190315 · Beschlussvorlage
Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61)
Kerndaten
- Nummer
- 190315
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 29.10.2019
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Anhörung
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Anhörung
- Sitzung des Hauptausschusses anstelle des Rates nach § 60 Abs. 1 Satz 2 GO NRW Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 190315 Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61) Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 05.11.2019 Anhörung Bezirksvertretung Bad Godesberg 06.11.2019 Anhörung Rat 07.11.2019 Entscheidung Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 28.11.2019 Empfehlung Beschlussvorschlag Beschlussvorschlag (vorbehaltlich der Empfehlung des Umweltausschusses) 1. Die Rahmenplanung Bundesviertel wird als städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen, das bei der Aufstellung oder Änderung von Bauleitplänen gemäß § 1 Abs. 6, Nr. 11 Baugesetzbuch (BauGB) mit seinen Zielen und Vorgaben zu berücksichtigen ist. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, jährlich über die Entwicklung des Bundesviertels im Sinne einer Evaluation der Rahmenplanung zu berichten. Begründung Beratungsfolge Sitzung Ergebnis Unterausschuss für Denkmalschutz 18.09.2019 einstimmig 9 Bezirksvertretung Bonn 01.10.2019 1. Lesung 9 Ausschuss für Wirtschaft und Arbeitsförderung 02.10.2019 Mehrheit gegen Linke bei Enth. BBB mit Protokollerklärung Stv. Beu, sh. 1912597EB3 2 Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz 30.10.2019 2 Der Rat der Stadt Bonn hat die Verwaltung beauftragt, für das ehemalige Regierungsviertel – heutige Bundesviertel – eine Rahmenplanung aufzustellen (DS-Nr.: 1613311). Darüber hinaus hat der Hauptausschuss beschlossen, dass die Verwaltung eine städtebauliche Planung erarbeitet, die Bereiche aufzeigt, wo prioritär größere Ansiedlungen von Büroarbeitsplätzen inklusive Gebäude mit mehr als 8 Geschossen städtebaulich vertretbar sind (DS-Nr.: 1613819). Der Rat hat mit Beschluss vom 28.09.2017 seinen Auftrag noch einmal konkretisiert und den Untersuchungsbereich (Bundesviertel: Bereich zwischen dem Rhein im Osten und der linksrheinischen DB- Federführung: Bezirksverwaltungsstelle Bonn Dezernat: Dez. ISeite 1 von 130 Seite 2 Strecke im Westen sowie zwischen der zweiten Fährgasse/ B 9 im Norden und der Kennedyallee im Süden) um die Flächen des sog. „Miesen-Gelände“ und „In der Raste“ ergänzt (DS-Nr.: 1712438EB6). Mit gleichem Beschluss wurden Leitlinien, die bei der künftigen Entwicklung des Bundesviertel zu berücksichtigen sind, formuliert. Darüber hinaus wurde vom Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz beschlossen, dass bei der Erstellung der Rahmenplanung auch die Verkehrssituation für alle Verkehrsarten berücksichtigt wird (DS-Nr. 1713685EB2, Ziffer 3). Aus diesem Grunde wurde das Ingenieurbüro VSU beauftragt, das Wettbewerbsverfahren zu begleiten und die teilnehmenden Büros bei den verkehrsplanerischen Aspekten zu beraten. Zudem sollen die verkehrlichen Auswirkungen der Rahmenplanung durch das Büro mit Hilfe einer Verkehrsmodellrechnung prognostiziert und bewertet werden. Im Rahmen einer dreitägigen Planungswerkstatt mit vier ausgewählten Planungsbüros wurde durch eine Fachjury unter Beteiligung von Vertretern aus Politik und Verwaltung der Entwurf des Büros Cityförster, Hannover als Grundlage für die Erarbeitung der Rahmenplanung Bundesviertel ausgewählt. Das Ergebnis der Planungswerkstatt wurde im Städtebau- und Gestaltungsbeirat und gemäß Beschluss des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz (DS-Nr.: 1713685NV6) am 11.10.2018 der Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion gestellt. Zusätzlich hat die Verwaltung entsprechend Beschlussfassung die großen Arbeitgeber im Bundesviertel sowie Vertreter der Wirtschaftsverbände in einer gesonderten Informationsveranstaltung über die Planung unterrichtet und mit ihnen die neuen Zielsetzungen erörtert. Aufbauend auf dem Ergebnis der Planungswerkstatt hat das Büro Cityförster auch unter Berücksichtigung der Äußerungen aus den verschiedenen Beteiligungsveranstaltungen seine programmatischen Ansätze noch einmal im Detail überprüft, ergänzt, mit der Örtlichkeit abgeglichen und hinsichtlich aktueller Entwicklungen überarbeitet. Im Ergebnis liegt nun ein Entwicklungskonzept für das Bundesviertel vor, welches in einem Struktur-, Nutzungs-, Hochhaus- und Mobilitätskonzept die Leitlinien für die künftige Entwicklung definiert. In einem abschließenden Umsetzungskonzept sind Schlüsselprojekte als Impuls gebend benannt und für eine zeitnahe Umsetzung empfohlen und für ausgewählte Bereiche bereits detaillierter ausgearbeitet.Seite 2 von 130 Seite 3 Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen zum Klimawandel wird auch der Beitrag der Rahmenplanung zu diesem Thema für die unterschiedlichen Handlungsfelder resümierend aufgezeigt. Das Strukturkonzept Im Strukturkonzept sind die Bereiche definiert, die Identität stiftend für das Bundesviertel sind, wie der UN Campus, der Park mit Palais Schaumburg, Kanzlerbungalow und Villa Hammerschmidt, die Wohnquartiere Johanniterviertel und Berliner Ringviertel sowie die Museen an der B 9. Diese „Fundamente“ des Bundesviertels, zu denen auch die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und der Rheinauenpark gehören, gilt es für die Zukunft zu bewahren und zu stärken. Demgegenüber stehen die Flächen, die untergenutzt, in die Jahre gekommen oder noch nicht einer Entwicklung zugeführt sind. Das künftige Handeln soll dort durch die beiden strategischen Ausrichtungen „Verdichten“ und „Freiräumen“ geleitet sein. „Verdichten“ zielt auf eine Aktivierung und Stärkung untergenutzter Orte, der Formung städtebaulicher Ränder und der Stärkung der zentralen Bereiche zwischen Magistrale (B 9) und Meile (Bahnparallele) dem sogenannten „Rücken“ ab. „Freiräumen“ bedeutet in diesem Zusammenhang den Ausbau, die Attraktivierung und Vernetzung der Nord-Süd und Ost-West-Verbindungen durch Grünräume, Alleen und Boulevards. Dabei gilt es, eine weitere bauliche Verdichtung mit dem Erhalt, der Ergänzung und dem qualitätsvollen Ausbau von Freiflächen zu verbinden. Das Nutzungskonzept Mit rd. 45.000 Beschäftigten und knapp 4.000 Einwohnern ist das Bundesviertel klar auf Arbeiten ausgerichtet und von einer hohen Branchenhomogenität geprägt. Seine Funktion als Arbeitsplatzzentrum und wichtiger Büromarkt der Stadt Bonn soll erhalten bleiben. Künftige Entwicklungen sollen strategisch von einem „Mischen“, „Pulsieren“ und „Öffnen“ geleitet sein. Das Bundesviertel bleibt der zentrale Bürostandort für Bonn und soll als solcher weiterentwickelt werden, gleichzeitig gilt es anstehende bauliche Veränderungen auf eine deutlichere Mischung der Nutzungen, eine Öffnung der Erdgeschosszonen und eine Verbesserung der Durchwegungen abzustellen, um das Bundesviertel langfristig urbaner und lebendiger zu gestalten. Dabei zielt die strategische Neuausrichtung nicht nur auf ein Mehr an Wohnen ab, sondern auch auf durchmischte Wohnformen, die Ansiedlung von Infrastruktureinrichtungen sowie auf eine deutlichere Mischung der Branchenzusammensetzung. Gleichzeitig werden sogenannte „Mitten“ definiert, an denen sich das Thema Belebung und Mischung bündelt und die für die verschiedenen Quartiere die Funktion von zentralen Orten einnehmen sollen. Diese Mitten sind strategisch gesetzt und durch einen Hochpunkt der niedrigsten Kategorie (40 m, s. a. Hochhauskonzept) markiert und betont. Das MobilitätskonzeptSeite 3 von 130 Seite 4 Der Bürostandort Bundesviertel ist nicht nur der zentrale Arbeitsplatzschwerpunkt der Stadt Bonn, sondern strahlt weit auf die Region aus mit der Folge, dass in den Spitzenzeiten sowohl die Hautverkehrsstraßen als auch der ÖV, d.h. Busse und Bahnen, im Plangebiet stark ausgelastet bzw. in Teilbereichen bereits überlastet sind. Eine weitere bauliche Verdichtung, die die Rahmenplanung aufzeigt, würde daher die Verkehrssituation bei gleichbleibendem Mobilitätsverhalten weiter verschärfen. Das bestätigen auch die ersten Prognoseberechnungen des Büros VSU. Neben den Verkehrszuwächsen auf der B9, Heussallee, Franz-Josef- Strauß-Allee und dem bahnparallelen Straßenzug wären aber auch sensiblere Straßen in Kessenich/Dottendorf sowie in Bad Godesberg (Friesdorf, Hochkreuz) betroffen. Daher ist die sukzessive Umsetzung der Rahmenplanung nur im Zusammenhang mit Maßnahmen zu sehen, die insgesamt zu einer wesentlichen Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs führen. Dies sind insbesondere Maßnahmen zum Ausbau des SPNV/ÖPNV-Angebotes, der Radinfrastruktur, des Car-Sharing-Angebotes sowie weiterer neuer innovativer Mobilitätsformen. Aber auch Ansätze, wie etwa eine Stellplatzsatzung in Kombination mit einer ausgedehnten Parkraumbewirtschaftung, sind in diesem Zusammenhang unverzichtbar. Das Büro City-Förster setzt bei seinem erarbeiteten Mobilitätskonzept bereits früher an. Die Rahmenplanung zeigt dies durch den programmatischen Ansatz des „Umsteigens“ auf. Diese Strategie zielt auf ein insgesamt verändertes Mobilitätsverhalten ab - hin zum Umweltverbund (ÖV, Fahrrad, Fußgängerverkehr oder andere alternative Verkehrsmittel). Diese „Umstiegskultur“ ist ein Prozess, der letztendlich mit einer Bewusstseinsänderung jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers einhergehen muss. Dieser Prozess soll in den nächsten Jahren insbesondere durch das betriebliche Mobilitätsmanagement unterstützt werden. Zur Förderung des Umstiegs vom Auto auf den Umweltverbund werden neben den oben genannten Maßnahmen auch sogenannte „Hubs“ im Konzept vorgeschlagen. Dabei wird der Blick von der Region auf die Gesamtstadt bis zu den einzelnen Quartieren im Bundesviertel gelenkt. An Bahnhöfen und Haltepunkten von Eisenbahn und Stadtbahn sollen durch die Einrichtung sogenannter „Regio-Hubs“ Pendler mit dem Kfz bereits an der Stadtgrenze abgefangen werden. Im Stadtgebiet soll ein Umsteigen innerhalb des Umweltverbundes durch konzentrierte Angebote an zentralen Knotenpunkten, sogenannten „City-Hubs“, gefördert werden. Im Bundesviertel sollen darüber hinaus an dezentralen Mobilstationen Angebote zur Verteilung im Nahbereich zur Verfügung gestellt werden. Das HochhauskonzeptSeite 4 von 130 Seite 5 Im Hochhauskonzept sind Standorte für mögliche neue Hochpunkte bestimmt. Dabei wird zwischen drei Kategorien mit unterschiedlichen Höhenentwicklungen unterschieden. Die Positionierung der Hochpunkte folgt klaren Regeln. Hochpunkte liegen an den zentralen Verkehrsachsen, betonen die Eingänge ins Bundesviertel, liegen in fußräumlicher Entfernung zu Haltestellen des schienengebundenen Nahverkehrs und/ oder betonen die neuen „Mitten“. Bei der Definition der Standorte wird zwischen drei Höhenkategorien entsprechend der jeweiligen räumlichen Lage unterschieden. Die höchsten Hochpunkte (Höhe max. 100 – 120 m) sind auf die beiden markanten Eingangsbereiche im Osten und Westen beschränkt. Hochpunkte der zweiten Kategorie (Höhe 60 – 80 m) betonen die Magistrale (B 9) als Haupterschließungsachse und markieren das nördliche und südliche Eingangstor. Die Hochpunkte der dritten Kategorie (Höhe 40 m) sind jeweils den neuen „Mitten“ zugeordnet um diese im stadträumlichen Gefüge zu markieren und zu betonen. Die Stadtbildprägende Wirkung der Hochpunkte wurde durch Sichtfeldstudien überprüft. Für die Ausgestaltung der Hochpunkte sind Leitlinien definiert. Das Umsetzungskonzept Das abschließende Umsetzungskonzept setzt auf die Strategien des „Priorisieren“ und „Verpflichten“. Hierzu werden Schlüsselprojekte benannt, d. h. Projekte, die strukturell, programmatisch und verkehrlich erheblich zur Erreichung der Entwicklungsziele (urbaner Mix, Branchenmix, Verkehrswende, Vernetzung) beitragen und daher prioritär, weil wegweisend, umgesetzt werden sollten. Zudem benennt das Umsetzungskonzept Impulsprojekte, die relativ leicht umsetzbar sind. Das Umsetzungskonzept definiert aber auch Selbst- Verpflichtungen für die Prozess- und Objektqualität. Nur ein vorgegebener Handlungsrahmen mit Leitlinien, der mindestens für alle Schlüsselprojekte sowie die größeren Projekte verpflichtend ist, kann den Weg zu einem, in seiner Funktionsfähigkeit und seiner Urbanität gestärkten und damit zukunftsfähigen Bundesviertel, vorbereiten. Neben diesen städtebaulichen Entwicklungsschritten muss parallel die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, die Kapazitäten im ÖV wesentlich erhöht werden und die weiteren Elemente des Mobilitätskonzeptes umgesetzt werden. Dies haben die ersten Bewertungen des Ingenieurbüros VSU gezeigt. Ansonsten wäre die Verkehrserschließung des Bundesviertels nicht mehr uneingeschränkt gegeben. In diesem Zusammenhang wird es in einer der nächsten Sitzungen eine gesonderte Vorlage zu den abschließenden Ergebnissen der Untersuchung desSeite 5 von 130 Seite 6 Büros geben. Darauf aufbauend muss dann ein konkretes Maßnahmenkonzept erarbeitet werden. Die einzelnen Konzepte mit den dazu gehörigen Zielen und Strategien vom Büro City-Förster sind ausführlich in den beigefügten Unterlagen dargestellt und erläutert. Die vom Rat am 28.09.2017 beschlossenen Leitlinien für die künftige Entwicklung des Bundesviertel wurden in der Planungswerkstatt mit allen Beteiligten intensiv diskutiert und vor dem Hintergrund der erarbeiteten Zielsetzungen und Handlungsstrategien durch die Rahmenplanung weiterentwickelt. Zusammenfassend skizziert die Rahmenplanung im Sinne einer mehrfachen Innenentwicklung wie das Bundesviertel baulich-freiräumlich, programmatisch und verkehrlich verdichtet, diversifiziert und qualifiziert werden kann und ist damit mehr als ein Plan, sondern ein städtebauliches Entwicklungskonzept im Sinne des § 1 (6), Nr. 11 BauGB. Dieses ist bei der Aufstellung oder Änderung von Bauleitplänen zu berücksichtigen. Im Übrigen wirkt die Verwaltung bei konkreten Bauvorhaben im Rahmen von Bauberatungen auf eine Berücksichtigung der Rahmenplanung hin. Mit der Umsetzung der Rahmenplanung wird den Wechselwirkungen der verschiedenen Projekte im Bundesviertel Rechnung getragen und die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Entwicklungspotentiale dieses besonderen Standortes umfassend und zugleich auf stadtverträgliche Weise ausgeschöpft werden können. Die Rahmenplanung kann ihre Wirkung als Leitlinie einer ausgewogenen Entwicklung allerdings nur entfalten, wenn sie vom Rat als Träger der Planungshoheit als Maßstab seiner städtebaulichen Entscheidungen künftig aufrechterhalten wird. Regelmäßige Berichterstattung über die Umsetzung der Rahmenplanung und über die Entwicklung des Bundesviertels im Rahmen der Leitlinien wird Verwaltung und Politik bei der Wahrung der Kontinuität unterstützen. Aus heutiger Sicht weist die Rahmenplanung die nötige Robustheit auf, die Entwicklung langfristig zu leiten und zu steuern. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich heute geltende rahmensetzende Bedingungen im Laufe der Zeit ändern. Die regelmäßige Berichterstattung wird dies frühzeitig aufzeigen und gegebenenfalls ein Nachsteuern in einem geordneten Prozess ermöglichen. Anlage/n 1 Rahmenplanung (öffentlich) 2 1912597EB3 (öffentlich)Seite 6 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 1 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn Bericht, Juli 2019 Cityförster architecture + urbanism TEXTTEILSeite 7 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 2 Inhalt 1. Präambel a. Aufbau der Arbeit b. Planungsgrundlagen 2. Talente + Herausforderungen 3. Ziele + Leitbild der Rahmenplanung a. Entwicklungsziele b. Leitbild 4. Entwicklungskonzepte + -strategien a. Strukturkonzept i. Verdichten ii. Freiräumen iii. Dichtemodell b. Nutzungskonzept i. Mischen ii. Nutzungsmodell iii. Pulsieren iv. Öffnen c. Hochhauskonzept i. Gesamtstädtische Einbindung ii. Ankommen + Ausstrahlen iii. Leitlinien Gestalt und Programm iv. Sichtfeld- und Schattenstudien d. Mobilitätskonzept i. Umsteigen. Stadt + Region ii. Umsteigen. Nahmobilität iii. Umsteigen. Langsamverkehr e. Umsetzungskonzept i. Priorisieren. Schlüsselprojekte ii. Priorisieren. Städtische Projekte iii. Priorisieren. Impulsprojekte iv. Priorisieren. Pionierprojekte v. VerpflichtenSeite 8 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 3 5. Rahmenplan M 1:2.000 a. Gesamtplan b. Bereiche Nord (inkl. Schemaschnitte) c. Bereich Mitte (inkl. Schemaschnitte) d. Bereich Süd (inkl. Schemaschnitte) e. Kennwerte 6. Vertiefungsbereiche a. StadtHUB UN Campus b. Labor c. Busdepot d. Grünbrücke e. Community Space 7. Resümee. Beitrag zum KlimaschutzSeite 9 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 4 1. Präambel Das Bundesviertel blickt auf einen erfolgreichen Strukturwandel seit den 1990er Jahren zurück. Nach dem Bonn-Berlin-Beschluss 1991 und der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes von Bonn nach Berlin (1999), hat sich das Bundesviertel zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort und Sitz der Vereinten Nationen gewandelt. Heute steht das Bundesviertel vor neuen Herausforderung, um als Standort für Unternehmen, Politik, internationale Institutionen und Kongresse und gleichzeitig als ein „Stück Stadt“ attraktiv zu bleiben und zu werden. Das Ziel der Rahmenplanung für das Bundesviertel ist es, einen integrierten Ansatz zur zukünftigen Entwicklung aufzuzeigen. Denn die Herausforderungen sind komplex: Es besteht eine Nachfrage nach geeigneten Flächen zur Bebauung: Der Wirtschaftsstandort „will wachsen“1; gleichzeitig gibt es einen Bedarf nach (bezahlbarem) Wohnraum. Eine bauliche Verdichtung kann nur gelingen, wenn zugleich das Mobilitätsangebot erweitert und verändert wird: Es gilt, ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten zu fördern. Im Hinblick auf stadtklimatische, ökologische und stadtgestalterische Belange sollen die Freiräume im Bundesviertel gestärkt und aufgewertet werden. Nicht zuletzt hängt eine erfolgreiche Entwicklung des Bundesviertel für die Unternehmer- und Bürgerschaft davon ab, die urbanen Qualitäten des Standortes zu stärken: Es sollen mehr Menschen im Bundesviertel wohnen können. Der programmatische Mix soll erhöht werden; Gastronomie, Handel, Nahversorgung, Freizeitangebote etc. sollen mehr Raum bekommen. Eine erhöhte bauliche Dichte schafft so Mehrwerte - auch für die, die schon das sind. Für einen robusten, da vielfältigen Branchenmix im Bundesviertel sollen neben dem Dienstleistungssektor auch die Kultur- und Kreativwirtschaft, die Wissensökonomie mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen und „urbane Produktion“ verortet werden. 1 IRI. Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 11, 14f, 38f, 70f Zusammenfassend skizziert die Rahmenplanung im Sinn einer mehrfachen Innenentwicklung, wie das Bundesviertel baulich- freiräumlich, programmatisch und verkehrlich verdichtet, diversifiziert und qualifiziert werden kann. a. „Mehr als ein Rahmenplan, eine Rahmenplanung“ | Aufbau der Arbeit Die Rahmenplanung ist als strategische Planung konzipiert und baut auf verschiedene Formate auf wie Leitbild, Entwicklungskonzepte und –strategien, Rahmenplan im Maßstab 1:2.000, Planschemata, Schemaschnitte und Modelle. Im ersten Teil der Arbeit werden Talente und Herausforderungen des Bundesviertels zusammengefasst, um darauf aufbauend die Ziele und ein Leitbild der zukünftigen Entwicklung herauszustellen. Im Hauptteil der Arbeit werden fünf, miteinander in Bezug stehende Entwicklungskonzepte zu den Themen „Struktur, Nutzung, Mobilität, Hochhaus, Umsetzung“ beschrieben. Die Konzepte zeigen Setzungen und Spielräume der Entwicklung auf: Als Strategien bezeichnete Imperative („verdichten, freiräumen, mischen, umsteigen“ etc.) formulieren Leitlinien zur Erreichung der Entwicklungsziele, die in (Plan-)Diagrammen räumlich-strukturell dargestellt werden. Der Rahmenplan im Maßstab 1:2.000 entwirft beispielhaft, wie die Entwicklungskonzepte und -strategien integrativ zusammenwirken und ist als ein Szenario der zukünftigen Entwicklung zu verstehen. Im letzten Teil der Arbeit werden ausgewählte Bereiche („Schlüsselprojekte“) im Bundesviertel vertiefend ausgearbeitet und in Schemaschnitten, -plänen und einem Steckbrief illustriert. b. PlanungsgrundlagenSeite 10 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 5 Die Rahmenplanung baut auf vorhandene Planungen auf und integriert Vorgaben und Vorhaben für das Bundesviertel aus folgenden Fachplanungen und Gutachten: - Integriertes Freiraumsystem der Stadt Bonn 2012 (IFS) - Zielkonzept Radschnellrouten und Mobilstationen - Viergleisiger Ausbau der linksrheinischen Bahntrasse - Machbarkeitsstudie Niveaufreie Bahnquerung Dottendorfer Straße (Unterführung, Kreisverkehr mit zwei Brücken) - Studien Verlauf Seilbahn - Laufende Planungsprojekte (z.B. Neubau DHL Campus Baunscheidstraße, BSI-Komplex Ludwig-Erhard-Allee)Seite 11 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 6 2. Talente + Herausforderungen Das Bundesviertel ist gleichermaßen durch die Zeit als Regierungssitz und durch den Strukturwandel in den 1990/2000er Jahren geprägt. Es hat eine starke Identität als Sitz der Vereinten Nationen, als Wirtschafts-, Kongress- und Regierungsstandort. Regional bedeutsam sind zudem die Institutionen der Museumsmeile. Gleichzeitig spielt das Bundesviertel im Alltag der Bonner Bevölkerung eine nur untergeordnete Rolle - die Einwohnerzahl liegt stark unter Durchschnitt. Das Johanniterviertel und das Berliner Ringviertel bilden Wohnenklaven in der „Bürobaulandschaft“ des Bundesviertels. Zum Vergleich: Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 4.000, die Beschäftigtenanzahl bei ca. 45.000.2 Als gefragter „B+-Standort“ auf dem deutschen Büromarkt entwickelt sich das Bundesviertel dynamisch.3 Die Flächennachfrage ist hoch.4 Die Rahmenplanung soll aufzeigen, wie und in welchen Lagen das Bundesviertel quantitativ, aber auch qualitativ wachsen kann. Vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz stellt sich zudem die Frage, wie in dem durch den Dienstleistungssektor geprägten Standort5 ein robuster Branchenmix gefördert werden kann, also weitere Wirtschaftszweige wie Kultur- und Kreativszene, Wissensökonomie oder auch wissens- und kreativwirtschaftsaffine Produktion angesiedelt werden können. Die Ansprüche der Beschäftigten, insbesondere der WissensarbeiterInnen, an das Arbeitsumfeld werden höher. Als zukunftsfähiger Standort muss sich das Bundesviertel vom Bürostandort zur Arbeitslandschaft wandeln („Work-Life-Blending“): Dazu gehören das Ausbalancieren eines „urbanen“ Nutzungsmix von 2 Bundesstadt Bonn, Statistikstelle, Bevölkerungsstatistik, Stichtag 31.12.2018, 16 https://www2.bonn.de/statistik/dl/ews/Bev%C3%B6lkerungsstatistik_2018.pdf; Stadt Bonn / Amt für Wirtschaftsforderung, Liegenschaften und Tourismus (Hg.), Jahreswirtschaftsbericht 2018, 50, https://www.bonn.de/medien-global/amt-03/Jahreswirtschaftsbericht_2018_.pdf 3 Vgl. IRI. Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 11, 14f, 38f, 70f Wohnen, Arbeiten, Freizeit, ein attraktiver Wohnungsmarkt, eine hohe Architekturqualität, aber auch das Gestalten von hochwertigen, verteilten und vernetzten Freiräume für Pausenzeiten und für informelles Arbeiten, sowie eine leistungsstarke Verkehrsinfrastruktur, die eine schnelle Erreichbarkeit des Bundesviertels und eine gute interne Vernetzung garantiert. Die infrastrukturelle Anbindung des Bundesviertels per MIV (A562, B9), ÖPNV (DB, Stadtbahn, Bus) und Rad (Radschnellwege in Teilbereichen) ist überregional, regional und stadtweit zunächst gut angelegt, stößt jedoch bereits heute an Kapazitätsgrenzen. Wachstum und Mobilität müssen gleichermaßen entwickelt werden. Eine weitere Herausforderung ergibt sich durch die Gleisanlagen und bahnparallele Straße, die das Bundesviertel von den westlich gelegenen Stadtteilen Kessenich, Dottendorf und Friesdorf trennen und damit auch den Zugang zu Rheinauenpark und Rhein für die BürgerInnen dieser Stadtteile erschweren. Die Lage an Rhein und Rheinauenpark ist für das Bundesviertel ein Standortvorteil, der zurzeit noch nicht voll ausgeschöpft wird. Die Hauptstraßen in Nord-Süd-Richtung (B9, bahnparallele Straße, Franz-J.-Strauß-/L.-Erhard-Allee) bilden Zäsuren in den fußläufigen und Rad-Verbindungen Richtung Rhein und Park. Größere öffentliche Plätze am Rhein sind nicht vorhanden. Die großen Grünräume des UN-Campus und des Bereiches um Kanzlerbungalow, Villa Hammerschmidt und Palais Schaumburg sind nicht betretbar („exterritorial“) und bilden somit eher weitere Barrieren zum Rhein aus. 4 Büroflächen-Neubaubedarf bis 2030 Bonn gesamt: ca. 467.000 m² / 27.500 m² pro Jahr (Stand 2014); Anteil Bundesviertel zurzeit 30%, entspricht ca. 140.000 m² bis 2030 / 8.200m² pro Jahr, vgl. ibid., 60 5 Branchenhomogenität: Anteil der Bonner Beschäftigten im Dienstleistungssektor 2017 (zum 30.06.2017): 91,9 %, https://www.bonn.de/service-bieten/aktuelles-zahlen-fakten/bonn-in-zahlen.php, 20.07.2019Seite 12 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 7 3. Ziele + Leitbild der Rahmenplanung a. Entwicklungsziele (vgl. Bildteil, S.2) Auf Grundlage der Talente und Herausforderungen werden folgende Entwicklungsziele für das Bundesviertel gesetzt: Das … … Bonndesviertel gehört zu Bonn. Es macht Angebote an die Bonner Bürgerschaft und ist räumlich an die westlich gelegenen Stadtteile angebunden. … Buntesviertel ist Stadt und Arbeitsplatz. Es ist urban gemischt, bietet bezahlbaren Wohn- und Arbeitsraum, zeichnet sich durch soziale und kulturelle, Sport-, Freizeit- und Versorgungsangebote sowie hochwertige Freiräume aus. Einpendler sind zu Einwohnern geworden. … Bund@sviertel ist offen für die Wissensökonomie. Es hat einen krisensicheren und innovationsförderlichen Branchenmix und bietet den Beschäftigten ein attraktives Arbeitsumfeld. … Bundes~~viertel liegt am Rhein. Die fußläufigen und Radverbindungen zum Rhein sind gut gestaltet. Es gibt neue öffentliche Plätze und Freizeitangebote am Rhein, die von den Einwohnern des Bundesviertel und der benachbarten Stadtteile gern genutzt werden. Der östliche Rand des Bundesviertels zum Rheinauenpark ist durch Wohngebäude neu gefasst worden. … Bundesooviertel steigt um und sattelt auf. Es ist Vorbild für die Verkehrswende: Rad- und Fußwege sind ausgebaut und der ÖPNV gestärkt. Bereits vor den Toren der Stadt steigen Pendler vom Auto auf die Schiene und Pendlerbusse um. Ohne das eigene Auto sind die Bonner und Einpendler schneller und entspannter geworden. … BundesviertelX verbindet verschiedene Welten. Es überwindet innere und äußere Ränder, rückt näher an die Stadt, rückt näher an Rhein und Rheinauenpark und schafft den Schulterschluss zwischen den verschiedenen Teilräumen.Seite 13 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 8 b. Leitbild (vgl. Bildteil, S.3) Das Leitbild illustriert wesentliche räumliche Elemente, die das Bundesviertel in Zukunft prägen sollen. Dazu gehören die drei nord- südlich verlaufenden Achsen „Meile, Magistrale und Allee“ (dunkelrot) als starke Adressen für die Wirtschaft. „Querachsen“ (gelb) in Ost- West-Richtung binden das Bundesviertel an die westlichen Stadtteile und – nach Osten – an Rhein und Rheinauenpark an. „Mitten“ (rote Kreise) bilden Anziehungspunkte für BürgerInnen und Beschäftigte gleichermaßen. Ein Park entlang der A562 bindet Rhein und Rheinauenpark in das großräumige Freiraumsystem ein und schlägt eine „grüne Brücke“ (grüner Pfeil) zu Südfriedhof und Venusberg bis zum Kottenforst. Ein Freiraumband in Nord-Süd-Richtung zwischen Magistrale und Meile, der „Community Park“ (grüne Punktlinie), stellt eine neue Fußgänger und Radfahrer freundliche Verbindung innerhalb des Bundesviertels dar.Seite 14 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 9 4. Entwicklungskonzepte + -strategien Die Rahmenplanung beruht im Wesentlichen auf fünf, miteinander in Bezug stehenden Entwicklungskonzepten zu den Themen „Struktur, Nutzung, Hochhaus, Mobilität, Umsetzung“, die im Folgenden beschrieben werden. Die Konzepte zeigen Setzungen und Spielräume der Entwicklung auf: Jedem Entwicklungskonzept sind Strategien zugeordnet, die Leitlinien zur Erreichung der Entwicklungsziele formulieren: Das Strukturkonzept beruht auf den Strategien des „Verdichtens und Freiräumens“, das Nutzungskonzept auf den Strategien des „Mischens, Pulsierens und Öffnens“, das Hochhauskonzept auf dem „Ankommen und Ausstrahlen“, das Mobilitätskonzept fordert das „Umsteigen“ und das Umsetzungskonzept wird durch „Priorisieren und Verpflichten“ getragen. Die Entwicklungskonzepte und -strategien werden als Plandiagramme dargestellt und teils durch weitere Formate wie Schemaschnitte vertiefend erläutert. a. Strukturkonzept (vgl. Bildteil, S.4,5) Zu den grundlegenden Zielen des Strukturkonzept gehört es, 1. die Identität stiftenden Bereiche zu bewahren bzw. zu stärken sowie 2. die inneren Potentialflächen baulich und freiräumlich zu entwickeln. Die als „Fundamente“ bezeichneten Bereiche tragen das Bundesviertel in wirtschaftlicher, kultureller und stadtidentitärer Sicht. Sie weisen keine wesentlichen Transformationspotentiale bzw. - bedarfe auf, sondern sollen lediglich in ihrer bestehenden Struktur und Funktionalität gestärkt werden. Strategie „Verdichten“ (vgl. Bildteil, S.6) Die Strategie „Verdichten“ illustriert die Leitlinien einer zukünftigen baulichen Arrondierung des Bundesviertels. Ziele: Die bauliche Verdichtung soll das Bundesviertel in seiner gesamten Ausdehnung entwickeln. Das bedeutet, dass nicht nur die bestehenden „Hot Spots“, wie die B9 oder der UN Campus, als Entwicklungsräume in Betracht gezogen werden, sondern auch neue, bisher weniger ausgenutzte Lagen wie die bahnparallele Straße - die sogenannte „Meile“ - und der gesamte Südbereich aktiviert werden sollen. Die Ränder des Bundesviertels sollen prägnanter geformt und effizienter genutzt werden. Bauliche Verdichtungen sollen zudem dazu beitragen, infrastrukturelle Barrieren zu überwinden, beispielsweise näher an die westlich gelegenen Stadtteile heranzurücken und damit die Verbindung über die Gleise hinweg zu vereinfachen. Das Plandiagramm zeigt als Hauptverdichtungsraum den Bereich zwischen Bahntrasse und B9: Der „Rücken“ des Bundesviertel bietet auf Grund von größeren, zur Zeit nicht genutzten oder wenig effizient genutzten Arealen (u.a. ehemaliges Landesbehördenhaus, Miesengelände, In der Raste) ein hohes Transformationspotential mit der Chance neue Standorte zu adressieren. Weitere Verdichtungsräume („Spicken“) befinden sich punktuell im Großraum zwischen B9 und Rhein, wie das Areal des Busdepots (Godesberger Allee 120) oder das Areal südlich des BMZ (Willy-Brandt-Allee / Welckerstraße). Zum Rheinauenpark bildet die Baustruktur entlang der Petra-Kelly- und Ludwig-Erhard-Allee einen klaren „Parkrand“ aus. Strategie „Freiräumen“ (vgl. Bildteil, S.7) Komplementär zu der Strategie des „Verdichtens“ wirkt die Strategie „Freiräumen“. Die Freiräume im Bundesviertel sollen aufgewertet und besser vernetzt werden. Es sollen multicodierte Freiräume entstehen für Bewegung, Sport, Erholung, Freizeit, für Regenwassermanagement und weitere stadtklimatische Funktionen, für urbane Landwirtschaft und Gärtnern, für informelles Arbeiten, Bewegung und Pausenzeiten sowie als „Verbinder“, also als Wegräume für den Fußgänger- und Radverkehr. Die hochwertigen Freiräume sollen insbesondere für die im Bundesviertel BeschäftigtenSeite 15 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 10 und für die Bewohner, aber auch für die Bonner Bürgerschaft attraktiv sein. Die Hauptelemente der Strategie „Freiräumen“ sind im Plandiagramm dargestellt: Die Infrastrukturrestflächen beidseitig der A562 werden „gekapert“ und als großer ostwestlich ausgerichteter Park - als „Grünbrücke“ - gestaltet. So wird die Lücke im großräumigen Freiraumsystem geschlossen und Rhein und Rheinauenpark werden über den Südfriedhof und Venusberg an den Kottenforst angebunden. In Nord-Süd-Richtung entsteht innerhalb des verdichteten „Rückens“ eine Sequenz öffentlicher und halböffentlicher Freiräume: Der sogenannte „Community Space“ vernetzt das Bundesviertel über eine Länge von knapp drei Kilometern und bietet Plätze, Grünräume, Gemeinschaftsgärten, Sport- und Spielplätze und verkehrsberuhigte Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer. Die großen Straßenachsen in Nord-Süd-Richtung „Meile“, „Magistrale“ und „Allee“ sind bereits in Teilen als Baum bestandene Straßen ausgebildet und sollen entsprechend ergänzt werden. In Ost-West-Richtung sollen „Querachsen“6 das Bundesviertel, aber auch die jenseits der Gleise liegenden Stadtteile mit dem Rhein und Rheinauenpark verbinden und als Straßen mit großzügigen Fußgänger- und Radwegen sowie Baumbestand ausgebaut werden. Als Vorbild dient die Heussallee.7 6 Das sind: 1. Rheinweg / Genscherallee / Heussallee; 2. Dottendorfer Straße / Ollenhauer Straße / Zitelmannstraße; 3. Annaberger Straße / Heinemannstraße; 4. Hochkreuzallee / Kennedyallee 7 Die Freiraumstrategie unterstützt die Ziele des Integrierten Freiraumsystems der Stadt Bonn 2012 (IFS) für den Bereich des Bundesviertels (Teilraum VIII): Der „Park 562“ stärkt den Grünzug Dottendorf (ehemalige Südtangente) als großräumige Verbindung zur Rheinaue. „Querachsen“ und „Community Space“ stellen lineare Umfeldverbesserungen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung dar und stärken das Ziel der Vernetzung großer Grünflächen in die benachbarten Quartiere (z.B. entlang Heussallee - Verbindung Museumsmeile zum Rhein - und entlang Kennedyallee - Verbindung Godesberger Straße zur Rheinaue). Vgl. IFS 2012 Kurzbericht, 22-25, 35, 36; Abb. F-29, 39Seite 16 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 11 Dichtemodell (vgl. Bildteil, S.8-10) Die Inhalte der Strategien „Verdichten und Freiräumen“ werden durch ein Dichtemodell vertieft. Mit Hilfe des Dichtemodells kann ein Spielraum für die bauliche Arrondierung formuliert werden. Es werden 96 Baublöcke definiert, die sich jeweils strukturell und programmatisch als Einheit zusammenfassen lassen. Für jeden Baublock wird in Relation zu den Zielen des Strukturkonzeptes eine Dichtespanne festgelegt, auf die eine zukünftige bauliche Entwicklung abzielen sollte und die in Bebauungsplänen konkretisiert wird. Bauliche Dichte im Bestand Die Kartierung der Bestandsdichte verdeutlicht, dass im Bestand knapp 75 Baublöcke (d.h. knapp 75%) eine Dichte unter GFZ 1,5 aufweisen. Nur fünf Baublöcke liegen bei einer Dichte von über GFZ 2,5. Die bauliche Dichte im südlichen Bereich des Bundesviertels (südlich der A562) ist geringer als im Norden, wo die Gebäudekomplexe des Posttowers (GFZ 5,2), des Neuen Kanzlerplatzes (GFZ 3,8) und des Marriotthotels (GFZ 4,1) deutlich verdichtete Areale bilden. Der Gesamtdichtewert des Planungsgebietes liegt im Bestand bei GFZ 1,1.8 Dichtemodell Das Dichtemodell der Rahmenplanung zeigt, wo und wie die bauliche Dichte im Bundesviertel erhöht werden kann. Die Gesamtdichte des Planungsgebietes wird von GFZ 1,1 auf GFZ 1,5 erhöht.9 Die Anzahl der Baublöcke mit einer GFZ 1,5-2,5 wird von 16 auf 33 verdoppelt. Die Anzahl der Baublöcke mit einer Dichte von über GFZ 2,5 wird von fünf auf zehn verdoppelt. Als neue Verdichtungen mit einer GFZ über 3,0 kommen die Bauvorhaben des BSI und des DHL Campus, das Süd-Tor und der Telekom-Komplex an der Kreuzung B9/A562 dazu. 8 Berechnet als Gesamtgeschossfläche Bestand in Bezug auf die Gesamtfläche aller Baublöcke: GF gesamt / Baublockfläche gesamt Dichtezuwachs Die Kartierung des Dichtezuwachses veranschaulicht, wo die Hauptverdichtungsräume im Bundesviertel liegen: Die Ränder zum Rheinauenpark und zu den Gleisen werden dichter und damit klarer strukturiert. Die Eingänge in das Bundesviertel – die „Tore“ an Meile, Magistrale und Allee – sind als Verdichtungsräume ebenso erkennbar. Großräumig treten der „Rücken“ und der „Entwicklungsraum Süd“ (Bereich südlich der A562) mit deutlichem Dichtezuwachs in Erscheinung. 9 Berechnet als Gesamtgeschossfläche Bestand in Bezug auf die Gesamtfläche aller Baublöcke: GF gesamt / Baublockfläche gesamtSeite 17 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 12 b. Nutzungskonzept Vorwiegende Nutzungen des Bundesviertel im Bestand (vgl. Bildteil, S.12) Die Kartierung der Bestandsnutzungen zeigt das einführend beschriebene Profil des Bundesviertels als Sitz der Vereinten Nationen, Kongressstandort, Sitz von Ministerien und Einrichtungen des Bundes und Wirtschaftsstandort mit einem dominierenden Dienstleistungssektor. Das Johanniterviertel und das Berliner Ringviertel bilden Wohnenklaven in der „Bürobaulandschaft“ des Bundesviertels. Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 4.000 - das ist entspricht ca. 1,2% der Gesamtstadt -, die Beschäftigtenanzahl liegt bei 45.000 – das entspricht ca. 20% der Gesamtstadt.10 Um die Herausforderungen klar zu benennen: Das Bundesviertel ist ein stark auf das Arbeiten ausgerichteter Stadtteil mit geringem Wohnanteil und den entsprechend fehlenden Wohnfolgeeinrichtungen. Es ist durch eine Branchenhomogenität geprägt, die vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz nicht unproblematisch ist. Strategie „Mischen“ (vgl. Bildteil, S.13) In Zukunft soll das Bundesviertel bunter werden. Zu den Zielen der Strategie „Mischen“ gehört es, 1. einen urbanen Nutzungsmix zu fördern, 2. die Branchendiversität zu erhöhen, 3. „mehr, andere, bezahlbare“ Wohnangebote zu schaffen sowie 4. hochwertige Bürostandorte mit Lagequalitäten zu sichern und neu zu erschließen. Es sollen neue Gebietstypen entstehen: Neben reinen Wohn- und Bürostandorten sollen in großen Teilen gemischte Gebiete – „Hybrid Wohnen“ und „Hybrid Büro“ - entwickelt werden. An den „Mitten“ soll 10 Vgl. Informationsdienst Bundesstadt Bonn 2018 und Statistik aktuell Bundesstadt Bonn 2018 der programmatische Mix mit Handel, Versorgung, Gastronomie, Bildung etc. besonders hoch sein. Darüber hinaus werden Gebiete für Branchen vorgesehen, die im Bundesviertel bisher (zu) wenig vertreten sind und in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wie die Kultur- , Kreativ-, und Wissensökonomie oder die urbane Produktion. (KK = Kultur- und Kreativwirtschaft, WÖ/FB = Wissensökonomie / Forschung+Bildung, UP=Urbane Produktion). Die angestrebte Mischung soll innerhalb eines Baublocks, aber auch innerhalb eines Gebäudes realisiert werden. So entstehen hybride Block- und Gebäudestrukturen im Neubau, aber auch durch Umnutzung im Bestand. Die Magistrale wird als Unternehmensstandort mit Anteilen für Wohnen und öffentliche Nutzungen weiterentwickelt. Die großen Wohngebiete Johanniter Viertel und Berliner Ringviertel werden durch gemischte Wohnschollen arrondiert. Im geografischen Zentrum des Bundesviertels – an der Kreuzung von A562 und B9 – ist ein neuer Nutzungsschwerpunkt, das „Labor“, als Inkubator für einen erweiterten Branchenmix vorgesehen: Hier – am Standort des ehemaligen Landesbehördenhauses - soll Raum entstehen für die Kultur- und Kreativszene, Wissensökonomie oder auch wissens- und kreativwirtschaftsaffine Produktion. Nutzungsmodell (vgl. Bildteil, S.14) Das Nutzungsmodell zeigt das Nutzungsspektrum je Baublock als Entwicklungsziel auf. Die Gebietskategorien sind wie folgt definiert: Wohnen: Reines Wohnen (Ausnahme: EG) Hybrid Wohnen mind. 2/3 Wohnen; mind. eine weitere Nutzung; EG vorwiegend Sonderwohnformen oder Nicht-Wohnnutzung Büro Büro (Ausnahme: EG)Seite 18 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 13 Hybrid Büro mind. 2/3 Büro; mind. eine weitere Nutzung; mind. 10% Wohnen; EG möglichst öffentliche Nutzungen Hybrid Mitte 1/3 Handel, Hotel, Gastronomie, Mobilstationen, soziale, kulturelle, gesundheitliche Einrichtungen; 1/3 Wohnen; 1/3 Büro; EG: keine Wohn- oder Büronutzung Hybrid KK, WÖ/FB, UP Kultur- & Kreativwirtschaft und/oder Wissensökonomie/ Forschung + Bildung und/oder Gewerbe als verträgliche urbane Produktion; mind. 15% Wohnen Bildung/Soziales/Kulturin eigenem Gebäude, z.B. Schule, KiTa, Kongress Hochhäuser Kategorie L und M (ü. 60m) = 20% BGF Wohn-/ wohnähnliche Nutzungen; Kategorie S = 30% bis 50% BGF Wohn- / wohnähnliche Nutzungen; Integration sozialer + kultureller Nutzungen (Vgl. Hochhauskonzept) Exkurs: „mehr, anders, bezahlbar“ Wohnen Das bestehende Wohnangebot des Bundesviertels ist durch Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und ähnliche Wohnformen geprägt. In Zukunft soll das Angebot erhöht und diversifiziert werden, um den Ansprüchen verschiedener Lebensmodelle und Lebensphasen gerecht zu werden. Dazu gehört die Förderung des gemeinschaftlichen Wohnens durch Mehrgenerationenhäuser, Baugruppenprojekte oder 11 Für Wohnungsbauvorhaben im Rahmen der Aufstellung oder Anpassung eines Bebauungsplans und wenn Planungsrecht für mehr als 24 Wohneinheiten oder 2.200 m² Bruttogrundfläche Wohnen geschaffen wird, wird eine Quote von 40% der für Wohnzwecke geplanten Bruttogrundfläche für geförderten Wohnungsbau Wohngemeinschaften (Cluster-/ Satellitenwohnen, Senioren-WGs etc.), die Schaffung von temporären Wohnangeboten wie Boardinghäuser oder Mikroapartments, die Bereitstellung von Kleinst- und Starterwohnungen sowie Live-Work-Einheiten wie Studio, Atelier, Duplex. Mehr bezahlbarer Wohnraum soll durch die konsequente Anwendung des Bonner Baulandmodells entstehen.11 Für Hochhausbauvorhaben im Bundesviertel empfiehlt die Rahmenplanung eine Integration von Wohnnutzungen: Bei Hochhäusern der Kategorie L und M (ü. 60m) sollte 20% der Bruttogrundfläche für Wohn- oder wohnähnliche Nutzungen vorgesehen werden, bei Hochhäusern der Kategorie S sollten es zwischen 30% und 50% sein - je nach Lage. (Vgl. Hochhauskonzept) Strategie „Pulsieren“ (vgl. Bildteil, S.15) Die Strategie „Pulsieren“ zielt darauf, das öffentliche Leben im Bundesviertel zu stärken durch die Entwicklung von „Mitten“ in verschiedenen Teilbereichen und die Schaffung von großen Grünräumen. Die „Mitten“ sind Anziehungspunkte: Orte mit einem hohen Nutzungsmix, Versorgungs- und Mobilitätsangeboten und hochwertig gestalteten, öffentlichen Räumen mit Aufenthaltsqualität („Stadtplätze“). Je nach Lage werden die „Mitten“ eine stadtweite („Hub“, „Labor“), meist eher eine Quartier oder Nachbarschaft bezogene Bedeutung generieren („Strahlkraft“ vgl. Diagramm) und entsprechend sollte das Nutzungsspektrum konzipiert werden. Die Titel der „Mitten“ – Plaza, Kiez, Höfe, Markt, Amphi, Rheinkultur, Süd- Park, Treff - weisen auf diese kontextspezifische Profilierung hin. (davon mind. 20% im Förderweg A) festgelegt. Darüber hinaus sollen sich die Wohnungsbauinvestoren an den Kosten zur Herstellung von Plätzen in Kindertagesstätten beteiligen. https://www.bonn.de/vv/produkte/wohnungsmarktentwicklung-bonner-baulandmodell.phpSeite 19 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 14 Die „Mitten“ sind innerhalb des „Rückens“ jeweils an der Schnittstelle der „Querachsen“ und des „Community Space“ verortet – als Anlaufstelle für Bewohner und Beschäftigte des Bundesviertels, aber auch der benachbarten, westlich gelegenen Stadtteile. Im Großraum zwischen „Magistrale“ und „Allee“ sind vier weitere „Mitten“ im Bestand geplant: „Markt“ und „Amphi“ sollen die Aufenthalts- und Versorgungsqualität im Bereich des südlichen UN Campus bzw. der Ministerienlandschaft am Robert-Schuman-Platz verbessern. Zwei „Treffs“ werden als Nachbarschaftsplätze mit Kleingastronomie und Spielflächen innerhalb des Johanniter Viertels und Berliner Ringviertels vorgeschlagen. Als große neue Grünräume sind die „Grünbrücke“ und der „Community Space“ (Folien anpassen) geplant. Beides sind multicodierte Freiräume, die das Arbeits- und Wohnumfeld durch Sport-, Spiel- und Erholungsangebote aufwerten, die die Nahmobilität mit großzügigen Fuß- und Radwegen verbessern und die das Stadtklima als Retentions- und Kaltluftschneisen positiv beeinflussen.12 Strategie „Öffnen“ (vgl. Bildteil, S.16) Das Bundesviertel ist durch großflächige Komplexbauten (z.B. Kreuzbauten, Telekomgelände) geprägt, die meist nicht öffentlich zugänglich sind und teils als Barrieren im Stadtraum wahrgenommen werden. Das Ziel der Strategie „Öffnen“ ist es, sowohl die Durchwegung dieser Bereiche als auch die Zugänglichkeit der Gebäude, also insgesamt das öffentliche Leben in diesen Arealen zu stärken. Die Rahmenplanung empfiehlt zu prüfen, ob sich Wege durch ausgewählte Teilbereiche der dargestellten Komplexe zugänglich machen lassen, ob Kantinen für die Öffentlichkeit geöffnet werden können, ob Erdgeschoss-, Sockel- oder Dachgeschosszonen 12 Die Bereiche “Mitte Labor”, “Mitte HUB UN-Station”, “Grünbrücke” und “Community Space” werden im letzten Teil der Arbeit vertiefend ausgearbeitet und in Schemaschnitten, -plänen und einem Steckbrief mit publikumswirksamen Nutzungen (Gastronomie, Veranstaltungen) - z.B. auch nur zeitweise - belegt werden können. Die Strategie „Öffnen“ richtet sich auf beides - die Transformation des Bestandes und die Konzeption von Neubauten. illustriert.Seite 20 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 15 c. Hochhauskonzept Das Hochhauskonzept ergänzt die Leitlinien des Strukturkonzeptes, das die Hauptbereiche einer baulichen und freiräumlichen Entwicklung aufzeigt. Denn das Bundesviertel will wachsen und es stellt sich die Frage, ob das Bundesviertel auch stärker als bisher in die Höhe wachsen kann. Hochhäuser bieten städtebaulich das Potential, dem Flächenbedarf des Wohnungs- und Büromarktes zu begegnen13 und gleichzeitig besondere Stadtbausteine zu setzen: Sie wirken als Landmark und bei entsprechender Programmierung als Anziehungspunkt und Katalysator für öffentliches Leben - auch in bis dato weniger attraktiven oder gar untergenutzten Gebieten. Aufgrund der baulichen Höhe und Dichte beanspruchen Hochhäuser ihr Umfeld jedoch auch stärker als andere Gebäudetypen (u.a. Infrastruktur, Mikroklima, Verschattung und -windung, Privatheit) und müssen mit besonderer Sorgfalt in den Kontext integriert werden: Hochhausstandorte und -architekturen sollten daher besonderen Planungsansprüchen, Objekt- und Prozessqualitäten gerecht werden, um die Beanspruchung des Umfeldes nicht nur auszugleichen, sondern Mehrwerte für die Allgemeinheit zu schaffen. Es ist obligatorisch, für Hochhausvorhaben Wettbewerbe durchzuführen (Vgl. Umsetzungskonzept, Kap.4e). Das Hochhauskonzept setzt Leitlinien für die Hochhausvorhaben im Bundesviertel fest. Hochhausbestand Gesamtstadt (vgl. Bildteil, S.18) Die Kartierung zeigt, dass die Anzahl, die Höhe und die Stadtbild prägende Wirkung der bestehenden Hochhäuser in der Gesamtstadt eher gering sind.14 Es gibt keine Hochhauscluster, lediglich vereinzelte Ensembles, weitestgehend handelt es sich um Solitäre. 13 Die Büromarkterhebung 2014 stützt diese Annahme: „Angesichts der hohen Attraktivität des Standortes [Bundesviertel] ist zudem eine weitere Verdichtung denkbar und sollte auch ermöglicht werden. Die Ermöglichung größerer Gebäudehöhen ist dabei eine Option.“ IRI. Institut für Raumforschung und Die Standorte liegen in Rheinnähe und an großen Hauptverkehrsstraßen, das Stadthaus prägt die City. Es ist deutlich erkennbar: Bonn ist keine Hochhausstadt, aber das Bundesviertel hat, anders als die Struktur der Gesamtstadt, bereits eine erkennbare Prägung. Hier finden sich relativ zur Fläche die meisten und auch die höchsten der bestehenden und im Bau befindlichen Hochhäuser (3x über 100m, mehrere über 60m). Gesamtstädtische Einbindung (vgl. Bildteil, S.19) Zu den Zielen des Hochhauskonzeptes im Hinblick auf die gesamtstädtische Einbindung gehört es, die Stadtbild prägende Wirkung der Hochhäuser im Bundesviertel deutlich auszuformulieren. Die Setzung von Hochhäusern soll das Bundesviertel wahrnehmbar rahmen, seine Fernwirkung sowie die Lesbarkeit des Gebietes klären. Es sollen zudem Impulse an den Rändern und untergenutzten Orten gesetzt werden. Insgesamt werden zwölf neue Hochhausstandorte vorgeschlagen. Damit würde sich die Zahl der Hochhäuser von derzeit acht auf zwanzig (davon 7x Kategorie S = 40m) erhöhen. Exkurs: Was ist ein Hochhaus? (vgl. Bildteil, S.20) Die Musterbauordnung (MBO § 2 Abs. 4 Nr. 1) definiert als Hochhaus ein Gebäude, bei dem der Fußboden eines Aufenthaltsraumes mehr als 22m über Terrain liegt. Diese Definition ist brandschutztechnisch begründet. Städtebaulich greift die Definition zu kurz, da ein hohes Gebäude nur in Relation zum Kontext als solches erkennbar wird. Für Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 71 14 Kartiert sind Hochhäuser mit mehr als 12 Geschossen bzw. über 40m.Seite 21 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 16 das Hochhauskonzept wird daher definiert, dass ein Hochhaus ein Gebäude ist, das deutlich höher als die umgebenden Gebäude wahrgenommen wird. Die prägende Bestandshöhe im Bundesviertel liegt bei ca. 15-20m (IV-V Geschosse). Ein Gebäude mit der doppelten Höhe, also 40m (Oberkante Dach), wird daher als (kleines) Hochhaus festgesetzt. Das höchste Gebäude im Bundesviertel ist der Posttower mit ca. 162m. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass das Hochhauskonzept neben der Bestimmung von Standorten auch Höhenspannen für Hochhäuser definieren muss. Strategie „Ankommen und Ausstrahlen“ (vgl. Bildteil, S.21-28) Die Strategie „Ankommen und Ausstrahlen“ formuliert die Ziele einer baulichen Ergänzung des Bundesviertels durch Hochhäuser: Hochhäuser sollen als Landmarks die Orientierung verbessern, wichtige Orte wie „Mitten“ und „Tore“ (Gebietseingänge) markieren und durch die Ausbildung einer Skyline die Identität des Bundesviertels stärken. Die Setzung der Hochhäuser soll die Nord- Süd-Achsen „Magistrale“ und „Meile“ rhythmisieren und in einer ausbalancierten Verteilung das Bundesviertel in seine Gesamtheit ablesbar rahmen. Für Hochhausstandorte werden folgende Leitlinien festgelegt: 1. Hochhäuser sollen in geeigneten Zonen realisiert werden (vgl. Punkt 4+5). 2. Je Zone entsteht ein Hochhaus (Solitärwirkung) - mit Ausnahme des Kreuzes B9/A562. 3. Je Zone wird eine Höhenkategorie (S, M, L) definiert - orientiert an Bestandshöhen und Lage (vgl. Punkt 5). Die Höhenkategorien definieren Höhenspannen für die Ausbildung der Gebäudehöhe (Oberkante Dach über Terrain). Es werden drei Kategorien definiert: a. L = 100-120m b. M = 60-80m c. S = 40m Die Höhenspannen leiten sich aus den Höhen der bestehenden Hochhäuser im Bundesviertel ab: An den Gebäuden „Neuer Kanzlerplatz“ (101m) und „Langer Eugen“ (115m) orientiert sich die Höhenspanne der Kategorie L (100- 120m). An den Gebäuden „Marriot Hotel“ (68m), „UN Hochhaus“ (65m), „Tulpenfeld“ (67m) und den „Kreuzbauten“ (55m) orientiert sich die Höhenspanne der Kategorie M (60- 80m). Die Kategorie S (40m) begründet sich aus der eingangs beschriebenen Hochpunktwirkung in Relation zu den prägenden Bestandshöhen im Bundesviertel. 4. Eignungszonen werden nach Lage, Anbindung und Angemessenheit bestimmt. a. Eignungszonen befinden sich an den großen Straßen und Hauptadressen des Bundesviertels: „Allee“ (Parkstraße) „Magistrale“ (B9) „Meile“ (Bahnparalle)Seite 22 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 17 b. Eignungszonen liegen an wichtigen Orten; hier dienen die Hochhäuser als Landmark und Orientierungspunkt: „Tore“ „Kreuz“ / „Herz“ „Mitten“ c. Eignungszonen sind fußläufig von Stationen des schienengebundenen Personennahverkehrs (SPNV) erreichbar. (Entfernung: 300-600m) 5. Die Höhenkategorien werden wie folgt für die Hochhausstandorte festgelegt: a. Standorte der Kategorie L sind das „Ost-Tor“ und das „Kreuz“. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 100 bis 120m (27-32 Geschosse) entstehen. Diese Orte zeichnen sich durch ihre übergeordnete Strahlkraft, ihre weiträumige Sichtbarkeit, die hohe Geschwindigkeit und den großmaßstäblichen Kontext (Rheinauenpark, A-562, Grünbrücke) aus. Das Ost- Tor wird als wichtiger (regionaler) Eingang in das Bundesviertel markiert. Das „Kreuz“ als geografische Mitte des Bundesviertels erhält eine adäquate Fernwirkung; hier sind zwei mögliche Hochhausstandorte vorgesehen, um die Ost-West- Achse (A562) und die Nord-Süd-Achse (B9) städtebaulich zu fassen. b. Standorte der Kategorie M sind das Nord- und Süd- Tor. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 60 bis 80m (15-21 Geschosse) entstehen. Nord- und Südtor werden als stadtinterne Hauptzugänge des Bundesviertels markiert, sie bilden den Auftakt für die „Meile“ und die „Magistrale“. c. Standorte der Kategorie S sind die „Mitten“ und das „kleine Tor“. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 40m (10 Geschosse) entstehen. Diese „kleinen“ Hochpunkte leiten aus Richtung der „Querachsen“ (Ost-West) und im Südosten in das Bundesviertel. Sie markieren die Mitten an den Achsen und verleihen der Meile einen erkennbaren Rhythmus. 6. Hochhäuser sollen hybrid genutzt werden, es sind mindestens zwei Nutzungsarten vorzusehen. Die Integration von Wohnnutzungen ist obligatorisch, ebenso wie die Beachtung des Bonner Baulandmodells: Bei Hochhäusern der Kategorie L und M (ü. 60m) sollte 20% der Bruttogrundfläche für Wohn- oder wohnähnliche Nutzungen vorgesehen werden, bei Hochhäusern der Kategorie S sollten es zwischen 30% und 50% sein - je nach Lage. Zusätzlich sollten soziale und kulturelle Nutzungen integriert werden.Seite 23 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 18 Zusammenwirken der bestehenden und neuen Hochhäuser (vgl. Bildteil, S.29,30) Die bestehenden und neuen Hochhäuser bilden Ensembles durch vergleichbare Höhenspannen. Der Post-Tower mit seiner einzigartigen Höhe von ca. 162m bleibt die Ikone des Bundesviertels. Der Lange Eugen steht weiterhin für die Geschichte als Parlaments- und Regierungsviertel und wird durch das Labor-Hochhaus (Standort ehemaliges Landesbehördenhaus) als Symbol für einen erneuten Strukturwandel ergänzt. Je nach Lage generieren die bestehenden und neuen Hochhäuser charakteristische Ansichten (Skylines): Es ergibt sich eine Skyline am Rhein, deren Vordergrund durch Post-Tower, UN-Hochhaus, den Langen Eugen und das neue Ost-Tor gebildet wird. Zwei weitere Hochhaus-Sequenzen werden an der Meile und Magistrale „in Bewegung“ als dynamische Skylines erfahrbar. Leitlinien Gestalt und Programm (vgl. Bildteil, S.31) Die Rahmenplanung definiert im Umsetzungskonzept (Kap. 4e) mehrere Leitlinien zur Sicherung der Objekt- und Prozessqualität von Bauvorhaben im Bundesviertel. Diese Leitlinien gelten auch für alle Hochhausbauvorhaben und werden an dieser Stelle nicht vorweggenommen. Ergänzend dazu wirken die spezifisch für Hochhäuser definierten Empfehlungen in Bezug auf „Gestalt und Programm“, die das Diagramm illustriert. Sichtfeld- und Schattenstudien (vgl. Bildteil, S.32-42) 15 Verschattungsstudien sind jeweils für den 17.1. und 21.3. (Tag-/Nachtgleiche) für die Hochhausstandorte der Kategorie L und M (Gebäudehöhe über 60m) durchgeführt worden. Das sind: 1. Nord-Tor (Willy-Brandt- Die Plausibilität der Verortung und der Höhenkategorisierung der Hochhausstandorte ist durch Schattenstudien und Sichtfeldstudien getestet worden.15 Ein Auszug aus den Studien findet sich auf den folgenden Seiten. Die vollständigen Studien sind im Anhang dokumentiert. Allee), 2. Ost-Tor (A562 / Grünbrücke), 3. Süd-Tor (Godesberger Allee), 4. Kreuz Labor + Telekom (Kreuzung A562 - B9)Seite 24 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 19 d. Verkehrskonzept Ausgangslage Die Verkehrssituation im Bundesviertel wird durch die beratenden Verkehrsplaner des Büros VSU wie folgt beschrieben: „Das Verkehrsnetz mit den drei Haupterschließungsachsen, die über den Trajektknoten und den Endpunkt der BAB 562 miteinander verknüpft werden, bildet die Grundlage für die Erschließung des Bundesviertels. Aus der Lage im Stadtraum ergibt sich, dass eine Ausweitung der Straßeninfrastruktur nicht möglich ist, denkbar sind kleinräumige Ergänzungen. In den Spitzenstunden sind die Zubringerstraßen hoch ausgelastet, erhebliche Reisezeitverlängerungen durch Staus liegen regelmäßig vor. Die Auslastung der verkehrlichen Infrastruktur in den Spitzenzeiten erfordert bei einer anhaltenden baulichen Entwicklung allerdings einen veränderten Modal Split, wenn eine verdichtete Bebauung des Bundesviertels beabsichtigt wird. […] [Es geht darum], nicht nur die Neuverkehre, sondern mittel- bis langfristig auch die Bestandsverkehrsmengen mit Pkw zu reduzieren, um die zusätzlichen Nutzer vom Straßensystem aufnehmen zu lassen.“ Strategie „Umsteigen“ Die Strategie „Umsteigen“ der Rahmenplanung zielt auf ein insgesamt verändertes Mobilitätssystem und -verhalten und fördert damit die Verkehrswende - entsprechend der Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung und der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.16 Es soll eine „Umstiegskultur“ im Sinne eines veränderten Mobilitätsverhaltens gefördert werden: Der Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß gehen; Sharing-Modelle) 16 Vgl. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/bundesregierung-klimapolitik-1637146; https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/, bsd. Goal 11 soll dem Auto vorgezogen werden. Dazu gehört es, (neue) „Umstiegsorte“ zu entwickeln und attraktiv zu gestalten, um das Umsteigen komfortabel und effizient werden zu lassen (multimodale Mobilität und „Seamless Mobility“). Dazu gehört es im Wesentlichen auch, die Kapazität des schienengebundenen Personennahverkehrs durch Netzausbau, höhere Taktungen etc. deutlich zu erhöhen. Wer per Umweltverbund schneller und bequemer ans Ziel kommt als mit dem Auto, steigt gern um. Es ist klar, dass das „Umsteigen“ nicht nur lokal im Bundesviertel funktionieren kann, sondern gesamtstädtisch bzw. regional gedacht werden muss.Seite 25 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 20 Strategie „Umsteigen“, Teil A: Stadt + Region (vgl. Bildteil, S.44,45) Auf gesamtstädtischer bzw. regionaler Ebene empfiehlt die Rahmenplanung, PKW-Verkehre bereits peripher abzufangen und auf den Umweltverbund zu lenken. Dafür werden an leistungsfähigen Stadtbahnstrecken am Stadtrand (sechs) „RegioHubs“ vorgeschlagen, an denen Regionalpendler vor den Toren der Stadt ihr Auto abstellen und per SPNV einpendeln können. An zentralen Umsteigepunkten innerhalb der Stadt (u.a. Hauptbahnhof, Station UN Campus) sollen (vier) „StadtHubs“ das System ergänzen und die Nahmobilität verbessern. Die „Hubs“ sind mehr als Park+Ride-Stellplatzanlagen. Sie sollen Umsteigeorte mit einem erweiterten Nutzungsangebot und einer Aufenthaltsqualität sein, die von allen Altersgruppen und zu allen Tageszeiten uneingeschränkt nutzbar sind. Zu den Bausteinen gehören Mobilitätsangebote (Parkierungsanlagen PKWs und Fahrräder, Sharing-Modelle: Fahrrad, E-Bike, E-Scooter, E-Roller, Segway etc., Ride-Sharing, Stadtbahn-/Busstation) sowie Versorgungsangebote, Büros (z.B. Co-Working) oder auch Freizeiteinrichtungen. Strategie „Umsteigen“, Teil B: Nahmobilität im BV (vgl. Bildteil, S.46,47) Auf Ebene des Bundesviertel zielt die Strategie „Umsteigen“ darauf, die Nahmobilität zu verbessern. Dazu soll erstens das bestehende Mobilitätssystem um eine Seilbahnstrecke und eine neue Busroute „Meile – Westen“ erweitert werden: Per Seilbahn können der Venusberg mit Klinikum, Dottendorf (Hindenburgplatz), das Bundesviertel (Station UN Campus) und der Rheinauenpark (Station am Posttower) mit der gegenüberliegenden Rheinseite – Beuel (Telekom-Campus) und Station Ramersdorf – verbunden werden. Eine neue Busroute „Meile – Westen“ soll den verdichteten „Rücken“ des Bundesviertels über die bahnparallele Straße erschließen, über die Dottendorfer Straße auch das Miesengelände und „In der Raste“ anbinden und mit den westlich gelegenen Stadtteilen verbinden (z.B. bis Hindenburgplatz). Zweitens profitiert das Bundesviertel von der Einrichtung zentraler Umsteigeorte (Vgl. Umsteigen Teil A): Die Station UN Campus soll als „StadtHub“ und damit als angemessener Ankunftsort im Bundesviertel ausgebaut werden. Weiterhin ergänzen Mobilstationen an U-Bahn- und Seilbahnstationen sowie an den „Mitten“ das Angebot an Nahverkehrsmittel. Strategie „Umsteigen“, Teil C: Langsamverkehr im BV (vgl. Bildteil, S.48) Schließlich soll auch der Langsamverkehr im Bundesviertel verbessert werden, indem das Wegenetz für Fahrradfahrer und Fußgänger erweitert und aufgewertet wird. Die Querachsen sollen als Boulevards mit breiten Rad- und Fußwegen und Baumbestand ausgebaut werden - vergleichbar mit der Heussallee. In Nord-Süd- Richtung soll der „Community Space“ das Bundesviertel über eine Länge von knapp drei Kilometern vernetzen und verkehrsberuhigte Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer bieten. Das bereits in Planung befindliche Radschnellwegesystem (vgl. VEP 2020) soll ergänzt werden, so dass Rheinufer, Allee, Magistrale und Meile als Schnell- bzw. Hauptwege ins Zentrum fungieren und über die Grün- und Rheinbrücke verbunden sind. e. Umsetzungskonzept Das Umsetzungskonzept skizziert, wo und wie mit Projekten der Rahmenplanung begonnen werden sollte, um die gesteckten Entwicklungsziele effektiv und zeitnah zu erreichen. Eine PhasierungSeite 26 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 21 der Rahmenplanung ist aufgrund der komplexen Entwicklungsabhängigkeiten nicht möglich und nicht zielführend. Stattdessen sollen wichtige und chancenreiche Vorhaben priorisiert und alle Akteure zu einem qualitätvollen Prozess verpflichtet werden. Das Umsetzungskonzept setzt auf die Strategien „Priorisieren“ und „Verpflichten“. Die Strategie „Priorisieren“ sortiert Projekte der Rahmenplanung nach den Kriterien „Wichtigkeit + Umsetzungschance“. Es werden definiert: - Schlüsselprojekte, die erheblich zur Erreichung der Entwicklungsziele im BV beitragen - städtische Projekte, mit denen die Stadt Bonn zur Erreichung der Entwicklungsziele im Bundesviertel beitragen kann - Impulsprojekte, die relativ leicht umsetzbar sind und gewichtige Projekte in Gang bringen können - Pionierprojekten, die wichtig sind und gute Umsetzungschancen haben Die Strategie „Verpflichten“ benennt Leitlinien zur Sicherung überdurchschnittlicher Objekt- und Prozessqualitäten für die Vorhaben im Bundesviertel. Strategie „Priorisieren“: Schlüsselprojekte (vgl. Bildteil, S.50) Schlüsselprojekte sind Vorhaben, die strukturell, programmatisch und verkehrlich erheblich zur Erreichung der Entwicklungsziele des BV beitragen: Urbaner Mix, Branchenmix, Verkehrswende, Vernetzung. Dazu gehören: - Mitte UN Hub / Station UN Campus - Mitte Plaza - Mitte Kiez - Mitte Höfe - Labor - Busdepot - Grünbrücke - Community Space Strategie „Priorisieren“: Städtische Projekte (vgl. Bildteil, S.51) Städtische Projekte sind Vorhaben, die aufgrund der Eigentumsverhältnisse durch die Stadt Bonn initiiert und umgesetzt werden können. Dazu gehören: - Grünflächen an A-562 - Straßenräume des Community Space - Straßenräume der Querachsen - Bahnparallele Grünflächen - Parkplatz Petra-Kelly-Allee - Robert-Schuman-Platz - Grünfläche „Treff“, Berliner Ring Viertel - Grünfläche „Treff“, Johanniter Viertel - Straßenraum der Mitte Postmarkt Strategie „Priorisieren“: ImpulsprojekteSeite 27 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 22 (vgl. Bildteil, S.52) Impulsprojekte sind Vorhaben, die kurzfristig umsetzbar sind (Phase 0, bis 2025), Anstoß für größere Veränderungen geben und ein Bewusstsein für die Entwicklungsziele des BV schaffen. Dazu gehören: - Mobilstationen - Radschnellrouten (Ost-West als Teil der Grünbrücke) - Mitte Postmarkt - Treffs - Umgestaltung Genscherallee Begleitend zu den genannten baulichen, freiräumlichen, verkehrlichen Vorhaben wird für die Phase 0 empfohlen, verschiedene Akteursgruppen zu informieren, zu beteiligen und für die Umsetzung der Rahmenplanung zu werben. Dazu gehören beispielhaft folgende Maßnahmen: - Infoveranstaltung zur Rahmenplanung (nach Beschluss) - Kommunikationsstrategie zu den Inhalten der Rahmenplanung erstellen: „Steckbriefe“ für ausgewählte Schlüsselbereiche als Informationsgrundlage für Investoren und für weitere qualifizierende Verfahren wie Wettbewerbe - Beteiligung von Anrainern und Stakeholdern zur Konzeption und Umsetzung einzelner Projekte (z.B. Community Space, Treffs, Mitte Postmarkt, Grünbrücke, Robert-Schuman-Platz/ Amphi) - Marketing / Messen (z.B. Expo Real, Polis Convention) Strategie „Priorisieren“: Pionierprojekte (vgl. Bildteil, S.53) Pionierprojekte sind Schlüsselprojekte, die kurz- bis mittelfristig umgesetzt werden können (Phase 1, bis 2030): Die Chancen sind Entwicklungsdynamiken (z.B. Leerstand / Brachflächen / ineffiziente 17 Große Projekte sind Hochhausprojekte (vgl. HH-Konzept) und Projekte mit einer GF über 5.000m² Flächennutzung, laufende Projekte „in der Nähe“) und Umsetzungsmöglichkeiten auf städtischen Grundstücken. Dazu gehören: - Labor - Busdepot - Community Space, Abschnitt Mitte (Genscherallee bis Grünbrücke): o Emil-Nolde-Straße (in Kombination mit Umgestaltung Genscherallee) o Baunscheidtstraße (in Kombination mit DHL-Neubau) o Karl-Marx-Straße o Labor - Grünbrücke (ggf. zunächst Teilbereich Süd) Strategie „Verpflichten“ (vgl. Bildteil, S.54) Die Strategie „Verpflichten“ benennt Leitlinien zur Sicherung überdurchschnittlicher Objekt- und Prozessqualitäten für die Vorhaben im Bundesviertel. Dazu gehört die Sicherung der städtebaulichen Integration und Identität, der Quartiersaufwertung, der architektonischen und freiräumlichen Qualität, von Ressourcenschonung / Energieeffizienz / stadtklimatischer Balance, der Erschließungsqualität, gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse und auch die Investitionssicherheit und Gleichbehandlung aller Akteure. Die Leitlinien sichern die hohe Qualität des Stand-, Arbeits- bzw. Wohnortes für Bewohner, Beschäftigte und Investoren. Steuerung der Objekt- und Prozessqualität: Für Schlüsselprojekte und große Projekte17 (Neubau und Sanierung) gilt: - Durchführen von architektonischen Wettbewerben nach RPWSeite 28 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 23 - Nachhaltigkeitskonzept zur Umweltverträglichkeit, Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Klimaschutz und Mobilität erstellen - Verpflichtung zur Vernetzung von Grün- und Freiräumen durch u.a. begrünte Außenanlagen und Fassaden - Verpflichtung zur Begrünung von Flachdächern - Auswirkungsstudien für das Umfeld erstellen (Sichtfeld, Verschattung, Wind, Lärm, Verkehr) und ggf. Kompensationsmaßnahmen festlegen - Verpflichtung zu Umfeldaufwertungen durch z.B. Schaffung von hochwertigen Platz- und Straßenräumen (Aufenthalt, Sport, Spiel), - Verpflichtung zu Umfeldaufwertungen durch z.B. Schaffung von öffentlich nutzbaren Erd-/Sockel-/ Dachgeschosszonen, von Versorgungs-, sozialen oder kulturellen Einrichtungen - Verpflichtung zu Umfeldaufwertungen durch das Einräumen von Wegerechten zur Verbesserung der Nahmobilität (insbesondere im räumlichen Zusammenhang zum Community Space) - Umfeldaufwertung sichern durch u.a. vorhabenbezogene B- Pläne, städtebauliche Verträge - frühzeitige Beteiligung der Anrainer und anderer Stakeholder am Planungsprozess (u.a. zur kontextspezifischen Umfeldaufwertung) - Beteiligung des Städtebau- und Gestaltungsbeirates - Verpflichtung, sich zum Rahmenplan zu verhalten, d.h. darzustellen, wie das Projekt strukturell, programmatisch und verkehrlich zur Erreichung der Entwicklungsziele im BV beiträgt (u.a. Integration in die Entwicklungskonzepte und - strategien darstellen, Gesamtmodell (digital + analog) zur Evaluation verwenden) Es wird empfohlen ein „Begleitgremium Rahmenplanung Bundesviertel“ einzurichten, bestehend aus VertreterInnen der Verwaltung und Politik sowie externen Gutachtern. Das Gremium soll die Umsetzung von Projekten im Bundesviertel beratend unterstützen und fördern, die definierten Entwicklungsziele evaluieren und in Relation dazu den Entwicklungsprozess reflektieren.Seite 29 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 24 5. Rahmenplan a. Gesamtplan (Originalmaßstab 1:2.000) (vgl. Bildteil, S.56) Der Rahmenplan im Maßstab 1:2.000 entwirft beispielhaft, wie die Entwicklungskonzepte und -strategien (Kap.4) integrativ zusammenwirken. Der Plan stellt die Potentiale des Betrachtungsraumes vor und ist als ein räumliches Szenario der zukünftigen Entwicklung zu verstehen. Im Zusammenwirken mit den vorgestellten Leitlinien der Entwicklungskonzepte verdeutlicht der Rahmenplan die prägenden räumlichen Setzungen im Bundesviertel: Die drei Nord-Süd-Achsen „Meile“, „Magistrale“ und „Allee“ werden als starke Adressen des Bundesviertels ausgebildet. Ebenso wie die „Querachsen“ in Ost-West-Richtung sichern sie die Erschließung des Bundesviertels und werden in Zukunft als Baum bestandene Straßen mit mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer (u.a. Radschnellwege, Radhauptwege) gestaltet. Gleichzeitig soll der ÖPNV auf diesen Hauptrouten ausgebaut werden (u.a. Taktung Stadtbahn + Bus, neue Buslinie). Der „Stadthub“ an der Station UN Campus, die „Mobilstationen“ an den Stadtbahnhaltestellen sowie die „Seilbahn“ ergänzen das Konzept des Umsteigens. Der als „Rücken“ bezeichnete Bereich zwischen „Meile“ und „Magistrale“ stellt einen großräumigen strukturellen Verdichtungsraum dar (u.a. Areal des ehemaligen Landesbehördenhauses, Miesengelände, In der Raste). Einzelareale („Spicken“) im Bereich zwischen „Magistrale“ und „Allee“, wie das Busdepot, ergänzen die strukturelle Verdichtung ebenso wie die Ausbildung eines klaren „Randes“ zum Rheinauenpark. Die bauliche Verdichtung wird ausbalanciert durch neue, großräumige Freiräume wie die „Grünbrücke“ und das „Community Space“. Diese sind als multicodierte Freiräume für Sport, Erholung, Freizeit, für Regenwassermanagement und weitere stadtklimatische Funktionen, für urbane Landwirtschaft und Gärtnern, für informelles Arbeiten und Pausenzeiten sowie als Wegräume für den Fußgänger- und Radverkehr konzipiert. Die „Tore“ als Eingänge und „Mitten“ als programmatisch und stadträumliche Anziehungspunkte sind durch Hochpunkte in je angemessenem Maßstab (Kat. S, M, L) markiert. Das „Labor“ bildet die geografische Mitte des Bundesviertels und stellt als neuer Standort für die Kultur-/Kreativ- und Wissensökonomie und für urbane Produktion ein Schlüsselprojekt der zukünftigen Entwicklung dar. b. Ausschnitt Bereich Nord (vgl. Bildteil, S.57-59) Der Bereich Nord zeigt den „Neuen Kanzlerplatz“ und das Areal südlich des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) (Willy-Brandt-Allee / Welckerstraße) als Hochhausstandorte - die „Nordtore“ in das Bundesviertel. Für das Areal Willy-Brandt-Allee/ Welckerstraße kämen ggf. die Vereinten Nationen als Nutzer in Frage; der Standort liegt im Nahbereich des UN Campus sowie repräsentativ und gut erreichbar an der „Magistrale“. Die Erweiterung der UN am Standort Bonn soll durch die Rahmenplanung unterstützt werden; ein Hochhausstandort (Kat. M) wäre im Hinblick auf die Bedeutung der UN für das Profil und Image der Stadt Bonn durchaus angemessen. Im Ausschnitt Bereich Nord liegen auch der StadtHUB mit der Station UN Campus, der Seilbahnstation und einer Mobilstation sowie die Mitte „Markt“ am Posttower, ebenfalls mit Seilbahnstation. Beide sind als Hochhausstandort der Kategorie S (40m) geplant. Die Station UN Campus wird mit einer Bahnhofsbrücke (Büro, Handel, Gastro) undSeite 30 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 25 einem Hochhaus (Kongresse, Veranstaltungen, Hotel / Boardinghouse) überbaut. (vgl. Vertiefungsbereich „StadtHUB“). Der Straßenraum um den „Markt“ am Posttower (Fritz-Erler-Straße/ Fritz-Schäffer-Straße) soll als Shared-Space mit Aufenthaltsmobiliar umgestaltet werden, so dass sich eine Stadtplatz ähnliche Situation für Märkte, Mittagsangebote, After-Work-Veranstaltungen etc. ergibt. Öffentliche Nutzungen und Gastronomieangebote in den Erdgeschossen der umliegenden Bebauung sollen das Profil ergänzen. Der Parkplatz zwischen Charles-de-Gaulle-Straße und Heimkehrerweg soll – der Lage angemessen - ein attraktiver Ort am Rhein werden: „Rheinblick“. Die freiwerdende Fläche wird als Stadtplatz mit Mobilstation (Café, Fahrradverleih etc.) genutzt. Hier könnte auch ein Badeschiff anlegen. c. Ausschnitt Bereich Mitte (vgl. Bildteil, S.60-64) Der Bereich Mitte wird durch die „Grünbrücke“, ein Landschaftspark beidseitig der A562, und durch das „Labor“, ein Kreativ-Quartier mit Anteilen Forschung, Bildung, Kultur, Kongresse, Produktion und Wohnen, wesentlich geprägt (vgl. Vertiefungsbereiche „Labor“ + „Grünbrücke“). Am Kreuz der B9 und der A562 sind zwei Hochhausstandorte („Telekom“18 + „Labor“) der Kategorie L geplant, die an diesem wichtigen Entwicklungsbereich Impulse setzen. Der Ostrand des Bundesviertels zum Rheinauenpark wird an der Petra-Kelly-Allee durch eine Kette von Punkthäusern auf einem zweigeschossigen Sockel gebildet. Der zweigeschossige Sockel vermittelt zwischen dem Niveauunterschied zwischen Petra-Kelly- Allee und Sträßchensweg und wird gewerblich (z.B. Praxis, Gastro, 18 Für das Hochhaus „Telekom“ besteht bereits Planungsrecht. Laden, Studio) genutzt; die Punkthäuser mit Blick auf Rheinauenpark und Rhein dienen dem Wohnen. Der Ostrand zum Rheinauenpark an der Ludwig-Erhard-Allee wird durch Bürobauten arrondiert. Ein hybrid genutztes Hochhaus (Wohnen + Büro) der Kategorie L bildet an der A562 das „Ost-Tor“ in das Bundesviertel. Jenseits der Bahnstrecke sieht die Rahmenplanung auf dem „Miesengelände“ einen Standort für Kultur- und Kreativwirtschaft, für Forschungseinrichtungen sowie für verträgliche (da emissionsarme), innovative Produktionsbetriebe vor. Der Bereich „In der Raste“ als ein gemischt genutztes Quartier - vorwiegend mit Wohnnutzungen (u.a. Baugruppen, Gemeinschaftswohnen, Mehrgenerationenwohnen) – entwickelt werden. Beide Areale werden zu den Gleisen durch Gebäuderiegel (fünfgeschossig) abgeschirmt, die hauptsächlich gewerblich genutzt werden. Die „Mitte Plaza“ bildet einen Anziehungspunkt an der Kreuzung von „Meile“ und Dottendorfer Straße. Hier ist ein Stadtplatz mit Grün- und Wasserbereichen und ein Gebäudekomplex mit urbanem Nutzungsmix geplant - wie Handel, Gastro, soziale, kulturelle, gesundheitliche Einrichtungen sowie mind. ein Drittel Wohnnutzungen. Ein Hochhaus der Kategorie S verweist hier auf die Mittenfunktion. Zusammen mit dem in Planung befindlichen, nördlich angrenzenden DHL Campus entsteht hier in Zukunft ein lebendiges und stadträumlich hochwertiges Ensemble. Die „Mitte Amphi“ ist als Stadtplatz innerhalb der „Ministerienlandschaft“ konzipiert. Als terrassierte „Landschaft“ zoniert sollen hier Orte für informelles Arbeiten, für Pausenzeiten, für Mittagsangebote, aber auch für größere Veranstaltungen wie Open- Air-Kino / -Konzerte, Sommerfeste etc. entstehen. Im Tiefgeschoss können Fahrräder und PKW geparkt werden; die Mobilstation an derSeite 31 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 26 Haltestelle Robert-Schuman-Platz fördert die Nahmobilität für ÖPNV- Pendler. Der „Treff“ im Johanniterviertel sieht vor, die bestehende Grünfläche an der Adalbert-Stifter-Straße durch Vegetation und Mobiliar aufzuwerten, für Sport und Spiel nutzbar zu machen und mit einem Nachbarschaftshaus für Bildung, Veranstaltungen etc. zu kombinieren. d. Ausschnitt Bereich Süd (vgl. Bildteil, S.65-68) Im Bereich Süd befindet sich ein großräumiger Potentialbereich im „Rücken“ zwischen Meile und Magistrale. Hier empfiehlt die Rahmenplanung zu prüfen, ob durch einen schrittweisen Rückbau und Neustrukturierung eine effizientere Flächennutzung mit einer erhöhten baulichen Dichte, bei gleichzeitiger freiräumlicher Qualifizierung erreicht werden kann. Der Rahmenplan zeigt eine Blockstruktur, in die sich mittig der Community Space als Wegraum und hofähnlicher Grünraum einbettet (vgl. Vertiefungsbereich „Community Space“). Die „Mitte Kiez“ an der Annaberger Straße ist als Ensemble von gemischt genutzten Blöcken gruppiert um einen großzügigen Stadtplatz konzipiert. Soziale und kulturelle Einrichtungen, Einzelhandel und Bildungseinrichtungen sollen hier den „Kiez“ versorgen, in den Obergeschossen wird auch gewohnt. Ein hybrid genutztes Hochhaus der Kategorie S sorgt für Orientierung und Sichtbarkeit innerhalb des Quartiers. Das „Süd-Tor“ wird durch ein hybrid genutztes Hochhaus der Kategorie M gebildet. Die im Bestand gewerblich genutzte Fläche kann deutlich baulich verdichtet werden, um hier – im „Bundesviertel Süd“ neue Lagen zu erschließen und den Bereich um die Stadtbahnstation Hochkreuz/ Deutsches Museum deutlich aufzuwerten. Dazu trägt auch die „Mitte Höfe“ bei, die Raum für Büros und verträgliche Produktion, aber auch für Wohnnutzungen sowie Handel und Gastronomie bietet. Der Baum bestandene Freiraum an der Kreuzung Godesberger Allee / Kennedyallee wird erhalten und gestärkt und leitet in die Sequenz von Höfen und zentralem Platz.Seite 32 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 27 Das „Busdepot“ bietet das Potential, das Gesamtareal durch Stapelung von Flächen effizienter zu nutzen und zu entsiegeln. Der Rahmenplan skizziert einen von der Godesberger Allee erschlossenen Bereich mit einer fünfgeschossigen Bebauung für das Busdepot und einen rückwärtigen, dem Berliner Ringviertel zugeordneten Teil als gemischtes Wohnquartier (vier- bis sechsgeschossig) mit Pocket Park (vgl. Vertiefungsbereich „Busdepot“). Der „Treff“ im Berliner Ringviertel an der Kreuzung Langer Grabenweg / Brandenburger Straße wertet das bestehende Gebäude und die nordwestlich gelegene Freifläche auf, so dass hier – vergleichbar mit dem Treff im Johanniterviertel – ein Nachbarschaftshaus mit Grün-, Spiel- und Sportflächen entstehen kann. An der Ostseite des Bundesviertels entsteht mit dem Bauvorhaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an der Kreuzung Ludwig-Erhard-Allee / Kennedyallee ein neuer Stadtbaustein, der aus Sicherheitsgründen abgeschirmt sein wird und hinsichtlich der Belebung der öffentlichen Räume wenig Spiel bietet. Ein Hochhaus der Kategorie S markiert hier einen (im Vergleich zu den anderen Toren) nachgeordneten Zugang in das Bundesviertel. Gegenüberliegend ist mit der kleinen „Mitte Südpark“ ein neuer Eingang in den Rheinauenpark skizziert worden: ein Gebäude mit Nahversorgungseinrichtungen und ein gut gestalteter Stadtplatz als Parkadresse und mit Aufenthaltsqualität. e. Kennwerte 19 Die Berechnung der Geschossflächen erfolgte methodisch auf Grundlage des 3D-Gebäudemodells der Geobasis NRW und der daraus ermittelten Gebäudevolumina. Für Baublöcke mit vorwiegender Wohnnutzung ist eine Geschosshöhe von 3,00m je Gebäude, für Baublöcke mit einer vorwiegenden Büronutzung ist eine Geschosshöhe von 3,75m je Gebäude angenommen worden. Der Quotient von Geschossfläche Bestand (vgl. Bildteil, S.69) Der gesamte Betrachtungsraum der Rahmenplanung umfasst ca. 500ha und eine Geschossfläche von ca. 2.800.000m².19 Geschossfläche Rückbau (vgl. Bildteil, S.70-71) Die Geschossfläche Rückbau (Abriss) entspricht insgesamt ca. 400.000m², davon entfallen ca. 340.000m² auf Arbeitsflächen / Nicht- Wohnnutzungen, das sind 85%, und 60.000m² auf Wohnflächen, das sind 15%. Die Rahmenplanung erhält 2.400.000m² der bestehenden Gesamtgeschossfläche, das sind 86%. Geschossfläche Neubau (vgl. Bildteil, S.72) Auf Grundlage der im Rahmenplan M 1:2.000 skizzierten Gebäudestruktur und -höhen ist die Geschossfläche Neubau beispielhaft berechnet worden. Insgesamt zeigt der Plan Neubaupotentiale von ca. 1.300.000m² Geschossfläche auf. Abzüglich der Rückbauflächen (ca. 400.000 m²) ergibt sich ein Geschossflächenzuwachs von insgesamt ca. 900.000m². In Summe mit den erhaltenen Bestandsflächen (ca. 2.400.000 m²) ergibt sich ein Geschossflächenangebot von ca. 3.700.000m². Das entspricht einem Zuwachs von ca. 32%. Die Geschossfläche Neubau, die dem Wohnen gewidmet ist, beträgt ca. 417.000m². Abzüglich des Rückbaus von ca. 60.000m² ergibt sich ein Zuwachs von ca. 357.000m² Geschossfläche. Das entspricht 40% Gebäudevolumen und Geschosshöhe ergibt je Gebäude die Geschossfläche, die je Baublock und für das Gesamtgebiet summiert wurden. (Vgl. Kennwerttabelle im Anhang) Die Stadt Bonn unterhält bislang kein eigenes 3D-Stadtmodell. Das 3D-Gebäudemodells der Geobasis NRW ist kostenfrei verfügbar: https://www.opengeodata.nrw.de/produkte/geobasis/3d-gm/3d-gm_lod2/Seite 33 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 28 des Geschossflächenzuwachses insgesamt und einem Potential von 3.570 Wohneinheiten (100m²/WE). Die Geschossfläche Neubau, die dem Arbeiten gewidmet ist, beträgt ca. 880.000m². Abzüglich des Rückbaus von ca. 340.000m² ergibt sich ein Zuwachs von ca. 540.000m² Geschossfläche. Das entspricht 60% des Geschossflächenzuwachses insgesamt. Zuwachs Einwohner und Beschäftigte Die Einwohneranzahl im Bundesviertel liegt im Bestand bei ca. 4.000 Menschen, die Anzahl der Beschäftigten bei ca. 45.000.20 Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Bonn liegt bei 1,9 Personen: Das Potential von 3.570 Wohneinheiten entspricht somit einem Zuwachs von 6.783 Einwohnern (52,6m²/EW). Der Geschossflächenzuwachs im Bereich Arbeiten von ca. 540.000m² bedeutet einen Zuwachs von ca. 16.400 Beschäftigten (33m²/AP). Die Einwohnerzahl würde sich entsprechend von ca. 4.000 auf ca. 11.000 Menschen erhöhen, die Beschäftigtenzahl von ca. 45.000 auf ca. 61.400. 20 Vgl. Informationsdienst Bundesstadt Bonn 2018 und Statistik aktuell Bundesstadt Bonn 2018Seite 34 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 29 6. Vertiefungsbereiche a. StadtHUB UN Campus (vgl. Bildteil, S.74-76) Das überregionale Tor zum Bundesviertel, insbesondere auch zum UN Campus, bildet die Bahnstation an der Meile. Dieser Ort des Ankommens soll vom unscheinbaren Bahnsteig zu einem repräsentativen Umstiegsort, einem StadtHUB, entwickelt werden und mit Funktionen für Pendler und Anwohner angereichert werden. Die Station UN Campus wird mit einer „Bahnhofbrücke“ überbaut: Das Gebäude wird über den Gleisen aufgeständert und verbindet West- und Ostseite sowie die Gleise selbst miteinander. Hier finden typische Bahnhofsfunktionen (Bäcker, Cafe, Kiosk, Blumenladen, Apotheke usw.) ebenso wie Büros (Co-Working) oder auch Services (Friseur, Fitness etc.) Raum. Ein Hochhaus der Kategorie S markiert den Ort und bietet Platz für Kongresse, ein Hotel oder Boardinghaus. Die Station UN Campus wird ergänzt durch eine Seilbahnstation und eine Mobilstation am Fernbusbahnhof: Das bestehende Parkhaus wird umgebaut und das Mobilitätsangebot erweitert (Parkierungsanlagen PKWs und Fahrräder, Sharing-Modelle: Fahrrad, E-Bike, E-Scooter, E-Roller, Segway etc., Ride-Sharing, Stadtbahn-/Busstation). Die Genscherallee wird als Baum bestandener Boulevard nach dem Vorbild der Heussallee ausgebaut. Langfristig sollte hier die bestehende Wohnbebauung durch eine flächeneffizientere Struktur ersetzt werden mit zeitgemäßen Wohnformen und öffentlich genutzten Erdgeschossen. Der Community Space verläuft hier in der Emil-Nolde-Straße parallel zur Meile, quert die Genscherallee und setzt sich in der Paul-Clemen- Straße fort. b. Labor (vgl. Bildteil, S.77-79) 21 Läpple, Dieter, Produktion zurück in die Stadt. Ein Plädoyer, in: Stadt Bauwelt: Die Produktive Stadt, H. 35, 28, 2016 Auf dem Gelände des ehemaligen Landesbehördenhauses wird in Zukunft ein wegweisendes neuartiges Quartier im Bundesviertel entstehen. Im geografischen Zentrum des Viertels und an der Schnittstelle von Grünbrücke, Meile und Magistrale gelegen soll ein belebtes und autoarmes Quartier für Kreative, Kulturschaffende, Wissenschaftler, Produktive und Maker entwickelt werden. Unterschiedliche Maßstäbe, Funktionen, Branchen und Menschen treffen hier aufeinander. Die offene, Campus ähnliche Baustruktur fördert Begegnung und Austausch. Der Community Space verwebt sich hier mit einem Netz diverser, auch nutzungsoffener Freiräume: Werkhöfe, Open-Air-Veranstaltungsflächen, möblierte Plätze für informelles Arbeiten und Meetings sowie Grünflächen für Pausenzeiten und Entspannung. Eine Mediathek und das InnovationCenter mit Maker-Spaces und Co- Working Angeboten lockt Menschen aus der ganzen Region an diesen Ort. Ein Konferenz- und Veranstaltungshaus ergänzt das Profil des Bundesviertels als Kongressstandort. Die innovationsfreundliche Atmosphäre macht das „Labor“ auch für Lehr- und Forschungseinrichtungen attraktiv. Nicht zuletzt ergänzen Ateliers und Studios, aber auch Manufakturen und Handwerksbetriebe als verträgliche Produktionsbetriebe und „stille Partner der Kreativwirtschaft“ (Ron Shiffman) das Angebot.21 Im „Labor“ soll nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt werden. Neue Wohnformen, wie Co-Housing oder Mikroapartments, sollen für gut und gering Verdienende gleichermaßen zur Verfügung stehen. Das Hochhaus der Kategorie L (100-120m) wird gemischt genutzt. Mindestens 20% der Geschossfläche werden durch Bewohner genutzt. Erd- und Sockelgeschosse sind für öffentliche und halböffentliche Nutzungen, soziale und kulturelle Programme reserviert.Seite 35 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 30 c. Busdepot (vgl. Bildteil, S.80-82) Für das Busdepot der SWB an der Godesberger Allee sieht die Rahmenplanung eine Neuorganisation der Fläche vor. Einerseits braucht das Depot aus logistischen Gründen eine zentrale Stadtlage und soll am Ort verbleiben, andererseits handelt es sich um einen auch für andere Nutzungen attraktiven Standort. Durch das Stapeln von Abstellflächen für Busse und Serviceflächen (Reinigen, Reparatur etc.) kann das Gesamtareal effizienter genutzt werden: Es wird in zwei Teile gegliedert. Auf dem von der Godesberger Allee erschlossenen Teilbereich sind zwei große, hybrid genutzte Gebäude für die Programmbausteine des Busdepots vorgesehen: Zwei Hallengebäude mit einem Tiefgeschoss und zwei Obergeschossen nehmen die Parkplatz- und Serviceflächen auf. Darauf werden drei weitere Geschosse als Ring bzw. Riegel gestapelt, die als Büros z.B. für die Verwaltung des Depots, und als Wohnungen genutzt werden. Die Dachflächen werden begrünt und als (Wohn-)Höfe genutzt. Auf dem zweiten, rückwärtig gelegenen Teilbereich wird ein Wohnensemble mit einem Pocketpark entwickelt: Mehrere vier- bis sechsgeschossige Punkthäuser gruppieren sich um den Park und am Langer Grabenweg. Die Erdgeschosse sind für gewerbliche, soziale und kulturelle Nutzungen reserviert und beleben den öffentlichen Freiraum. Baugruppen, Familien, Wohngemeinschaften finden hier einen Wohnstandort, der zeigt, wie urbane Nachverdichtung mit hybriden Strukturen funktionieren kann. Durch das Anlegen des Pocketparks wird der zurzeit vollversiegelte Standort auch klimatisch aufgewertet. Zwischen den beiden Teilbereichen wird durch eine Wohnstraße eine neue Verbindung in Nord-Süd-Richtung geschaffen. Nördlich verbindet ein neuer Fuß- und Radweg die Godesberger Straße mit dem Langer Grabenweg. d. Grünbrücke (vgl. Bildteil, S.83-86) 22 Vgl. Platz-Projekt, Hannover, https://platzprojekt.de/ Die Infrastrukturrestflächen beidseitig der A562 werden „gekapert“ und als großer ostwestlich ausgerichteter Park - als „Grünbrücke“ – gestaltet und für Bewohner und Beschäftigte nutzbar gemacht. So wird die Lücke im großräumigen Freiraumsystem geschlossen und Rhein und Rheinauenpark werden über den Südfriedhof und Venusberg an den Kottenforst angebunden. Der Park ist ca. 14 ha groß und umfasst vier Teilbereiche, die durch die Autobahn und die Godesberger Allee getrennt werden. Man könnte auch sagen, dass die Stadtbahnstation Olof-Palme-Allee in Zukunft in einem Park liegt. Südlich der A562 werden die beiden Teilbereiche als „Bachpark“ gestaltet. Beidseitig des renaturierten Annaberger Baches werden Retentionsflächen, Wassergärten und -speicher angelegt. Der Baumbestand wird angereichert und verjüngt. Ein Spazierweg wird separat vom Radschnellweg geführt, der den Radschnellweg an der „Meile“ mit dem Radschnellweg am Rhein verbindet. Beidseitig des Weges sind Flächen zum Gärtnern, kleinere Spielflächen und Platzsituationen mit Bänken angelegt. Der „Bachpark“ umfasst insgesamt (Teil 1+2) rund 10ha. Nördlich der A562 wird ein „Sportpark“ als Ergänzung der bestehenden Vereinsflächen (Tennis) entwickelt: Dieser Teilbereich (4) umfasst ca. 2 ha. Hier sind Multisportanlagen, ein Skateplatz und diverse Sportkleinanlagen (Tischtennis etc.) in eine Baumbestandene Wiese eingebettet. Der Teilbereich 3 (1,5 ha) liegt ebenfalls nördlich der A562 angrenzend an das Labor. Hier soll ein „Experimentier-Park“ einen temporären „freien Raum“ bieten. Ein Gründerdorf bildet einen Satelliten des Labors – gebaut aus vorgefertigten, leicht demontierbaren Mikroarchitekturen. Die Freiflächen werden als Grünflächen mit Gemeinschaftsgärten und als kleine Werkhöfe genutzt.22Seite 36 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 31 e. Community Space (vgl. Bildteil, S.87-90) In Nord-Süd-Richtung entsteht innerhalb des verdichteten „Rückens“ eine Sequenz öffentlicher und halböffentlicher Freiräume: Der sogenannte „Community Space“ vernetzt das Bundesviertel über eine Länge von knapp drei Kilometern und bietet Plätze und Grünräume mit Gemeinschaftsgärten, Sport- und Spielplätze sowie verkehrsberuhigte Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer. Die Schemaschnitte illustrieren beispielhaft drei Situationen des Community Space. Der Teilbereich Baunscheidstraße wird in eine verkehrsberuhigte Straße umgebaut. Stellplätze werden reduziert zugunsten von breiteren Fußwegen und Gebäudevorbereichen. Die bestehende Grünfläche östlich der Fahrbahn wird aufgewertet durch mehr Bäume und Stadtmobiliar. Im Bereich der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sind bereits Flächen für Gärten angelegt, die ausgebaut werden könnten. Der Schemaschnitt Kiez I zeigt exemplarisch wie ein grüner Abschnitt des Community Space gestaltet und genutzt wird. Hier ist ein Park ähnliches, öffentlich nutzbares Freiraumband mit größeren Baumgruppen skizziert. Mittig verläuft ein Fuß- und Radweg, an den Aufenthalts- und Spielflächen angelagert sind. Die Grünräume sind durch Retentionsflächen, Wassergärten und Gemeinschaftsgärten gegliedert. Angrenzend an die Erdgeschosse befinden sich private Gärten. Der Schemaschnitt Kiez II zeigt exemplarisch, eine Platzsituation des Community Space. Ein Stadtplatz ähnlicher Hof mit grüner Mitte spannt sich zwischen den Gebäuden auf. Breite, Gebäude bezogene Freiflächen an den Hofrändern sind für Spiel, Werken, Aufenthalt oder auch Außengastronomie vorgesehen. Temporäre Mikroarchitekturen dürfen hier (in Selbstbau) aufgestellt werden und beleben den Platz als Festzelt, Laube, Gewächshaus, Fahrradwerkstatt etc.Seite 37 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 32 7. Resümee. Beitrag zum Klimaschutz Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Ressourcenknappheit soll im Folgenden herausgestellt werden, welchen Beitrag die Rahmenplanung zum Klimaschutz, zur Verkehrs- und Energiewende sowie zum Ressourcen und Energie effizienten Bauen leistet. Das Strukturkonzept (Kap.4a) sieht eine Verdichtung der bestehenden Stadtstruktur im Innenbereich vor, was dem grundsätzlichen Nachhaltigkeitsziel der „Innen- vor Außenentwicklung“ (§1, Abs. 5 BauGB) und der angestrebten Reduktion der Neuinanspruchnahme von Natur- und Landschaftsflächen für das Siedlungswachstum entspricht („30ha Ziel“). Die Optimierung der Flächennutzung ist in einem Bestandsgebiet wie dem Bundesviertel zwangsweise auch mit Rückbau von Gebäudesubstanz verbunden. Der Rückbau ist mit Blick auf den Ressourcenwert und die Graue Energie der Bestandsgebäude genau zu prüfen. Ziel von Rückbau und Neubau sollte neben einer baulichen Verdichtung möglichst eine Reduktion der versiegelten Fläche und die Qualifizierung von Freiräumen sein. Rückbaumaterialien sollten wo möglich recycelt werden. Die bauliche Verdichtung wird durch die Strategie „Freiräumen“ ergänzt: Zwei neue großräumige Grünstrukturen – die „Grünbrücke“ und das „Community Space“ – optimieren und profilieren das Freiraumsystem im Bundesviertel. Bestehende Grünstrukturen, wie die Alleen, sollen ausgebaut werden. Das Integrierte Freiraumsystem 2012 der Stadt Bonn wird durch diese Maßnahmen unterstützt. Für Schlüsselprojekte und große Projekte (Neubau und Sanierung) gilt die Verpflichtung zur Begrünung von Flachdächern und zur Vernetzung von Grün- und Freiräumen durch u.a. begrünte Außenanlagen und Fassaden (Vgl. Umsetzungskonzept, Kap. 4e). 23 Vgl. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/bundesregierung-klimapolitik-1637146; https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/, bsd. Goal 11 Insgesamt sollen bei der Planung von Gebäuden, Freiräumen und Infrastrukturen „Schwammstadtprinzipien“ angewandt werden. Dazu gehört das Anlegen von Retentionsflächen, Wasserspeichern (u.a. auch Zisternen) sowie Mulden-Rigolen-Systemen in Parks und Straßenräumen sowie die Dach- und Fassadenbegrünungen von Gebäuden. Die Strategie Freiräumen zielt insgesamt auf die Stärkung der Biodiversität und eine positive Beeinflussung des Stadtklimas. Das Nutzungskonzept (Kap. 4b) fordert einen urbanen Nutzungsmix und die Erhöhung des Wohnanteils im Bundesviertel. Damit wird das Leitbild einer kompakten, nutzungsgemischten Stadt der kurzen Wege verfolgt: Fahrten werden reduziert bzw. vermieden, Einpendler können zu Einwohnern werden. Das Verkehrskonzept (Kap. 4d) beruht auf der Idee des Umsteigens und fördert damit die Verkehrswende - entsprechend der Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung und der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.23 Der Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß gehen; Sharing-Modelle) soll gefördert werden durch den Ausbau von Umstiegsorten (RegioHubs, StadtHubs, Mobilstationen), eine Kapazitätssteigerung des schienengebundenen Personennahverkehrs, das Einrichten einer neuen Buslinie und der Seilbahn sowie durch die Verbesserung der Langsamverkehre (Ausbau Fuß- und Radwege z.B. Community Space, Ausbau Radschnellwege und Radhauptwege). Das Umsetzungskonzept (Kap.4e) sieht neben den bereits genannten Nachhaltigkeitszielen vor, dass für Schlüsselprojekte und große Projekte (Neubau und Sanierung) die Verpflichtung zur Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzeptes gilt mit der Prüfung der Aspekte Umweltverträglichkeit, Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Klimaschutzes und zukunftsfähige Mobilität.Seite 38 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn Bericht, Juli 2019 Cityförster architecture + urbanism BiLDteiLSeite 39 von 130 Bonndesviertel ... gehört zu Bonn. Rahmenplanung Bundesviertel Bonn CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 4 Buntesviertel … ist Stadt und Arbeitsplatz. Rahmenplanung Bundesviertel Bonn CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 5 Bund@sviertel … ist offen für die Wissensökonomie. Rahmenplanung Bundesviertel Bonn CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 6 Bundesvierte¶~~~ … liegt am Rhein. Rahmenplanung Bundesviertel Bonn CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 7 Bundbviertel … steigt um und sattelt auf. Rahmenplanung Bundesviertel Bonn CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 8 Bundesviertel X … verbindet verschiedene Welten. Rahmenplanung Bundesviertel Bonn CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 9 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.2 3a. EntwicklungszieleSeite 40 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.3 3b. LeitbildSeite 41 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.4 4a. Strukturkonzept Strategie „Verdichten“ Strategie „Freiräumen“ DichtemodellSeite 42 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.5 Strukturkonzept restriktionen rückbau + Potentiale Neubau „Fundamente“ Ziele: 1. identität stiftende Bereiche stärken und bewahren 2. innere Potentialflächen entwickeln und sinnvoll pro- grammieren UN Campus ehem. regierungsviertel (Kanzlerbungalow, Palais schaumburg etc.) Johanniterviertel Berliner ringviertel telekom GiZ Museen MinisterienSeite 43 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.6 „rücken“ „spicken“ „Parkrand“ Strukturkonzept strategie Verdichten Ziele: 1. ausbalancieren (Verdichtung N-s-O-W) 2. formen (ränder strukturieren) 3. aktivieren (untergenutzter Orte) 4. verbinden (sprung über die Gleise)Seite 44 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.7 Strukturkonzept strategie Freiräumen Ziele: 1. Lückenschluss freiraumsystem (Kottenforst - rhein) 2. Begegnungsorte im freien 3. sport, freizeit, erholung stärken 4. Wege attraktiver gestalten 5. ifs unterstützen „Grünbrücke“ „Communitypark“ „Alleen + Boulevards“ Boulevard Rhein Rheinauenpark Community Space Süd-Friedhof Venusberg Allee GrünbrückeSeite 45 von 130 nicht bebaut Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.8 Strukturkonzept Bestand Bauliche Dichte Baublöcke: 96 Baublöcke > 0,5: 20 Baublöcke 0,5-1,0: 26 Baublöcke 1,0-1,5: 29 Baublöcke 1,5-2,0: 11 Baublöcke 2,0-2,5: 5 Baublöcke 2,5-3,0: 2 Baublöcke 3,0-3,5: 0 Baublöcke < 4,0: 2 Gf Bestand: ca. 2.800.000m² >0,5 0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 3,5-4,0 3,0-3,5 <4,0 >0,5 0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 3,5-4,0 3,0-3,5 <4,0 Marriot-Hotel Bundesrechnungshof telekom Posttower Neuer KanzlerplatzSeite 46 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.9 Strukturkonzept Dichtemodell rahmenplanung Baublöcke: 96 Baublöcke > 0,5: 11 Baublöcke 0,5-1,0: 20 Baublöcke 1,0-1,5: 26 Baublöcke 1,5-2,0: 23 Baublöcke 2,0-2,5: 10 Baublöcke 2,5-3,0: 3 Baublöcke 3,0-3,5: 1 Baublöcke 3,5-4,0: 2 Baublöcke < 4,0: 4 Gf Gesamt: ca. 3.700.000m² Gf Bestand: ca. 2.800.000m² Gf Neubau: ca. 1.300.000m² Gf rückbau: ca. 400.000m² Gf Zuwachs: 900.000m² Gf erhalt: ca. 2.400.000 m² Marriot-Hotel Posttower Neuer Kanzlerplatz Labor süd-tor Bsi telekom Bundesrechnungshof nicht bebaut >0,5 0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 3,5-4,0 3,0-3,5 <4,0 >0,5 0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 3,5-4,0 3,0-3,5 <4,0Seite 47 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.10 Strukturkonzept Dichtezuwachs rahmenplanung ränder tore rücken (+ „entwicklungsraum süd“) nicht bebaut >0,5 0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 3,5-4,0 3,0-3,5 <4,0 >0,5 0,5-1,0 1,0-1,5 1,5-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 3,5-4,0 3,0-3,5 <4,0Seite 48 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.11 4b. Nutzungskonzept Strategie „Mischen“ Nutzungsmodell Strategie „Pulsieren“ Strategie „Öffnen“Seite 49 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.12 vorwiegend: Wohnen Arbeiten Bildung/soziales/Kultur ungenutzt Nutzungskonzept Analyse Bestand vorwiegende Nutzung BV: Wirtschaftsstandort (überwiegend Dienstleistung) Wohnquartiere als enklaven (Johanniterviertel + Berliner ringviertel) Museumsmeile BV in Zahlen: ca. 45.000 Arbeitsplätze (= ca. 20% Gesamtstadt) ca. 4.000 einwohner (= ca. 1,2% Gesamtstadt)Seite 50 von 130 Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.13 Nutzungsmodell (Nutzungspektrum je Baublock) Wohnen Hybrid Wohnen Büro Hybrid Büro Hybrid Mitte Hybrid KK, Wö/fB, UP Bildung/soziales/Kultur Nutzungskonzept strategie Mischen Ziele: 1. Urbaner Nutzungsmix 2. Branchendiversität 3. Wohnen: „mehr, anders, bezahlbar“
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 23:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de