sicherheit 24
3 Geografische Lage und historische Entwicklung 25
3.1 Geografische Lage 25
3.2 Verkehrsanbindung 25
3.3 Struktur der Ortsteile 26
3.4 Historische und städtebauliche Entwicklung 28
3.5 Die Kurfürstliche Zeile 30
4 Statistische Analyse 33
4.1 Demographische Analyse 33
4.2 Arbeitsmarkt 37
4.3 Wohnungswirtschaftliche Situation 39
4.4 Zusammenfassung und Fazit 42
5 Ortsteilsteckbriefe 43Seite 9 von 176

Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
6 Das neue Leitbild für den Stadtbezirk Bad Godesberg 94
6.1 Einleitung 94
6.2 Die neun Leitbildthemen 94
6.2.1 Leitbildthema 1: Innenstadt – Eine lebendige Mitte mit Lebensqualität 95
6.2.2 Leitbildthema 2: Kurfürstliche Zeile –
Multifunktionales Aushängeschild für Bad Godesberg 97
6.2.3 Leitbildthema 3: Sicherheit – Verbesserung des subjektiven
Sicherheitsgefühls 98
6.2.4 Leitbildthema 4: Respekt und Toleranz –
Zusammenleben in Bad Godesberg für alle 99
6.2.5 Leitbildthema 5: Arbeit und Forschung – innovativ und international 101
6.2.6 Leitbildthema 6: Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport –
Kulturstandort mit Zukunft 102
6.2.7 Leitbildthema 7: Wohnen und Infrastruktur – sozial ausgewogen und
generationengerecht 104
6.2.8 Leitbildthema 8: Neue Mobilität – Bad Godesberg steigt um 106
6.2.9 Leitbildthema 9: Image – Selbstwahrnehmung verbessern, Stärken
hervorheben 107
7 Integriertes Stadtteilentwicklungs-konzept (ISEK) für die
Innenstadt von Bad Godesberg 108
7.1 Entwicklungsziele und Handlungsfelder 108
7.2 Handlungs- und Maßnahmenkonzept 110
7.3 Projektbereich 111
7.4 Handlungsfeld A – Aufwertung des öffentlichen Raums und Verbesserung
des Sicherheitsempfindens 112
7.4.1 Masterplan für den öffentlichen Raum in der Bad Godesberger
Innenstadt 112
7.4.2 Detailplanung und Umsetzung der Maßnahmen aus dem Masterplan
für den öffentlichen Raum 117
7.4.3 Umfassende und langfristige Strategie für mehr Sicherheit 119
7.4.4 Weiterqualifizierung und Fortführung der Ordnungspartnerschaft 121
7.5 Handlungsfeld B – Kommunale Infrastruktur und flankierende
Maßnahmen 124
7.5.1 Architektonische Sanierungs- und Nutzungskonzepte und
deren Umsetzung für die Kurfürstliche Zeile 124
7.5.2 Verstetigung Bürgeramt 128
7.5.3 Städtebauliche Gestaltung der Godesburg inkl. eines neuen
Nutzungs- und Vermarktungskonzepts 130
7.5.4 Begegnungszentrum 133
7.6 Handlungsfeld C – Erreichbarkeit und Mobilität 136
7.6.1 Erstellung eines Mobilitätskonzepts 136
7.6.2 Mobilstation Bahnhof 139
7.7 Handlungsfeld D – Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport 142
7.7.1 Erstellung eines Konzepts „Kultur, Freizeit, Tourismus und Sport“ 142
7.7.2 Aufwertung der Rheinpromenade 144
7.7.3 Image- und Marketingkonzept für Bad Godesberg 146
7.7.4 Weiterentwicklung Bad- und Gesundheitsstandort 148Seite 10 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept
7.8 Handlungsfeld E – Aktivierung von Eigentümern und
Gewerbetreibenden, Stärkung des Versorgungsstandorts und
Öffentlichkeitsarbeit 150
7.8.1 Hof- und Fassadenprogramm 150
7.8.2 Stadtteilarchitekt/in für baufachliche Beratung der Eigentümerschaft 152
7.8.3 Einrichtung eines Citymanagements 154
7.8.4 Verfügungsfonds zur Förderung privaten Engagements 156
7.8.6 Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung 158
7.8.7 Evaluation und Fortschreibung des ISEK 160
7.9 Konzeptumsetzung und Evaluation 161
7.9.1 Projektkoordination und -umsetzung 161
7.9.2 Evaluationskonzept 162
8 Ausblick 164
9 Anhang 166Seite 11 von 176

Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
In dem nachfolgenden Text verwenden wir eine geschlechtsneutrale Sprache. Bei der konkreten Ansprache von
Personen werden sowohl die weiblichen als auch die männlichen Personen genannt, z. B. „Bewohnerinnen und
Bewohner“. Sollte aus Versehen oder aus Gründen der besseren Lesbarkeit an einigen Stellen nur die männli-
che Form, z. B. „Akteure“ gewählt sein, meinen wir aber immer auch die weiblichen Personen, nämlich die
Akteurinnen. Selbstverständlich sind für uns immer Männer und Frauen gleichzeitig, gleichgestellt und chan-
cengleich angesprochen.
Dieses Gutachten unterliegt dem Urheberrecht. Vervielfältigungen, Weitergabe oder Veröffentlichung des
Gutachtens in Teilen oder als Ganzes sind nur nach vorheriger Genehmigung und unter Angabe der Quelle
erlaubt, soweit mit dem Auftraggeber nichts anderes vereinbart ist. Alle Fotografien, Pläne und Skizzen, die
nicht gesondert gekennzeichnet sind: © Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbHSeite 12 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 7
1 Bad Godesberg gestaltet seine
Zukunft
1.1 Anlass und Aufgabenstellung
Der Stadtbezirk Bad Godesberg blickt auf eine be-
sondere historische Entwicklung zurück. Die schöne
Lage am Rhein machte Bad Godesberg schon in
früheren Zeiten als Wohnort für wohlhabende Be-
völkerungsschichten attraktiv. Noch heute zeugen
die vielen Villen und Sommerresidenzen von diesen
Zeiten. In der Zeit, in der die Stadt Bonn Regie-
rungssitz war, entwickelte sich Bad Godesberg zum
Diplomaten- und Residenzstandort für eine „geho-
bene“ Internationalität. Die damit einhergehende
hohe Kaufkraft im Stadtbezirk spiegelte sich in einer
hoch attraktiven und exklusiven Innenstadtstruktur
wider. Auch die medizinische Versorgung ist bis
heute auf einem hohen Niveau, sodass vor allem
internationale Patienten das Angebot nutzen.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Diploma-
ten, Politiker und gehobenen Beamten sind nach
Berlin gezogen. Die ehemals den Stadtbezirk prä-
gende Internationalität mit Menschen aus bis zu
180 unterschiedlichen Nationen gehört der Vergan-
genheit an. Auch wenn Bad Godesberg noch wichti-
ge Bundesämter und wenige Konsulate bzw. Bot-
schaften beherbergt, ist das internationale Flair zum
Teil durch die Patienten aus dem arabischen Raum
bestimmt, die mit der ganzen Familie für die Zeit
der Behandlung nach Bad Godesberg kommen.
Darüber hinaus wird die Internationalität durch
Touristen oder Gäste, die im Rahmen von Post oder
Telekom beruflich in der Stadt sind, geprägt. Mit
Blick auf die Zeit vor dem Regierungsumzug sind die
oft negativen Schlagzeilen in der Presse umso scho-
ckierender für die Bewohner des Bezirks. Unsicher-
heit im öffentlichen Raum und Trading-down-Pro-
zesse bei den Immobilien und Innenstadtgeschäften
haben zu einer umfassenden Diskussion im Stadtbe-
zirk und in der Politik geführt. Es steht die Frage im
Raum, welche Identität der Stadtbezirk zukünftig
haben wird und welche Stärken und Potenziale dazu
beitragen können, negative Tendenzen auszuglei-
chen und insgesamt zu einem neuen und akzeptier-
ten Gleichgewicht zu führen.
Daher hat die Bundesstadt Bonn beschlossen, ge-
meinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und
Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH als
externer Dienstleisterin ein Leitbild für den Stadtbe-
zirk Bad Godesberg zu erarbeiten. In einem partizi-
pativen Prozess werden alle interessierten Bevölke-
rungs- und Interessengruppen umfassend beteiligt,
um eine möglichst breit und gemeinsam getragene
Vision für den Stadtbezirk Bad Godesberg sowie ein
konkretes Maßnahmenpaket für die Innenstadt von
Bad Godesberg zu entwickeln.
Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung des
Stadtbezirkszentrums als identifikationsstiftendem
Raum. Hier konzentriert sich mit den vorhandenen
Kultur-, Freizeit- und Einzelhandelseinrichtungen
das öffentliche Leben in besonderer Weise. Aber
auch die unterschiedlichen insgesamt dreizehn
Ortsteile sollen im Leitbildprozess und mit ihren
Bezügen zur Innenstadt Berücksichtigung finden.
Der Leitbildprozess umfasst dabei sowohl städte-
bauliche als auch imagefördernde Aspekte. Im Pro-
zessverlauf werden sich aufgrund der kontinuierli-
chen Einbeziehung unterschiedlicher Akteure (Be-
wohnerinnen und Bewohner sowie Interessierte,
Vereine und Initiativen, Gewerbetreibende, Politik
und Verwaltung) und der Beteiligungsveranstaltun-
gen die Inhalte des Leitbildprozesses stetig konkre-
tisieren. Aufbauend auf dem integrierten Entwick-
lungskonzept für Bad Godesberg von 2001 werden
vorhandene Stärken und Schwächen im Stadtbe-
zirkszentrum identifiziert und Entwicklungsmöglich-
keiten aufgezeigt. Das so erarbeitete Konzept bzw.
Leitbild kann dann als Grundlage für alle weiteren
Handlungsschritte und Maßnahmen in den Berei-
chen Stadtentwicklung und -planung und damit als
Orientierungsrahmen für einen Zeitraum von bis zu
20 Jahren dienen.
1.2 Ein Leitbild für den gesamten Stadtbezirk
Mit dem neuen Leitbild soll Bad Godesberg langfris-
tig ein tragfähiges Profil erhalten und zukunftsfähig
gestaltet werden. Ziel ist es, für den Stadtbezirk als
Ganzes eine neue Standortbestimmung zu erarbei-
ten. Im Sinne einer integrierten Betrachtung wer-
den dabei nicht nur das Stadtzentrum, sondern alle
Ortsteile in ihren unterschiedlichen Prägungen
einbezogen. Aufbauend auf dem Leitbild für den
Stadtbezirk, das neben grundlegenden Zielen undSeite 13 von 176

8 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Leitlinien auch konkrete Umsetzungsschritte bein-
haltet, werden konkrete Maßnahmen und Projekte
für die Innenstadt erarbeitet.
Das Ziel des Leitbildprozesses ist es daher, gemein-
sam mit der Akteurs- und Bürgerschaft Zukunfts-
perspektiven für einen Zeitraum von ca. 20 Jahren
zu erarbeiten und ein Maßnahmenpaket für die
Innenstadt zu schnüren.
Dabei gelten folgende Grundsätze:
 Ein Leitbild leitet den Weg.
 Ein Leitbild visualisiert die gewünschte Zu-
kunft.
 Das Leitbild ist für alle in Bad Godesberg le-
benden und tätigen Menschen bestimmt.
 Es setzt Leitlinien für die Umsetzung von Maß-
nahmen in den nächsten ca. 20 Jahren.
 Es umfasst Ziele und Planungsvorgaben.
Der Leitbildprozess soll u. a. folgende Fragen be-
handeln:
 Welche Identität soll der Stadtbezirk künftig
haben?
 Welche Stärken und Potenziale können dazu
beitragen?
 Welche negativen Tendenzen müssen ausge-
glichen werden?
Im Ergebnis steht eine umfassende Dokumentation
von Stärken, Schwächen, Zielen, Handlungsbedar-
fen sowie Ideen und Maßnahmen für die Umset-
zung.
Hohe politische Relevanz des Leitbilds
Die Bundesstadt Bonn misst dem Leitbild eine hohe
Relevanz zu. Sowohl die Bezirksvertretung Bad
Godesberg als auch der Rat der Bundesstadt Bonn
werden das Leitbild beschließen. Es wird zukünftig
bei allen politischen Beratungen und Beschlüssen
berücksichtigt und ist Bestandteil der gesamtstädti-
schen Planung. Das Leitbild wird so zu einer Selbst-
verpflichtung für Verwaltung, Politik und die Öffent-
lichkeit.
Das Leitbild untergliedert sich in mehrere Leitbild-
themen mit verschiedenen inhaltlichen und räumli-
chen Schwerpunkten, die wesentlich sind für die
weitere Entwicklung Bad Godesbergs. Die im Leit-
bild für diese Themen aufgeführten Ziele und mög-
lichen Maßnahmen zur Zielerreichung beziehen sich
auf das Handeln aller – das heißt aller Bewohnerin-
nen und Bewohner Bad Godesbergs, Vereine, Bür-
gerinitiativen, Politik, Stadtverwaltung, interkom-
munale Akteure, Unternehmen, Gastronomen,
Einzelhändler, Immobilieneigentümer etc. Das Leit-
bild beschreibt dabei die Zukunft des Stadtbezirks
im lokalen und gesamtstädtischen sowie regionalen
Kontext.
1.3 Leitbildprozess und Beteiligung
Der Leitbildprozess startete im März 2018 mit ei-
nem ausführlichen Auftaktgespräch von verschie-
denen Fachbereichen der Stadtverwaltung und dem
bearbeitenden Büro Stadt- und Regionalplanung Dr.
Jansen GmbH. Anschließend erfolgten bis Mai 2018
die Bestandserhebung und Bestandsanalyse im
gesamten Stadtbezirk und die Auswertung von
bisherigen Gutachten und Statistiken zu Bad
Godesberg.
Abbildung 1: Zeitplan des Leitbildprozesses
In einer Besprechung mit dem Beirat Bürgerbeteili-
gung wurde das Beteiligungskonzept durch Stadt
und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH vorgestellt
und diskutiert.
Bis zu den Sommerferien 2018 erfolgte auf Basis der
Bestandsanalyse und den Ergebnissen aus den un-
terschiedlichen Beteiligungsbausteinen die Erarbei-
tung eines Entwurfs für das Leitbild, das bis Ende
September 2018 konkretisiert wurde.Seite 14 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 9
Aus dem Leitbild ergibt sich die Erarbeitung eines
Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts
(ISEK) für einen räumlichen Teilbereich Bad Godes-
bergs. Bei dem ISEK handelt es sich um ein konkre-
tes Maßnahmen- und Projektpaket für die kom-
menden ca. fünf Jahre. Aufgrund des hohen Hand-
lungsbedarfs, den die Akteurs- und Bürgerschaft für
die Bad Godesberger Innenstadt mehrfach deutlich
benannt hat, wird das ISEK für den Innenstadtbe-
reich erstellt. Das ISEK wird mit kurzfristig umzuset-
zenden Maßnahmen ergänzt und ab September
erarbeitet.
Das Leitbild mit dem Entwicklungskonzept für die
Innenstadt (ISEK) wird mit dem Lenkungskreis (Ver-
treter der städtischen Fachverwaltungen) und dem
Begleitgremium (Vertreter aus der Bad Godesber-
ger Akteursschaft, Politik und Stadtverwaltung) ab
Oktober 2018 abgestimmt. Im Anschluss wird Stadt-
und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH die in diesen
Gremien geäußerten Anmerkungen einarbeiten. Im
Anschluss wird das Leitbilddokument ab November
in den politischen Gremien diskutiert. Eine Be-
schlussfassung durch die Bezirksvertretung Bad
Godesberg und den Rat der Stadt Bonn erfolgt
2019.
Prozessbegleitend tagt regelmäßig die Lenkungs-
gruppe, um den Entwicklungsstand und den Prozess
zu besprechen. Das Begleitgremium tagt insgesamt
vier Mal während des Prozesses. Es setzt sich aus
Bezirksbürgermeisterin Stein-Lücke, Mitgliedern
aller Fraktionen der Bezirksvertretung Bad Godes-
berg, drei Mitgliedern des Beirats Bürgerbeteiligung
(je ein Beiratsmitglied aus Politik, Verwaltung und
Bürgerschaft) und Akteuren aus der Stadtgesell-
schaft in Bad Godesberg sowie zwei Vertreter/innen
der Verwaltung zusammen.
Die Entwicklung des Leitbilds geht einher mit einer
Vielfalt von Partizipationsbausteinen, um einen
möglichst transparenten Entwicklungsprozess zu
gewährleisten, eine große Vielfalt von Personen und
Gruppen in Bad Godesberg zu erreichen und deren
Meinung in das Leitbild und das ISEK einfließen zu
lassen. Die interessierte Bürgerschaft wird auf diese
Weise frühzeitig einbezogen, und deren Anregun-
gen werden im Leitbild verankert.
Die gesammelten Anregungen aus den unterschied-
lichen Beteiligungsformaten fließen jeweils in die
nächste Beteiligungsrunde ein. Das gebündelte Fazit
wird dann zur Diskussion gestellt. Beispielsweise
sind die Anregungen aus der ersten Leitbildkonfe-
renz, der Online‐Beteiligung und der Kinder- und
Jugendbeteiligungen gebündelt in das Arbeitspro-
gramm der zweiten Leitbildkonferenz eingegangen
und legten die Basis für die weitere Verfeinerung
des ersten Konzeptentwurfs.
1.3.1 Leitbildkonferenzen
Auf insgesamt drei Leitbildkonferenzen werden
Bausteine des Leitbilds erarbeitet und der jeweilige
Stand des Konzepts diskutiert.
Am 19. April 2018 fand die 1. Leitbildkonferenz in
der Bad Godesberger Stadthalle statt, an der 450
Personen teilnahmen. Sie bildete den übergeordne-
ten öffentlichen Auftakt für den Diskussionsprozess.
Hier wurden der Ablauf des Leitbildprozesses sowie
die Ausgangssituation vorgestellt. Das Ziel der ers-
ten Leitbildkonferenz war, von den Teilnehmenden
zu erfahren, wo konkreter Handlungsbedarf im
Stadtbezirk erforderlich ist und wo die Schwerpunk-
te der zukünftigen Interventionen liegen sollen. Vor
und während der Veranstaltung hatten die Bürge-
rinnen und Bürger die Möglichkeit, an Stellwänden
im Eingangsbereich der Stadthalle die Orte, die sie
mögen bzw. nicht mögen, mittels Klebepunkten zu
markieren. Im Anschluss an einen Vortrag im Ple-
num startete der Ideenmarkt an insgesamt sechs
Themenständen. Alle Interessierten konnten von
Stand zu Stand gehen und ihre Wünsche und Anre-
gungen aufschreiben oder mit den Moderatoren
besprechen.
Abbildung 2: Eindrücke von der LeitbildkonferenzSeite 15 von 176

10 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Die 2. Leitbildkonferenz am Donnerstag, 12. Juli
2018, markierte den zweiten großen Schritt des
Diskussionsprozesses. Nachdem es das Ziel der
1. Leitbildkonferenz war, von den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern die konkreten Handlungserfor-
dernisse im Stadtbezirk zu erfahren, wurden in der
2. Leitbildkonferenz Ziele und Maßnahmen für die
Umsetzung bis zum Jahr 2025 präsentiert und zur
Abstimmung gestellt. Etwa 250 Personen waren der
Einladung gefolgt. Alle Ergebnisse der bisherigen
Beteiligungsschritte sowie Hinweise der Verwaltung
waren in den ersten Leitbildentwurf eingeflossen,
der auf der 2. Leitbildkonferenz vorgestellt wurde.
Er umfasste
 eine Zusammenfassung aller Beteiligungser-
gebnisse zu Themenschwerpunkten (Leitbild-
themen),
 die Festlegung von vier Prämissen,
 die zentralen Schwerpunktziele und Leitlinien
und
 die Maßnahmen für die Umsetzung bis 2025.
Die Formulierung von Prämissen ergab sich aus der
Notwendigkeit, die Diskussion im Stadtbezirk zu
versachlichen, zukunftsorientiert auszurichten und
zu einem konstruktiven Miteinander zu finden.
Folgende vier Prämissen wurden vorgeschlagen:
1. Es gibt keine rückwärtsgewandte Entwicklung –
Früher ist vorbei!
2. Bad Godesberg wird nicht mehr schlecht gere-
det!
3. Die Umsetzung des Leitbilds braucht Zeit! Das
Leitbild ist erst der Beginn!
4. Die Umsetzung des Leitbilds braucht SIE! Sie
sind Bad Godesberg!
Während der 2. Konferenz konnten die Teilneh-
menden in Gruppen von je acht Personen die unter-
schiedlichen Leitbildthemen und die Vorschläge für
Maßnahmen diskutieren. Sie hatten somit die Mög-
lichkeit abzuwägen, ob diese ihrer Meinung nach
wichtige und richtige Ziele bzw. wichtige und richti-
ge Maßnahmen für Bad Godesberg sind. Alle Teil-
nehmenden hatten zudem die Möglichkeit, auf
einem Stimmzettel individuell über jedes einzelne
Ziel und jede einzelne Maßnahme abzustimmen
und fehlende Aspekte zu ergänzen.
Die Auswertung floss in den weiteren Prozess der
Leitbildentwicklung ein. Die dritte Leitbildkonfe-
renz hat im März 2019 stattgefunden. Hierbei stand
das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept
für die Innenstadt von Bad Godesberg im Fokus der
Veranstaltung. Nach einem Vortrag über Hand-
lungsfelder und mögliche Maßnahmen und Projekte
fand an verschiedenen Thementischen eine Diskus-
sion und Weiterentwicklung der vorgeschlagenen
Maßnahmen und Projekte für die Innenstadtent-
wicklung statt. Auch bei diesem Format hatten die
Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit von Tisch
zu Tisch zu wechseln und sich vielseitig in den Pro-
zess einzubringen. Am Ende der Veranstaltung wur-
de der Ende 2018 vom Rat der Bundesstadt Bonn
beschlossene Leitbildentwurf für den gesamten
Stadtbezirk in gedruckter Form an die Bürgerschaft
verteilt. Die Bürgerschaft hatte die Möglichkeit ab
Beendigung der dritten Leitbildkonferenz an einer
erneuten Onlinebeteiligung teilzunehmen und An-
merkungen zum Leitbildentwurf zu machen.
1.3.2 Expertenworkshops
Nach der ersten Leitbildkonferenz und den Beteili-
gungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen, die
im Mai 2018 durchgeführt wurden, haben Stadt und
Planungsbüro zu fünf Expertinnen- und Experten-
runden eingeladen, um themenspezifische Inhalte
für die Entwicklung des Stadtbezirks Bad Godesberg
zu konkretisieren. Zu folgenden Themen fanden an
Expertinnen- und Expertenworkshops statt:
1. Entwicklung „Kurfürstliche Zeile“
2. Entwicklung Innenstadt
3. Kultur, Tourismus und Freizeit
4. Integration und Vielfalt
5. Jung sein in Bad Godesberg – Alt werden in Bad
GodesbergSeite 16 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 11
Die Teilnehmenden der Workshops wurden sowohl
von dem Lenkungskreis als auch vom Begleitgremi-
um zum Leitbild Bad Godesberg vorgeschlagen und
auf die Anzahl von ca. 20 Personen begrenzt. Bei
der Auswahl wurde auf ein ausgewogenes Verhält-
nis von unterschiedlichen Interessenvertreterinnen
und -vertretern, Multiplikatorinnen und Multiplika-
toren, Akteursschaft und „Insiderinnen und Insi-
dern“ geachtet.
Die Ergebnisse der Workshops wurden dokumen-
tiert und in den ersten Leitbildentwurf eingearbei-
tet und damit auf der 2. Leitbildkonferenz allen
anwesenden Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt.
1.3.3 Online-Beteiligung
Zusätzlich waren alle Interessierten eingeladen,
zwischen dem 20. April und dem 21. Mai 2018 an
der Onlinebeteiligung auf der Webseite „Bonn-
macht-mit.de“ teilzunehmen. Im Zuge dessen konn-
ten die Bürgerinnen und Bürger konkrete Hand-
lungsbedarfe im Stadtbezirk aufzeigen sowie Anre-
gungen und Wünsche äußern.
Die Onlinebeteiligung bestand aus zwei Teilen. Im
ersten Teil hatten die Teilnehmenden die Möglich-
keit, Anregungen auf einer interaktiven Karte einzu-
tragen. Sie wurden gebeten, für einen oder mehre-
re Ortsteile im Stadtbezirk Bad Godesberg Orte zu
markieren und dazu Anregungen, Ideen und Wün-
sche zu notieren. Die Anregungen konnten sich auf
den eigenen Wohnort, aber auch auf jeden anderen
beliebigen Ort im Stadtbezirk beziehen. Die gesetz-
ten Markierungen wurden dann Oberthemen zuge-
ordnet, wie zum Beispiel Kulturangebot verbessern,
Treffpunkt schaffen oder Sauberkeit verbessern.
Im zweiten Teil konnten die Teilnehmenden einen
Fragebogen ausfüllen. Es wurden Fragen zum
Image, Charaktereigenschaften sowie zu den rele-
vanten Themen der zukünftigen Entwicklung des
Stadtbezirks gestellt. Hier konnten die Teilnehmen-
den vorgegebene Charaktereigenschaften aus-
wählen, die ihrer Meinung nach aktuell das Image
von Bad Godesberg widerspiegeln. Anschließend
sollten Charaktereigenschaften gewählt werden, die
wünschenswert für das künftige Bad Godesberg
sind. Freie Nennungen waren zu den Handlungsbe-
darfen möglich.
Insgesamt haben mehr als 5.000 Personen das On-
lineportal angeklickt. Es wurden 556 Meinungen
und 698 Kommentare verfasst, sowie 619 Bewer-
tungen abgeben. Die Ergebnisse wurden dokumen-
tiert und in den ersten Leitbildentwurf eingespeist.
Im Anschluss an die dritte Leitbildkonferenz wurde
eine zweite Onlinebeteiligung durchgeführt. Bürge-
rinnen und Bürger hatten die Möglichkeit, den Ent-
wurf des Leitbilds für den gesamten Stadtbezirk auf
der Website der Bundesstadt Bonn oder als ge-
druckte Form am Ende der Leitbildkonferenz zu
erhalten und diesen im Rahmen der Onlinebeteili-
gung zu kommentieren. Auch die zweite Onlinebe-
teiligung lief vier Wochen. Die hierbei gesammelten
Anregungen flossen ebenfalls in das Leitbild ein.
1.3.4 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Im Rahmen zweier altersspezifischer Veranstaltun-
gen konnten Kinder und Jugendliche ihre eigene
Perspektive auf Bad Godesberg darstellen.
Zukunftsworkshop Bad Godesberg
Zunächst fand am Mittwoch, 9. Mai 2018, der Zu-
kunftsworkshop Bad Godesberg statt. Im Rahmen
des „Sozialen Tages“ an der Otto-Kühne-Schule und
in Kooperation mit dem Bürger.Bad.Godesberg e. V.
hatten 19 Schülerinnen und Schüler im Alter von
zehn bis 19 Jahren die Möglichkeit, über ihre Ideen
und Visionen für den Stadtbezirk Bad Godesberg zu
diskutieren.
Der Zukunftsworkshop wurde im Trinkpavillon im
Stadtpark Bad Godesberg veranstaltet. Zu Beginn
des Workshops wurden die Schülerinnen und Schü-
ler zu einer Reise durch den Alltag eingeladen. Ge-
zielt wurde nach Details zu den Themen „Wohnen“,
„Schulweg“ und „Freizeit“ gefragt. Ziel war es, den
typischen Alltag der anwesenden Jugendlichen ken-
nenzulernen und ihnen die Möglichkeit zu geben,
Probleme selbstständig zu identifizieren.Seite 17 von 176

12 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Abbildung 3: Beschreibung von Problemen und
positiven Wahrnehmungen auf Karteikarten
Im ersten Block sollten die Schülerinnen und Schü-
ler auf einer Karteikarte aufschreiben, was ihnen an
ihrem Wohnort gefällt und was ihnen nicht gefällt.
Dies wurde zudem symbolisch mit einem Smiley
gekennzeichnet.
Im zweiten Teil hatten die Kinder und Jugendlichen
die Möglichkeit, die gesammelten Ideen und Vor-
schläge zu visualisieren. Hierfür wurden zwei Stell-
wände mit Karten von Bad Godesberg bereitge-
stellt. Auf der ersten Karte war Bad Godesberg
komplett abgebildet, auf der zweiten Karte ein
Ausschnitt rund um die Innenstadt. Die Schülerin-
nen und Schüler sollten mit Hilfe von Klebepunkten
in zwei unterschiedlichen Farben die Orte markie-
ren, die für Kinder und Jugendliche wichtig sind. Oft
wurde hier Bezug auf Outdoor-Hobbys genommen.
Abbildung 4: Diskussion der Schüler zu spezifischen
Orten in Bad Godesberg
Wie zuvor sollten die Schülerinnen und Schüler hier
auf Karteikarten zusammenfassen, welche Orte für
sie in Bad Godesberg besonders wichtig sind, was
Bad Godesberg ausmacht und was ihnen in Bad
Godesberg fehlt.
Im dritten Block des Tages konnten die Schülerin-
nen und Schüler selbstständig an die Arbeit gehen.
Unter dem Motto „Wie soll sich der Stadtpark ver-
ändern, damit ich mich hier gerne und häufig auf-
halte?“ sollten sie in Kleingruppen durch den Stadt-
park laufen und Verbesserungsvorschläge sammeln.
Der Stadtpark soll als Veranschaulichungsbeispiel
dienen, um Lob und Kritik zu äußern sowie selbst
kreative Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.
Der letzte Workshop war für die Schülerinnen und
Schüler mit einer gewissen Herausforderung ver-
bunden. Sie sollten sich Bad Godesberg in der Zu-
kunft vorstellen, unabhängig davon, ob es sich um
ein gewünschtes oder erwartetes Zukunftsszenario
handelt. So kamen eine ganz Reihe von Ideen und
Vorschläge unter dem Motto „Meine Vision für Bad
Godesberg“ zusammen.
Go Open 2018
Am 22. Mai 2018 befragten Mitarbeiter von Stadt-
und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH in Zusam-
menarbeit mit dem Jugendzentrum K7 die Kinder
und Jugendlichen beim Spiel- und Begegnungsfest
Go Open 2018 zum Leitbildprozess. Auf dem Spiel-
platz an der Rigal'schen Wiese präsentierten an
diesem Tag Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit
ihr pädagogisches Angebot der Öffentlichkeit.
Anhand eines Informationsplakats wurde in leicht
verständlicher Sprache der Leitbildprozess erläu-
tert. Drei Aufgaben warteten auf die Kinder und
Jugendlichen, um ihr Wissen, ihre Erfahrungen und
Wünsche rund um die Entwicklung des Stadtbezirks
Bad Godesberg zu ermitteln. In diesem Zusammen-
hang wurde einerseits mit Karten vom Stadtbezirk
und vom Innenstadtbereich gearbeitet. Anderer-
seits wurden die Zukunftsvisionen der Kinder und
Jugendlichen für den Stadtbezirk Bad Godesberg
mit Hilfe von Postkarten und dem Einsatz eines
kurzen Fragebogens erarbeitet und festgehalten.
Die erste Mitmachaktion für die Kinder und Jugend-
lichen waren zwei Stellwände, auf denen mit Hilfe
von Klebepunkten Orte markiert werden sollten, die
ihnen besonders gut gefallen und Orte, die ihnenSeite 18 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 13
nicht gefallen. Zu sehen waren jeweils zwei Karten,
eine vom Zentrum Bad Godesbergs und eine vom
gesamten Stadtbezirk.
Im nächsten Schritt ging es für die Kinder und Ju-
gendlichen auf eine Reise in die Zukunft. Sie durften
Wünsche und Kritik in Form einer Vision für das Jahr
2030 äußern und auf Postkarten zusammenfassen.
Die dritte Beteiligungsaktion wurde ebenfalls in
Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendzent-
rum K7 durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen
sollten mit Hilfe eines Fragebogens eine kurze Ein-
schätzung zum Stadtbezirk abgeben. Mit Hilfe einer
Ratingskala (10 = sehr gerne/sehr gut, 0 = über-
haupt nicht gerne/sehr schlecht) sollte bewertet
werden, wie gerne die Kinder in Bad Godesberg
leben und wie sie das Freizeitangebot für Kinder
und Jugendliche bewerten.
Den Ratingskalen folgten vier offene Fragen. Hier
wurde nach Verbesserungsvorschlägen, den Ange-
boten für andere Altersgruppen, Prioritäten der
Stadtentwicklung und der Attraktivität der Innen-
stadt gefragt.
Im Nachgang zu der Veranstaltung auf der Ri-
gal'schen Wiese fanden im Rahmen der Offenen
Jugendarbeit ergänzende Beteiligungen statt. Diese
wurden von den Jugendzentren K7 und Rheingold
(in Trägerschaft der Katholischen Jugendagentur
gGmbH) in deren Räumlichkeiten organisiert und
durchgeführt.
1.3.5 Interaktion Fußgängerzone
Anfang November fand eine Beteiligungsveranstal-
tung für alle Bürgerinnen und Bürger in der Innen-
stadt von Bad Godesberg statt. Hierbei stand die
Erarbeitung von Maßnahmen für das Integrierte
Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) im Mit-
telpunkt. Die Aktion diente einerseits der Präsenta-
tion und Bewertung von möglichen Maßnahmen
und Projekten zur Aufwertung und zukünftigen
Entwicklung der Innenstadt, die bereits in früheren
Beteiligungsveranstaltungen von der Bürgerschaft
genannt wurden. Darüber hinaus sollten gemein-
sam weitere Umsetzungsschritte entwickelt wer-
den.
Abbildung 5: Diskussion zu spezifischen Orten und
Themen in der Innenstadt von Bad Godesberg
Wie in Abbildung 5 dargestellt, hat eine Planungs-
diskussion vor Ort in der Fußgängerzone stattge-
funden. Auf einem großen Stadtplan wurden Pro-
jekte und Ziele diskutiert, an Ständen konnten die
Passanten miteinander ins Gespräch kommen und
ihre Wünsche für Maßnahmen und Projekte zur
Innenstadtentwicklung nennen.
1.3.6 Öffentlichkeitsarbeit
Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH un-
terstützt die Stadt Bonn bei der Pressearbeit. Auf
der Website der Stadt Bonn können sich interessier-
te Bürgerinnen und Bürger ausführlich über den
Leitbildprozess informieren und Dokumentationen
der einzelnen Beteiligungsbausteine herunterladen.
Ein Newsletter informiert in zum Teil mehreren
Sprachen über anstehende Veranstaltungen.
Vor der ersten Leitbildkonferenz wurde der Prozess
in einem Pressegespräch zusammen mit der Stadt-
verwaltung und einem Interview mit Stadt- und
Regionalplanung Dr. Jansen GmbH vorgestellt. Pres-
seerklärungen werden zu den jeweiligen Veranstal-
tungen herausgegeben. Jede einzelne Veranstaltung
wird auf der Internetseite der Stadt und mit Flyern
und Plakaten beworben. Vor der dritten Leitbild-
konferenz fand ein zweites Pressegespräch statt, in
dem erneut der gesamte Prozess sowie die Zielset-
zung der bevorstehenden Leitbildkonferenz erläu-
tert wurden.Seite 19 von 176

14 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
1.4 Integriertes städtebauliches
Entwicklungskonzept für den
Innenstadtbereich (ISEK)
Der größte Handlungsbedarf im Stadtbezirk Bad
Godesberg besteht derzeit im Innenstadtbereich.
Um auf die bestehenden Defizite und Bedarfe ent-
sprechend reagieren zu können, wird für den Innen-
stadtbereich ein integriertes städtebauliches Ent-
wicklungskonzept (ISEK) erarbeitet. Ein ISEK gilt, im
Gegensatz zum Leitbild, nur für einen bestimmten,
räumlich abgegrenzten Bereich im Stadtbezirk.
Die Erstellung eines konkreten Maßnahmenkatalogs
mit Prioritätensetzung, Durchführungszeiträumen
und Kostenschätzung sowie die sich anschließende
Konkretisierung und die Umsetzung der Projekte
erfolgen unter Beteiligung der Bad Godesberger
Akteurs- und Bürgerschaft. Für die Umsetzung des
Maßnahmenpakets streben Stadt Bonn und Be-
zirksvertretung Bad Godesberg eine Unterstützung
mit Finanzmitteln aus der Städtebauförderung an.
Teil des Maßnahmenpakets ist ein Masterplan für
die Gestaltung des öffentlichen Raums, der u. a.
einheitliche und aufeinander abgestimmte Gestal-
tungsvorgaben umfasst. Insbesondere für die als
problematisch empfundenen Bereiche der Innen-
stadt werden strukturelle und gestalterische Lö-
sungsansätze für eine Aufwertung erstellt.
Zusätzlich zu den geplanten Maßnahmen im öffent-
lichen Raum wird eine Angebots- und Qualitätsof-
fensive für den Bereich Einzelhandel und Dienstleis-
tungen die Neuansiedlung vorzugsweise qualitativ
hochwertiger Betriebe verfolgen. Dies kann bei-
spielsweise durch Nutzung leerstehender Ladenlo-
kale geschehen. Ein aktives Leerstands- und Ansied-
lungsmanagement soll für einen attraktiven Bran-
chenmix und eine gute Einkaufsatmosphäre sorgen.
Außerdem sollen bestehende Betriebe durch geziel-
te Beratungen zu aktuellen Themen im Handel un-
terstützt werden.
Ziel des ISEKs ist die Belebung der Bad Godesberger
Innenstadt, die sich aus einer gelungenen Kombina-
tion von Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Gast-
ronomieangeboten ergibt. Eine mögliche Maßnah-
me ist eine Ausweitung des Gastronomieangebots,
u. a. zur Belebung von Plätzen, oder die Entwicklung
zielgerichteter Konzepte, die den Erlebniseinkauf in
der Bad Godesberger Innenstadt abrunden und so
die Verweildauer erhöhen (Shopping als Event). Um
neben den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistun-
gen und Gastronomie auch die Eigentümerschaft in
den Aufwertungsprozess einzubeziehen, wird die
Möglichkeit der Gründung einer Immobilien- und
Standortgemeinschaft (ISG) geprüft. Es wird außer-
dem angestrebt, den Aufwertungsprozess durch die
Einrichtung eines Projekt- und Citymanagements
über mehrere Jahre begleiten zu lassen.Seite 20 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 15
2 Gesellschaftliche Veränderungs-
prozesse und gesamtstädtische
Rahmenbedingungen
2.1 Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen
Bad Godesberg unterliegt gegenwärtig, wie alle
anderen Kommunen in Deutschland, gesamtgesell-
schaftlichen Veränderungen, die sich auf die kon-
kreten baulichen Strukturen und die Lebensbedin-
gungen vor Ort niederschlagen und damit tiefgrei-
fende Herausforderungen, aber auch Chancen für
die Stadtentwicklung darstellen. Zu diesen gesell-
schaftlichen Trends zählen u. a. der demographi-
sche Wandel, der Wandel in der Arbeitswelt, die
Veränderungen im Einzelhandel und der Wandel in
der Mobilität. Alle Bereiche werden zudem mehr
oder weniger stark durch Digitalisierung und Ver-
netzung beeinflusst.
Demographischer Wandel
Mit dem demographischen Wandel werden zu-
sammenfassend verschiedene Veränderungen und
Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung in
Deutschland bezeichnet. Die Veränderungen betref-
fen u. a. die Altersstruktur der Bevölkerung, die
Anteile von Menschen mit und ohne Migrationshin-
tergrund und die Entwicklung der Geburten- und
Sterbezahlen. Für Deutschland heißt das, dass zu-
nehmend mehr ältere Menschen hier leben werden
und dass ohne neu Hinzuziehende die Bevölkerung
Deutschlands abnehmen wird. Aufgrund niedriger
Geburtenraten und steigender Lebenserwartung
werden die sozialen Sicherungssysteme belastet.
Außerdem kommt es zu einer Ausdifferenzierung
der Lebensstile. Insgesamt ergibt sich ein wesent-
lich bunteres gesellschaftliches Bild. Eltern und
Kinder leben auf unterschiedliche Art zusammen, es
können verschiedene sexuelle Orientierungen offen
gelebt werden, zugewanderte Menschen aus ande-
ren Staaten bringen ihre Sprachen und kulturellen
Prägungen mit nach Deutschland etc.
Für Bad Godesberg stellen sich folgende Fragen:
 Gibt es ausreichend bezahlbaren und barriere-
freien Wohnraum?
 Wo können Wohnungsangebote geschaffen
werden, in denen alle Generationen aufeinan-
der treffen?
 Gibt es genug Teilhabemöglichkeiten sowohl
für Alteingesessene als auch Neuhinzugezoge-
ne?
 Wie kann die kulturelle Vielfalt wertgeschätzt
und ihre Potenziale entfaltet werden?
Wandel der Arbeitswelt
Der demographische Wandel beeinflusst auch die
Arbeitswelt, denn ohne eine gesteuerte Zuwande-
rung bedeutet er eine Alterung und Schrumpfung
der inländischen Arbeitskräftepotenziale. Der tech-
nologische Wandel, d. h. Digitalisierung und Vernet-
zung, wirken sich auf alle öffentlichen und privaten
Lebensbereiche aus und damit auch auf die Ar-
beitswelt. Weniger qualifizierte Tätigkeiten fallen
durch den Einsatz von Computern weg, sodass Qua-
lifizierung und Weiterbildung noch wichtiger wer-
den. Die digitale Vernetzung macht das Arbeiten
von jedem Ort aus und zu jeder Zeit möglich. Je
mehr die Leistungsfähigkeit der digitalen Technik
steigt, desto mehr Leistung wird jedoch auch von
den Arbeitnehmern erwartet. Die Arbeit verdichtet
sich, neue Dienstleistungen, Produkte und Ge-
schäftsmodelle entstehen. Berufe und Arbeitsorte
wandeln sich (z. B. Zunahme von Formen des Zu-
sammenarbeitens in meist größeren, offenen Räu-
men, sog. Co-working-Spaces). Darüber hinaus wirkt
sich die Globalisierung auf lokale Arbeitswelten aus:
Sie stehen in Konkurrenz zu anderen Weltregionen
mit geringeren Arbeitskosten, der Wettbewerbs-
druck erhöht die Notwendigkeit von technischen
Innovationen und Produktivitätssteigerungen. Das
vernetzte Arbeiten im Homeoffice ermöglicht die
verbesserte Vereinbarung von Beruf und Familie
oder Pflege. Die gestiegene Erwerbsbeteiligung von
Frauen ist angesichts der immer älter werdenden
Gesellschaft und in Zeiten des Fachkräftemangels in
einigen Branchen von hoher Relevanz. Eine hohe
Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter ist
die Grundlage für eine entsprechende Absicherung
im Alter.
Für Bad Godesberg stellen sich dabei u. a. folgende
Fragen:
 Wie und wo kann Raum für neue Arbeitsfor-
men geschaffen werden, und welche Infra-
struktur wird dafür benötigt?Seite 21 von 176

16 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
 Wie können die Bewohner des Stadtbezirks
beim lebenslangen Lernen unterstützt werden,
welche Bildungsangebote braucht es?
Handel im Wandel
Die Digitalisierung zeigt auch im Einzelhandel gra-
vierende Auswirkungen. So verlagert sich das Kauf-
verhalten vom stationären Geschäft zunehmend in
den Online-Handel. Einkäufe lassen sich bequem
von zu Hause aus und zu jeder Zeit erledigen, und
wenn die gelieferte Ware doch nicht den eigenen
Wünschen entspricht, so kann sie gratis zurückge-
schickt werden. Auch Waren des täglichen Bedarfs
wie Lebensmittel werden vermehrt online bestellt.
Die rapide wachsenden Umsatzzahlen im Online-
Handel verdeutlichen den Trend. Er manifestiert
sich in geringer frequentierten Einzelhandelslagen.
Ladenlokale stehen leer. Eine Abnahme des Online-
Handels mit gleichzeitiger Wiederbelebung minder-
attraktiver Lagen ist wenig wahrscheinlich. Der
zunehmende Lieferverkehr vergrößert das Ver-
kehrsaufkommen in den Städten und belastet das
Klima.
Für Bad Godesberg stellen sich hier u. a. folgende
Fragen:
 Wie kann mit den Leerständen umgegangen
werden?
 Welche alternativen Nutzungsformen bieten
sich an (Zwischennutzung, Pop-up-Stores
etc.)?
 Wie können lokale Lieferdienste organisiert
werden?
 Wie können die Einkaufslagen in der Innen-
stadt aufgewertet werden?
 Welche Gestaltung sollte der öffentliche Raum
haben?
 Wie können Immobilieneigentümer, Händler
u. a. besser aktiviert werden?
 Wie könnten Angebote für Jugendliche in der
Innenstadt aussehen?
Mobilität im Wandel
Vor allem in den Großstädten ändert sich das Mobi-
litätsverhalten. Das Auto als Statussymbol verliert
bei jüngeren Menschen in Deutschland an Wichtig-
keit. Der Führerschein wird oft gar nicht oder erst
spät erworben und nicht unbedingt ein Auto ge-
kauft. Die Automobilität nimmt dementsprechend
in den letzten zwei Jahrzenten bei jüngeren Men-
schen deutlich ab, während sie bei älteren Men-
schen angestiegen ist (z. B. aufgrund zunehmender
Automobilität bei Frauen). Die Menschen nutzen
vermehrt die Möglichkeit multimodal von A nach B
zu kommen, indem sie mehrere Verkehrsmittel
kombinieren (z. B. Auto, Bahn, Fahrrad), um zur
Arbeit zu kommen. Mit technologischen Neuerun-
gen entstehen neue Formen des Antriebs (Gas,
Strom aus Sonne und Wind etc.) und neue Mobili-
tätsformen wie Elektroautos oder E-Bikes, die sich
auch im öffentlichen Raum auswirken (z. B. Ladesta-
tionen). Mit dem Trend der Share-Economy neh-
men Sharing-Angebote im Bereich der Mobilität
und ihre Nutzung beständig zu (Carsharing, Mit-
fahrgelegenheiten, Leihfahrräder etc.). Bürgerbusse
übernehmen öffentliche Mobilitätsangebote, wo
Kommunen die entsprechende Daseinsvorsorge
eingestellt haben. Die Digitalisierung ist auch hier
ein wichtiger Hintergrundtreiber. Sie ermöglicht
u. a. die Erreichbarkeit von kleinen, lokalen Anbie-
tern, das Zusammenführen verschiedener privater
Nutzer, Flexibilität und die kurzfristige Buchung von
Mobilitätsangeboten.
Für Bad Godesberg stellen sich hier u. a. folgende
Fragen:
 Welche aktuellen Mobilitätsangebote fehlen in
Bad Godesberg, die für Einwohner wie Pendler
und Gäste interessant sein könnten?
 Sind die verschiedenen Verkehrsträger und
Mobilitätsangebote untereinander gut ver-
netzt?
 Wie gut sind die einzelnen Ortsteile durch
öffentlichen Nahverkehr angebunden?Seite 22 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 17
2.2 Gesamtstädtische Rahmenbedingungen
Neben gesellschaftlichen Einflussfaktoren haben
auch Entscheidungen, die auf gesamtstädtischer
Ebene der Bundesstadt Bonn getroffen werden,
Einfluss auf die Gestaltung Bad Godesbergs. Man-
che Vorhaben, die auf Stadtteilebene relevant sind,
können nicht ohne die nötigen Schritte auf gesamt-
städtischer Ebene umgesetzt werden (z. B. Ent-
scheidung über einen Schwimmbadbetrieb).
2.2.1 Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft
Bonn verfügt insgesamt über zwei Schwimmhallen,
fünf Freibäder (davon zwei in Bad Godesberg, Frei-
bad in Friesdorf und Rüngsdorf) und ein kombinier-
tes Hallen-/Freibad mit einem Kletterwald. Hinzu
kommt das schwimmsportliche Trainingszentrum
im Sportpark Nord.
Im April 2017 stimmten die Bonner Bürger in einem
Bürgerentscheid mit knapper Mehrheit dafür, das
Kurfürstenbad in Bad Godesberg zu schließen.
51,64 % sprachen sich gegen den Erhalt des Hallen-
bads aus. Im Stadtbezirk Bad Godesberg stimmten
nur 32,41 % für eine Schließung, 67,59 % waren für
den Erhalt des Bades.
Für Dezember 2018 war bis vor kurzem der Baube-
ginn eines neuen Zentralbads im Ortsteil Dottendorf
geplant (Wasserlandbad), das im Jahr 2021 eröffnet
werden sollte. Es sollte u. a. das Kurfürstenbad in
Bad Godesberg (seit Mitte Mai 2016 geschlossen)
und das Frankenbad in der Bonner Nordstadt erset-
zen. Die Schließung des Frankenbads war nach der
Eröffnung des Wasserlandbads angesetzt.
In einem Bürgerentscheid im August 2018 votierten
etwa 52 % der Bonner Wählerinnen und Wähler
gegen den Bau des geplanten Wasserlandbads. Nur
etwa 48 % stimmten für die Realisierung des Neu-
bauvorhabens. Im Stadtbezirk Bad Godesberg fiel
das Ergebnis deutlicher aus. Hier stimmten lediglich
37 % für den geplanten Neubau. Mit 63 % waren in
Bad Godesberg die Neubaugegner in der deutlichen
Mehrheit.
Bisherige Berechnungen hatten eine Kostenerspar-
nis von ca. 31,5 Mio. Euro des Neubaus inkl. Be-
triebskosten über 30 Jahre veranschlagt. Die Sanie-
rung und Modernisierung von Kurfürstenbad und
Frankenbad inklusive der Betriebskosten käme die
Stadt Bonn demnach deutlich teurer.
Derzeit wird ein gesamtstädtisches Bäderkonzept
unter Beteiligung der Bürgerschaft bis Ende 2019
erstellt.
2.2.2 Sanierung der Kulturlandschaft: Oper,
Schauspielhaus und Stadthalle
Die Bundesstadt Bonn hat mit ihrem „Kulturkonzept
für die Stadt Bonn 2012 - 2022“ eine umfangreiche
Bestandsaufnahme und den Rahmen für die künfti-
ge kulturelle Entwicklung vorgelegt. In den Jahren
2013 und 2014 beliefen sich die Ausgaben für die
Kultur auf etwa 7 % des Gesamthaushalts. Damit
nahm Bonn im bundesweiten Städtevergleich einen
Spitzenplatz ein. Dies entspricht dem Selbstbild als
Kulturstadt mit 2000-jähriger Geschichte, die ihre
Traditionen und ihr Brauchtum pflegt, gleichzeitig
aber ein aktuelles, attraktives und qualitativ hoch-
wertiges kulturelles Angebot in allen Sparten vor-
hält.
Oper und Schauspiel verteilen sich auf verschiedene
Standorte in der Stadt Bonn (Innenstadt, Beuel, Bad
Godesberg). Die Bonner Oper befindet sich im In-
nenstadtbereich in direkter Lage zum Rhein. Das
Schauspielhaus Bad Godesberg ist das größte
Schauspielhaus der Stadt Bonn und der erste Thea-
terneubau der Bundesrepublik in der Nachkriegs-
zeit. Das Gebäude wurde in der Bad Godesberger
Innenstadt in den frühen 1950er-Jahren erbaut.
Abbildung 6: Schauspielhaus in Bad Godesberg
(ehemals Kammerspiele)
Im Kulturkonzept wurde vorgeschlagen, das Schau-
spielhaus und die Oper Bonn an einer Stelle zu-
sammenzufassen, um damit überregionale Strahl-
kraft zu generieren. Im Dezember 2015 beschloss
der Kulturausschuss, das Godesberger Haus zur
zentralen Spielstätte für Theaterstücke in Bonn zuSeite 23 von 176

18 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
machen. Das bislang in der Halle Beuel spielende
städtische Theater nutzt seitdem das Schauspiel-
haus in Bad Godesberg. Es musste die Beueler Halle
verlassen, um dort Platz für die Aufführungen des
nicht von der Stadt finanzierten Pantheon-Theaters
zu schaffen. Der Bestand des Schauspiels schien
damit auch über das Jahr 2018 hinaus gesichert.
Die Diskussion um das sanierungsbedürftige Opern-
haus hat jedoch auch die Debatte um das Schau-
spielhaus neu belebt. Brandschutzmängel in Oper
und Schauspielhaus müssen möglichst zeitnah be-
hoben werden. Die Stadt hat dafür aus Mitteln des
laufenden Haushalts für 2017 und 2018 rund 6 Mio.
Euro zur Verfügung gestellt. Im Falle einer Sanie-
rung der Oper soll dies wegen des Beethovenjahres
jedoch erst nach 2020 richtig beginnen.
Es wird derzeit diskutiert, inwieweit statt einer
Instandsetzung ein Abriss des vorhandenen Opern-
gebäudes und ein Neubau sinnvoll wären, der auch
das Schauspiel Bonn mit einer eigenen Bühne auf-
nimmt (Zweispartenhaus). Befürchtet wird u. a. eine
Steigerung der Sanierungskosten aufgrund vorher
nicht absehbarer bautechnischer Rahmenbedingun-
gen.
Als Standort für einen möglichen Kultur-Neubau ist
Bad Godesberg vorgesehen, um die Schließung des
Kurfürstenbads zu kompensieren. Der Wegzug einer
weiteren bedeutungsvollen städtischen Einrichtung
gilt als schwer vermittelbar. Sollte das Schauspiel in
einen Neubau verlagert werden, so müsste für das
derzeitige Gebäude eine andere öffentliche Nut-
zung gefunden werden, die die Innenstadt belebt.
Es könnte als Treffpunkt für die Godesberger Verei-
ne und freie Kulturangebote dienen, für den Fall,
dass die Stadthalle abgerissen würde (z. B. freie
Gruppen, Gastspiele, Theateraufführungen, auch
des Theaters Bonn). Auch dann muss das Gebäude
saniert werden.
Als Standort für einen Kultur-Neubau ist das Gelän-
de der Stadthalle Bad Godesberg in der Diskussion,
die ebenfalls stark sanierungsbedürftig ist. Der
Neubau könnte aber auch in der Bonner Innenstadt
an der Stelle des bisherigen Opernhauses am
Rheinufer entstehen.
Das Gebäude der Stadthalle Bad Godesberg gilt als
prägnantes Beispiel des Baustils der 1950er-Jahre
und soll ab 2020 saniert werden. Die Halle bietet
Räume unterschiedlicher Größe und Form und ist
mit Messen, Tagungen und Festen zu 80 % ausge-
lastet. Sie steht unter Denkmalschutz. Ein Abriss
käme nur infrage, wenn die Mehrheit des Rats für
eine Aufhebung stimmen würde. Bei einer Sanie-
rung müsste ein tragendes Konzept auf Basis aktuel-
ler Auslastung und künftiger Potenziale erstellt
werden, um zusätzlich zum Raumangebot für die
ortsansässigen Vereine eine Möglichkeit zur Er-
schließung neuer Nutzerkreise zu eröffnen und vom
Tagungs- und Kongressmarkt der Bundes- und UN-
Stadt Bonn zu profitieren. Eine sanierte Stadthalle
oder ein Neubau würde in jedem Fall zur angestreb-
ten Belebung der Innenstadt beitragen.
2.2.3 Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept
(2008)
Die Weiterentwicklung der Bad Godesberger Innen-
stadt ist eingebettet in das Bonner Einzelhandels-
und Zentrenkonzept von 2008, das kontinuierlich
fortgeschrieben wird. Das Konzept stellt Bonn in
den Kontext der europäischen Stadt, das heißt, es
weist der Innenstadt bzw. den Stadtbezirkszentren
und sonstigen zentralen Bereichen eine herausge-
hobene Funktion zu. Die Konzentration städtebauli-
cher und infrastruktureller Investitionen auf die
zentralen Bereiche zeigt den Stellenwert, den die
Bundesstadt Bonn dem Ziel der Entwicklung der
Zentren in den letzten Jahren beigemessen hat.
Neben der Zentralität – also der vorrangig quantita-
tiven Komponente – soll auch die Vielfalt an Funkti-
onen in der Innenstadt, den Stadtbezirkszentren
und sonstigen zentralen Bereichen erhalten und
gestärkt werden. Eine Mischung von Einzelhandel,
Dienstleistungen, Gastronomie, Kultur und Wohnen
wird angestrebt.
Der Einzelhandel dient zunächst und in erster Linie
der Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des
kurz-, mittel- und langfristigen Bedarfs. Neben die-
ser eigentlichen Aufgabe erzeugt Einzelhandel in
integrierten Lagen städtische Bedingungen wie
Dichte, Frequenz und Mischung. Ihm werden des-
halb stadtbildende Funktionen zugesprochen –
städtisches Leben, urbane Attraktivität und Multi-
funktionalität. Um diese stadtbildprägende Kraft
und die Nahversorgung sämtlicher Bevölkerungstei-Seite 24 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 19
le aufrechtzuerhalten, bedarf es der gezielten Len-
kung der Einzelhandelsentwicklung. Mit dem künf-
tig zunehmenden Anteil älterer Menschen (demo-
graphischer Wandel) steigt sonst auch die Zahl der
potenziell unterversorgten Haushalte.
Abbildung 7: Überblick über die zentralen Bereiche
der Stadt Bonn
Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008
Ein kompaktes Zentrum mit kurzen Wegen ist dabei
eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung
und das Entstehen lebendiger urbaner Räume. Die
flächendeckende Versorgung der Einwohner mit
Gütern des kurzfristigen Bedarfs – insbesondere im
Bereich Nahrungs-/Genussmittel – verkürzt eben-
falls die zurückzulegenden Wege.
Bad Godesberg
Als Stadtbezirkszentrum gehört die Innenstadt von
Bad Godesberg zum Zentrumstyp B des Bonner
Zentrenkonzepts und ist das größte dieser Art. Die
Stadtbezirkszentren Beuel und Duisdorf fallen eben-
falls in diese Kategorie, die Innenstadt Bonn ist
Zentrumstyp A. In den Stadtbezirkszentren sollen
Einzelhandelsangebote in allen Bedarfsbereichen
und ein breites einzelhandelsnahes Dienstleistungs-
angebot (Apotheken, Reisebüros etc.) zu finden
sein. Sie bilden außerdem ein Bindeglied zwischen
dem A-Zentrum Innenstadt und den C-Zentren mit
einem Kunden-Einzugsbereich über den Stadtbezirk
hinaus.
Im Stadtbezirk Bad Godesberg befinden sich neben
dem Stadtbezirkszentrum auch zwei C-Zentren
sowie sechs D-Zentren, die jeweils gestärkt oder
gesichert werden müssen.
Abbildung 8: Zentrale Bereiche im Stadtbezirk
Godesberg
Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2008
Das Stadtbezirkszentrum liegt unmittelbar unter-
halb der Godesburg in relativ zentraler Lage im
Stadtbezirk und wird im Wesentlichen durch die
Straßen Am Kurpark und Löbestraße im Süden, die
Burgstraße im Norden, die Schwertberger Straße im
Westen und die Bahntrasse im Osten begrenzt. Die
zum Teil stark befahrenen Straßen stellen eine
deutliche Barriere zwischen dem Zentrum und den
angrenzenden Bereichen dar. Im Bereich des Aenn-
chen-Platzes und an der Plittersdorfer Straße trifft
man jedoch auf bemerkenswert urbanes Leben und
einige Spezialgeschäfte, sodass hier die Abgrenzung
auf die andere Straßenseite ausgeweitet wurde.Seite 25 von 176

20 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Abbildung 9: Stadtbezirkszentrum Bad Godesberg
Quelle: Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzept, Fort-
schreibung
Bad Godesberg verfügt über ausreichende Flächen
auch für großflächigen Einzelhandel innerhalb des
Zentrums sowohl in der Fronhof-Galeria, der Passa-
ge in der Schultheissgasse/Vilichgasse, dem Alt-
stadtcenter und neben dem Kinopolis, sodass eine
weitere Ausweitungsnotwendigkeit nicht besteht.
Das Kinopolis (Moltkestraße 7 – 9) ist ein Kinozent-
rum in Bad Godesberg mit elf Sälen, in denen aktu-
elle Spielfilme gezeigt werden. Darüber hinaus gibt
es Angebote für spezielle Zielgruppen (z. B. Senio-
ren). Hier werden Filme teilweise in Originalsprache
gezeigt, was gerade von den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der internationalen Einrichtungen in
Bonn geschätzt wird.
Das Zentrum ist mit einem DB-Bahnhof an das
überörtliche ÖPNV-Netz angeschlossen. Die Linien
63 und 16 verbinden Bad Godesberg mit der Bonner
City. Die Ortsteile sind mit Bussen an das Zentrum
angeschlossen.
Die Ortsteilzentren Plittersdorf und Mehlem (Zen-
trentyp C) sollen ein vollständiges Angebot im kurz-
fristigen Bedarfsbereich anbieten, sowie zentren-
prägende Dienstleistungen. Im Vordergrund steht
die Versorgungsfunktion für die umliegende Bevöl-
kerung mit kurzfristigen Gütern. Ziel ist es, das An-
gebot im kurzfristigen Bereich zu erhalten, um Kun-
denbindung und darauf aufbauende Angebote aus
anderen Bedarfsbereichen zu ermöglichen.
In der amerikanischen Siedlung, Friesdorf, Rüngs-
dorf, Pennenfeld, Lannesdorf und Heiderhof befin-
den sich reine Nahversorgungszentren mit nur ge-
ringem Angebot an Einzelhandels- und Dienstleis-
tungsnutzungen (Zentrentyp D). Sie erfüllen die
Mindestanforderung für zentrale Bereiche (mindes-
tens ein Lebensmittelgeschäft). Ziel ist der Erhalt
und wenn möglich eine Stärkung bzw. Erweiterung,
um die Nahversorgung auch weniger mobiler Bevöl-
kerungsteile zu gewährleisten.Seite 26 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 21
2.3 Spezifische Herausforderungen in Bad
Godesberg
Es gibt darüber hinaus mehrere Themen, die für Bad
Godesberg spezifisch sind und die Entwicklung kon-
struktiver und zukunftsorientierter Konzepte erfor-
dern.
2.3.1 Medizintourismus
In ganz Deutschland steigt die Zahl der aus dem
Ausland kommenden Patienten, die sich stationär
behandeln lassen. Im Jahr 2006 waren es ca. 54.000
Patienten, im Jahr 2015 schon 103.000 Patienten.
Aktuell steigen die Zahlen nicht weiter an. Die meis-
ten Patienten kommen aus den Nachbarländern wie
Polen, den Niederlanden oder Frankreich, denn vor
allem Patienten in den Grenzregionen nutzen die
Behandlungsmöglichkeiten im nahen Ausland. Wei-
tere Herkunftsländer sind Russland, die anderen
GUS-Staaten und die arabischen Golfstaaten.
Nachteile durch die ausländischen Patienten in den
Praxen ergeben sich kaum für deutsche Patienten.
Eher im Gegenteil: Durch die Mehreinnahmen ge-
winnen die Krankenhäuser große zusätzliche Ein-
nahmen, mit denen Personal eingestellt oder neue
medizinische Geräte angeschafft werden können.
Allein das Gesundheitssystem in ganz Deutschland
verdient im Jahr geschätzt ca. 1,2 Milliarden Euro an
den Medizintouristen. Aber auch weitere positive
Effekte auf die lokale Wirtschaft sind keinesfalls
außer Acht zu lassen. Ein weiterer Milliardenbetrag
kommt mindestens den Bereichen Tourismusin-
dustrie, Beherbergung und Handel zugute.
Im Jahr 2015 besuchten rund 1.200 Patienten Bonn.
Ein Teil von ihnen ließ sich in einer der 20 Kliniken,
Fachambulanzen und Krankenhäuser in Bad Godes-
berg behandeln. Damit ist der Medizintourismus ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bad Godesberg.
Teile der Bad Godesberger Innenstadt sind entspre-
chend von arabischen Geschäften und Immobilien-
maklern geprägt, denn der größte Teil der Patienten
in Bad Godesberg stammt aus arabischen Ländern
wie Katar, Kuwait und Saudi-Arabien. In Bad Godes-
berg hat sich infolgedessen in den letzten 20 Jahren
eine große arabische Gemeinschaft gebildet. Sie ist
einer der Gründe dafür, dass sich arabische Medi-
zintouristen gerne in Bad Godesberg behandeln
lassen. Ebenso schätzen sie die gute Infrastruktur,
die vielen Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten sowie
die gute Erreichbarkeit Bad Godesbergs. Die meis-
ten Patienten reisen in der arabischen Ferienzeit an,
zwischen April und Oktober. Dabei werden sie oft
von mehreren Angehörigen begleitet, da sie finan-
ziell von ihren Herkunftsländern bei den Behand-
lungskosten und Reisekosten unterstützt werden.
Medienberichten zufolge erhalten beispielsweise
Katarer pro Woche 4000 Euro „Taschengeld“ für
sich und bis zu zwei Begleitpersonen.
Die meisten Patienten bleiben einige Wochen oder
Monate und möchten in dieser Zeit nicht in Hotel-
zimmern wohnen. Apartments werden oft zu un-
verhältnismäßigen Preisen an die Touristen vermie-
tet. Einige zahlen bis zu 6.000 oder 7.000 Euro pro
Monat. Deswegen wird es für einheimische Bürger
schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Zweckentfremdung ist demzufolge ein großes Prob-
lem. 2013 hat die Bundesstadt Bonn die „Satzung
zum Schutz und Erhalt von Wohnraum im Gebiet
der Bundesstadt Bonn“ erlassen und eine „Task
Force Zweckentfremdung“ gegründet, die Bußgel-
der von bis zu 50.000 Euro verhängen kann. Dabei
wurde festgestellt, dass teilweise Kellerräume,
Büroflächen, Praxen und ganze Häuser ungeneh-
migt in Wohnungen umgewandelt wurden. Aller-
dings ist eine tatsächliche Zweckentfremdung oft
schwierig nachzuweisen. Oft sind die Eigentumsver-
hältnisse unklar, oder es werden Langzeit-Mietver-
träge vorgelegt bzw. angegeben, dass die Wohnung
Familienmitgliedern oder Freunden zur Verfügung
gestellt wird.
Ein weiteres Problem der Untervermietung sind die
unterschiedlichen Lebensstile, die in den Wohnhäu-
sern aufeinander prallen. Nachbarn fühlen sich
beispielsweise durch ständigen Mieterwechsel be-
lästigt. Es wird außerdem über fehlende Sauberkeit,
Beschädigungen an Gemeinschaftseinrichtungen
sowie Lärmbelästigung geklagt. Ein weiterer Streit-
punkt sind Umlagekosten für Müllgebühren und
Energiekosten.
Der Medizintourismus bringt demnach Bad Godes-
berg einige Vorteile, verursacht aber auch eine
Reihe Herausforderungen. Die Gesundheitswirt-
schaft sowie die lokale Tourismusindustrie, die
Beherbergung und der Handel profitieren von den
zahlreichen und zahlungskräftigen Kunden. VonSeite 27 von 176

22 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
hoher Relevanz sind aber auch die Eindämmung der
Zweckentfremdung von Wohnraum und das Gegen-
steuern bei unverhältnismäßig hohen Gewerbe-
und Wohnungsmieten. Auch muss das Miteinander
von Medizintouristen und einheimischer Bevölke-
rung kontinuierlich beobachtet und moderiert wer-
den.
2.3.2 Zusammenleben in Bad Godesberg
Das Thema Integration nimmt einen breiten Raum
im Leitbildprozess ein. Manche Bewohner Bad
Godesbergs beklagen, dass der Medizintourismus
dazu führe, dass Burka tragende Frauen das Stadt-
bild der Innenstadt prägen. Dieser Angst vor „Über-
fremdung“ setzen wiederum andere Bürger ein
Bedürfnis nach mehr Austausch und Miteinander
entgegen. Die kulturelle Vielfalt, die durch die Zu-
wanderung vieler Menschen aus anderen Staaten
und Kulturen entstehe, sei als Chance zu sehen. Die
Integrationsmöglichkeit von vollverschleierten
Frauen wird von einigen Bürgern jedoch kritisch
gesehen, da es die Verschleierung erschwere, mit
ihnen Kontakt aufzunehmen bzw. unklar sei, ob ein
Kontakt überhaupt gewünscht sei.
Zum Thema Zusammenleben und Vielfalt gehört
aber auch die Inklusion von Menschen mit Behinde-
rungen, nicht zuletzt über eine barrierefreie Gestal-
tung des öffentlichen Raums. Hier sind Strategien
gegen die zunehmende Isolation älterer Menschen
oder jüngerer Personen ohne soziale Einbindung
gefragt.
Grundsätzlich stellen sich einige Bürgerinnen und
Bürger vor, dass Bad Godesberg eine Heimat für alle
und generationenfreundlicher sein solle. Dazu ge-
hören Bürger aus den unterschiedlichen Einkom-
mensschichten – jeder soll es sich leisten können, in
Bad Godesberg zu leben. In den verschiedenen
Formaten der Bürgerbeteiligung wurde deutlich,
dass viele Bürgerinnen und Bürger die mangelnde
soziale Durchlässigkeit in einigen Wohnquartieren
kritisieren. Wohlhabende Bewohner grenzen sich
auch baulich ab, was einen Eindruck von Segregati-
on hinterlässt. Die Schere zwischen Arm und Reich
sei in Bad Godesberg besonders groß und verursa-
che extreme Unterschiede beim Zugang zu Bildung
und Partizipation.
2.3.3 Wohnen, Nahversorgung und Verkehr
Die Wohnungssuche gestaltet sich in Bad Godes-
berg zum Teil schwierig, der Wohnungsmarkt gilt als
angespannt. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist
knapp. In diesem Zusammenhang stößt die Zweck-
entfremdung von Wohnraum für die Vermietung an
Medizintouristen auf Kritik. Kontrollen sowie die
Eindämmung bzw. zweckgemäße Rückführung der
Wohnungen werden gefordert (Durchsetzung der
Zweckentfremdungssatzung).
Einige Bürger sprechen sich dafür aus, stärker für
den sozialen Wohnungsbau zu werben, um eventu-
elle Widerstände in Quartieren aufzuheben, in de-
nen Neubauvorhaben geplant seien. Der bezahlbare
Wohnraum solle barrierefrei sein, zentral liegen und
ein grünes Wohnumfeld bieten. Außerdem wird bei
der Schaffung von Mehrgenerationenhäusern Be-
darf gesehen.
In den Ortsteilen fehlen einigen Bürgerinnen und
Bürgern notwendige Nahversorgungsangebote, so-
dass sie für viele Waren des täglichen Bedarfs in die
Innenstadt fahren müssen. Es wird allgemein ein
Rückgang in der Versorgung festgestellt und eine
Sicherstellung der Nahversorgungszentren einge-
fordert. Gerade für Seniorinnen und Senioren man-
gele es an spezifischen Versorgungsangeboten.
Auch werden mehr öffentliche Toiletten gewünscht.
Insgesamt sollten Zugänge und Wege barrierefrei
gestaltet werden.
Die gute Anbindung Bad Godesbergs an Straße und
Schiene führt auch zu unerwünschten Beeinträchti-
gungen: die Lärmbelastung im Stadtbezirk ist an
einzelnen Stellen erhöht und wird von den Bürge-
rinnen und Bürgern als Einschränkung der Wohn-
qualität wahrgenommen.
Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wird als
verbesserungswürdig angesehen. Die Taktung von
Bussen und Bahnen sei zu erhöhen, und vor allem
die Verbindung zwischen den Ortsteilen zu verbes-
sern. Die Fahrradmobilität sehen einige Bürgerin-
nen und Bürger als gefährdet an, da auf Radfahrer
zu wenig Rücksicht genommen werde. Insgesamt
sei die Fahrradinfrastruktur unbefriedigend und
müsse ausgebaut werden. Auch das Carsharing sei
verbesserungswürdig.Seite 28 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 23
2.3.4 Wissens- und Hochschulstandort
Ein weiteres Ergebnis der Beteiligung stellt Bad
Godesbergs Funktion als Forschungs- und Hoch-
schulstandort in den Fokus. Obwohl die Stadt Bonn
eine Universitätsstadt ist, liegt kein Institut oder
Fachbereich innerhalb der Bad Godesberger Gren-
zen. Auch studentisches Leben ist im Bezirk nicht
präsent. Bad Godesberg profitiert daher nicht vom
Universitätsstandort Bonn.
Eine Ansiedlung von Studierenden im Stadtbezirk
sei jedoch wünschenswert, um eine Verjüngung der
Altersstruktur zu erreichen. Daher sei bei allen
Maßnahmen die junge Ziel- oder Nutzergruppe zu
berücksichtigen und zu fördern. Es wird erwartet,
dass ein höherer Anteil Studierender an der Bevöl-
kerung Bad Godesbergs positive Auswirkungen auch
auf andere Bevölkerungsteile, das Kulturangebot,
die Gastronomie, den Einzelhandel und das Image
hat.
Es wird daher vorgeschlagen, die Leerstände an der
prominenten Kurfürstlichen Zeile als Hochschul-
standort zu nutzen. Des Weiteren können andere
leerstehende Gebäude im Bezirk als Studenten-
wohnheime genutzt werden. Auch die Ansiedlung
von Start-ups sollte im Fokus des Bezirks stehen.
Das Potenzial des Wissenschaftszentrums in Hoch-
kreuz sollte noch viel stärker zugunsten der Ent-
wicklung eines Hochschulstandorts Bad Godesberg
genutzt werden.
2.3.5 Kulturstadt und Diplomatenstadt
Einige Bad Godesberger Bürgerinnen und Bürger
regen an, dass kulturelle Einrichtungen in Bad
Godesberg und Bonn miteinander kooperieren und
ein gemeinsames Marketing für ihre kulturelle An-
gebote erstellen. Im Musikbereich seien das bei-
spielsweise die Musikschule Bonn, das Rock- und
Pop-Zentrum Bonn, Marios Musikschule, der Histo-
rische Gemeindesaal Bad Godesberg, die Zentrifuge
im Haus der Luft- und Raumfahrt, die Kleine
Beethovenhalle Muffendorf, Musikkneipen wie Elpi
(Burgstraße), Big Daddy (Friesdorf) und Kirchenkon-
zerte (St. Marien, Erlöserkirche, Johanneskirche, St.
Hildegard, St. Servatius etc.) etc.
Der Erhalt des Schauspielhauses und des Kleinen
Theaters ist für einige Bürger ein wesentlicher Be-
standteil einer vielfältigen und hochwertigen Kultur-
landschaft. Auch die Förderung von Kleinkunst (s.
Theaterprojekt „im Schaufenster“) gehört in den
Bereich Darstellende Künste.
In der zukünftigen Entwicklung Bad Godesbergs
kann auf ein reiches historisches Erbe zurückgegrif-
fen werden. Hierfür ist aus Bürgersicht jedoch die
Erhaltung der wesentlichen Godesberger Wahrzei-
chen notwendig. So sollte die Godesburg als Thema
wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Dazu
gehört der Burgberg mit seinen Wegen, die Godes-
burg mit Turm und Restaurant, der Burgfriedhof,
Aussichtspunkte am und auf dem Burgweg und die
Anbindung der Innenstadt an den Burgberg. Auch
der Blick aus dem Zentrum auf den Burgberg gehört
dazu sowie die Stollen im Burgberg und etwaige
Ritterfeste.
Saniert worden sind bereits der Bergfried der
Godesburg, die Michaelskapelle und die Redoute,
der Draitschbrunnen wurde neu angelegt. Als wei-
tere Wahrzeichen sollten die Stadthalle, das Schau-
spielhaus und das Bad Godesberger Rathaus gesi-
chert werden.
Bad Godesberg – Diplomatenstadt am Rhein
Bad Godesberg ist aufgrund der ehemaligen Haupt-
stadtfunktion Bonns außerdem ein Stadtbezirk mit
jahrzehntelanger internationaler Tradition, die auch
heute noch andauert. Diese Internationalität kann
expliziter gelebt und auch vermarktet werden. Bei-
spielsweise könnte mit „50 Jahre Diplomatie am
Rhein“ geworben werden, denn auch heute noch
leben zahlreiche UN-Diplomaten, Mitarbeiter von
Konsulaten und Außenstellen der Berliner Botschaf-
ten in Bad Godesberg. Es ist davon auszugehen,
dass die Organisation der Vereinten Nationen wei-
ter wachsen wird.
Das Thema „Diplomatenstadt Bad Godesberg“ ist
auch Inhalt einer Vereinsgründungsinitiative Bad
Godesberger Botschaften. Sie möchte die Erinne-
rung an das diplomatische Erbe und die Anfangsjah-
re der Bundesrepublik Deutschland wach halten.
Bad Godesberg habe das Bild Nachkriegsdeutsch-
lands entscheidend geprägt. Die Botschaftsgebäude
seien dabei Orte, an denen Geschichte geschrieben
wurde, vor allem die der früheren Alliierten USA,
Frankreich, Großbritannien und Sowjetunion. Um
die Rolle Bad Godesbergs in den Jahren 1949 bisSeite 29 von 176

24 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
1999 zu erläutern und zu würdigen, plant der Ver-
ein Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen,
Jahrestage, Forschungsarbeiten sowie eine Zusam-
menarbeit mit entsprechenden Institutionen und
Organisationen wie zum Beispiel dem Haus der
Geschichte, der Bundeszentrale für politische Bil-
dung oder dem internationalen Club La Redoute.
Angestrebt ist, über bundesweite Zusammenarbeit
mit entsprechenden Einrichtungen einen Politiktou-
rismus zu etablieren. Touren durch ehemalige Bot-
schaften werden bereits seit einigen Jahren durch-
geführt. Außerdem möchte der Verein die Umnut-
zung leerstehender Botschaftsgebäude unterstüt-
zen.
2.3.6 Sicherheit
Ein Thema, das die Bad Godesberger Akteurs- und
Bürgerschaft während des gesamten Leitbildprozes-
ses in besonderer Weise bewegte, ist ein sich in den
letzten Jahren verschlechterndes subjektives Si-
cherheitsempfinden im öffentlichen Raum. Dies
betrifft in erster Linie den Innenstadtbereich und
die Parkanlagen und dort wiederum vor allem den
Zeitraum der Abendstunden.
Wie unsicher ist Bad Godesberg wirklich?
Die aktuelle Kriminalstatistik 2017 der Polizei Bonn
zeigt auf, dass die Gesamtkriminalität, d. h. die
Anzahl angezeigter Straftaten, in der Region Bonn
abnimmt und auf dem niedrigsten Stand seit 21
Jahren liegt.
Abbildung 10: Gesamtkriminalität im Zuständig-
keitsbereich der Polizei Bonn
Quelle: Kriminalistik der Polizei Bonn 2017
Für Bad Godesberg vermeldet die Polizei Bonn, dass
im Jahr 2017 581 Straftaten weniger als im Jahr
2016 angezeigt wurden, was einen deutlichen
Rückgang um 9,5 % auf 5.524 Straftaten und den
niedrigsten Stand seit 1995 bedeutet.
Abbildung 11: Gesamtkriminalität im PKS-Bereich
Bad Godesberg
Quelle: Kriminalistik der Polizei Bonn 2017
Trotz alledem ist das Sicherheitsgefühl vieler Bürger
gesunken. Um diesem Gefühl entgegenzuwirken,
setzt die Polizei auf vermehrte Kontrollen.
Die Kriminalstatistik der Polizei Bonn zeigt, dass ein
Großteil der Straftaten in der Region Bonn von
Erwachsenen begangen wird, nämlich 78 %. Dabei
beging die Gruppe der Jugendlichen zwischen 14
und 18 Jahren 9,3 % der Straftaten, also nur jeder
zehnte Straftäter kam aus dieser Altersgruppe (Kin-
der: bis 14 Jahre, Jugendliche: 14 bis 18 Jahre, Her-
anwachsende: 18 bis 21 Jahre, Erwachsene: ab 21
Jahre).
Einfluss der Medien
Die mediale Darstellung einzelner negativer Ereig-
nisse in Bad Godesberg hat dabei in der Vergangen-
heit zu einem sich verschlechternden Bild des ge-
samten Stadtbezirks in der Öffentlichkeit beigetra-
gen. Ohne diese negativen und z. T. tragischen Er-
eignisse zu leugnen, sind diese dennoch nicht reprä-
sentativ für Bad Godesberg und spiegeln nicht das
typische Alltagsleben im Stadtbezirk wider. Es er-
scheint daher wichtig, dass Polizei und Stadtverwal-
tung transparent und objektiv über das tatsächliche
Gefährdungspotenzial anhand der Kriminalstatistik
und deren Entwicklung in den vergangenen Jahren
informieren.Seite 30 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 25
3 Geografische Lage und historische
Entwicklung
3.1 Geografische Lage
Die Bundesstadt Bonn ist eine kreisfreie Stadt im
Regierungsbezirk Köln. Sie liegt im Süden Nord-
rhein-Westfalens an der Grenze zu Rheinland-Pfalz
und gehört zur Metropolregion Rheinland. Im Nor-
den grenzt sie an den Ballungsraum Köln/Lever-
kusen. Die umliegenden Städte und Gemeinden
sind Bornheim und Troisdorf im Norden, Alfter im
Westen, Meckenheim und Wachtberg im Süden und
Königswinter und Sankt Augustin im Osten.
Die Bundesstadt Bonn liegt im Übergang vom Mit-
telrheingebiet zur Niederrheinischen Bucht, der
durch den Godesberger Rheintaltrichter markiert
wird. Der Rhein trennt die Stadt in einen linksrheini-
schen und einen rechtsrheinischen Bereich, wobei
der linksrheinische die größere Fläche besitzt. Im
Süden und Westen der Stadt grenzt Bonn an die
Ausläufer der Eifel. Im Osten der Stadt befindet sich
das Siebengebirge. Im Norden geht das Stadtgebiet
in die Kölner Bucht über.
Die Bundesstadt Bonn ist in vier Stadtbezirke unter-
teilt, die Bezirke Bonn, Bad Godesberg, Beuel und
Hardtberg. Bad Godesberg liegt im Süden der Stadt
und wird im Osten durch den Rhein begrenzt. Er
grenzt südlich an das Bundesland Rheinland-Pfalz.
Bad Godesberg
Der Stadtbezirk besitzt eine Ausdehnung von etwa
7 km in West-Ost-Richtung und ca. 7,8 km in Nord-
Süd-Richtung und umfasst 13 Ortsteile. Der Stadt-
bezirk hat ca. 73.000 Einwohner und ist damit der
zweitgrößte Bezirk von Bonn.
Der westlich des Stadtbezirks gelegene Kottenforst
und das Siebengebirge auf der anderen Rheinseite
sind attraktive Naherholungsziele der Bad Godes-
berger Bevölkerung.
3.2 Verkehrsanbindung
Der Stadtbezirk ist aus verkehrlicher Sicht innerhalb
der Region und darüber hinaus gut angebunden. An
der nördlichen Grenze liegt die A 562. Des Weiteren
führt die B 9 in Nord-Süd-Richtung durch Bad
Godesberg und liefert einem unmittelbaren An-
schluss in die Bonner Innenstadt und an die A 565.
Die Autobahn A 562 bietet eine Anschlussmöglich-
keit an die Autobahn A 59 und damit eine schnelle
Anbindung an umliegende Städte sowie eine direkte
Verbindung zum Köln/Bonner Flughafen.
Bad Godesberg ist an den Schienenpersonenverkehr
(SPNV) angebunden. Der Bahnhof Bad Godesberg
befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt.
Der zweite Bahnhof liegt in Mehlem bzw. Lannes-
dorf. Die Bahnhöfe werden regelmäßig von ver-
schiedenen Regionalbahnen bzw. Regionalexpress-
zügen angefahren. Der RE 5 (RRX) Rhein-Express
und die RB 26 Mittelrhein-Bahn bieten eine Verbin-
dung in weite Teile des Rheinlands und zum Mittel-
rhein, wie zum Beispiel Köln, Koblenz und Mainz.
Weitere Ziele wie Ahrweiler und Wuppertal erreicht
man mit der RB 30 Rhein-Ahr-Bahn bzw. der RB 48
RheinWupper-Bahn. Mit diesen Linien ist auch die
Bonner Innenstadt zügig zu erreichen. Es besteht
eine Anbindung an den Hauptbahnhof Bonn. Zwei
Stadtbahnlinien fahren von Bad Godesberg aus in
Richtung Bonn-Tannenbusch und Köln-Niehl. Über
verschiedene Buslinien werden der restliche Stadt-
bezirk sowie die Nachbargemeinde Meckenheim
erschlossen.
Mit der guten Anbindung, der regionalen Einbin-
dung sowie der unmittelbaren Nähe zur Innenstadt
von Bonn verfügt der Stadtbezirk Bad Godesberg
über gute Voraussetzungen als attraktiver Wohn-
und Gewerbestandort.Seite 31 von 176

26 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Abbildung 12: Räumliche Lage des Stadtbezirks Bonn-Bad Godesberg
3.3 Struktur der Ortsteile
Die 13 Ortsteile von Bad Godesbergs weisen zum
Teil sehr unterschiedliche Charakteristika auf.
Diverse Einrichtungen wie Stiftungen, Verbände und
Unternehmen aus Forschung und Wissenschaft
sowie das Deutsche Museum befinden sich im Orts-
teil Hochkreuz. Der Ortsteil hat ca. 2.120 Einwoh-
ner. Die Bonner Rheinaue bietet Raum zur Naherho-
lung.
Der Ortsteil Friesdorf liegt am nördlichen Rand des
Stadtbezirks Bad Godesberg. Er ist durch Wohnbe-
bauung sowie größere Areale für Gewerbe geprägt.
Prägend für den Ortsteil ist neben dem Freibad
„Friesi“ auch der Fabrikverkauf der Firma HARIBO,
der vor kurzem neu errichtet wurde. Im Ortsteil
leben ca. 8.250 Einwohner.
Im nördlichen Teil des an der Rheinpromenade
gelegenen Plittersdorf (11.535 Einwohner) befinden
sich die amerikanische Siedlung (HICOG Siedlung)
sowie die Bonn-International-School. Mit einer
Auto- und Personenfähre kann nach Niederdollen-
dorf über den Rhein gesetzt werden.
Bad Godesberg Nord (1.690 Einwohner) besteht
zum großen Teil aus einem Gewerbegebiet und
ehemaligen Arbeiter- und Werkssiedlungen.
Andere Ortsteile verfügen eher über dörfliche
Strukturen. Schweinheim (3.030 Einwohner) ist ein
beliebter Wohnort für wohlhabendere Bürger und
beherbergt ein Waldkrankenhaus. In direkter Nähe
befindet sich das Marienforster Tal.
Das Villenviertel ist auch heute noch von den Häu-
sern der Gründerzeit geprägt und hat ca. 5.150
Einwohner. Gegenwärtig haben dort fünf General-
konsulate, ein Konsulat und zwölf Außenstellen von
Botschaften ihren Sitz.
Die Innenstadt (Alt Bad Godesberg), in der etwa
6.285 Einwohner leben, bietet umfassende Ein-
kaufsmöglichkeiten. Sie wurde in den 1960er-
Jahren umgestaltet und besitzt kaum noch histori-
sche Bausubstanz. Ebenfalls in der Stadtmitte liegt
die Godesburg, ein beliebtes Ausflugsziel. Im Kur-
viertel steht die Redoute, ein attraktiver kultureller
Ort, der Schauplatz für Konzerte und andere Veran-
staltungen ist.
Ähnliche bauliche Strukturen wie das Villenviertel
weist der Ortsteil Rüngsdorf auf (6.990 Einwohner).
Die Dachterrasse des dort gelegenen RheinhotelsSeite 32 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 27
Dreesen ist ein beliebtes Ausflugsziel, das Hotel hat
außerdem einen geschichtsträchtigen Hintergrund.
Anziehungspunkt für die lokale Bevölkerung ist auch
das Freibad „Rüngsi“. Von Rüngsdorf gelangen Au-
tos wie Fußgänger mittels einer Fähre über den
Rhein nach Königswinter.
Als Reaktion auf den Wohnungsbedarf wurde der
Ortsteil Pennenfeld erweitert (ca. 3.280 Einwoh-
ner). Es entstand unter anderem eine heute denk-
malgeschützte HICOG-Siedlung. Pennenfeld verfügt
über eine hohe Dichte an Schulen sowie einen
Sportpark mit Stadion und Turnhalle.
Der Ortskern Muffendorfs besticht durch seine
vielen Fachwerkhäuser. In diesem Ortsteil leben
3.680 Einwohner.
Der Ortsteil Heiderhof hat ca. 5.050 Einwohner und
entstand, als nach der Ernennung Bonns zum Regie-
rungssitz eine große Nachfrage nach Wohnungen
einsetzte. Er ist von Hoch- und Reihenhäusern ge-
prägt und verfügt über ein eigenes Einkaufszent-
rum.
Der Ortsteil Lannesdorf (6.835 Bewohnern) wird
zum einen durch ein Gewerbegebiet geprägt, zum
anderen werden große Teile noch immer landwirt-
schaftlich genutzt. Viele enge Gassen wahren das
historische Erscheinungsbild des Ortskerns.
Mehlem (8.920 Einwohner) wird durch die Bahn-
strecke und Bundesstraße in zwei Teile geteilt. Auf
der Rheinseite befindet sich die Parkanlage Rosen-
garten, von dort fährt eine Fähre über den Rhein
zum Ausflugsziel Drachenfels.
Bad Godesberger Teilräume
Der Ausbau zum Badeort in den 1790er-Jahren
teilte Godesberg erstmals in zwei Teile: in Alt-
Godesberg mit seiner dörflichen Struktur und in das
Kurviertel mit seinen herrschaftlichen Bauwerken.
Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Ende des 19. Jahr-
hunderts wird die nun wesentlich größer geworde-
ne Stadt in ihrer ganzen Länge in zwei Teile geteilt.
Östlich lagen die bevorzugten Wohnlagen am Rhein,
wie z. B. das vornehme Villenviertel, Plittersdorf
und Rüngsdorf. Westlich der Bahnlinie lag das Bad
Godesberg der Alteingesessenen.
Auch heute noch lässt sich diese Differenzierung
Bad Godesbergs in mehrere Teilräume beobachten:
die gehobenen Wohnlagen östlich der Bahnlinie
und der B 9 am Rhein und eher dörflich geprägte
attraktive Wohngegenden in den Hanglagen (z. B.
Muffendorf, Schweinheim). Dazwischen liegt ein
dritter Teilraum, der in Teilen von der Lärmbelas-
tung durch Straßen und die Bahnstrecke sowie
durch gewerblich-industrielle Nutzungen geprägt
ist. Daraus resultieren insbesondere für diesen
Teilbereich von Bad Godesberg in Zukunft diverse
Herausforderungen.Seite 33 von 176

28 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
Abbildung 13: Ortsteile von Bad Godesberg
Quelle: Stadt Bonn, Darstellung: Stadt und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
3.4 Historische und städtebauliche Entwicklung
Godesberg wird 722 als ubische Kultstätte Wou-
densberg (Wotansberg) zum ersten Mal urkundlich
erwähnt. Bedeutung erlangt Godesberg 1210, als
der Kölner Kurfürst und Erzbischof Dietrich I. von
Hengebach am 15. Oktober den Grundstein für die
Godesburg legt.
Ende des 18. Jahrhunderts baut der Kurfürst Erzbi-
schof Max Franz Godesberg zum Badeort aus. Er
ließ 1790 den Godesberger Mineralbrunnen neu
fassen. Die heilende Wirkung des Godesberger
Wassers war vom Chemiker Ferdinand Wurzer um
1789 bescheinigt worden. Es handelte sich aller-
dings nicht um einen Badebetrieb nach heutigem
Verständnis, das Wasser wurde lediglich getrunken.
Max Franz baute zum einen die vorhandenen Heil-
quellen aus, zum anderen wurden die Brunnenallee
sowie Spazierwege zur Godesburg angelegt.
1792 wird das Ballhaus, die Redoute, fertiggestellt.
Zum architektonischen Ensemble der Redoute ge-
hören das „Haus an der Redoute“ (ehemaliges Hof-
theater), das „Redüttchen“ und die kurfürstlichen
Logierhäuser entlang der Kurfürstenallee. Zur Feier
der neuen Bebauung findet 1791 erstmals die
Godesberger Marktmesse statt, welche Auftaktver-
anstaltung für viele weitere war. Die Godesberger
Pfingstkirmes, die bis ins Jahr 2008 stattgefunden
hat, ist darauf zurückzuführen. In der Redoute wer-
den die (Bade)Gäste mit Theater, Bällen, Konzerten
und insbesondere Glücksspielen unterhalten. Thea-
teraufführungen finden ebenfalls im Haus der Re-
doute statt. In den Jahren 1791/92 werden sieben
Gästehäuser errichtet, die Max Franz durch kosten-
losen Baugrund für private Investoren förderte. An
die kurfürstlichen Bauten schließen sich private
Sommervillen vermögender Bürger mit großen
Gärten an. Teile der Gärten gehen später in Redou-
tenpark und Stadtpark über.Seite 34 von 176

Bundesstadt Bonn-Bad Godesberg – Leitbild und Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 29
Die Historie der Redoute zeichnet sich insbesondere
durch die Besuche einiger bekannter Persönlichkei-
ten aus. Im Jahr 1792 treffen sich Ludwig van
Beethoven und Joseph Haydn. Ein Jahr später findet
die deutsche Erstaufführung von Mozarts „Zauber-
flöte“ in der Redoute statt.
Zu dieser Zeit ist Godesberg erstmals in zwei Teile
geteilt, Alt-Godesberg mit seiner dörflichen Struktur
und das Kurviertel mit seinen herrschaftlichen Bau-
werken. Der Besuch vieler wohlhabender Gäste, die
in Godesberg Glücksspielstätten aufsuchen, bringt
einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung für die
Dorfbewohner mit sich. Die Einwohner Godesbergs
verkaufen zum Beispiel landwirtschaftliche Produk-
te an die Touristen.
Im Jahr 1794 fallen Napoleons Truppen in das
Rheinland ein und beenden in Godesberg die Herr-
schaft des Fürsten Max Franz. Die kurfürstlichen
Anlagen werden nicht mehr gepflegt, und es folgt
ein einschneidender Rückgang des Tourismus. Die
Redoute und das darin stattfindende Glücksspiel
bleiben als einziges bestehen. Zu diesem Zeitpunkt
zählt Godesberg 830 Einwohner und 148 Häuser
und kehrt wieder zu landwirtschaftlich geprägter
Struktur zurück. Bis zum Jahr 1814 gehört Godes-
berg offiziell zu Frankreich.
Der Spielbankbetrieb in der Redoute bleibt bis 1818
im Betrieb. Der Glücksspielbetrieb und die geschaf-
fene Infrastruktur durch Max Franz sind Grund
dafür, dass sich wohlhabende Bürger (z. B. aus Köln
oder Elberfeld) in Godesberg einen Zweitwohnsitz
einrichten. Rund um die Redoute wird somit das
erste Godesberger Villenviertel (an der heutigen
Straße Am Kurpark, Kurfürstenallee) geschaffen.
Mit der Verlängerung der Köln-Bonner Eisenbahn-
strecke 1856 wird die Stadt endgültig zum Sommer-
und Alterssitz wohlhabender Bürger, was zu einem
deutlichen Wachstum führt.
1856 entsteht eine Bahnstation in Mehlem, da es
von hier eine Fährverbindung ins Siebengebirge
gibt. Der Einfluss der Eigentümer der neuen Godes-
berger Villen sorgt dafür, dass auch ein Halt in Alt-
Godesberg eingerichtet wird. Infolge der verbesser-
ten Anbindung wird Godesberg Sommer- und Ruhe-
sitz für Industriebarone und Pensionäre. Dadurch
bedingt entsteht das Villenviertel (Rheinallee, Plit-
tersdorfer Straße, Rüngsdorfer Straße) ab dem Jahr
1900 auf Grundlage von Plänen von Josef Stübben.
Schon damals teilt die Bahnlinie Godesberg in zwei
Teile: östlich das vornehme Villenviertel mit Plit-
tersdorf und Rüngsdorf und westlich der Bahnlinie
das Bad Godesberg der Alteingesessenen.
1860 werden mehrere Wasserheilanstalten in
Godesberg errichtet, was für erneuten Aufschwung
sorgte. Insgesamt fünf Sanatorien etablieren sich in
Godesberg, u. a. im heutigen Rathaus und im Kur-
fürstenbad, die teilweise bis 1935 in Betrieb blei-
ben.
Die Orte Plittersdorf und Rüngsdorf werden im Jahr
1899 in Godesberg eingemeindet, 1904 folgen
Friesdorf und 1915 Muffendorf.
In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, erlebt
Godesberg einen wirtschaftlichen Einbruch. Der
Tourismus bleibt jedoch die wichtigste Einnahme-
quelle, zeitweise wird sogar eine Kurtaxe verhängt.
Anziehungspunkt für Touristen ist nicht nur das
Kurviertel, sondern auch das Rheinufer mit seiner
Anbindung an das Siebengebirge sowie die Be-
kanntheit Godesbergs als Gesundheitsstandort. Seit
Oktober 1926 erhält Godesberg den urkundlich
geführten Titel „Bad“. Kommen 1925 nur rund 756
Gäste nach Godesberg, so sind es 1930 bereits
17.300 Gäste.
1935 erlangt Bad Godesberg dank der Eingemein-
dung der Orte Lannesdorf und Mehlem Stadtrecht.
Nach der Ernennung Bonns zum Regierungssitz im
Jahr 1946 dient Bad Godesberg als Diplomatenstadt
und gewinnt erneut an Bedeutung. Bad Godesberg
ist in dieser Zeit der Wohnort von Botschaftern und
Politikern. Grund dafür sind in erster Linie die un-
mittelbare Nähe zum Regierungsviertel, die intakte
historische Bausubstanz und ein ausreichendes
Platzangebot.
1952 wird das Theater „Haus der Kammerspiele“
errichtet, es ist der erste Theaterbau der Bundesre-
publik. Der Trinkpavillon im Kurpark wird 1970
errichtet, hier kann man zwischen März und Okto-
ber ein Glas Heilwasser erwerben. Die Einnahmen
durch den Wasserverkauf decken allerdings nicht
die Unterhaltskosten des Trinkpavillons. DeswegenSeite 35 von 176

30 Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH
ist der Pavillon seit 1996 nicht mehr im Besitz der
Stadt, sondern im Besitz der Gastronomen der
Stadthalle.
Die Bad Godesberger Stadthalle wird 1959 zum
Tagungsort der SPD. Hier entwickelt sie das soge-
nannte Godesberger Programm und legt damit den
Wandel zur Volkspartei fest.
Im Jahre 1969 beschließt der Landtag des Landes
Nordrhein-Westfalen das „Gesetz zur kommunalen
Neugliederung des Raums Bonn“. Infolgedessen
wird Bad Godesberg in die Stadt Bonn eingemein-
det. Diese Entscheidung wird gegen den Willen der
Bad Godesberger getroffen. Einige Bad Godesberger
gründen ein Aktionsbündnis, das sich offen mit
Aussagen wie „Bonn, mir graut vor dir“ gegen die
Eingemeindung ausspricht. Auch heute noch be-
zeichnen sich viele Bad Godesberger Bürger als
„Godesberger“ und nicht als „Bonner“.
Durch den Umzug der Regierung 1999 nach Berlin
und dem Wegzug der Bundesbediensteten findet
auch ein Wandel innerhalb der Bevölkerungsstruk-
tur statt.
3.5 Die Kurfürstliche Zeile
Die kurfürstliche Zeile wurde für Kurfürst Max Franz
errichtet, später für reiche Sommerfrischler des 19.
Jahrhundert erweitert und gilt als Vorzeigeadresse
der Badestadt. Die Kurfürstenallee steht heute noch
fast genauso da, wie sie im 19. Jahrhundert errich-
tet wurde. Sie reicht von der Redoute mit der Haus-
nummer 1 bis zur Villa mit der Nummer 10. Das alte
Rathaus von Bad Godesberg nutzte ab 1936 den
Gebäudekomplex der ehemaligen „Kur- und Was-
serheilanstalt“. Sie war aus den ehemaligen Logier-
häusern für Kurgäste und dem Haus des kurfürstli-
chen Musikdirektors Franz Anton Ries 1895 ent-
standen.
Wichtige städtische Einrichtungen in der Kurfürstli-
chen Zeile sind heute die Redoute, das Haus der
Redoute (früher Theater, heute Ausstellungsfläche),
das Rathaus, das Kurfürstenbad und die Musikschu-
le.
Seit der zweiten Jahreshälfte 2015 befinden sich
Teile der Bürgerdienste nicht mehr im Bad Godes-
berger Rathaus in der Kurfürstlichen Zeile, sondern
im Bonner Stadthaus. Außerdem wurde das Kur-
fürstenbad aufgrund gravierender Mängel an der
Elektrotechnik, Lüftung und Heizung gemäß dem
Beschluss des Bonner Rats vom 22. September 2016
geschlossen. Auch die Musikschule muss saniert
werden. Rund 400.000 Euro wird die Brandschutz-
sanierung kosten.
Die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ setzt
sich seit 2015 für Erhalt und Sanierung des
Schwimmbads ein. Allerdings votiert in einem Bür-
gerentscheid im April 2017, an dem alle Bürger
Bonns wahlberechtigt sind, die Mehrheit dafür, dass
das Kurfürstenbad nicht saniert werden soll. Für die
Schließung stimmen hautsächlich Bürgerinnen und
Bürger anderer Stadtteile. Die meisten Godesberger
dagegen sprechen sich für den Erhalt des Bads aus.
In Bonn-Dottendorf sollte stattdessen das sog. Was-
serlandbad entstehen. Hierzu fand im August 2018
ein zweiter Bürgerentscheid statt. Eine Mehrheit
der Bonner Bürgerinnen und Bürger, die an dieser
Befragung teilnahmen, sprach sich allerdings gegen
die Errichtung des Wasserlandbads in Dottendorf
aus. Die Stadtverwaltung hat daraufhin entschie-
den, für die Bundesstadt Bonn im Verlauf des Jahres
2019 ein gesamtstäd

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 02.11.2026, 21:28 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de