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190315 · Beschlussvorlage

Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61)

Nummer
190315
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
29.10.2019
Letzte Änderung
18.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 05.11.2019 Anhörung
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 06.05.2020 Anhörung
  3. Sitzung des Hauptausschusses anstelle des Rates nach § 60 Abs. 1 Satz 2 GO NRW 07.05.2020 Entscheidung federführend
  4. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz 12.03.2020 Empfehlung
  5. Sitzung des Ausschusses für Planung, Verkehr und Denkmalschutz 12.02.2020 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 190315-3 AA Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61) Antrag zur Vorlage 190315
  2. 190315-7 ST Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61)
  3. 190315-1 AA Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61) Antrag zur Vorlage 190315
  4. 190315-4 AA Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61) Antrag zur Vorlage 190315
  5. 190315-5 AA Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61), Antrag zur Vorlage 190315
  6. 190315-6 AA Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61) Antrag zur Vorlage 190315
  7. 190315-9 AA Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61) Antrag zur Vorlage 190315
  8. 190315-2 ST Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF Amt 61)

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Beschlussvorlage
öffentlich
190315
Rahmenplanung Bundesviertel (Alt 1912597, FF
Amt 61)
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bonn 05.11.2019 Anhörung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 06.11.2019 Anhörung
Rat 07.11.2019 Entscheidung
Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz 28.11.2019 Empfehlung
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag (vorbehaltlich der Empfehlung des Umweltausschusses)
1. Die Rahmenplanung Bundesviertel wird als städtebauliches Entwicklungskonzept
beschlossen, das bei der Aufstellung oder Änderung von Bauleitplänen gemäß § 1
Abs. 6, Nr. 11 Baugesetzbuch (BauGB) mit seinen Zielen und Vorgaben zu
berücksichtigen ist.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, jährlich über die Entwicklung des Bundesviertels im
Sinne einer Evaluation der Rahmenplanung zu berichten.
Begründung
Beratungsfolge Sitzung Ergebnis
Unterausschuss für Denkmalschutz 18.09.2019 einstimmig 9
Bezirksvertretung Bonn 01.10.2019 1. Lesung 9
Ausschuss für Wirtschaft und
Arbeitsförderung
02.10.2019 Mehrheit gegen Linke
bei Enth. BBB mit
Protokollerklärung
Stv. Beu, sh.
1912597EB3
2
Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz
30.10.2019 2
Der Rat der Stadt Bonn hat die Verwaltung beauftragt, für das ehemalige
Regierungsviertel – heutige Bundesviertel – eine Rahmenplanung aufzustellen (DS-Nr.:
1613311). Darüber hinaus hat der Hauptausschuss beschlossen, dass die Verwaltung
eine städtebauliche Planung erarbeitet, die Bereiche aufzeigt, wo prioritär größere
Ansiedlungen von Büroarbeitsplätzen inklusive Gebäude mit mehr als 8 Geschossen
städtebaulich vertretbar sind (DS-Nr.: 1613819). Der Rat hat mit Beschluss vom
28.09.2017 seinen Auftrag noch einmal konkretisiert und den Untersuchungsbereich
(Bundesviertel: Bereich zwischen dem Rhein im Osten und der linksrheinischen DB-
Federführung:
Bezirksverwaltungsstelle Bonn Dezernat:
Dez. ISeite 1 von 130

Seite 2
Strecke im Westen sowie zwischen der zweiten Fährgasse/ B 9 im Norden und der
Kennedyallee im Süden) um die Flächen des sog. „Miesen-Gelände“ und „In der Raste“
ergänzt (DS-Nr.: 1712438EB6). Mit gleichem Beschluss wurden Leitlinien, die bei der
künftigen Entwicklung des Bundesviertel zu berücksichtigen sind, formuliert.
Darüber hinaus wurde vom Ausschuss für Planung, Verkehr und
Denkmalschutz beschlossen, dass bei der Erstellung der Rahmenplanung auch
die Verkehrssituation für alle Verkehrsarten berücksichtigt wird (DS-Nr.
1713685EB2, Ziffer 3).
Aus diesem Grunde wurde das Ingenieurbüro VSU beauftragt, das
Wettbewerbsverfahren zu begleiten und die teilnehmenden Büros bei den
verkehrsplanerischen Aspekten zu beraten.
Zudem sollen die verkehrlichen Auswirkungen der Rahmenplanung durch das
Büro mit Hilfe einer Verkehrsmodellrechnung prognostiziert und bewertet
werden.
Im Rahmen einer dreitägigen Planungswerkstatt mit vier ausgewählten
Planungsbüros wurde durch eine Fachjury unter Beteiligung von Vertretern aus
Politik und Verwaltung der Entwurf des Büros Cityförster, Hannover als
Grundlage für die Erarbeitung der Rahmenplanung Bundesviertel ausgewählt.
Das Ergebnis der Planungswerkstatt wurde im Städtebau- und
Gestaltungsbeirat und gemäß Beschluss des Ausschusses für Planung,
Verkehr und Denkmalschutz (DS-Nr.: 1713685NV6) am 11.10.2018 der
Öffentlichkeit präsentiert und zur Diskussion gestellt. Zusätzlich hat die
Verwaltung entsprechend Beschlussfassung die großen Arbeitgeber im
Bundesviertel sowie Vertreter der Wirtschaftsverbände in einer gesonderten
Informationsveranstaltung über die Planung unterrichtet und mit
ihnen die neuen Zielsetzungen erörtert.
Aufbauend auf dem Ergebnis der Planungswerkstatt hat das Büro Cityförster
auch unter Berücksichtigung der Äußerungen aus den verschiedenen
Beteiligungsveranstaltungen seine programmatischen Ansätze noch einmal im
Detail überprüft, ergänzt, mit der Örtlichkeit abgeglichen und hinsichtlich
aktueller Entwicklungen überarbeitet.
Im Ergebnis liegt nun ein Entwicklungskonzept für das Bundesviertel vor,
welches in einem Struktur-, Nutzungs-, Hochhaus- und Mobilitätskonzept die
Leitlinien für die künftige Entwicklung definiert. In einem abschließenden
Umsetzungskonzept sind Schlüsselprojekte als Impuls gebend benannt und für
eine zeitnahe Umsetzung empfohlen und für ausgewählte Bereiche bereits
detaillierter ausgearbeitet.Seite 2 von 130

Seite 3
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen zum Klimawandel wird auch
der Beitrag der Rahmenplanung zu diesem Thema für die unterschiedlichen
Handlungsfelder resümierend aufgezeigt.
Das Strukturkonzept
Im Strukturkonzept sind die Bereiche definiert, die Identität stiftend für das
Bundesviertel sind, wie der UN Campus, der Park mit Palais Schaumburg,
Kanzlerbungalow und Villa Hammerschmidt, die Wohnquartiere
Johanniterviertel und Berliner Ringviertel sowie die Museen an der B 9. Diese
„Fundamente“ des Bundesviertels, zu denen auch die unter Denkmalschutz
stehenden Gebäude und der Rheinauenpark gehören, gilt es für die Zukunft zu
bewahren und zu stärken. Demgegenüber stehen die Flächen, die
untergenutzt, in die Jahre gekommen oder noch nicht einer Entwicklung
zugeführt sind. Das künftige Handeln soll dort durch die beiden strategischen
Ausrichtungen „Verdichten“ und „Freiräumen“ geleitet sein. „Verdichten“ zielt
auf eine Aktivierung und Stärkung untergenutzter Orte, der Formung
städtebaulicher Ränder und der Stärkung der zentralen Bereiche zwischen
Magistrale (B 9) und Meile (Bahnparallele) dem sogenannten „Rücken“ ab.
„Freiräumen“ bedeutet in diesem Zusammenhang den Ausbau, die
Attraktivierung und Vernetzung der Nord-Süd und Ost-West-Verbindungen
durch Grünräume, Alleen und Boulevards. Dabei gilt es, eine weitere bauliche
Verdichtung mit dem Erhalt, der Ergänzung und dem qualitätsvollen Ausbau
von Freiflächen zu verbinden.
Das Nutzungskonzept
Mit rd. 45.000 Beschäftigten und knapp 4.000 Einwohnern ist das Bundesviertel
klar auf Arbeiten ausgerichtet und von einer hohen Branchenhomogenität
geprägt. Seine Funktion als Arbeitsplatzzentrum und wichtiger Büromarkt der
Stadt Bonn soll erhalten bleiben. Künftige Entwicklungen sollen strategisch von
einem „Mischen“, „Pulsieren“ und „Öffnen“ geleitet sein. Das Bundesviertel
bleibt der zentrale Bürostandort für Bonn und soll als solcher weiterentwickelt
werden, gleichzeitig gilt es anstehende bauliche Veränderungen auf eine
deutlichere Mischung der Nutzungen, eine Öffnung der Erdgeschosszonen und
eine Verbesserung der Durchwegungen abzustellen, um das Bundesviertel
langfristig urbaner und lebendiger zu gestalten. Dabei zielt die strategische
Neuausrichtung nicht nur auf ein Mehr an Wohnen ab, sondern auch auf
durchmischte Wohnformen, die Ansiedlung von Infrastruktureinrichtungen
sowie auf eine deutlichere Mischung der Branchenzusammensetzung.
Gleichzeitig werden sogenannte „Mitten“ definiert, an denen sich das Thema
Belebung und Mischung bündelt und die für die verschiedenen Quartiere die
Funktion von zentralen Orten einnehmen sollen. Diese Mitten sind strategisch
gesetzt und durch einen Hochpunkt der niedrigsten Kategorie (40 m, s. a.
Hochhauskonzept) markiert und betont.
Das MobilitätskonzeptSeite 3 von 130

Seite 4
Der Bürostandort Bundesviertel ist nicht nur der zentrale
Arbeitsplatzschwerpunkt der Stadt Bonn, sondern strahlt weit auf die Region
aus mit der Folge, dass in den Spitzenzeiten sowohl die Hautverkehrsstraßen
als auch der ÖV, d.h. Busse und Bahnen, im Plangebiet stark ausgelastet bzw.
in Teilbereichen bereits überlastet sind.
Eine weitere bauliche Verdichtung, die die Rahmenplanung aufzeigt, würde
daher die Verkehrssituation bei gleichbleibendem Mobilitätsverhalten weiter
verschärfen. Das bestätigen auch die ersten Prognoseberechnungen des Büros
VSU. Neben den Verkehrszuwächsen auf der B9, Heussallee, Franz-Josef-
Strauß-Allee und dem bahnparallelen Straßenzug wären aber auch sensiblere
Straßen in Kessenich/Dottendorf sowie in Bad Godesberg (Friesdorf,
Hochkreuz) betroffen.
Daher ist die sukzessive Umsetzung der Rahmenplanung nur im
Zusammenhang mit Maßnahmen zu sehen, die insgesamt zu einer
wesentlichen Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs führen. Dies
sind insbesondere Maßnahmen zum Ausbau des SPNV/ÖPNV-Angebotes, der
Radinfrastruktur, des Car-Sharing-Angebotes sowie weiterer neuer innovativer
Mobilitätsformen. Aber auch Ansätze, wie etwa eine Stellplatzsatzung in
Kombination mit einer ausgedehnten Parkraumbewirtschaftung, sind in diesem
Zusammenhang unverzichtbar.
Das Büro City-Förster setzt bei seinem erarbeiteten Mobilitätskonzept bereits
früher an. Die Rahmenplanung zeigt dies durch den programmatischen Ansatz
des „Umsteigens“ auf. Diese Strategie zielt auf ein insgesamt verändertes
Mobilitätsverhalten ab - hin zum Umweltverbund (ÖV, Fahrrad,
Fußgängerverkehr oder andere alternative Verkehrsmittel). Diese
„Umstiegskultur“ ist ein Prozess, der letztendlich mit einer
Bewusstseinsänderung jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers einhergehen
muss. Dieser Prozess soll in den nächsten Jahren insbesondere durch das
betriebliche Mobilitätsmanagement unterstützt werden.
Zur Förderung des Umstiegs vom Auto auf den Umweltverbund werden neben
den oben genannten Maßnahmen auch sogenannte „Hubs“ im Konzept
vorgeschlagen. Dabei wird der Blick von der Region auf die Gesamtstadt bis zu
den einzelnen Quartieren im Bundesviertel gelenkt. An Bahnhöfen und
Haltepunkten von Eisenbahn und Stadtbahn sollen durch die Einrichtung
sogenannter „Regio-Hubs“ Pendler mit dem Kfz bereits an der Stadtgrenze
abgefangen werden. Im Stadtgebiet soll ein Umsteigen innerhalb des
Umweltverbundes durch konzentrierte Angebote an zentralen Knotenpunkten,
sogenannten „City-Hubs“, gefördert werden. Im Bundesviertel sollen darüber
hinaus an dezentralen Mobilstationen Angebote zur Verteilung im Nahbereich
zur Verfügung gestellt werden.
Das HochhauskonzeptSeite 4 von 130

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Im Hochhauskonzept sind Standorte für mögliche neue Hochpunkte bestimmt.
Dabei wird zwischen drei Kategorien mit unterschiedlichen
Höhenentwicklungen unterschieden.
Die Positionierung der Hochpunkte folgt klaren Regeln. Hochpunkte liegen an
den zentralen Verkehrsachsen, betonen die Eingänge ins Bundesviertel, liegen
in fußräumlicher Entfernung zu Haltestellen des schienengebundenen
Nahverkehrs und/ oder betonen die neuen „Mitten“.
Bei der Definition der Standorte wird zwischen drei Höhenkategorien
entsprechend der jeweiligen räumlichen Lage unterschieden.
Die höchsten Hochpunkte (Höhe max. 100 – 120 m) sind auf die beiden
markanten Eingangsbereiche im Osten und Westen beschränkt. Hochpunkte
der zweiten Kategorie (Höhe 60 – 80 m) betonen die Magistrale (B 9) als
Haupterschließungsachse und markieren das nördliche und südliche
Eingangstor.
Die Hochpunkte der dritten Kategorie (Höhe 40 m) sind jeweils den neuen
„Mitten“ zugeordnet um diese im stadträumlichen Gefüge zu markieren und zu
betonen.
Die Stadtbildprägende Wirkung der Hochpunkte wurde durch Sichtfeldstudien
überprüft. Für die Ausgestaltung der Hochpunkte sind Leitlinien definiert.
Das Umsetzungskonzept
Das abschließende Umsetzungskonzept setzt auf die Strategien des
„Priorisieren“ und „Verpflichten“. Hierzu werden Schlüsselprojekte benannt, d.
h. Projekte, die strukturell, programmatisch und verkehrlich erheblich zur
Erreichung der Entwicklungsziele (urbaner Mix, Branchenmix, Verkehrswende,
Vernetzung) beitragen und daher prioritär, weil wegweisend, umgesetzt werden
sollten. Zudem benennt das Umsetzungskonzept Impulsprojekte, die relativ
leicht umsetzbar sind. Das Umsetzungskonzept definiert aber auch Selbst-
Verpflichtungen für die Prozess- und Objektqualität.
Nur ein vorgegebener Handlungsrahmen mit Leitlinien, der mindestens für alle
Schlüsselprojekte sowie die größeren Projekte verpflichtend ist, kann den Weg
zu einem, in seiner Funktionsfähigkeit und seiner Urbanität gestärkten und
damit zukunftsfähigen Bundesviertel, vorbereiten.
Neben diesen städtebaulichen Entwicklungsschritten muss parallel die
Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden, die Kapazitäten im ÖV wesentlich
erhöht werden und die weiteren Elemente des Mobilitätskonzeptes umgesetzt
werden. Dies haben die ersten Bewertungen des Ingenieurbüros VSU gezeigt.
Ansonsten wäre die Verkehrserschließung des Bundesviertels nicht mehr
uneingeschränkt gegeben.
In diesem Zusammenhang wird es in einer der nächsten Sitzungen eine
gesonderte Vorlage zu den abschließenden Ergebnissen der Untersuchung desSeite 5 von 130

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Büros geben. Darauf aufbauend muss dann ein konkretes Maßnahmenkonzept
erarbeitet werden.
Die einzelnen Konzepte mit den dazu gehörigen Zielen und Strategien vom
Büro City-Förster sind ausführlich in den beigefügten Unterlagen dargestellt
und erläutert.
Die vom Rat am 28.09.2017 beschlossenen Leitlinien für die künftige
Entwicklung des Bundesviertel wurden in der Planungswerkstatt mit allen
Beteiligten intensiv diskutiert und vor dem Hintergrund der erarbeiteten
Zielsetzungen und Handlungsstrategien durch die Rahmenplanung
weiterentwickelt.
Zusammenfassend skizziert die Rahmenplanung im Sinne einer mehrfachen
Innenentwicklung wie das Bundesviertel baulich-freiräumlich, programmatisch
und verkehrlich verdichtet, diversifiziert und qualifiziert werden kann und ist
damit mehr als ein Plan, sondern ein städtebauliches Entwicklungskonzept im
Sinne des § 1 (6), Nr. 11 BauGB. Dieses ist bei der Aufstellung oder Änderung
von Bauleitplänen zu berücksichtigen. Im Übrigen wirkt die Verwaltung bei
konkreten Bauvorhaben im Rahmen von Bauberatungen auf eine
Berücksichtigung der Rahmenplanung hin.
Mit der Umsetzung der Rahmenplanung wird den Wechselwirkungen der
verschiedenen Projekte im Bundesviertel Rechnung getragen und die
Voraussetzung dafür geschaffen, dass Entwicklungspotentiale dieses
besonderen Standortes umfassend und zugleich auf stadtverträgliche Weise
ausgeschöpft werden können. Die Rahmenplanung kann ihre Wirkung als
Leitlinie einer ausgewogenen Entwicklung allerdings nur entfalten, wenn sie
vom Rat als Träger der Planungshoheit als Maßstab seiner städtebaulichen
Entscheidungen künftig aufrechterhalten wird. Regelmäßige Berichterstattung
über die Umsetzung der Rahmenplanung und über die Entwicklung des
Bundesviertels im Rahmen der Leitlinien wird Verwaltung und Politik bei der
Wahrung der Kontinuität unterstützen.
Aus heutiger Sicht weist die Rahmenplanung die nötige Robustheit auf, die
Entwicklung langfristig zu leiten und zu steuern. Allerdings kann nicht
ausgeschlossen werden, dass sich heute geltende rahmensetzende
Bedingungen im Laufe der Zeit ändern. Die regelmäßige Berichterstattung wird
dies frühzeitig aufzeigen und gegebenenfalls ein Nachsteuern in einem
geordneten Prozess ermöglichen.
Anlage/n
1 Rahmenplanung (öffentlich)
2 1912597EB3 (öffentlich)Seite 6 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 1
Rahmenplanung
Bundesviertel Bonn
Bericht, Juli 2019
Cityförster architecture + urbanism
TEXTTEILSeite 7 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 2
Inhalt
1. Präambel
a. Aufbau der Arbeit
b. Planungsgrundlagen
2. Talente + Herausforderungen
3. Ziele + Leitbild der Rahmenplanung
a. Entwicklungsziele
b. Leitbild
4. Entwicklungskonzepte + -strategien
a. Strukturkonzept
i. Verdichten
ii. Freiräumen
iii. Dichtemodell
b. Nutzungskonzept
i. Mischen
ii. Nutzungsmodell
iii. Pulsieren
iv. Öffnen
c. Hochhauskonzept
i. Gesamtstädtische Einbindung
ii. Ankommen + Ausstrahlen
iii. Leitlinien Gestalt und Programm
iv. Sichtfeld- und Schattenstudien
d. Mobilitätskonzept
i. Umsteigen. Stadt + Region
ii. Umsteigen. Nahmobilität
iii. Umsteigen. Langsamverkehr
e. Umsetzungskonzept
i. Priorisieren. Schlüsselprojekte
ii. Priorisieren. Städtische Projekte
iii. Priorisieren. Impulsprojekte
iv. Priorisieren. Pionierprojekte
v. VerpflichtenSeite 8 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 3
5. Rahmenplan M 1:2.000
a. Gesamtplan
b. Bereiche Nord (inkl. Schemaschnitte)
c. Bereich Mitte (inkl. Schemaschnitte)
d. Bereich Süd (inkl. Schemaschnitte)
e. Kennwerte
6. Vertiefungsbereiche
a. StadtHUB UN Campus
b. Labor
c. Busdepot
d. Grünbrücke
e. Community Space
7. Resümee. Beitrag zum KlimaschutzSeite 9 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 4
1. Präambel
Das Bundesviertel blickt auf einen erfolgreichen Strukturwandel seit
den 1990er Jahren zurück. Nach dem Bonn-Berlin-Beschluss 1991
und der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes von Bonn
nach Berlin (1999), hat sich das Bundesviertel zu einem erfolgreichen
Wirtschaftsstandort und Sitz der Vereinten Nationen gewandelt.
Heute steht das Bundesviertel vor neuen Herausforderung, um als
Standort für Unternehmen, Politik, internationale Institutionen und
Kongresse und gleichzeitig als ein „Stück Stadt“ attraktiv zu bleiben
und zu werden.
Das Ziel der Rahmenplanung für das Bundesviertel ist es, einen
integrierten Ansatz zur zukünftigen Entwicklung aufzuzeigen. Denn
die Herausforderungen sind komplex: Es besteht eine Nachfrage
nach geeigneten Flächen zur Bebauung: Der Wirtschaftsstandort „will
wachsen“1; gleichzeitig gibt es einen Bedarf nach (bezahlbarem)
Wohnraum. Eine bauliche Verdichtung kann nur gelingen, wenn
zugleich das Mobilitätsangebot erweitert und verändert wird: Es gilt,
ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten zu fördern. Im Hinblick auf
stadtklimatische, ökologische und stadtgestalterische Belange sollen
die Freiräume im Bundesviertel gestärkt und aufgewertet werden.
Nicht zuletzt hängt eine erfolgreiche Entwicklung des Bundesviertel
für die Unternehmer- und Bürgerschaft davon ab, die urbanen
Qualitäten des Standortes zu stärken: Es sollen mehr Menschen im
Bundesviertel wohnen können. Der programmatische Mix soll erhöht
werden; Gastronomie, Handel, Nahversorgung, Freizeitangebote etc.
sollen mehr Raum bekommen. Eine erhöhte bauliche Dichte schafft
so Mehrwerte - auch für die, die schon das sind. Für einen robusten,
da vielfältigen Branchenmix im Bundesviertel sollen neben dem
Dienstleistungssektor auch die Kultur- und Kreativwirtschaft, die
Wissensökonomie mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen und
„urbane Produktion“ verortet werden.
1 IRI. Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand,
Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 11, 14f, 38f, 70f
Zusammenfassend skizziert die Rahmenplanung im Sinn einer
mehrfachen Innenentwicklung, wie das Bundesviertel baulich-
freiräumlich, programmatisch und verkehrlich verdichtet, diversifiziert
und qualifiziert werden kann.
a. „Mehr als ein Rahmenplan, eine Rahmenplanung“ | Aufbau
der Arbeit
Die Rahmenplanung ist als strategische Planung konzipiert und baut
auf verschiedene Formate auf wie Leitbild, Entwicklungskonzepte
und –strategien, Rahmenplan im Maßstab 1:2.000, Planschemata,
Schemaschnitte und Modelle.
Im ersten Teil der Arbeit werden Talente und Herausforderungen des
Bundesviertels zusammengefasst, um darauf aufbauend die Ziele
und ein Leitbild der zukünftigen Entwicklung herauszustellen.
Im Hauptteil der Arbeit werden fünf, miteinander in Bezug stehende
Entwicklungskonzepte zu den Themen „Struktur, Nutzung, Mobilität,
Hochhaus, Umsetzung“ beschrieben. Die Konzepte zeigen
Setzungen und Spielräume der Entwicklung auf: Als Strategien
bezeichnete Imperative („verdichten, freiräumen, mischen,
umsteigen“ etc.) formulieren Leitlinien zur Erreichung der
Entwicklungsziele, die in (Plan-)Diagrammen räumlich-strukturell
dargestellt werden. Der Rahmenplan im Maßstab 1:2.000 entwirft
beispielhaft, wie die Entwicklungskonzepte und -strategien integrativ
zusammenwirken und ist als ein Szenario der zukünftigen
Entwicklung zu verstehen.
Im letzten Teil der Arbeit werden ausgewählte Bereiche
(„Schlüsselprojekte“) im Bundesviertel vertiefend ausgearbeitet und in
Schemaschnitten, -plänen und einem Steckbrief illustriert.
b. PlanungsgrundlagenSeite 10 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 5
Die Rahmenplanung baut auf vorhandene Planungen auf und
integriert Vorgaben und Vorhaben für das Bundesviertel aus
folgenden Fachplanungen und Gutachten:
- Integriertes Freiraumsystem der Stadt Bonn 2012 (IFS)
- Zielkonzept Radschnellrouten und Mobilstationen
- Viergleisiger Ausbau der linksrheinischen Bahntrasse
- Machbarkeitsstudie Niveaufreie Bahnquerung Dottendorfer
Straße (Unterführung, Kreisverkehr mit zwei Brücken)
- Studien Verlauf Seilbahn
- Laufende Planungsprojekte (z.B. Neubau DHL Campus
Baunscheidstraße, BSI-Komplex Ludwig-Erhard-Allee)Seite 11 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 6
2. Talente + Herausforderungen
Das Bundesviertel ist gleichermaßen durch die Zeit als
Regierungssitz und durch den Strukturwandel in den 1990/2000er
Jahren geprägt. Es hat eine starke Identität als Sitz der Vereinten
Nationen, als Wirtschafts-, Kongress- und Regierungsstandort.
Regional bedeutsam sind zudem die Institutionen der Museumsmeile.
Gleichzeitig spielt das Bundesviertel im Alltag der Bonner
Bevölkerung eine nur untergeordnete Rolle - die Einwohnerzahl liegt
stark unter Durchschnitt. Das Johanniterviertel und das Berliner
Ringviertel bilden Wohnenklaven in der „Bürobaulandschaft“ des
Bundesviertels. Zum Vergleich: Die Einwohnerzahl liegt bei knapp
4.000, die Beschäftigtenanzahl bei ca. 45.000.2
Als gefragter „B+-Standort“ auf dem deutschen Büromarkt entwickelt
sich das Bundesviertel dynamisch.3 Die Flächennachfrage ist hoch.4
Die Rahmenplanung soll aufzeigen, wie und in welchen Lagen das
Bundesviertel quantitativ, aber auch qualitativ wachsen kann. Vor
dem Hintergrund von Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche
Intelligenz stellt sich zudem die Frage, wie in dem durch den
Dienstleistungssektor geprägten Standort5 ein robuster Branchenmix
gefördert werden kann, also weitere Wirtschaftszweige wie Kultur-
und Kreativszene, Wissensökonomie oder auch wissens- und
kreativwirtschaftsaffine Produktion angesiedelt werden können.
Die Ansprüche der Beschäftigten, insbesondere der
WissensarbeiterInnen, an das Arbeitsumfeld werden höher. Als
zukunftsfähiger Standort muss sich das Bundesviertel vom
Bürostandort zur Arbeitslandschaft wandeln („Work-Life-Blending“):
Dazu gehören das Ausbalancieren eines „urbanen“ Nutzungsmix von
2 Bundesstadt Bonn, Statistikstelle, Bevölkerungsstatistik, Stichtag 31.12.2018, 16
https://www2.bonn.de/statistik/dl/ews/Bev%C3%B6lkerungsstatistik_2018.pdf; Stadt Bonn / Amt für
Wirtschaftsforderung, Liegenschaften und Tourismus (Hg.), Jahreswirtschaftsbericht 2018, 50,
https://www.bonn.de/medien-global/amt-03/Jahreswirtschaftsbericht_2018_.pdf
3 Vgl. IRI. Institut für Raumforschung und Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn.
Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn, Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 11, 14f, 38f, 70f
Wohnen, Arbeiten, Freizeit, ein attraktiver Wohnungsmarkt, eine
hohe Architekturqualität, aber auch das Gestalten von hochwertigen,
verteilten und vernetzten Freiräume für Pausenzeiten und für
informelles Arbeiten, sowie eine leistungsstarke
Verkehrsinfrastruktur, die eine schnelle Erreichbarkeit des
Bundesviertels und eine gute interne Vernetzung garantiert.
Die infrastrukturelle Anbindung des Bundesviertels per MIV (A562,
B9), ÖPNV (DB, Stadtbahn, Bus) und Rad (Radschnellwege in
Teilbereichen) ist überregional, regional und stadtweit zunächst gut
angelegt, stößt jedoch bereits heute an Kapazitätsgrenzen.
Wachstum und Mobilität müssen gleichermaßen entwickelt werden.
Eine weitere Herausforderung ergibt sich durch die Gleisanlagen und
bahnparallele Straße, die das Bundesviertel von den westlich
gelegenen Stadtteilen Kessenich, Dottendorf und Friesdorf trennen
und damit auch den Zugang zu Rheinauenpark und Rhein für die
BürgerInnen dieser Stadtteile erschweren.
Die Lage an Rhein und Rheinauenpark ist für das Bundesviertel ein
Standortvorteil, der zurzeit noch nicht voll ausgeschöpft wird. Die
Hauptstraßen in Nord-Süd-Richtung (B9, bahnparallele Straße,
Franz-J.-Strauß-/L.-Erhard-Allee) bilden Zäsuren in den fußläufigen
und Rad-Verbindungen Richtung Rhein und Park. Größere öffentliche
Plätze am Rhein sind nicht vorhanden. Die großen Grünräume des
UN-Campus und des Bereiches um Kanzlerbungalow, Villa
Hammerschmidt und Palais Schaumburg sind nicht betretbar
(„exterritorial“) und bilden somit eher weitere Barrieren zum Rhein
aus.
4 Büroflächen-Neubaubedarf bis 2030 Bonn gesamt: ca. 467.000 m² / 27.500 m² pro Jahr (Stand 2014);
Anteil Bundesviertel zurzeit 30%, entspricht ca. 140.000 m² bis 2030 / 8.200m² pro Jahr, vgl. ibid., 60
5 Branchenhomogenität: Anteil der Bonner Beschäftigten im Dienstleistungssektor 2017 (zum 30.06.2017):
91,9 %, https://www.bonn.de/service-bieten/aktuelles-zahlen-fakten/bonn-in-zahlen.php, 20.07.2019Seite 12 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 7
3. Ziele + Leitbild der Rahmenplanung
a. Entwicklungsziele (vgl. Bildteil, S.2)
Auf Grundlage der Talente und Herausforderungen werden folgende
Entwicklungsziele für das Bundesviertel gesetzt:
Das …
… Bonndesviertel gehört zu Bonn. Es macht Angebote an die
Bonner Bürgerschaft und ist räumlich an die westlich gelegenen
Stadtteile angebunden.
… Buntesviertel ist Stadt und Arbeitsplatz. Es ist urban gemischt,
bietet bezahlbaren Wohn- und Arbeitsraum, zeichnet sich durch
soziale und kulturelle, Sport-, Freizeit- und Versorgungsangebote
sowie hochwertige Freiräume aus. Einpendler sind zu Einwohnern
geworden.
… Bund@sviertel ist offen für die Wissensökonomie. Es hat einen
krisensicheren und innovationsförderlichen Branchenmix und bietet
den Beschäftigten ein attraktives Arbeitsumfeld.
… Bundes~~viertel liegt am Rhein. Die fußläufigen und
Radverbindungen zum Rhein sind gut gestaltet. Es gibt neue
öffentliche Plätze und Freizeitangebote am Rhein, die von den
Einwohnern des Bundesviertel und der benachbarten Stadtteile gern
genutzt werden. Der östliche Rand des Bundesviertels zum
Rheinauenpark ist durch Wohngebäude neu gefasst worden.
… Bundesooviertel steigt um und sattelt auf. Es ist Vorbild für die
Verkehrswende: Rad- und Fußwege sind ausgebaut und der ÖPNV
gestärkt. Bereits vor den Toren der Stadt steigen Pendler vom Auto
auf die Schiene und Pendlerbusse um. Ohne das eigene Auto sind
die Bonner und Einpendler schneller und entspannter geworden.
… BundesviertelX verbindet verschiedene Welten. Es überwindet
innere und äußere Ränder, rückt näher an die Stadt, rückt näher an
Rhein und Rheinauenpark und schafft den Schulterschluss zwischen
den verschiedenen Teilräumen.Seite 13 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 8
b. Leitbild (vgl. Bildteil, S.3)
Das Leitbild illustriert wesentliche räumliche Elemente, die das
Bundesviertel in Zukunft prägen sollen. Dazu gehören die drei nord-
südlich verlaufenden Achsen „Meile, Magistrale und Allee“ (dunkelrot)
als starke Adressen für die Wirtschaft. „Querachsen“ (gelb) in Ost-
West-Richtung binden das Bundesviertel an die westlichen Stadtteile
und – nach Osten – an Rhein und Rheinauenpark an. „Mitten“ (rote
Kreise) bilden Anziehungspunkte für BürgerInnen und Beschäftigte
gleichermaßen. Ein Park entlang der A562 bindet Rhein und
Rheinauenpark in das großräumige Freiraumsystem ein und schlägt
eine „grüne Brücke“ (grüner Pfeil) zu Südfriedhof und Venusberg bis
zum Kottenforst. Ein Freiraumband in Nord-Süd-Richtung zwischen
Magistrale und Meile, der „Community Park“ (grüne Punktlinie), stellt
eine neue Fußgänger und Radfahrer freundliche Verbindung
innerhalb des Bundesviertels dar.Seite 14 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 9
4. Entwicklungskonzepte + -strategien
Die Rahmenplanung beruht im Wesentlichen auf fünf, miteinander in
Bezug stehenden Entwicklungskonzepten zu den Themen „Struktur,
Nutzung, Hochhaus, Mobilität, Umsetzung“, die im Folgenden
beschrieben werden. Die Konzepte zeigen Setzungen und
Spielräume der Entwicklung auf: Jedem Entwicklungskonzept sind
Strategien zugeordnet, die Leitlinien zur Erreichung der
Entwicklungsziele formulieren: Das Strukturkonzept beruht auf den
Strategien des „Verdichtens und Freiräumens“, das Nutzungskonzept
auf den Strategien des „Mischens, Pulsierens und Öffnens“, das
Hochhauskonzept auf dem „Ankommen und Ausstrahlen“, das
Mobilitätskonzept fordert das „Umsteigen“ und das
Umsetzungskonzept wird durch „Priorisieren und Verpflichten“
getragen.
Die Entwicklungskonzepte und -strategien werden als
Plandiagramme dargestellt und teils durch weitere Formate wie
Schemaschnitte vertiefend erläutert.
a. Strukturkonzept (vgl. Bildteil, S.4,5)
Zu den grundlegenden Zielen des Strukturkonzept gehört es, 1. die
Identität stiftenden Bereiche zu bewahren bzw. zu stärken sowie 2.
die inneren Potentialflächen baulich und freiräumlich zu entwickeln.
Die als „Fundamente“ bezeichneten Bereiche tragen das
Bundesviertel in wirtschaftlicher, kultureller und stadtidentitärer Sicht.
Sie weisen keine wesentlichen Transformationspotentiale bzw. -
bedarfe auf, sondern sollen lediglich in ihrer bestehenden Struktur
und Funktionalität gestärkt werden.
Strategie „Verdichten“ (vgl. Bildteil, S.6)
Die Strategie „Verdichten“ illustriert die Leitlinien einer zukünftigen
baulichen Arrondierung des Bundesviertels. Ziele: Die bauliche
Verdichtung soll das Bundesviertel in seiner gesamten Ausdehnung
entwickeln. Das bedeutet, dass nicht nur die bestehenden „Hot
Spots“, wie die B9 oder der UN Campus, als Entwicklungsräume in
Betracht gezogen werden, sondern auch neue, bisher weniger
ausgenutzte Lagen wie die bahnparallele Straße - die sogenannte
„Meile“ - und der gesamte Südbereich aktiviert werden sollen. Die
Ränder des Bundesviertels sollen prägnanter geformt und effizienter
genutzt werden. Bauliche Verdichtungen sollen zudem dazu
beitragen, infrastrukturelle Barrieren zu überwinden, beispielsweise
näher an die westlich gelegenen Stadtteile heranzurücken und damit
die Verbindung über die Gleise hinweg zu vereinfachen.
Das Plandiagramm zeigt als Hauptverdichtungsraum den Bereich
zwischen Bahntrasse und B9: Der „Rücken“ des Bundesviertel bietet
auf Grund von größeren, zur Zeit nicht genutzten oder wenig effizient
genutzten Arealen (u.a. ehemaliges Landesbehördenhaus,
Miesengelände, In der Raste) ein hohes Transformationspotential mit
der Chance neue Standorte zu adressieren. Weitere
Verdichtungsräume („Spicken“) befinden sich punktuell im Großraum
zwischen B9 und Rhein, wie das Areal des Busdepots (Godesberger
Allee 120) oder das Areal südlich des BMZ (Willy-Brandt-Allee /
Welckerstraße). Zum Rheinauenpark bildet die Baustruktur entlang
der Petra-Kelly- und Ludwig-Erhard-Allee einen klaren „Parkrand“
aus.
Strategie „Freiräumen“ (vgl. Bildteil, S.7)
Komplementär zu der Strategie des „Verdichtens“ wirkt die Strategie
„Freiräumen“. Die Freiräume im Bundesviertel sollen aufgewertet und
besser vernetzt werden. Es sollen multicodierte Freiräume entstehen
für Bewegung, Sport, Erholung, Freizeit, für
Regenwassermanagement und weitere stadtklimatische Funktionen,
für urbane Landwirtschaft und Gärtnern, für informelles Arbeiten,
Bewegung und Pausenzeiten sowie als „Verbinder“, also als
Wegräume für den Fußgänger- und Radverkehr. Die hochwertigen
Freiräume sollen insbesondere für die im Bundesviertel BeschäftigtenSeite 15 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 10
und für die Bewohner, aber auch für die Bonner Bürgerschaft attraktiv
sein.
Die Hauptelemente der Strategie „Freiräumen“ sind im Plandiagramm
dargestellt: Die Infrastrukturrestflächen beidseitig der A562 werden
„gekapert“ und als großer ostwestlich ausgerichteter Park - als
„Grünbrücke“ - gestaltet. So wird die Lücke im großräumigen
Freiraumsystem geschlossen und Rhein und Rheinauenpark werden
über den Südfriedhof und Venusberg an den Kottenforst
angebunden. In Nord-Süd-Richtung entsteht innerhalb des
verdichteten „Rückens“ eine Sequenz öffentlicher und halböffentlicher
Freiräume: Der sogenannte „Community Space“ vernetzt das
Bundesviertel über eine Länge von knapp drei Kilometern und bietet
Plätze, Grünräume, Gemeinschaftsgärten, Sport- und Spielplätze und
verkehrsberuhigte Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger
und Fahrradfahrer. Die großen Straßenachsen in Nord-Süd-Richtung
„Meile“, „Magistrale“ und „Allee“ sind bereits in Teilen als Baum
bestandene Straßen ausgebildet und sollen entsprechend ergänzt
werden. In Ost-West-Richtung sollen „Querachsen“6 das
Bundesviertel, aber auch die jenseits der Gleise liegenden Stadtteile
mit dem Rhein und Rheinauenpark verbinden und als Straßen mit
großzügigen Fußgänger- und Radwegen sowie Baumbestand
ausgebaut werden. Als Vorbild dient die Heussallee.7
6 Das sind: 1. Rheinweg / Genscherallee / Heussallee; 2. Dottendorfer Straße / Ollenhauer Straße /
Zitelmannstraße; 3. Annaberger Straße / Heinemannstraße; 4. Hochkreuzallee / Kennedyallee
7 Die Freiraumstrategie unterstützt die Ziele des Integrierten Freiraumsystems der Stadt Bonn 2012 (IFS) für
den Bereich des Bundesviertels (Teilraum VIII): Der „Park 562“ stärkt den Grünzug Dottendorf (ehemalige
Südtangente) als großräumige Verbindung zur Rheinaue. „Querachsen“ und „Community Space“ stellen
lineare Umfeldverbesserungen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung dar und stärken das Ziel der Vernetzung
großer Grünflächen in die benachbarten Quartiere (z.B. entlang Heussallee - Verbindung Museumsmeile zum
Rhein - und entlang Kennedyallee - Verbindung Godesberger Straße zur Rheinaue). Vgl. IFS 2012
Kurzbericht, 22-25, 35, 36; Abb. F-29, 39Seite 16 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 11
Dichtemodell (vgl. Bildteil, S.8-10)
Die Inhalte der Strategien „Verdichten und Freiräumen“ werden durch
ein Dichtemodell vertieft. Mit Hilfe des Dichtemodells kann ein
Spielraum für die bauliche Arrondierung formuliert werden. Es
werden 96 Baublöcke definiert, die sich jeweils strukturell und
programmatisch als Einheit zusammenfassen lassen. Für jeden
Baublock wird in Relation zu den Zielen des Strukturkonzeptes eine
Dichtespanne festgelegt, auf die eine zukünftige bauliche
Entwicklung abzielen sollte und die in Bebauungsplänen konkretisiert
wird.
Bauliche Dichte im Bestand
Die Kartierung der Bestandsdichte verdeutlicht, dass im Bestand
knapp 75 Baublöcke (d.h. knapp 75%) eine Dichte unter GFZ 1,5
aufweisen. Nur fünf Baublöcke liegen bei einer Dichte von über GFZ
2,5. Die bauliche Dichte im südlichen Bereich des Bundesviertels
(südlich der A562) ist geringer als im Norden, wo die
Gebäudekomplexe des Posttowers (GFZ 5,2), des Neuen
Kanzlerplatzes (GFZ 3,8) und des Marriotthotels (GFZ 4,1) deutlich
verdichtete Areale bilden. Der Gesamtdichtewert des
Planungsgebietes liegt im Bestand bei GFZ 1,1.8
Dichtemodell
Das Dichtemodell der Rahmenplanung zeigt, wo und wie die bauliche
Dichte im Bundesviertel erhöht werden kann. Die Gesamtdichte des
Planungsgebietes wird von GFZ 1,1 auf GFZ 1,5 erhöht.9 Die Anzahl
der Baublöcke mit einer GFZ 1,5-2,5 wird von 16 auf 33 verdoppelt.
Die Anzahl der Baublöcke mit einer Dichte von über GFZ 2,5 wird von
fünf auf zehn verdoppelt. Als neue Verdichtungen mit einer GFZ über
3,0 kommen die Bauvorhaben des BSI und des DHL Campus, das
Süd-Tor und der Telekom-Komplex an der Kreuzung B9/A562 dazu.
8 Berechnet als Gesamtgeschossfläche Bestand in Bezug auf die Gesamtfläche aller Baublöcke: GF gesamt /
Baublockfläche gesamt
Dichtezuwachs
Die Kartierung des Dichtezuwachses veranschaulicht, wo die
Hauptverdichtungsräume im Bundesviertel liegen: Die Ränder zum
Rheinauenpark und zu den Gleisen werden dichter und damit klarer
strukturiert. Die Eingänge in das Bundesviertel – die „Tore“ an Meile,
Magistrale und Allee – sind als Verdichtungsräume ebenso
erkennbar. Großräumig treten der „Rücken“ und der
„Entwicklungsraum Süd“ (Bereich südlich der A562) mit deutlichem
Dichtezuwachs in Erscheinung.
9 Berechnet als Gesamtgeschossfläche Bestand in Bezug auf die Gesamtfläche aller Baublöcke: GF gesamt /
Baublockfläche gesamtSeite 17 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 12
b. Nutzungskonzept
Vorwiegende Nutzungen des Bundesviertel im Bestand
(vgl. Bildteil, S.12)
Die Kartierung der Bestandsnutzungen zeigt das einführend
beschriebene Profil des Bundesviertels als Sitz der Vereinten
Nationen, Kongressstandort, Sitz von Ministerien und Einrichtungen
des Bundes und Wirtschaftsstandort mit einem dominierenden
Dienstleistungssektor. Das Johanniterviertel und das Berliner
Ringviertel bilden Wohnenklaven in der „Bürobaulandschaft“ des
Bundesviertels. Die Einwohnerzahl liegt bei knapp 4.000 - das ist
entspricht ca. 1,2% der Gesamtstadt -, die Beschäftigtenanzahl liegt
bei 45.000 – das entspricht ca. 20% der Gesamtstadt.10 Um die
Herausforderungen klar zu benennen: Das Bundesviertel ist ein stark
auf das Arbeiten ausgerichteter Stadtteil mit geringem Wohnanteil
und den entsprechend fehlenden Wohnfolgeeinrichtungen. Es ist
durch eine Branchenhomogenität geprägt, die vor dem Hintergrund
von Digitalisierung, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz nicht
unproblematisch ist.
Strategie „Mischen“ (vgl. Bildteil, S.13)
In Zukunft soll das Bundesviertel bunter werden. Zu den Zielen der
Strategie „Mischen“ gehört es, 1. einen urbanen Nutzungsmix zu
fördern, 2. die Branchendiversität zu erhöhen, 3. „mehr, andere,
bezahlbare“ Wohnangebote zu schaffen sowie 4. hochwertige
Bürostandorte mit Lagequalitäten zu sichern und neu zu erschließen.
Es sollen neue Gebietstypen entstehen: Neben reinen Wohn- und
Bürostandorten sollen in großen Teilen gemischte Gebiete – „Hybrid
Wohnen“ und „Hybrid Büro“ - entwickelt werden. An den „Mitten“ soll
10 Vgl. Informationsdienst Bundesstadt Bonn 2018 und Statistik aktuell Bundesstadt Bonn 2018
der programmatische Mix mit Handel, Versorgung, Gastronomie,
Bildung etc. besonders hoch sein. Darüber hinaus werden Gebiete
für Branchen vorgesehen, die im Bundesviertel bisher (zu) wenig
vertreten sind und in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wie die Kultur-
, Kreativ-, und Wissensökonomie oder die urbane Produktion. (KK =
Kultur- und Kreativwirtschaft, WÖ/FB = Wissensökonomie /
Forschung+Bildung, UP=Urbane Produktion).
Die angestrebte Mischung soll innerhalb eines Baublocks, aber auch
innerhalb eines Gebäudes realisiert werden. So entstehen hybride
Block- und Gebäudestrukturen im Neubau, aber auch durch
Umnutzung im Bestand.
Die Magistrale wird als Unternehmensstandort mit Anteilen für
Wohnen und öffentliche Nutzungen weiterentwickelt. Die großen
Wohngebiete Johanniter Viertel und Berliner Ringviertel werden
durch gemischte Wohnschollen arrondiert. Im geografischen Zentrum
des Bundesviertels – an der Kreuzung von A562 und B9 – ist ein
neuer Nutzungsschwerpunkt, das „Labor“, als Inkubator für einen
erweiterten Branchenmix vorgesehen: Hier – am Standort des
ehemaligen Landesbehördenhauses - soll Raum entstehen für die
Kultur- und Kreativszene, Wissensökonomie oder auch wissens- und
kreativwirtschaftsaffine Produktion.
Nutzungsmodell (vgl. Bildteil, S.14)
Das Nutzungsmodell zeigt das Nutzungsspektrum je Baublock als
Entwicklungsziel auf. Die Gebietskategorien sind wie folgt definiert:
Wohnen: Reines Wohnen (Ausnahme: EG)
Hybrid Wohnen mind. 2/3 Wohnen; mind. eine weitere
Nutzung;
EG vorwiegend Sonderwohnformen
oder Nicht-Wohnnutzung
Büro Büro (Ausnahme: EG)Seite 18 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 13
Hybrid Büro mind. 2/3 Büro; mind. eine weitere Nutzung;
mind. 10% Wohnen;
EG möglichst öffentliche Nutzungen
Hybrid Mitte 1/3 Handel, Hotel, Gastronomie,
Mobilstationen, soziale,
kulturelle, gesundheitliche Einrichtungen;
1/3 Wohnen; 1/3 Büro;
EG: keine Wohn- oder Büronutzung
Hybrid KK, WÖ/FB, UP Kultur- & Kreativwirtschaft und/oder
Wissensökonomie/ Forschung + Bildung
und/oder
Gewerbe als verträgliche urbane Produktion;
mind. 15% Wohnen
Bildung/Soziales/Kulturin eigenem Gebäude, z.B. Schule, KiTa,
Kongress
Hochhäuser Kategorie L und M (ü. 60m) = 20% BGF
Wohn-/
wohnähnliche Nutzungen; Kategorie S = 30%
bis 50%
BGF Wohn- / wohnähnliche Nutzungen;
Integration
sozialer + kultureller Nutzungen (Vgl.
Hochhauskonzept)
Exkurs: „mehr, anders, bezahlbar“ Wohnen
Das bestehende Wohnangebot des Bundesviertels ist durch
Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und ähnliche Wohnformen geprägt.
In Zukunft soll das Angebot erhöht und diversifiziert werden, um den
Ansprüchen verschiedener Lebensmodelle und Lebensphasen
gerecht zu werden.
Dazu gehört die Förderung des gemeinschaftlichen Wohnens durch
Mehrgenerationenhäuser, Baugruppenprojekte oder
11 Für Wohnungsbauvorhaben im Rahmen der Aufstellung oder Anpassung eines Bebauungsplans und wenn
Planungsrecht für mehr als 24 Wohneinheiten oder 2.200 m² Bruttogrundfläche Wohnen geschaffen wird,
wird eine Quote von 40% der für Wohnzwecke geplanten Bruttogrundfläche für geförderten Wohnungsbau
Wohngemeinschaften (Cluster-/ Satellitenwohnen, Senioren-WGs
etc.), die Schaffung von temporären Wohnangeboten wie
Boardinghäuser oder Mikroapartments, die Bereitstellung von Kleinst-
und Starterwohnungen sowie Live-Work-Einheiten wie Studio, Atelier,
Duplex.
Mehr bezahlbarer Wohnraum soll durch die konsequente Anwendung
des Bonner Baulandmodells entstehen.11
Für Hochhausbauvorhaben im Bundesviertel empfiehlt die
Rahmenplanung eine Integration von Wohnnutzungen: Bei
Hochhäusern der Kategorie L und M (ü. 60m) sollte 20% der
Bruttogrundfläche für Wohn- oder wohnähnliche Nutzungen
vorgesehen werden, bei Hochhäusern der Kategorie S sollten es
zwischen 30% und 50% sein - je nach Lage. (Vgl. Hochhauskonzept)
Strategie „Pulsieren“ (vgl. Bildteil, S.15)
Die Strategie „Pulsieren“ zielt darauf, das öffentliche Leben im
Bundesviertel zu stärken durch die Entwicklung von „Mitten“ in
verschiedenen Teilbereichen und die Schaffung von großen
Grünräumen.
Die „Mitten“ sind Anziehungspunkte: Orte mit einem hohen
Nutzungsmix, Versorgungs- und Mobilitätsangeboten und hochwertig
gestalteten, öffentlichen Räumen mit Aufenthaltsqualität
(„Stadtplätze“). Je nach Lage werden die „Mitten“ eine stadtweite
(„Hub“, „Labor“), meist eher eine Quartier oder Nachbarschaft
bezogene Bedeutung generieren („Strahlkraft“ vgl. Diagramm) und
entsprechend sollte das Nutzungsspektrum konzipiert werden. Die
Titel der „Mitten“ – Plaza, Kiez, Höfe, Markt, Amphi, Rheinkultur, Süd-
Park, Treff - weisen auf diese kontextspezifische Profilierung hin.
(davon mind. 20% im Förderweg A) festgelegt. Darüber hinaus sollen sich die Wohnungsbauinvestoren an
den Kosten zur Herstellung von Plätzen in Kindertagesstätten beteiligen.
https://www.bonn.de/vv/produkte/wohnungsmarktentwicklung-bonner-baulandmodell.phpSeite 19 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 14
Die „Mitten“ sind innerhalb des „Rückens“ jeweils an der Schnittstelle
der „Querachsen“ und des „Community Space“ verortet – als
Anlaufstelle für Bewohner und Beschäftigte des Bundesviertels, aber
auch der benachbarten, westlich gelegenen Stadtteile. Im Großraum
zwischen „Magistrale“ und „Allee“ sind vier weitere „Mitten“ im
Bestand geplant: „Markt“ und „Amphi“ sollen die Aufenthalts- und
Versorgungsqualität im Bereich des südlichen UN Campus bzw. der
Ministerienlandschaft am Robert-Schuman-Platz verbessern. Zwei
„Treffs“ werden als Nachbarschaftsplätze mit Kleingastronomie und
Spielflächen innerhalb des Johanniter Viertels und Berliner
Ringviertels vorgeschlagen.
Als große neue Grünräume sind die „Grünbrücke“ und der
„Community Space“ (Folien anpassen) geplant. Beides sind
multicodierte Freiräume, die das Arbeits- und Wohnumfeld durch
Sport-, Spiel- und Erholungsangebote aufwerten, die die Nahmobilität
mit großzügigen Fuß- und Radwegen verbessern und die das
Stadtklima als Retentions- und Kaltluftschneisen positiv
beeinflussen.12
Strategie „Öffnen“ (vgl. Bildteil, S.16)
Das Bundesviertel ist durch großflächige Komplexbauten (z.B.
Kreuzbauten, Telekomgelände) geprägt, die meist nicht öffentlich
zugänglich sind und teils als Barrieren im Stadtraum wahrgenommen
werden. Das Ziel der Strategie „Öffnen“ ist es, sowohl die
Durchwegung dieser Bereiche als auch die Zugänglichkeit der
Gebäude, also insgesamt das öffentliche Leben in diesen Arealen zu
stärken. Die Rahmenplanung empfiehlt zu prüfen, ob sich Wege
durch ausgewählte Teilbereiche der dargestellten Komplexe
zugänglich machen lassen, ob Kantinen für die Öffentlichkeit geöffnet
werden können, ob Erdgeschoss-, Sockel- oder Dachgeschosszonen
12 Die Bereiche “Mitte Labor”, “Mitte HUB UN-Station”, “Grünbrücke” und “Community Space” werden im
letzten Teil der Arbeit vertiefend ausgearbeitet und in Schemaschnitten, -plänen und einem Steckbrief
mit publikumswirksamen Nutzungen (Gastronomie, Veranstaltungen)
- z.B. auch nur zeitweise - belegt werden können. Die Strategie
„Öffnen“ richtet sich auf beides - die Transformation des Bestandes
und die Konzeption von Neubauten.
illustriert.Seite 20 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 15
c. Hochhauskonzept
Das Hochhauskonzept ergänzt die Leitlinien des Strukturkonzeptes,
das die Hauptbereiche einer baulichen und freiräumlichen
Entwicklung aufzeigt. Denn das Bundesviertel will wachsen und es
stellt sich die Frage, ob das Bundesviertel auch stärker als bisher in
die Höhe wachsen kann. Hochhäuser bieten städtebaulich das
Potential, dem Flächenbedarf des Wohnungs- und Büromarktes zu
begegnen13 und gleichzeitig besondere Stadtbausteine zu setzen: Sie
wirken als Landmark und bei entsprechender Programmierung als
Anziehungspunkt und Katalysator für öffentliches Leben - auch in bis
dato weniger attraktiven oder gar untergenutzten Gebieten. Aufgrund
der baulichen Höhe und Dichte beanspruchen Hochhäuser ihr Umfeld
jedoch auch stärker als andere Gebäudetypen (u.a. Infrastruktur,
Mikroklima, Verschattung und -windung, Privatheit) und müssen mit
besonderer Sorgfalt in den Kontext integriert werden:
Hochhausstandorte und -architekturen sollten daher besonderen
Planungsansprüchen, Objekt- und Prozessqualitäten gerecht werden,
um die Beanspruchung des Umfeldes nicht nur auszugleichen,
sondern Mehrwerte für die Allgemeinheit zu schaffen. Es ist
obligatorisch, für Hochhausvorhaben Wettbewerbe durchzuführen
(Vgl. Umsetzungskonzept, Kap.4e). Das Hochhauskonzept setzt
Leitlinien für die Hochhausvorhaben im Bundesviertel fest.
Hochhausbestand Gesamtstadt (vgl. Bildteil, S.18)
Die Kartierung zeigt, dass die Anzahl, die Höhe und die Stadtbild
prägende Wirkung der bestehenden Hochhäuser in der Gesamtstadt
eher gering sind.14 Es gibt keine Hochhauscluster, lediglich
vereinzelte Ensembles, weitestgehend handelt es sich um Solitäre.
13 Die Büromarkterhebung 2014 stützt diese Annahme: „Angesichts der hohen Attraktivität des Standortes
[Bundesviertel] ist zudem eine weitere Verdichtung denkbar und sollte auch ermöglicht werden. Die
Ermöglichung größerer Gebäudehöhen ist dabei eine Option.“ IRI. Institut für Raumforschung und
Die Standorte liegen in Rheinnähe und an großen
Hauptverkehrsstraßen, das Stadthaus prägt die City. Es ist deutlich
erkennbar: Bonn ist keine Hochhausstadt, aber das Bundesviertel
hat, anders als die Struktur der Gesamtstadt, bereits eine erkennbare
Prägung. Hier finden sich relativ zur Fläche die meisten und auch die
höchsten der bestehenden und im Bau befindlichen Hochhäuser (3x
über 100m, mehrere über 60m).
Gesamtstädtische Einbindung (vgl. Bildteil, S.19)
Zu den Zielen des Hochhauskonzeptes im Hinblick auf die
gesamtstädtische Einbindung gehört es, die Stadtbild prägende
Wirkung der Hochhäuser im Bundesviertel deutlich auszuformulieren.
Die Setzung von Hochhäusern soll das Bundesviertel wahrnehmbar
rahmen, seine Fernwirkung sowie die Lesbarkeit des Gebietes
klären. Es sollen zudem Impulse an den Rändern und untergenutzten
Orten gesetzt werden. Insgesamt werden zwölf neue
Hochhausstandorte vorgeschlagen. Damit würde sich die Zahl der
Hochhäuser von derzeit acht auf zwanzig (davon 7x Kategorie S =
40m) erhöhen.
Exkurs: Was ist ein Hochhaus? (vgl. Bildteil, S.20)
Die Musterbauordnung (MBO § 2 Abs. 4 Nr. 1) definiert als Hochhaus
ein Gebäude, bei dem der Fußboden eines Aufenthaltsraumes mehr
als 22m über Terrain liegt. Diese Definition ist brandschutztechnisch
begründet. Städtebaulich greift die Definition zu kurz, da ein hohes
Gebäude nur in Relation zum Kontext als solches erkennbar wird. Für
Immobilienwirtschaft / Quaestio, Büromarkterhebung Bonn. Bestand, Perspektiven, Potenziale, Bonn,
Dortmund: April 2014, im Auftrag der Stadt Bonn, 71
14 Kartiert sind Hochhäuser mit mehr als 12 Geschossen bzw. über 40m.Seite 21 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 16
das Hochhauskonzept wird daher definiert, dass ein Hochhaus ein
Gebäude ist, das deutlich höher als die umgebenden Gebäude
wahrgenommen wird. Die prägende Bestandshöhe im Bundesviertel
liegt bei ca. 15-20m (IV-V Geschosse). Ein Gebäude mit der
doppelten Höhe, also 40m (Oberkante Dach), wird daher als (kleines)
Hochhaus festgesetzt. Das höchste Gebäude im Bundesviertel ist der
Posttower mit ca. 162m. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass das
Hochhauskonzept neben der Bestimmung von Standorten auch
Höhenspannen für Hochhäuser definieren muss.
Strategie „Ankommen und Ausstrahlen“ (vgl. Bildteil, S.21-28)
Die Strategie „Ankommen und Ausstrahlen“ formuliert die Ziele einer
baulichen Ergänzung des Bundesviertels durch Hochhäuser:
Hochhäuser sollen als Landmarks die Orientierung verbessern,
wichtige Orte wie „Mitten“ und „Tore“ (Gebietseingänge) markieren
und durch die Ausbildung einer Skyline die Identität des
Bundesviertels stärken. Die Setzung der Hochhäuser soll die Nord-
Süd-Achsen „Magistrale“ und „Meile“ rhythmisieren und in einer
ausbalancierten Verteilung das Bundesviertel in seine Gesamtheit
ablesbar rahmen.
Für Hochhausstandorte werden folgende Leitlinien festgelegt:
1. Hochhäuser sollen in geeigneten Zonen realisiert werden (vgl.
Punkt 4+5).
2. Je Zone entsteht ein Hochhaus (Solitärwirkung) - mit
Ausnahme des Kreuzes B9/A562.
3. Je Zone wird eine Höhenkategorie (S, M, L) definiert -
orientiert an Bestandshöhen und Lage (vgl. Punkt 5). Die
Höhenkategorien definieren Höhenspannen für die
Ausbildung der Gebäudehöhe (Oberkante Dach über Terrain).
Es werden drei Kategorien definiert:
a. L = 100-120m
b. M = 60-80m
c. S = 40m
Die Höhenspannen leiten sich aus den Höhen der
bestehenden Hochhäuser im Bundesviertel ab: An den
Gebäuden „Neuer Kanzlerplatz“ (101m) und „Langer Eugen“
(115m) orientiert sich die Höhenspanne der Kategorie L (100-
120m). An den Gebäuden „Marriot Hotel“ (68m), „UN
Hochhaus“ (65m), „Tulpenfeld“ (67m) und den „Kreuzbauten“
(55m) orientiert sich die Höhenspanne der Kategorie M (60-
80m). Die Kategorie S (40m) begründet sich aus der eingangs
beschriebenen Hochpunktwirkung in Relation zu den
prägenden Bestandshöhen im Bundesviertel.
4. Eignungszonen werden nach Lage, Anbindung und
Angemessenheit bestimmt.
a. Eignungszonen befinden sich an den großen Straßen
und Hauptadressen des Bundesviertels:
„Allee“ (Parkstraße)
„Magistrale“ (B9)
„Meile“ (Bahnparalle)Seite 22 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 17
b. Eignungszonen liegen an wichtigen Orten; hier dienen
die Hochhäuser als Landmark und Orientierungspunkt:
„Tore“
„Kreuz“ / „Herz“
„Mitten“
c. Eignungszonen sind fußläufig von Stationen des
schienengebundenen Personennahverkehrs (SPNV)
erreichbar. (Entfernung: 300-600m)
5. Die Höhenkategorien werden wie folgt für die
Hochhausstandorte festgelegt:
a. Standorte der Kategorie L sind das „Ost-Tor“ und das
„Kreuz“. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 100
bis 120m (27-32 Geschosse) entstehen. Diese Orte
zeichnen sich durch ihre übergeordnete Strahlkraft,
ihre weiträumige Sichtbarkeit, die hohe
Geschwindigkeit und den großmaßstäblichen Kontext
(Rheinauenpark, A-562, Grünbrücke) aus. Das Ost-
Tor wird als wichtiger (regionaler) Eingang in das
Bundesviertel markiert. Das „Kreuz“ als geografische
Mitte des Bundesviertels erhält eine adäquate
Fernwirkung; hier sind zwei mögliche
Hochhausstandorte vorgesehen, um die Ost-West-
Achse (A562) und die Nord-Süd-Achse (B9)
städtebaulich zu fassen.
b. Standorte der Kategorie M sind das Nord- und Süd-
Tor. Hier können Gebäude mit einer Höhe von 60 bis
80m (15-21 Geschosse) entstehen. Nord- und Südtor
werden als stadtinterne Hauptzugänge des
Bundesviertels markiert, sie bilden den Auftakt für die
„Meile“ und die „Magistrale“.
c. Standorte der Kategorie S sind die „Mitten“ und das
„kleine Tor“. Hier können Gebäude mit einer Höhe von
40m (10 Geschosse) entstehen. Diese „kleinen“
Hochpunkte leiten aus Richtung der „Querachsen“
(Ost-West) und im Südosten in das Bundesviertel. Sie
markieren die Mitten an den Achsen und verleihen der
Meile einen erkennbaren Rhythmus.
6. Hochhäuser sollen hybrid genutzt werden, es sind mindestens
zwei Nutzungsarten vorzusehen. Die Integration von
Wohnnutzungen ist obligatorisch, ebenso wie die Beachtung
des Bonner Baulandmodells: Bei Hochhäusern der Kategorie
L und M (ü. 60m) sollte 20% der Bruttogrundfläche für Wohn-
oder wohnähnliche Nutzungen vorgesehen werden, bei
Hochhäusern der Kategorie S sollten es zwischen 30% und
50% sein - je nach Lage. Zusätzlich sollten soziale und
kulturelle Nutzungen integriert werden.Seite 23 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 18
Zusammenwirken der bestehenden und neuen Hochhäuser
(vgl. Bildteil, S.29,30)
Die bestehenden und neuen Hochhäuser bilden Ensembles durch
vergleichbare Höhenspannen. Der Post-Tower mit seiner
einzigartigen Höhe von ca. 162m bleibt die Ikone des Bundesviertels.
Der Lange Eugen steht weiterhin für die Geschichte als Parlaments-
und Regierungsviertel und wird durch das Labor-Hochhaus (Standort
ehemaliges Landesbehördenhaus) als Symbol für einen erneuten
Strukturwandel ergänzt.
Je nach Lage generieren die bestehenden und neuen Hochhäuser
charakteristische Ansichten (Skylines): Es ergibt sich eine Skyline am
Rhein, deren Vordergrund durch Post-Tower, UN-Hochhaus, den
Langen Eugen und das neue Ost-Tor gebildet wird. Zwei weitere
Hochhaus-Sequenzen werden an der Meile und Magistrale „in
Bewegung“ als dynamische Skylines erfahrbar.
Leitlinien Gestalt und Programm
(vgl. Bildteil, S.31)
Die Rahmenplanung definiert im Umsetzungskonzept (Kap. 4e)
mehrere Leitlinien zur Sicherung der Objekt- und Prozessqualität von
Bauvorhaben im Bundesviertel. Diese Leitlinien gelten auch für alle
Hochhausbauvorhaben und werden an dieser Stelle nicht
vorweggenommen. Ergänzend dazu wirken die spezifisch für
Hochhäuser definierten Empfehlungen in Bezug auf „Gestalt und
Programm“, die das Diagramm illustriert.
Sichtfeld- und Schattenstudien
(vgl. Bildteil, S.32-42)
15 Verschattungsstudien sind jeweils für den 17.1. und 21.3. (Tag-/Nachtgleiche) für die Hochhausstandorte
der Kategorie L und M (Gebäudehöhe über 60m) durchgeführt worden. Das sind: 1. Nord-Tor (Willy-Brandt-
Die Plausibilität der Verortung und der Höhenkategorisierung der
Hochhausstandorte ist durch Schattenstudien und Sichtfeldstudien
getestet worden.15 Ein Auszug aus den Studien findet sich auf den
folgenden Seiten. Die vollständigen Studien sind im Anhang
dokumentiert.
Allee), 2. Ost-Tor (A562 / Grünbrücke), 3. Süd-Tor (Godesberger Allee), 4. Kreuz Labor + Telekom
(Kreuzung A562 - B9)Seite 24 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 19
d. Verkehrskonzept
Ausgangslage
Die Verkehrssituation im Bundesviertel wird durch die beratenden
Verkehrsplaner des Büros VSU wie folgt beschrieben: „Das
Verkehrsnetz mit den drei Haupterschließungsachsen, die über den
Trajektknoten und den Endpunkt der BAB 562 miteinander verknüpft
werden, bildet die Grundlage für die Erschließung des
Bundesviertels. Aus der Lage im Stadtraum ergibt sich, dass eine
Ausweitung der Straßeninfrastruktur nicht möglich ist, denkbar sind
kleinräumige Ergänzungen. In den Spitzenstunden sind die
Zubringerstraßen hoch ausgelastet, erhebliche
Reisezeitverlängerungen durch Staus liegen regelmäßig vor. Die
Auslastung der verkehrlichen Infrastruktur in den Spitzenzeiten
erfordert bei einer anhaltenden baulichen Entwicklung allerdings
einen veränderten Modal Split, wenn eine verdichtete Bebauung des
Bundesviertels beabsichtigt wird. […] [Es geht darum], nicht nur die
Neuverkehre, sondern mittel- bis langfristig auch die
Bestandsverkehrsmengen mit Pkw zu reduzieren, um die
zusätzlichen Nutzer vom Straßensystem aufnehmen zu lassen.“
Strategie „Umsteigen“
Die Strategie „Umsteigen“ der Rahmenplanung zielt auf ein
insgesamt verändertes Mobilitätssystem und -verhalten und fördert
damit die Verkehrswende - entsprechend der Nachhaltigkeitsziele der
Bundesregierung und der Sustainable Development Goals der
Vereinten Nationen.16 Es soll eine „Umstiegskultur“ im Sinne eines
veränderten Mobilitätsverhaltens gefördert werden: Der
Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß gehen; Sharing-Modelle)
16 Vgl. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/bundesregierung-klimapolitik-1637146;
https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/, bsd. Goal 11
soll dem Auto vorgezogen werden. Dazu gehört es, (neue)
„Umstiegsorte“ zu entwickeln und attraktiv zu gestalten, um das
Umsteigen komfortabel und effizient werden zu lassen (multimodale
Mobilität und „Seamless Mobility“). Dazu gehört es im Wesentlichen
auch, die Kapazität des schienengebundenen Personennahverkehrs
durch Netzausbau, höhere Taktungen etc. deutlich zu erhöhen. Wer
per Umweltverbund schneller und bequemer ans Ziel kommt als mit
dem Auto, steigt gern um. Es ist klar, dass das „Umsteigen“ nicht nur
lokal im Bundesviertel funktionieren kann, sondern gesamtstädtisch
bzw. regional gedacht werden muss.Seite 25 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 20
Strategie „Umsteigen“, Teil A: Stadt + Region
(vgl. Bildteil, S.44,45)
Auf gesamtstädtischer bzw. regionaler Ebene empfiehlt die
Rahmenplanung, PKW-Verkehre bereits peripher abzufangen und
auf den Umweltverbund zu lenken. Dafür werden an leistungsfähigen
Stadtbahnstrecken am Stadtrand (sechs) „RegioHubs“
vorgeschlagen, an denen Regionalpendler vor den Toren der Stadt
ihr Auto abstellen und per SPNV einpendeln können. An zentralen
Umsteigepunkten innerhalb der Stadt (u.a. Hauptbahnhof, Station UN
Campus) sollen (vier) „StadtHubs“ das System ergänzen und die
Nahmobilität verbessern.
Die „Hubs“ sind mehr als Park+Ride-Stellplatzanlagen. Sie sollen
Umsteigeorte mit einem erweiterten Nutzungsangebot und einer
Aufenthaltsqualität sein, die von allen Altersgruppen und zu allen
Tageszeiten uneingeschränkt nutzbar sind. Zu den Bausteinen
gehören Mobilitätsangebote (Parkierungsanlagen PKWs und
Fahrräder, Sharing-Modelle: Fahrrad, E-Bike, E-Scooter, E-Roller,
Segway etc., Ride-Sharing, Stadtbahn-/Busstation) sowie
Versorgungsangebote, Büros (z.B. Co-Working) oder auch
Freizeiteinrichtungen.
Strategie „Umsteigen“, Teil B: Nahmobilität im BV
(vgl. Bildteil, S.46,47)
Auf Ebene des Bundesviertel zielt die Strategie „Umsteigen“ darauf,
die Nahmobilität zu verbessern.
Dazu soll erstens das bestehende Mobilitätssystem um eine
Seilbahnstrecke und eine neue Busroute „Meile – Westen“ erweitert
werden: Per Seilbahn können der Venusberg mit Klinikum, Dottendorf
(Hindenburgplatz), das Bundesviertel (Station UN Campus) und der
Rheinauenpark (Station am Posttower) mit der gegenüberliegenden
Rheinseite – Beuel (Telekom-Campus) und Station Ramersdorf –
verbunden werden.
Eine neue Busroute „Meile – Westen“ soll den verdichteten „Rücken“
des Bundesviertels über die bahnparallele Straße erschließen, über
die Dottendorfer Straße auch das Miesengelände und „In der Raste“
anbinden und mit den westlich gelegenen Stadtteilen verbinden (z.B.
bis Hindenburgplatz).
Zweitens profitiert das Bundesviertel von der Einrichtung zentraler
Umsteigeorte (Vgl. Umsteigen Teil A): Die Station UN Campus soll
als „StadtHub“ und damit als angemessener Ankunftsort im
Bundesviertel ausgebaut werden. Weiterhin ergänzen Mobilstationen
an U-Bahn- und Seilbahnstationen sowie an den „Mitten“ das
Angebot an Nahverkehrsmittel.
Strategie „Umsteigen“, Teil C: Langsamverkehr im BV
(vgl. Bildteil, S.48)
Schließlich soll auch der Langsamverkehr im Bundesviertel
verbessert werden, indem das Wegenetz für Fahrradfahrer und
Fußgänger erweitert und aufgewertet wird. Die Querachsen sollen als
Boulevards mit breiten Rad- und Fußwegen und Baumbestand
ausgebaut werden - vergleichbar mit der Heussallee. In Nord-Süd-
Richtung soll der „Community Space“ das Bundesviertel über eine
Länge von knapp drei Kilometern vernetzen und verkehrsberuhigte
Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer
bieten. Das bereits in Planung befindliche Radschnellwegesystem
(vgl. VEP 2020) soll ergänzt werden, so dass Rheinufer, Allee,
Magistrale und Meile als Schnell- bzw. Hauptwege ins Zentrum
fungieren und über die Grün- und Rheinbrücke verbunden sind.
e. Umsetzungskonzept
Das Umsetzungskonzept skizziert, wo und wie mit Projekten der
Rahmenplanung begonnen werden sollte, um die gesteckten
Entwicklungsziele effektiv und zeitnah zu erreichen. Eine PhasierungSeite 26 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 21
der Rahmenplanung ist aufgrund der komplexen
Entwicklungsabhängigkeiten nicht möglich und nicht zielführend.
Stattdessen sollen wichtige und chancenreiche Vorhaben priorisiert
und alle Akteure zu einem qualitätvollen Prozess verpflichtet werden.
Das Umsetzungskonzept setzt auf die Strategien „Priorisieren“ und
„Verpflichten“. Die Strategie „Priorisieren“ sortiert Projekte der
Rahmenplanung nach den Kriterien „Wichtigkeit +
Umsetzungschance“. Es werden definiert:
- Schlüsselprojekte, die erheblich zur Erreichung der
Entwicklungsziele im BV beitragen
- städtische Projekte, mit denen die Stadt Bonn zur Erreichung
der Entwicklungsziele im Bundesviertel beitragen kann
- Impulsprojekte, die relativ leicht umsetzbar sind und
gewichtige Projekte in Gang bringen können
- Pionierprojekten, die wichtig sind und gute
Umsetzungschancen haben
Die Strategie „Verpflichten“ benennt Leitlinien zur Sicherung
überdurchschnittlicher Objekt- und Prozessqualitäten für die
Vorhaben im Bundesviertel.
Strategie „Priorisieren“: Schlüsselprojekte
(vgl. Bildteil, S.50)
Schlüsselprojekte sind Vorhaben, die strukturell, programmatisch und
verkehrlich erheblich zur Erreichung der Entwicklungsziele des BV
beitragen: Urbaner Mix, Branchenmix, Verkehrswende, Vernetzung.
Dazu gehören:
- Mitte UN Hub / Station UN Campus
- Mitte Plaza
- Mitte Kiez
- Mitte Höfe
- Labor
- Busdepot
- Grünbrücke
- Community Space
Strategie „Priorisieren“: Städtische Projekte
(vgl. Bildteil, S.51)
Städtische Projekte sind Vorhaben, die aufgrund der
Eigentumsverhältnisse durch die Stadt Bonn initiiert und umgesetzt
werden können. Dazu gehören:
- Grünflächen an A-562
- Straßenräume des Community Space
- Straßenräume der Querachsen
- Bahnparallele Grünflächen
- Parkplatz Petra-Kelly-Allee
- Robert-Schuman-Platz
- Grünfläche „Treff“, Berliner Ring Viertel
- Grünfläche „Treff“, Johanniter Viertel
- Straßenraum der Mitte Postmarkt
Strategie „Priorisieren“: ImpulsprojekteSeite 27 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 22
(vgl. Bildteil, S.52)
Impulsprojekte sind Vorhaben, die kurzfristig umsetzbar sind (Phase
0, bis 2025), Anstoß für größere Veränderungen geben und ein
Bewusstsein für die Entwicklungsziele des BV schaffen. Dazu
gehören:
- Mobilstationen
- Radschnellrouten (Ost-West als Teil der Grünbrücke)
- Mitte Postmarkt
- Treffs
- Umgestaltung Genscherallee
Begleitend zu den genannten baulichen, freiräumlichen,
verkehrlichen Vorhaben wird für die Phase 0 empfohlen,
verschiedene Akteursgruppen zu informieren, zu beteiligen und für
die Umsetzung der Rahmenplanung zu werben. Dazu gehören
beispielhaft folgende Maßnahmen:
- Infoveranstaltung zur Rahmenplanung (nach Beschluss)
- Kommunikationsstrategie zu den Inhalten der
Rahmenplanung erstellen: „Steckbriefe“ für ausgewählte
Schlüsselbereiche als Informationsgrundlage für Investoren
und für weitere qualifizierende Verfahren wie Wettbewerbe
- Beteiligung von Anrainern und Stakeholdern zur Konzeption
und Umsetzung einzelner Projekte (z.B. Community Space,
Treffs, Mitte Postmarkt, Grünbrücke, Robert-Schuman-Platz/
Amphi)
- Marketing / Messen (z.B. Expo Real, Polis Convention)
Strategie „Priorisieren“: Pionierprojekte
(vgl. Bildteil, S.53)
Pionierprojekte sind Schlüsselprojekte, die kurz- bis mittelfristig
umgesetzt werden können (Phase 1, bis 2030): Die Chancen sind
Entwicklungsdynamiken (z.B. Leerstand / Brachflächen / ineffiziente
17 Große Projekte sind Hochhausprojekte (vgl. HH-Konzept) und Projekte mit einer GF über 5.000m²
Flächennutzung, laufende Projekte „in der Nähe“) und
Umsetzungsmöglichkeiten auf städtischen Grundstücken. Dazu
gehören:
- Labor
- Busdepot
- Community Space, Abschnitt Mitte (Genscherallee bis
Grünbrücke):
o Emil-Nolde-Straße (in Kombination mit Umgestaltung
Genscherallee)
o Baunscheidtstraße (in Kombination mit DHL-Neubau)
o Karl-Marx-Straße
o Labor
- Grünbrücke (ggf. zunächst Teilbereich Süd)
Strategie „Verpflichten“
(vgl. Bildteil, S.54)
Die Strategie „Verpflichten“ benennt Leitlinien zur Sicherung
überdurchschnittlicher Objekt- und Prozessqualitäten für die
Vorhaben im Bundesviertel. Dazu gehört die Sicherung der
städtebaulichen Integration und Identität, der Quartiersaufwertung,
der architektonischen und freiräumlichen Qualität, von
Ressourcenschonung / Energieeffizienz / stadtklimatischer Balance,
der Erschließungsqualität, gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse
und auch die Investitionssicherheit und Gleichbehandlung aller
Akteure. Die Leitlinien sichern die hohe Qualität des Stand-, Arbeits-
bzw. Wohnortes für Bewohner, Beschäftigte und Investoren.
Steuerung der Objekt- und Prozessqualität:
Für Schlüsselprojekte und große Projekte17 (Neubau und Sanierung)
gilt:
- Durchführen von architektonischen Wettbewerben nach RPWSeite 28 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 23
- Nachhaltigkeitskonzept zur Umweltverträglichkeit,
Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Klimaschutz und
Mobilität erstellen
- Verpflichtung zur Vernetzung von Grün- und Freiräumen
durch u.a. begrünte Außenanlagen und Fassaden
- Verpflichtung zur Begrünung von Flachdächern
- Auswirkungsstudien für das Umfeld erstellen (Sichtfeld,
Verschattung, Wind, Lärm, Verkehr) und ggf.
Kompensationsmaßnahmen festlegen
- Verpflichtung zu Umfeldaufwertungen durch z.B. Schaffung
von hochwertigen Platz- und Straßenräumen (Aufenthalt,
Sport, Spiel),
- Verpflichtung zu Umfeldaufwertungen durch z.B. Schaffung
von öffentlich nutzbaren Erd-/Sockel-/ Dachgeschosszonen,
von Versorgungs-, sozialen oder kulturellen Einrichtungen
- Verpflichtung zu Umfeldaufwertungen durch das Einräumen
von Wegerechten zur Verbesserung der Nahmobilität
(insbesondere im räumlichen Zusammenhang zum
Community Space)
- Umfeldaufwertung sichern durch u.a. vorhabenbezogene B-
Pläne, städtebauliche Verträge
- frühzeitige Beteiligung der Anrainer und anderer Stakeholder
am Planungsprozess (u.a. zur kontextspezifischen
Umfeldaufwertung)
- Beteiligung des Städtebau- und Gestaltungsbeirates
- Verpflichtung, sich zum Rahmenplan zu verhalten, d.h.
darzustellen, wie das Projekt strukturell, programmatisch und
verkehrlich zur Erreichung der Entwicklungsziele im BV
beiträgt (u.a. Integration in die Entwicklungskonzepte und -
strategien darstellen, Gesamtmodell (digital + analog) zur
Evaluation verwenden)
Es wird empfohlen ein „Begleitgremium Rahmenplanung
Bundesviertel“ einzurichten, bestehend aus VertreterInnen der
Verwaltung und Politik sowie externen Gutachtern. Das Gremium soll
die Umsetzung von Projekten im Bundesviertel beratend unterstützen
und fördern, die definierten Entwicklungsziele evaluieren und in
Relation dazu den Entwicklungsprozess reflektieren.Seite 29 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 24
5. Rahmenplan
a. Gesamtplan (Originalmaßstab 1:2.000)
(vgl. Bildteil, S.56)
Der Rahmenplan im Maßstab 1:2.000 entwirft beispielhaft, wie die
Entwicklungskonzepte und -strategien (Kap.4) integrativ
zusammenwirken. Der Plan stellt die Potentiale des
Betrachtungsraumes vor und ist als ein räumliches Szenario der
zukünftigen Entwicklung zu verstehen.
Im Zusammenwirken mit den vorgestellten Leitlinien der
Entwicklungskonzepte verdeutlicht der Rahmenplan die prägenden
räumlichen Setzungen im Bundesviertel:
Die drei Nord-Süd-Achsen „Meile“, „Magistrale“ und „Allee“ werden
als starke Adressen des Bundesviertels ausgebildet. Ebenso wie die
„Querachsen“ in Ost-West-Richtung sichern sie die Erschließung des
Bundesviertels und werden in Zukunft als Baum bestandene Straßen
mit mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer (u.a. Radschnellwege,
Radhauptwege) gestaltet. Gleichzeitig soll der ÖPNV auf diesen
Hauptrouten ausgebaut werden (u.a. Taktung Stadtbahn + Bus, neue
Buslinie). Der „Stadthub“ an der Station UN Campus, die
„Mobilstationen“ an den Stadtbahnhaltestellen sowie die „Seilbahn“
ergänzen das Konzept des Umsteigens.
Der als „Rücken“ bezeichnete Bereich zwischen „Meile“ und
„Magistrale“ stellt einen großräumigen strukturellen
Verdichtungsraum dar (u.a. Areal des ehemaligen
Landesbehördenhauses, Miesengelände, In der Raste). Einzelareale
(„Spicken“) im Bereich zwischen „Magistrale“ und „Allee“, wie das
Busdepot, ergänzen die strukturelle Verdichtung ebenso wie die
Ausbildung eines klaren „Randes“ zum Rheinauenpark. Die bauliche
Verdichtung wird ausbalanciert durch neue, großräumige Freiräume
wie die „Grünbrücke“ und das „Community Space“. Diese sind als
multicodierte Freiräume für Sport, Erholung, Freizeit, für
Regenwassermanagement und weitere stadtklimatische Funktionen,
für urbane Landwirtschaft und Gärtnern, für informelles Arbeiten und
Pausenzeiten sowie als Wegräume für den Fußgänger- und
Radverkehr konzipiert.
Die „Tore“ als Eingänge und „Mitten“ als programmatisch und
stadträumliche Anziehungspunkte sind durch Hochpunkte in je
angemessenem Maßstab (Kat. S, M, L) markiert.
Das „Labor“ bildet die geografische Mitte des Bundesviertels und
stellt als neuer Standort für die Kultur-/Kreativ- und Wissensökonomie
und für urbane Produktion ein Schlüsselprojekt der zukünftigen
Entwicklung dar.
b. Ausschnitt Bereich Nord
(vgl. Bildteil, S.57-59)
Der Bereich Nord zeigt den „Neuen Kanzlerplatz“ und das Areal
südlich des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) (Willy-Brandt-Allee / Welckerstraße) als
Hochhausstandorte - die „Nordtore“ in das Bundesviertel. Für das
Areal Willy-Brandt-Allee/ Welckerstraße kämen ggf. die Vereinten
Nationen als Nutzer in Frage; der Standort liegt im Nahbereich des
UN Campus sowie repräsentativ und gut erreichbar an der
„Magistrale“. Die Erweiterung der UN am Standort Bonn soll durch
die Rahmenplanung unterstützt werden; ein Hochhausstandort (Kat.
M) wäre im Hinblick auf die Bedeutung der UN für das Profil und
Image der Stadt Bonn durchaus angemessen.
Im Ausschnitt Bereich Nord liegen auch der StadtHUB mit der Station
UN Campus, der Seilbahnstation und einer Mobilstation sowie die
Mitte „Markt“ am Posttower, ebenfalls mit Seilbahnstation. Beide sind
als Hochhausstandort der Kategorie S (40m) geplant. Die Station UN
Campus wird mit einer Bahnhofsbrücke (Büro, Handel, Gastro) undSeite 30 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 25
einem Hochhaus (Kongresse, Veranstaltungen, Hotel /
Boardinghouse) überbaut. (vgl. Vertiefungsbereich „StadtHUB“).
Der Straßenraum um den „Markt“ am Posttower (Fritz-Erler-Straße/
Fritz-Schäffer-Straße) soll als Shared-Space mit Aufenthaltsmobiliar
umgestaltet werden, so dass sich eine Stadtplatz ähnliche Situation
für Märkte, Mittagsangebote, After-Work-Veranstaltungen etc. ergibt.
Öffentliche Nutzungen und Gastronomieangebote in den
Erdgeschossen der umliegenden Bebauung sollen das Profil
ergänzen.
Der Parkplatz zwischen Charles-de-Gaulle-Straße und
Heimkehrerweg soll – der Lage angemessen - ein attraktiver Ort am
Rhein werden: „Rheinblick“. Die freiwerdende Fläche wird als
Stadtplatz mit Mobilstation (Café, Fahrradverleih etc.) genutzt. Hier
könnte auch ein Badeschiff anlegen.
c. Ausschnitt Bereich Mitte
(vgl. Bildteil, S.60-64)
Der Bereich Mitte wird durch die „Grünbrücke“, ein Landschaftspark
beidseitig der A562, und durch das „Labor“, ein Kreativ-Quartier mit
Anteilen Forschung, Bildung, Kultur, Kongresse, Produktion und
Wohnen, wesentlich geprägt (vgl. Vertiefungsbereiche „Labor“ +
„Grünbrücke“). Am Kreuz der B9 und der A562 sind zwei
Hochhausstandorte („Telekom“18 + „Labor“) der Kategorie L geplant,
die an diesem wichtigen Entwicklungsbereich Impulse setzen.
Der Ostrand des Bundesviertels zum Rheinauenpark wird an der
Petra-Kelly-Allee durch eine Kette von Punkthäusern auf einem
zweigeschossigen Sockel gebildet. Der zweigeschossige Sockel
vermittelt zwischen dem Niveauunterschied zwischen Petra-Kelly-
Allee und Sträßchensweg und wird gewerblich (z.B. Praxis, Gastro,
18 Für das Hochhaus „Telekom“ besteht bereits Planungsrecht.
Laden, Studio) genutzt; die Punkthäuser mit Blick auf Rheinauenpark
und Rhein dienen dem Wohnen.
Der Ostrand zum Rheinauenpark an der Ludwig-Erhard-Allee wird
durch Bürobauten arrondiert. Ein hybrid genutztes Hochhaus
(Wohnen + Büro) der Kategorie L bildet an der A562 das „Ost-Tor“ in
das Bundesviertel.
Jenseits der Bahnstrecke sieht die Rahmenplanung auf dem
„Miesengelände“ einen Standort für Kultur- und Kreativwirtschaft, für
Forschungseinrichtungen sowie für verträgliche (da emissionsarme),
innovative Produktionsbetriebe vor. Der Bereich „In der Raste“ als ein
gemischt genutztes Quartier - vorwiegend mit Wohnnutzungen (u.a.
Baugruppen, Gemeinschaftswohnen, Mehrgenerationenwohnen) –
entwickelt werden. Beide Areale werden zu den Gleisen durch
Gebäuderiegel (fünfgeschossig) abgeschirmt, die hauptsächlich
gewerblich genutzt werden.
Die „Mitte Plaza“ bildet einen Anziehungspunkt an der Kreuzung von
„Meile“ und Dottendorfer Straße. Hier ist ein Stadtplatz mit Grün- und
Wasserbereichen und ein Gebäudekomplex mit urbanem
Nutzungsmix geplant - wie Handel, Gastro, soziale, kulturelle,
gesundheitliche Einrichtungen sowie mind. ein Drittel
Wohnnutzungen. Ein Hochhaus der Kategorie S verweist hier auf die
Mittenfunktion. Zusammen mit dem in Planung befindlichen, nördlich
angrenzenden DHL Campus entsteht hier in Zukunft ein lebendiges
und stadträumlich hochwertiges Ensemble.
Die „Mitte Amphi“ ist als Stadtplatz innerhalb der
„Ministerienlandschaft“ konzipiert. Als terrassierte „Landschaft“
zoniert sollen hier Orte für informelles Arbeiten, für Pausenzeiten, für
Mittagsangebote, aber auch für größere Veranstaltungen wie Open-
Air-Kino / -Konzerte, Sommerfeste etc. entstehen. Im Tiefgeschoss
können Fahrräder und PKW geparkt werden; die Mobilstation an derSeite 31 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 26
Haltestelle Robert-Schuman-Platz fördert die Nahmobilität für ÖPNV-
Pendler.
Der „Treff“ im Johanniterviertel sieht vor, die bestehende Grünfläche
an der Adalbert-Stifter-Straße durch Vegetation und Mobiliar
aufzuwerten, für Sport und Spiel nutzbar zu machen und mit einem
Nachbarschaftshaus für Bildung, Veranstaltungen etc. zu
kombinieren.
d. Ausschnitt Bereich Süd
(vgl. Bildteil, S.65-68)
Im Bereich Süd befindet sich ein großräumiger Potentialbereich im
„Rücken“ zwischen Meile und Magistrale. Hier empfiehlt die
Rahmenplanung zu prüfen, ob durch einen schrittweisen Rückbau
und Neustrukturierung eine effizientere Flächennutzung mit einer
erhöhten baulichen Dichte, bei gleichzeitiger freiräumlicher
Qualifizierung erreicht werden kann. Der Rahmenplan zeigt eine
Blockstruktur, in die sich mittig der Community Space als Wegraum
und hofähnlicher Grünraum einbettet (vgl. Vertiefungsbereich
„Community Space“).
Die „Mitte Kiez“ an der Annaberger Straße ist als Ensemble von
gemischt genutzten Blöcken gruppiert um einen großzügigen
Stadtplatz konzipiert. Soziale und kulturelle Einrichtungen,
Einzelhandel und Bildungseinrichtungen sollen hier den „Kiez“
versorgen, in den Obergeschossen wird auch gewohnt. Ein hybrid
genutztes Hochhaus der Kategorie S sorgt für Orientierung und
Sichtbarkeit innerhalb des Quartiers.
Das „Süd-Tor“ wird durch ein hybrid genutztes Hochhaus der
Kategorie M gebildet. Die im Bestand gewerblich genutzte Fläche
kann deutlich baulich verdichtet werden, um hier – im „Bundesviertel
Süd“ neue Lagen zu erschließen und den Bereich um die
Stadtbahnstation Hochkreuz/ Deutsches Museum deutlich
aufzuwerten.
Dazu trägt auch die „Mitte Höfe“ bei, die Raum für Büros und
verträgliche Produktion, aber auch für Wohnnutzungen sowie Handel
und Gastronomie bietet. Der Baum bestandene Freiraum an der
Kreuzung Godesberger Allee / Kennedyallee wird erhalten und
gestärkt und leitet in die Sequenz von Höfen und zentralem Platz.Seite 32 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 27
Das „Busdepot“ bietet das Potential, das Gesamtareal durch
Stapelung von Flächen effizienter zu nutzen und zu entsiegeln. Der
Rahmenplan skizziert einen von der Godesberger Allee
erschlossenen Bereich mit einer fünfgeschossigen Bebauung für das
Busdepot und einen rückwärtigen, dem Berliner Ringviertel
zugeordneten Teil als gemischtes Wohnquartier (vier- bis
sechsgeschossig) mit Pocket Park (vgl. Vertiefungsbereich
„Busdepot“).
Der „Treff“ im Berliner Ringviertel an der Kreuzung Langer
Grabenweg / Brandenburger Straße wertet das bestehende Gebäude
und die nordwestlich gelegene Freifläche auf, so dass hier –
vergleichbar mit dem Treff im Johanniterviertel – ein
Nachbarschaftshaus mit Grün-, Spiel- und Sportflächen entstehen
kann.
An der Ostseite des Bundesviertels entsteht mit dem Bauvorhaben
des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an
der Kreuzung Ludwig-Erhard-Allee / Kennedyallee ein neuer
Stadtbaustein, der aus Sicherheitsgründen abgeschirmt sein wird und
hinsichtlich der Belebung der öffentlichen Räume wenig Spiel bietet.
Ein Hochhaus der Kategorie S markiert hier einen (im Vergleich zu
den anderen Toren) nachgeordneten Zugang in das Bundesviertel.
Gegenüberliegend ist mit der kleinen „Mitte Südpark“ ein neuer
Eingang in den Rheinauenpark skizziert worden: ein Gebäude mit
Nahversorgungseinrichtungen und ein gut gestalteter Stadtplatz als
Parkadresse und mit Aufenthaltsqualität.
e. Kennwerte
19 Die Berechnung der Geschossflächen erfolgte methodisch auf Grundlage des 3D-Gebäudemodells der
Geobasis NRW und der daraus ermittelten Gebäudevolumina. Für Baublöcke mit vorwiegender
Wohnnutzung ist eine Geschosshöhe von 3,00m je Gebäude, für Baublöcke mit einer vorwiegenden
Büronutzung ist eine Geschosshöhe von 3,75m je Gebäude angenommen worden. Der Quotient von
Geschossfläche Bestand
(vgl. Bildteil, S.69)
Der gesamte Betrachtungsraum der Rahmenplanung umfasst ca.
500ha und eine Geschossfläche von ca. 2.800.000m².19
Geschossfläche Rückbau
(vgl. Bildteil, S.70-71)
Die Geschossfläche Rückbau (Abriss) entspricht insgesamt ca.
400.000m², davon entfallen ca. 340.000m² auf Arbeitsflächen / Nicht-
Wohnnutzungen, das sind 85%, und 60.000m² auf Wohnflächen, das
sind 15%.
Die Rahmenplanung erhält 2.400.000m² der bestehenden
Gesamtgeschossfläche, das sind 86%.
Geschossfläche Neubau
(vgl. Bildteil, S.72)
Auf Grundlage der im Rahmenplan M 1:2.000 skizzierten
Gebäudestruktur und -höhen ist die Geschossfläche Neubau
beispielhaft berechnet worden. Insgesamt zeigt der Plan
Neubaupotentiale von ca. 1.300.000m² Geschossfläche auf.
Abzüglich der Rückbauflächen (ca. 400.000 m²) ergibt sich ein
Geschossflächenzuwachs von insgesamt ca. 900.000m². In Summe
mit den erhaltenen Bestandsflächen (ca. 2.400.000 m²) ergibt sich ein
Geschossflächenangebot von ca. 3.700.000m². Das entspricht einem
Zuwachs von ca. 32%.
Die Geschossfläche Neubau, die dem Wohnen gewidmet ist, beträgt
ca. 417.000m². Abzüglich des Rückbaus von ca. 60.000m² ergibt sich
ein Zuwachs von ca. 357.000m² Geschossfläche. Das entspricht 40%
Gebäudevolumen und Geschosshöhe ergibt je Gebäude die Geschossfläche, die je Baublock und für das
Gesamtgebiet summiert wurden. (Vgl. Kennwerttabelle im Anhang) Die Stadt Bonn unterhält bislang kein
eigenes 3D-Stadtmodell. Das 3D-Gebäudemodells der Geobasis NRW ist kostenfrei verfügbar:
https://www.opengeodata.nrw.de/produkte/geobasis/3d-gm/3d-gm_lod2/Seite 33 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 28
des Geschossflächenzuwachses insgesamt und einem Potential von
3.570 Wohneinheiten (100m²/WE).
Die Geschossfläche Neubau, die dem Arbeiten gewidmet ist, beträgt
ca. 880.000m². Abzüglich des Rückbaus von ca. 340.000m² ergibt
sich ein Zuwachs von ca. 540.000m² Geschossfläche. Das entspricht
60% des Geschossflächenzuwachses insgesamt.
Zuwachs Einwohner und Beschäftigte
Die Einwohneranzahl im Bundesviertel liegt im Bestand bei ca. 4.000
Menschen, die Anzahl der Beschäftigten bei ca. 45.000.20 Die
durchschnittliche Haushaltsgröße in Bonn liegt bei 1,9 Personen: Das
Potential von 3.570 Wohneinheiten entspricht somit einem Zuwachs
von 6.783 Einwohnern (52,6m²/EW). Der Geschossflächenzuwachs
im Bereich Arbeiten von ca. 540.000m² bedeutet einen Zuwachs von
ca. 16.400 Beschäftigten (33m²/AP). Die Einwohnerzahl würde sich
entsprechend von ca. 4.000 auf ca. 11.000 Menschen erhöhen, die
Beschäftigtenzahl von ca. 45.000 auf ca. 61.400.
20 Vgl. Informationsdienst Bundesstadt Bonn 2018 und Statistik aktuell Bundesstadt Bonn 2018Seite 34 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 29
6. Vertiefungsbereiche
a. StadtHUB UN Campus (vgl. Bildteil, S.74-76)
Das überregionale Tor zum Bundesviertel, insbesondere auch zum
UN Campus, bildet die Bahnstation an der Meile. Dieser Ort des
Ankommens soll vom unscheinbaren Bahnsteig zu einem
repräsentativen Umstiegsort, einem StadtHUB, entwickelt werden
und mit Funktionen für Pendler und Anwohner angereichert werden.
Die Station UN Campus wird mit einer „Bahnhofbrücke“ überbaut:
Das Gebäude wird über den Gleisen aufgeständert und verbindet
West- und Ostseite sowie die Gleise selbst miteinander. Hier finden
typische Bahnhofsfunktionen (Bäcker, Cafe, Kiosk, Blumenladen,
Apotheke usw.) ebenso wie Büros (Co-Working) oder auch Services
(Friseur, Fitness etc.) Raum. Ein Hochhaus der Kategorie S markiert
den Ort und bietet Platz für Kongresse, ein Hotel oder Boardinghaus.
Die Station UN Campus wird ergänzt durch eine Seilbahnstation und
eine Mobilstation am Fernbusbahnhof: Das bestehende Parkhaus
wird umgebaut und das Mobilitätsangebot erweitert
(Parkierungsanlagen PKWs und Fahrräder, Sharing-Modelle:
Fahrrad, E-Bike, E-Scooter, E-Roller, Segway etc., Ride-Sharing,
Stadtbahn-/Busstation). Die Genscherallee wird als Baum
bestandener Boulevard nach dem Vorbild der Heussallee ausgebaut.
Langfristig sollte hier die bestehende Wohnbebauung durch eine
flächeneffizientere Struktur ersetzt werden mit zeitgemäßen
Wohnformen und öffentlich genutzten Erdgeschossen. Der
Community Space verläuft hier in der Emil-Nolde-Straße parallel zur
Meile, quert die Genscherallee und setzt sich in der Paul-Clemen-
Straße fort.
b. Labor (vgl. Bildteil, S.77-79)
21 Läpple, Dieter, Produktion zurück in die Stadt. Ein Plädoyer, in: Stadt Bauwelt: Die Produktive Stadt, H. 35,
28, 2016
Auf dem Gelände des ehemaligen Landesbehördenhauses wird in
Zukunft ein wegweisendes neuartiges Quartier im Bundesviertel
entstehen. Im geografischen Zentrum des Viertels und an der
Schnittstelle von Grünbrücke, Meile und Magistrale gelegen soll ein
belebtes und autoarmes Quartier für Kreative, Kulturschaffende,
Wissenschaftler, Produktive und Maker entwickelt werden.
Unterschiedliche Maßstäbe, Funktionen, Branchen und Menschen
treffen hier aufeinander. Die offene, Campus ähnliche Baustruktur
fördert Begegnung und Austausch. Der Community Space verwebt
sich hier mit einem Netz diverser, auch nutzungsoffener Freiräume:
Werkhöfe, Open-Air-Veranstaltungsflächen, möblierte Plätze für
informelles Arbeiten und Meetings sowie Grünflächen für
Pausenzeiten und Entspannung.
Eine Mediathek und das InnovationCenter mit Maker-Spaces und Co-
Working Angeboten lockt Menschen aus der ganzen Region an
diesen Ort. Ein Konferenz- und Veranstaltungshaus ergänzt das
Profil des Bundesviertels als Kongressstandort. Die
innovationsfreundliche Atmosphäre macht das „Labor“ auch für Lehr-
und Forschungseinrichtungen attraktiv. Nicht zuletzt ergänzen
Ateliers und Studios, aber auch Manufakturen und
Handwerksbetriebe als verträgliche Produktionsbetriebe und „stille
Partner der Kreativwirtschaft“ (Ron Shiffman) das Angebot.21
Im „Labor“ soll nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt werden.
Neue Wohnformen, wie Co-Housing oder Mikroapartments, sollen für
gut und gering Verdienende gleichermaßen zur Verfügung stehen.
Das Hochhaus der Kategorie L (100-120m) wird gemischt genutzt.
Mindestens 20% der Geschossfläche werden durch Bewohner
genutzt. Erd- und Sockelgeschosse sind für öffentliche und
halböffentliche Nutzungen, soziale und kulturelle Programme
reserviert.Seite 35 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 30
c. Busdepot (vgl. Bildteil, S.80-82)
Für das Busdepot der SWB an der Godesberger Allee sieht die
Rahmenplanung eine Neuorganisation der Fläche vor. Einerseits
braucht das Depot aus logistischen Gründen eine zentrale Stadtlage
und soll am Ort verbleiben, andererseits handelt es sich um einen
auch für andere Nutzungen attraktiven Standort. Durch das Stapeln
von Abstellflächen für Busse und Serviceflächen (Reinigen,
Reparatur etc.) kann das Gesamtareal effizienter genutzt werden: Es
wird in zwei Teile gegliedert. Auf dem von der Godesberger Allee
erschlossenen Teilbereich sind zwei große, hybrid genutzte Gebäude
für die Programmbausteine des Busdepots vorgesehen: Zwei
Hallengebäude mit einem Tiefgeschoss und zwei Obergeschossen
nehmen die Parkplatz- und Serviceflächen auf. Darauf werden drei
weitere Geschosse als Ring bzw. Riegel gestapelt, die als Büros z.B.
für die Verwaltung des Depots, und als Wohnungen genutzt werden.
Die Dachflächen werden begrünt und als (Wohn-)Höfe genutzt.
Auf dem zweiten, rückwärtig gelegenen Teilbereich wird ein
Wohnensemble mit einem Pocketpark entwickelt: Mehrere vier- bis
sechsgeschossige Punkthäuser gruppieren sich um den Park und am
Langer Grabenweg. Die Erdgeschosse sind für gewerbliche, soziale
und kulturelle Nutzungen reserviert und beleben den öffentlichen
Freiraum. Baugruppen, Familien, Wohngemeinschaften finden hier
einen Wohnstandort, der zeigt, wie urbane Nachverdichtung mit
hybriden Strukturen funktionieren kann. Durch das Anlegen des
Pocketparks wird der zurzeit vollversiegelte Standort auch klimatisch
aufgewertet.
Zwischen den beiden Teilbereichen wird durch eine Wohnstraße eine
neue Verbindung in Nord-Süd-Richtung geschaffen. Nördlich
verbindet ein neuer Fuß- und Radweg die Godesberger Straße mit
dem Langer Grabenweg.
d. Grünbrücke (vgl. Bildteil, S.83-86)
22 Vgl. Platz-Projekt, Hannover, https://platzprojekt.de/
Die Infrastrukturrestflächen beidseitig der A562 werden „gekapert“
und als großer ostwestlich ausgerichteter Park - als „Grünbrücke“ –
gestaltet und für Bewohner und Beschäftigte nutzbar gemacht. So
wird die Lücke im großräumigen Freiraumsystem geschlossen und
Rhein und Rheinauenpark werden über den Südfriedhof und
Venusberg an den Kottenforst angebunden.
Der Park ist ca. 14 ha groß und umfasst vier Teilbereiche, die durch
die Autobahn und die Godesberger Allee getrennt werden. Man
könnte auch sagen, dass die Stadtbahnstation Olof-Palme-Allee in
Zukunft in einem Park liegt.
Südlich der A562 werden die beiden Teilbereiche als „Bachpark“
gestaltet. Beidseitig des renaturierten Annaberger Baches werden
Retentionsflächen, Wassergärten und -speicher angelegt. Der
Baumbestand wird angereichert und verjüngt. Ein Spazierweg wird
separat vom Radschnellweg geführt, der den Radschnellweg an der
„Meile“ mit dem Radschnellweg am Rhein verbindet. Beidseitig des
Weges sind Flächen zum Gärtnern, kleinere Spielflächen und
Platzsituationen mit Bänken angelegt. Der „Bachpark“ umfasst
insgesamt (Teil 1+2) rund 10ha.
Nördlich der A562 wird ein „Sportpark“ als Ergänzung der
bestehenden Vereinsflächen (Tennis) entwickelt: Dieser Teilbereich
(4) umfasst ca. 2 ha. Hier sind Multisportanlagen, ein Skateplatz und
diverse Sportkleinanlagen (Tischtennis etc.) in eine Baumbestandene
Wiese eingebettet.
Der Teilbereich 3 (1,5 ha) liegt ebenfalls nördlich der A562
angrenzend an das Labor. Hier soll ein „Experimentier-Park“ einen
temporären „freien Raum“ bieten. Ein Gründerdorf bildet einen
Satelliten des Labors – gebaut aus vorgefertigten, leicht
demontierbaren Mikroarchitekturen. Die Freiflächen werden als
Grünflächen mit Gemeinschaftsgärten und als kleine Werkhöfe
genutzt.22Seite 36 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 31
e. Community Space (vgl. Bildteil, S.87-90)
In Nord-Süd-Richtung entsteht innerhalb des verdichteten „Rückens“
eine Sequenz öffentlicher und halböffentlicher Freiräume: Der
sogenannte „Community Space“ vernetzt das Bundesviertel über eine
Länge von knapp drei Kilometern und bietet Plätze und Grünräume
mit Gemeinschaftsgärten, Sport- und Spielplätze sowie
verkehrsberuhigte Straßenabschnitte mit viel Raum für Fußgänger
und Fahrradfahrer.
Die Schemaschnitte illustrieren beispielhaft drei Situationen des
Community Space. Der Teilbereich Baunscheidstraße wird in eine
verkehrsberuhigte Straße umgebaut. Stellplätze werden reduziert
zugunsten von breiteren Fußwegen und Gebäudevorbereichen. Die
bestehende Grünfläche östlich der Fahrbahn wird aufgewertet durch
mehr Bäume und Stadtmobiliar. Im Bereich der Gesellschaft für
internationale Zusammenarbeit (GIZ) sind bereits Flächen für Gärten
angelegt, die ausgebaut werden könnten.
Der Schemaschnitt Kiez I zeigt exemplarisch wie ein grüner Abschnitt
des Community Space gestaltet und genutzt wird. Hier ist ein Park
ähnliches, öffentlich nutzbares Freiraumband mit größeren
Baumgruppen skizziert. Mittig verläuft ein Fuß- und Radweg, an den
Aufenthalts- und Spielflächen angelagert sind. Die Grünräume sind
durch Retentionsflächen, Wassergärten und Gemeinschaftsgärten
gegliedert. Angrenzend an die Erdgeschosse befinden sich private
Gärten.
Der Schemaschnitt Kiez II zeigt exemplarisch, eine Platzsituation des
Community Space. Ein Stadtplatz ähnlicher Hof mit grüner Mitte
spannt sich zwischen den Gebäuden auf. Breite, Gebäude bezogene
Freiflächen an den Hofrändern sind für Spiel, Werken, Aufenthalt
oder auch Außengastronomie vorgesehen. Temporäre
Mikroarchitekturen dürfen hier (in Selbstbau) aufgestellt werden und
beleben den Platz als Festzelt, Laube, Gewächshaus,
Fahrradwerkstatt etc.Seite 37 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn. CITYFÖRSTER a+u, Bericht Juli 2019, TEXTTEIL 32
7. Resümee. Beitrag zum Klimaschutz
Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Ressourcenknappheit soll
im Folgenden herausgestellt werden, welchen Beitrag die
Rahmenplanung zum Klimaschutz, zur Verkehrs- und Energiewende
sowie zum Ressourcen und Energie effizienten Bauen leistet.
Das Strukturkonzept (Kap.4a) sieht eine Verdichtung der
bestehenden Stadtstruktur im Innenbereich vor, was dem
grundsätzlichen Nachhaltigkeitsziel der „Innen- vor
Außenentwicklung“ (§1, Abs. 5 BauGB) und der angestrebten
Reduktion der Neuinanspruchnahme von Natur- und
Landschaftsflächen für das Siedlungswachstum entspricht („30ha
Ziel“).
Die Optimierung der Flächennutzung ist in einem Bestandsgebiet wie
dem Bundesviertel zwangsweise auch mit Rückbau von
Gebäudesubstanz verbunden. Der Rückbau ist mit Blick auf den
Ressourcenwert und die Graue Energie der Bestandsgebäude genau
zu prüfen. Ziel von Rückbau und Neubau sollte neben einer
baulichen Verdichtung möglichst eine Reduktion der versiegelten
Fläche und die Qualifizierung von Freiräumen sein.
Rückbaumaterialien sollten wo möglich recycelt werden.
Die bauliche Verdichtung wird durch die Strategie „Freiräumen“
ergänzt: Zwei neue großräumige Grünstrukturen – die „Grünbrücke“
und das „Community Space“ – optimieren und profilieren das
Freiraumsystem im Bundesviertel. Bestehende Grünstrukturen, wie
die Alleen, sollen ausgebaut werden. Das Integrierte Freiraumsystem
2012 der Stadt Bonn wird durch diese Maßnahmen unterstützt. Für
Schlüsselprojekte und große Projekte (Neubau und Sanierung) gilt
die Verpflichtung zur Begrünung von Flachdächern und zur
Vernetzung von Grün- und Freiräumen durch u.a. begrünte
Außenanlagen und Fassaden (Vgl. Umsetzungskonzept, Kap. 4e).
23 Vgl. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/bundesregierung-klimapolitik-1637146;
https://www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/, bsd. Goal 11
Insgesamt sollen bei der Planung von Gebäuden, Freiräumen und
Infrastrukturen „Schwammstadtprinzipien“ angewandt werden. Dazu
gehört das Anlegen von Retentionsflächen, Wasserspeichern (u.a.
auch Zisternen) sowie Mulden-Rigolen-Systemen in Parks und
Straßenräumen sowie die Dach- und Fassadenbegrünungen von
Gebäuden. Die Strategie Freiräumen zielt insgesamt auf die Stärkung
der Biodiversität und eine positive Beeinflussung des Stadtklimas.
Das Nutzungskonzept (Kap. 4b) fordert einen urbanen Nutzungsmix
und die Erhöhung des Wohnanteils im Bundesviertel. Damit wird das
Leitbild einer kompakten, nutzungsgemischten Stadt der kurzen
Wege verfolgt: Fahrten werden reduziert bzw. vermieden, Einpendler
können zu Einwohnern werden.
Das Verkehrskonzept (Kap. 4d) beruht auf der Idee des Umsteigens
und fördert damit die Verkehrswende - entsprechend der
Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung und der Sustainable
Development Goals der Vereinten Nationen.23 Der Umweltverbund
(ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß gehen; Sharing-Modelle) soll gefördert
werden durch den Ausbau von Umstiegsorten (RegioHubs,
StadtHubs, Mobilstationen), eine Kapazitätssteigerung des
schienengebundenen Personennahverkehrs, das Einrichten einer
neuen Buslinie und der Seilbahn sowie durch die Verbesserung der
Langsamverkehre (Ausbau Fuß- und Radwege z.B. Community
Space, Ausbau Radschnellwege und Radhauptwege).
Das Umsetzungskonzept (Kap.4e) sieht neben den bereits
genannten Nachhaltigkeitszielen vor, dass für Schlüsselprojekte und
große Projekte (Neubau und Sanierung) die Verpflichtung zur
Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzeptes gilt mit der Prüfung der
Aspekte Umweltverträglichkeit, Energieeffizienz,
Ressourcenschonung, Klimaschutzes und zukunftsfähige Mobilität.Seite 38 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
Bericht, Juli 2019
Cityförster architecture + urbanism
BiLDteiLSeite 39 von 130

Bonndesviertel
... gehört zu Bonn.
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 4
Buntesviertel
… ist Stadt und Arbeitsplatz.
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 5
Bund@sviertel
… ist offen für die Wissensökonomie.
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 6
Bundesvierte¶~~~
… liegt am Rhein.
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 7
Bundbviertel
… steigt um und sattelt auf.
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 8
Bundesviertel X
… verbindet verschiedene Welten.
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn
CITYFÖRSTER architecture + urbanism 09.04.2019 9
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.2
3a. EntwicklungszieleSeite 40 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.3
3b. LeitbildSeite 41 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.4
4a. Strukturkonzept
Strategie „Verdichten“
Strategie „Freiräumen“
DichtemodellSeite 42 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.5
Strukturkonzept
restriktionen rückbau
+ Potentiale Neubau
„Fundamente“
Ziele:
1. identität stiftende Bereiche
stärken und bewahren
2. innere Potentialflächen
entwickeln und sinnvoll pro-
grammieren
UN Campus
ehem. regierungsviertel
(Kanzlerbungalow, Palais schaumburg etc.)
Johanniterviertel
Berliner ringviertel
telekom
GiZ
Museen
MinisterienSeite 43 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.6
„rücken“
„spicken“
„Parkrand“
Strukturkonzept
strategie
Verdichten
Ziele:
1. ausbalancieren
(Verdichtung N-s-O-W)
2. formen
(ränder strukturieren)
3. aktivieren
(untergenutzter Orte)
4. verbinden
(sprung über die Gleise)Seite 44 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.7
Strukturkonzept
strategie
Freiräumen
Ziele:
1. Lückenschluss freiraumsystem
(Kottenforst - rhein)
2. Begegnungsorte im freien
3. sport, freizeit, erholung stärken
4. Wege attraktiver gestalten
5. ifs unterstützen
„Grünbrücke“
„Communitypark“
„Alleen + Boulevards“
Boulevard
Rhein
Rheinauenpark
Community Space
Süd-Friedhof
Venusberg
Allee
GrünbrückeSeite 45 von 130

nicht bebaut
Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.8
Strukturkonzept
Bestand
Bauliche Dichte
Baublöcke: 96
Baublöcke > 0,5: 20
Baublöcke 0,5-1,0: 26
Baublöcke 1,0-1,5: 29
Baublöcke 1,5-2,0: 11
Baublöcke 2,0-2,5: 5
Baublöcke 2,5-3,0: 2
Baublöcke 3,0-3,5: 0
Baublöcke < 4,0: 2
Gf Bestand: ca. 2.800.000m²
>0,5
0,5-1,0
1,0-1,5
1,5-2,0
2,0-2,5
2,5-3,0
3,5-4,0
3,0-3,5
<4,0
>0,5
0,5-1,0
1,0-1,5
1,5-2,0
2,0-2,5
2,5-3,0
3,5-4,0
3,0-3,5
<4,0
Marriot-Hotel
Bundesrechnungshof
telekom
Posttower
Neuer KanzlerplatzSeite 46 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.9
Strukturkonzept
Dichtemodell
rahmenplanung
Baublöcke: 96
Baublöcke > 0,5: 11
Baublöcke 0,5-1,0: 20
Baublöcke 1,0-1,5: 26
Baublöcke 1,5-2,0: 23
Baublöcke 2,0-2,5: 10
Baublöcke 2,5-3,0: 3
Baublöcke 3,0-3,5: 1
Baublöcke 3,5-4,0: 2
Baublöcke < 4,0: 4
Gf Gesamt: ca. 3.700.000m²
Gf Bestand: ca. 2.800.000m²
Gf Neubau: ca. 1.300.000m²
Gf rückbau: ca. 400.000m²
Gf Zuwachs: 900.000m²
Gf erhalt: ca. 2.400.000 m²
Marriot-Hotel
Posttower
Neuer Kanzlerplatz
Labor
süd-tor
Bsi
telekom
Bundesrechnungshof
nicht bebaut
>0,5
0,5-1,0
1,0-1,5
1,5-2,0
2,0-2,5
2,5-3,0
3,5-4,0
3,0-3,5
<4,0
>0,5
0,5-1,0
1,0-1,5
1,5-2,0
2,0-2,5
2,5-3,0
3,5-4,0
3,0-3,5
<4,0Seite 47 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.10
Strukturkonzept
Dichtezuwachs
rahmenplanung
ränder
tore
rücken
(+ „entwicklungsraum süd“)
nicht bebaut
>0,5
0,5-1,0
1,0-1,5
1,5-2,0
2,0-2,5
2,5-3,0
3,5-4,0
3,0-3,5
<4,0
>0,5
0,5-1,0
1,0-1,5
1,5-2,0
2,0-2,5
2,5-3,0
3,5-4,0
3,0-3,5
<4,0Seite 48 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.11
4b. Nutzungskonzept
Strategie „Mischen“
Nutzungsmodell
Strategie „Pulsieren“
Strategie „Öffnen“Seite 49 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.12
vorwiegend:
Wohnen
Arbeiten
Bildung/soziales/Kultur
ungenutzt
Nutzungskonzept
Analyse
Bestand
vorwiegende Nutzung BV:
Wirtschaftsstandort
(überwiegend Dienstleistung)
Wohnquartiere als enklaven
(Johanniterviertel + Berliner ringviertel)
Museumsmeile
BV in Zahlen:
ca. 45.000 Arbeitsplätze
(= ca. 20% Gesamtstadt)
ca. 4.000 einwohner
(= ca. 1,2% Gesamtstadt)Seite 50 von 130

Rahmenplanung Bundesviertel Bonn, BILDTEIL
cITyföRsTER a+u, Bericht Juli 2019, s.13
Nutzungsmodell
(Nutzungspektrum je Baublock)
Wohnen
Hybrid Wohnen
Büro
Hybrid Büro
Hybrid Mitte
Hybrid KK, Wö/fB, UP
Bildung/soziales/Kultur
Nutzungskonzept
strategie
Mischen
Ziele:
1. Urbaner Nutzungsmix
2. Branchendiversität
3. Wohnen: „mehr, anders,
bezahlbar“ 

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Datenstand: 02.11.2026, 23:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de